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Montag, 19. Februar 2007
If you can make it there, you'll make it everywhere (3)
frau klugscheisser, 12:58h
Irgendwann sind 24 Stunden vorbei, nämlich nach genau 24 Stunden, und das Ende ist schnell erzählt. Ich laufe die 30 Blogs Blocks entlang, es ist nach wie vor kalt und meine Beine tun das, was ich zu Beginn des Tages in den Bordcomputer eingegeben habe. Sie bewegen sich ferngesteuert. Meine Gedanken haben auf diese Weise mehr Freiraum. Irgendwie bin ich froh, nicht erreichbar zu sein, fernab von Hiobsbotschaften. Ich will mich lieber auf die schönen, seltsamen und außergewöhnlichen Kleinigkeiten konzentrieren.
Da ist dieser Mann, den Kragen des Mantels hochgeklappt, darunter Anzug, schwarze Schuhe aus glänzendem Leder. Er trägt Ohrenschützer, die aussehen wie ein sehr breiter Haarreif. Haare gibt es auf seinem Kopf keine zu bändigen, deswegen sitzt der Stoffreif im Nacken. An das rechte Ohrenteil presst er sein Handy, spricht ab und zu einige Worte. Eindeutiger Vorteil gegenüber früheren Ohrwärmern ist die Telefontauglichkeit. Da ist die junge Frau auf hochhackigen Stiefeln. Zwischen den Schaftenden unterhalt ihrer Knie und dem Beginn des Rockes prangt eine weite Strecke bare Angriffsfläche für niedrige Temperaturen. Ich muss wegsehen, will ich nicht noch mehr frieren. Alles nur im Kopf, denke ich. Kälte, Hitze, Trauer, Freude, all das ist wohl Einstellungssache. An einem dieser sehr heißen Sommertage versuchte ich mir vorzustellen, wie kalt so ein Wintertag sein kann. Geschwitzt habe ich trotzdem. Auch jetzt gelingt es mir nicht, meinem Körper tropisches Klima vorzugaukeln, ohne ein wenig zu zittern.
New York. Man liebt oder man hasst diese Stadt. Dazwischen existiert nichts. Keine Graustufen, nur Superlativen. Mörderisch kalt oder siedend heiß, niemals lauwarm. Manhattan als Geschmacksverstärker. Nach einer Weile bin ich in der Gegend, in der ich mich schon an Weihnachten herumdrückte. Innerlich kämpfe ich gegen aufsteigende negative Gefühlserinnerungen. Eine Straße ist eine Straße ist eine Straße, nicht mehr und nicht weniger. Die Assoziationen häufen wir selbst drauf, wie den Abfall im Straßengraben. Wie andere das wohl machen? Ich meine, sind wir denn nicht alle ein wenig Sklaven unserer Assoziationen? Verdrängungsdarwinismus oder angeborene Erinnerungsschwäche, wie oft habe ich mir das schon gewünscht. Es funktioniert bei mir nicht. Je länger ich lebe, umso mehr Müll schleppe ich mit mir herum und bin verdammt, ihn auch noch permanent anzusehen. Die schmutzigen Fenster und den Staub in meiner Wohnung kann ich allerdings erstaunlich gut ausblenden.
Instinktiv laufe ich schneller. Schließlich tauchen Häuser auf, die mir fremd sind. Nur den Eingang zu Barney's habe ich auf einem Foto im Internet gesehen. Jeans werden im obersten Stock verkauft. Ich betrete den Laden durch die Drehtüre und möchte nach einem Blick ins Innere am liebsten mit demselben Schwung wieder nach draußen, doch es ist warm drinnen und ich will nicht umsonst so weit gelaufen sein. Ich betrete die schmale Rolltreppe nach oben. Im ersten Stock Designernamen, im zweiten dasselbe. Von Treppe zu Treppe komme ich mir schäbiger vor in meinen alten Schuhen, der schmuddeligen Jacke, ungeschminkt zwischen all dem aufgetakelten Personal, das wie Falken durch die schmalen Gänge zwischen Kleiderstangen kreisend nach Kundschaft späht, um sich in einem unbedachten Moment auf die Beute zu stürzen. Es gibt kein Versteck, keinen Zufluchtsort, keinen Unterschlupf. Sobald man die spärlichen Schilder durch die Finger gleiten lässt, ist man ihnen schutzlos ausgeliefert. Meine einzige Chance ist, ständig in Bewegung zu bleiben, nie irgendwo zu stehen oder die Ware näher zu betrachten, den Anschein von Langeweile zu erwecken. Nein, ich brauche keine Hilfe, ich suche hier nichts, denn das hier ist nicht meine Klasse. Wie ein Süßwasserfisch, der versehentlich im Salzwasser gelandet ist, komme ich mir vor. Das oberste Stockwerk erreicht, gehe ich schnurstracks zur anderen Seite und fahre die vielen Treppen wieder abwärts, unterbrochen nur durch den Bogen zwischen dem Ende einer und dem Anfang einer neuen Treppe.
Wo ist sie hin, meine Selbstsicherheit, was aus mir geworden? Am liebsten möchte ich mich verkriechen, was ich die meiste Zeit zuhause bereits ausgiebig mache. Ich bin enttäuscht von mir. Erwartungen, Vorsätze, alles dahin. Zudem spüre ich diesen leichten Schmerz im Knie. Der Tag ist gelaufen. Ich trete den Rückweg zum Hotel an, denn vor mir liegen noch einige Stunden Flug, die ich gerne in harmonischer Zusammenarbeit mit meinem Knie verbringen möchte. Es wird mir einen Strich durch die Rechnung machen, doch das weiß ich jetzt noch nicht.
Am Abend holt uns der Bus vom Hotel ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Die Fahrt geht Richtung Süden, bis er in eine der großen Straßen nach Osten einbiegt. Und plötzlich sehe ich all die Läden, die ich suchte, einer neben dem anderen. Genau diese Straße hatte ich in meinem Slalom ausgespart, denn in der Erinnerung war sie viel kleiner. Zumindest mein nächster Aufenthalt in der großen Stadt dürfte erfolgversprechender sein. Bis dahin freue ich mich an der alten Lieblingsjeans mit den mittlerweile ausgefransten Rändern, den durchschabten Innenschenkeln und der ausgerissenen Gürtelschlaufe, so gut es eben geht. Man wird tatsächlich mit den Jahren bescheidener. Zumindest arbeite ich daran.
Da ist dieser Mann, den Kragen des Mantels hochgeklappt, darunter Anzug, schwarze Schuhe aus glänzendem Leder. Er trägt Ohrenschützer, die aussehen wie ein sehr breiter Haarreif. Haare gibt es auf seinem Kopf keine zu bändigen, deswegen sitzt der Stoffreif im Nacken. An das rechte Ohrenteil presst er sein Handy, spricht ab und zu einige Worte. Eindeutiger Vorteil gegenüber früheren Ohrwärmern ist die Telefontauglichkeit. Da ist die junge Frau auf hochhackigen Stiefeln. Zwischen den Schaftenden unterhalt ihrer Knie und dem Beginn des Rockes prangt eine weite Strecke bare Angriffsfläche für niedrige Temperaturen. Ich muss wegsehen, will ich nicht noch mehr frieren. Alles nur im Kopf, denke ich. Kälte, Hitze, Trauer, Freude, all das ist wohl Einstellungssache. An einem dieser sehr heißen Sommertage versuchte ich mir vorzustellen, wie kalt so ein Wintertag sein kann. Geschwitzt habe ich trotzdem. Auch jetzt gelingt es mir nicht, meinem Körper tropisches Klima vorzugaukeln, ohne ein wenig zu zittern.
New York. Man liebt oder man hasst diese Stadt. Dazwischen existiert nichts. Keine Graustufen, nur Superlativen. Mörderisch kalt oder siedend heiß, niemals lauwarm. Manhattan als Geschmacksverstärker. Nach einer Weile bin ich in der Gegend, in der ich mich schon an Weihnachten herumdrückte. Innerlich kämpfe ich gegen aufsteigende negative Gefühlserinnerungen. Eine Straße ist eine Straße ist eine Straße, nicht mehr und nicht weniger. Die Assoziationen häufen wir selbst drauf, wie den Abfall im Straßengraben. Wie andere das wohl machen? Ich meine, sind wir denn nicht alle ein wenig Sklaven unserer Assoziationen? Verdrängungsdarwinismus oder angeborene Erinnerungsschwäche, wie oft habe ich mir das schon gewünscht. Es funktioniert bei mir nicht. Je länger ich lebe, umso mehr Müll schleppe ich mit mir herum und bin verdammt, ihn auch noch permanent anzusehen. Die schmutzigen Fenster und den Staub in meiner Wohnung kann ich allerdings erstaunlich gut ausblenden.
Instinktiv laufe ich schneller. Schließlich tauchen Häuser auf, die mir fremd sind. Nur den Eingang zu Barney's habe ich auf einem Foto im Internet gesehen. Jeans werden im obersten Stock verkauft. Ich betrete den Laden durch die Drehtüre und möchte nach einem Blick ins Innere am liebsten mit demselben Schwung wieder nach draußen, doch es ist warm drinnen und ich will nicht umsonst so weit gelaufen sein. Ich betrete die schmale Rolltreppe nach oben. Im ersten Stock Designernamen, im zweiten dasselbe. Von Treppe zu Treppe komme ich mir schäbiger vor in meinen alten Schuhen, der schmuddeligen Jacke, ungeschminkt zwischen all dem aufgetakelten Personal, das wie Falken durch die schmalen Gänge zwischen Kleiderstangen kreisend nach Kundschaft späht, um sich in einem unbedachten Moment auf die Beute zu stürzen. Es gibt kein Versteck, keinen Zufluchtsort, keinen Unterschlupf. Sobald man die spärlichen Schilder durch die Finger gleiten lässt, ist man ihnen schutzlos ausgeliefert. Meine einzige Chance ist, ständig in Bewegung zu bleiben, nie irgendwo zu stehen oder die Ware näher zu betrachten, den Anschein von Langeweile zu erwecken. Nein, ich brauche keine Hilfe, ich suche hier nichts, denn das hier ist nicht meine Klasse. Wie ein Süßwasserfisch, der versehentlich im Salzwasser gelandet ist, komme ich mir vor. Das oberste Stockwerk erreicht, gehe ich schnurstracks zur anderen Seite und fahre die vielen Treppen wieder abwärts, unterbrochen nur durch den Bogen zwischen dem Ende einer und dem Anfang einer neuen Treppe.
Wo ist sie hin, meine Selbstsicherheit, was aus mir geworden? Am liebsten möchte ich mich verkriechen, was ich die meiste Zeit zuhause bereits ausgiebig mache. Ich bin enttäuscht von mir. Erwartungen, Vorsätze, alles dahin. Zudem spüre ich diesen leichten Schmerz im Knie. Der Tag ist gelaufen. Ich trete den Rückweg zum Hotel an, denn vor mir liegen noch einige Stunden Flug, die ich gerne in harmonischer Zusammenarbeit mit meinem Knie verbringen möchte. Es wird mir einen Strich durch die Rechnung machen, doch das weiß ich jetzt noch nicht.
Am Abend holt uns der Bus vom Hotel ab, um uns zum Flughafen zu bringen. Die Fahrt geht Richtung Süden, bis er in eine der großen Straßen nach Osten einbiegt. Und plötzlich sehe ich all die Läden, die ich suchte, einer neben dem anderen. Genau diese Straße hatte ich in meinem Slalom ausgespart, denn in der Erinnerung war sie viel kleiner. Zumindest mein nächster Aufenthalt in der großen Stadt dürfte erfolgversprechender sein. Bis dahin freue ich mich an der alten Lieblingsjeans mit den mittlerweile ausgefransten Rändern, den durchschabten Innenschenkeln und der ausgerissenen Gürtelschlaufe, so gut es eben geht. Man wird tatsächlich mit den Jahren bescheidener. Zumindest arbeite ich daran.
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Sonntag, 18. Februar 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (20)
frau klugscheisser, 01:20h
Dieses Jahr geh ich als Stewardess.
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Freitag, 16. Februar 2007
If you can make it there, you'll make it everywhere (2)
frau klugscheisser, 02:02h
Den Laden zu finden, wo ich meine alte Lieblingsjeans erworben hatte, ist folglich die Aufgabe, die ich mir diesmal in New York stelle. In der Zwischenzeit sind wir in einem anderen Hotel untergebracht. Ich erinnere mich, dass die Zimmer in der alten Unterkunft so klein waren, dass man den Koffer zuklappen musste, um Zugang zum Badezimmer zu haben und dass ich mich bei meinem letzten Aufenthalt dort wunderte, warum das Frühstück für Crewmitglieder plötzlich gratis war. Die Begründung dafür und für den Umzug lautete, bei einem Brand in den unteren Stockwerken hätte die Alarmanlage versagt und die Kollegen seien nicht geweckt worden. Vielleicht habe ich deswegen den Namen des Hotels verdrängt.
Es muss irgendwo in der Nähe des Empire State Buildings gewesen sein, soviel weiß ich noch. Einmal liefen wir abends nach der Ankunft auf der Suche nach einer Kneipe an der Warteschlange vorbei. Zu spät, um sich einzureihen, denn die Besucherplattform schloß eine Viertelstunde später. Wir aßen Hühnerflügel und tranken dazu Bier aus Kübeln. Ich weiß nicht mehr, ob ich mitgetrunken habe, weil ich Bier nicht mag. Der Copilot - ein Schwabe - meinte, es sei billiger, wenn wir einen Kübel für alle bestellen. Vermutlich habe ich dann doch mitgetrunken. Als wir die Kneipe verließen, fuhr eine von vielen Stretchlimousinen vorbei, die man mieten kann. Ich sagte, ich würde gerne mal mit so einem Ding fahren. Wir erkundigten uns nach dem Preis. Als der Copilot zögerte, überredete ich ihn mit dem Argument, jeder - auch ein Schwabe - müsse mindestens einmal in seinem Leben mal in so einem Ding gesessen haben, und durch vier geteilt sei die Summe für jeden erschwinglich. Also fuhren wir in der Stretchlimo einmal um den Block und freuten uns wie die Schneekönige.
Schätzungsweise 15-20 Blocks lege ich nach Süden in besagte Gegend zu Fuß zurück. Ich habe schon kältere Winter in Manhattan erlebt, doch der Wind treibt die Kälte auf unangenehme Art durch Stoff und Poren, bis sie in den Knochen steckt. Ich kann mir vorstellen, wie es kürzlich Herrn nff ergangen sein muss. Manhattan ist leicht zu Fuß zu erkunden, wären da nicht die vielen Ampeln, die ständig rot leuchten, sobald ich eine Straße überqueren will. Am Anfang warte ich brav auf Laufbefehl, den andere Passanten zu ignorieren scheinen. Das Einbahnstraßensystem ist relativ einfach zu überblicken. Nach ersten zaghaften Versuchen, Straßen bei rot zu überqueren, ohne sofort verhaftet zu werden, gewinne ich mehr Sicherheit. Schließlich genügt ein Blick nach rechts oder links. Nach einer Weile spüre ich weder Kälte noch Müdigkeit. Der sogenannte Laufflash hat eingesetzt. Meine Beine bewegen sich ganz von alleine. So kann ich stundenlang gehen.
Ich grase das Gebiet in einer Art Slalom zwischen fünfter Avenue und Broadway Richtung Times Square ab. Unter Wasser scheint das System erfolgversprechender als bei der Suche an Land. Sowohl das Hotel als auch der Laden scheinen wie vom Erdboden verschluckt. Immerhin sind inzwischen vier Jahre vergangen. New York Jahre sind wie Hundejahre. Die Stadt verändert sich permanent. Ich führe meinem schockgefrosteten Körper warme Flüssigkeit aus einem Pappbecher zu. Das und die Beherrschung des Ampelsystems lassen mich für einen ganz kurzen Augenblick wie ein echter New Yorker fühlen. Spätestens als an der nächsten Straßenecke ein Passant um Auskunft bittet, ist das Gefühl schlagartig verschwunden. I'm not from here, sagt die Dame neben mir und ich schaue ganz schnell weg - nach oben - damit er die Frage nicht noch einmal an mich richtet.
Dieser verflixte Laden ist unauffindbar. Noch gebe ich mich allerdings nicht geschlagen. Jeans kann man schließlich überall kaufen. Da gibt es dieses Kaufhaus, von dem M. letztens sprach. Vor ein paar Monaten habe ich es gesucht und nicht gefunden. Sie hatte sich um zehn Blocks geirrt. Diesmal habe ich extra nachgeschlagen. So mache ich mich auf den Weg 30 Blocks Richtung Norden.
[to be continued...]
Es muss irgendwo in der Nähe des Empire State Buildings gewesen sein, soviel weiß ich noch. Einmal liefen wir abends nach der Ankunft auf der Suche nach einer Kneipe an der Warteschlange vorbei. Zu spät, um sich einzureihen, denn die Besucherplattform schloß eine Viertelstunde später. Wir aßen Hühnerflügel und tranken dazu Bier aus Kübeln. Ich weiß nicht mehr, ob ich mitgetrunken habe, weil ich Bier nicht mag. Der Copilot - ein Schwabe - meinte, es sei billiger, wenn wir einen Kübel für alle bestellen. Vermutlich habe ich dann doch mitgetrunken. Als wir die Kneipe verließen, fuhr eine von vielen Stretchlimousinen vorbei, die man mieten kann. Ich sagte, ich würde gerne mal mit so einem Ding fahren. Wir erkundigten uns nach dem Preis. Als der Copilot zögerte, überredete ich ihn mit dem Argument, jeder - auch ein Schwabe - müsse mindestens einmal in seinem Leben mal in so einem Ding gesessen haben, und durch vier geteilt sei die Summe für jeden erschwinglich. Also fuhren wir in der Stretchlimo einmal um den Block und freuten uns wie die Schneekönige.
Schätzungsweise 15-20 Blocks lege ich nach Süden in besagte Gegend zu Fuß zurück. Ich habe schon kältere Winter in Manhattan erlebt, doch der Wind treibt die Kälte auf unangenehme Art durch Stoff und Poren, bis sie in den Knochen steckt. Ich kann mir vorstellen, wie es kürzlich Herrn nff ergangen sein muss. Manhattan ist leicht zu Fuß zu erkunden, wären da nicht die vielen Ampeln, die ständig rot leuchten, sobald ich eine Straße überqueren will. Am Anfang warte ich brav auf Laufbefehl, den andere Passanten zu ignorieren scheinen. Das Einbahnstraßensystem ist relativ einfach zu überblicken. Nach ersten zaghaften Versuchen, Straßen bei rot zu überqueren, ohne sofort verhaftet zu werden, gewinne ich mehr Sicherheit. Schließlich genügt ein Blick nach rechts oder links. Nach einer Weile spüre ich weder Kälte noch Müdigkeit. Der sogenannte Laufflash hat eingesetzt. Meine Beine bewegen sich ganz von alleine. So kann ich stundenlang gehen.
Ich grase das Gebiet in einer Art Slalom zwischen fünfter Avenue und Broadway Richtung Times Square ab. Unter Wasser scheint das System erfolgversprechender als bei der Suche an Land. Sowohl das Hotel als auch der Laden scheinen wie vom Erdboden verschluckt. Immerhin sind inzwischen vier Jahre vergangen. New York Jahre sind wie Hundejahre. Die Stadt verändert sich permanent. Ich führe meinem schockgefrosteten Körper warme Flüssigkeit aus einem Pappbecher zu. Das und die Beherrschung des Ampelsystems lassen mich für einen ganz kurzen Augenblick wie ein echter New Yorker fühlen. Spätestens als an der nächsten Straßenecke ein Passant um Auskunft bittet, ist das Gefühl schlagartig verschwunden. I'm not from here, sagt die Dame neben mir und ich schaue ganz schnell weg - nach oben - damit er die Frage nicht noch einmal an mich richtet.
Dieser verflixte Laden ist unauffindbar. Noch gebe ich mich allerdings nicht geschlagen. Jeans kann man schließlich überall kaufen. Da gibt es dieses Kaufhaus, von dem M. letztens sprach. Vor ein paar Monaten habe ich es gesucht und nicht gefunden. Sie hatte sich um zehn Blocks geirrt. Diesmal habe ich extra nachgeschlagen. So mache ich mich auf den Weg 30 Blocks Richtung Norden.
[to be continued...]
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