... newer stories
Sonntag, 26. August 2007
A room with a view (16)
frau klugscheisser, 12:05h

Denver, Colorado
... link
Montag, 20. August 2007
The boxer
frau klugscheisser, 23:43h
Nach einem langen Arbeitstag aus den Schuhen, Schlüssel auf die Ablage, Uniform auf die Bügel. Mein Blick fällt auf ein Päckchen, das da so unberührt und harmlos an der Türe liegt. Jemand hat mir eine CD von meiner Wunschliste geschenkt und schreibt:
Ich wäre auch gerne ein besserer Mensch - klappt nicht wirklich... Keep on writing - und danke dafür!!
Da wurde mir kurz sehr warm um's Herz.
[Der Dank ist ganz auf meiner Seite. Einen herzlichen Gruß nach Berlin unbekannterweise. Vielleicht genügt ja schon der Gedanke... ]
Ich wäre auch gerne ein besserer Mensch - klappt nicht wirklich... Keep on writing - und danke dafür!!
Da wurde mir kurz sehr warm um's Herz.
[Der Dank ist ganz auf meiner Seite. Einen herzlichen Gruß nach Berlin unbekannterweise. Vielleicht genügt ja schon der Gedanke... ]
... link
Montag, 13. August 2007
Waiting is the hardest part
frau klugscheisser, 17:36h
Normalerweise weigere ich mich, vor acht das Reich der Träume zu verlassen, es sei denn, man bietet mir als Gegenleistung Geld. Für den Routinecheck beim Fliegerarzt bekomme ich keines, muss aber trotzdem hin. Heute Morgen also um kurz vor sechs aus dem Bett gefallen, schnell in frische - vor allem tageslichttaugliche - Unterwäsche geschlüpft und ab zum Einsatzzentrum. Hilft ja nix, die lassen mich sonst nicht mehr in die Luft.
Erst mal fülle ich eine Menge Zettel mit einer Menge Fragen zu meinem Werdegang, Vorerkrankungen und sonstigen Auffälligkeiten aus. Da die Sprechstundenhilfe droht, ich müsse jedes 'ja' begründen, schreibe ich sicherheitshalber überall ein 'nein', außer beim Abschnitt mit den Drogen. Hier schreibe ich wahrheitsgemäß 'Zigaretten', bis ich zwei Zeilen weiter unten explizit nach meinen Rauchgewohnheiten gefragt werde. Ich streiche also die Zigaretten unter 'Drogen' wieder raus, sonst glaubt noch einer, ich würde die intravenös konsumieren. Die Fragen sind beantwortet, meine Zeit aber noch nicht um. Ich warte. Aus Langeweile blättere ich in meinem Impfbuch und stelle fest, dass die nächste Tetanus in drei Jahren fällig wird. Ich ahne, dass mir diese Tatsache bis in drei Jahren entfallen ist und bettle die Sprechstundenhilfe um eine vorzeitige Impfung an. Die hat's jedoch auf mein Blut abgesehen. Arzthelferinnen wollen auch immer nur das eine.
Nach der Blutentnahme bekomme ich einen schicken Plastikbecher für die Urinprobe und ein verschließbares Röhrchen für festere Bestandteile. Eigentlich will ich mir damit noch etwas Zeit lassen, doch die freundliche Dame beharrt auf sofortige Abgabe der flüssigen Variante. Na schön, kann sie haben. "Bitte NUR den Mittelstrahl" höre ich in meinem inneren Ohr. Als ich vor drei Jahren zuletzt bei der Untersuchung war, wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Dramas, das sich zwischen Labor und Herrentoilette abspielte. Ein Pilot, dem das Wort 'Mittelstrahl' nicht so geläufig war, wurde insgesamt viermal resolut und unter lautstarken Instruktionen auf den Weg zur Toilette geschickt. Immer schön an den wartenden Kollegen vorbei. Als er das vierte Mal die Türe der Toilette hinter sich schloß, sah er ziemlich ausgemergelt aus. In der Hand trug er zitternd die letzten Tröpfchen des goldenen Gutes zum Labor. Bei den Worten der Laborantin "bissl wenig aber wird schon gehen" und unter dem Applaus der Wartenden huschte ein erleichtertes Lächeln über sein Gesicht.
Die diversen Untersuchungen sind schnell vorbei. Der schwerste Teil steht mir allerdings noch bevor. Ich soll dieses verschlossene Röhrchen mit dem entsprechenden Inhalt füllen. Weil die Untersuchung innerhalb von drei Tagen erfolgen muss, ich jedoch nicht extra für eine Stuhlprobe den weiten Weg nochmals zurücklegen will, entscheide ich mich zu warten. Meistens hilft morgens ein Kaffee und eine Zigarette, um den Vorgang zu beschleunigen. In der Kantine sitzen einige Kollegen, die natürlich alle fragen, was ich hier in zivil mache. "Ich mache gleich eine Stuhlprobe", antworte ich wahrheitsgemäß. Schnell sind die Kollegen mit praktischen Tipps bei der Hand. Von Sauerkraut über Buttermilch bis hin zu Glaubersalz wird alles debattiert. Ich winke dankend ab, dauert zu lange, ist zu aufwendig oder leicht übertrieben. Beim dritten Kaffee haben die Gesprächsthemen gewechselt. In meinem Bauch tut sich immer noch nichts. Ab und zu stößt ein neuer Kollege zur Gruppe, selbstverständlich fragend, was ich hier treibe. Und dann geschieht plötzlich in zweifacher Form etwas, auf das ich lange gewartet habe. Nur, wie alles im Leben, kommt's halt nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.
Es gibt da nämlich einen Kollegen, nach dem ich schon seit einiger Zeit Ausschau halte, sobald ich das Einsatzzentrum betrete. Unser gemeinsamer Flug ist schon ein paar Monate her. Meine Telefonnummer hat er ganz sicher verloren, denn er rief nie an. Aus sicherer Quelle erfuhr ich, dass er weder schwul noch liiert sei, letzteres aber gerne wäre. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, er sei entweder inkompatibel oder schlichtweg nicht an mir interessiert. In meinem Alter kann man sich jedoch so eine Einstellung nicht mehr leisten. Außerdem war ich schon immer hartnäckig. Getroffen habe ich ihn allerdings seitdem nicht mehr. Bis gerade eben jedenfalls, denn plötzlich steht er mir den Rücken zugewandt am Nebentisch. In meinem Kopf beginnt es zu rattern. Soll ich ihn ansprechen? Was soll ich denn sagen? Oh Gott, mir ist warm. Mist, die Bluse ist schon naß unter den Armen. Und zum Schminken hat's heute Morgen auch nicht mehr gereicht. Meine Güte, der große Pickel am Kinn und die Tränensäcke, so kann ich ihm unmöglich unter die Augen treten. Und wenn er mich fragt, was ich hier mache? Ich kann wohl kaum antworten, dass ich 'endlich mal wieder so richtig scheissen möchte'. Ganz schlecht, wenn einer ein Zitat nicht als solches erkennt und dann auch noch so eines. Außerdem ist er sowieso sicher in Eile. Am Besten ganz unauffällig verhalten. Der sieht mich bestimmt nicht. Oder doch lieber ansprechen? Hab schließlich lange genug gewartet... Und noch bevor ich irgendetwas beschließe, beginnt es, durch den Adrenalinstoß ganz natürlich angetrieben, in meinem Bauch ebenfalls zu rattern. "Hallo! Was machst Du denn hier?" höre ich ihn noch rufen, bevor ich wie von der Tarantel gestochen zur Türe hinauslaufe.
"Scheiß auf den Typ!" murmle ich leise, als ich das Röhrchen mitsamt Inhalt beim Labor abgebe. Wenn das mal kein Wink des Schicksals war.
Erst mal fülle ich eine Menge Zettel mit einer Menge Fragen zu meinem Werdegang, Vorerkrankungen und sonstigen Auffälligkeiten aus. Da die Sprechstundenhilfe droht, ich müsse jedes 'ja' begründen, schreibe ich sicherheitshalber überall ein 'nein', außer beim Abschnitt mit den Drogen. Hier schreibe ich wahrheitsgemäß 'Zigaretten', bis ich zwei Zeilen weiter unten explizit nach meinen Rauchgewohnheiten gefragt werde. Ich streiche also die Zigaretten unter 'Drogen' wieder raus, sonst glaubt noch einer, ich würde die intravenös konsumieren. Die Fragen sind beantwortet, meine Zeit aber noch nicht um. Ich warte. Aus Langeweile blättere ich in meinem Impfbuch und stelle fest, dass die nächste Tetanus in drei Jahren fällig wird. Ich ahne, dass mir diese Tatsache bis in drei Jahren entfallen ist und bettle die Sprechstundenhilfe um eine vorzeitige Impfung an. Die hat's jedoch auf mein Blut abgesehen. Arzthelferinnen wollen auch immer nur das eine.
Nach der Blutentnahme bekomme ich einen schicken Plastikbecher für die Urinprobe und ein verschließbares Röhrchen für festere Bestandteile. Eigentlich will ich mir damit noch etwas Zeit lassen, doch die freundliche Dame beharrt auf sofortige Abgabe der flüssigen Variante. Na schön, kann sie haben. "Bitte NUR den Mittelstrahl" höre ich in meinem inneren Ohr. Als ich vor drei Jahren zuletzt bei der Untersuchung war, wurde ich unfreiwillig Zeuge eines Dramas, das sich zwischen Labor und Herrentoilette abspielte. Ein Pilot, dem das Wort 'Mittelstrahl' nicht so geläufig war, wurde insgesamt viermal resolut und unter lautstarken Instruktionen auf den Weg zur Toilette geschickt. Immer schön an den wartenden Kollegen vorbei. Als er das vierte Mal die Türe der Toilette hinter sich schloß, sah er ziemlich ausgemergelt aus. In der Hand trug er zitternd die letzten Tröpfchen des goldenen Gutes zum Labor. Bei den Worten der Laborantin "bissl wenig aber wird schon gehen" und unter dem Applaus der Wartenden huschte ein erleichtertes Lächeln über sein Gesicht.
Die diversen Untersuchungen sind schnell vorbei. Der schwerste Teil steht mir allerdings noch bevor. Ich soll dieses verschlossene Röhrchen mit dem entsprechenden Inhalt füllen. Weil die Untersuchung innerhalb von drei Tagen erfolgen muss, ich jedoch nicht extra für eine Stuhlprobe den weiten Weg nochmals zurücklegen will, entscheide ich mich zu warten. Meistens hilft morgens ein Kaffee und eine Zigarette, um den Vorgang zu beschleunigen. In der Kantine sitzen einige Kollegen, die natürlich alle fragen, was ich hier in zivil mache. "Ich mache gleich eine Stuhlprobe", antworte ich wahrheitsgemäß. Schnell sind die Kollegen mit praktischen Tipps bei der Hand. Von Sauerkraut über Buttermilch bis hin zu Glaubersalz wird alles debattiert. Ich winke dankend ab, dauert zu lange, ist zu aufwendig oder leicht übertrieben. Beim dritten Kaffee haben die Gesprächsthemen gewechselt. In meinem Bauch tut sich immer noch nichts. Ab und zu stößt ein neuer Kollege zur Gruppe, selbstverständlich fragend, was ich hier treibe. Und dann geschieht plötzlich in zweifacher Form etwas, auf das ich lange gewartet habe. Nur, wie alles im Leben, kommt's halt nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte.
Es gibt da nämlich einen Kollegen, nach dem ich schon seit einiger Zeit Ausschau halte, sobald ich das Einsatzzentrum betrete. Unser gemeinsamer Flug ist schon ein paar Monate her. Meine Telefonnummer hat er ganz sicher verloren, denn er rief nie an. Aus sicherer Quelle erfuhr ich, dass er weder schwul noch liiert sei, letzteres aber gerne wäre. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, er sei entweder inkompatibel oder schlichtweg nicht an mir interessiert. In meinem Alter kann man sich jedoch so eine Einstellung nicht mehr leisten. Außerdem war ich schon immer hartnäckig. Getroffen habe ich ihn allerdings seitdem nicht mehr. Bis gerade eben jedenfalls, denn plötzlich steht er mir den Rücken zugewandt am Nebentisch. In meinem Kopf beginnt es zu rattern. Soll ich ihn ansprechen? Was soll ich denn sagen? Oh Gott, mir ist warm. Mist, die Bluse ist schon naß unter den Armen. Und zum Schminken hat's heute Morgen auch nicht mehr gereicht. Meine Güte, der große Pickel am Kinn und die Tränensäcke, so kann ich ihm unmöglich unter die Augen treten. Und wenn er mich fragt, was ich hier mache? Ich kann wohl kaum antworten, dass ich 'endlich mal wieder so richtig scheissen möchte'. Ganz schlecht, wenn einer ein Zitat nicht als solches erkennt und dann auch noch so eines. Außerdem ist er sowieso sicher in Eile. Am Besten ganz unauffällig verhalten. Der sieht mich bestimmt nicht. Oder doch lieber ansprechen? Hab schließlich lange genug gewartet... Und noch bevor ich irgendetwas beschließe, beginnt es, durch den Adrenalinstoß ganz natürlich angetrieben, in meinem Bauch ebenfalls zu rattern. "Hallo! Was machst Du denn hier?" höre ich ihn noch rufen, bevor ich wie von der Tarantel gestochen zur Türe hinauslaufe.
"Scheiß auf den Typ!" murmle ich leise, als ich das Röhrchen mitsamt Inhalt beim Labor abgebe. Wenn das mal kein Wink des Schicksals war.
... link
Sonntag, 12. August 2007
Oh the warm feeling
frau klugscheisser, 03:10h
Es gibt so Tage, da wäre ich gerne ein besserer Mensch. Das passiert vorwiegend, wenn ich besonders dünnhäutig bin, weil nach einer Langstrecke übernächtigt, ein anrührendes Buch zu Ende gelesen, einen Film unter die Haut gehen lassen, den Vollmond bejammert oder schlichtweg kurz vor meiner Regel. In solch einem Zustand würde ich ohne mit der Wimper zu zucken Zeitschriftenabos an der Türe unterschreiben, Geld verleihen, dem GEZ Angestellten einen Kaffee anbieten und eventuell Jehovas Zeugen beitreten. Deswegen gibt es in solch einer Gemütsverfassung nur einen Ausweg: kein Außenkontakt! Fenster und Türen dicht machen und die Decke bis über beide Ohren ziehen, bis sich der Gefühlsdusel langsam wieder beruhigt.
Wenn ich danach - Herr meiner Sinne - allerdings immer noch der Meinung bin, ich sollte mein Scherflein zum Gemeinwohl beitragen, dann wird das wohl einen fundierten Grund haben. Jetzt bin ich nicht der Typ, der sich gemeinnützigen Organisationen anschließt oder Obdachlosen Suppe kocht. Ich kenne mich einfach zu gut, um zu wissen, dass solche Aktionen bei mir temporär begrenzt wären. Mir liegen mehr die kleinen Gesten, die man jederzeit im Alltag unterbringen kann und die mich hoffentlich über kurz oder lang dauerhaft zu einem besseren Menschen machen. Oder so.
Es ist doch so: wir bezahlen Gesprächstherapeuten, damit uns jemand zuhört. Wir sehnen uns nach engen Zweierbeziehungen, um einen vermeindlichen Anker in den Alltagsstürmen zu haben. Wir kaufen Häuser, Autos und Kleider, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Wir verhindern jeden Anflug von Einsamkeit mit im Hintergrund laufenden Fernsehern und Radios. Ganz tief drinnen glauben wir immer noch, mit unserer Existenz gleichzeitig ein Anrecht auf Glück gepachtet zu haben. Und obwohl wir wissen, dass es auf die herkömmliche Weise nicht funktioniert, versuchen wir es immer wieder, anstatt unsere Methode auch nur einmal zu ändern. Wir klatschen wie Fliegen ständig an die Fensterscheiben des Lebens und hinterlassen dort unseren Jammerkot, anstatt durch den geöffneten Spalt zu entkommen.
Meistens sind es Kleinigkeiten, die den Alltag erhellen. Eine Blume, ein Lächeln, ein Kompliment, ungeteilte Aufmerksamkeit. Wir alle wollen wahrgenommen werden. Dennoch fällt es uns manchmal so schwer, dieses Bedürfnis gegenseitig zu stillen. So hetzt jeder mit seinem Defizit durch die Gegend, obwohl die Lösung so einfach wäre. Der alten Dame an der Ampel einen wunderschönen Tag wünschen, ein kleiner Plausch mit der geschwätzigen Hausmeisterin, ein Kompliment an die Kollegin für ihre neue Frisur, eine Freundschaft anbieten, anstatt sie einzufordern, einer alten Verwandten ohne Grund über die Wange streichen, eine Postkarte an einen Bekannten verschicken, es gibt unzählige Möglichkeiten.
Der Lohn ist das warme Gefühl im Bauch, wenn es gelingt, ein Lächeln auf ein Gesicht zu zaubern. Funktioniert garantiert. Man muss es nur wahrnehmen.
In diesem Sinne, good night and good luck.
Das Wort zum Sonntag sprach diesmal Frau Klugscheisser.
Wenn ich danach - Herr meiner Sinne - allerdings immer noch der Meinung bin, ich sollte mein Scherflein zum Gemeinwohl beitragen, dann wird das wohl einen fundierten Grund haben. Jetzt bin ich nicht der Typ, der sich gemeinnützigen Organisationen anschließt oder Obdachlosen Suppe kocht. Ich kenne mich einfach zu gut, um zu wissen, dass solche Aktionen bei mir temporär begrenzt wären. Mir liegen mehr die kleinen Gesten, die man jederzeit im Alltag unterbringen kann und die mich hoffentlich über kurz oder lang dauerhaft zu einem besseren Menschen machen. Oder so.
Es ist doch so: wir bezahlen Gesprächstherapeuten, damit uns jemand zuhört. Wir sehnen uns nach engen Zweierbeziehungen, um einen vermeindlichen Anker in den Alltagsstürmen zu haben. Wir kaufen Häuser, Autos und Kleider, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Wir verhindern jeden Anflug von Einsamkeit mit im Hintergrund laufenden Fernsehern und Radios. Ganz tief drinnen glauben wir immer noch, mit unserer Existenz gleichzeitig ein Anrecht auf Glück gepachtet zu haben. Und obwohl wir wissen, dass es auf die herkömmliche Weise nicht funktioniert, versuchen wir es immer wieder, anstatt unsere Methode auch nur einmal zu ändern. Wir klatschen wie Fliegen ständig an die Fensterscheiben des Lebens und hinterlassen dort unseren Jammerkot, anstatt durch den geöffneten Spalt zu entkommen.
Meistens sind es Kleinigkeiten, die den Alltag erhellen. Eine Blume, ein Lächeln, ein Kompliment, ungeteilte Aufmerksamkeit. Wir alle wollen wahrgenommen werden. Dennoch fällt es uns manchmal so schwer, dieses Bedürfnis gegenseitig zu stillen. So hetzt jeder mit seinem Defizit durch die Gegend, obwohl die Lösung so einfach wäre. Der alten Dame an der Ampel einen wunderschönen Tag wünschen, ein kleiner Plausch mit der geschwätzigen Hausmeisterin, ein Kompliment an die Kollegin für ihre neue Frisur, eine Freundschaft anbieten, anstatt sie einzufordern, einer alten Verwandten ohne Grund über die Wange streichen, eine Postkarte an einen Bekannten verschicken, es gibt unzählige Möglichkeiten.
Der Lohn ist das warme Gefühl im Bauch, wenn es gelingt, ein Lächeln auf ein Gesicht zu zaubern. Funktioniert garantiert. Man muss es nur wahrnehmen.
In diesem Sinne, good night and good luck.
Das Wort zum Sonntag sprach diesmal Frau Klugscheisser.
... link
Samstag, 11. August 2007
Heard it through the grapevine
frau klugscheisser, 14:25h
Würden die Menschen öfter 'wir' als 'ich' denken, wäre die Welt zweifellos ein kleines bisschen schöner. Allegra berichtet beispielsweise von der neapolitanischen Tradition des caffè pagato, die ich sehr schön finde:
jemand kommt in eine bar um sich einen caffè zu bestellen...anstelle eines caffè's bezahlt er allerdings zwei...er selbst trinkt nur den einen und den zweiten...bezahlten...laesst er als kredit stehen fuer irgendjemanden, der sich keinen caffè leisten kann...dieser jemand kann dem caffètrinker voellig unbekannt sein...wichtig dabei ist nur die tatsache, dass falls mal wirklich jemand in not geraten ist und sich, aus welchen gruenden auch immer, keinen caffè in der bar leisten kann, sich in napoli mit gutem gewissen in irgendeine bar begeben kann um einem "caffè pagato" zu bestellen...irgendjemand wird schon einen bezahlt haben...
jemand kommt in eine bar um sich einen caffè zu bestellen...anstelle eines caffè's bezahlt er allerdings zwei...er selbst trinkt nur den einen und den zweiten...bezahlten...laesst er als kredit stehen fuer irgendjemanden, der sich keinen caffè leisten kann...dieser jemand kann dem caffètrinker voellig unbekannt sein...wichtig dabei ist nur die tatsache, dass falls mal wirklich jemand in not geraten ist und sich, aus welchen gruenden auch immer, keinen caffè in der bar leisten kann, sich in napoli mit gutem gewissen in irgendeine bar begeben kann um einem "caffè pagato" zu bestellen...irgendjemand wird schon einen bezahlt haben...
... link
Donnerstag, 9. August 2007
Have fun
frau klugscheisser, 21:27h
Polt erklärt Bayerische Demokratie
... link
Talking on the phone
frau klugscheisser, 21:01h
Ausschnitt aus einem Telefonat meiner Mutter, die derzeit ein Haus zur Miete anbietet, mit einem Interessenten:
Wie alt sind sie denn, wenn ich fragen darf?
...
Mhmmm.
...
Äh ja, wissen sie, wenn sie schon siebzig sind, dann müssen wir vielleicht schon bald einen neuen Nachmieter suchen.
...
Ich? Sechzig [kichert wie knapp 15].
...
Und haben sie Haustiere?
...
Mhmja, also einen Hund wollen wir da nicht haben, weil der bellt auch ab und zu und dann kriegen wir Ärger mit den Nachbarn.
...
Ja, ein Goldfisch wär' uns schon lieber.
...
Ach Gott, Kinder sind schon in Ordnung aber haben sie sich das auch gut überlegt, ich meine, in IHREM Alter?
Ab hier konnte ich das Gespräch nicht weiter verfolgen, weil sie die Türe schloß.
Wie alt sind sie denn, wenn ich fragen darf?
...
Mhmmm.
...
Äh ja, wissen sie, wenn sie schon siebzig sind, dann müssen wir vielleicht schon bald einen neuen Nachmieter suchen.
...
Ich? Sechzig [kichert wie knapp 15].
...
Und haben sie Haustiere?
...
Mhmja, also einen Hund wollen wir da nicht haben, weil der bellt auch ab und zu und dann kriegen wir Ärger mit den Nachbarn.
...
Ja, ein Goldfisch wär' uns schon lieber.
...
Ach Gott, Kinder sind schon in Ordnung aber haben sie sich das auch gut überlegt, ich meine, in IHREM Alter?
Ab hier konnte ich das Gespräch nicht weiter verfolgen, weil sie die Türe schloß.
... link
Freitag, 3. August 2007
Isn't it weird. Isn't it strange.
frau klugscheisser, 04:15h
Angenommen, Sie haben etwas getan, das Sie nicht hätten tun sollen. Ihre Freunde haben Sie gewarnt, Ihre Eltern haben Sie gewarnt, Ihre Backwarenfachverkäuferin hat Sie gewarnt, die Katze Ihres Nachbarn hat Sie gewarnt, Ihr Bauchgefühl hat Sie gewarnt - kurz alle, außer ihrem inneren Gutmenschen, wußten, dass das schiefgehen würde. Angenommen, Sie haben alle Warnungen in den Wind geschossen und wider besseren Wissens einer Person, die Sie nicht wirklich gut kannten, die aber in jenem Augenblick bedüftig war, eine größere Summe - sagen wir mal vierstellig - Geld geliehen, obwohl Sie selbst nicht besonders viel davon übrig haben.
Nehmen wir weiter an, Sie haben zum vereinbarten Rückgabetermin weder etwas von Ihrem Geld, noch von besagter Person zu sehen/hören bekommen. Damit dürfte Ihnen so ziemlich klar geworden sein, dass Sie diese Summe zwar nicht beim Finanzamt, so doch im persönlichen Budget für alle Zeiten abschreiben können. Nachdem Sie für angemessene Zeit die ganze Palette zwischen Selbstmitleid und -beschimpfungen rauf und runtergespielt haben, ist der Ärger langsam verraucht. Und jetzt stoßen Sie ganz zufällig auf ein Blog, dessen Inhalt keinen Zweifel an der Identität des Schreibers zulässt und aus dem Sie erfahren, wie Ihr Geld so durch die Gegend reist.
Ich fürchte, mir ist gerade Web 2.0 passiert.
Nehmen wir weiter an, Sie haben zum vereinbarten Rückgabetermin weder etwas von Ihrem Geld, noch von besagter Person zu sehen/hören bekommen. Damit dürfte Ihnen so ziemlich klar geworden sein, dass Sie diese Summe zwar nicht beim Finanzamt, so doch im persönlichen Budget für alle Zeiten abschreiben können. Nachdem Sie für angemessene Zeit die ganze Palette zwischen Selbstmitleid und -beschimpfungen rauf und runtergespielt haben, ist der Ärger langsam verraucht. Und jetzt stoßen Sie ganz zufällig auf ein Blog, dessen Inhalt keinen Zweifel an der Identität des Schreibers zulässt und aus dem Sie erfahren, wie Ihr Geld so durch die Gegend reist.
Ich fürchte, mir ist gerade Web 2.0 passiert.
... link
Freitag, 3. August 2007
Ruby Tuesday
frau klugscheisser, 01:50h
Eigentlich ist heute Donnerstag. Trotzdem habe ich eine Verabredung mit Morrie, der sonst nur dienstags weise Ratschläge erteilt. Eigentlich ist Morrie auch schon lange tot. Dass ich dennoch etwas über seine Gedanken erfahre, ist Mitch Albom zu verdanken. Der hat ihn vor seinem Tod nämlich jeden Dienstag besucht und mit ihm über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen geplaudert. Das Ergebnis dieser Treffen wurde '97 [alter Schinken, ich weiß] unter dem Titel 'Tuesdays with Morrie' veröffentlicht.
"All right, I'll be your coach. And you can be my player. You can play all the lovely parts of life that I'm too old for now."
Sometimes we eat together in the cafeteria. Morrie, to my delight, is even more of a slob than I am. He talks instead of chewing, laughs with his mouth open, delivers a passionate thought a mouthful of egg salad, the little yellow pieces spewing from his teeth.
It cracks me up. The whole time I know him, I have two overwhelming desires: to hug him and to give him a napkin.
Morrie leidet wie Stephen Hawking und einst Jörg Immendorff an amyotropher Lateralsklerose. Während der Gespräche mit seinem ehemaligen Studenten Mitch Albom ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Gemeinsam betrachten sie das Leben und was es braucht, um glücklich zu sein. Morries Tipps sind von bestechender Einfachheit, was nicht weiter erstaunt. Im Angesicht des Todes verliert das Leben jegliche Pathetik.
"Dying," Morrie suddenly said, "is only one thing to be sad over, Mitch. Living unhappily is something else. So many of the people who come to visit me are unhappy."[...]
"I may be dying but I'm surrounded by loving, caring souls. How many people can say that?"
Solche Sätze sitzen und sind mit Sicherheit nachhaltig wirksamer als jeder Potterzauberspruch. Trotzdem ist das Buch keine schwere Kost. Mit wenig Umfang und kurzen Kapiteln eignet es sich hervorragend für zwischendurch. Übrigens gibt es für Lesefaule angeblich eine Verfilmung mit Jack Lemmon. Mit Dank an den Spender - endlich hat jemand zur Abwechslung mal ein gutes Buch im Flieger vergessen - und bis nächsten Dienstag.
"All right, I'll be your coach. And you can be my player. You can play all the lovely parts of life that I'm too old for now."
Sometimes we eat together in the cafeteria. Morrie, to my delight, is even more of a slob than I am. He talks instead of chewing, laughs with his mouth open, delivers a passionate thought a mouthful of egg salad, the little yellow pieces spewing from his teeth.
It cracks me up. The whole time I know him, I have two overwhelming desires: to hug him and to give him a napkin.
Morrie leidet wie Stephen Hawking und einst Jörg Immendorff an amyotropher Lateralsklerose. Während der Gespräche mit seinem ehemaligen Studenten Mitch Albom ist die Krankheit bereits weit fortgeschritten. Gemeinsam betrachten sie das Leben und was es braucht, um glücklich zu sein. Morries Tipps sind von bestechender Einfachheit, was nicht weiter erstaunt. Im Angesicht des Todes verliert das Leben jegliche Pathetik.
"Dying," Morrie suddenly said, "is only one thing to be sad over, Mitch. Living unhappily is something else. So many of the people who come to visit me are unhappy."[...]
"I may be dying but I'm surrounded by loving, caring souls. How many people can say that?"
Solche Sätze sitzen und sind mit Sicherheit nachhaltig wirksamer als jeder Potterzauberspruch. Trotzdem ist das Buch keine schwere Kost. Mit wenig Umfang und kurzen Kapiteln eignet es sich hervorragend für zwischendurch. Übrigens gibt es für Lesefaule angeblich eine Verfilmung mit Jack Lemmon. Mit Dank an den Spender - endlich hat jemand zur Abwechslung mal ein gutes Buch im Flieger vergessen - und bis nächsten Dienstag.
... link
Dienstag, 31. Juli 2007
I know a whoopee spot where the gin is cold but the piano's hot
frau klugscheisser, 18:15h
"N' Abeeend!" tönt eine männliche Stimme hinter der Bar, die jeder beim Betreten des Lokals zu hören bekommt, egal wie hoch der sonstige Geräuschpegel ist. Und der ist heute sehr hoch, nicht weil es draußen so kalt ist, sondern weil das 'Vogler' Jubiläum feiert.
Heute vor zehn Jahren eröffnete Thomas Vogler seine in München einzigartige Jazzbar. Es mag nicht das einzige Lokal mit Livemusik sein, zweifelsohne ist es aber das einzige, das Livejazz auf hohem Niveau mit moderaten Preisen und einer Wohnzimmer-Club-Atmosphäre verbindet. Damit hat Thomas Vogler sein selbsterklärtes Ziel erreicht.
Um Mitternacht stimmt Peter Tuscher, der die heutige Jamsession leitet, mit seinen Musikerkollegen einen [Achtung Kalaueralarm!] 'Tusch' an. Der Inhaber wird auf die Bühne gebeten. Nach den üblichen Danksagungen plaudert er ad hoc über die kleinen und großen Schwierigkeiten. Von Problemen mit der Brauerei ist da die Rede. Das sei, so Vogler "wie in einer guten Ehe. Erst wenn man kurz vor der Scheidung steht, weiß man, was man aneinander hat." Was lapidar klingt, war in Wirklichkeit nicht so harmlos. Der Laden stand damals kurz vor dem Aus, als Hilfe von offizieller Seite eine weitere Existenz sicherte. Von einem Abend ohne Band erzählt er und dem "Flash" von dem er sich erst nach einer Stunde erholte, weil er an jenem Abend von einem Kinobesuch kommend die Filmband Abend für Abend im leeren Lokal spielen sah, sein eigener Laden jedoch ohne Band gerammelt voll war.
Die Pointe eröffnet sich nicht allen Gästen. "Wovon redet der da?" höre ich meinen Nebenmann sagen "... ganz schlechte Rede." Die Mitarbeiterin hinter der Theke verteidigt ihren Chef mit den Worten "Das ist schon richtig gut. Hättest ihn mal damals beim... hören sollen." und fügt noch lakonisch hinzu "Dabei hat er das gelernt." Was er tatsächlich gelernt hat und wie er schließlich, von "Tuten und Blasen keine Ahnung", denen einen Rahmen schuf, die es gelernt haben, liest sich wie eine typische Aussteigergeschichte. Mit dem kleinen Unterschied, dass Thomas Voglers Bauchgefühl seit zehn Jahren den Geschmack des Publikums trifft.
Montags treffen sich hier regelmäßig die Musiker der Stadt zur Jamsession. Jeder bekommt eine Chance. Wer die allerdings vergeigt, wird nicht mehr so schnell ein Bein auf die Bühne stellen. So ergeht es wohl auch einem Schlagzeuger, über dessen fehlendes Rhythmusgefühl im Anschluß fachmännisch an der Bar lamentiert wird. Ein anderer stadtbekannter Musiker ist bei nahezu jeder Jamsession dabei, trinkt das obligatorische Freibier für Darbietende und verlässt danach das Lokal. Die Mär vom mittellosen Künstler trifft in seinem Fall zwar nicht zu aber eine Jacht kostet eben auch Unterhalt. Zu Zeiten als ich noch fleißig Saxophon übte, wäre ich gerne einmal dort eingestiegen, traute mich aber nicht so recht. Auf meinen formulierten Zweifel erwiderte Thomas Vogler nur "Spiel halt sonntags hier, da haben wir geschlossen."
Wo ich sonst so hingehe, fragt mein Gesprächspartner, ebenfalls ambitionierter Hobbyjazzer und Sessionteilnehmer. Im Grunde gehe ich nicht oft weg. Mich langweilt das Pradatäschchen gassiführende Münchner Publikum, das nicht in der Lage ist, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Im Vogler ist das anders. Hier saß ich noch nie den ganzen Abend wortlos vor meinem Glas, wenn auch die Begegnungen manchmal seltsamer Natur waren. Und die, die nicht reden mögen, lassen sich von der Musik unterhalten. Ich weiß nicht wie er es macht aber etwas macht Thomas Vogler wohl richtig, denn sonst gäbe es die Jazzbar schon lange nicht mehr. Und München wäre um eine Attraktion ärmer.
Jazzbar Vogler
Video über die Bar
Heute vor zehn Jahren eröffnete Thomas Vogler seine in München einzigartige Jazzbar. Es mag nicht das einzige Lokal mit Livemusik sein, zweifelsohne ist es aber das einzige, das Livejazz auf hohem Niveau mit moderaten Preisen und einer Wohnzimmer-Club-Atmosphäre verbindet. Damit hat Thomas Vogler sein selbsterklärtes Ziel erreicht.
Um Mitternacht stimmt Peter Tuscher, der die heutige Jamsession leitet, mit seinen Musikerkollegen einen [Achtung Kalaueralarm!] 'Tusch' an. Der Inhaber wird auf die Bühne gebeten. Nach den üblichen Danksagungen plaudert er ad hoc über die kleinen und großen Schwierigkeiten. Von Problemen mit der Brauerei ist da die Rede. Das sei, so Vogler "wie in einer guten Ehe. Erst wenn man kurz vor der Scheidung steht, weiß man, was man aneinander hat." Was lapidar klingt, war in Wirklichkeit nicht so harmlos. Der Laden stand damals kurz vor dem Aus, als Hilfe von offizieller Seite eine weitere Existenz sicherte. Von einem Abend ohne Band erzählt er und dem "Flash" von dem er sich erst nach einer Stunde erholte, weil er an jenem Abend von einem Kinobesuch kommend die Filmband Abend für Abend im leeren Lokal spielen sah, sein eigener Laden jedoch ohne Band gerammelt voll war.
Die Pointe eröffnet sich nicht allen Gästen. "Wovon redet der da?" höre ich meinen Nebenmann sagen "... ganz schlechte Rede." Die Mitarbeiterin hinter der Theke verteidigt ihren Chef mit den Worten "Das ist schon richtig gut. Hättest ihn mal damals beim... hören sollen." und fügt noch lakonisch hinzu "Dabei hat er das gelernt." Was er tatsächlich gelernt hat und wie er schließlich, von "Tuten und Blasen keine Ahnung", denen einen Rahmen schuf, die es gelernt haben, liest sich wie eine typische Aussteigergeschichte. Mit dem kleinen Unterschied, dass Thomas Voglers Bauchgefühl seit zehn Jahren den Geschmack des Publikums trifft.
Montags treffen sich hier regelmäßig die Musiker der Stadt zur Jamsession. Jeder bekommt eine Chance. Wer die allerdings vergeigt, wird nicht mehr so schnell ein Bein auf die Bühne stellen. So ergeht es wohl auch einem Schlagzeuger, über dessen fehlendes Rhythmusgefühl im Anschluß fachmännisch an der Bar lamentiert wird. Ein anderer stadtbekannter Musiker ist bei nahezu jeder Jamsession dabei, trinkt das obligatorische Freibier für Darbietende und verlässt danach das Lokal. Die Mär vom mittellosen Künstler trifft in seinem Fall zwar nicht zu aber eine Jacht kostet eben auch Unterhalt. Zu Zeiten als ich noch fleißig Saxophon übte, wäre ich gerne einmal dort eingestiegen, traute mich aber nicht so recht. Auf meinen formulierten Zweifel erwiderte Thomas Vogler nur "Spiel halt sonntags hier, da haben wir geschlossen."
Wo ich sonst so hingehe, fragt mein Gesprächspartner, ebenfalls ambitionierter Hobbyjazzer und Sessionteilnehmer. Im Grunde gehe ich nicht oft weg. Mich langweilt das Pradatäschchen gassiführende Münchner Publikum, das nicht in der Lage ist, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Im Vogler ist das anders. Hier saß ich noch nie den ganzen Abend wortlos vor meinem Glas, wenn auch die Begegnungen manchmal seltsamer Natur waren. Und die, die nicht reden mögen, lassen sich von der Musik unterhalten. Ich weiß nicht wie er es macht aber etwas macht Thomas Vogler wohl richtig, denn sonst gäbe es die Jazzbar schon lange nicht mehr. Und München wäre um eine Attraktion ärmer.
Jazzbar Vogler
Video über die Bar
... link
Montag, 30. Juli 2007
By the way
frau klugscheisser, 01:42h
... link
... older stories