Donnerstag, 8. Mai 2008
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Mir ist vorhin sowas unglaublich Blödes passiert, dass ich es überhaupt niemandem erzählen hier nicht schreiben kann.

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Mittwoch, 7. Mai 2008
Don't worry be happy
In every life we have some trouble,
when you worry you make it double.


Die meiste Aufmerksamkeit bekommt man von seinen Feinden. Es scheint fast unmöglich zu sein, sich gegenseitig souverän zu ignorieren. Nein, man beobachtet sich argusäugisch, beschnüffelt sich, immer zum nächsten Biss bereit. Und keiner ist bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen. Im Gegenteil, man rechnet auf, rechnet so lange, bis die Rechnung zu den eigenen Gunsten steht. Dann springt man auf und schreit laut: "Seht her, der hat mich betrogen. Der ist schlecht und ich bin gut!" nur um ein wenig Bestätigung von schwächlichen Claqueuren zu ernten.

Wurde man zu Schulzeiten gefragt, was man nicht mag, lautete die Standardantwort "intolerante Menschen und Rechthaberei". Was ist aus denen geworden, die solche Antworten gaben? Es ist einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als sich selbst zu hinterfragen. So entstehen auf Sand geführte Kriege. Erst im Kasten, später in Wüsten, erst mit Förmchen, später mit Kügelchen. Das Ziel ist einfach zu taxieren, weil es berechenbar ist, weil es reagiert. Der Treffer muss für den Schützen sichtbar sein, sonst verliert er das Interesse. Er will sein Opfer erlegen, nicht verfehlen.

Warum kann man Häme und Sticheleien so schlecht ignorieren? "Das lasse ich mir nicht gefallen! Das ist ungerecht!" schreien wir, während wir insgeheim den Gleichmut des Dalai Lama bewundern. Ist es denn so schlimm, wenn wir einmal nicht gut dastehen, wo wir doch so oft betonen, wie unabhängig wir von der Meinung anderer seien? Ist es so fürchterlich, wenn wir ungerecht behandelt werden, wo wir doch die Schwächen des Gegenüber erkennen? Ist es die Erinnerung an ein böses Wort oder eine Gemeinheit wert, wo es so viel Schöneres zu memorieren gibt? Wut, Ärger, Verletzung, all das soll nicht ignoriert werden. Gefühle haben ihre Berechtigung. Allerdings sind sie nur das, was wir aus ihnen machen. Wut und Ärger verfliegen, Verletzung heilt. Es sei denn, wir sorgen selbst für ausreichend Brennstoff, um das Feuer zu nähren.

Genug verallgemeinert, meine eigene Nase verrät mir Unangenehmes über mich. Kürzlich fühlte ich mich von einer anderen Person sehr ungerecht behandelt, was mich wütend machte. Und dann erkannte ich ihre Schwächen, ihre Unzulänglichkeiten und ihr Muster. Ich hätte dieses Wissen zu meinen Gunsten ausspielen können. Ich hatte die Wahl, diese Person ebenfalls zu verletzen oder sie zu ignorieren. Ich wählte letztere Möglichkeit. In letzter Zeit wähle ich immer öfter so. Vielleicht bedeutet das einen Fortschritt, bewußt zu entscheiden, was mir schadet und was mir gut tut, im Sinne von selbstverantwortlicher Lebensqualität. Vielleicht ist es aber auch vollkommener Schwachsinn.

Ich bin nicht Gott. Ich übe noch.

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Dienstag, 6. Mai 2008
Paper
Paper

Frage: warum ist Toilettenpapier in Deutschland dreilagig?
Antwort: weil man für jeden Scheiß zwei Durchschläge braucht.


Eigentlich wollte ich ja die Tage über was ganz anderes schreiben. Da waren beispielsweise diese Selbstzweifel, die sich wie Gewitterwolken bedrohlich über mir zusammenzogen. "Ach," denke ich so bei mir "schreibst das wann anders." Das braucht Zeit, das will erst mal verarbeitet sein, verdaut sowieso. Und während ich so verdaue, fällt mir wieder dieser Witz ein.

Ehrlich gesagt bin ich froh, in Deutschland zu leben. Zumindest im Hinblick auf die Toilettenpapiersituation. Jeder, der sich schon mal länger als zwei Tage im Ausland aufhielt, weiß was ich meine. Die ersten zwei Tage könnte man das, was man oben in sich hineinstopft, locker drin behalten. Irgendwann muss aber alles unten wieder raus. Chili und Pepperoni auch schon früher. Da beginnt dann die Misere. Das Gefühl der Erleichterung hält genau so lange an, bis die Hand das entsprechende Papier zur Endreinigung ertastet. Statt reißfest-flauschiger Konsistenz spürt sie dort nur einen Hauch von nichts, sozusagen die Sommerkollektion für das gepflegte Arschloch.

Einige Blätter aus hauchdünnem Zellstoff hängen da von der Wand, die schon bei leichtem Zug zum Abrollen in der Mitte nachgeben. Dieses Papier ist so dünn, das braucht keine Perforierungslinien, das fällt wie Herbstlaub von der Rolle. Das reißt schon, wenn man ganz leise hineinpupst. Ich frage mich dann immer, wozu die Landesbewohner überhaupt Papier in Rollen an die Wand neben der Kloschüssel hängen, wenn nicht zu reinen Dekorationszwecken. Zum Abputzen taugt das Zeug jedenfalls nicht. Schließlich will man sich nicht unbedingt die Hände schmutzig machen. Da sind die Araber schon ehrlicher. Sie lassen das Pseudozweckpapier einfach von vorne herein weg und nehmen die Linke. In Amerika hingegen ist der Schein bekanntlich wichtiger als alles andere.

Dass sich wenig saugfähiges Papier auf dem amerikanischen Markt behaupten kann, liegt vorwiegend an den zu Europäern unterschiedlichen Wischgewohnheiten der Amerikaner. Der durchschnittliche Gesäßreiniger ist dort nämlich ein 'Knüller', d.h. er formt aus den dünnen Blättchen einen stabilen Ballen, während der Europäer eher faltet. Hochentwickelte Kulturen - als Beispiel sei die Schweiz genannt - neigen übrigens eher zum Falten als sogenannte Hygieneentwicklungsländer. Scheinsauberkeit beginnt schon in Südeuropa. Auch dass man die Reißfestigkeit von nassem Toilettenpapier mit Murmeln testet, dass der Konsument lieber auf gelb und blau scheißt als auf rot [Zitat: es muss in der Schüssel was hermachen] und dass der Weg, den benutztes Papier vom Po zum Klärwerk in der Kanalisation zurücklegt, vier bis fünf Stunden dauert (so lange braucht man übrigens mit dem Zug von Bonn nach Berlin) all das lerne ich aus einem Artikel über die Entwicklung eines neuen Toilettenpapieres.

Inzwischen bin ich gegenüber Bewohnern von Ländern, in denen vorwiegend einlagiges Toilettenpapier benutzt wird, mißtrauisch geworden. In Anbetracht der Tatsache, dass sich viele Toilettengänger nach Vollzug nicht die Hände waschen, gewinnt die Reißfestigkeit bzw. Saugfähigkeit von Toilettenpapier eine ganz andere Bedeutung. Das aber nur am Rande. Für meinen persönlichen Komfort brauche ich dreilagiges Toilettenpapier, an Weihnachten gönne ich mir auch mal fünf Lagen. Blümchen müssen nicht sein, ebensowenig diverse Farbschattierungen. Es soll ja Leute geben, die Toilettenpapier nach der Farbe der Fliesen aussuchen. Wenn schon Farbe, dann bitte für jede Lage eine: schwarz-rot-gold, das wär's! Damit ließe sich nicht nur das große Geschäft, sondern auch die Nacht zum 1.Mai viel stimmungsvoller gestalten. Aber das traut sich natürlich wieder keiner. Alle Schisser, die Deutschen. Schon deshalb muss Toilettenpapier in Deutschland dreilagig sein.

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Sonntag, 4. Mai 2008
Muta d'accento e di pensiero
Ich glaube nicht, daß die Italiener in der Frauenpsychologie über die Erkenntnis La Donna è mobile hinausgekommen sind.

Karl Kraus

via

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Freitag, 2. Mai 2008
I've had the taste of danger
Wenn man im Urlaub oder auf Parties mit Unbekannten ins Gespräch kommt, wird früher oder später die Frage nach dem Beruf gestellt.
"Und was machst du so?"
Wie ich sie hasse, wie ich mich winde, sie zu beantworten, wie ich das schleifende Geräusch der Schubladen förmlich hören kann, wie ich sie in den Gesichtern zugeschoben sehe, wenn endlich meine Antwort fällt. Ich kann sie nachvollziehen, die Frage. Womit beschäftigt sich dieser Mensch tagein, tagaus? Was sind seine Interessen? Bemerkenswerterweise üben immer mehr Menschen dieser Tage eine Tätigkeit aus, die weder mit ihren Interessen, noch ihrem erlernten Beruf auch nur das Geringste zu tun hat. Wenn sich da mal nicht die ein oder andere völlig falsche Schublade schließt.

Und dann begegnet mir noch so ein Phänomen in regelmäßigen Abständen. Nenne ich meine Einkunftsquellenbezeichnung, dann hat sofort jeder was dazu zu sagen. Jeder ist schon mal geflogen, hat eine Geschichte parat, jeder kennt sich - bei mindestens zwei Ferienflügen im Jahr - aus oder hat eine vermeindlich originäre Frage. Viele beklagen sich über die Arroganz der Kabinenkollegen, glauben zu wissen, dass der männliche Anteil sowieso schwul sei - natürlich immer mit Ausnahme der Piloten, denn das sind ja ganz harte Kerle - und der weibliche mit Flugzeugführern verbandelt. Viele fühlten sich während eines Fluges irgendwann mal gegängelt, übersehen oder ungerecht behandelt und tun dies nach meiner Antwort lautstark kund. Und keiner läßt sein vermeindliches Wissen gerne von fachkundiger Seite korrigieren (nein, das sei genau so gewesen, und nein, es gibt ja auch keinen Unterschied zwischen Charter- und Linienflug).

Aber kennen sie mich damit wirklich? Oder ist der Wunsch nach Bedienen einer Schublade einfach größer? Für die Meisten ist dann jegliche Neugier gestillt. Kaum einer fragt, was ich vorher, nebenher oder danach gemacht habe bzw. noch plane. Und kaum einer kann sich vorstellen, was während eines Notfalles in der Kabine wirklich geschieht. Diese sicherheitsrelevanten Aufgaben sind kein geringer Teil unserer täglichen Arbeit. Ein- bis zweimal im Jahr werden in einer Flugzeugattrappe die verschiedensten möglichen Notfallsituationen durchgespielt. Ich kann ihnen versichern, dass - obwohl nur Übung - sich in diesem Moment alles sehr echt anfühlt. Da bleibt kein Puls auf 90. Selbst wenn ich dieses Trainingsvideo (via Hypoxia) sehe, steigt meine Atemfrequenz.

Wenn Sie das nächste Mal einen Kabinenmitarbeiter treffen, dann denken Sie bitte auch daran. "We're here to save your ass, not to wipe it!" wie einst die Angestellte einer amerikanischen Fluggesellschaft meinte. Also nicht vergessen: der nächste Arsch, der gerettet werden muß, könnte Ihrer sein.


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Donnerstag, 1. Mai 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (42)
Du bist auch nicht mehr grade das schärfste Messer in der Schublade!"

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Mittwoch, 30. April 2008
The ground beneath her feet




Urlaubsfußnote

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Montag, 21. April 2008
Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?
Leichen pflastern seinen Weg oder die Antwort auf die Frage, warum Wien so morbide sey.



Man spüre es einfach, behauptet Herr Kid, wie er zwischendurch auch mit fester Stimme behauptet, hier müsse man rechts bzw. dort links abbiegen oder eine komplett neue Richtung einschlagen. Man darf ihn ruhigen Gewissens den großen Orientator nennen, denn an kommen wir immer, wenn auch mit diversen Umwegen. Aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel.

Der wiederum führt uns zu sehr netten Menschen, die Herrn Kid ebenfalls kennen. Bei der C. genießen wir Kaffee und Kuchen unter einem blühenden Apfelbaum. Zum Abschied schenkt sie uns Selbstgebundenes. Den Deckel meines Büchleins ziert eine alte Postkarte, die graphische Ansicht der Münchner Maximilianstraße. Die Innenseiten wollen allerdings erst mit Leben befüllt werden. Ich bin sehr gerührt.




Später dann Wien bei Nacht.
Es ist voraussichtlich für lange Zeit der letzte Abend hier. Rapidfans belärmen die Fußgängerzone, während ich vor der Staatsoper still einige gute Wünsche zu Harmonie und Erato auf den geflügelten Pferden hinaufschicke. Dieses Mal ist die Bombe geplatzt. Ich besitze nämlich die seltene Gabe, meine Mitmenschen durch häufiges Nachfragen in Verzweiflung zu stürzen. Das Gedächtnis, Sie wissen schon. Zudem bin ich mit einer Aufmerksamkeitsspanne von einem Pfund Magerquark von hier bis zum nächsten Satz gesegnet. Geduldig repetiert Herr K. U-Bahnzahlen und Haltestellennamen, die er im Laufe der Zeit wie persönliche Mantras intoniert. Bei seiner Wiedergeburt dürfte nach diesen vier Tagen schon mehr als nur ein Ringel Regenwurm drin sein.

Ein klein wenig habe ich mich dann doch von der Morbidität anstecken lassen. Wien schlägt mir auf's Gemüt. Nicht viel, nur ein kleines bisschen. Nur so viel, dass ich mir das Bärenfell bis unter's Kinn ziehen möchte, nicht aber bis über beide Ohren. Jetzt ganz ohne Schmäh. Die ein oder andere Träne drückt schon nach draußen. Servus Wien, mach's guad! Ab morgen dann wieder wärmere Gefilde.

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Sonntag, 20. April 2008
Don't analyse
... und Leid Des einen Leid ist des anderen Freud. Deutsches Sprichwort

Couchbloggen, sozusagen Psychoanalyse online, ist nicht neu aber trotzdem aktuell. Der alte Freud wäre begeistert über die zahllosen Studienobjekte. Aber ich will nicht allzu gehässig sein. Überhaupt ist Freud ja mit Leid eng verwandt. Und was tut man, mag man weder Gift noch Fleisch [one man's meat]? Fragen über Fragen.

Eines ist jedoch sicher: über kurz oder lang erwischt es jeden. Erst mal träumen gehen. Morgen wird dann wieder gedeutelt.

Analyse

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Samstag, 19. April 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (41)
"Kuck mal, Geräusche!"

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Vienna calling


Noch suche ich nach der Antwort auf die Frage, warum Wien immer als morbide bezeichnet wird. Ein Friedhof scheint mir der rechte Platz, um auf die Antwort zu stoßen, die ich in der medizinhistorischen Sammlung des Josephinums nicht finde. Stattdessen stoße ich dort auf allerlei wunderschön nachgebildet und liebevoll aufbereitet Innenmenschliches, wie etwa Blutgefäße und Gebeine. Die Besucher der "Körperwelten" wissen es sicher längst, was ich erst jetzt ahne. Zwei Stunden Ausstellungsbesuch ersetzt mehrere Trainingseinheiten, denn hinterher spüre ich jeden Muskel.

Dann auf dem Zentralfriedhof, Sektion Buddhismus, wimmelt Herr Kid gekonnt zwei krawattierte Bibelmissionare ab. Jetzt trifft man die schon auf Friedhöfen. Wo sonst könnte sich allerdings wirkungsvoller ewiges Leben verkaufen lassen, wenn nicht am Ort des Geschehens selbst. Später darf ich kurz an der Gedenkstätte von Franz Schubert verweilen, während Herr Kid in der Sonne ein Käsebrot verzehrt. Für Schönbergs und Ligetis Gräbersuche reicht unsere Orientierung leider nicht. Macht nichts, die laufen mir ja nicht weg. Immerhin habe ich noch keine Antwort auf meine zu Eingang gestellte Frage. Möglicherweise muss ich noch einmal zurückkommen, um sie zu finden.

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