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Montag, 24. Februar 2020
Tageblog 24.2.2020
frau klugscheisser, 19:50h
Heut zum Fasching etwas Polt:
"Mei Herr Häubl wie immer: Stimmungslied, Standardwitz und a paar Grußworte."
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Die Wiederaufnahme meiner Erwerbstätigkeit steht an, gestaltet sich aber schwierig. Vorwegschicken möchte ich die Besonderheiten in meinem Job, der sich von einer Büro- oder Hotlinetätigkeit gravierend unterscheidet. Ja, ich bin nicht nur bis zu 14 Stunden toujours auf den Beinen, ich kann auch nie abschätzen, was an Unwägbarkeiten und Extrabelastung auf mich zukommt. Es fallen Kollegen aus, Passagiere werden krank oder sterben oder möchten ihren Unmut in Form von körperlicher Aggression zum Ausdruck bringen, Flugzeuge müssen im Fall der Fälle evakuiert werden oder Feuer gelöscht. Das sind eine ganze Menge potentieller Situationen, die mehr als den gewohnten Bewegungsrahmen erfordern. Zudem kann mich ein kleiner Schnupfen in der bösen Druckveränderung Hörprobleme bis hin zur Unfähigkeit des Druckausgleichs haben lassen.
Der Fliegerarzt muss zunächst meine Flugtauglichkeit feststellen. Das tut er, in dem er das betroffene Bein ruckartigen Bewegungstests unterzieht, die Narbe inspiziert und sonstige Auffäligkeiten ausschließt. Alles andere wie etwa Blut und Urin wird sowieso im Rahmen einer Lizenz jedes zweite Jahr getestet. Ich hab' ein bisschen Sorge ob der Untersuchung, denn die Fliegerärzte sind gemeinhin keine sensiblen Zeitgenossen. Als nächsten Schritt werden meine Lizenzen für diverse Flugzeugmuster, Erste-Hilfe und Teamfähigkeit erneuert. Die sind zwar noch vom letzten Jahr gültig, ruhten aber mehr als drei Monate, weshalb sie nun aufgefrischt werden müssen. Zuletzt muss über mein Einstiegsmodell entschieden werden. Ich werde zur Sicherheit nicht sofort voll einsteigen, kann aber mit Hilfe meiner Chefin den Rahmen meines Wiedereinstiegs festlegen. Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern noch eine Woche Urlaub von all den Krankheitsstrapazen.
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München wird überregional mit Schwabing gleichgesetzt und Schwabing ist die Leopoldstraße. Dachte ich zumindest, als ich noch nicht in Schwabing-West wohnte. Ein bisschen München in den Sechzigern.
via Hauptschulblues
***********
Der Nachbar im angrenzenden Haus übt wieder Klavier. Wie mich das nervt! Er übt nämlich nicht, er SPIELT und bleibt automatisch immer an den selben Stellen hängen, die etwas mehr Fürsorge bräuchten. Dann beginnt er wieder von vorne, reduziert das Tempo kurz vor besagter Stelle und nimmt danach wieder Fahrt auf. Schlimm vor allem, weil sich sein Repertoire auf die bekannten Kassenschlager beschränkt. Jetzt also Mondscheinsonate mit Mondfinsternis im Mittelteil.
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Keine Rittersternbilder mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der meine Pflege bis nächstes Jahr überstehen würde. Unsere Wege werden sich also trennen. Dafür Pflegeleichtes aus Holland:

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Nachtrag: Bilder eines heutigen Feuerwehreinsatzes für ganz besonders große Feuerwehrfans

Ist nix Großes passiert, war wohl Fehlalarm
"Mei Herr Häubl wie immer: Stimmungslied, Standardwitz und a paar Grußworte."
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Die Wiederaufnahme meiner Erwerbstätigkeit steht an, gestaltet sich aber schwierig. Vorwegschicken möchte ich die Besonderheiten in meinem Job, der sich von einer Büro- oder Hotlinetätigkeit gravierend unterscheidet. Ja, ich bin nicht nur bis zu 14 Stunden toujours auf den Beinen, ich kann auch nie abschätzen, was an Unwägbarkeiten und Extrabelastung auf mich zukommt. Es fallen Kollegen aus, Passagiere werden krank oder sterben oder möchten ihren Unmut in Form von körperlicher Aggression zum Ausdruck bringen, Flugzeuge müssen im Fall der Fälle evakuiert werden oder Feuer gelöscht. Das sind eine ganze Menge potentieller Situationen, die mehr als den gewohnten Bewegungsrahmen erfordern. Zudem kann mich ein kleiner Schnupfen in der bösen Druckveränderung Hörprobleme bis hin zur Unfähigkeit des Druckausgleichs haben lassen.
Der Fliegerarzt muss zunächst meine Flugtauglichkeit feststellen. Das tut er, in dem er das betroffene Bein ruckartigen Bewegungstests unterzieht, die Narbe inspiziert und sonstige Auffäligkeiten ausschließt. Alles andere wie etwa Blut und Urin wird sowieso im Rahmen einer Lizenz jedes zweite Jahr getestet. Ich hab' ein bisschen Sorge ob der Untersuchung, denn die Fliegerärzte sind gemeinhin keine sensiblen Zeitgenossen. Als nächsten Schritt werden meine Lizenzen für diverse Flugzeugmuster, Erste-Hilfe und Teamfähigkeit erneuert. Die sind zwar noch vom letzten Jahr gültig, ruhten aber mehr als drei Monate, weshalb sie nun aufgefrischt werden müssen. Zuletzt muss über mein Einstiegsmodell entschieden werden. Ich werde zur Sicherheit nicht sofort voll einsteigen, kann aber mit Hilfe meiner Chefin den Rahmen meines Wiedereinstiegs festlegen. Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern noch eine Woche Urlaub von all den Krankheitsstrapazen.
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München wird überregional mit Schwabing gleichgesetzt und Schwabing ist die Leopoldstraße. Dachte ich zumindest, als ich noch nicht in Schwabing-West wohnte. Ein bisschen München in den Sechzigern.
via Hauptschulblues
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Der Nachbar im angrenzenden Haus übt wieder Klavier. Wie mich das nervt! Er übt nämlich nicht, er SPIELT und bleibt automatisch immer an den selben Stellen hängen, die etwas mehr Fürsorge bräuchten. Dann beginnt er wieder von vorne, reduziert das Tempo kurz vor besagter Stelle und nimmt danach wieder Fahrt auf. Schlimm vor allem, weil sich sein Repertoire auf die bekannten Kassenschlager beschränkt. Jetzt also Mondscheinsonate mit Mondfinsternis im Mittelteil.
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Keine Rittersternbilder mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der meine Pflege bis nächstes Jahr überstehen würde. Unsere Wege werden sich also trennen. Dafür Pflegeleichtes aus Holland:

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Nachtrag: Bilder eines heutigen Feuerwehreinsatzes für ganz besonders große Feuerwehrfans

Ist nix Großes passiert, war wohl Fehlalarm
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Sonntag, 23. Februar 2020
Tageblog 23.2.2020 Gedanken
frau klugscheisser, 14:41h
Zum Aufwärmen ein paar wunderbare und intelligente Cartoons von Will McPhail, der für den New Yorker zeichnet. Ich mag besonders, wie er mit Sichtweisen spielt.
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Mit den Sichtweisen ist das so eine vertrackte Sache. Wir gehen ja gemeinhin von der eigenen aus und lassen nur ungern davon ab. Oft kippen Diskussionen darüber in eine Rechthabehaltung, bei der jeder sein Gegenüber von seiner Sichtweise zu überzeugen versucht. Wären wir offen für viele Möglichkeiten der Wahrnehmung und - was noch wichtiger ist - wahrten wir stets genügend Abstand zu uns selbst (Metaebene my ass), gäbe es zu den meisten Äusserung nicht viel mehr als ein loriot'sches Ach zu erwidern. Das mag zunächst langweilig erscheinen, ist es aber nur bedingt. Wir hätten nämlich auf diese Weise viel mehr Ressourcen frei, die eigene Innenwelt aufgeräumt zu halten anstatt immer neue Argumente und Antworten zu generieren. Man kann vieles loslassen, Gedankenschleifen, Argumentationen, Annahmen, Überzeugungen. Ich habe früh gelernt, meinem Kopf zu misstrauen und zu hinterfragen. Andere tun das erst später. Deswegen ist es so müßig, mit Menschen zu diskutieren, die sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsebenen befinden. Deswegen ziehe ich schnell den Rückzug an. Deswegen frage ich mich aber auch, wieso mein inneres Kind danach immer noch in den Boden stampft und Das ist nicht fair! brüllt, wo ich es ihm doch schon so oft erklärt habe.
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Vorbei

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Ein wichtiges Buch von der Anwältin Christina Clemm zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Bitte drücken Sie das Bild:

via twitter @ReisingerWagner und @fraeulein_tessa
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Mit den Sichtweisen ist das so eine vertrackte Sache. Wir gehen ja gemeinhin von der eigenen aus und lassen nur ungern davon ab. Oft kippen Diskussionen darüber in eine Rechthabehaltung, bei der jeder sein Gegenüber von seiner Sichtweise zu überzeugen versucht. Wären wir offen für viele Möglichkeiten der Wahrnehmung und - was noch wichtiger ist - wahrten wir stets genügend Abstand zu uns selbst (Metaebene my ass), gäbe es zu den meisten Äusserung nicht viel mehr als ein loriot'sches Ach zu erwidern. Das mag zunächst langweilig erscheinen, ist es aber nur bedingt. Wir hätten nämlich auf diese Weise viel mehr Ressourcen frei, die eigene Innenwelt aufgeräumt zu halten anstatt immer neue Argumente und Antworten zu generieren. Man kann vieles loslassen, Gedankenschleifen, Argumentationen, Annahmen, Überzeugungen. Ich habe früh gelernt, meinem Kopf zu misstrauen und zu hinterfragen. Andere tun das erst später. Deswegen ist es so müßig, mit Menschen zu diskutieren, die sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsebenen befinden. Deswegen ziehe ich schnell den Rückzug an. Deswegen frage ich mich aber auch, wieso mein inneres Kind danach immer noch in den Boden stampft und Das ist nicht fair! brüllt, wo ich es ihm doch schon so oft erklärt habe.
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Vorbei

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Ein wichtiges Buch von der Anwältin Christina Clemm zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Bitte drücken Sie das Bild:

via twitter @ReisingerWagner und @fraeulein_tessa
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Samstag, 22. Februar 2020
Tageblog 22.2.2020
frau klugscheisser, 12:59h
Irgendwie war der gestrige Tag kürzer als andere, obwohl ich nicht viel mehr gemacht habe. Das Phänomen heißt keine Zeit haben und zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten. Beschäftigt zu sein ist sozial anerkannt und verhindert gleichzeitig, sich Gedanken machen zu müssen - Gedanken, die sich einem aufdrängen über Sachen, die im Bauch rumoren oder die eigentlich überhaupt keinen Sinn ergeben. Mein derzeitiger Job ist Gesund werden. An diesem Projekt arbeite ich jetzt schon eine ganze Weile. Es beinhaltet viel schlafen, regelmäßig essen, ein bisschen Yoga und Physiotherapie. Zudem betreibe ich Sozialtherapie, also Befreundete treffen, auf Parties gehen und mit Unbekannten reden, soziale Kontakte herstellen, sowas in der Art.
Gestern machte ich auf dem Heimweg vom Physiomann noch einen kleinen Abstecher in ein Kaufhaus. Ich brauchte dringend eine kleine Tasche für den Club. Sie wissen schon, für wenn die Kleidung mal wieder keine hat und man aber vor allem Taschentücher und Geld irgendwo unterkriegen muss. Auf meinem Weg durch diverse Stockwerke blieb mein Blick in der Damenwäscheabteilung an einem Tisch mit einer verzierten Augenmaske und einem Halsschmuck hängen, der sehr einem Halsband mit Leine ähnelte. "Ich mach Ihnen das gerne auf." Eine ältliche* Verkäuferin näherte sich mir von der Seite. Nein, das Halsband wollte ich nicht sehen, drückte aber meine Verwunderung darüber aus, dass dieses Accessoire in einem biederen Kaufhaus auf dem Wäschetisch angeboten wird, wo es doch eigentlich für Unterwerfung und in ganz anderem Kontext steht. Sie schaute mich eine Weile wortlos an, meinte dann aber, dieser Artikel würde sehr viel gekauft und die meisten Leute wüssten sicher nicht, was es zu bedeuten hätte. Ja, da waren sie wieder, die 50 Schatten von grau, die popularisierte Form von BDSM, die zur Schonkost verarbeitete Variante für den empfindlichen Durchschnittsbevölkerungsdarm.
Ich erklärte der Verkäuferin kurz, dass mich nicht der Artikel, sondern vielmehr die Tatsache irritiere, dass sowas in diesem Laden zu erwerben sei, denn - seien wir mal ehrlich - die Auskenner kaufen nicht bei Karstadt, die gehen in spezielle Boutiquen oder bedienen sich des einschlägigen Internetangebots. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Dame aufgrund von Äusserlichkeiten einschätzte, jedoch nichts über sie weiß. Wie kann ich wissen, welche Vorlieben sie hat und in welchen Kreisen sie sich bewegt? Sie reagierte erstaunlich gefasst und professionell, wir lachten noch kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich und fuhr nachdenklich die Rolltreppe zum Ausgang hinunter.
Die geneigte Leserschaft mag sich jetzt wundern, welche Quelle mein Wissen hat. Besagten Film - die Romanvorlage eingeschlossen - habe ich nicht konsumiert, doch als eine damalige Mitseglerin auf unserer Ozeanüberfahrt von der Lektüre berichtete, machten die anderen sich über die beschriebenen Praktiken einerseits lustig, andererseits war ein gewisser Ekel herauszuhören. Ich blieb stumm, denn damals war das alles für mich bestenfalls fremd, ich konnte mir aber zu diesem Gebiet noch keine Meinung bilden. Im Grunde finde ich - gegenseitiges Einvernehmen vorausgesetzt - soll jede/r das tun, was ihn oder sie glücklich macht. Ich würde auch Fußballbegeisterung nicht abwerten, nur weil ich nichts von Fußball verstehe. Und alles was ich nicht verstehe, macht mich grundsätzlich neugierig. Als ich mich beispielsweise im Studium mit Zwölftonmusik auseinandersetzen musste, lernte ich sie nicht nur zu verstehen, sondern auch mit anderen Ohren zu hören und zu respektieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie mag. Die Begeisterung von Menschen ist es, die mich fasziniert. Wenn ein Mensch für eine Sache brennt und davon berichtet, ist mir völlig egal, ob es sich dabei um Musik oder Makramee handelt. Ich lasse mich auf Gedankengänge ein, wie ich auch in Filmen oder Büchern die Gedankenwelt der Protagonisten interessiert verfolge. Auf diese Weise hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen.
Meine Neugier war nun geweckt und ich stürzte mich letztes Jahr in die Szene der BDSM und Swingerclubs. Dabei entdeckte ich viele eigene sowie fremde Vorurteile, die sich auf Beobachtungen von Einzelfällen oder reinen Annahmen stützten. Ein wunderbares Lehrstück war für mich die stille Annahme, dass BDSM immer mit Schmerzen verbunden sei und Unterwerfung mit Verachtung oder gar Mangel an Respekt. Nur soviel vorweg: dem ist nicht so. Ich weiß heute auch, dass die Menschen in dieser Szene weitaus entspannter und toleranter sind, als die, die sich gemeinhin über derartige Praktiken echauffieren. Und ich weiß, dass meine Neugier Grenzen hat, denn ich muss nicht alles ausprobieren, um mit Sicherheit zu behaupten, dass es mir nicht gefällt. Davon aber ein andermal.
*ältlich = für mich altersmäßig nicht einzuschätzen, da aufgrund des konservativen Kleidungsstils und Habitus älter als ihr biologisches Alter wirkend.
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Von der Vergänglichkeit

Gestern machte ich auf dem Heimweg vom Physiomann noch einen kleinen Abstecher in ein Kaufhaus. Ich brauchte dringend eine kleine Tasche für den Club. Sie wissen schon, für wenn die Kleidung mal wieder keine hat und man aber vor allem Taschentücher und Geld irgendwo unterkriegen muss. Auf meinem Weg durch diverse Stockwerke blieb mein Blick in der Damenwäscheabteilung an einem Tisch mit einer verzierten Augenmaske und einem Halsschmuck hängen, der sehr einem Halsband mit Leine ähnelte. "Ich mach Ihnen das gerne auf." Eine ältliche* Verkäuferin näherte sich mir von der Seite. Nein, das Halsband wollte ich nicht sehen, drückte aber meine Verwunderung darüber aus, dass dieses Accessoire in einem biederen Kaufhaus auf dem Wäschetisch angeboten wird, wo es doch eigentlich für Unterwerfung und in ganz anderem Kontext steht. Sie schaute mich eine Weile wortlos an, meinte dann aber, dieser Artikel würde sehr viel gekauft und die meisten Leute wüssten sicher nicht, was es zu bedeuten hätte. Ja, da waren sie wieder, die 50 Schatten von grau, die popularisierte Form von BDSM, die zur Schonkost verarbeitete Variante für den empfindlichen Durchschnittsbevölkerungsdarm.
Ich erklärte der Verkäuferin kurz, dass mich nicht der Artikel, sondern vielmehr die Tatsache irritiere, dass sowas in diesem Laden zu erwerben sei, denn - seien wir mal ehrlich - die Auskenner kaufen nicht bei Karstadt, die gehen in spezielle Boutiquen oder bedienen sich des einschlägigen Internetangebots. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Dame aufgrund von Äusserlichkeiten einschätzte, jedoch nichts über sie weiß. Wie kann ich wissen, welche Vorlieben sie hat und in welchen Kreisen sie sich bewegt? Sie reagierte erstaunlich gefasst und professionell, wir lachten noch kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich und fuhr nachdenklich die Rolltreppe zum Ausgang hinunter.
Die geneigte Leserschaft mag sich jetzt wundern, welche Quelle mein Wissen hat. Besagten Film - die Romanvorlage eingeschlossen - habe ich nicht konsumiert, doch als eine damalige Mitseglerin auf unserer Ozeanüberfahrt von der Lektüre berichtete, machten die anderen sich über die beschriebenen Praktiken einerseits lustig, andererseits war ein gewisser Ekel herauszuhören. Ich blieb stumm, denn damals war das alles für mich bestenfalls fremd, ich konnte mir aber zu diesem Gebiet noch keine Meinung bilden. Im Grunde finde ich - gegenseitiges Einvernehmen vorausgesetzt - soll jede/r das tun, was ihn oder sie glücklich macht. Ich würde auch Fußballbegeisterung nicht abwerten, nur weil ich nichts von Fußball verstehe. Und alles was ich nicht verstehe, macht mich grundsätzlich neugierig. Als ich mich beispielsweise im Studium mit Zwölftonmusik auseinandersetzen musste, lernte ich sie nicht nur zu verstehen, sondern auch mit anderen Ohren zu hören und zu respektieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie mag. Die Begeisterung von Menschen ist es, die mich fasziniert. Wenn ein Mensch für eine Sache brennt und davon berichtet, ist mir völlig egal, ob es sich dabei um Musik oder Makramee handelt. Ich lasse mich auf Gedankengänge ein, wie ich auch in Filmen oder Büchern die Gedankenwelt der Protagonisten interessiert verfolge. Auf diese Weise hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen.
Meine Neugier war nun geweckt und ich stürzte mich letztes Jahr in die Szene der BDSM und Swingerclubs. Dabei entdeckte ich viele eigene sowie fremde Vorurteile, die sich auf Beobachtungen von Einzelfällen oder reinen Annahmen stützten. Ein wunderbares Lehrstück war für mich die stille Annahme, dass BDSM immer mit Schmerzen verbunden sei und Unterwerfung mit Verachtung oder gar Mangel an Respekt. Nur soviel vorweg: dem ist nicht so. Ich weiß heute auch, dass die Menschen in dieser Szene weitaus entspannter und toleranter sind, als die, die sich gemeinhin über derartige Praktiken echauffieren. Und ich weiß, dass meine Neugier Grenzen hat, denn ich muss nicht alles ausprobieren, um mit Sicherheit zu behaupten, dass es mir nicht gefällt. Davon aber ein andermal.
*ältlich = für mich altersmäßig nicht einzuschätzen, da aufgrund des konservativen Kleidungsstils und Habitus älter als ihr biologisches Alter wirkend.
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Von der Vergänglichkeit

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Donnerstag, 20. Februar 2020
Tageblog 20.2.2020
frau klugscheisser, 14:00h
Und wieder so ein schönes Datum. Inzwischen durfte ich feststellen, dass ich kaum noch humple. Großer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie es noch vor einer Woche um das Bein stand. Nur nachts vergesse ich mich manchmal und spanne es an. Dann zuckt ein böser Schmerz durch die Nervenbahnen. Anstatt niciht schlafen können wegen Beinschmerz jetzt wegen Luftnot und Reizhusten. Die letzten beiden Tage im Bett verbracht, was auch mal sehr schön sein kann, nur halt nicht mit verstopfter Nase.
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Die Blütenmeldung
Was mach' ich eigentlich, wenn sie verblüht ist? Muss ich dann für Blogcontent eine neue Pflanze kaufen?
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Ein Künstler, der mit bewegten Alltagsbjekten Geräusche erzeugt. Ich finde die Idee faszinierend und manche Installation großartig. Aber sehen Sie selbst:
Zimoun, Selected Works 3.8
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Im Schwobaländle ist es stets uffgräumt auf der Gass. Umso mehr verwunderte mich dieser alte Ofen, der letztes Wochenende draussen stand. Nur Schmuckstück oder entsorgt? Zustände wie in Berlin, ts.
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Die Blütenmeldung
Was mach' ich eigentlich, wenn sie verblüht ist? Muss ich dann für Blogcontent eine neue Pflanze kaufen?
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Ein Künstler, der mit bewegten Alltagsbjekten Geräusche erzeugt. Ich finde die Idee faszinierend und manche Installation großartig. Aber sehen Sie selbst:
Zimoun, Selected Works 3.8
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Im Schwobaländle ist es stets uffgräumt auf der Gass. Umso mehr verwunderte mich dieser alte Ofen, der letztes Wochenende draussen stand. Nur Schmuckstück oder entsorgt? Zustände wie in Berlin, ts.
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Mittwoch, 19. Februar 2020
Tageblog 19.2.2020
frau klugscheisser, 19:39h
Heute wegen Krankheit geschlossen.
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Dienstag, 18. Februar 2020
Tageblog 18.2.2020 Familienalbum
frau klugscheisser, 11:59h
Möglicherweise wage ich zu behaupten, dass es mir besser geht. Abgesehen von der Erkältung, die ich mir durch Bahnhofswarterei und kranke Physiomenschen eingefangen habe und die jetzt aufblüht, habe ich beim Laufen weniger Schmerzen, nachts nur noch gelegentlich. Yay!
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Aus dem Familienalbum:

Das erste offizielle Familienfoto
Man beachte mein schickes Mäntelchen!

Da war die Oma nur paar Jahre älter als ich heute
Am Stuttgarter Bahnhof steht auf dem Gleis noch ein altes Bahnführerhäusl. Ich glaubte mich an ein Foto aus dem Familienalbum zu erinnern, auf dem auch eines abgebildet ist. Stattdessen sieht man aber den alten Bahnsteig 15/16, auf dem ich am Sonntag zwei Stunden auf meinen Zug wartete und am Häusl bisschen Windschutz bekam. In diesem Zuge habe ich gleich noch ein paar andere digitalisiert. Ich weiß ja nie, wem meiner Eltern ich ähnlich sehe, habe mir aber schon früh gewünscht, adoptiert zu sein.

In Kürze sind solche Fotos nur noch Nostalgie und ich alt.
**********
Blütenstatus:

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Der Artikel über Traumatisierte gilt m.E. auch für Depressive:
Why Trauma Survivors Shouldn’t Think They Are ‘Lazy’
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Aus dem Familienalbum:

Das erste offizielle Familienfoto
Man beachte mein schickes Mäntelchen!

Da war die Oma nur paar Jahre älter als ich heute
Am Stuttgarter Bahnhof steht auf dem Gleis noch ein altes Bahnführerhäusl. Ich glaubte mich an ein Foto aus dem Familienalbum zu erinnern, auf dem auch eines abgebildet ist. Stattdessen sieht man aber den alten Bahnsteig 15/16, auf dem ich am Sonntag zwei Stunden auf meinen Zug wartete und am Häusl bisschen Windschutz bekam. In diesem Zuge habe ich gleich noch ein paar andere digitalisiert. Ich weiß ja nie, wem meiner Eltern ich ähnlich sehe, habe mir aber schon früh gewünscht, adoptiert zu sein.

In Kürze sind solche Fotos nur noch Nostalgie und ich alt.
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Blütenstatus:

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Der Artikel über Traumatisierte gilt m.E. auch für Depressive:
Why Trauma Survivors Shouldn’t Think They Are ‘Lazy’
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Montag, 17. Februar 2020
Tageblog 17.2.2020 Reisen
frau klugscheisser, 11:10h
Am gestrigen Sonntag bin ich um 5.00 aufgestanden, um der 75. Geburtstagsfeier meiner Stuttgarter Freundin beizuwohnen. Sie hatte ihre Gäste zum Mittagstisch gebeten und mich speziell, diese Feier musikalisch zu umrahmen. Um 1.00 heute Morgen war ich wieder zurück in München. Dazwischen lag ein rasanter Uberfahrer, ein verpasster Zug, ein von mir ausgelöster Feuerwehreinsatz, Polizei und Sicherheitskonferenz, ein Flug und viel Puls. Aber der Reihe nach.
Bekanntlich fliege ich als Angestellte einer Fluglinie besonders günstig, sogar günstiger als die Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Zudem bekomme ich inzwischen auch bei der Bahn Vergünstigungen, die jedoch an schlecht ausgelastete Verbindungen geknüpft sind. Als ich am Sonntag um 5.00 aufstehe, habe ich eine Bahnfahrkarte für den Zug um 7.02. Man könnte meinen, die Zeit bis zur Abfahrt genüge, um sich grundzureinigen, aufzuhübschen und von der Wohnstätte mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zu kommen. Dort rechne ich derzeit mindestens 10 Min. Fußweg von unten bis zu den Gleisen ein, denn ich kann nicht schnell gehen. Um 6.20 entscheide ich mich sogar für eine U-Bahn früher. Ich bin zeitlich immer gerne auf der sicheren Seite. Doch das Leben hat andere Pläne mit mir. Als ich nämlich den Aufzug im 3. Stock betrete und auf E drücke, geht die innere Schiebetüre zu und der Indikator leuchtet, sonst bewegt sich aber nichts.
Ich benutze normalerweise die Treppe, selbst mit schweren Einkäufen - nur mit zwei Koffern lasse ich mich zum Dienst vom Aufzug nach unten transportieren. Wenn ich sehr früh morgens zur Arbeit antrete, spiele ich gelegentlich das Aufzugsteckenbleib-Szenario im Kopf durch. Sie wissen schon, das ist dieses Erwachsenending, bei dem Sie Vorfälle antizipieren, die dann doch nicht eintreten. In meiner derzeitigen Situation bediene ich mich wegen Bewegungseinschränkung oft des LIfts. Und der Rucksack an diesem Morgen ist auch nicht so leicht. Ich gehe also auch jetzt im echten Szenario meine Optionen im Kopf durch und drücke erst mal alle Knöpfe, die auch gleichzeitig aufleuchten. Sonst bewegt sich nichts. Der Alarmknopf gibt einen schrillen Ton durch's Treppenhaus ab, der einem sehr lauten Rauchmelder ähnelt. In den Pausen höre ich den Nachhall, so still ist es. Ich drücke die innere Schiebetür zur Seite. Da der Lift noch nicht gefahren ist, presse ich gegen die äussere Türe. Die bleibt aber vorschriftsmäßig verriegelt. Das TÜV Siegel ist von Januar 2020, doch die Notfallnummer des Notdienstes unleserlich.
Zum ersten Mal wird mir klar, wie wichtig jetzt langsames Atmen ist. Mein Puls steigt stetig. Im Hausflur ist immer noch alles ruhig. Ich beginne, mit der Faust gegen die Aussentüre zu hauen und verhalten "Hilfe?" zu rufen. Als ich damit keinen Erfolg habe, wechsle ich zu einem etwas bestimmteren Ausrufezeichen. Da höre ich Nachbarn vor der Türe. Ich sage, sie sollen beim früheren Hausverwalter im 5.Stock läuten, weil der um diese Uhrzeit auf sein Telefon nicht reagiert. Auch ein weiterer Nachbar aus dem 5. weiß, wie man den Aufzug händisch bedient. In der Vergangenheit musste dieses Wissen öfter angewendet werden. Doch auch dieser Nachbar lässt sich nicht in seiner Nachtruhe stören. Die gewählte Notdienstnummer informiert, dass sie nicht mehr zuständig, da der Vertrag ausgelaufen sei. Meine Atemfrequenz steigt. Nun hilft nur noch die Feuerwehr. Wenn die Herrschaften schnell da sind, kriege ich vielleicht sogar noch meinen Zug. In meiner Aufregung rufe ich aber erst mal die 110 und lande bei der Polizei.
"Ja dann ruaffans bittschön a do o wo's hi woin!" sagt der Angerufene, und ich stelle ihn mir wie den Sedlmayr aus der alten Serie Polizeiinspektion 1 vor. In diesem Szenario wäre ich die Frau Gmeinwieser, die sich auf Kinkerlitzchen versteift, während die Herren Beamten wichtige Fälle zu lösen haben. Unter der 112 antwortet ein Herr, der nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit dem Buchstabieren Probleme hat. Mein Straßename ist sehr kurz. Den bekomme ich etwa fünf Mal falsch zurückbuchstabiert. Irgendwann einigen wir uns auf markante GPS Koordinaten, die mein Handy sendet. Dann sage ich zu den Nachbarn, sie könnten sich jetzt wieder schlafen legen, da Hilfe im Anmarsch sei, sollten vorher aber noch die Haustüre unten öffnen.
Wenn demnächst eine Person im Aufzug steckt und ich möglicherweise nicht helfen kann, würde ich auf jeden Fall vor der Türe warten und mit ihr sprechen. Das beruhigt nämlich ungemein. Ich fange also an, in diesem kleinen Vierpersonenaufzug mit mir zu sprechen, bis ich die Feuerwehrmänner eintreffen höre. Sogleich kommt Leben in den Hausflur. Durch den Panzerglasstreifen der Türe sehe ich Taschenlampenkegel. Am rechten oberen Rahmen der Türe ist die Verriegelung, an der sich die Herren zu schaffen machen. Zwischendurch höre ich Kommentare wie, zu kurz, zu breit, wer baut denn heut' noch so einen Mist und die Dreckstür' ist so alt, da hamma kein Werkzeug. Das wirkt nicht zwansläufig beruhigend auf meinen Puls. Ich überlege mir, wie ich mich stelle, falls Funkenflug vom Bolzenschneider und Sie wissen schon, wohin mit dem teuren Mantel und so. Das Backup via Funk hat auch keine gute Idee. Nach viel hin und her geht irgendwann die Türe auf und ich trete in einen Kreis von fünf Feuerwehrmännern in voller Montur, einem Notarzt und zwei Nachbarn, die sich alle auf dem Stockwerk versammelt haben. Einer packt das Equipment weg. Alle schauen mich an, doch keiner erwidert mein fröhliches "Guten Morgen". Ich frage, ob ich noch wo unterschreiben muss, bedanke mich und verschwinde dann in meine Wohnung, schließlich bin ich auf einer Mission. Der Zug ist höchstens noch mit Blaulicht zu erwischen. Das wage ich aber nicht zu fragen, die Herren haben ja bestimmt Wichtigeres zu tun.
Der nächste Zug ist für mich nicht buchbar, seltsamerweise auch nicht über die normale Bahnwebseite. Ich wage nicht, eine Fahrkarte im Zug zu kaufen und buche stattdessen einen Flug. Das Ticket wird mir normalerweise binnen Sekunden zugestellt. Heute finde ich es erst nach Minuten im Spamordner. Ein Uber ist schnell vor Ort, die Zeit drängt. Dem Fahrer erzähle ich eine herzerweichende Geschichte von den Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann und der Freundin, die vielleicht nicht mehr so oft Geburtstag feiert. Er ist zuversichtlich, dass wir in 25 Minuten am Terminal stehen. Durch die Sicherheitskonferenz ist die Polizei auf der Autobahn sehr präsent. Er wagt das blaue Auto nur langsam zu überholen, denn während ich freundlich auf dem Rücksitz winke, liegen wir schon 30 Km/h über der erlaubten Geschwindigkeit. Als wir das Terminal erreichen sind gerade mal 30 Minuten vergangen.
Die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist überschaubar. Ich sage dem Mitarbeiter, er möge meinen Rucksack mit dem teuren Instrument nach dem Scannen im Auge behalten, denn die Sensoren werden bei mir anschlagen. Das gehe nicht, meint er trocken und überhaupt würde ich bestimmt nicht piepsen, denn das sei kein Metallscanner. Ein Inder lässt mich vor sich in die Schlange einfädeln. Natürlich piepse ich, werde abgetastet und nehme anschließend meinen unbeaufsichtigten Rucksack wieder in Empfang. Zum Gate sind es 10 Minuten, doch rennen kann ich nicht. Als die Flugzeugtüre schließt, bin ich die letzte, die ihren Sitz sucht. Der Uberfahrer hat inzwischen seine Runde abgebrochen und fährt wieder Richtung Stadt, denn er war zur Sicherheit und in Aussicht auf eine Fahrt nach Stuttgart noch ein bisschen in der Nähe geblieben. Mein Puls ist jetzt wieder normal.

Am Abend laufe ich zum ersten Mal durch die Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Wege sind lang und für mich beschwerlich. Gleis 15 ist ganz rechts, die Toiletten neben Gleis 1. Das wird aber erst später relevant, denn noch ist mein Zug, der um 19.10 abfahren sollte, nur um 45 Minuten verspätet. Die reine Zugfahrt soll diesmal dreieinhalb Stunden dauern, obwohl man normalerweise mit dem ICE in nur zweieinhalb München erreichen kann. Ich bin an diesen Zug gebunden, wie offenbar viele Andere auch. Ein junger Mann hat die mit abbrechender Stimme durchgesagte Information auch nicht verstanden. So kommen wir in's Gespräch. Irgendwann erzähle ich ihm von meinen wilden Jahren in einem Club namens Das unbekannte Tier, in dem nicht nur die Fantastischen Vier angefangen, sondern auch mein Freund Ralf und ich einst gefeiert haben. Gegenüber stand der Palast der Republik, eine zur Straßenbar umgebaute Stuttgarter Bedürfnisanstalt. Gott, was haben wir da getrunken. Er fragt, was eine Bedürfnisanstalt sei und schlagartig fühle ich mich alt. Unser Gespräch muss seltsam anmuten, dabei ist er so jung auch wieder nicht. Die neue Ansage lautet 110 Minuten Verspätung, der Folgezug fällt aus. Der junge Mann geht sich informieren. Irgendwann kommt er zurück und meint, er würde jetzt über Nürnberg nach München fahren und dass die Zugbindung aufgehoben sei. Ich entscheide zu bleiben, brauche aber jetzt langsam mal eine Toilette.

Um's kurz zu machen, ich bin um 1.00 wieder daheim. Diesmal entscheide ich mich für die Treppe. Der Lift steht immer noch im 3.Stock. Dafür ist es im nächtlichen Hausflur erstaunlich ruhig. Im Bett bin ich erst gegen 2. Aber alles Geld und Mühe haben sich gelohnt, wenn ich mich an das strahlende Gesicht der Jubilarin erinnere. Ich hoffe, wir machen das noch zwanzig Mal so.
Bekanntlich fliege ich als Angestellte einer Fluglinie besonders günstig, sogar günstiger als die Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Zudem bekomme ich inzwischen auch bei der Bahn Vergünstigungen, die jedoch an schlecht ausgelastete Verbindungen geknüpft sind. Als ich am Sonntag um 5.00 aufstehe, habe ich eine Bahnfahrkarte für den Zug um 7.02. Man könnte meinen, die Zeit bis zur Abfahrt genüge, um sich grundzureinigen, aufzuhübschen und von der Wohnstätte mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zu kommen. Dort rechne ich derzeit mindestens 10 Min. Fußweg von unten bis zu den Gleisen ein, denn ich kann nicht schnell gehen. Um 6.20 entscheide ich mich sogar für eine U-Bahn früher. Ich bin zeitlich immer gerne auf der sicheren Seite. Doch das Leben hat andere Pläne mit mir. Als ich nämlich den Aufzug im 3. Stock betrete und auf E drücke, geht die innere Schiebetüre zu und der Indikator leuchtet, sonst bewegt sich aber nichts.
Ich benutze normalerweise die Treppe, selbst mit schweren Einkäufen - nur mit zwei Koffern lasse ich mich zum Dienst vom Aufzug nach unten transportieren. Wenn ich sehr früh morgens zur Arbeit antrete, spiele ich gelegentlich das Aufzugsteckenbleib-Szenario im Kopf durch. Sie wissen schon, das ist dieses Erwachsenending, bei dem Sie Vorfälle antizipieren, die dann doch nicht eintreten. In meiner derzeitigen Situation bediene ich mich wegen Bewegungseinschränkung oft des LIfts. Und der Rucksack an diesem Morgen ist auch nicht so leicht. Ich gehe also auch jetzt im echten Szenario meine Optionen im Kopf durch und drücke erst mal alle Knöpfe, die auch gleichzeitig aufleuchten. Sonst bewegt sich nichts. Der Alarmknopf gibt einen schrillen Ton durch's Treppenhaus ab, der einem sehr lauten Rauchmelder ähnelt. In den Pausen höre ich den Nachhall, so still ist es. Ich drücke die innere Schiebetür zur Seite. Da der Lift noch nicht gefahren ist, presse ich gegen die äussere Türe. Die bleibt aber vorschriftsmäßig verriegelt. Das TÜV Siegel ist von Januar 2020, doch die Notfallnummer des Notdienstes unleserlich.
Zum ersten Mal wird mir klar, wie wichtig jetzt langsames Atmen ist. Mein Puls steigt stetig. Im Hausflur ist immer noch alles ruhig. Ich beginne, mit der Faust gegen die Aussentüre zu hauen und verhalten "Hilfe?" zu rufen. Als ich damit keinen Erfolg habe, wechsle ich zu einem etwas bestimmteren Ausrufezeichen. Da höre ich Nachbarn vor der Türe. Ich sage, sie sollen beim früheren Hausverwalter im 5.Stock läuten, weil der um diese Uhrzeit auf sein Telefon nicht reagiert. Auch ein weiterer Nachbar aus dem 5. weiß, wie man den Aufzug händisch bedient. In der Vergangenheit musste dieses Wissen öfter angewendet werden. Doch auch dieser Nachbar lässt sich nicht in seiner Nachtruhe stören. Die gewählte Notdienstnummer informiert, dass sie nicht mehr zuständig, da der Vertrag ausgelaufen sei. Meine Atemfrequenz steigt. Nun hilft nur noch die Feuerwehr. Wenn die Herrschaften schnell da sind, kriege ich vielleicht sogar noch meinen Zug. In meiner Aufregung rufe ich aber erst mal die 110 und lande bei der Polizei.
"Ja dann ruaffans bittschön a do o wo's hi woin!" sagt der Angerufene, und ich stelle ihn mir wie den Sedlmayr aus der alten Serie Polizeiinspektion 1 vor. In diesem Szenario wäre ich die Frau Gmeinwieser, die sich auf Kinkerlitzchen versteift, während die Herren Beamten wichtige Fälle zu lösen haben. Unter der 112 antwortet ein Herr, der nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit dem Buchstabieren Probleme hat. Mein Straßename ist sehr kurz. Den bekomme ich etwa fünf Mal falsch zurückbuchstabiert. Irgendwann einigen wir uns auf markante GPS Koordinaten, die mein Handy sendet. Dann sage ich zu den Nachbarn, sie könnten sich jetzt wieder schlafen legen, da Hilfe im Anmarsch sei, sollten vorher aber noch die Haustüre unten öffnen.
Wenn demnächst eine Person im Aufzug steckt und ich möglicherweise nicht helfen kann, würde ich auf jeden Fall vor der Türe warten und mit ihr sprechen. Das beruhigt nämlich ungemein. Ich fange also an, in diesem kleinen Vierpersonenaufzug mit mir zu sprechen, bis ich die Feuerwehrmänner eintreffen höre. Sogleich kommt Leben in den Hausflur. Durch den Panzerglasstreifen der Türe sehe ich Taschenlampenkegel. Am rechten oberen Rahmen der Türe ist die Verriegelung, an der sich die Herren zu schaffen machen. Zwischendurch höre ich Kommentare wie, zu kurz, zu breit, wer baut denn heut' noch so einen Mist und die Dreckstür' ist so alt, da hamma kein Werkzeug. Das wirkt nicht zwansläufig beruhigend auf meinen Puls. Ich überlege mir, wie ich mich stelle, falls Funkenflug vom Bolzenschneider und Sie wissen schon, wohin mit dem teuren Mantel und so. Das Backup via Funk hat auch keine gute Idee. Nach viel hin und her geht irgendwann die Türe auf und ich trete in einen Kreis von fünf Feuerwehrmännern in voller Montur, einem Notarzt und zwei Nachbarn, die sich alle auf dem Stockwerk versammelt haben. Einer packt das Equipment weg. Alle schauen mich an, doch keiner erwidert mein fröhliches "Guten Morgen". Ich frage, ob ich noch wo unterschreiben muss, bedanke mich und verschwinde dann in meine Wohnung, schließlich bin ich auf einer Mission. Der Zug ist höchstens noch mit Blaulicht zu erwischen. Das wage ich aber nicht zu fragen, die Herren haben ja bestimmt Wichtigeres zu tun.
Der nächste Zug ist für mich nicht buchbar, seltsamerweise auch nicht über die normale Bahnwebseite. Ich wage nicht, eine Fahrkarte im Zug zu kaufen und buche stattdessen einen Flug. Das Ticket wird mir normalerweise binnen Sekunden zugestellt. Heute finde ich es erst nach Minuten im Spamordner. Ein Uber ist schnell vor Ort, die Zeit drängt. Dem Fahrer erzähle ich eine herzerweichende Geschichte von den Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann und der Freundin, die vielleicht nicht mehr so oft Geburtstag feiert. Er ist zuversichtlich, dass wir in 25 Minuten am Terminal stehen. Durch die Sicherheitskonferenz ist die Polizei auf der Autobahn sehr präsent. Er wagt das blaue Auto nur langsam zu überholen, denn während ich freundlich auf dem Rücksitz winke, liegen wir schon 30 Km/h über der erlaubten Geschwindigkeit. Als wir das Terminal erreichen sind gerade mal 30 Minuten vergangen.
Die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist überschaubar. Ich sage dem Mitarbeiter, er möge meinen Rucksack mit dem teuren Instrument nach dem Scannen im Auge behalten, denn die Sensoren werden bei mir anschlagen. Das gehe nicht, meint er trocken und überhaupt würde ich bestimmt nicht piepsen, denn das sei kein Metallscanner. Ein Inder lässt mich vor sich in die Schlange einfädeln. Natürlich piepse ich, werde abgetastet und nehme anschließend meinen unbeaufsichtigten Rucksack wieder in Empfang. Zum Gate sind es 10 Minuten, doch rennen kann ich nicht. Als die Flugzeugtüre schließt, bin ich die letzte, die ihren Sitz sucht. Der Uberfahrer hat inzwischen seine Runde abgebrochen und fährt wieder Richtung Stadt, denn er war zur Sicherheit und in Aussicht auf eine Fahrt nach Stuttgart noch ein bisschen in der Nähe geblieben. Mein Puls ist jetzt wieder normal.

Am Abend laufe ich zum ersten Mal durch die Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Wege sind lang und für mich beschwerlich. Gleis 15 ist ganz rechts, die Toiletten neben Gleis 1. Das wird aber erst später relevant, denn noch ist mein Zug, der um 19.10 abfahren sollte, nur um 45 Minuten verspätet. Die reine Zugfahrt soll diesmal dreieinhalb Stunden dauern, obwohl man normalerweise mit dem ICE in nur zweieinhalb München erreichen kann. Ich bin an diesen Zug gebunden, wie offenbar viele Andere auch. Ein junger Mann hat die mit abbrechender Stimme durchgesagte Information auch nicht verstanden. So kommen wir in's Gespräch. Irgendwann erzähle ich ihm von meinen wilden Jahren in einem Club namens Das unbekannte Tier, in dem nicht nur die Fantastischen Vier angefangen, sondern auch mein Freund Ralf und ich einst gefeiert haben. Gegenüber stand der Palast der Republik, eine zur Straßenbar umgebaute Stuttgarter Bedürfnisanstalt. Gott, was haben wir da getrunken. Er fragt, was eine Bedürfnisanstalt sei und schlagartig fühle ich mich alt. Unser Gespräch muss seltsam anmuten, dabei ist er so jung auch wieder nicht. Die neue Ansage lautet 110 Minuten Verspätung, der Folgezug fällt aus. Der junge Mann geht sich informieren. Irgendwann kommt er zurück und meint, er würde jetzt über Nürnberg nach München fahren und dass die Zugbindung aufgehoben sei. Ich entscheide zu bleiben, brauche aber jetzt langsam mal eine Toilette.

Um's kurz zu machen, ich bin um 1.00 wieder daheim. Diesmal entscheide ich mich für die Treppe. Der Lift steht immer noch im 3.Stock. Dafür ist es im nächtlichen Hausflur erstaunlich ruhig. Im Bett bin ich erst gegen 2. Aber alles Geld und Mühe haben sich gelohnt, wenn ich mich an das strahlende Gesicht der Jubilarin erinnere. Ich hoffe, wir machen das noch zwanzig Mal so.
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Samstag, 15. Februar 2020
Tageblog 15.2. Adriene
frau klugscheisser, 11:40h
Namasté, Bitches!
Mein liebster Gruß morgens, denn ich mache jetzt online Yoga mit Adriene. Das ist insofern bezeichnend, als ich mit meiner Entzündung nicht wirklich viel mehr tun kann als atmen und andererseits ich in gesunden Zeiten mit Yoga nie viel anfangen konnte. Zu statisch, zu esoterisch, zu bäh. Sollen doch die verquasten Hausfrauen Yoga machen, die für Leistungssport zu weich sind. Ich gehe an meine Grenzen, ich bin tough! So war das noch bis vor meiner OP. Jetzt hilft mir diese Einstellung aber nicht mehr weiter, weshalb ich Adriene mit ihrem sanften "whatever works for you" und "whatever that means to you" nun zulassen kann. Erstaunlicherweise kann ich nämlich doch weich sein, kann in meinen Körper und meine Seele hineinfühlen und nur beobachten ohne kontrollieren oder fordern zu müssen. Ich komme damit klar, dass mein Körper seine Beweglichkeit verloren und dafür ein paar Kilo Fettmasse angesammelt hat. Somit ist Wohlwollen und Akzeptanz schließlich auch bei mir selbst angekommen. Ich mag mich so viel lieber.
Was die nicht mehr vorhandene Beweglichkeit betrifft, das fällt mir zu akzeptieren schon schwer. Früher kamen von Beobachtenden immer Bemerkungen zu meiner Fähigkeit, meinen Körper zu dehnen. Die Vermutung, ich wäre von Geburt an prädestiniert gewesen oder hätte zumindest früh Ballett gemacht, wies ich immer zurück. Nein, das war Arbeit, die, wenn nicht mehr getan, ihre Wirkung verliert. Wie sich unbenutzte Muskeln zurückbilden, verkürzen sich auch Sehnen und Bänder bei mir. Meine Ausgangsbasis mag über der von Durchschnittsübenden liegen, sie ist aber im Vergleich zu vorher so sehr zurückgegangen, dass ich mich schon wundere. Gestreckte Beine und Beugung des Oberkörpers lassen mich meine Hände nicht mehr auf den Boden legen, geschweige denn die Fingerspitzen die Matte berühren. Auch andere Bewegungen sind sehr beschwerlich. Trotzdem mache ich weiter, ohne wie einst darüber in Tränen auszubrechen. Das wird schon, sage ich mir immer. Immer wieder.
Mein liebster Gruß morgens, denn ich mache jetzt online Yoga mit Adriene. Das ist insofern bezeichnend, als ich mit meiner Entzündung nicht wirklich viel mehr tun kann als atmen und andererseits ich in gesunden Zeiten mit Yoga nie viel anfangen konnte. Zu statisch, zu esoterisch, zu bäh. Sollen doch die verquasten Hausfrauen Yoga machen, die für Leistungssport zu weich sind. Ich gehe an meine Grenzen, ich bin tough! So war das noch bis vor meiner OP. Jetzt hilft mir diese Einstellung aber nicht mehr weiter, weshalb ich Adriene mit ihrem sanften "whatever works for you" und "whatever that means to you" nun zulassen kann. Erstaunlicherweise kann ich nämlich doch weich sein, kann in meinen Körper und meine Seele hineinfühlen und nur beobachten ohne kontrollieren oder fordern zu müssen. Ich komme damit klar, dass mein Körper seine Beweglichkeit verloren und dafür ein paar Kilo Fettmasse angesammelt hat. Somit ist Wohlwollen und Akzeptanz schließlich auch bei mir selbst angekommen. Ich mag mich so viel lieber.
Was die nicht mehr vorhandene Beweglichkeit betrifft, das fällt mir zu akzeptieren schon schwer. Früher kamen von Beobachtenden immer Bemerkungen zu meiner Fähigkeit, meinen Körper zu dehnen. Die Vermutung, ich wäre von Geburt an prädestiniert gewesen oder hätte zumindest früh Ballett gemacht, wies ich immer zurück. Nein, das war Arbeit, die, wenn nicht mehr getan, ihre Wirkung verliert. Wie sich unbenutzte Muskeln zurückbilden, verkürzen sich auch Sehnen und Bänder bei mir. Meine Ausgangsbasis mag über der von Durchschnittsübenden liegen, sie ist aber im Vergleich zu vorher so sehr zurückgegangen, dass ich mich schon wundere. Gestreckte Beine und Beugung des Oberkörpers lassen mich meine Hände nicht mehr auf den Boden legen, geschweige denn die Fingerspitzen die Matte berühren. Auch andere Bewegungen sind sehr beschwerlich. Trotzdem mache ich weiter, ohne wie einst darüber in Tränen auszubrechen. Das wird schon, sage ich mir immer. Immer wieder.
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Freitag, 14. Februar 2020
Tageblog 14.2.2020 ohne Worte
frau klugscheisser, 19:50h

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Donnerstag, 13. Februar 2020
Tageblog 13.2.2020 - Instrumente
frau klugscheisser, 19:24h
Da ich keine Termine hatte, bin ich heute einfach etwas länger im Bett geblieben. Genauer gesagt bis 8.00. Dann ohne großes Zicken in die Klamotten und raus zum Einkaufen. Anschließend üben. Ja richtig, ich übe wieder. Wie so eine richtige Musikschaffende. Hintergrund ist der Geburtstag einer Freundin, die sich musikalische Umrahmung wünscht. An der Technik muss nicht zwingend gearbeitet werden, denn da ist über die Jahre erstaunlich viel übrig geblieben, doch die Muskulatur will nach Pausen nicht so recht. Das Schlimme ist, dass bei Blasinstrumenten nie vorherzusagen ist, ob es am nächsten Tag ein guter oder ein schlechter Ansatz sein wird. Das ist nämlich sehr unabhängig vom Vortag. Für Amateure nicht hörbar spüre ich, wie mein Körper sich manchmal sträubt und viel mehr Geduld braucht als an anderen Tagen. Sportler wissen wovon ich rede. Um diesen Zustand zu minimieren, braucht's Übung und Kondition. Daran arbeite ich die letzten Tage wieder.
Was den Laien ebenfalls erstaunen mag, ist die Tatsache, dass ich zwar ungefähr weiß, welche Stücke ich am Wochenende präsentiere, davon aber keines wirklich übe. Ich übe sehr viel schwierigere Sachen - Tonleitern, Läufe, Etüden, kurzum Technikkram. Das andere kommt dann von alleine, weil Repertoire und einst sehr sorgfältig erarbeitet. Gedanken mache ich mir dann kurzfristig über Atemzeichen, diverse Fingersätze - ja auch bei Flöte gibt es die ein oder andere knifflige Fingertechnik, die man notieren muss - und Phrasierungen. Diese Komponenten werden der Tagesverfassung angepasst. Habe ich besipielsweise einen schlechten Ansatz und die Tonqualität leidet oder die Akustik ist nicht zu meinem Vorteil, spiele ich andere Tempi, was andere Phrasierungen und Atemzeichen bedeutet. Sind die Bedingungen ideal, gehe ich oft auf Risiko. Dann lasse ich diverse Atemzeichen weg oder hebe bestimmte Passagen dynamisch hervor.
Was ich noch viel lieber tun würde als komponierte Stücke spielen, ist improvisieren. Das fällt mir sehr schwer, weil ich nur wenig Ahnung von Jazzharmonik habe und meine Finger gerne das spielen was sie kennen - also Dur, moll und verminderte Dreiklänge etc. Wenn ich die Gelegenheit habe, mit meinen renomierten Musikerfreunden im häuslichen Rahmen zu improvisieren, kommt oft der Moment, an dem mir nichts mehr einfällt. Das ist wie das Fehlen der Worte in einer Fremdsprache - man weiß genau was man sagen will, kann es aber nicht umsetzen. Zum Erlernen war ich aber bisher zu faul.
***********
Das Reisen mit Musikinstrument ist eine ganz eigene Sache. Wenn es nicht Anfängerinstrumente sind, haben sie meist einen nicht zu unterschätzenden Wert, der bei Verlust nicht so einfach zu ersetzen ist. Doch selbst sündhaft teure Versicherungen zahlen den Verlust nur, wenn einem das Instrument quasi vom Leib gerissen wird. Am Flughafen muss die Tasche durch den Scanner fahren und wartet am Ende des Förderbandes unbeaufsichtigt, während ich selbst abgetastet werde. Das bereitet mir inzwischen schlaflose Nächte. Keine Ahnung, wie es Musikern geht, die größere und auffällige, weil instrumentengeformte Koffer haben. Ich denke zum ersten Mal über dieses Thema nach.
***********
Auf Wunsch zweier Lesender

Hat sich nicht viel verändert.
***********
Noch was zum Thema Instrumente. Sie kennen Mini-Cams? Genau, das sind die Dinger, die man in Hotelzimmern installieren kann. Ich hielt die Geschichten von Kolleginnen immer für urban legends, bin mir inzwischen aber nicht mehr so sicher.
Gerade auf Twitter gelesen und retweetet:

Dazu ein Recherchevideo von @STRG_F (twitter): Spannervideos: Wer filmt Frauen auf Toiletten?
und ein Artikel aus der Zeit
Was den Laien ebenfalls erstaunen mag, ist die Tatsache, dass ich zwar ungefähr weiß, welche Stücke ich am Wochenende präsentiere, davon aber keines wirklich übe. Ich übe sehr viel schwierigere Sachen - Tonleitern, Läufe, Etüden, kurzum Technikkram. Das andere kommt dann von alleine, weil Repertoire und einst sehr sorgfältig erarbeitet. Gedanken mache ich mir dann kurzfristig über Atemzeichen, diverse Fingersätze - ja auch bei Flöte gibt es die ein oder andere knifflige Fingertechnik, die man notieren muss - und Phrasierungen. Diese Komponenten werden der Tagesverfassung angepasst. Habe ich besipielsweise einen schlechten Ansatz und die Tonqualität leidet oder die Akustik ist nicht zu meinem Vorteil, spiele ich andere Tempi, was andere Phrasierungen und Atemzeichen bedeutet. Sind die Bedingungen ideal, gehe ich oft auf Risiko. Dann lasse ich diverse Atemzeichen weg oder hebe bestimmte Passagen dynamisch hervor.
Was ich noch viel lieber tun würde als komponierte Stücke spielen, ist improvisieren. Das fällt mir sehr schwer, weil ich nur wenig Ahnung von Jazzharmonik habe und meine Finger gerne das spielen was sie kennen - also Dur, moll und verminderte Dreiklänge etc. Wenn ich die Gelegenheit habe, mit meinen renomierten Musikerfreunden im häuslichen Rahmen zu improvisieren, kommt oft der Moment, an dem mir nichts mehr einfällt. Das ist wie das Fehlen der Worte in einer Fremdsprache - man weiß genau was man sagen will, kann es aber nicht umsetzen. Zum Erlernen war ich aber bisher zu faul.
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Das Reisen mit Musikinstrument ist eine ganz eigene Sache. Wenn es nicht Anfängerinstrumente sind, haben sie meist einen nicht zu unterschätzenden Wert, der bei Verlust nicht so einfach zu ersetzen ist. Doch selbst sündhaft teure Versicherungen zahlen den Verlust nur, wenn einem das Instrument quasi vom Leib gerissen wird. Am Flughafen muss die Tasche durch den Scanner fahren und wartet am Ende des Förderbandes unbeaufsichtigt, während ich selbst abgetastet werde. Das bereitet mir inzwischen schlaflose Nächte. Keine Ahnung, wie es Musikern geht, die größere und auffällige, weil instrumentengeformte Koffer haben. Ich denke zum ersten Mal über dieses Thema nach.
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Auf Wunsch zweier Lesender

Hat sich nicht viel verändert.
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Noch was zum Thema Instrumente. Sie kennen Mini-Cams? Genau, das sind die Dinger, die man in Hotelzimmern installieren kann. Ich hielt die Geschichten von Kolleginnen immer für urban legends, bin mir inzwischen aber nicht mehr so sicher.
Gerade auf Twitter gelesen und retweetet:

Dazu ein Recherchevideo von @STRG_F (twitter): Spannervideos: Wer filmt Frauen auf Toiletten?
und ein Artikel aus der Zeit
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