Donnerstag, 31. Mai 2007
Running out of time
Zweimal geblinzelt und schon ist wieder eine Woche vorbei. Kaum hat man sich an erhöhte Temperaturen gewöhnt, sollten die Vorbereitungen für Weihnachten bald beginnen. Unerklärlich, warum ich für die paar Tage jedes Jahr Sommerreifen aufziehe und Kleidungsstücke mit wenig Stoff erwerbe. Könnte man sich alles sparen. Und die Blogbeiträge werden auch immer spärlicher. Dabei würde mir schon das ein oder andere einfallen, beispielsweise durfte ich kürzlich den bekannten Fernsehkoch und Autor Paulsen auf einem Flug nach Übersee begleiten. Noch während ich mir überlegte, mit welchen geistreichen Worten ich das Gespräch eröffnen könnte, entstanden erste Zweifel an seiner Identität, als er sich in akzentfreiem Südstaatenslang mit seinem Sitznachbarn zu unterhalten begann. Zudem nehme ich an, Herr Paulsen bevorzugt Direktflüge nach Barcelona statt Umsteigeverbindungen über Japan oder China.

In letzter Zeit häufen sich derlei Fälle auf erschreckende Weise. Auf jedem zweiten Flug glaube ich, Blogger oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - selbst bei genauerer Betrachtung - zu erkennen. Aus Lieschen Müller wird ruckzuck Liza Minelli und ein grauer Lockenkopf mutiert in meinen Gedanken zu Simon Rattle. Ich sollte wirklich öfter Brille tragen.

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Samstag, 26. Mai 2007
Answer
Oweh möchte etwas über meine Bücher mit blauem Einband wissen und woher sie stammen. Ehrlich gesagt fürchte ich, das wird eine sehr lange und langweilige Liste. Es gab nämlich mal eine Zeit, in der ich meine Bücher nach Größe und Farbe sortierte. Neuerwerbungen kaufte ich vorwiegend im Hinblick auf diese Kriterien. Damals bevorzugte ich das Angebot des Suhrkampverlages, weil die Taschenbücher in einfachen Farben gehalten waren und sich hervorragend im Regal abstufen ließen. Und weil blau lange Zeit meine absolute Lieblingsfarbe war, finden sich derlei zahlreiche Bücher in meinem Regal. Da steht Hesse en bleu neben Proust und Celan neben Kundera, dazwischen Sachs, Werfel, Frisch, Bernhard und einige mehr. Das soll als Information genügen.

Mein CD Regal hingegen gibt nicht wirklich viel her. Ich besitze einige Klassikaufnahmen, etwas mehr Jazz und dazwischen ein Sammelsurium verschiedener Sparten. Im Vergleich zu Bekannten besitze ich relativ wenig auf Scheiben gepresste Musik. Insgeheim profitierte ich meist von Aufnahmen anderer. Besitztum war nie mein Bestreben. Eine gute Aufnahme einmal gehört, bleibt in meinem Gedächtnis gespeichert und von dort abrufbereit.

Gespannt bin ich noch, ob wohl die Kaltmamsell meinen Wunsch erfüllt und mir ihre Kindheitsphantasien verrät.

Demnächst: Frau Klugscheissers prominente Liebschaften.

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Donnerstag, 24. Mai 2007
The answer, my friend
Und hier die ersten Ergebnisse des Kommandobloggens:

Schuhabstreifer

Supatyp will meine [Lieblings-]Schuhe und meine Fußmatte sehen. Hier also Stilleben mit Stiletto. Im Übrigen kommt die Matte nicht aus England, sondern aus Schweden.

Badewanne aus der Wannenperspektive ebenfalls für den Supatyp.









"Sag was Schmutziges".
"Küche!"

Trotz Vorwarnung möchte Don Dahlmann einen Blick in meine Küche werfen.


[Morgen dann über blaue Bücher]

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Ask me why
Frau Gaga tut es und die Kaltmamsell auch. Erfunden hat es, glaube ich, der Supatyp und einige andere sind seinem Aufruf gefolgt. Sie alle bloggen on demand.

Ich sag's lieber gleich: meine Kleidung ist langweilig, meine Wohnung schmutzig und mein Handy macht schlechte Fotos. Gibt es hier jemanden, der sonst noch was von mir wissen will?

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Samstag, 19. Mai 2007
A room with a view (12)
Izmir

Izmir, 31°

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Montag, 14. Mai 2007
Me and my monkey
„Was ein Mann schöner ist wie ein Aff', ist ein Luxus!“
F. Torberg, Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes


Der vernunftbegabte Mensch (homo sapiens) scheint zunehmend vom Aussterben bedroht. So stellte ich heute fest, wie schwer sich die Vernunft gegen akute Anfälle von Sentimentalität durchsetzt. Am Anfang stand jedoch folgendes Gespräch mit meiner Mutter:

"Sag mal, die alten Spielsachen und Babykleider braucht doch keiner mehr?"
"Naja, je nachdem..."
"Also bitte, du wirst doch keine Kinder mehr bekommen!"
"Wer weiß..."
"In DEINEM Alter? Mach dich nicht lächerlich!"
"..."


Es ist nicht so, dass ich das dringende Bedürfnis nach Fortpflanzung verspüre, ich lasse mich nur nicht gerne an die zeitliche Befristung meiner Optionen erinnern. Dementsprechend fehlte mir das schlagende Argument und meine Mutter begann, ihren blinden Aktionismus auf die Kartons auszuweiten, die über Jahrzehnte die Schätze meiner Kindheit beherbergten. Immerhin durfte ich einen letzten Blick erhaschen, bevor die Sachen im Spielzeugnirvana verschwanden.

So sortierten wir gemeinsam im Speicher nach den Kategorien a.) Schenkung an befreundete/verwandte Kinder, b.) Schenkung an gemeinnützige Einrichtungen, c.) Schenkung an die Müllabfuhr und d.) Schenkung noch im schwebenden Verfahren. Unnötig zu sagen, dass unsere Auswahlkriterien für die Zuordnung nicht immer übereinstimmten. Während meine Mutter zunächst Puppenkleider den entsprechenden Puppen und somit Kategorien zuordnete, sichtete ich alte Kinderbücher. Schnell saßen wir beide inmitten kleiner Häufchen, deren Umschichtung von Neuem begann, sobald wir die Plätze wechselten. Als mit voranschreitender Zeit noch immer keine eindeutigen Entscheidungen erzielt waren, begann eine hitzige Debatte.

"Die Kleider sind sowas von altmodisch, das zieht doch heute keiner mehr an."
"Das dürfte der Puppe egal sein."
"Die Puppe, der die Kleider passen, ist längst entsorgt."
"Ach... aber die Kleider von Amosandra hebst du auf, obwohl Amosandra an Plastikversagen gestorben ist."


[Anm. d. Red.: Amosandra war eine dunkelhäutige Nachkriegsbabypuppe meiner Mutter, der ich alle Finger abkaute als sie in meinen Besitz überging und deren weicher Gummikörper den Aufenthalt in einer Kiste aufgrund von Materialzersetzung und Gewichtseinwirkung nicht ohne erheblichen Schaden überstand.]

"Das ist was anderes. Die haben altertumswert."
"Wenn man die anderen Kleider lange genug aufbewahrt, sind die auch bald antik."
"Und die dicke Puppe ist so häßlich, die will auch kein Mensch mehr."
"Psst, sie könnte einen irreversiblen psychischen Schaden bekommen."
"Ihr Leben ist befristet."
"Na schön, die dicke Puppe können wir entsorgen."
"Überhaupt haben alle Puppen ein Frisurproblem. Guck mal wie platt die am Hinterkopf sind."
"Wenn du so lange in einer Kiste gelegen hättest, hättest du auch ein Frisurproblem."
"Wenn ich in einer Kiste liege, habe ich kein Frisurproblem mehr."
"Schau mal, da ist meine alte Kommunionskerze."
"Das war auch gleichzeitig deine Taufkerze. Willst du die behalten?"
"Wir könnten sie ja an Weihnachten..."
"Was ist mit den Büchern?"
"Das Buch mit den französischen Märchen kann man wegwerfen. Die sind so grausam, dass ich danach nicht mehr schlafen konnte."
"Aber das ist Kulturgut."
"Wann hast du eigentlich das letzte Mal ein Buch gelesen? Und überhaupt schreibt man Barbie nicht mit Ypsilon."
"Werd jetzt nicht persönlich."
"Aber DU hast die Kartons beschriftet."
"Oh schau mal, Petzibücher! Die werfen wir nicht weg."
"Nein, die zerfallen bereits von alleine. Aber den alten Heidiband mit den eingeklebten Sammelbildchen, den behalten wir. Guck mal, das sind Bilder aus dem Film..."
"Gott ja, ziemlich sentimental war der. Das will doch heute niemand mehr."
"Ich schon."
"Dann nimm's mit. Und die anderen Sachen dazu."
"Und wo soll ich all das aufbewahren? Mein Keller ist kleiner als dein Besucherklo."
"Dann werfe ich alles weg."
"Wenn du das tust, zünde ich die Amosandrakleider mit meiner Kommunionskerze an..."


Zum Abschied winkte ich der dicken Puppe, die auf der Mülltonne thronte, noch einmal kurz zu, packte den Affen auf den Rücksitz und fuhr mit einer Kiste im Kofferraum und einem tiefen Seufzen los. Die Sachen warten jetzt auf eine neue Bleibe in einem Kinderherz. Bis dahin darf der Affe auf dem Klavier sitzenbleiben.

Schimpi

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Sonntag, 13. Mai 2007
Mother


Sie wäscht, kocht, füttert, tröstet, räumt, macht sich Sorgen, ist da, nicht nur einen Tag im Jahr, und sie hofft, dass das, was sie für die alte Mutter tut, eines Tages jemand für sie tun wird.

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Freitag, 11. Mai 2007
A room with a view (11)


San Francisco, Financial District

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Dienstag, 8. Mai 2007
Sätze, die man sofort... (25)
Ohrenstäbchenknicker, du!

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Sonntag, 6. Mai 2007
The devil may care
Live love today, love come tomorrow or May
Don't even stop for a sigh, it doesn't help if you cry
That's how I live and I'll die
Devil may care.
[D. Krall]



Dies ist die Geschichte von Ole*. Keine erdachte Geschichte könnte je so grausam sein wie die vom Leben geschriebenen. Details mögen frei erfunden sein, im Wesentlichen hat sie sich jedoch so oder ähnlich zugetragen.

Ole kam aus Schweden, um das Ingenieurswesen an einer deutschen Universität zu studieren. Schon bald schloß er Freundschaft mit Dietmar und Wang, einem deutschen und einem chinesischen Kommilitonen. Sie waren wie die drei Musketiere und ihre Freundschaft war eine dieser seltenen, auf Lebenszeit angelegten. Es dauerte nicht lange, da lernten erst Wang und wenig später auch Dietmar ihre zukünftigen Ehefrauen kennen. Ole ließ sich etwas mehr Zeit bei der Auswahl der richtigen Partnerin, doch schließlich hatte er sie gefunden. Sie hieß Ingrid, von ihm liebevoll Ingerlein genannt. Das Ende des Studiums und die Geburt der ersten Kinder tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Ole fungierte nicht nur als Trauzeuge, sondern auch als Pate für je eines der Kinder von Dietmar und Wang. Als das lang herbeigesehnte erste Kind von Ole und Ingrid das Licht der Welt erblickte, fiel die Wahl des Taufpaten automatisch auf einen der beiden Freunde.

Man traf sich zu Familienfesten und allen erdenklichen Anlässen. Mindestens einmal im Jahr – meist im Winter zum Skifahren - verbrachten die drei einen gemeinsamen Urlaub mit ihren Familien und Freunden. Meine erste bleibende Erinnerung an Ole geht auf einen jener Urlaube zurück. Seine Aufgabe bestand darin, die Kinder ins Bett zu bringen. Als selbsternannter Geschichtenerzähler war er unschlagbar. Wir bettelten jeden Abend um eine Fortsetzung, obwohl manche von uns den Gutenachtgeschichten, die er sich für seine Töchter ausdachte, schon entwachsen waren. Nicht nur um seine eigenen Kinder kümmerte er sich rührend, auch jedes andere, das sich in seiner Nähe aufhielt, wurde auf der Stelle zeitweise adoptiert. Ole liebte Kinder und die Kinder liebten ihn. Noch mehr als für seine Kinderliebe beneideten ihn die Freunde heimlich um seine Ehe. Keiner konnte sich daran erinnern, dass zwischen Ole und Ingrid je ein böses Wort gefallen wäre. Ingrid war Oles große Liebe und so behandelte er sie auch. Zuvorkommend las er ihr stets jeden Wunsch von den Augen ab. Im Gegenzug vergötterte Ingrid ihren Ole, der sie auf Händen durch den Alltag trug. Während mancher Auseinandersetzung in Dietmars und Wangs Ehen wurde, nicht immer zum Gefallen der Männer, Ole und Ingrid als leuchtendes Beziehungsvorbild zitiert.

Dabei war Ole nicht besonders attraktiv. Schon früh büßte er seine Haarpracht ein. Der Rest wechselte bald von blond in seriöses grau, wovor Wangs asiatische Haarpracht noch lange verschont blieb. So athletisch wie Dietmar war er nie und seine Vorliebe für gutes Essen hinterließ sichtbare Spuren um die Körpermitte. Alle körperlichen Nachteile machte Ole mit unvergleichlichem Charme, Witz und sonnigem Wesen locker wett. Obwohl er jedes weibliche Wesen in seiner Nähe in Sekundenbruchteilen um den Finger zu wickeln verstand, ließ er keinen Zweifel daran, wohin er tatsächlich gehörte. Wie eine unsichtbare Mauer begrenzte der Bund seiner Ehe mit Ingrid das sorglose Spiel und ließ sie von außen unantastbar werden. Auch bei Geschlechtsgenossen erfreute sich Ole an Beliebtheit. Wie könnte man je einen Menschen unsympathisch finden, der so höflich, so diplomatisch, so umgänglich war und gleichzeitig soviel Güte ausstrahlte. Diesem Menschen wünschte man nichts Böses.

Eines Tages erkrankte Oles ältere Tochter. Die Diagnose lautete Krebs, eine Form mit guten Heilungschancen. Ole scheute keine Kosten und Mühen für die Genesung seiner Tochter. Man zog alternative Heilmethoden genauso wie herkömmliche Schulmedizin in Betracht. Ole ließ sich beurlauben, um mit ihr Zeit in Frankreich zu verbringen, während Ingrid sich daheim um die jüngere schulpflichtige Tochter kümmerte. Bei ihrer Rückkehr war man guter Dinge und die Ärzte bestätigten eine Verbesserung ihres Zustandes. Dennoch fraßen dringend benötigte medizinische Hilfsmittel langsam die Ersparnisse auf. Vor allem aber sollte die Tochter alles bekommen, was sie sich wünschte. Das Abitur rückte ebenso wie die anstehende Berufswahl in ferne Zukunft, denn erst einmal sollte das Wunschkind wieder gesund werden. Sie wünschte sich einen weiteren Aufenthalt an Frankreichs Küste und einen Wechsel ihrer Behandlung auf ausschließlich teure Alternativmedizin.

Wieder trafen sie sich, diesmal um Oles Tochter und Dietmars Patenkind zu beerdigen. Keiner konnte begreifen, wieso das Schicksal ausgerechnet Ole so übel mitspielte. Dieser Mann, dem seine Familie alles bedeutete, war in seinen Grundfesten erschüttert. Und das Leben ging weiter. Während Wang bereits geschieden war und verbale Auseinandersetzungen zwischen Dietmar und seiner Frau schon rituelle Züge annahmen, schienen Ole und Ingrid durch das Ereignis noch fester als vorher zusammengeschweißt. All die Jahre ohne Streit, Ole stets fürsorglich um sein Ingerlein bemüht. Als Ingrid ebenfalls mit Krebs diagnostiziert wurde, begann das Drama von vorne. Ingrid kämpfte, denn sie wollte noch lange Jahre gemeinsam mit ihrem Ole verbringen. Die Freunde waren fassungslos. Wieviel Leid konnte ein Mann ertragen, ohne daran zu zerbrechen? Schließlich wendete sich das Blatt und Ingrid gewann den Kampf. Gemeinsam mit Ole. Die Zeit für den Tod, der sie einmal trennen sollte, war noch nicht gekommen.

Die Treffen wurden seltener. Obwohl die Kinder aus dem Haus und der Ruhestand nicht weit waren, gab es immer weniger Gelegenheit sich zu sehen. Eine der seltenen Nachrichten über Ole und Ingrid machte schnell die Runde. Und wieder waren die Freunde erschüttert. Diesmal war es Ole, der das Schicksal herausforderte. Er hatte eine Geliebte. Man nahm Ole ins Gebet und Ingrid mit in den Urlaub. Ingrid hing so sehr an ihrem Ole, dass sie lieber litt, als sich von ihm zu trennen. Keiner konnte es ihr verübeln, zumal Ole sich charmant und zuvorkommend wie eh und je um sie bemühte. Abgesehen von manch einsamen Nächten, die Ole im Bett der Geliebten oder auf Reisen verbrachte, hatte sich zwischen ihnen nichts geändert. Die Geliebte ihrerseits war eine von der modernen Art, die keinerlei Besitzansprüche stellte. Den Freunden wurde er allmählich fremd. Nicht nur hatte er den Glauben an die ideale Beziehung in ihnen zerstört, sondern auch das Bild eines aufrichtigen und zuverlässigen Mannes. Fast konnte man meinen, sie litten ein wenig mehr als Ingrid, die sich im Stillen mit der Situation zu arrangieren schien.

Während andere zurückblicken, fing für Ole das Leben mit 66 an. Er hatte dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen. Aus Ole wurde ein Pendler zwischen den Welten, einer der das Abenteuer suchte, während er die Sicherheit in der Tasche wähnte. Doch alle Sicherheit ist so vergänglich wie das Leben selbst. Als er sie fand, war Ingrid bereits seit Stunden tot. "Bis dass der Tod uns scheidet", stand im Abschiedsbrief. Bis heute bin ich mir nicht sicher, wer damit mehr überfordert war: Ole selbst, seine Geliebte oder seine Freunde.


*Alle Namen wurden vom Autor geändert und stehen nicht in Zusammenhang mit noch lebenden Bloggern.

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Donnerstag, 3. Mai 2007
A little less conversation
Auf Flügen nach Amerika wird mir immer wieder schmerzlich bewußt, wieviel ich an aktivem Wortschatz in den letzten Jahren eingebüßt habe. Was mich ehemals nicht mal einen Wimpernschlag kostete, bedeutet heute langes Grübeln bei der korrekten Übersetzung manch gebräuchlicher Phrase. Dafür kamen Komponenten der Speisekarte hinzu, für die ich früher Langenscheidt bemüht hätte, und die lauten Umgebungsgeräusche während des Fluges helfen kleine Peinlichkeiten zu überspielen, wenn ich Gästen anstelle von 'crab' oder 'crêpe' 'crap' anbiete.

So wurde ich von einer Dame nach der Bezeichnung der gelben Felder gefragt, die sie kurz nach dem Start in München gesehen hatte. Das englische Wort für Raps wusste ich noch nie, weswegen ich auch nicht nachzudenken brauchte. Um dem Klischee der dummen Saftschubse zu entgehen, hätte ich ihr im Gegenzug von meiner 'rupture of hamstring muscle fiber' berichten können - immerhin lerne ich derzeit fleißig anatomische Begriffe, damit ich im Tanztraining immer schön sagen kann, wo's weh tut. Das Gespräch bot jedoch keine Gelegenheit. Meine Chance würde sicher dann kommen, wenn ein Amerikaner das tut, was er am liebsten tut, nämlich nach dem allgemeinen Befinden zu fragen. Die ausführliche Beantwortung der Frage 'how are you?' führt meist zu einem abrupten Ende des Gespräches noch bevor es richtig beginnt, was wiederum die folgenden Gäste beim Einsteigevorgang von ähnlichen Fragestellungen abhält. Zwei Fliegen mit einer Klappe, das nenne ich diplomatische Konversation.

Warum nur geistert mir auf USA Flügen beim Einsteigevorgang immer der Satz "A little less conversation, a little more action please" durch den Kopf?

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