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Sonntag, 30. Dezember 2007
And now, the end is near
Als ich noch einen Fernseher hatte, waren das schönste am Jahresende die Rückblicksendungen. Aber ich hatte auch schon immer einen Faible für Wiederholungen. Das gute daran ist nämlich, dass man immer schon vorher weiß was kommt. Nicht so im richtigen Leben. Da wiederhole ich mich zwar auch öfter, doch meistens geschieht eben doch Unvorhergesehenes.

2007 war das Jahr des Abschieds. Ein Abschied von Menschen, von Denkweisen, von überschüssigen körperlichen und seelischen Pfunden, von schlechten Angewohnheiten, und meiner Lieblingsjeans. Eigentlich fällt es mir schwer loszulassen. Die unnützen Verhaltensmuster hingegen lasse ich gerne hinter mir. Und das alte Jahr auch. 2008? Da ist noch was drin. Nur bitte keine Wiederholungen.

My way

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Mittwoch, 26. Dezember 2007
Wide to receive
Heute ist der zweite Weihnachtsfeiertag und heute kann Weihnachten endlich auch für mich beginnen. Nicht dass ich mit meiner Crew nicht an Heiligabend gefeiert hätte. Wir aßen gemeinsam zu Abend ein köstliches, mehrgängiges Menü mit übersichtlich angeordneten Speisen, dessen Bestandteile ein lustiges Ratespiel ergaben ("Sorbet? Ich dachte das wäre erfrischend? Schmeckt irgendwie staubig"). Meine Crew wickelte Geschenke aus und freute sich tapfer ("Ein Cocktailbuch? Wir trinken keinen Alkohol. Nein ich will auch nicht mit dir tauschen, ich bin Vegetarier"). Die vorgelesene Geschichte war eine willkommene Abwechslung zum ungeübten Barpianisten und seinen waghalsigen Modulationen ("Uh, das war knapp. Willkommen daheim in der Grundtonart") und schließlich erhaschte jeder noch ein paar Stunden Schlaf, bevor es am nächsten Morgen bereits um kurz nach Drei weiterging. Alles in Allem ein recht schöner Tag und Abend.

Der unerfreuliche Teil begann jedoch schon am nächsten Morgen. Kennt jemand die sogenannte Päckchentheorie? Diese Lebensweisheit wurde mir einst zum Trost von einer Kollegin mitgegeben und hat weniger mit erfreulichen Geschenken zu tun, als vielmehr mit Austeilen und Einstecken von Kritik.
Die Päckchentheorie besagt, dass wer eines vergibt, auch immer gleichzeitig ein Päckchen bekommt. Nehmen wir mal an, Sie lassen gegenüber Ihrem Vorgesetzten eine kritische Bemerkung - selbstverständlich berechtigt, wohlformuliert und in freundlichem Tonfall vorgetragen - über sein Verhalten fallen. Dieser Vorgesetzte ist nun nicht gewohnt, von jemandem aus Ihrer Position überhaupt Gegenwind zu erhalten. Je nach Kritikfähigkeit können Sie anschließend bis zehn oder auch bis hundert zählen bis ein Päckchen zurückkommt. Bei den selbstsichereren unter den Vorgesetzten kann es auch schon mal einen Tag dauern aber Sie würden keine Wette verlieren, wenn Sie Geld auf die kommende Retourkutsche setzten. Sie können sich noch so korrekt verhalten, Ihr Gegenüber wird immer etwas auszusetzen finden, denn wer suchet...

Also nehme ich es entgegen und bedanke mich artig. Schließlich ist Weihnachten das Fest der Geschenke. Insgeheim aber ärgere ich mich über das nur teilweise berechtigte, wohlformulierte und in angemessenem Ton vorgetragene Päckchen, stecke es in die Magengrube und stelle es jetzt hier zur Abholung bereit. Hat jemand Interesse daran?

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Samstag, 22. Dezember 2007
All I want for christmas
In vergangenen Jahren wollte ich Weihnachten unbedingt unterwegs sein. Ich wollte dem ganzen Weihnachtstrubel entgehen, am liebsten schon im November, wenn die Geschäfte langsam mit Schokoreminiszenzen aufrüsten. Weihnachten war für mich nie DAS Fest der Liebe, höchstens das Fest der verlorenen Kindheit. Ich empfand den Trubel unangenehm, die Rührung geheuchelt und Weihnachten im Allgemeinen völlig überbewertet.

Dieses Jahr ist alles ein wenig anders. Weihnachten ist immer noch nüchtern betrachtet eine Zeit, in der viele versuchen, ihre verlorene Kindheit unbewußt selbst oder wahlweise über ihre Nachkommen zurückzuerobern, die Liebe oftmals geheuchelt (gestritten wird nicht selten bereits am 25.) und all die Rührseligkeit mehr Traurigkeit über die verlorene Fähigkeit kindlicher Freude. Doch habe ich mit all dem meinen Frieden geschlossen. Ich weiß, was es ist und kann mich dennoch - oder gerade deswegen - daran erfreuen.

Dieses Jahr werde ich unterwegs sein. Ich werde Heiligabend in Istanbul nächtigen, danach in Kiew den Schnee bestaunen, mich aber weniger gerne der Kälte aussetzen, um schließlich am 27. endlich bei meiner Familie zu sein. Ich habe Geschenke für alle Crewmitglieder besorgt - Kleinigkeiten mit symbolischem Charakter - und freue mich wie Bolle auf den Augenblick, an dem die mir noch völlig unbekannten Menschen sie in Empfang nehmen. Ich packe Kerzen in meinen Koffer und hoffe, damit ein wenig Weihnachtsstimmung zaubern zu können. Ich werde für meine Passagiere über Lautsprecher singen und ihnen ein schönes Fest wünschen.

Letztes Jahr haben mir andere Menschen (Kollegen, die ich nur flüchtig kannte und andere) selbstlos über meine Traurigkeit hinweggeholfen. Dieses Jahr bin ich an der Reihe. Vielleicht kann ich dem ein oder anderen damit die Schwere nehmen. Ich wünsche es mir sehr.

Ein kleiner Weihnachtsgruß von Frankieboy und Bingbuddy für alle Leser und merry christmas to everybody out there:

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