Donnerstag, 13. Juni 2019
The heat is on

Hitze ist eine Sache, die ich nur unter einem Sonnenschirm sitzend und bei leichter Brise auf's Wasser blickend mag, während ich mich an gekühlten Getränken erfrische. Klimaanlagen mag ich aber wegen der gefühlt plötzlichen Temperaturschwankung auch nicht. Ich bin der Meinung, dass Frühling und Herbst nur dazu dienen, sich langsam den bevorstehenden Extremtemperaturen anzupassen. Es gab mal eine Zeit, da nahm ich an Tanztrainings teil, die auch bei Innentemperaturen von 36° meine Begeisterung nicht schmälerten. Das ist echte Leidenschaft. Am schlimmsten waren die Stunden mittags und nach einer vollen Profi-Ballettklasse. Der Schweiß körperlicher Arbeit bildete eine Wand, die es beim Eintritt in den Saal zu durchdringen galt. Die Hiphop Lehrerin war jedes Mal ein bisschen stolz, wenn der Schweiß sich 10 Minuten nach Beginn am Spiegel absetzte. Manchmal musste die Klasse deswegen umgestellt werden, denn Tänzer lernen vorwiegend über den Blick in den Spiegel.

Dachgeschossbewohnende kennen mein Leid, wenn die sommerlichen Temperaturen steigen und Nachtschlaf beinahe unmöglich machen. Doch dieses Jahr habe ich beschlossen, Abhilfe in Form eines Ventilators zu schaffen. Nein, nicht irgendeinen Ventilator. Es muss der Apple unter den Haushaltselektrogeräten, der Dyson JB007 sein. Der killt gleichzeitig die bösen Bakterien. Meine heimliche Hoffnung ist, dass dann endlich der Staub unter dem Bett verschwindet. Es saugt und bläst der Heinzelmann...

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Montag, 10. Juni 2019
Ramadama
(bayrisch ugs. etwa: räumen tun wir)

Nachdem ich mehrere Male umgezogen bin und geholfen habe, ein Haus auszuräumen, bin ich leidenschaftliche Ausmisterin geworden. Und das nicht erst seit Marie Kondo. Mit einer Mutter, die nach der Philosophie lebt, man könne alles irgendwann mal wieder brauchen, die aber im Gegensatz zu mir viel mehr Platz hat, klappte die Umsetzung erst mit ein wenig Übung. Denn man könnte sicher genau diese Schachtel in genau dieser Größe für ein Päckchen irgendwann brauchen und genau diesen Nagel würde man sicher vermissen, wäre er erst einmal entsorgt. Dass sich Kleidungsstücke aus Baumwolle zu Putzmaterial umfunktionieren lassen oder man darin noch wunderbar Garten- und Malerarbeiten verrichten kann, muss ich wohl nicht erwähnen. Aber wenn sich die Schachteln in genau dieser Größe türmen, ich aber bei Bedarf wieder keine passende finde, dann ist die Zeit gekommen, alles dem Gott des Sperr- oder Restmülls zu opfern.

So fing ich peu à peu an, mich von Vielem zu trennen. Einiges fand neue Besitzer in Form von Verkäufen, Anderes wurde gespendet. Familienangehörige und Freunde waren erst freudige, später eher zögerliche Abnehmer. Die beste Methode der Entsorgung - so stellte sich bald heraus - ist die Deponierung am Hauseingang. Nach einiger Zeit wunderte ich mich, was da so alles abgeholt wurde. Zunächst vermutete ich, dass Passanten sich die Sachen nehmen, die sie brauchen. Als selbst Kleinmöbel rasant verschwanden, wurde ich misstrauisch. Ich habe nie beobachtet, wer die Sachen abholt. Vielleicht gibt es einen Nachbarn, der seine abendliche Runde änderte, weil er immer wieder Gebrauchtes vor unserem Haus entdeckt. Wahrscheinlicher ist allerdings eine andere These. In meinem Haus wohnt der ehemalige Verwalter. Als die Garagen renoviert wurden und offen standen, sah ich, was er alles darin hortet. Dann gab es eine Zwangsräumung vor ein paar Jahren. Eine Kommode aus dem Bestand steht heute noch im Keller. Mich würde es also nicht wundern, wenn ich eines Tages all meine abgelegten Sachen in einer der Garage entdecke.

Vor ein paar Tagen ging ich meine alte Vinylsammlung durch. Aufnahmen, die ich seit Jahren nicht mehr höre und einige, die ich noch nie gehört habe, packte ich in eine Tüte und stellte sie einem Mieter vor die Türe, der selbst oft Platten bestellt. Für die Straße schienen sie mir zu wertvoll, denn ein Sammlerherz können Sie vielleicht noch zum Schlagen bringen. Tatsächlich bedankte sich der Nachbar, gab mir aber den Stapel mit einer fehlenden Scheibe zurück. Die Schellackplatten werde ich also inserieren (s. Foto oben), alle anderen habe ich wieder in's Regal geräumt. Es könnte ja sein, ich vermisse eines Tages genau diese Platte. Oder ich lerne einen Sammler kennen, der sich freut wie Bolle.

Diesen Film habe ich öfter als jeden anderen gesehen. Holly trennt sich gleichermaßen schnell von Mensch wie Besitz. Vielleicht hat sie ja am Ende Mr. Yunioshi geheiratet und ihre gemeinsame Tochter mit einem Kondo verbandelt.

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Donnerstag, 6. Juni 2019
Let's Get Physical


Sie erinnern sich vielleicht noch an diesen Song? Tiefe Achziger auf dem Höhepunkt der Aerobicbewegung. Wenn ich im Fitnessstudio (wow 3s) bin, sieht das momentan bei mir eher nach Reha als nach Krafttraining aus. Und auch der Vorturner hat mehr an als nur einen, ja wie nennt man das denn gleich, was Superman da über den blauen Leggings trägt? Dafür gibt es doch sicher einen trendigeren Namen als Slip.

Werde ich zur Zeit gefragt, wie es mir geht, frage ich physisch oder emotional? gegen. Da fällt die Antwort nämlich meist unterschiedlich aus. Ich behaupte, das läge am Alter. Stimmt aber bei mir nicht. Also nicht das Alter, sondern die unterschiedlichen Varianten. Heute geht es mir nämlich zum ersten Mal seit langer Zeit auf beiden Ebenen schlecht, und während mein Motto Durchhalten, nicht aufgeben lautet, möchte ich mich jetzt bitte gleich verkriechen und jammern. Morgen dann halte ich wieder durch. Morgen früh, gleich als allererstes.

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