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Mittwoch, 5. Dezember 2007
I can`t get no sleep
frau klugscheisser, 03:36h
Irgendwo auf der Welt ist immer was los. Irgendwo ist ja auch immer Tag. Waehrend eine Seite schlaeft, wuselt es auf der anderen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum die Erde sich dreht. Daheim ist momentan Nacht. Ich aber sitze irgendwo auf der anderen Seite. Mein Organismus macht schon lange keine zuverlaessige Meldung mehr bezueglich Uhrzeiten und Schlafverhalten. Dennoch trage ich ausserhalb meines Arbeitsfeldes keinen Zeitmelder am Handgelenk. Gegessen wird bei Hunger, geschlafen bei Muedigkeit. Nicht mal der Hauch einer Routine ist moeglich, will ich mich nicht andauernd totmuede und mit Verstopfung durch den Tag quaelen, nur um mich nachts schwungvoll von Seite zu Seite zu werfen.
Wenn ich von irgendwo auf der anderen Seite wieder heimkomme, fragen Bekannte, wie spaet es jetzt fuer mich sei. Darauf gibt es keine konkrete Antwort. Das Schlimmste ist dieser Versatzstueckschlaf waehrend man fliegt. Mir fehlt die Nacht, die ich im Flieger verbringe. Nachzuholen ist fehlender Schlaf kaum. Das ist, als ob man seinen achtzehnten Geburtstag nachholen will. Es geht nicht. Achtzehn wird man an einem bestimmten Tag seines Lebens, nicht frueher und nicht spaeter. "Liebling, wir holen das nach", sagt der Geschaeftsmann zu seiner Frau, wenn er am Hochzeitstag einen wichtigen Termin wahrnehmen muss. Vielleicht ist dieser wichtige Termin auch ein Schaeferstuendchen mit der Geliebten, die ihre Geburtstagsnachfeier einforderte. So rennt er sein ganzes Leben irgendwelchen Terminen hinterher, ohne zu merken, dass er im Grunde seinem Leben hinterherlaeuft.
Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen will: es ist jetzt ziemlich hell hier in Hong Kong, die Menschen wuseln zur Arbeit und ich mache mich gleich auf den Weg zum Friseur. Der Mann hinter mir trommelt bereits undgeduldig auf der Tischplatte, weil er ebenfalls ins Internet moechte. Vielleicht hat er ein Blog und schreibt gleich ueber seinen achtzehnten Geburtstag oder seine Geliebte oder seine schlaflosen Naechte. Wer weiss?
Nachtrag1: Wie sich herausstellte, war der Mann, der hinter mir auf die Tischplatte trommelte, mein Cockpitkollege und der hat sicher kein Blog. Zumindest ist er nicht gerade ein Mann vieler Worte.
Nachtrag2:
vor einiger Zeit dieses Video gefunden. Zwei auf dem Flughafen Madrid Gestrandete, die wegen der Durchsagen keinen Schlaf finden, tanzen und filmen stattdessen im menschenleeren Terminal. Dauer ca. 10 Minuten.
Wenn ich von irgendwo auf der anderen Seite wieder heimkomme, fragen Bekannte, wie spaet es jetzt fuer mich sei. Darauf gibt es keine konkrete Antwort. Das Schlimmste ist dieser Versatzstueckschlaf waehrend man fliegt. Mir fehlt die Nacht, die ich im Flieger verbringe. Nachzuholen ist fehlender Schlaf kaum. Das ist, als ob man seinen achtzehnten Geburtstag nachholen will. Es geht nicht. Achtzehn wird man an einem bestimmten Tag seines Lebens, nicht frueher und nicht spaeter. "Liebling, wir holen das nach", sagt der Geschaeftsmann zu seiner Frau, wenn er am Hochzeitstag einen wichtigen Termin wahrnehmen muss. Vielleicht ist dieser wichtige Termin auch ein Schaeferstuendchen mit der Geliebten, die ihre Geburtstagsnachfeier einforderte. So rennt er sein ganzes Leben irgendwelchen Terminen hinterher, ohne zu merken, dass er im Grunde seinem Leben hinterherlaeuft.
Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen will: es ist jetzt ziemlich hell hier in Hong Kong, die Menschen wuseln zur Arbeit und ich mache mich gleich auf den Weg zum Friseur. Der Mann hinter mir trommelt bereits undgeduldig auf der Tischplatte, weil er ebenfalls ins Internet moechte. Vielleicht hat er ein Blog und schreibt gleich ueber seinen achtzehnten Geburtstag oder seine Geliebte oder seine schlaflosen Naechte. Wer weiss?
Nachtrag1: Wie sich herausstellte, war der Mann, der hinter mir auf die Tischplatte trommelte, mein Cockpitkollege und der hat sicher kein Blog. Zumindest ist er nicht gerade ein Mann vieler Worte.
Nachtrag2:
vor einiger Zeit dieses Video gefunden. Zwei auf dem Flughafen Madrid Gestrandete, die wegen der Durchsagen keinen Schlaf finden, tanzen und filmen stattdessen im menschenleeren Terminal. Dauer ca. 10 Minuten.
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Sätze, die man sofort bloggen muss (33)
frau klugscheisser, 03:02h
Das Marmeladenbrotphaenomen jetzt auch bei CD-Roms beobachtet:
Sie fallen immer auf die bedruckte Seite.
Sie fallen immer auf die bedruckte Seite.
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Dienstag, 27. November 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (32c)
frau klugscheisser, 20:30h
Der Einfluß moderner Kunst auf die Technik kann nicht geleugnet werden:
Siehe Monochromes Blau, Yves Klein
und Bluescreen, Microsoft
Siehe Monochromes Blau, Yves Klein
und Bluescreen, Microsoft
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Sätze, die man sofort bloggen muss (32b)
frau klugscheisser, 20:23h
Softwarekomponenten, die einen Konflikt im System auslösen, welches seine Wurzeln irgendwo auf dem Motherboard hat, und es letztlich zur Dysfunktion kommt, können getrost als Motherfucker bezeichnet werden.
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Sätze, die man sofort bloggen muss (32a)
frau klugscheisser, 20:23h
Jetzt müsste es aber funktionieren.
[Aus der Reihe: "Letzte Worte eines Microsoftanwenders vor dem Neustart"]
[Aus der Reihe: "Letzte Worte eines Microsoftanwenders vor dem Neustart"]
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Sonntag, 25. November 2007
Giving it all away
frau klugscheisser, 12:05h
Hotelzimmer sind überall gleich. Das Zimmer, in dem ich sitze, könnte auch irgendwo anders sein. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, ein Fernseher. Einige Bilder an der Wand, kleine Fläschchen in der Minibar und im Bad. In einer der vielen Schubladen liegt mit Sicherheit eine Bibel. Ich schaue nicht mehr nach. Früher öffnete ich jede Schublade mit ein wenig Herzklopfen. Ich hoffte, etwas Vergessenes darin zu finden. Einen Ring, ein beschriebenes Blatt, ein Bild, ein Stück Menschlichkeit in einem unpersönlichen Raum. Kurz bevor ich eine Schublade öffnete, stellte ich mir vor, es läge darin ein abgehackter Finger, ein Auge oder ähnliches. Der Gedanke ließ die Spannung immens steigen. Gefunden habe ich immer nur die obligatorische Bibel, manchmal der Koran oder ein buddhistisches Äquivalent, Telefonbücher, eine Hotelbeschreibung und die Speisekarte für den Zimmerservice. Die einzigen menschlichen Überreste in Form von Zehennägeln oder Haaren lagen offen auf dem Boden. Seither schaue ich weder in Schubladen noch Mafiafilme.
Meine Sachen liegen auf dem zweiten, unbenutzten Bett oder im geöffneten Koffer. Niemals staue ich etwas in Schubladen oder den Schrank. Einzig die Uniform hängt dort, denn die will ich während meines Aufenthaltes bewußt vergessen. Würde ich sie dort lassen, müsste ich schon nackt zum Abfahrtstermin in der Lobby erscheinen. Höchstwahrscheinlich wird mir das nie passieren. Die Gefahr, andere Dinge zu vergessen, ist jedenfalls weitaus größer. Meine Sorge ist so groß, dass ich nach Verlassen des Raumes zwanghaft noch dreimal Zimmer und Bad inspiziere, bevor die Türe endgültig ins Schloß fällt. Ich stelle mir vor, wie das Zimmermädchen mein Schlafshirt, meine Haarspange oder das abgeschabte Mäppchen mit der Nagelschere findet und es mit spitzen Fingern in den Abfallsack packt. Mal abgesehen von einem alten Schlafshirt, einer Packung Tabletten, einigen Haaren und Fingernägeln habe ich aber noch nie etwas zurückgelassen. Schließlich sehe ich auch dreimal nach. Zwangsneurosen können durchaus nützlich sein.
So sitze ich also in diesem Hotelzimmer, das irgendwie überall sein könnte. Auf dem zweiten, unbenutzten Bett liegen meine Füße und alles, was ich im Laufe des Tages erworben habe. Eigenartig daran ist, dass all die auf der Decke ausgebreiteten Dinge, außer meinen Füßen, nicht mir gehören sollen. Es sind Geschenke für andere. Eigenartig ist auch dieses wohlig warme Gefühl, das beim Anblick der Sachen in meinem Bauch entsteht. Langsam lasse ich die Perlenkette abwechselnd durch meine Finger gleiten und vor den Augen baumeln, streichle über den Seidenstoff mit den eingestickten kleinen Drachen, halte das Stofftäschchen in der Hand und lege schließlich alles wieder zurecht, nur um fünf Minuten später erneut alles anzufassen. Dann stelle ich mir die Gesichter der Beschenkten vor. Ihre Freude beim Auspacken ist mindestens so spannend wie ein imaginärer abgetrennter Finger in einer nicht geöffneten Schublade, nur schöner.
Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der Leute verzweifelt nach obligatorischen Geschenken suchen. Manche werden erst in letzter Minute fündig, wohl weil jede Pflicht lästig ist und gerne verdrängt wird. Die Schönheit und das Glück des Schenkens wird dabei ebenfalls verdrängt. Es mag egoistisch sein, wenn ich gerne schenke, vielleicht ist es auch das Ergebnis einer erfolgreichen Konditionierung. Trotzdem möchte ich nicht auf das Gefühl verzichten. Wie schön es ist, sich einen bestimmten Menschen vorzustellen, seine Vorlieben, seine Eigenarten, sein Äusseres, während man etwas Passendes auswählt, wie befriedigend wenn man fündig wird. Drei Paar Schuhe für mich selbst könnten meine empfundene Zufriedenheit beim Betrachten der heutigen Ausbeute für andere nicht überbieten.
Irgenwann hatte ich die Idee, Menschen aus meinem Bekanntenkreis zu beschenken, die aus den Ländern stammen, in die ich fliege. Das Projekt mit dem internen Arbeitstitel 'Fernweh-/Heimwehexpress' - so eine Art Import-Export für Gefühle - begann vielversprechend. Dier japanischen Ballettlehrerin brachte ich aus Tokio einen Glücksbringer und Seetang für Sushi mit. Obwohl wir uns nicht lange kannten, fiel sie mir freudig um den Hals. Ich ging um etliche Glückshormone und Erkältungsviren reicher heim. Während der dreiwöchigen Grippe beschloß ich, das Projekt zu modifizieren. Nicht wegen der Ansteckungsgefahr, sondern weil sich schlichtweg zu wenige Japaner, Chinesen und Brasilianer in meinem Bekanntenkreis befinden, und die japanische Ballettlehrerin - sie war im Anschluß sechs Wochen abwesend - möchte ich auch nicht zu sehr strapazieren. Jetzt beschränke ich mich eben auf die Menschen, die ich kenne.
Mit den Gaben sind plötzlich alle zukünftigen Besitzer da. Es wird ein wenig eng auf dem Bett, außerdem bin ich müde.
Also packe ich alles endgültig weg. Das warme Gefühl aber bleibt und die Gewißheit, nicht alleine zu sein. Neben Zwangsneurosen ist auch eine ordentliche Wahnvorstellung manchmal ganz nützlich, vor allem, wenn man viel unterwegs und das Fernsehprogramm meistens schlecht ist. Angenehmer als fremde Fußnägel und Haare sind Perlen und Seidenstoff im Bett allemal.
Meine Sachen liegen auf dem zweiten, unbenutzten Bett oder im geöffneten Koffer. Niemals staue ich etwas in Schubladen oder den Schrank. Einzig die Uniform hängt dort, denn die will ich während meines Aufenthaltes bewußt vergessen. Würde ich sie dort lassen, müsste ich schon nackt zum Abfahrtstermin in der Lobby erscheinen. Höchstwahrscheinlich wird mir das nie passieren. Die Gefahr, andere Dinge zu vergessen, ist jedenfalls weitaus größer. Meine Sorge ist so groß, dass ich nach Verlassen des Raumes zwanghaft noch dreimal Zimmer und Bad inspiziere, bevor die Türe endgültig ins Schloß fällt. Ich stelle mir vor, wie das Zimmermädchen mein Schlafshirt, meine Haarspange oder das abgeschabte Mäppchen mit der Nagelschere findet und es mit spitzen Fingern in den Abfallsack packt. Mal abgesehen von einem alten Schlafshirt, einer Packung Tabletten, einigen Haaren und Fingernägeln habe ich aber noch nie etwas zurückgelassen. Schließlich sehe ich auch dreimal nach. Zwangsneurosen können durchaus nützlich sein.
So sitze ich also in diesem Hotelzimmer, das irgendwie überall sein könnte. Auf dem zweiten, unbenutzten Bett liegen meine Füße und alles, was ich im Laufe des Tages erworben habe. Eigenartig daran ist, dass all die auf der Decke ausgebreiteten Dinge, außer meinen Füßen, nicht mir gehören sollen. Es sind Geschenke für andere. Eigenartig ist auch dieses wohlig warme Gefühl, das beim Anblick der Sachen in meinem Bauch entsteht. Langsam lasse ich die Perlenkette abwechselnd durch meine Finger gleiten und vor den Augen baumeln, streichle über den Seidenstoff mit den eingestickten kleinen Drachen, halte das Stofftäschchen in der Hand und lege schließlich alles wieder zurecht, nur um fünf Minuten später erneut alles anzufassen. Dann stelle ich mir die Gesichter der Beschenkten vor. Ihre Freude beim Auspacken ist mindestens so spannend wie ein imaginärer abgetrennter Finger in einer nicht geöffneten Schublade, nur schöner.
Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der Leute verzweifelt nach obligatorischen Geschenken suchen. Manche werden erst in letzter Minute fündig, wohl weil jede Pflicht lästig ist und gerne verdrängt wird. Die Schönheit und das Glück des Schenkens wird dabei ebenfalls verdrängt. Es mag egoistisch sein, wenn ich gerne schenke, vielleicht ist es auch das Ergebnis einer erfolgreichen Konditionierung. Trotzdem möchte ich nicht auf das Gefühl verzichten. Wie schön es ist, sich einen bestimmten Menschen vorzustellen, seine Vorlieben, seine Eigenarten, sein Äusseres, während man etwas Passendes auswählt, wie befriedigend wenn man fündig wird. Drei Paar Schuhe für mich selbst könnten meine empfundene Zufriedenheit beim Betrachten der heutigen Ausbeute für andere nicht überbieten.
Irgenwann hatte ich die Idee, Menschen aus meinem Bekanntenkreis zu beschenken, die aus den Ländern stammen, in die ich fliege. Das Projekt mit dem internen Arbeitstitel 'Fernweh-/Heimwehexpress' - so eine Art Import-Export für Gefühle - begann vielversprechend. Dier japanischen Ballettlehrerin brachte ich aus Tokio einen Glücksbringer und Seetang für Sushi mit. Obwohl wir uns nicht lange kannten, fiel sie mir freudig um den Hals. Ich ging um etliche Glückshormone und Erkältungsviren reicher heim. Während der dreiwöchigen Grippe beschloß ich, das Projekt zu modifizieren. Nicht wegen der Ansteckungsgefahr, sondern weil sich schlichtweg zu wenige Japaner, Chinesen und Brasilianer in meinem Bekanntenkreis befinden, und die japanische Ballettlehrerin - sie war im Anschluß sechs Wochen abwesend - möchte ich auch nicht zu sehr strapazieren. Jetzt beschränke ich mich eben auf die Menschen, die ich kenne.
Mit den Gaben sind plötzlich alle zukünftigen Besitzer da. Es wird ein wenig eng auf dem Bett, außerdem bin ich müde.
Also packe ich alles endgültig weg. Das warme Gefühl aber bleibt und die Gewißheit, nicht alleine zu sein. Neben Zwangsneurosen ist auch eine ordentliche Wahnvorstellung manchmal ganz nützlich, vor allem, wenn man viel unterwegs und das Fernsehprogramm meistens schlecht ist. Angenehmer als fremde Fußnägel und Haare sind Perlen und Seidenstoff im Bett allemal.... link (1 Kommentar) ... comment
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