Mittwoch, 19. Dezember 2007
Cut your hair
Man sagt, wenn eine Frau eine neue Frisur hat, steckt eine Trennung dahinter. Gelegentlich mag das zutreffen und die ein oder andere sieht danach aus, als wollte sie sich selbst bestrafen. Ich habe frisurentechnisch alles getragen: Bob, schulterlang, lang, sehrsehr lang, Stufenschnitte, kurz, sehrsehr kurz, verunglückte Dauerwell- und Farbexperimente inbegriffen. Letztere wären definitiv ein Trennungsgrund gewesen. Trotzdem löst der Spruch inzwischen einen Gähnreflex bei mir aus, denn mein größter Antrieb für einen Friseurbesuch ist aufkommende Langeweile. Schulterlanges Haar ist nämlich nicht nur enorm praktisch - man kann es beim Sport zusammenbinden, braucht kein aufwendiges Föhnstyling, das extrem regen-, wind- und mützenempfindlich reagiert, und es wächst kostengünstig nach - es ist auch enorm langweilig. Wenn die Langeweile am größten ist, muss die Schere her. So auch vor zwei Wochen. Der ultimative Kick ist zusätzlich der Besuch eines neuen Friseures, und ich lege noch einen drauf:
Mein neuer Schnitt ist Made in Hongkong!

An der Türe steht '59 HKD for walk along', was soviel bedeutet wie 6 Euro mit ohne Vorwarnung. Nach einem Rundblick wird mir langsam klar, warum der Preis so niedrig ist, ich finde nämlich keinen Eingang. Der enge Treppenaufgang neben dem Schild führt vorbei an offenen Drähten und Sicherungskästen in den zweiten Stock. Hinter einer Glastüre starren drei Halbstarke gespannt auf einen Monitor. Zunächst werde ich nicht beachtet. Die wenigen Sitze vor den Spiegeln sind leer. Ein Mädchen sitzt kaugummikauend auf einem Sofa, an der Wand dahinter ein riesiges Kinoplakat von einem drittklassigen Actionstreifen. Vergeblich suche ich nach friseursalonüblichen Anhaltspunkten wie beispielsweise Waschbecken, Handtücher oder Kundinnen. Nirgends Haarsprayflaschen und Walla (Name von der Redaktion geändert) Produktinformationen. Ich sage laut "Hello! I want a haircut", mehr um mich zu versichern, dass ich nicht aus Versehen im Wohnzimmer einer chinesischen Durchschnittsfamilie gelandet bin als aus Überzeugung, worauf eine kleine, dickliche Chinesin mittleren Alters hinter einer Trennwand hervorschießt, an meiner Jacke zerrt, bis ich sie freiwillig auf den angebotenen Bügel hänge und mich schließlich in ein Hinterzimmer bugsiert.

Das Zimmer ist mit einem roten Liegepolster - eine Mischung aus Hippiesitzmöbel und veraltetem Zahnarztstuhl ohne Mechanik - und einem Waschbecken ausgestattet. Mehr passt hier nicht rein. Die Chinesin positioniert sich hinter das Waschbecken, krempelt die Ärmel hoch und deutet energisch auf das Polster. Zögerlich sinke ich hinein, die Füße auf einer umgestürzten Bananenkiste, und starre die nächsten fünfzehn Minuten auf ein weiteres Kinoplakat an der Wand. Über den chinesischen Schriftzeichen der Kopf eines Mannes, der sich mit zärtlichem Blick zum Kuss über das Gesicht einer Frau beugt. Ein westlicher, dennoch kein bekannter Film, keine bekannten Schauspieler. Ich konzentriere mich sehr angestrengt auf das Bild, denn was die Chinesin währenddessen mit meinem Kopf anstellt ist alles andere als zärtlich. Widerstand ist zwecklos, zumindest schätze ich sie so ein. Als sie, wie schon unzählige Male zuvor, meinen Kopf resolut nach vorne wirft und ein Handtuch um die nassen Haare schlingt, ist die Folter vorbei. Eine Ganzkörpermassage überleben vermutlich nur die Härtesten.

Dann werde ich auf einen der Stühle vor einem Spiegel gewiesen. Einer der Halbstarken drapiert ein Mäppchen mit Scheren und Kämmen auf dem kleinen Tischchen daneben, befestigt einen Umhang an meinem Hals und entfernt das Handtuch. Die Chinesin wirft mir noch einige Hochglanzmagazine in den Schoß, bevor sie verschwindet. Nice to meet you, too. Jetzt beginnt der schwierigere Teil. Wie mache ich dem Mann klar, was ich wünsche? Mit der Handkante zeichne ich eine Linie unterhalb meines Unterkiefers nach. Er nickt eifrig und beginnt zu schneiden, nachdem er meinen Kopf nach vorne gedrückt und mir alle Haare von hinten über das Gesicht gekämmt hat. Ich versuche durch den nassen Haarschleier vor meinen Augen zu schielen, doch bei der kleinsten Bewegung wird mein Kopf wieder auf die Brust gedrückt.

Spontan erinnere ich mich an eine alte Geschichte, die in meiner Familie immer wieder Erwähnung fand. In Jugendjahren ging mein Vater zum Friseur in Südamerika. Die Frage "Inglés?" beantwortete er mit "Aleman", worauf ihm der Friseur in Windeseile einen zackigen Irokesenschnitt verpasste. Die heutige Konversation mit meinem Friseur ist ähnlich wortkarg. "Shorter", korrigiere ich als er die Seiten angleicht. Das Spiel beginnt von Neuem. Inzwischen ist meine Hals- und Nackenmuskulatur gut gedehnt. Aber auch das geht vorbei.

Während er so vor sich hinschneidet, brüllt er das kaugummikauende Mädchen auf dem Sofa an. Die springt auf und bringt ein Gerät, das mich mehr an ein Waffeleisen als an friseurhandwerkliches Hilfsmittel erinnert. Etwas beunruhigt frage ich nach dem Sinn des Gerätes. Er scheint nicht zu verstehen und legt stetig mein Haar Strähne für Strähne zwischen die heißen Platten. Wurde vorher noch jede Kopfbewegung mit Unbill gestraft, bedeutet ab jetzt jedes noch so kleine Zucken Verletzungsgefahr. "To straighten hair," sagt er grinsend. Ich hatte mein ganzes Leben lang zu meinem Leidwesen sehr glattes Haar, mal abgesehen von den oben genannten Dauerwellkatastrophen und selbst die hingen sich schon kurz nach Verlassen des Salons aus. Man könnte mich sozusagen als Prototyp des Spaghettilooks bezeichnen. Wozu um alles in der Welt will der Mann meine Haare glätten? Das wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben.

Das Föhnen (ja das waren noch Zeiten, als man den natürlichen warmen Luftstrom vom maschinell erzeugten durch das 'h' unterschied) eine einzige Reminiszenz an die Kollegin hinter dem Waschbecken. Schließlich hält er stolz den Spiegel hinter meinen Kopf, damit ich die neue Frisur von allen Seiten betrachten kann. Nicht ganz wie ich es wollte, doch einigermaßen ordentlich ist es geworden. Ich zahle und verlasse erschöpft den Salon. Immerhin ernte ich am nächsten Tag zahlreiche Komplimente von den Kollegen. Die schicke neue Brille fällt keinem auf. Alles neu, alles Made in Hongkong, selbst die Kopfschmerzen. So schnell wird mir nicht mehr langweilig. Und bleibt mir bloß weg mit den Männern.

Cut your hair

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Sonntag, 16. Dezember 2007
When the night has come
One beautiful December evening Huan Cho and his girlfriend Jung Lee were sitting by the side of the ocean. It was a romantic full moon, when Huan Cho said "Hey baby, let's play Weeweechu."

"Oh no, not now, lets look at the moon" said Jung Lee.

"Oh, c'mon baby, let's you and I play Weeweechu. I love you and it's the perfect time," Huan Cho begged.

"But I rather just hold your hand and watch the moon."

"Please Jung Lee, just once play Weeweechu with me."

Jung Lee looked at Huan Cho and said, "OK, we'll play Weeweechu."

Huan Cho grabbed his guitar and they both sang.....
"Weeweechu a Merry Christmas, Weeweechu a Merry Christmas, Weeweechu a Merry Christmas, and a Happy New Year."

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern - wo auch immer auf der Welt - einen schönen dritten Advent.

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Donnerstag, 13. Dezember 2007
Perhaps, perhaps, perhaps
Die Krankheit unserer Zeit heisst Unverbindlichkeit. Man gibt sich unverbindlich bei Verabredungen, ist unverbindlich freundlich und selbst Preisempfehlungen sind laut Anbieter unverbindlich. Geläufige Indikatoren sind Worte wie vielleicht oder eventuell, Aussagen wie mal sehen, ich bin nicht sicher und je nachdem, deren inflationärer Gebrauch uns in der täglichen Kommunikation kaum noch auffällt. Mal ehrlich, wie oft benutzen wir diese Phrasen, um uns Hintertürchen zum Rückzug offenzuhalten, um uns drohenden Vorwürfen schon im Vorfeld zu entziehen oder Verletzungen galant zu umschiffen?

Früher war ein Ehrenwort verbindlicher als jeder Kontrakt. Wer es brach, war gezwungen, in aller Herrgottsfrüh das Bett zu verlassen. Die Chancen standen gut, anschließend nie mehr früh oder auch spät aufstehen zu müssen. Dass der Begriff Ehre heute ebenfalls nichtig geworden ist, haben bereits führende Politiker wirksam demonstriert. Allein in der japanischen Kultur gilt die Ehre noch als verbindlich. Wer sie verliert, dem ist sein Leben nichts mehr wert. Eine völlig überholte Einstellung mag sich so mancher denken, der Unverbindlichkeit lieber als Diplomatie bezeichnet und sich damit durch allerlei Widrigkeiten schlängelt.

Streichen wir der Einfachheit halber die Ehre aus dem Begriff. Zurück bleibt das Wort. Man gibt sich ein Wort, das Ja-Wort beispielsweise. Kein Wunder, dass so viel geheiratet wird, wenn das Wort eines Menschen allein nichts mehr wert ist, wenn das gebräuchlichste Wort aus Kontaktanzeigen gleich nach Diskretion unverbindlich lautet und wenn der Partner den ganzen Tag so viel leere Worthülsen von sich gibt, dass man sich darauf nicht mehr verlassen mag. Wann haben Sie zum letzten Mal jemandem ihr Wort gegeben? Und haben Sie es gehalten? Wie oft tun Sie generell das, über was sie vielerlei Worte verlieren?

"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort", so lauten bekannte Worte. Selbst Atheisten würden die Macht des Wortes nicht bestreiten, ganz gleich wie der Gottesbegriff interpretiert wird. Dort wo es heißt "Und Gott sprach: es werde Licht!" ergänzten wir jugendlich blasphemisch gerne mal: "...doch er fand den Schalter nicht!" Stellen wir uns einfach mal vor, Gott hätte gesagt: "Ich weiß noch nicht so recht wie ich mich nachher fühle, aber je nachdem, könnte ich vielleicht Licht schaffen." Wenn ich die breite Masse meiner Mitmenschen betrachte, wird es wohl so ähnlich gewesen sein.

Zu seinem Wort - in der Konsequenz auch zu seinen Aussagen - stehen, ist unter Umständen für den Wortgeber unangenehm, zumindest was die Folgen betrifft. Noch unangenehmer ist ein Zeitgenosse, der meint was er sagt - dies wiederum ist ein Teilaspekt der so viel gepriesenen Authentizität. Ein Mensch, der in klaren Worten spricht, wird misstrauisch beäugt. Steht er zu seinen Worten und handelt entsprechend, wird er für andere suspekt, wenn nicht gar bedrohlich. Zu sehr unterscheidet er sich von der breiten Masse und erinnert das Gegenüber gleichzeitig an das eigene Manko. Sowas macht unsicher. Wer gerne von allen geliebt werden möchte, sollte auf keinen Fall verbindliche Worte verlieren.

Das war die schlechte Nachricht. Ich fürchte, es gibt keine gute, es sei denn, Sie sind bereit, das Konzept auszuprobieren. Machen Sie doch mal ein Experiment, sagen wir mal für eine Woche. Die Grundvoraussetzung dafür ist absolute Ehrlichkeit mit sich und anderen (womit wir schon wieder bei der Ehre wären). Fragen Sie sich während dieser Zeit, was Sie wirklich denken, fühlen und wollen. Genau das äussern Sie dann auf Fragen. Eine ehrliche Antwort kann durchaus freundlich formuliert werden. Und fragen Sie sich selbst, wie Sie Menschen einschätzen, bei denen sich ständig angeblich ehrliche Aussagen mit unverbindlichem Geplänkel abwechseln.

Wenn Sie eine Woche durchgehalten haben, werden Sie feststellen, dass Sie sich viel lieber im Spiegel sehen, dass Sie auf einmal wissen was Sie wollen und plötzlich wieder den Zugang zu ihren Gefühlen haben. Sie werden selbstbewußter und zufriedener sein. Sie werden vermutlich diesen Zustand beibehalten wollen und aus einer Woche wird unter Umständen eine viel längere Zeitspanne. Wahrscheinlich werden Sie alte Bekanntschaften verlieren, dafür aber neue machen. Denn es gibt durchaus Menschen, die Ihre Verbindlichkeit zu schätzen wissen. Auf den Umgang mit Worthülsenverteilern werden Sie in Zukunft ohnehin gerne verzichten.

Zum Schluß ein Beispiel aus eigener Erfahrung: Ein Bekannter klagte oft und wortreich über seelisches Unwohlsein. Er war einer der Menschen, die sich nie festlegen wollen, aus Angst, etwas zu verpassen. Die Hintertürchen sperrangelweit auf, raste er von einer Gelegenheit zur nächsten, immer auf der Suche nach dem glücksbringenden Ereignis. Hatte er ein angestrebtes Ziel erreicht, wurde es unwichtig, denn nicht allein das Angestrebte macht glücklich, sondern wie wir damit umgehen. Nun ist Erwachsenwerden ja bekanntlich auch mit unwiderbringlichen Entscheidungen verbunden. Er aber wollte die pubertäre Entdecke-die-Möglichkeiten-Phase unendlich ausdehnen, nicht ahnend, dass damit gleichfalls das pubertäre Gefühlskarussell angekurbelt wird. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, wie selten er meint, was er sagt und wie noch seltener er auch danach handelt, unterstellte er mir einen 'Rundumschlag' und wandte sich beleidigt ab. Ich kann es ihm nicht verübeln, gleichwohl ich hoffe, er möge eines Tages den wahren Grund für seine instabile Gemütsverfassung finden.

Es sind oft Kleinigkeiten, die entscheidende Veränderung bewirken. Will ich mein Leben ändern, muss ich mit dem nächsten Tag beginnen. Will ich authentisch werden, muss ich ehrlich sein. Will ich selbstbewußt und stark werden, muss ich meine Schwächen benennen und akzeptieren. Der kleinste Schritt auf einem langen Weg ist, auf seine Worte zu achten. Denn unser Denken - und folglich unser Handeln - beginnt mit Worten, und die sind immer nur so verbindlich, wie wir es sind. Auf dass wir in Zukunft die richtigen finden mögen. Oder einen Lichtschalter.

Perhaps, perhaps, perhaps

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Mittwoch, 12. Dezember 2007
Give a little extra
Ich kann mich noch erinnern, wie meine Oma dem Installateur nach verrichteter Arbeit ein Markstück zusteckte. Seit zwei Tagen klebt am Tor zum Hof ein Zettel mit der Aufschrift Liebe Müllmänner, bitte beim Hausmeister läuten!. Das bedeutet, die Herren dürfen einen Obulus zu Weihnachten in Empfang nehmen.

Heute war ich im Fahrradladen, um die Bremsbeläge erneuern zu lassen. Wie schon einige Male vorher, schnappt sich der Angestellte einen Schraubenschlüssel, dreht ein wenig an meinem Fahrrad herum und schon funktioniert wieder alles, ohne jegliche Neuerwerbung. Ich frage dann immer, was er dafür bekommt und er wehrt jedes Mal ab. Dann krame ich in meinem Portemonnaie nach Kleingeld und strecke ihm 5 Euro entgegen. Wie jedes Mal, will er das Geld nicht nehmen. "Doch, bitte nehmen Sie. Das ist für den prima Kundenservice, den sie hier bieten", sage ich. Er murmelt etwas, sein rotes Gesicht gewinnt noch mehr Farbe und schließlich steckt er die Münzen ein.

Und ich frage mich wirklich, ob es außerhalb von Restaurants und Kneipen ungewöhnlich ist, für eine gute Serviceleistung freiwillig ein wenig Geld zu geben, wenn das eigene Geburtsjahr deutlich nach 1920-1935 liegt.

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Everything happens to me
Hier passiert nicht so wenig Neues, weil mir nichts einfallen würde. Ganz im Gegenteil, doch gut Text will sorgsam formuliert werden. Dabei funken mir allerdings immer wieder mein Innenansichtskreisel und mein internes Kommunikationsgeschwätz dazwischen. Erst letzte Woche fand ich mich unversehens in so einer Selbstmitleidsspirale von 'Keiner-liebt-mich' und 'Ich-bin-so-anders' Sätzen wieder.

Ganz schlimm wird alles, wenn man sich plötzlich in das Gefühlsparalleluniversum Kindheit zurückkatapultieren lässt. Ich war als Kind Außenseiter, aber mal ehrlich, wieviele behaupten gleichfalls, sie waren als Kind Außenseiter? Wenn diese Selbsteinschätzung zuträfe, hätte es nur Außenseiter gegeben, die dann wiederum eine Gruppe ergäben. Und dass man beim Völkerball immer einer der Letzten war, die in ein Team gewählt wurden, sagt mehr über das Ballwurfverhalten als die Persönlichkeit aus.

Während ich mich also ausgiebig damit beschäftige, dass ich NIE auf eine Feier eingeladen werde, dass mich KEINER fragt, ob ich mit will, wenn die Mädels nach dem Training noch was trinken gehen, dass mich KEINER mag, dass ich IMMER allein bin, warum das so ist und welcher Spezialist diese Sorte unsichtbaren Hautausschlag mit Warzenbildung behandelt oder ich mich damit abfinden muss, dass es IMMER so sein wird, fragt mich doch tatsächlich gestern eine der Mädels, ob ich nächsten Freitag nach dem Training mitkomme.

"Blöde Kuh", denke ich, "die wirft glatt meine schöne Theorie über den Haufen."

Everything happens to me

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Sonntag, 9. Dezember 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (34)
Weil's derzeit so gut passt:

Dying is a bit like writing a letter to Santa. Unless you’ve been a good boy or girl, you’re fucked.

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Samstag, 8. Dezember 2007
Let him play among the stars
Eigentlich ist auf SvenK. immer Verlass. Wenn ich wissen will, wer gestorben ist, brauche ich keine Online Nachrichten. Diesmal hat er mich allerdings enttäuscht. Kein Wort über Stockhausen. Ob der arrogante Sack wohl schon auf Sirius angekommen ist?

Und wer kann mir erklären, warum Google heute schwarz ist?

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Donnerstag, 6. Dezember 2007
A room with a view (22)






Hong Kong

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Mittwoch, 5. Dezember 2007
I can`t get no sleep
Irgendwo auf der Welt ist immer was los. Irgendwo ist ja auch immer Tag. Waehrend eine Seite schlaeft, wuselt es auf der anderen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum die Erde sich dreht. Daheim ist momentan Nacht. Ich aber sitze irgendwo auf der anderen Seite. Mein Organismus macht schon lange keine zuverlaessige Meldung mehr bezueglich Uhrzeiten und Schlafverhalten. Dennoch trage ich ausserhalb meines Arbeitsfeldes keinen Zeitmelder am Handgelenk. Gegessen wird bei Hunger, geschlafen bei Muedigkeit. Nicht mal der Hauch einer Routine ist moeglich, will ich mich nicht andauernd totmuede und mit Verstopfung durch den Tag quaelen, nur um mich nachts schwungvoll von Seite zu Seite zu werfen.

Wenn ich von irgendwo auf der anderen Seite wieder heimkomme, fragen Bekannte, wie spaet es jetzt fuer mich sei. Darauf gibt es keine konkrete Antwort. Das Schlimmste ist dieser Versatzstueckschlaf waehrend man fliegt. Mir fehlt die Nacht, die ich im Flieger verbringe. Nachzuholen ist fehlender Schlaf kaum. Das ist, als ob man seinen achtzehnten Geburtstag nachholen will. Es geht nicht. Achtzehn wird man an einem bestimmten Tag seines Lebens, nicht frueher und nicht spaeter. "Liebling, wir holen das nach", sagt der Geschaeftsmann zu seiner Frau, wenn er am Hochzeitstag einen wichtigen Termin wahrnehmen muss. Vielleicht ist dieser wichtige Termin auch ein Schaeferstuendchen mit der Geliebten, die ihre Geburtstagsnachfeier einforderte. So rennt er sein ganzes Leben irgendwelchen Terminen hinterher, ohne zu merken, dass er im Grunde seinem Leben hinterherlaeuft.

Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen will: es ist jetzt ziemlich hell hier in Hong Kong, die Menschen wuseln zur Arbeit und ich mache mich gleich auf den Weg zum Friseur. Der Mann hinter mir trommelt bereits undgeduldig auf der Tischplatte, weil er ebenfalls ins Internet moechte. Vielleicht hat er ein Blog und schreibt gleich ueber seinen achtzehnten Geburtstag oder seine Geliebte oder seine schlaflosen Naechte. Wer weiss?

Nachtrag1: Wie sich herausstellte, war der Mann, der hinter mir auf die Tischplatte trommelte, mein Cockpitkollege und der hat sicher kein Blog. Zumindest ist er nicht gerade ein Mann vieler Worte.

Nachtrag2:
vor einiger Zeit dieses Video gefunden. Zwei auf dem Flughafen Madrid Gestrandete, die wegen der Durchsagen keinen Schlaf finden, tanzen und filmen stattdessen im menschenleeren Terminal. Dauer ca. 10 Minuten.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (33)
Das Marmeladenbrotphaenomen jetzt auch bei CD-Roms beobachtet:
Sie fallen immer auf die bedruckte Seite.

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Dienstag, 27. November 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (32c)
Der Einfluß moderner Kunst auf die Technik kann nicht geleugnet werden:

Siehe Monochromes Blau, Yves Klein
und Bluescreen, Microsoft

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Sätze, die man sofort bloggen muss (32b)
Softwarekomponenten, die einen Konflikt im System auslösen, welches seine Wurzeln irgendwo auf dem Motherboard hat, und es letztlich zur Dysfunktion kommt, können getrost als Motherfucker bezeichnet werden.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (32a)
Jetzt müsste es aber funktionieren.

[Aus der Reihe: "Letzte Worte eines Microsoftanwenders vor dem Neustart"]

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Sonntag, 25. November 2007
Giving it all away
Hotelzimmer sind überall gleich. Das Zimmer, in dem ich sitze, könnte auch irgendwo anders sein. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, ein Fernseher. Einige Bilder an der Wand, kleine Fläschchen in der Minibar und im Bad. In einer der vielen Schubladen liegt mit Sicherheit eine Bibel. Ich schaue nicht mehr nach. Früher öffnete ich jede Schublade mit ein wenig Herzklopfen. Ich hoffte, etwas Vergessenes darin zu finden. Einen Ring, ein beschriebenes Blatt, ein Bild, ein Stück Menschlichkeit in einem unpersönlichen Raum. Kurz bevor ich eine Schublade öffnete, stellte ich mir vor, es läge darin ein abgehackter Finger, ein Auge oder ähnliches. Der Gedanke ließ die Spannung immens steigen. Gefunden habe ich immer nur die obligatorische Bibel, manchmal der Koran oder ein buddhistisches Äquivalent, Telefonbücher, eine Hotelbeschreibung und die Speisekarte für den Zimmerservice. Die einzigen menschlichen Überreste in Form von Zehennägeln oder Haaren lagen offen auf dem Boden. Seither schaue ich weder in Schubladen noch Mafiafilme.

Meine Sachen liegen auf dem zweiten, unbenutzten Bett oder im geöffneten Koffer. Niemals staue ich etwas in Schubladen oder den Schrank. Einzig die Uniform hängt dort, denn die will ich während meines Aufenthaltes bewußt vergessen. Würde ich sie dort lassen, müsste ich schon nackt zum Abfahrtstermin in der Lobby erscheinen. Höchstwahrscheinlich wird mir das nie passieren. Die Gefahr, andere Dinge zu vergessen, ist jedenfalls weitaus größer. Meine Sorge ist so groß, dass ich nach Verlassen des Raumes zwanghaft noch dreimal Zimmer und Bad inspiziere, bevor die Türe endgültig ins Schloß fällt. Ich stelle mir vor, wie das Zimmermädchen mein Schlafshirt, meine Haarspange oder das abgeschabte Mäppchen mit der Nagelschere findet und es mit spitzen Fingern in den Abfallsack packt. Mal abgesehen von einem alten Schlafshirt, einer Packung Tabletten, einigen Haaren und Fingernägeln habe ich aber noch nie etwas zurückgelassen. Schließlich sehe ich auch dreimal nach. Zwangsneurosen können durchaus nützlich sein.

So sitze ich also in diesem Hotelzimmer, das irgendwie überall sein könnte. Auf dem zweiten, unbenutzten Bett liegen meine Füße und alles, was ich im Laufe des Tages erworben habe. Eigenartig daran ist, dass all die auf der Decke ausgebreiteten Dinge, außer meinen Füßen, nicht mir gehören sollen. Es sind Geschenke für andere. Eigenartig ist auch dieses wohlig warme Gefühl, das beim Anblick der Sachen in meinem Bauch entsteht. Langsam lasse ich die Perlenkette abwechselnd durch meine Finger gleiten und vor den Augen baumeln, streichle über den Seidenstoff mit den eingestickten kleinen Drachen, halte das Stofftäschchen in der Hand und lege schließlich alles wieder zurecht, nur um fünf Minuten später erneut alles anzufassen. Dann stelle ich mir die Gesichter der Beschenkten vor. Ihre Freude beim Auspacken ist mindestens so spannend wie ein imaginärer abgetrennter Finger in einer nicht geöffneten Schublade, nur schöner.

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der Leute verzweifelt nach obligatorischen Geschenken suchen. Manche werden erst in letzter Minute fündig, wohl weil jede Pflicht lästig ist und gerne verdrängt wird. Die Schönheit und das Glück des Schenkens wird dabei ebenfalls verdrängt. Es mag egoistisch sein, wenn ich gerne schenke, vielleicht ist es auch das Ergebnis einer erfolgreichen Konditionierung. Trotzdem möchte ich nicht auf das Gefühl verzichten. Wie schön es ist, sich einen bestimmten Menschen vorzustellen, seine Vorlieben, seine Eigenarten, sein Äusseres, während man etwas Passendes auswählt, wie befriedigend wenn man fündig wird. Drei Paar Schuhe für mich selbst könnten meine empfundene Zufriedenheit beim Betrachten der heutigen Ausbeute für andere nicht überbieten.

Irgenwann hatte ich die Idee, Menschen aus meinem Bekanntenkreis zu beschenken, die aus den Ländern stammen, in die ich fliege. Das Projekt mit dem internen Arbeitstitel 'Fernweh-/Heimwehexpress' - so eine Art Import-Export für Gefühle - begann vielversprechend. Dier japanischen Ballettlehrerin brachte ich aus Tokio einen Glücksbringer und Seetang für Sushi mit. Obwohl wir uns nicht lange kannten, fiel sie mir freudig um den Hals. Ich ging um etliche Glückshormone und Erkältungsviren reicher heim. Während der dreiwöchigen Grippe beschloß ich, das Projekt zu modifizieren. Nicht wegen der Ansteckungsgefahr, sondern weil sich schlichtweg zu wenige Japaner, Chinesen und Brasilianer in meinem Bekanntenkreis befinden, und die japanische Ballettlehrerin - sie war im Anschluß sechs Wochen abwesend - möchte ich auch nicht zu sehr strapazieren. Jetzt beschränke ich mich eben auf die Menschen, die ich kenne.

Mit den Gaben sind plötzlich alle zukünftigen Besitzer da. Es wird ein wenig eng auf dem Bett, außerdem bin ich müde. Also packe ich alles endgültig weg. Das warme Gefühl aber bleibt und die Gewißheit, nicht alleine zu sein. Neben Zwangsneurosen ist auch eine ordentliche Wahnvorstellung manchmal ganz nützlich, vor allem, wenn man viel unterwegs und das Fernsehprogramm meistens schlecht ist. Angenehmer als fremde Fußnägel und Haare sind Perlen und Seidenstoff im Bett allemal.

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