Samstag, 6. Mai 2006
down-and-out
Die zehn deutlichsten Anzeichen für den unmittelbar bevorstehenden sozialen Abstieg:

1. Du fragst auf Beerdigungen die Angehörigen nach der Kleidergröße des Verstorbenen
2. Du triffst an der Nachttankstelle viele Freunde und bekannte Gesichter
3. Dein neuester Schwarm ist Kassiererin an der Nachttankstelle
4. Wenn du den abgelegten Hut wieder aufsetzt, fallen Geldstücke heraus
5. Der Inhalt öffentlicher Abfalleimer interessiert dich mehr als der Inhalt fremder Damenblusen
6. Unter Brücken fühlst du dich spontan geborgen und ein wenig schläfrig
7. Du lässt dir nach dem Geschäftsessen im Restaurant die Reste von allen Tellern einpacken
8. Du sammelst alte Zeitungen, weil die im Winter schön warm halten
9. Den letzten Urlaub hast du ausschließlich durch Flaschenpfand finanziert
10. Die Männer vom Sperrmüll lassen deine Sachen stehen, weil die keiner anfassen will

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Freitag, 5. Mai 2006
It´s time to play the music (Gonzo blows his trumpet)
Mit der Musik ist das ja so eine Sache. Da muss man schon früh anfangen, wenn man berühmt werden will. Ein Kind orientiert sich am Vorbild (so will ich auch sein, wenn ich groß bin) der Eltern oder anderen Bezugspersonen. Sind die Eltern Musiker, äußert das Kind meist diesen Berufswunsch. Fragte man mich, was ich werden wollte, war ich meist ziemlich ratlos. Ich wusste nicht, was meine Eltern beruflich machen. Zumindest war mir schon früh klar, dass Biertrinker kein Berufsbild sein kann. Und das war auch noch vor der Zeit, als es schick war, auf die Frage nach dem Berufswunsch mit Entwicklungshelfer oder Arzt zu antworten. Als ich mit 6 Jahren das erste Mal vom Haus meiner damaligen Freundin zurückkehrte, berichtete ich ganz aufgeregt meiner Mutter
Mama, stell Dir vor, der Papa von der C. ist Komiker!
Wie, Komiker?
Naja, der malt so Comics.
Irgendetwas hatte ich da verwechselt. Oder auch nicht.

Was mich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass immer mehr Kinder ihre Kindheit vor dem Fernseher verbringen. Was wollen solche Kinder mal werden? Talkmaster? Waschmittelanpreiser? Sind sich Eltern über die traumatischen Auswirkungen auf das Leben der Kinder bewußt, wenn sie sie der unzensierten Faltencremewerbung mit Uschi Glas aussetzen?
Früher da gab es wenigstens noch pädagogisch wertvolles Programm für Kinder z.B. Sesamstrasse und Muppet Show. Während meines Studiums fragte ich einen Kommilitonen, wieso er gerade dieses Instrument gewählt hatte und er erzählte mir die Geschichte von Gonzo mit der Trompete. Damals glaubte ich noch an einen Einzelfall, während mir im Laufe der Jahre sämtliche Illusionen geraubt wurden.

Inzwischen glaube ich, Musiker werden nur noch Menschen, die in ihrer Kindheit nicht wussten, was sie werden wollen. Ausserdem ist Musiker genauso wenig wie Biertrinker ein Beruf. Auch hier wieder ein griffiges Beispiel aus abgespeicherten Konversationsfetzen, die diese These untermauert: Ach, sie machen Musik? Wie schön. Und was machen sie beruflich?
Und meine Mutter sagte bereits Kind, wenn Du unbedingt Musik studieren willst, ist das schon in Ordnung. Schließlich heiratest Du mal und dann kann man das schön nebenher machen. Sie hat mir bis heute nicht verraten, neben was ich Musik machen kann. Neben Kindern? Neben Kochen? Neben Sex? Ausserdem war das mit dem Heiraten eine Fehlkalkulation, wie sich später herausstellen sollte. Die Börse meldete Verluste, als meine Aktien auf den Markt kamen.

Eine Pointe gibt´s heute keine, weil ich weg muss. Tschüss.

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Donnerstag, 4. Mai 2006
In the summertime (Sommer kommt´s)
In München ist der Sommer ausgebrochen. Keine Ahnung, wie das Wetter in Deutschland so ist (ja, da bricht das Freistaatbewußtsein durch), ich glaube ja keiner Wettervorhersage aber Erfahrungsberichte von überall werden gerne in den Kommentaren gelesen – vor allem wenn es irgendwo heute regnen sollte. Gestern war´s auch schon schön. Vorgestern war´s erst nicht so schön aber dann war´s schon schön... An dieser Stelle unterbreche ich die laufende Schneebergerparodie. Man soll ja immer schön sich selbst treu bleiben. Und authentisch und so. Das ist derzeit ziemlich hip und soll ein anderes Mal besprochen werden.

Worin ich mir allerdings untreu wurde, ist meine körpereigene Melatoninausschüttung. So ist das eben mit Kontrollfreaks. Immer schön dosiert und nur nie zu viel auf einmal. Als Ergebnis hat sich meine Haut heute Morgen rötlich verfärbt. Das war so nicht geplant aber irgendwie ist mein Zellengedächtnis auf dem Stand von vor zehn Jahren. Irgendwer sagte mir mal, dass das eine Alterserscheinung sei. Die alten Leute leben auch vorwiegend in der Vergangenheit, zumindest können sie sich daran am besten erinnern. Ich glaube heute noch, ich könne mich der Sonne ungehindert aussetzen und keinen Sonnenbrand kriegen, da ich ein dunkler Typ bin. Die kleinen dunklen Flecken, die sich in den letzten zehn Jahren auf meiner Haut wie die Karnickel vermehren, ignoriere ich dabei geflissentlich. Was ich auch verdrängt habe, sind die auf UV-Strahlung zurückzuführenden Schmerzen, die man nachts hat, wenn man auf einem roten Rücken zu liegen kommt. Nein, ich kriege ja keinen Sonnenbrand, den kriegen nur die anderen, diese hellhäutigen Typen, die sich ohne Sonnenschutz stundenlang im Freien bewegen und die Engländer, die sich selbst dann noch am Strand aalen, wenn die Haut bereits in Fetzen von den Schultern hängt. Die Schmerzen müssen demnach eine andere Ursache haben, eventuell eine Waschmittelunverträglichkeit oder ein subkutaner Muskelkater jeweils gepaart mit einem offensichtlich abfärbenden neuen Kleidungsstück. Oder das war einfach was Psychosomatisches. Dagegen kann man dann irgendwelche Blüten vom Bach einnehmen und ein wenig meditieren.

Ich hab ja schon viel meditiert in meinem Leben, meist für den Weltfrieden und gegen das Ozonloch. Irgendwie hab ich auch das Gefühl, es ist alles besser geworden, außer dem Weltfrieden und dem Ozonloch. Vielleicht hab ich einfach die falsche Technik. Oder ich muss mich noch mehr anstrengen und das mit verschiedenen keltischen Ritualen kombinieren. Natürlich muss da auch der äußere Rahmen stimmen. Man meditiert am besten nach Osten kopfstehend auf einem mit Dreadlocks ausgestopften buddhistischen Meditationskissen (Fortgeschrittenen genügt eine Kippa oder ein Pileolus als Polsterung).Dabei kann man die nach unten rutschende Burka mittels Gebetskapselriemen um die Beine befestigen. Streng darauf zu achten ist, dass während der Meditation sämtliche Kasten der Kommode im Zimmer geschlossen sind. Als Hintergrund eignen sich leise Sitarklänge und auf einem kreuzförmigen Rost grillende Fischstäbchen, die man hinterher zusammen mit kosher Cola verzehren darf. Wenn das ganze Brimborium nichts bringt, war´s wenigstens politisch korrekt. Das ist in der heutigen Zeit unheimlich wichtig.

Ob man so ein Ozonloch wohl stopfen kann? Ich hätte da schon eine Idee. Man braucht nur Cargoflugzeuge der Aeroflot mit ausgedienten Brennstäben von Atomkraftwerken auf der ganzen Welt bestücken und die immer innerhalb des Loches kreisen lassen. Hilft zwar nix gegen das Loch, sieht aber bei Nacht hübsch aus. Ich meine, diese ganze Tschernobylgeschichte ist doch auch recht hübsch gewesen. Letztens war ich in Kiew und habe mich gewundert, warum die Leute dort alle so strahlen, bis ich dann im Stern oder Spiegel oder so von dem Tschernobyljubiläum gelesen habe. Da war mir alles klar. Seit heute Nachmittag strahlt meine Haut auch, nämlich rot. Ich war schon wieder in der Sonne, weil ich vergessen hatte, dass ich da schon gestern war. Irgendwie steht mir rot auch vorzüglich. Und passt so gut zu meinem neuen Bikini, den ich jedoch erst tragen werde, wenn ich auch in der Lage bin, mein überschüssiges Körperfett zu vergessen. Ja, man muss auch mal vergessen können. Dann kann das Leben so schön sein wie das Wetter.

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