... newer stories
Montag, 16. Dezember 2019
Downtime
frau klugscheisser, 11:39h
Türchen No.16

Gestern war Abfeent. Leider habe ich keine drei Kerzen hier. Das Bild mit der einen Kerze muss also genügen. Weihnachten, Sentimentalität, Innenschau. Ich rutsche gerade in ein Loch. Die OP, die Medikamente, die Bewegungseinschränkung. Dabei bin ich nicht schlimm dran. Ich habe gute Heilungschancen im Gegensatz zu anderen Krankheiten. Ich werde in ein paar Wochen wieder hergestellt sein, im Gegensatz zu chronischen Beeinträchtigungen. Ich jammere hier auf hohem Niveau. Doch irgendetwas in mir sagt, dass es nicht mehr wie früher sein wird. Der Fremdkörper in meinem Bein, wie zuverlässig macht der meine Eskapaden mit? Wie stark darf ich ohne Gefahr belasten? Wie wird sich der Beinlängenunterschied auswirken? Ich mache hier seit drei Tagen den Kletteraffen, habe Treppen mit Krücken und Duschen ohne Wundkontakt gemeistert. Die Schwestern lachen mich an und vielleicht auch etwas aus. Alles will ich ohne fremde Hilfe schaffen. Socken anziehen klappt noch nicht, weil ich das Bein höchstens 90° In der Hüfte abwinkeln darf. Himmelherrgott, wofür habe ich jahrelang meine Beweglichkeit trainiert, habe meinen Oberkörper auf die Beine gelegt und Schuhe mit durchgestreckten Knien gebunden, nur um jetzt nicht an meine rechten Zehen zu gelangen. Die Socken sind heute morgen dennoch auf meine Füße gelangt. Aber jetzt, wenn ich so teilsediert im Bett liege, fühle ich mich sehr mit der Situation überfordert. Vielleicht gehe ich gleich in die Kapelle ein bisschen weinen.

Gestern war Abfeent. Leider habe ich keine drei Kerzen hier. Das Bild mit der einen Kerze muss also genügen. Weihnachten, Sentimentalität, Innenschau. Ich rutsche gerade in ein Loch. Die OP, die Medikamente, die Bewegungseinschränkung. Dabei bin ich nicht schlimm dran. Ich habe gute Heilungschancen im Gegensatz zu anderen Krankheiten. Ich werde in ein paar Wochen wieder hergestellt sein, im Gegensatz zu chronischen Beeinträchtigungen. Ich jammere hier auf hohem Niveau. Doch irgendetwas in mir sagt, dass es nicht mehr wie früher sein wird. Der Fremdkörper in meinem Bein, wie zuverlässig macht der meine Eskapaden mit? Wie stark darf ich ohne Gefahr belasten? Wie wird sich der Beinlängenunterschied auswirken? Ich mache hier seit drei Tagen den Kletteraffen, habe Treppen mit Krücken und Duschen ohne Wundkontakt gemeistert. Die Schwestern lachen mich an und vielleicht auch etwas aus. Alles will ich ohne fremde Hilfe schaffen. Socken anziehen klappt noch nicht, weil ich das Bein höchstens 90° In der Hüfte abwinkeln darf. Himmelherrgott, wofür habe ich jahrelang meine Beweglichkeit trainiert, habe meinen Oberkörper auf die Beine gelegt und Schuhe mit durchgestreckten Knien gebunden, nur um jetzt nicht an meine rechten Zehen zu gelangen. Die Socken sind heute morgen dennoch auf meine Füße gelangt. Aber jetzt, wenn ich so teilsediert im Bett liege, fühle ich mich sehr mit der Situation überfordert. Vielleicht gehe ich gleich in die Kapelle ein bisschen weinen.
... link
Sonntag, 15. Dezember 2019
Confusion
frau klugscheisser, 08:36h
Türchen No. 15

Auf dem Weg zum OP die Vitrine entdeckt. Froh, dass die Medizin Fortschritte gemacht hat und manche Gerätschaft nicht mehr verwendet wird. Dankbar für Narkose- und Schmerzmittel, obwohl die den Körper auch ganz schön durcheinanderbringen können. Der Rausch nach der Narkose erinnert mich an das alte Antvilleblog trunken und bgenau, weil man in diesem Zustand keinen Zugang zu elektronischen Medien haben sollte. Auch nicht zu Telefonen. Am nächsten Morgen viel Verwirrung gradegebogen, viel erklärt. Dann amüsiert. Das einzige Amusement im bettgefesselten Zustand. Doch, ich darf aufstehen, nur nicht so viel wie ich gerne würde. Kreislauf ist im Keller, da wo die Laune langsam hingeht.

Auf dem Weg zum OP die Vitrine entdeckt. Froh, dass die Medizin Fortschritte gemacht hat und manche Gerätschaft nicht mehr verwendet wird. Dankbar für Narkose- und Schmerzmittel, obwohl die den Körper auch ganz schön durcheinanderbringen können. Der Rausch nach der Narkose erinnert mich an das alte Antvilleblog trunken und bgenau, weil man in diesem Zustand keinen Zugang zu elektronischen Medien haben sollte. Auch nicht zu Telefonen. Am nächsten Morgen viel Verwirrung gradegebogen, viel erklärt. Dann amüsiert. Das einzige Amusement im bettgefesselten Zustand. Doch, ich darf aufstehen, nur nicht so viel wie ich gerne würde. Kreislauf ist im Keller, da wo die Laune langsam hingeht.
... link
Freitag, 13. Dezember 2019
Pick Yourself Up
frau klugscheisser, 09:27h
Türchen No. 13

Modifiziertes Fitnessprogramm für die kommenden Tage: einarmige Klimmzüge. Weiteres Fitnessprogramm: für die Bettnachbarin Dinge erledigen, aufstehen, Wasser einschenken, Fenster öffnen, Fenster schließen. Heute mal nebenbei bemerkt, dass in der Katastrophenhilfe immer Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird. Seitdem bedeutungsvolles Schweigen. Wie bereits an anderer Stelle erläutert, ist sich hilflos geben nicht immer drollig. Ich für meinen Teil gehe jetzt erst mal raus vor die Türe und lasse mir den Weg zum OP-Saal erklären, damit ich pünktlich um eins dort auf dem Tisch liege.

Modifiziertes Fitnessprogramm für die kommenden Tage: einarmige Klimmzüge. Weiteres Fitnessprogramm: für die Bettnachbarin Dinge erledigen, aufstehen, Wasser einschenken, Fenster öffnen, Fenster schließen. Heute mal nebenbei bemerkt, dass in der Katastrophenhilfe immer Hilfe zur Selbsthilfe geboten wird. Seitdem bedeutungsvolles Schweigen. Wie bereits an anderer Stelle erläutert, ist sich hilflos geben nicht immer drollig. Ich für meinen Teil gehe jetzt erst mal raus vor die Türe und lasse mir den Weg zum OP-Saal erklären, damit ich pünktlich um eins dort auf dem Tisch liege.
... link
Donnerstag, 12. Dezember 2019
See Through
frau klugscheisser, 09:43h
Türchen No.12
Heute Blut abnehmen, EKG, Blutdruck, untersuchen, Koffer aus- und Schrank einräumen, röntgen. Die richtige Karte dazu kam noch rechtzeitig an - ich hatte sie gestern aus dem Briefkasten gefischt, wo sie sich ganz hinten versteckte. Mein Dank an die Absendenden. Bei Ankunft im Krankenhaus kleine Schnitzeljagd von Aufnahme zu Anästhesie zu Station zu EKG zu Essen. Zwischendurch immer dieselben Fragen beantwortet. Besteht eine Allergie gegen Narkosestoffe, eine Herzerkrankung, ein Infekt, möchten sie Fremd- oder Eigenbluttransfusion etc. Als die Ärztin erklärte, dass das eigene Blut aufgefangen, gereinigt und wieder zugeführt wird, entfuhr meiner Mutter ein "oh schön". Ich glaube, sie mag einfach alles was sauber ist.
Jetzt sitze ich auf meinem Megabett mit teilverstellbarem Fußteil, das ich mir die letzten Nächte sehr gewünscht hätte und genieße die Ruhe. Die Bettnachbarin wurde gerade zur OP abgeholt, die anderen sind noch nicht eingetroffen. Schwester C hat keine Idee, was sie mir die kommenden Tage zu essen bestellen soll, weil ohne Laktose, Histamin und Fleisch gibt's hier nicht. Den Diätkoch möchte ich trotzdem nicht sprechen und esse lieber trockenes Brot. Alles in allem bereits das K für kompliziert auf der Stirn. Ansonsten geräumiger Nachttisch, super höhenverstellbarer Tisch und auch die Aussicht ist nicht schlecht. Man wird bescheiden im Alter.
Heute Blut abnehmen, EKG, Blutdruck, untersuchen, Koffer aus- und Schrank einräumen, röntgen. Die richtige Karte dazu kam noch rechtzeitig an - ich hatte sie gestern aus dem Briefkasten gefischt, wo sie sich ganz hinten versteckte. Mein Dank an die Absendenden. Bei Ankunft im Krankenhaus kleine Schnitzeljagd von Aufnahme zu Anästhesie zu Station zu EKG zu Essen. Zwischendurch immer dieselben Fragen beantwortet. Besteht eine Allergie gegen Narkosestoffe, eine Herzerkrankung, ein Infekt, möchten sie Fremd- oder Eigenbluttransfusion etc. Als die Ärztin erklärte, dass das eigene Blut aufgefangen, gereinigt und wieder zugeführt wird, entfuhr meiner Mutter ein "oh schön". Ich glaube, sie mag einfach alles was sauber ist.
Jetzt sitze ich auf meinem Megabett mit teilverstellbarem Fußteil, das ich mir die letzten Nächte sehr gewünscht hätte und genieße die Ruhe. Die Bettnachbarin wurde gerade zur OP abgeholt, die anderen sind noch nicht eingetroffen. Schwester C hat keine Idee, was sie mir die kommenden Tage zu essen bestellen soll, weil ohne Laktose, Histamin und Fleisch gibt's hier nicht. Den Diätkoch möchte ich trotzdem nicht sprechen und esse lieber trockenes Brot. Alles in allem bereits das K für kompliziert auf der Stirn. Ansonsten geräumiger Nachttisch, super höhenverstellbarer Tisch und auch die Aussicht ist nicht schlecht. Man wird bescheiden im Alter.
... link
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Longer Shadows, Shorter Days
frau klugscheisser, 08:09h
Türchen No.11
Dies wird vermutlich der kürzeste Adventskalender ever. Ich begebe mich nämlich die kommenden Tage in die Obhut von medizinischem Fachpersonal. Folglich ist heute schon Weihnachten. Ich habe ein paar Päckchen aufgemacht, weil ich die nicht mitnehme, habe ein paar andere verteilt, organisiert, aufgeräumt, geputzt und meine Rechnungen beglichen. Es gibt nichts mehr zu tun als zu warten. Meine kleine Wohnung wird einstweilen bewohnt und behütet, die Pflanzen gegossen, die Post sortiert. Es ist nicht anders als vor meinen langen Reisen. Nur der Anlass ist weniger angenehm.
Da man bestimmte Arbeitsrollen im Blut hat, werde ich im Krankenhaus erst mal das Pflegepersonal briefen, die Essensausgabe überwachen und die Langzeitpatienten begrüßen. Danach sehen wir weiter. Für Unterhaltung ist gesorgt - zumindest ist der Bücherstapel in den vergangenen Jahren gewachsen und möchte abgetragen werden. Noch nie war ich so anhaltend gesellig wie die vergangenen zwei Monate, habe mich verabredet, Freunde und Bekannte getroffen, habe geredet und zugehört. Ein schöner Nebeneffekt von Krankheit. Ein paar Besucherslots wären also die kommende Woche noch offen.
Machen Sie es gut, bleiben Sie ruhig, bleiben Sie der Menschheit wohlgesonnen, auch wenn der Wahnsinn da draussen die nächsten Wochen vermutlich zunimmt. Bleiben Sie geduldig und gut zu sich und Ihrer Umwelt. Und schreiben Sie, damit ich was zu lesen habe.
Dies wird vermutlich der kürzeste Adventskalender ever. Ich begebe mich nämlich die kommenden Tage in die Obhut von medizinischem Fachpersonal. Folglich ist heute schon Weihnachten. Ich habe ein paar Päckchen aufgemacht, weil ich die nicht mitnehme, habe ein paar andere verteilt, organisiert, aufgeräumt, geputzt und meine Rechnungen beglichen. Es gibt nichts mehr zu tun als zu warten. Meine kleine Wohnung wird einstweilen bewohnt und behütet, die Pflanzen gegossen, die Post sortiert. Es ist nicht anders als vor meinen langen Reisen. Nur der Anlass ist weniger angenehm.
Da man bestimmte Arbeitsrollen im Blut hat, werde ich im Krankenhaus erst mal das Pflegepersonal briefen, die Essensausgabe überwachen und die Langzeitpatienten begrüßen. Danach sehen wir weiter. Für Unterhaltung ist gesorgt - zumindest ist der Bücherstapel in den vergangenen Jahren gewachsen und möchte abgetragen werden. Noch nie war ich so anhaltend gesellig wie die vergangenen zwei Monate, habe mich verabredet, Freunde und Bekannte getroffen, habe geredet und zugehört. Ein schöner Nebeneffekt von Krankheit. Ein paar Besucherslots wären also die kommende Woche noch offen.
Machen Sie es gut, bleiben Sie ruhig, bleiben Sie der Menschheit wohlgesonnen, auch wenn der Wahnsinn da draussen die nächsten Wochen vermutlich zunimmt. Bleiben Sie geduldig und gut zu sich und Ihrer Umwelt. Und schreiben Sie, damit ich was zu lesen habe.
... link
Dienstag, 10. Dezember 2019
Good Shit
frau klugscheisser, 01:47h
Türchen No.10
Jetzt vor Weihnachten gute Vorsätze? Logisch, weil sonst werden die für 2020 nur bis maximal Ende Januar anhalten. Aber wer übt, sich kleine Schritte vornimmt und die kleinen Ziele feiert, kann damit eine bleibende Verhaltensänderung erreichen. So funktioniert aktives Verlernen und ist wesentlich effektiver als bloßes Theoretisieren oder Vermeidung. Let the good shit happen!
Jetzt vor Weihnachten gute Vorsätze? Logisch, weil sonst werden die für 2020 nur bis maximal Ende Januar anhalten. Aber wer übt, sich kleine Schritte vornimmt und die kleinen Ziele feiert, kann damit eine bleibende Verhaltensänderung erreichen. So funktioniert aktives Verlernen und ist wesentlich effektiver als bloßes Theoretisieren oder Vermeidung. Let the good shit happen!
... link
Montag, 9. Dezember 2019
Around The World
frau klugscheisser, 11:58h
Türchen No.9
Für alle Bürofeststeckenden ist der heutige Beitrag zum Tagträumen oder Vorplanen. Der Gedanke, mal wieder woanders hinzufahren, andere Leute sehen, andere Städte, anderes Klima vielleicht sogar - zumindest das Herzklima. Ich fahre gleich los, um dem frisch gepressten Neffen zu huldigen; ohne Weihrauch, dafür mit einem kleinen Steiffbären im Gepäck. Der Nachwuchs wird ja so schnell groß und dann ist es mit der Sweetness möglicherweise vorbei. Auf, auf die Taschen schnappen und zum Bahnhof fahren, zum Hafen oder je nachdem, auf welches Fortbewegungsmittel die Wahl fällt. Danach ist zurückkommen gleich viel schöner.
Für alle Bürofeststeckenden ist der heutige Beitrag zum Tagträumen oder Vorplanen. Der Gedanke, mal wieder woanders hinzufahren, andere Leute sehen, andere Städte, anderes Klima vielleicht sogar - zumindest das Herzklima. Ich fahre gleich los, um dem frisch gepressten Neffen zu huldigen; ohne Weihrauch, dafür mit einem kleinen Steiffbären im Gepäck. Der Nachwuchs wird ja so schnell groß und dann ist es mit der Sweetness möglicherweise vorbei. Auf, auf die Taschen schnappen und zum Bahnhof fahren, zum Hafen oder je nachdem, auf welches Fortbewegungsmittel die Wahl fällt. Danach ist zurückkommen gleich viel schöner.
... link
Sonntag, 8. Dezember 2019
People Who Need People
frau klugscheisser, 11:44h
Türchen No.8

Heute mal ruhiger hier. Es gibt zwar Geschichten, die müssen aber noch köcheln.
Pinguine mag ich ja sehr, nicht nur weil sie drollig, sondern vor allem weil sie unterschätzt sind. Bei Menschen gibt es dieses Phänomen ebenfalls. Manche haben daraus eine Masche entwickelt, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen als diejenigen, die sich zunächst alleine zu helfen versuchen. Beides hat Vor- und Nachteile. Der Lerneffekt ist beim selbst Ausprobieren größer aber auch das Risiko des Scheiterns. Wenn mir meine Umwelt nicht viel zutraut, verpasse ich möglicherweise interessante Chancen, habe dafür aber keine Fehlschläge und kein Adrenalin. Im Moment probiere ich mich in einem Bereich aus, in dem ich überhaupt keine Erfahrung besitze. Von meiner Intuition geleitet agiere ich, beobachte intensiv und entcodiere die unausgesprochenen Gruppenregeln. Ich trete regelmäßig in Fettnäpfchen und sehe dabei für die drollig aus, die von meinem Newbiestatus wissen. Für die anderen sind meine Handlungen in dem Fall Ärgernis, denn sie trauen mir durch mein Auftreten viel mehr zu. Diese Erlebnisse verarbeite ich mit Humor, habe aber dennoch große Ambitionen, Peinlichkeiten zu vermeiden. Ich bevorzuge Autodidaktik mit ein klein wenig Unterstützung von aussen, wenn es sich nicht gerade um Raketenwissenschaft handelt. Der Lerneffekt ist intensiver, die Fortschritte schneller und der Stolz größer als würde ich nur zuschauen. Und die Pinguine tun ebenfalls ihr Bestes an Land, sie sind nur nicht optimal dafür ausgerüstet. Wenn Sie erfolgreich eine Meile in Stilettos über Eis gelaufen sind, dann wissen Sie um die meisterliche Stufe, auf der sich Drolligkeit bewegt.

Heute mal ruhiger hier. Es gibt zwar Geschichten, die müssen aber noch köcheln.
Pinguine mag ich ja sehr, nicht nur weil sie drollig, sondern vor allem weil sie unterschätzt sind. Bei Menschen gibt es dieses Phänomen ebenfalls. Manche haben daraus eine Masche entwickelt, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen als diejenigen, die sich zunächst alleine zu helfen versuchen. Beides hat Vor- und Nachteile. Der Lerneffekt ist beim selbst Ausprobieren größer aber auch das Risiko des Scheiterns. Wenn mir meine Umwelt nicht viel zutraut, verpasse ich möglicherweise interessante Chancen, habe dafür aber keine Fehlschläge und kein Adrenalin. Im Moment probiere ich mich in einem Bereich aus, in dem ich überhaupt keine Erfahrung besitze. Von meiner Intuition geleitet agiere ich, beobachte intensiv und entcodiere die unausgesprochenen Gruppenregeln. Ich trete regelmäßig in Fettnäpfchen und sehe dabei für die drollig aus, die von meinem Newbiestatus wissen. Für die anderen sind meine Handlungen in dem Fall Ärgernis, denn sie trauen mir durch mein Auftreten viel mehr zu. Diese Erlebnisse verarbeite ich mit Humor, habe aber dennoch große Ambitionen, Peinlichkeiten zu vermeiden. Ich bevorzuge Autodidaktik mit ein klein wenig Unterstützung von aussen, wenn es sich nicht gerade um Raketenwissenschaft handelt. Der Lerneffekt ist intensiver, die Fortschritte schneller und der Stolz größer als würde ich nur zuschauen. Und die Pinguine tun ebenfalls ihr Bestes an Land, sie sind nur nicht optimal dafür ausgerüstet. Wenn Sie erfolgreich eine Meile in Stilettos über Eis gelaufen sind, dann wissen Sie um die meisterliche Stufe, auf der sich Drolligkeit bewegt.
... link
Samstag, 7. Dezember 2019
In The Name of Love
frau klugscheisser, 10:37h
Türchen No.7
Weil das Leben nicht nur Lachen und Glitzer ist, heute mal was ernstes. Langjährige Lesende haben vielleicht den ein oder anderen Beitrag über meine Kindheit und mein Trauma hier verfolgt. Gestern hat die Kaltmamsell einen Thread verlinkt, der in meiner Twitterline auftauchte. Darin geht es um Männer, die ihre Partnerinnen töteten. Die meisten solcher Morde geschehen nicht im luftleeren Raum, oft waren die Männer bereits vorher gewalttätig - physisch und/oder emotional. Die Frage, warum solche Frauen nicht einfach gehen, habe ich mir lange gestellt. Die Antwort darauf und andere, persönliche Hintergründe finden Sie in den Kommentaren zu ihrem Beitrag.
Noch eine Bemerkung, wieso immer nur von Männergewalt gegen Frauen gesprochen wird: weil Frauen seit Jahrhunderten zur Unterordnung konditioniert werden, weil Männer ihre Wut eher durch körperliche Gewalt kanalisieren, weil der umgekehrte Fall verschwindend gering ist im Vergleich zu den vorliegenden Fällen. Und nein, man muss hier nicht geschlechtsneutral formulieren. Man muss genau jene Frauen stärken, die betroffen sind, in dem darüber geschrieben und gesprochen wird. Man muss sie ermutigen, die Scham zu überwinden. Jegliche Diskussion über Formalitäten ist die Diskussion alter, weisser Männer, die damit den Fokus vom eigentlichen Problem ablenken und es so minimieren. Das ist nicht zielführend, sondern sogar schädlich, wie wir deutlich an der öffentlichen Diskussion um Klimakrise und A.f.d beobachten können.
Ein Beitrag, der Trauma und dessen Folgen im Falle von Flüchtlingen beschreibt, und wie Sprache bzw. Ausdruck damit zusammenhängen:
I think of trauma as waging a sort of war to avoid banal interpretations. Let me propose six tools used in this struggle:
1) Condensation: to express oneself in terms difficult to understand, cryptically even, and never – or only very discreetly – mention the trauma in concrete terms.
2) Displacement: to talk or write about details secondary to what was truly traumatising, making them, implicitly or otherwise, carry the symbolic load of the trauma.
3) Simplification: to approach and name the event as simply, clearly, honestly and in as neutral a way as possible, in a manner that may seem emotionally disconnected.
4) Ignorance: to disregard knowledge and deny all understanding and explanation of the trauma. To approach the traumatic event with a consciously naive and unknowing gaze in order to allow a retelling of the story.
5) Excess: to express oneself too much, to talk at length, be long-winded, boring or overly detailed, thus excluding the possibility of dialogue. The subtext is, you are asking me for the most important part, but I can only give you everything.
6) Implacability: to refuse cooperation, community, comprehension or readability. Or, quite simply, to refuse to speak.
the poetics of trauma (via Kaltmamsell).
Weil das Leben nicht nur Lachen und Glitzer ist, heute mal was ernstes. Langjährige Lesende haben vielleicht den ein oder anderen Beitrag über meine Kindheit und mein Trauma hier verfolgt. Gestern hat die Kaltmamsell einen Thread verlinkt, der in meiner Twitterline auftauchte. Darin geht es um Männer, die ihre Partnerinnen töteten. Die meisten solcher Morde geschehen nicht im luftleeren Raum, oft waren die Männer bereits vorher gewalttätig - physisch und/oder emotional. Die Frage, warum solche Frauen nicht einfach gehen, habe ich mir lange gestellt. Die Antwort darauf und andere, persönliche Hintergründe finden Sie in den Kommentaren zu ihrem Beitrag.
Noch eine Bemerkung, wieso immer nur von Männergewalt gegen Frauen gesprochen wird: weil Frauen seit Jahrhunderten zur Unterordnung konditioniert werden, weil Männer ihre Wut eher durch körperliche Gewalt kanalisieren, weil der umgekehrte Fall verschwindend gering ist im Vergleich zu den vorliegenden Fällen. Und nein, man muss hier nicht geschlechtsneutral formulieren. Man muss genau jene Frauen stärken, die betroffen sind, in dem darüber geschrieben und gesprochen wird. Man muss sie ermutigen, die Scham zu überwinden. Jegliche Diskussion über Formalitäten ist die Diskussion alter, weisser Männer, die damit den Fokus vom eigentlichen Problem ablenken und es so minimieren. Das ist nicht zielführend, sondern sogar schädlich, wie wir deutlich an der öffentlichen Diskussion um Klimakrise und A.f.d beobachten können.
Ein Beitrag, der Trauma und dessen Folgen im Falle von Flüchtlingen beschreibt, und wie Sprache bzw. Ausdruck damit zusammenhängen:
I think of trauma as waging a sort of war to avoid banal interpretations. Let me propose six tools used in this struggle:
1) Condensation: to express oneself in terms difficult to understand, cryptically even, and never – or only very discreetly – mention the trauma in concrete terms.
2) Displacement: to talk or write about details secondary to what was truly traumatising, making them, implicitly or otherwise, carry the symbolic load of the trauma.
3) Simplification: to approach and name the event as simply, clearly, honestly and in as neutral a way as possible, in a manner that may seem emotionally disconnected.
4) Ignorance: to disregard knowledge and deny all understanding and explanation of the trauma. To approach the traumatic event with a consciously naive and unknowing gaze in order to allow a retelling of the story.
5) Excess: to express oneself too much, to talk at length, be long-winded, boring or overly detailed, thus excluding the possibility of dialogue. The subtext is, you are asking me for the most important part, but I can only give you everything.
6) Implacability: to refuse cooperation, community, comprehension or readability. Or, quite simply, to refuse to speak.
the poetics of trauma (via Kaltmamsell).
... link
Freitag, 6. Dezember 2019
The Wide Eyed and Laughing
frau klugscheisser, 01:16h
Türchen No.6
Wann haben Sie zuletzt so richtig herzerfrischend gelacht? Mit Tränen und Luftschnappen und allem pipapo? Mir passiert das immer zu völlig unpassenden Momenten. Beispielsweise möchte ich einen Witz erzählen und kriege dann die Pointe vor lachen nicht raus. Alle drumherum schauen sich peinlich berührt an, manchmal lachen sie auch über mich. Der Witz kommt meistens nicht so gut wie angekündigt an aber die Erheiterung funktioniert trotzdem. Hinterher muss ich meine Schminke neu sortieren, weil sie nicht mehr am ursprünglich aufgetragenen Ort ist und mich ein bisschen atmenderweise erholen. Im Dienst provozierte dieses Gebahren einst den Spruch "Die Stimmung sollte gut sein aber die Arbeitsleistung nicht übersteigen." vom Käptn Spaßbremse.
Eine andere Situation war die am Lautsprecher, als ich aufgrund einer Bemerkung der Kollegin während meiner Ansage einen Lachflash bekam. Der war natürlich nicht sofort in den Griff zu bekommen - der rosa Elefant halt. Also driftete meine Stimme mitten im Satz nach oben ab, ich musste abbrechen. Ich glaube, ich hab's nach dem fünften Anlauf zu Ende bekommen, hatte aber einen Rückfall als der Passagier in der ersten Reihe fragte: "Finden Sie das etwa lustig?"
Ein alter Spruch vom Fredl Fesl kann diese Art des Lachens bei mir treffsicher hervorrufen: A Pferdl hoasst Pferdl weil's auf da Erdn is, weil wanns in da Luft war, dads Pfluftl hoassn. Der läuft im weihnachtlichen Familienkreis inzwischen schon unter Tradition - also meine Darbietung des Spruches, nicht der Witz an sich (und sogar beim Tippen lach' ich mich schlapp...) Ansonsten sind heute sicher viele Nikolausmützen unterwegs, über deren Träger man zwar nicht lachen aber zumindest schmunzeln kann.
Wann haben Sie zuletzt so richtig herzerfrischend gelacht? Mit Tränen und Luftschnappen und allem pipapo? Mir passiert das immer zu völlig unpassenden Momenten. Beispielsweise möchte ich einen Witz erzählen und kriege dann die Pointe vor lachen nicht raus. Alle drumherum schauen sich peinlich berührt an, manchmal lachen sie auch über mich. Der Witz kommt meistens nicht so gut wie angekündigt an aber die Erheiterung funktioniert trotzdem. Hinterher muss ich meine Schminke neu sortieren, weil sie nicht mehr am ursprünglich aufgetragenen Ort ist und mich ein bisschen atmenderweise erholen. Im Dienst provozierte dieses Gebahren einst den Spruch "Die Stimmung sollte gut sein aber die Arbeitsleistung nicht übersteigen." vom Käptn Spaßbremse.
Eine andere Situation war die am Lautsprecher, als ich aufgrund einer Bemerkung der Kollegin während meiner Ansage einen Lachflash bekam. Der war natürlich nicht sofort in den Griff zu bekommen - der rosa Elefant halt. Also driftete meine Stimme mitten im Satz nach oben ab, ich musste abbrechen. Ich glaube, ich hab's nach dem fünften Anlauf zu Ende bekommen, hatte aber einen Rückfall als der Passagier in der ersten Reihe fragte: "Finden Sie das etwa lustig?"
Ein alter Spruch vom Fredl Fesl kann diese Art des Lachens bei mir treffsicher hervorrufen: A Pferdl hoasst Pferdl weil's auf da Erdn is, weil wanns in da Luft war, dads Pfluftl hoassn. Der läuft im weihnachtlichen Familienkreis inzwischen schon unter Tradition - also meine Darbietung des Spruches, nicht der Witz an sich (und sogar beim Tippen lach' ich mich schlapp...) Ansonsten sind heute sicher viele Nikolausmützen unterwegs, über deren Träger man zwar nicht lachen aber zumindest schmunzeln kann.
... link
... older stories