Montag, 17. April 2006
Aufklärung heute
Search request: aids durch zungenschlag

Das ist nicht Ihr Ernst, oder?

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Sinnsucht
Der Baum vor meinem Fenster ist über Nacht grün geworden. In wenigen Wochen wird er blühen, dann Früchte tragen, schließlich fallen die Blätter und der Herbst hält Einzug. Ewiger Kreislauf von Geburt und Tod.
Jedes Jahr mache ich meine Steuererklärung. Jedes Jahr wieder. Es ist kein Ende in Sicht. Ich sauge den Staub in meiner Wohnung, der nach zwei Wochen wieder genauso daliegt, als wäre er nie entfernt worden. Meine Fenster sehen unmittelbar nach dem Putzen beim nächsten Regenschauer aus, als wären sie nie gereinigt worden.

Und plötzlich taucht da die Frage nach dem Sinn des menschlichen Treibens auf. Manch einer bemüht in diesem Zusammenhang Begriffe wie göttlicher Plan oder Fügung, wenn nicht gar Schicksal. Nun ist es aber so, dass das menschliche Gehirn auf der Basis der Vergangenheit arbeitet. Wir glauben, etwas das in der Vergangenheit so war, wird sich in der Zukunft wiederholen. Selbst jene, die ihre Umwelt distanziert intellektuell zu erfassen in der Lage sind, neigen ab und an dazu, bestimmte Ereignisse ihres Lebens im Nachhinein zu verknüpfen und daraus einen Sinn abzuleiten. Wenn dies nicht gewesen wäre, hätte ich das nicht erlebt. Für die Zukunft wird der Satz wer weiß wofür das gut ist? herangezogen. Der lässt sich allerdings nur in kausalem Zusammenhang beantworten, wobei die Kausalität wiederum nur ein Abfallprodukt unseres Denkschemas ist. Wäre es denn so schlimm, wenn es keinen Sinn gäbe? Seit Generationen versucht die Menschheit, sich mit der Sinnlüge über vieles hinwegzutrösten. Doch genau betrachtet ist sie nicht viel mehr als eine Ersatzdroge, ähnlich der Religion. Im Grunde genommen ist das auch nicht das Schlechteste. Wenn es hilft, ist nahezu jedes Mittel legitim.

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Sonntag, 16. April 2006
Psychedelic


You are an attentive inventor

via Kaltmamsell

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Buenos Aires
Gestern Jesus Christ unplugged (incl. Dornenpiercing, Tackering und SM), heute Jesus reloaded und morgen dann Christ Revolutions. Natürlich alles im Breitbildformat. So schnell waren nicht mal die Matrix Filmemacher.

Happy Eastern, Western and Southern!

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Alles Leben
Wie lange mochte es her sein, dass sie ihn das letzte Mal gesehen hatte? Damals war alles noch anders. Gerade das Abitur hinter und das Leben noch vor sich. Sie waren unbeschwert, neugierig auf das, was da kommen würde. Voller Träume und Hoffnungen. Ein wenig verliebt waren sie auch. Ineinander, in die Gefühle, in die Romantik. Seitdem ist viel geschehen. Sie ist eine andere, er ein Fremder. Sie haben sich aus den Augen verloren. Vieles wurde unendlich wichtiger. Das Studium, die Karriere, andere Männer, andere Frauen. Er heiratete eine aus ihrem Jahrgang. Nicht die Schönste, nicht die Interessanteste, nicht die Beliebteste. Im Grunde genommen eine Unscheinbare. Aus einem Brief ihrer Mutter zog sie die Vermählungsanzeige, fein säuberlich aus dem Wochenblatt geschnitten. Einige Zeit später erneut eine Anzeige. Auch die war aus dem Wochenblatt geschnitten. Doch diesmal mit dicken schwarzen Rändern. Erst starrte sie eine Weile auf den Namen unter dem Kreuz. Ein Vor- und ein Nachname. Keine Assoziation. Diese beiden Namen passten nicht zusammen. Woher kannte sie ihn? Langsam dämmerte die Erkenntnis. Das Mädchen aus ihrer Klassenstufe trug seit der Hochzeit seinen Nachnamen.

Sie macht sich auf den Weg, weiß nicht, was sie erwarten wird. Natürlich Menschen in schwarz, Menschen in Trauer, mit Blumen und Tränen. Wie soll sie ihm gegenübertreten? Sie weiß nichts von ihm, was er beruflich macht, wer seine Freunde sind. Ein wenig mulmig ist ihr, als sie den Friedhof betritt. Auf dem Weg zur Aussegnungshalle denkt sie kurz darüber nach umzukehren. Doch etwas in ihr, lässt sie weitergehen. Ist es Neugier? Da ist eine merkwürdige Melancholie, eine Erinnerung an längst vergessene Tage, die ihren Schritt vorantreibt. Sie öffnet die Türe. Drinnen ist es kühl, viel zu kühl für dieses Jahreszeit. Das erste Grün sprießt bereits und die Sonne hat den Schnee schmelzen lassen. Im Grunde ist es eine Zeit des Neubeginns. Nicht so für ihn, doch das vermutet sie nur. Sie kennt das Gefühl der Trennung aber noch niemals hat sie einen Menschen durch Tod verloren. Sie weiß nicht einmal, woran seine Frau gestorben ist. Einige Gesichter kommen ihr bekannt vor. Alte Schulkameraden, alte Nachbarn, seine Eltern. Dann steht er vor ihr. Sie gibt ihm die Hand, weiß nicht so recht, was sie sagen soll. Schließlich flüstert sie etwas von Beileid, die rechten Worte mögen nicht kommen. Er hält ihre Hand ein wenig länger, als nötig, schaut ihr tief in die Augen. Die Umstehenden reden. Sie hört Wortfetzen. Arme Frau, so jung, nicht krank, warum hat sie das getan. Langsam dämmert in ihr die Erkenntnis, dass die Frau sich das Leben genommen haben muss. Er scheint gefasst, doch sicher ist sie sich nicht. Dann beginnt die Ansprache des Predigers. Auch der Vater der Verstorbenen spricht, Freunde des Paares, dazwischen Musik aus der Konserve. Immer wieder schielt sie von ihrem Platz zwischen den Köpfen hindurch zu ihm. Einmal dreht er sich um. Ihre Blicke treffen sich. Sie spürt eine Wärme in sich aufsteigen. Am liebsten würde sie gehen, doch sie bleibt sitzen.

Die Feierlichkeiten sind zu Ende, die Frau unter die Erde gebracht. Man treffe sich noch in einer Lokalität in der Nähe. Sie wird jetzt gehen, denn sie gehört nicht dazu. Plötzlich steht er vor ihr. Er packt ihre Hand und zerrt sie weg von der Menge, auf die Halle zu. Ich muss mit dir reden, sagt er, du gehst mir nicht aus dem Kopf. Sie folgt widerwillig. Er öffnet die Türe, sie folgt ihm ins Innere. Drinnen küsst er sie auf den Mund, ohne Vorwarnung, plötzlich, heftig. Wieder spürt sie diese innere Wärme. Auf einmal ist er ihr sehr vertraut. Es ist die Erinnerung an die Gefühle, die Leidenschaft. Sein Körper ist an den ihren gepresst, Worte klingen in ihrem Ohr. Ich habe dich nicht vergessen, immer nur an dich gedacht, dich vermisst. So lange ist es her, dass sie diese Worte das letzte Mal hörte. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Die Situation ist paradox, sie fühlt sich unwohl, überfordert. Seine Hand liegt auf ihrer Brust. Er öffnet ihre Bluse. Sie hält seine Hand fest. Warte, sagt sie, nicht so hastig. In seinen Augen spiegelt sich Verzweiflung und Lust. So nah ist beides beieinander. Er schiebt sie auf eine Bank, küsst sie auf den Mund, den Hals, den Ausschnitt. Ohne nachzudenken schiebt sie ihren Rock nach oben und den Slip beiseite. Er nestelt an seiner Hose. Dann dringt er in sie ein, kommt nach drei Stößen heftig in ihr, sackt zusammen. Sie hält ihn ein wenig. Draußen zwitschern die Vögel in der wärmenden Nachmittagssonne. So nah sie sich eben noch waren, so weit sind sie jetzt voneinander entfernt. Trauer und Lust, alles eines, alles Leben.

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Donnerstag, 13. April 2006
Knapp daneben ist auch vorbei
Diese Werbung wirft in meinem blonden Köpfchen Fragen auf.
"So lange wir ein Geschlecht haben, geht uns Aids etwas an"
Aha. Und wenn wir keines haben, dann nicht?
Ich meine, geht uns der Tsunami auch nix an, weil wir keinen Ozean vor der Haustüre haben?
Oder geht uns Guantanamo am Arsch vorbei, weil wir keine Kriegsgefangenen mehr halten?
Und was wäre dann auf solch ein Exemplar zutreffend?
Im Übrigen erinnert das weibliche Foto irgendwie an Infibulation.
Aber das interessiert ja die Werbefuzzies nicht. Auch wenn Sinn und Zweck nicht sofort ersichtlich werden, hofft so eine Kampagne auf die große Benettonwelle.

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Rechtschreibreform der reformierten Rechtschreibung
Es ist so, dass ich schon zu Schulzeiten nicht mit diesen ganzen Reformen zurecht kam. Da gab es die reformierte Oberstufe, die Reform der reformierten Oberstufe und letztlich dank Mayer-Vorfelder die reformierte Reform der Oberstufenreform. Hätte dieser Mann beizeiten seinen Faible für Fußball ausleben dürfen, hätten nicht unzählige Schüler Baden-Württembergs unter den Ausgeburten seiner Machtfantasien zu leiden gehabt. So aber mussten die künstlerisch Begabten in saure mathematisch-naturwissenschaftliche Äpfel beissen. Nix mit Reli mündlich, wer nicht mindestens Mathe schriftlich in der Abitursprüfung belegte. Nix Kunst LK und gleichzeitig was mit Deutsch. Nein, das musste schon handfest sein und beweisbar, wie z.B. Physik oder Chemie oder wenigstens was in einer fremden Sprache. Nun, wir haben uns durchgebissen und es hinter uns gebracht. Ob wir deswegen bessere Menschen sind, als jene, die in Bremen oder gar Rheinland-Pfalz die Allgemeine Hochschulreife erlangten, wage ich zu bezweifeln.

Und jetzt kommt der nächste Hammer. Man hat die Rechtschreibung reformiert, dann die Reform überarbeitet und schließlich sich auf ein gemischtes System aus alt und neu geeinigt. Halt, stimmt nicht, denn von Einigung ist weit und breit keine Spur. Man wolle anfechten, protestieren und schließlich eine reformierte Reform erzwingen. Merkwürdig, denn in den 80ern gingen Leute gegen Atomkraft und Volkszählungen auf die Straße. Das sind dieselben, die heute Punkte auf Bonuskarten sammeln und in schicken Lofts wohnen, die sie vorbehaltlos von den Münchner Stadtwerken mit Strom und Wärme beliefern lassen. Naja, die Zeiten ändern sich und die Leute müssen halt ihren überschüssigen Idealismmus irgendwo ausleben. Deswegen macht man jetzt an der Rechtschreibung rum. Wie der ein oder andere sicher schon bemerkte, ist mir die Reform ziemlich wurscht. Ich schreibe, wie ich es gelernt habe und halte das sogar für richtig. Dabei befinde ich mich in guter Gesellschaft, denn die Gruppe der Ignoranten wächst täglich. Einziges Novum, das ich angenommen habe, ist das scharfe s durch ss zu ersetzen. Aber selbst da bin ich ziemlich inkonsequent. Überhaupt hat dieses Ding einen Haufen Namen. "Scharfes s" kann ich mir nicht so recht erklären, denn scharf kann Essen sein oder eine auf bestimmte Art gekleidete Dame aber doch kein s. "Es-zet" geht gar nicht. Ich erinnere daran, dass es sich hierbei um einen eingetragenen Markennamen handelt. Die Eszett-Schnitten schmeckten lecker zwischen Brötchen. Wie ß schmeckt, weiß ich bis heute nicht. Im Schwäbischen gibt es den Begriff "dreierles s", was soviel bedeutet wie 3 s, also sss. Kann auch nicht sein, denn die wenigen Worte mit drei s in Folge sind künstlich zusammengefügt, während man jedoch oft schon zwei von der Sorte als solches bezeichnet. Egal, ich mag es nicht, das ß. Lese ich einen Text, in dem bestimmte Worte mit ß auftauchen, glaube ich automatisch, der Autor habe bestimmt einen Zungenschlag oder lisple mindestens. Zurecht meinen Sie nun, das sei eine haltlose Unterstellung. Es ist nur so, dass ich gelesene Texte gleichzeitig in meinem inneren Ohr höre, obwohl ich die Stimme des Autors möglicherweise nicht kenne. Manchmal lese ich sogar laut. Meistens dann, wenn ich die Zeilen mit dem Zeigefinger nachziehe. Nein, ich kann auch freihändig lesen und nein, ich muss ersatzweise nicht bestimmte Passagen mit dem Bleistift unterstreichen (nein, nicht mal mit Lineal). Diese Phase habe ich dank eines guten Therapeuten überwunden. Ersatzweise tourette ich auf anderem Gebiet. Kommen wir zurück zum ß. Wo liegt der Ursprung für das ß? Eltern B und F. Aufgrund eines genetischen Fehlers nach unten inkontinent, dafür oben geschlossen. Mag sein, dass die Öffnung eines Elternteils in der Evolution einfach nach unten verrutscht ist. Vielleicht ist das praktischer. Jedenfalls ist die Rechtschreibevolution grausam und beginnt nun, diesen Mutanten aussterben zu lassen. Das ß kämpft um seine Arterhaltung. Allein es ist zu schwach, um zu überleben.

Genau das sind die Gründe, warum es heute schon die Klugscheisse® gibt. Nachnamen entstehen ja aus Berufsgruppen, Ortsnamen o.ä., da liegt es nur nahe, auf dieses überzüchtete ß zu verzichten und daraus ein ss zu machen. Aber keine Angst, ich habe derzeit nicht vor, mich zu reproduzieren, selbst wenn bei blogger.de schon eine URL mit meinem Namen existierte, als ich hier aufschlug. Damit habe ich nichts zu tun, ehrlich. Ich schwör! Doppelschwör!

Und wer mir jetzt noch verrät, wie man seinen Mitgliedsnamen hier ändert, dem sei mein lebenslänglicher Dank gewiß.

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Walpurgisnacht


Ja, wir lesen schon wieder. Diesmal lesen wir den Winter zu Grabe. Die Hl. Walpurga möge uns beistehen, wenn am alten Nordfriedhof grauslige, ernste, traurige und ironische Texte zu Gehör gebracht werden. Vortragende Hexen und Hexenmeister sind:
Martina Kink, Don Alphonso, Banana und meine Wenigkeit. Als Überraschungsgast kommt der Boandlkramer. Getroffen wird sich bei gutem Wetter um 19.00 am Wegkreuz. Sollte es regnen, finden wir uns im Twisted Bavarian ein, wo wir auch nach der Lesung unseren Leichenschmaus veranstalten werden. Bei unbeständigem Wetter erfahren Sie Genaueres über den Veranstaltungsort zwei Stunden vor Lesungsbeginn in den betreffenden Blogs.

Wer des Winters überdrüssig ist, sollte kommen, um ihn gemeinsam mit uns zu begraben. Dann steht dem Frühling nichts mehr im Wege.

Bitte Decken oder sonstige Sitzgelegenheiten und Kerzen mitbringen.

Nachtrag: gerade erreicht mich die frohe Kunde, dass eine weitere Hexe zugesagt hat. Der Boandlkramer hat noch einiges zu tun, er möge jedoch seine Aktivitäten bitte ebenfalls auf unseren Heimatfriedhof verlegen.

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