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Dienstag, 4. Juli 2006
Die Wand Gottes*
frau klugscheisser, 16:36h
Meine Referrer sind verheerend, seit ich das Lied mit den zwei kleinen Italienern von Conny Froebess umgedichtet habe. Hunderte - ach was sage ich - tausende neuer Anfragen landen täglich auf meiner Seite. Um meine Mitfiebernden auf den heutigen Abend gut vorzubereiten, werde ich den Text noch einmal hier präsentieren. Wie ich nämlich zu meinem Leidwesen feststellen musste, haperts bei einigen noch gewaltig. Da wird nach scheiss Italiener, nach zwölf kleine Italiener oder gar nach zwei kleine Italiener sind jetzt 11 gesucht. Von Bayern 3 oder gar Video war hier nie die Rede. Also nochmal langsam zum mitschreiben:
Es handelt sich hier um 11 (in Worten elf) durch ihre italienische Abstammung nicht gerade hochgewachsenen Herren, welche sich gerne im Endspiel in Berlin sähen. Da die Reise nach Deutschland ging, begeben Sie sich zunächst, von Italien aus gesehen, nach Norden. Diese Herren beginnen nun, ihren Traum vom Pokal durch teilweise miese Tricks (s. Spiel vor dem Viertelfinale , Frings etc.) Wirklichkeit werden zu lassen. Der Text entstand noch vor dem heutigen Halbfinalspiel, weswegen wir dem italienischen Nationaltrainer und unserer Begegnung schon mal im Vorfeld mit den Worten "Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald (also heute) wiedersehn" entgegensehen, nicht ohne ihn darauf hinzuweisen, dass diese Begegnung unter Umständen nicht in seinem Interesse ablaufen wird.
Und hier nun die gültige Fassung [und jetzt ALLE]:
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Elf kleine Italiener, die sehnten sich nach Berlin
nach Toren und Pokalen, die lockten von Anbeginn
Elf kleine Italiener, manch Foul mit Fuß und Bein
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald wiedersehn
Marcello, oh Marcello, das wird für Dich nicht schön.
©Frau Klugscheisser
Bitte beachten Sie das Zeichen am Ende des Textes. Falls Deutschland heute gewinnt, möchte ich gerne in etwaigen Berichten lobend erwähnt werden. Falls nicht, zerstört sich dieser Text automatisch nach Spielende. Die Laolawelle ist unbekannter Herkunft.
Ausserdem hätte ich noch einen Text zur moralischen Unterstützung für Jens Lehmann anzubieten. Dieser wird auf die Melodie von "Theodor im Fussballtor" gesungen:
Der Lehmann Jens, der Lehmann Jens,
wird nicht enttäuschen seine Fans,
wie der Ball auch kommt,
wie der Schuss auch fällt,
der Lehmann Jens, der kennts.
Dabei zu beachten ist, dieses Lied leise, also so "mehr nach innen" zu singen. Schließlich fühlen wir alle mit Kahn, dem armen Kerl, der da untätig auf der Bank rumsitzen muss, während die Hand (*oder "Wand" wie er von der Hamburger Morgenpost nach dem Sieg gegen Argentinien tituliert wurde) Gottes im Jubel badet. Und jetzt muss ich noch schnell ein Deutschlandfähnchen für heute Abend häkeln. Sie entschuldigen mich.
Und hier nun die gültige Fassung [und jetzt ALLE]:
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Elf kleine Italiener, die sehnten sich nach Berlin
nach Toren und Pokalen, die lockten von Anbeginn
Elf kleine Italiener, manch Foul mit Fuß und Bein
Eine Reise in den Norden ist für andre schick und fein,
doch elf kleine Italiener werden bald zuhause sein.
Marcello, oh Marcello, wir werden uns bald wiedersehn
Marcello, oh Marcello, das wird für Dich nicht schön.
©Frau Klugscheisser
Bitte beachten Sie das Zeichen am Ende des Textes. Falls Deutschland heute gewinnt, möchte ich gerne in etwaigen Berichten lobend erwähnt werden. Falls nicht, zerstört sich dieser Text automatisch nach Spielende. Die Laolawelle ist unbekannter Herkunft.
Ausserdem hätte ich noch einen Text zur moralischen Unterstützung für Jens Lehmann anzubieten. Dieser wird auf die Melodie von "Theodor im Fussballtor" gesungen:
Der Lehmann Jens, der Lehmann Jens,
wird nicht enttäuschen seine Fans,
wie der Ball auch kommt,
wie der Schuss auch fällt,
der Lehmann Jens, der kennts.
Dabei zu beachten ist, dieses Lied leise, also so "mehr nach innen" zu singen. Schließlich fühlen wir alle mit Kahn, dem armen Kerl, der da untätig auf der Bank rumsitzen muss, während die Hand (*oder "Wand" wie er von der Hamburger Morgenpost nach dem Sieg gegen Argentinien tituliert wurde) Gottes im Jubel badet. Und jetzt muss ich noch schnell ein Deutschlandfähnchen für heute Abend häkeln. Sie entschuldigen mich.
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Montag, 3. Juli 2006
She´s got it
frau klugscheisser, 17:00h
Jahrelang gegrübelt, jahrelang rastlos gesucht nach Gründen, nach Erklärungen, nach einem Strohhalm, an den sich der Kopf klammern kann, wenn die Seele schreit, wenn das Messer der Ungerechtigkeit sich tief ins Fleisch schneidet und Teile des Herzens durchtrennt.
"Warum ist er so?"
"Er ist krank."
"Was fehlt ihm denn?"
"Das weiß ich nicht."
"Wenn ihm was fehlt, muss er zum Arzt."
"Nein, das ist nicht körperlich."
"Dann ist es psychisch?"
"Ja"
"Was fehlt ihm denn?"
"Ich weiß es nicht."
"Und warum müssen wir drunter leiden?"
"Das meint er nicht so."
"Aber es tut weh."
"Das müssen wir aushalten."
"Ich will nicht, dass er so ist."
"Ich auch nicht. Vielleicht bin ich schuld."
"Oder ich."
"Er kann das nicht kontrollieren."
"Ich will aber nicht so einen Vater."
"Ich schäme mich für diesen Sohn."
"Hat er mich denn nicht lieb?"
"Doch bestimmt."
"Warum tut er das dann?"
Jahrelang gegrübelt und Bücher gelesen, Bücher über Schizophrenie, über Borderline und Psychosen, solange bis die Augen vor Müdigkeit zufielen. Ergebnislos. Und dann kommt einer daher, der auf den ersten Blick völlig anders ist und der mein Herz gewinnt. Aber auch er hat ein Problem. Sein Problem lässt mich nicht los, lässt mich grübeln, nach Gründen suchen und Erklärungen. Ergebnislos, zunächst. Doch dann beginnen alte Gefühle aufzubrechen, die ich in ihrer Intensität von längst vergessenen Tagen nur kenne. Wiederholung von alten Geschichten. Ich bohre weiter, denn der Himmel ist nicht grün, er ist blau. Und plötzlich wird mir klar, was vor vielen Jahren gewesen ist. Für diese Erkenntnis bin ich ihm, der erst vor kurzem mein Leben streifte fast ein wenig dankbar. Durch sein Verhalten hat er Licht in mein Dunkel gebracht. Den Scheinwerfer justiert habe ich allerdings selbst. Endlich, endlich kann ich die Fragen loslassen.
"Warum ist er so?"
"Er ist krank."
"Was fehlt ihm denn?"
"Das weiß ich nicht."
"Wenn ihm was fehlt, muss er zum Arzt."
"Nein, das ist nicht körperlich."
"Dann ist es psychisch?"
"Ja"
"Was fehlt ihm denn?"
"Ich weiß es nicht."
"Und warum müssen wir drunter leiden?"
"Das meint er nicht so."
"Aber es tut weh."
"Das müssen wir aushalten."
"Ich will nicht, dass er so ist."
"Ich auch nicht. Vielleicht bin ich schuld."
"Oder ich."
"Er kann das nicht kontrollieren."
"Ich will aber nicht so einen Vater."
"Ich schäme mich für diesen Sohn."
"Hat er mich denn nicht lieb?"
"Doch bestimmt."
"Warum tut er das dann?"
Jahrelang gegrübelt und Bücher gelesen, Bücher über Schizophrenie, über Borderline und Psychosen, solange bis die Augen vor Müdigkeit zufielen. Ergebnislos. Und dann kommt einer daher, der auf den ersten Blick völlig anders ist und der mein Herz gewinnt. Aber auch er hat ein Problem. Sein Problem lässt mich nicht los, lässt mich grübeln, nach Gründen suchen und Erklärungen. Ergebnislos, zunächst. Doch dann beginnen alte Gefühle aufzubrechen, die ich in ihrer Intensität von längst vergessenen Tagen nur kenne. Wiederholung von alten Geschichten. Ich bohre weiter, denn der Himmel ist nicht grün, er ist blau. Und plötzlich wird mir klar, was vor vielen Jahren gewesen ist. Für diese Erkenntnis bin ich ihm, der erst vor kurzem mein Leben streifte fast ein wenig dankbar. Durch sein Verhalten hat er Licht in mein Dunkel gebracht. Den Scheinwerfer justiert habe ich allerdings selbst. Endlich, endlich kann ich die Fragen loslassen.
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frau klugscheisser, 12:08h
Soeben alte Festplatte vernichtet. Wenn das doch mit Gehirnen auch ginge.
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Ich Ich Ich
frau klugscheisser, 03:15h
Der bislang schönste Nachruf im Bloggerland. Da geh ich doch mit:
Es ist Freitag nachmittag. Hamburg - sonnig - die Frisur hält. Wir besteigen den Crewbus. Der Fahrer hat das Radio auf volle Dröhnung. Der Copi bittet den Fahrer, das Radio leiser zu stellen. WM-Pläne werden geschmiedet. Die Herren vom Cockpit wollen gerne auf eine Schlägerei. Wer geht mit? Die Kollegin sagt, sie kann nicht, weil sie sich grade die Zähne neu hat machen lassen. Ich höre im Hintergrund die Nachricht von Gernhardts Tod. "Gernhardt ist tot!" rufe ich laut. Verständnislose Blicke. "Robert Gernhardt?" frage ich leise und rhetorisch nach. Das Thema wird schnell gewechselt.
Der Ligeti ist auch vor Kurzem gestorben, fällt mir ein. Die breite Öffentlichkeit kennt Lux Aeterna, Atmosphéres und das Kyrie aus dem Film 2001 - Odysee im Weltraum. Damals ist Kubrick mit einer Urheberrechtsklage billiger weggekommen, als wenn er sich die Rechte an dem Stück gekauft hätte. Bei Ligeti kann ich verstehen, dass den kaum einer kennt. Bei Gernhardt nicht. Das einzige Buch, das ich von ihm besitze, steht neben einem von Henscheid. Ist keine böse Absicht, nur derselbe Verlag. Dabei habe ich mehr als nur ein Werk von ihm gelesen. Ich habe Gernhardt für mich entdeckt, als Gleichaltrige sich noch bei Frisch, Hesse und Dürrenmatt, bei Golding und Salinger einen runterholten. Dafür wusste ich bis vor kurzem nicht, was gothic ist und auch die Musik dieser Epoche ist nahezu spurlos an mir vorrübergegangen. Ich mochte seinen scharfsinnigen Humor. Während andere noch die Gesellschaft anprangerten, schaute er nach innen. Ich glaube, von ihm habe ich gelernt, mit mir selbst nachsichtiger zu sein und über Fehler zu lachen. Wenn einer mit seinen Büchern das schafft, was oft nicht einmal durch langjährige Therapie erreicht wird, dann muss er ein ganz Großer gewesen sein.
Ich Ich Ich von Robert Gernhardt. Das einzige Buch von ihm in meinem Regal, gleich neben Henscheidts "Wie man eine Dame verräumt".
Es ist Freitag nachmittag. Hamburg - sonnig - die Frisur hält. Wir besteigen den Crewbus. Der Fahrer hat das Radio auf volle Dröhnung. Der Copi bittet den Fahrer, das Radio leiser zu stellen. WM-Pläne werden geschmiedet. Die Herren vom Cockpit wollen gerne auf eine Schlägerei. Wer geht mit? Die Kollegin sagt, sie kann nicht, weil sie sich grade die Zähne neu hat machen lassen. Ich höre im Hintergrund die Nachricht von Gernhardts Tod. "Gernhardt ist tot!" rufe ich laut. Verständnislose Blicke. "Robert Gernhardt?" frage ich leise und rhetorisch nach. Das Thema wird schnell gewechselt.
Der Ligeti ist auch vor Kurzem gestorben, fällt mir ein. Die breite Öffentlichkeit kennt Lux Aeterna, Atmosphéres und das Kyrie aus dem Film 2001 - Odysee im Weltraum. Damals ist Kubrick mit einer Urheberrechtsklage billiger weggekommen, als wenn er sich die Rechte an dem Stück gekauft hätte. Bei Ligeti kann ich verstehen, dass den kaum einer kennt. Bei Gernhardt nicht. Das einzige Buch, das ich von ihm besitze, steht neben einem von Henscheid. Ist keine böse Absicht, nur derselbe Verlag. Dabei habe ich mehr als nur ein Werk von ihm gelesen. Ich habe Gernhardt für mich entdeckt, als Gleichaltrige sich noch bei Frisch, Hesse und Dürrenmatt, bei Golding und Salinger einen runterholten. Dafür wusste ich bis vor kurzem nicht, was gothic ist und auch die Musik dieser Epoche ist nahezu spurlos an mir vorrübergegangen. Ich mochte seinen scharfsinnigen Humor. Während andere noch die Gesellschaft anprangerten, schaute er nach innen. Ich glaube, von ihm habe ich gelernt, mit mir selbst nachsichtiger zu sein und über Fehler zu lachen. Wenn einer mit seinen Büchern das schafft, was oft nicht einmal durch langjährige Therapie erreicht wird, dann muss er ein ganz Großer gewesen sein.
Ich Ich Ich von Robert Gernhardt. Das einzige Buch von ihm in meinem Regal, gleich neben Henscheidts "Wie man eine Dame verräumt".
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Montag, 3. Juli 2006
ALK
frau klugscheisser, 01:49h
Ein Buch von Simon Borowiak für alle Säufer, die sich in lichten Momenten schon mal Gedanken über ihr Trinkverhalten gemacht haben, denen aber die Fachbücher zu fachlich und Betroffenenberichte zu betroffen sind (Zitat aus dem Vorwort). Ein Buch für Betroffene, die Intelligenz und Humor noch nicht ganz versoffen haben. Ein Buch für Angehörige, denen mal die Betroffenheitskeule zum Zwecke der Ernüchterung über den Schädel gezogen wird. Kurz: ein durchaus amüsantes Buch mit Informationsgehalt, das in keinem Haushalt fehlen sollte (sind wir nicht alle ein bisschen blau?)
Soeben gelesen und restlos begeistert. Mehr dazu hier.
Soeben gelesen und restlos begeistert. Mehr dazu hier.
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