Samstag, 22. April 2006
Munich Airport oder "Sind Raucher keine Menschen?"
Ein tolles Projekt, das neue Terminal am Münchener Flughafen und so menschenfreundlich. Könnte man meinen. Nur mit Rauchern scheinen die Betreiber ein mächtiges Problem zu haben. Damit liegen sie voll im Trend, schaut man sich im europäischen Ausland um, das - ganz nach amerikanischem Vorbild - Raucher diskriminiert. Ich als Raucher respektiere den Wunsch der Nichtraucher, von Schadstoffen und Geruch unbehelligt zu bleiben. Deswegen suche ich speziell ausgewiesene Zonen auf, um meine Sucht zu befriedigen. Das sind auf Flughäfen meist kleine Inseln mit Abzügen, um die herum sich die Wichtigen und weniger Wichtigen auf die Füße treten, während sie das sichtbare Abfallprodukt entsorgen. Man ist schließlich wohlerzogen und ascht nicht auf Fußböden.

Nun ist es aber so, dass diese kleinen Inseln der Begierde den Betreibern des Terminal 2 ein Dorn im Auge zu sein scheint. Die erste wurde durch eine neue Vielfliegerlounge vor Gate 28 verdrängt und das Sterben geht weiter. Wer vom zentralen Gate 32 abfliegt (Hamburg, Frankfurt, etc.), hatte bis vor zwei Wochen noch die Möglichkeit, kurz vor Flugantritt seine Lungen mit Gift zu füllen. Jetzt ist die Raucherinsel verschwunden. Auf Anfrage werden Raucher zum Gate 17 oder 61 geschickt, den letzten beiden Raucherbastionen. Wer jedoch nicht in die United States of discriminating America fliegt, dem bleibt der Zugang zu Gate 61 verwehrt, da sich diese Abflugspforte in einem speziell nach Vorgaben der amerikanischen Behörden konzipierten Bereich befindet. Bleibt also noch Abflugsgate 17. Dieses Gate ist von Abfluggate 32 etwa 6 Gehminuten entfernt und von Rauchern dementsprechend stark frequentiert. Ehrlich gesagt möchte ich kein Nichtraucher sein, der dort auf seinen Abflug wartet.

Stellen wir uns folgende Situation vor: ein Passagier kommt von der Langstrecke und eilt nach zehn bis zwölf Stunden ohne Kippe zu seinem Inlandsanschlussflug. Da das Flugzeug dort noch nicht einsteigebereit ist, muss er ein wenig warten. Sein körperliches Bedürfnis nach Nikotin kann er jedoch nicht stillen, da der Einsteigevorgang jeden Moment beginnt und er für Hin- und Rückweg von Gate 17 insgesamt 12 Minuten bräuchte, von der Zeit für die Zigarette ganz zu schweigen. Neben ihm steht ein leitender Angestellter, der den ganzen Tag von Termin zu Termin hetzte und nun hofft, seine letzte Besprechung ohne zeitliche Verzögerung am Zielort anzutreten. Beide sind im Höchstmaße angespannt. Rauchen ist eine Sucht. Suchtverhalten wird seit einem Urteil des Bundessozialgerichtes vom 18. Juni 1968 als Krankheit anerkannt (das Diagnoseschema der Weltgesundheitsorganisation formulieren Sucht im ICD10 als Abhängigkeitssyndrom). Folglich leiden beide unter den Folgen ihrer Krankheit, für die sie keine schnelle Linderung finden. Die Folge wird sein, dass sich beide entweder mit aggressiv nervösem Auftreten begnügen oder aber einen Weg suchen, um dennoch Erleichterung herbeizuführen. Der Nikotinkaugummi wäre eine Lösung, befriedigt jedoch nicht die haptische Konditionierung. Also wird eine Zigarette an verbotenem Ort angezündet. Und wo scheint man ungestörter als auf dem verschließbaren stillen Örtchen?

Wer mit Fliegerei zu tun hat, weiß, dass die stärkste Bedrohung ein ausbrechendes Feuer an Bord ist. Kein Flugzeug kann so schnell landen, wie das Luftzirkulationssystem die Kabine mit tödlichem Rauch füllt. Sie meinen, das sei Panikmache? Ein Raucher in einer Flugzeugtoilette könne doch so eine große Bedrohung nicht sein? Stimmt nicht, denn so manche ausgedrückte Zigarette landete bereits im Papiertuchbehältnis der Waschräume. Ein einziger Funke genügt, um darin das schönste Feuer zu entfachen, vorausgesetzt die Einwurfklappe ist nicht verschlossen.

Zurück zu unseren Kranken, die in ihrem Leid nicht ernst genommen werden. Man könne sich doch mal für einige Stunden beherrschen, so schlimm kann das doch nicht sein. Haben Sie schon mal mit Suchterkrankungen zu tun gehabt? Mit Betroffenen über Disziplin zu diskutieren ist genauso aussichtslos wie der Versuch, über Wasser zu gehen. Klar gab es da einen, der das angeblich konnte. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dies für alle zutrifft. Hinzu kommt, dass der Wartebereich einmal betreten nicht mehr verlassen werden darf. Der Süchtige sitzt in der Falle.

Liebe Flughafenbetreiber, es mag für Sie alles ein wenig weit hergeholt klingen. Sie haben immerhin die Möglichkeit, mein Anliegen nach Schaffung von Raucherzonen zu belächeln und abzuwarten, bis ein schwerwiegender Versicherungsfall eintritt, nach dem Sie selbstverständlich das Versäumnis öffentlich zutiefst bedauern oder aber entsprechend präventiv zu reagieren. So langsam werden nämlich die stigmatisierten Raucher in der Öffentlichkeit stärker diskriminiert als Behinderte. Wo bleibt da das Recht auf Freiheit und Würde? Ich wäre sehr neugierig, was Dr. Michael Kerkloh als Vorsitzender Geschäftsführer der Flughafen München GmbH zu diesem Problem anderes zu sagen hat, als auf die Äusserung der Homepage "Der Flughafen München wurde zwar zur Nichtraucherzone erklärt, dennoch stehen für Raucher in den Warteräumen und in den Restaurants spezielle Raucherzonen zur Verfügung. Bitte beachten Sie die entsprechende Beschilderung." hinzuweisen. Ich bin mir ziemlich sicher, mit meinem Anliegen nicht alleine zu sein. Vielleicht wäre sogar das ein oder andere Lokalblättchen an dieser meiner Darstellung interessiert.

Nachtrag 8.11.09: Der Text bekommt auch nach knapp drei Jahren noch Backlinks und Referrer, weswegen ich mich nun nochmals zu Wort melde. Inzwischen wurde der Münchner Flughafen umgebaut und mit sog. Raucheraquarien bestückt. Ich selbst bin nun seit zwei Jahren Nichtraucher und kann diesen Zustand nur weiterempfehlen. Was den obigen Text anbelangt, muss ich zugeben, mit einer gewissen mir eigenen Impulsivität ein wenig über das Ziel hinausgeschossen zu sein. Sei's drum. Ich lerne aus Fehlern.

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Vor'n paar Jahren hatte 'ne Freundin mal Handwerkertruppen in der Wohnung: Maler/Tapezierer, die für 80qm insgesamt 10 Tage brauchten.

An einem Tag kamen 2 ältere Handwerker, die die Küche einbauen sollten (die bis dahin bereits hätte 7 Tage vorher fertigtapeziert und -gemalt hätte sein sollen) und es an einem Tag schafften.

(Alter)Handwerker 1 zu (altem) Handwerker 2, während an der Tür einer der (jungen) Maler rauchend zusah statt zu arbeiten:
"Alle Raucher sind Schweine."

Handwerker 2 zu Handwerker 1:
"Meinste?"

Handwerker 1 zu Handwerker 2:
"Ja."

Handwerker 2 zu Handwerker 1:
"Gibt's nich 'n paar Ausnahmen?"

Handwerker 1 zu Handwerker 2:
"Nee. ALLE Raucher sind Schweine."

Junger Maler steht weiterhin dümmlich paffend in der Tür und rafft nix.

;)

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Klingt sehr nach Situationskomik. Das schlimme daran ist, dass solche Meinungen wirklich in den Köpfen existieren (über Raucher, Männer, Behinderte, andere Nationalitäten, andere Religionsgruppen etc.) Daraus schöpft der Kabarettist Gerhard Polt. Er muss nicht mal etwas hinzudichten.

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Bei allem Gejammere musste aber zujeben, dass Raucher nach wie vor privilegiert sind: In der großen Mehrheit der Fälle sind die besten Plätze in Kneipen, Cafés und sonstigen Viewsites *immer* für Raucher reserviert, während die Nicht-Raucherecken so unattraktiv, dunkel etc. sind, dass nur Schleiereulen und Autisten sich dorthin setzen würden ...

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Das halte ich jetzt mal schlichtweg für selektive Wahrnehmung.

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Mag ja sein, dass det im sauberen Freistaat anders is.

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Als Raucher noch in der Mehrheit nach Köpfen, später nur noch nach Selbstbewußtsein waren, nahmen sie nicht die geringste Rücksicht. Ein Nichtraucher mußte schon froh sein, sich im Qualm aufhalten zu dürfen, ohne mitrauchen zu müssen. In die Minderheit geraten, suchen sie den Vergleich mit anderen Randgruppen. Den können sie gerne haben: Kokser sind auch Menschen, und dennoch beschränken sie sich auf isolierte und gewisse Orte. Und leider sind zumindest die Dauer-Raucher auch mehrheitlich Schweine, die ihre Kippen mit französicher Lässigkeit überall fallen lassen, gleichwohl sie unter den öffentlichen Rotzern und Abfallverlierern nicht mehr sonderlich auffallen. Wes Geistes Kind sie sind, tritt immer dann zu Tage, wenn sie sich unbeobachtet, unter sich oder allein wähnen und meinen, in Rauchverbotszonen qualmen zu können oder gar zu dürfen.

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Herr wuerg, ich habe - wie bereits beschrieben - vollstes Verständnis für die Belastung der Nichtraucher durch Raucher. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle nicht in die Raucher - Nichtraucherdiskussion einsteigen, sondern mich auf die Problematik am Münchner Flughafen beschränken. Danke.

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Zum Münchener Flughafen kann ich wie zu allen anderen leider nichts sagen. Wenn es aber dennoch etwas allgemeiner um die Not der Raucher geht, die weiträumig und über lange Zeit auf ihre Zigarette verzichten müssen, dies aber nicht können, so haben sie gewiß ein Problem. Das aber haben andere Minderheiten auch. Es gibt eben viele Gründe für Flugunfähigkeit. Und wenn Rauchen wirklich als Suchtkrankheit und das Anzünden einer Zigarette als geeignete Heilmaßnahme anerkannt ist, dann kann der Arzt Ihnen sicherlich ein Attest ausstellen, mit dem Sie ausnahmsweise rauchen dürfen.

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Och, ich finde, wir dürfen froh sein, dass uns Zigaretten und Tabak nicht schon an der Sicherheitskontrolle abgenommen werden (in den USA, die ich seit einiger Zeit ob ihrer lustigen Einreisekontrollen meide, sind dem Vernehmen nach ja inzwischen schon Feuerzeuge an Bord illegal?). Und zudem sind wir doch unbegrenzt leidensfähig, wie ein kurzer Blick in das eisgekühlte, dafür aber weder belüftete noch gereinigte Aquarium am Dulles Airport beweist (gibt's das überhaupt noch?). Nach dem Modell ist übrigens inzwischen weltweit ein Standard-Raucher-Reservat geschaffen worden, selbst an so lustigen Flughäfen wie Khartoum oder Yangon.

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Nicht nur auf USA Flügen sind die Feuerzeuge verboten, seit nach dem 11.9. mal ein Verrückter mit Plastiksprengstoff im Schuh experimentierte.

Die Aquarien gibt es an vielen Orten. Ich erinnere mich gerne an Male und Saigon. Aber wenigstens gibt es davon genügend.

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Also ich kenn verschiedene Aquarien. Bahrein, Nandi, Sidney Am genialsten ist Nandi, wenn man gemeinsam mit 300 Chinesen (davon 295 Raucher) 4 Stunden auf den Anschlussflug wartet....alle haben eins gemeinsam: Man spart sich das Rauchen. Einmal rein, 3 x tief Luft holen und schon is man nikotintechnisch wieder am oberen Level.

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Verständnisgrenzen
Bei allem Respekt, muss ich doch gestehen, daß sich mein Verständnis für dieses Thema in Grenzen hält.

Mich persönlich nerven die Raucherinseln in Frankfurt im Ankunftsbereich ungemein:

Die Raucherinseln stinken meist weit über den für sie vorgesehenen Bereich hinaus.

Bei Anmietung eines Mietwagens stehe ich meist direkt im Mief einer solchen "Insel" und nach einer durchflogenen Nacht, mit entsprechenden trockenen Augen und einer eh schon niedrigen Reizschwelle, fügt dies meinem Wohlbefinden noch das entsprechende Quentchen an Gereiztheit hinzu.

Die Ansicht, daß Raucher als Kranke privilegiert werden müssten, finde ich absurd:
Wenn jemand suchtkrank ist, so gehört er in Behandlung und seine Sucht gehört nicht noch öffentlich gefördert!

Ich in nicht für ein blindes "Raucher-Bashing", z. B. finde ich generelle, landesweite Rauchverbote in Gaststätten, wie in Irland oder Italien ziemlich unsinnig, schließlich habe ich hier als Nichtraucher durchaus die Wahl, ob ich mich dem Qualm aussetze oder nicht.

Bei den meist schlecht belüfteten und zentral postierten Raucherinsel an diversen Flugplätzen habe ich diese Wahl regelmäßig nicht, und das ist ein Punkt, der mich auf die Palme bringt!

Jeder Raucher kann an einem Flugplatz nach draußen an die frische Luft gehen und seiner Sucht dort frönen. Hat er nicht die Zeit dazu und benötigt er die Zigarette aber doch so dringend, dann gehört er in eine Therapie und nicht einen Flughafen!

So und jetzt dürfen Sie alle auf mich eindreschen!

Gruß,

Golfox

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Am Münchner Flughafenterminal 2 kann man nirgends ins Freie, wohl aber in Gaststätten. Ich bin im Flughafengebäude als Passagier eingesperrt. Draußen gilt die Vorfeldregelung.

Dann wären aber die Raucheraquarien eine gute Kompromißlösung, nicht? Da ist kein Nichtraucher dem Qualm ausgesetzt, der nicht hineingeht.

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Ach ja, was waren das doch noch für Zeiten als ich das erste Mal 1991 in ein Flugzeug gestiegen bin und darin hinten sogar im Durchgang stehend rauchen durfte - und das war gar ein Transatlantik-Flug. Mannomann, und da standen damals sogar noch die Servierwagen hinten im Gang und man konnte sich zwischen den Mahlzeiten selbst bei den Getränken bedienen. Yep, das waren noch Zeiten!

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Daran kann ich mich auch noch erinnern. Damals wusste ich allerdings noch nichts über die extreme Belastung des fliegenden Personals durch Rauch.

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Oh, ich muss gestehen, dass ich das auch heute noch nicht extremer eingeschätzt hätte als die Belastung in der kleinen verräuchterten Kneipe, in der ich vier Jahre jobbte.

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Damals wusste ich allerdings noch nichts über die extreme Belastung des fliegenden Personals durch Rauch.

Bei Iberia haben die Piloten (und das Personal) solange weiter gestreikt, bis man ihnen das Rauchen im Cockpit weiter erlaubt hat.....was den Leutkens auf den hinteren Rängen verboten ist...

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Gottseidank bin ich schon so alt und muß diese unwürdige Behandlung nicht mehr lange ertragen. Gibt es eigentlich in der Hölle auch ein Rauchverbot?

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