Sonntag, 20. April 2008
Don't analyse
... und Leid Des einen Leid ist des anderen Freud. Deutsches Sprichwort

Couchbloggen, sozusagen Psychoanalyse online, ist nicht neu aber trotzdem aktuell. Der alte Freud wäre begeistert über die zahllosen Studienobjekte. Aber ich will nicht allzu gehässig sein. Überhaupt ist Freud ja mit Leid eng verwandt. Und was tut man, mag man weder Gift noch Fleisch [one man's meat]? Fragen über Fragen.

Eines ist jedoch sicher: über kurz oder lang erwischt es jeden. Erst mal träumen gehen. Morgen wird dann wieder gedeutelt.

Analyse

... link


Samstag, 19. April 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (41)
"Kuck mal, Geräusche!"

... link


Vienna calling


Noch suche ich nach der Antwort auf die Frage, warum Wien immer als morbide bezeichnet wird. Ein Friedhof scheint mir der rechte Platz, um auf die Antwort zu stoßen, die ich in der medizinhistorischen Sammlung des Josephinums nicht finde. Stattdessen stoße ich dort auf allerlei wunderschön nachgebildet und liebevoll aufbereitet Innenmenschliches, wie etwa Blutgefäße und Gebeine. Die Besucher der "Körperwelten" wissen es sicher längst, was ich erst jetzt ahne. Zwei Stunden Ausstellungsbesuch ersetzt mehrere Trainingseinheiten, denn hinterher spüre ich jeden Muskel.

Dann auf dem Zentralfriedhof, Sektion Buddhismus, wimmelt Herr Kid gekonnt zwei krawattierte Bibelmissionare ab. Jetzt trifft man die schon auf Friedhöfen. Wo sonst könnte sich allerdings wirkungsvoller ewiges Leben verkaufen lassen, wenn nicht am Ort des Geschehens selbst. Später darf ich kurz an der Gedenkstätte von Franz Schubert verweilen, während Herr Kid in der Sonne ein Käsebrot verzehrt. Für Schönbergs und Ligetis Gräbersuche reicht unsere Orientierung leider nicht. Macht nichts, die laufen mir ja nicht weg. Immerhin habe ich noch keine Antwort auf meine zu Eingang gestellte Frage. Möglicherweise muss ich noch einmal zurückkommen, um sie zu finden.

... link


Mittwoch, 16. April 2008
Rock your body
Rock your body


Der Supraspinatus - umgangssprachlich auch Popeyemuskel genannt - ist schuld, vielmehr die Sehne da dran (wir erinnern uns). Das bedeutet auch weiterhin keine Liegestützen, bis ich wieder schmerzfrei bin. Dabei ist die Schulter nicht das einzige, was mir Kopfzerbrechen bereitet. Das hat mehr so mit Außen- und Innenwahrnehmung zu tun.

Wenn man tanzt, sieht man naturgemäß nicht alle Bewegungen ganz genau. Deswegen gibt es in Tanzstudios auch diese riesigen Spiegelwände. Jetzt ist es aber so, dass man sich im Normalfall nicht immer parallel und schon gar nicht frontal zum Spiegel bewegt. Da gibt es Drehungen, Diagonalen, Richtungsänderungen und manchmal ist der Kopf auch wo ganz anders, so dass man am besten vier Augenpaare jeweils im 90°Winkel am Kopf angebracht haben sollte, was sich wiederum als saublöd beim Tragen von Brillen, Mützen oder Langhaarfrisuren herausstellt. Da hat die Natur schon ganz gut mitgedacht. Außerdem kann man vor lauter gucken leicht die nächsten Schritte vergessen. Will man sich wirklich beurteilen, was für eine Steigerung unabdingbar ist, muss man sich das Ganze schon als Aufnahme anschauen.

Genau so eine Aufnahme der Choreographien im letzten halben Jahr habe ich gestern bekommen. Ich bin da ganz oft drauf. Meistens erste Reihe. Unschwer vorzustellen, dass ich die DVD seit 24 Stunden im Dauereinsatz vor- und rückwärts, in verschiedenen Zeitlupengeschwindigkeiten und mit variablen Bildausschnitten, wahlweise diverse meiner Körperteile vergrößert und des öfteren im Vergleich zu den Mittänzern studiere. Fazit: das, was sich während des Tanzens grazil, leicht, kraftvoll oder energetisch anfühlte, wirkt in der Aufnahme ziemlich bollerig. Und jetzt kommt's: Streifen machen nicht schlank. Im Gegenteil. Ganz schlecht sind helle Farben, insbesondere enganliegende,weiße Kleidungsstücke. Erste Reihe ist übrigens figurmäßig auch eher ungünstig, das aber nur am Rande.

Seit 24 Stunden denke ich darüber nach, wieso alle anderen, die im Gegensatz zu mir über eine fundierte tänzerische Ausbildung (sprich: jahrelanges Balletttraining) verfügen, um so viel besser wegkommen. Die haben die Technik aber ich habe den Ausdruck. Dachte ich zumindest immer. So kann man sich täuschen. In der 25. Stunde dämmert mir langsam, es muss die Mitte sein. Ich bin in der Mitte zu weich. Damit meine ich nicht den Hüftspeck, obwohl der ebenfalls reichlich vorhanden, sondern die Konzentration der Kraft in der Körpermitte, sprich Bauchmuskulatur. Dabei trainieren wir die wie blöd. Hundert sit-ups pro Training, das ist schon was. Als der Lehrer uns mit der Aussage motivieren will, jetzt käme ja der Sommer und da könnten wir unsere Bauchmuskeln zeigen, meint eine Leidensgenossin trocken: "Keine Zeit, ich bin ja immer hier beim Training." Da ist was dran, denn wer einmal seine Bauchmuskulatur trainierte, der weiß, dass man zum Aufbau lange braucht, dafür wird sie aber bei Unterbrechungen oder hohem Eiscremekonsum schnell unsichtbar.

Mit Bodyripples habe ich sie immer gekriegt, die kleinen, dünnen Ballettmäuse. Die sind einfach zu stakselig jung für sowas. Breakdance war ja der Hiphop der Achziger, und während die Eltern noch zu Rosi Mittermaier und Christian Neureuthers Tele-Skigymnastik hopsten, übte die Jugend, sich unter Anleitung von Eisi Gulp auf den Boden werfend abzurollen. Damals verstauchte ich mir das Handgelenk, weshalb ich meine Körperwellen auf die Vertikale beschränkte. Heute kann ich rollen wie ein Weltmeister. Bei nächster Gelegenheit gibt's dann ein Video in der Tube, auf dem man eine schwarz gekleidete Frau mittleren Alters hinten links ihren Speck auf und ab rollen sieht, während drumherum Schwäne zu den neuesten Klängen von Madonna sterben. Nur in den Schultern wirkt sie ein wenig steif.

... link


Montag, 14. April 2008
Stormy weather
Neigungsgruppe
Foto schamlos geklaut geliehen

Zunächst noch Regen und graue Wolkendecken, dann am Donnerstag Aufheiterung, fast wolkenlos mit schwachem Wind aus West bis Nordwest [erst ab Freitag wieder wolkig mit mäßigen 14°].

Die weiteren Aussichten: heiter in Museen und Kaffeehäusern, voraussichtlich gute Gespräche unter geschlossener Wolkendecke, teilweise beachtlicher Gegenwind aus Nord bis Nordwest. Am Abend jeweils wechselhaft bei ein, zwei Wein. Im weiteren Verlauf heiter bis wolkig mit Höchsttemperaturen je nach Bekleidung, jedoch niemals unter den Gefrierpunkt. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei 0% [keine Gummistiefel nötig].

Stormy Weather

... link


Sonntag, 13. April 2008
Pictures of you
Einen Menschen zu fotografieren, ist wie ihn anfassen, ohne ihn dabei zu berühren.

... link


Freitag, 11. April 2008
Sure as death and taxes
Während der letzten Tage habe ich gesaugt, gespült, geputzt, gewaschen, gebügelt, meinen Schreibtisch aufgeräumt, die Ablage sortiert, Rechnungen bezahlt, eingekauft, war beim TÜV, beim Zahnarzt, hab mit Mutti telefoniert und mir langatmige Urlaubsberichte angehört, mit dem uralten Nachbarn, der immer gefühlte drei Stunden braucht, um einen vollständigen Satz zu formulieren, und mit der Hausverwaltung, war Schuhe kaufen - bequeme für die Uniform ergo schwer zu finden - habe Knöpfe angenäht, Programme installiert und Updates heruntergeladen.

Und das alles nur, weil ich eigentlich meine Steuererklärung machen wollte. Wenn das so weitergeht, habe ich langsam nichts mehr zu tun.

Taxblues

... link


Mittwoch, 9. April 2008
Little china girl
Ich könnte jetzt über die Schwierigkeiten beim Hosenkauf in Asien schreiben, speziell über die sich von Europa unterscheidenden Größen und über den daraus resultierenden Frust. Ich könnte auch über die Hilfsbereitschaft der Menschen dort berichten, insbesondere derer auf Straßen und in Läden. Weiter könnte ich mich einmal mehr über die halsbrecherische Fahrweise der Chinesen und der daraus resultierenden Problematik, einen verdorbenen Magen nicht während der Taxifahrt auf links zu stülpen, auslassen. Das will aber derzeit keiner lesen, denn derzeit lautet das Motto: Wer China sagt, muss auch Tibet sagen.

Wer öffentlich bekennt, chinesische Produkte erworben zu haben, wird gerne mal virtuell gesteinigt. Denn - das wussten schon die Alten - man zeigt gerne mit Fingern auf andere. Der Chinese an sich ist schlecht. Da gibt es keine Differenzierung, keine Grautöne. Zu diesem Thema habe ich jedoch kaum etwas beizutragen. Nur soviel: während morgens die Bilder von Unruhen während des Fackellaufes in Paris noch unzensiert auf Deutsche Welle und Japansender ausgestrahlt wurden, hat man ab 17.00 Ortszeit die Ausstrahlung unterbrochen. Soviel zur Reaktionszeit der verantwortlichen Zensurstelle.

Außerdem noch ein Bild
aus dem fahrenden Taxi,
weil ich das immer mal
einem bekannten
Bayerischer Blogger nachmachen

zeigen wollte.
Ist aber auch für die Katz, weil hier
ausnahmsweise
mal keine fünf Fahrräder
und ein Moped nebeneinander fahren
und auch Hupgeräusche so schlecht
zu sehen sind.
Deswegen genug für heute.
Blöder Mist aber auch.

Unter diesen Bedingungen ist es nicht ratsam, sich aus dem Fenster zu beugen. Auch nicht bei akuter Übelkeit.


... link


This futile chase has got to end
The Darjeeling Limited ist eigentlich der Name eines Zuges, mit dem die drei Whitmanbrüder durch Indien reisen. Als Selbstfindungstrip getarnt, finden sie sich schließlich gegenseitig. Was die ersten zehn Minuten noch nett skurril anmutet und auf mehr hoffen läßt, geht schon bald auf die Nerven. Einzig die wiederkehrenden Einstellungen von Brodys, Wilsons und Schwartzmans unerschütterlichem Gesichtsausdruck versöhnt für die Länge des Filmes. Das Gerenne hinter fahrenden Zügen wirkt auch nur wie eine schlechte Little Miss Sunshine Reminiszenz. Aber man muss ja schon dankbar sein, dass Ben Stiller nicht mitspielt.

... link


Dienstag, 8. April 2008
A room with a view (26)


shanghai

... link


Freitag, 4. April 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (40)
"Dunkelblaue Autos brauchen meistens eineinhalb Parkplätze und aussteigen tut dann fast immer so ein Typ mit kreisrundem Haarausfall."

[Erkenntnisse aus dem dritten Stock]

... link


Donnerstag, 3. April 2008
Return to sender

via Isabo

Mich gruselt ja immer, wenn ich einem netten Menschen eine elektronische Nachricht schreibe und es antwortet der Postdämon. Da entstehen so Bilder in meinem Kopf wie man sie aus dem Exorzisten kennt. Es gibt auch weniger furchteinflößende Dämonen, die heißen dann im allgemeinen Sprachgebrauch 'Abwesenheitsnotiz'. Beide entfremden gleichermaßen eine ansonsten persönliche Kontaktaufnahme oder machen diese gar unmöglich.

So erging es mir erst kürzlich wieder. Sie erinnern sich vielleicht an diese Geschichte über eine alte Jugendliebe. Aus gegebenem Anlaß Sentimentalität rang ich mich zu einer ersten Kontaktaufnahme durch. Da der besagte Herr inzwischen in einem großen Berliner Krankenhaus eine Stelle als Oberarzt bekleidet, war seine Mailadresse via Google schnell in Erfahrung zu bringen.

Sie kennen das sicherlich. Da feilt man stunden-, wenn nicht gar tagelang an einem einigermaßen ansprechenden Text, drückt unter Herzklopfen und mit den eigenartigsten Vorstellungen über mögliche Empfängerreaktionen im Kopf den 'senden' Knopf und wartet. Doch statt einer Reaktion erreicht einen am nächsten Tag nur eine Nachricht, dass die elektronische Post unzustellbar sei. Unnu?

Anrufen geht gar nicht, weil viel zu persönlich nach all den Jahren Sendepause. Fax geht nicht, weil nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt. Bleibt nur der Postweg. Ich sollte vielleicht einfach eine Postkarte schreiben. Überhaupt sollte man viel mehr Postkarten verschicken und das Ritual so vor dem Aussterben bewahren. Kürzlich gab mir eine neue Bekanntschaft zur Kontaktaufnahme eine Visitenkarte mit Postanschrift. Vergeblich suchte ich Mailadresse und Fernsprechnummer. So begann ich wieder Postkarten zu schreiben. Ich hätte auch Rauchzeichen senden können, die Chance auf eine Antwort wäre jedenfalls weitaus größer geworden. Ich Dussel habe natürlich vergessen, meine eigene Adresse darauf zu notieren.

Wenn ich mir den Text meiner Mail zur ersten Kontaktaufnahme nach zwanzig Jahren so durchlese, war sie nicht einmal besonders geistreich. Genaugenommen war sie pseudowitzig, verklemmt, inhaltslos und mit Allgemeinplätzen gespickt.

"Seitdem denke ich ungefähr einmal im Jahr - so häufig bin ich etwa in Berlin - über eine Kontaktaufnahme nach.[...]
(Versuch einer Rechtfertigung, ist zudem gelogen. Warum meine ich, mich für eine Kontaktaufnahme rechtfertigen zu müssen? Fragen, die mein Therapeut möglicherweise beantworten könnte, es aber nicht tut, sondern nur Gegenfragen wie etwa "und wie fühlen Sie sich dabei?" stellt.)

Kannst Du Dir eigentlich vorstellen, wie schwer es ist, einen einigermaßen sinnvollen Text zu verfassen, wenn man sich zwanzig Jahre nicht gesehen hat und davor auch nicht gerade in regem Austausch stand, einen aber im Verlauf einer gemäßigten Midlifekrise die Neugier darüber nicht mehr losläßt, was wohl aus den Menschen geworden ist, die man aus der Schulzeit kannte, aufgrund latent resistenter Minderwertigkeitskomplexe Klassentreffen jedoch meidet?"
(Rechtfertigung für qualitativ flachen Stil. Möglicherweise gibt es aber Menschen, die keine bachmannpreisverdächtigen Ausführungen in ihrem persönlichen Posteingang erwarten.)

Vielleicht ist der Maildämon sowas wie eine Instanz für Stil und Inhalt, sozusagen der Reich-Ranicki der Elektroschreiberei. Ein Glück, dass sie nie beim vorgesehenen Empfänger landete. Auf diese Weise habe ich noch eine Chance und 'das erste Mal' bereits zum zweiten Mal. Falls Sie, lieber Leser, eine bessere Idee haben, wie bzw. mit welchen Inhalten ich mit besagtem Herrn in Kontakt treten sollte, dann wäre ich Ihnen um einen Hinweis in Form eines Kommentares äußerst dankbar.

... link