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Mittwoch, 28. Mai 2008
No more keeping my feet on the ground
frau klugscheisser, 13:25h
Coldplay
Es ist doch immer das Gleiche in China. Man rennt über diverse Märkte, beinahe auf der Flucht vor den lautstarken Billigwarenpreisern. Begeht man einmal den Fehler stehenzubleiben, stürzen sie sich auf einen wie Schmeißfliegen auf Scheiße. 'I make you good price, my friend' lautet neben 'this is best quality, only that cheap for you' die gebräuchlichste Phrase. Wenn man dann ein Drittel des vom Händler vorgegebenen Preises nennt und trotz dessen schauspielerisch eindrucksvoller Verzweiflungsdarstellung geht, wird man meist mit der selbstgewählten Summe zum Geschäftsabschluß zurückgerufen.
Entweder bin ich vom Flug zu erschöpft oder einfach nicht der Typ für derartige Feilscherei, jedenfalls bevorzuge ich Händler, die mir von Beginn an faire Preise nennen, die ich nach vormalig guter Erfahrung gerne zu zahlen bereit bin. Leider gibt es zu viele Touristen, die beim Anblick einer Chanelplastikhandtasche für umgerechnet 50 Euro in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen und dem Verkäufer am liebsten noch hundert Rimimbi (chinesische Währung, von Kollegen auch 'Dinger' genannt) drauflegen. Schon manchmal wünschte ich mir insgeheim, der Landessprache mächtig zu sein, um die Verkäufer hinterher zu belauschen. Diese Art Touristen fördern inzwischen utopische Olympiapreise in Peking. Es lohnt sich nicht mehr, auf Märkten einzukaufen. Wenn ich nicht eine dringende Besorgung zu erledigen habe, meide ich derartige Einkaufseinrichtungen sowieso.
Jetzt ist es aber so, dass man in 24 Stunden und mit einem Müdigkeitsschleier in Peking nicht sonderlich viel anstellen kann. Große Mauer und Kaiserpalast viel zu zeitaufwändig, das Gehirn nicht aufnahmefähig und die Füße versagten den Dienst bereits im Anflug. Mein kleines Import-Exportunternehmen mit Fernweh läuft immer noch. Vor einem Flug frage ich im Bekanntenkreis, ob sich jemand was wünscht, das ich von dort mitbringen kann. So verbringe ich meinen Aufenthalt noch einigermaßen sinnvoll. Leider komme ich dann auch nicht um besagte Märkte rum.
Meine Besorgungen sind dieses Mal schnell erledigt und ichstreife haste nochmal über den Markt. Meine Augen fallen auf eine Einrichtung zur Nagelverschönerung, doch mein Gehirn hat keine Sekunde Zeit, um das nachzuvollziehen, was ich sehe, da hat mich eine kleine Chinesin bereits rabiat am Arm gepackt und zieht mich in Richtung eines freien Sessels. 'Naja,' denke ich 'warum nicht?'
Man muss sich das so vorstellen: während in langen Polstersesselreihen Kund/innen vor sich hin dösen, sitzen emsige Chinesen auf kleinen Schemeln davor, die Füße der Kunden auf den Schenkeln bearbeitend. Während die Hornhaut vom Hobel in alle Richtungen spratzelt, macht sich eine zweite Chinesin an den Händen zu schaffen oder knetet Gesicht und Nacken der Dösenden. Im ersten Moment sieht das alles sehr entspannend aus.
Im zweiten Moment sitze ich in einem Sessel und bin alles andere als entspannt. Ein Fuß steckt in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser, während mein Folterknecht den anderen begutachtet. Hey, ich weiß, dass das an meiner Fußsohle nicht toll aussieht aber ich brauche eine Schutzschicht, wenn meine Füße stundenlang in hohe Schuhe gequetscht meinen Körper grazil über die Flugzeuggänge schweben lassen sollen und bitte lass davon noch was übrig. Er zückt das Messer, ich zucke mit dem Bein. In Folge liefern wir uns einem schier endlosen Kampf, den schließlich er gewinnt. Nach dreißig Minuten zwischen Kitzel und Schmerz bin ich entlassen. Ohne tote Haut, dafür mit weißen Fußnägeln. Die Kollegin meint, man bekäme normalerweise noch Blümchen draufgemalt. Darauf verzichte ich gerne, nachdem ich mir wegen Verständigungsschwierigkeiten nicht mal die Farbe aussuchen darf. Blümchen kann ich mit 'nem schwarzen Edding auch selbst malen.

Als meine Füße wieder in Schuhen und mit mir im Taxi stecken, bin ich wirklich erleichtert. Damit sich die Qualen gelohnt haben, werde ich in nächster Zeit nur noch offene Schuhe tragen. Mit ohne Socken. Das erste Mal Pediküre in China. Für nur vier Euro. Immerhin habe ich was erlebt, das ich jetzt schreiben kann. Unbezahlbar.
Es ist doch immer das Gleiche in China. Man rennt über diverse Märkte, beinahe auf der Flucht vor den lautstarken Billigwarenpreisern. Begeht man einmal den Fehler stehenzubleiben, stürzen sie sich auf einen wie Schmeißfliegen auf Scheiße. 'I make you good price, my friend' lautet neben 'this is best quality, only that cheap for you' die gebräuchlichste Phrase. Wenn man dann ein Drittel des vom Händler vorgegebenen Preises nennt und trotz dessen schauspielerisch eindrucksvoller Verzweiflungsdarstellung geht, wird man meist mit der selbstgewählten Summe zum Geschäftsabschluß zurückgerufen.
Entweder bin ich vom Flug zu erschöpft oder einfach nicht der Typ für derartige Feilscherei, jedenfalls bevorzuge ich Händler, die mir von Beginn an faire Preise nennen, die ich nach vormalig guter Erfahrung gerne zu zahlen bereit bin. Leider gibt es zu viele Touristen, die beim Anblick einer Chanelplastikhandtasche für umgerechnet 50 Euro in wahre Begeisterungsstürme ausbrechen und dem Verkäufer am liebsten noch hundert Rimimbi (chinesische Währung, von Kollegen auch 'Dinger' genannt) drauflegen. Schon manchmal wünschte ich mir insgeheim, der Landessprache mächtig zu sein, um die Verkäufer hinterher zu belauschen. Diese Art Touristen fördern inzwischen utopische Olympiapreise in Peking. Es lohnt sich nicht mehr, auf Märkten einzukaufen. Wenn ich nicht eine dringende Besorgung zu erledigen habe, meide ich derartige Einkaufseinrichtungen sowieso.
Jetzt ist es aber so, dass man in 24 Stunden und mit einem Müdigkeitsschleier in Peking nicht sonderlich viel anstellen kann. Große Mauer und Kaiserpalast viel zu zeitaufwändig, das Gehirn nicht aufnahmefähig und die Füße versagten den Dienst bereits im Anflug. Mein kleines Import-Exportunternehmen mit Fernweh läuft immer noch. Vor einem Flug frage ich im Bekanntenkreis, ob sich jemand was wünscht, das ich von dort mitbringen kann. So verbringe ich meinen Aufenthalt noch einigermaßen sinnvoll. Leider komme ich dann auch nicht um besagte Märkte rum.
Meine Besorgungen sind dieses Mal schnell erledigt und ich
Man muss sich das so vorstellen: während in langen Polstersesselreihen Kund/innen vor sich hin dösen, sitzen emsige Chinesen auf kleinen Schemeln davor, die Füße der Kunden auf den Schenkeln bearbeitend. Während die Hornhaut vom Hobel in alle Richtungen spratzelt, macht sich eine zweite Chinesin an den Händen zu schaffen oder knetet Gesicht und Nacken der Dösenden. Im ersten Moment sieht das alles sehr entspannend aus.
Im zweiten Moment sitze ich in einem Sessel und bin alles andere als entspannt. Ein Fuß steckt in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser, während mein Folterknecht den anderen begutachtet. Hey, ich weiß, dass das an meiner Fußsohle nicht toll aussieht aber ich brauche eine Schutzschicht, wenn meine Füße stundenlang in hohe Schuhe gequetscht meinen Körper grazil über die Flugzeuggänge schweben lassen sollen und bitte lass davon noch was übrig. Er zückt das Messer, ich zucke mit dem Bein. In Folge liefern wir uns einem schier endlosen Kampf, den schließlich er gewinnt. Nach dreißig Minuten zwischen Kitzel und Schmerz bin ich entlassen. Ohne tote Haut, dafür mit weißen Fußnägeln. Die Kollegin meint, man bekäme normalerweise noch Blümchen draufgemalt. Darauf verzichte ich gerne, nachdem ich mir wegen Verständigungsschwierigkeiten nicht mal die Farbe aussuchen darf. Blümchen kann ich mit 'nem schwarzen Edding auch selbst malen.

Als meine Füße wieder in Schuhen und mit mir im Taxi stecken, bin ich wirklich erleichtert. Damit sich die Qualen gelohnt haben, werde ich in nächster Zeit nur noch offene Schuhe tragen. Mit ohne Socken. Das erste Mal Pediküre in China. Für nur vier Euro. Immerhin habe ich was erlebt, das ich jetzt schreiben kann. Unbezahlbar.
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Montag, 26. Mai 2008
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frau klugscheisser, 22:15h

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Samstag, 24. Mai 2008
I shot the Sheriff, but I swear it was in self-defense
frau klugscheisser, 13:37h
München ist so eine Sauberstadt. Wo in Berlin an jeder Ecke ein Penner steht, steht in München höchstens ein Zeitungskasten, der von mindestens zwei Rentnern aus dem gegenüberliegenden dritten Stock durchgehend beobachtet wird. Auf Münchens Straßen fahren mehr Polizei- als Postautos.
All dies hat jedoch die beiden U-Bahn-Schläger nicht daran gehindert, im Februar einen Passanten zu vermöbeln. Jetzt bin ich kein Mensch, der deswegen in U-Bahnstationen oder auf der Straße Angst hätte. Ich habe keine Angst, in der Dämmerung alleine zu laufen. Nirgends auf der Welt. Und schon gar nicht in München. Aber ich kenne dieses ungute Gefühl, wenn sich Besoffene torkelnd nähern oder Halbstarke laut profilieren. Um die mache ich - wenn möglich - einen etwas weiteren Bogen.
Freitags muss ich gegen halb elf abends gelegentlich auf meine U-Bahn warten, die mich aus einem sozial niedrigeren Milieu in eine bessere Gegend bringt. Und so begab es sich vor zwei Wochen, dass mich ein stark angetrunkener Mann in riechbar ungepflegtem Zustand aus kurzer Distanz bepöbelte. Ich entschied in diesem Falle, dem Störer keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken und stattdessen durch ihn hindurchzusehen, hoffend, er würde nach einer Weile das Interesse an meiner Person verlieren. Dem war jedoch erst so, als ich meine U-Bahn bestieg.
Gestern nun dasselbe Spiel. Doch diesmal entschied ich mich für aktive Gegenwehr. Als sich der alkoholisierte Mensch mir hinterrücks näherte und in einem Abstand von wenigen Zentimetern stehen blieb, drehte ich mich um und sagte sehr laut, er solle mich in Ruhe lassen. Der Typ schien völlig überrascht von meiner Reaktion und entschied sich spontan für zwei Schritt Abstand, den er auch im weiteren Verlauf jeweils nach hinten suchte, sobald ich mich in seine Richtung bewegte, was ihn allerdings nicht daran hinderte, mich lautstark mit diversen Schimpfwörtern zu bedenken.
Bezeichnenderweise drehten sich zwar andere Wartende neugierig in Richtung des Geschehens, auf tatkräftige Unterstützung hätte ich im Falle einer Eskalation jedoch sicher vergeblich gehofft. Und jetzt stellt sich mir die Frage, ob ich nicht doch diverse Selbstverteidigungstechniken lernen sollte oder lieber weiterhin auf meine verbale Überzeugungskraft vertrauen - immerhin erstaunte mich meine Reaktion und ihre Wirkung selbst ein wenig. Wer hat Ähnliches erlebt? Sind Selbstverteidigungskurse sinnvoll? Erfahrungsberichte und Empfehlungen zum Thema werden in den Kommentaren erbeten.
All dies hat jedoch die beiden U-Bahn-Schläger nicht daran gehindert, im Februar einen Passanten zu vermöbeln. Jetzt bin ich kein Mensch, der deswegen in U-Bahnstationen oder auf der Straße Angst hätte. Ich habe keine Angst, in der Dämmerung alleine zu laufen. Nirgends auf der Welt. Und schon gar nicht in München. Aber ich kenne dieses ungute Gefühl, wenn sich Besoffene torkelnd nähern oder Halbstarke laut profilieren. Um die mache ich - wenn möglich - einen etwas weiteren Bogen.
Freitags muss ich gegen halb elf abends gelegentlich auf meine U-Bahn warten, die mich aus einem sozial niedrigeren Milieu in eine bessere Gegend bringt. Und so begab es sich vor zwei Wochen, dass mich ein stark angetrunkener Mann in riechbar ungepflegtem Zustand aus kurzer Distanz bepöbelte. Ich entschied in diesem Falle, dem Störer keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken und stattdessen durch ihn hindurchzusehen, hoffend, er würde nach einer Weile das Interesse an meiner Person verlieren. Dem war jedoch erst so, als ich meine U-Bahn bestieg.
Gestern nun dasselbe Spiel. Doch diesmal entschied ich mich für aktive Gegenwehr. Als sich der alkoholisierte Mensch mir hinterrücks näherte und in einem Abstand von wenigen Zentimetern stehen blieb, drehte ich mich um und sagte sehr laut, er solle mich in Ruhe lassen. Der Typ schien völlig überrascht von meiner Reaktion und entschied sich spontan für zwei Schritt Abstand, den er auch im weiteren Verlauf jeweils nach hinten suchte, sobald ich mich in seine Richtung bewegte, was ihn allerdings nicht daran hinderte, mich lautstark mit diversen Schimpfwörtern zu bedenken.
Bezeichnenderweise drehten sich zwar andere Wartende neugierig in Richtung des Geschehens, auf tatkräftige Unterstützung hätte ich im Falle einer Eskalation jedoch sicher vergeblich gehofft. Und jetzt stellt sich mir die Frage, ob ich nicht doch diverse Selbstverteidigungstechniken lernen sollte oder lieber weiterhin auf meine verbale Überzeugungskraft vertrauen - immerhin erstaunte mich meine Reaktion und ihre Wirkung selbst ein wenig. Wer hat Ähnliches erlebt? Sind Selbstverteidigungskurse sinnvoll? Erfahrungsberichte und Empfehlungen zum Thema werden in den Kommentaren erbeten.
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Samstag, 24. Mai 2008
Make it good
frau klugscheisser, 01:25h
snoop dogg
Wiedergutmachung.
"Ich mache es wieder gut."
"Mutti pustet und alles ist wieder gut."
Gibt es Wiedergutmachung? Funktioniert dieses Prinzip? Wenn etwas in der Vergangenheit schief gelaufen ist, kann es in der Gegenwart nicht korrigiert, sondern bei zukünftiger Gelegenheit nur anders gemacht werden. Wiederandersmachung sozusagen.
Im Grunde erinnert das Wort an etwas Kindliches. Das Kind, das Blümchen pflückt oder Bilder malt, weil Papi böse ist und es wieder liebgehabt werden will.
Wenn man einen Fehler macht, durch den ein anderer zu Schaden kommt, sollte man sich dafür entschuldigen und entstandene Nachteile soweit als möglich ausgleichen. Aber etwas Wiedergutmachen im Sinne von etwas Schlechtes in sein Gegenteil kehren, das geht nicht.
Wiedergutmachung.
"Ich mache es wieder gut."
"Mutti pustet und alles ist wieder gut."
Gibt es Wiedergutmachung? Funktioniert dieses Prinzip? Wenn etwas in der Vergangenheit schief gelaufen ist, kann es in der Gegenwart nicht korrigiert, sondern bei zukünftiger Gelegenheit nur anders gemacht werden. Wiederandersmachung sozusagen.
Im Grunde erinnert das Wort an etwas Kindliches. Das Kind, das Blümchen pflückt oder Bilder malt, weil Papi böse ist und es wieder liebgehabt werden will.
Wenn man einen Fehler macht, durch den ein anderer zu Schaden kommt, sollte man sich dafür entschuldigen und entstandene Nachteile soweit als möglich ausgleichen. Aber etwas Wiedergutmachen im Sinne von etwas Schlechtes in sein Gegenteil kehren, das geht nicht.
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Donnerstag, 22. Mai 2008
It's not over yet
frau klugscheisser, 21:36h
Jazzbar Vogler vor dem Aus
So lauten die Schlagzeilen bei Münchenblogger. Bereits letzten Sonntag erreichte mich der übliche Newsletter mit ungewöhnlichem Inhalt:
Liebe Freundin, lieber Freund der Jazzbar Vogler,
das wird ein sehr schwerer Brief:
Wie Sie wissen, habe ich mich vor bald elf Jahren entschieden, das "Vogler" zu eroeffnen - ohne jegliche Erfahrung in der Gastronomie und ohne auch nur einen einzigen Musiker zu kennen. Seitdem ist das "Vogler" fuer viele von Ihnen zum zweiten musikalischen Wohnzimmer geworden; es gab im Laufe der Jahre viele Konzerte und Veranstaltungen, es gab aber auch manche Steine, die mir in den Weg gelegt wurden - aber irgendwie fand sich immer wieder eine Loesung.
Jetzt gibt es einen Stein, der fuer mich allein zu gross ist und mir nur zwei Moeglichkeiten laesst: Entweder das "Vogler" Ende Juni zu schliessen, oder mit Ihrer Hilfe die Schliessung zu verhindern.
Soviel Glueck ich mit meinen Gaesten, Musikern und Mitarbeitern habe, soviel Pech hatte ich mit meiner Steuerberaterin; wie sich leider viel zu spaet herausgestellt hat, wurden vier Jahre lang meine Steuern falsch und/oder nur unvollstaendig deklariert; die daraus folgenden Nach-Zahlungen sind fuer mich seid Monaten ein riesen Problem. Da sie in diesem Geschaeft keine Ruecklagen bilden koennen, weil der Sommer immer alles auffrisst und Banken sich dreimal auf die Schenkel klopfen, wenn es bei einer Jazzbar um einen Ueberbrueckungs-Kredit geht (da nuetzt es auch nichts, bei Banken schuldenfrei zu sein), bleiben nicht viel Moeglichkeiten. Wenn Sie mich ueber die Jahre nur ein bisschen kennen, wissen Sie, daß ich alles versucht habe, um das Problem allein zu loesen.
Meine ungewoehnliche Bitte ist nun: Wenn Sie weiter montags bei der Jam-Session die Musiker der Muenchner Szene mit internationalen Gaesten, Dienstags bis Donnerstag bei freiem Eintritt z.B. Joe Kienemann, freitags u.a. Stars wie z.B. Don Menza oder Pee Wee Ellis erleben, wenn Sie samstags tanzen moechten zu Bands wie den "Zucchinis" oder "Buena Vida", z.B. im November Randy Brecker erleben wollen, wenn Sie moechten, daß das "Vogler" weiter in Muenchen existieren soll - dann wuerde ich Sie um "Spende fuers Vogler" (jeder Euro zaehlt :-) auf mein Konto 890885805 bei der Postbank Blz: 70010080 bitten.
Ich weiss, es ist eine sehr, sehr ungewoehnliche Bitte. Und ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dies auf diesem Weg so machen kann. Aber es erschien mir der bessere Weg, als das Vogler einfach zu schliessen.
Und vielleicht habe ich als "der" Vogler ja Glueck, dass viele, viele, viele Freunde "des" Voglers "das" Vogler am Leben erhalten wollen ... :-)
Ihnen allen schon jetzt: Tausend Dank!
Und wie auch immer das Ganze ausgeht verbleibt,
mit den besten Gruessen und Wuenschen
Ihr Thomas Vogler
Hoffen wir, dass sich genügend Spender finden, um das Vogler zu erhalten.
weitere Links zum Vogler:
http://www.jazzbar-vogler.com
http://smartass.blogger.de/20070731/
http://smartass.blogger.de/20080210/
So lauten die Schlagzeilen bei Münchenblogger. Bereits letzten Sonntag erreichte mich der übliche Newsletter mit ungewöhnlichem Inhalt:
Liebe Freundin, lieber Freund der Jazzbar Vogler,
das wird ein sehr schwerer Brief:
Wie Sie wissen, habe ich mich vor bald elf Jahren entschieden, das "Vogler" zu eroeffnen - ohne jegliche Erfahrung in der Gastronomie und ohne auch nur einen einzigen Musiker zu kennen. Seitdem ist das "Vogler" fuer viele von Ihnen zum zweiten musikalischen Wohnzimmer geworden; es gab im Laufe der Jahre viele Konzerte und Veranstaltungen, es gab aber auch manche Steine, die mir in den Weg gelegt wurden - aber irgendwie fand sich immer wieder eine Loesung.
Jetzt gibt es einen Stein, der fuer mich allein zu gross ist und mir nur zwei Moeglichkeiten laesst: Entweder das "Vogler" Ende Juni zu schliessen, oder mit Ihrer Hilfe die Schliessung zu verhindern.
Soviel Glueck ich mit meinen Gaesten, Musikern und Mitarbeitern habe, soviel Pech hatte ich mit meiner Steuerberaterin; wie sich leider viel zu spaet herausgestellt hat, wurden vier Jahre lang meine Steuern falsch und/oder nur unvollstaendig deklariert; die daraus folgenden Nach-Zahlungen sind fuer mich seid Monaten ein riesen Problem. Da sie in diesem Geschaeft keine Ruecklagen bilden koennen, weil der Sommer immer alles auffrisst und Banken sich dreimal auf die Schenkel klopfen, wenn es bei einer Jazzbar um einen Ueberbrueckungs-Kredit geht (da nuetzt es auch nichts, bei Banken schuldenfrei zu sein), bleiben nicht viel Moeglichkeiten. Wenn Sie mich ueber die Jahre nur ein bisschen kennen, wissen Sie, daß ich alles versucht habe, um das Problem allein zu loesen.
Meine ungewoehnliche Bitte ist nun: Wenn Sie weiter montags bei der Jam-Session die Musiker der Muenchner Szene mit internationalen Gaesten, Dienstags bis Donnerstag bei freiem Eintritt z.B. Joe Kienemann, freitags u.a. Stars wie z.B. Don Menza oder Pee Wee Ellis erleben, wenn Sie samstags tanzen moechten zu Bands wie den "Zucchinis" oder "Buena Vida", z.B. im November Randy Brecker erleben wollen, wenn Sie moechten, daß das "Vogler" weiter in Muenchen existieren soll - dann wuerde ich Sie um "Spende fuers Vogler" (jeder Euro zaehlt :-) auf mein Konto 890885805 bei der Postbank Blz: 70010080 bitten.
Ich weiss, es ist eine sehr, sehr ungewoehnliche Bitte. Und ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dies auf diesem Weg so machen kann. Aber es erschien mir der bessere Weg, als das Vogler einfach zu schliessen.
Und vielleicht habe ich als "der" Vogler ja Glueck, dass viele, viele, viele Freunde "des" Voglers "das" Vogler am Leben erhalten wollen ... :-)
Ihnen allen schon jetzt: Tausend Dank!
Und wie auch immer das Ganze ausgeht verbleibt,
mit den besten Gruessen und Wuenschen
Ihr Thomas Vogler
Hoffen wir, dass sich genügend Spender finden, um das Vogler zu erhalten.
weitere Links zum Vogler:
http://www.jazzbar-vogler.com
http://smartass.blogger.de/20070731/
http://smartass.blogger.de/20080210/
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Sätze, die man sofort bloggen muss (44)
frau klugscheisser, 19:44h
Frau K. im Stephansdom mit Blick auf die brennenden Kerzen vor dem Seitenaltar:
"Wenn ich die alle auf einmal auspuste, darf ich mir dann was wünschen?"
Ja, ich finde das wahnsinnig komisch. Immer noch.
"Wenn ich die alle auf einmal auspuste, darf ich mir dann was wünschen?"
Ja, ich finde das wahnsinnig komisch. Immer noch.
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Mittwoch, 21. Mai 2008
Sätze, die man sofort bloggen muss (43)
frau klugscheisser, 17:49h
"Wenn Sie weiter so klingeln, glauben wir nämlich, Sie sind gestorben!"
[Kollegin zum Gast, der mehrmals unmittelbar hintereinander den Rufknopf betätigt. Dieses anhaltende Klingeln ist für uns sowas wie ein Notsignal.]
[Kollegin zum Gast, der mehrmals unmittelbar hintereinander den Rufknopf betätigt. Dieses anhaltende Klingeln ist für uns sowas wie ein Notsignal.]
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Sonntag, 18. Mai 2008
Feel sorry for myself
frau klugscheisser, 19:57h
In Bayern wünscht man einer anderen Person, für die man nicht sonderlich viel Sympathie hegt, gelegentlich so bedeutende Dinge wie Durchfall und kein Klopapier. Gestern muss mich jemand mit derlei Wünschen bedacht haben. Zwar wurde das Klopapier nicht knapp - da habe ich wohlweislich einen besonders großen Vorrat im Haus, da man nie sicher sein kann, wann einen der nächste Wunsch trifft - dennoch ist das Prozedere an sich nervtötend, vor allem wenn es sich um nachtschlafende Zeit handelt,
Sie kennen dieses Gefühl, wenn sich der Magen derart verkrampft, dass dem Inhalt nicht viel anderes bleibt, als den ursprünglich eingeschlagenen Weg umgekehrt zurückzulegen? Es gab einen Moment heute Nacht, in dem ich dachte, jetzt müsse der Alien aber langsam durchbrechen und vorsorglich schon mal die Bauchdecke desinfizierte und mit grünen Tüchern abdeckte. In solchen Momenten denke ich darüber nach, wer sich das ausgedacht hat mit den grünen OP-Tüchern und ob statt forstgrün, spinatgrün oder graugrün auch moosgrün geht, zumal ja nicht jeder Arzt der Typ ist, der grün tragen kann. Grün oder blau geht für den Frühlingstyp. Bei den Bleichnasen könnte ich mir eher zartes apricot oder warme Erdtöne vorstellen.
Mein persönlicher Alien hielt mich noch Stunden auf Trab. Mit der Dunkelheit wich endlich auch der Schüttelfrost. Einen kurzen Augenblick überlegte ich, ob ich wohl das Elfuhrtraining noch schaffen würde, was sich als hinfällig herausstellte, da sich just mein Kreislauf weigerte, im Kreis zu laufen und mich stattdessen auf dem Badvorleger geplättet zurückließ. Auch das Einuhrtraining musste schließlich ohne mich von Statten gehen, da die Knie sich nicht auf Befehl, sondern eher permanent zu beugen schienen. Inzwischen ist alles wieder einigermaßen stabil, die Wahrnehmung ungetrübt und mein Magen leer. Jetzt gehe ich mal den Alien in den Abgründen meiner Wohnung suchen.
Sie kennen dieses Gefühl, wenn sich der Magen derart verkrampft, dass dem Inhalt nicht viel anderes bleibt, als den ursprünglich eingeschlagenen Weg umgekehrt zurückzulegen? Es gab einen Moment heute Nacht, in dem ich dachte, jetzt müsse der Alien aber langsam durchbrechen und vorsorglich schon mal die Bauchdecke desinfizierte und mit grünen Tüchern abdeckte. In solchen Momenten denke ich darüber nach, wer sich das ausgedacht hat mit den grünen OP-Tüchern und ob statt forstgrün, spinatgrün oder graugrün auch moosgrün geht, zumal ja nicht jeder Arzt der Typ ist, der grün tragen kann. Grün oder blau geht für den Frühlingstyp. Bei den Bleichnasen könnte ich mir eher zartes apricot oder warme Erdtöne vorstellen.
Mein persönlicher Alien hielt mich noch Stunden auf Trab. Mit der Dunkelheit wich endlich auch der Schüttelfrost. Einen kurzen Augenblick überlegte ich, ob ich wohl das Elfuhrtraining noch schaffen würde, was sich als hinfällig herausstellte, da sich just mein Kreislauf weigerte, im Kreis zu laufen und mich stattdessen auf dem Badvorleger geplättet zurückließ. Auch das Einuhrtraining musste schließlich ohne mich von Statten gehen, da die Knie sich nicht auf Befehl, sondern eher permanent zu beugen schienen. Inzwischen ist alles wieder einigermaßen stabil, die Wahrnehmung ungetrübt und mein Magen leer. Jetzt gehe ich mal den Alien in den Abgründen meiner Wohnung suchen.
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Samstag, 17. Mai 2008
Mary, did you know? (1)
frau klugscheisser, 11:40h
Wussten Sie, dass es Rollstuhlfahrern am Flughafen Berlin Tegel als einzigem Deutschen Flughafen aus sogenannten Sicherheitsgründen immer noch verboten ist, in ihrem eigenen Rollstuhl bis zum Flugzeug zu fahren, dass aber Bundesinnenminister W. Sch.uble als Chef des kontrollierenden Sicherheitspersonals diese Regelung aufrecht erhält, obwohl er selbst in seinem eigenen Rollstuhl an Bord kommt?
Siehe hierzu auch:
Martin Ladstätter kämpft um sein Recht für Gleichstellung
Flughafen Berlin
Rollstuhlfahrer am Flughafen Düsseldorf
Siehe hierzu auch:
Martin Ladstätter kämpft um sein Recht für Gleichstellung
Flughafen Berlin
Rollstuhlfahrer am Flughafen Düsseldorf
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Freitag, 16. Mai 2008
Into the light
frau klugscheisser, 17:05h

Dupont circle subway-station, Washington
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A room with a view (27)
frau klugscheisser, 15:07h

Washington D.C.
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Montag, 12. Mai 2008
Don't panic
frau klugscheisser, 23:41h
Coldplay
Was mich von den meisten Menschen unterscheidet, ist die Tatsache, dass ich mir ziemlich sicher über den Tag bin, an dem ich sterben werde. Der Tag an dem ich sterbe, wird ein Feiertag sein.
Sonntage sind nur halbwegs schlimm. Meinetwegen darf ein Sonntag auch mit einem Feiertag zusammentreffen. Was auf keinen Fall geht, sind Sonntage gefolgt von Feiertagen. Oder eine Feiertagsserie. Weihnachten beispielsweise ist so ein Fall, obwohl man da noch mit der Barmherzigkeit seiner Mitmenschen rechnen kann. Die schlimmsten Feiertage des Jahres sind Ostern und Pfingsten. OsterMONTAG! PfingstMONTAG! Geht gar nicht, braucht kein Mensch.
An diesen Tagen arbeite ich meistens freiwillig und besonders gerne, denn damit ist meine Grundversorgung gewährleistet. Bin ich wider erwarten zuhause, muss ich mich beizeiten selbst darum kümmern. Also wird Freitag eingekauft, weil man sich als halbwegs normaler Mensch samstags nicht freiwillig in einen Supermarkt begibt, es sei denn, man steht auf Grenzerfahrungen. Freitag Abend, spätestens aber Samstag nachmittag ist fast alles Naschwerk verzehrt. Samstagnacht greife ich auf der Suche nach Süßigkeiten verzweifelt in den Obstkorb, was zum Ergebnis einen leeren selbigen am Sonntagmorgen und ordentliche Blähungen in der Nacht hat. Was die Schnitzel-Salat-Orgien angeht, die beginnen bereits Samstag zum Frühstück, Schnitzel wegen dem Eiweiß und Salat geht ja immer. Beim letzten Schnitzel ist es auch schon Sonntagabend, obwohl als drei vollständige Menüs vorherberechnet. Und die Champignons müssen sowieso weg, genau wie die Tomaten, die man so prima zwischendurch mit Mozzarella wegen der Hitze und Sie wissen schon.
Montags sitze ich vor einem leeren Kühlschrank, das Suppenreservoir ist seit dem letzten Montagsfeiertag (OsterMONTAG, wir erinnern uns?) noch nicht wieder gefüllt und die letzten Dosen spätestens Mittag geplündert. Überhaupt wird man an solchen Tagen unglaublich kreativ. Die Dose geschälte Tomaten, die so lange auf ihre eigentliche Bestimmung wartete, um dann doch nicht mit den italienischen Nudeln zusammengeführt zu werden, sondern sich einen Topf mit Speckwürfeln und Kartoffelstückchen teilt. Die Maiskörner, die in einer Pfanne neben kleingehackten Pepperoni unter zwei Scheiben Restkäse darben.
Wenn dann der letzte Basilikum gerodet, die letzte Suppentüte verrührt und der letzte Speck gebraten, stelle ich fest, dass man von Geld heute nichts mehr kaufen kann. Gegen vier habe ich wieder Hunger. Mehrmals laufe ich in die Küche, öffne Türen von Schränken - namentlich solchen die kühlen - und schließe sie frustriert wieder. Jetzt beginnt die Ablenkungsphase. Das Leben besteht ja schließlich nicht nur aus essen. Ich stelle fest, dass mein CD-Rom Laufwerk nicht richtig funktioniert. Wäre heute kein Feiertag, könnte ich mal eben in einen Computerladen und ein neues kaufen. So aber muss ich mich geschlagen geben. Heute also keine DVD. Lesen geht auch nicht, denn in Büchern essen Menschen meistens irgendwann irgendetwas. Außerdem bin ich zu schwach, um dreihundert Seiten zu stemmen.
Spätestens hier werden meine Leser aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf ungläubig den Kopf schütteln. In diesen Städten gibt es nämlich an jeder Ecke was zu essen. In München ist das anders. München ist katholisch. Alles, was man hier an katholischen Feiertagen in öffentlichen Gebäuden zu essen bekommt, sind Oblaten - jeder nur eine - und davon ist noch keiner satt geworden. Es gibt hier diese hippen Cafés, in denen man den ganzen Tag brunchen kann. BRUN-CHEN, nicht brunften (ist aber irgendwie dasselbe). Da sitzt man dann eingeklemmt zwischen Kinderhochsitzen und Laptops vor zwei Scheiben Serranoschinken für fünffuffzig aber Zucker gibt's nur ein mickriges Tüterl zum Kaffee, weil man muss auf seine Figur achten. Geht mir weg mit dem scheiß, da bringen mich keine zehn Pferde hin. Dönerbuden? Fehlanzeige. Bei schönem Wetter geht noch Biergarten.
Ich am Nachmittag auf mein Fahrrad. Erst quietscht es nur ziemlich bedenklich. Ach ja, die Kette, die wollte ich vor einiger Zeit mal schmieren. Dann geht plötzlich nix mehr. Biergarten auch nicht. Bleibt noch Flughafen oder Tanke. Seit drei Tagen steht mein Auto auf einem strategisch günstigen Parkplatz vor der Türe. Den gebe ich erst wieder mit einem großen Koffer beladen auf. Und weil es nichts blöderes gibt, als zu Fuß zur Tanke - was im Übrigen nur von zu Fuß zum Hauptbahnhof getoppt wird - ist diese Möglichkeit gestorben. Der Mensch kann drei Tage ohne feste Nahrung überleben, da werde ich doch wohl lächerliche 16 Stunden durchstehen. Immerhin wäre es meiner Figur zuträglich. Jetzt wo der Sommer beginnt und die Kleider weniger werden, sollte sich die Körpermitte möglichst nicht umgekehrt proportional verhalten. Somit sind jegliche Alternativen ebenfalls hinfällig. Hunger habe ich trotzdem.
Gegen Abend steigt langsam Panik in mir auf. Ich esse Tic-Tac. Meine Freunde sind entweder im Urlaub oder nicht erreichbar. In meinen täglichen Blogs steht seit drei Tagen nichts neues. Ich fühle mich, als wäre die Welt untergegangen und hätte mich vergessen mitzunehmen. Ich esse einen Kaugummi. Der CD Spieler spielt nicht mehr. So ganz ohne Musik wird mir schmerzlich bewußt, wie leise das Telefon nicht läutet. Ich esse ein Hustenbonbon. Die Fenster sollten auch mal wieder geputzt werden. Irgendjemand grillt im Hof. Ich esse ein Aspirin. Nur noch drei Stunden, dann kann ich ins Bett. Das Kissen muss morgen zur Reinigung. Während ich Decke und Laken neu überziehe, überlege ich, was ich am nächsten Tag alles einkaufe. Noch bevor die Liste geschrieben ist, esse ich den Stift.
In wenigen Stunden habe ich es geschafft. Jetzt ist langsam auch mal gut mit Feiertagen. Gefeiert wird bei mir vor allem, wenn sie vorbei sind. Das ist wie Erwachen aus dem Koma. Am nächsten Tag ist alles wieder normal, die Läden sind geöffnet, die Freunde erreichbar. Und alles ist, als wäre es nie anders gewesen. Einzig dieser dunkle Schatten unter den Augen bezeugt meine persönliche Läuterung. Es könnte sich aber auch um Wimperntusche vom Vortag handeln.
Was mich von den meisten Menschen unterscheidet, ist die Tatsache, dass ich mir ziemlich sicher über den Tag bin, an dem ich sterben werde. Der Tag an dem ich sterbe, wird ein Feiertag sein.
Sonntage sind nur halbwegs schlimm. Meinetwegen darf ein Sonntag auch mit einem Feiertag zusammentreffen. Was auf keinen Fall geht, sind Sonntage gefolgt von Feiertagen. Oder eine Feiertagsserie. Weihnachten beispielsweise ist so ein Fall, obwohl man da noch mit der Barmherzigkeit seiner Mitmenschen rechnen kann. Die schlimmsten Feiertage des Jahres sind Ostern und Pfingsten. OsterMONTAG! PfingstMONTAG! Geht gar nicht, braucht kein Mensch.
An diesen Tagen arbeite ich meistens freiwillig und besonders gerne, denn damit ist meine Grundversorgung gewährleistet. Bin ich wider erwarten zuhause, muss ich mich beizeiten selbst darum kümmern. Also wird Freitag eingekauft, weil man sich als halbwegs normaler Mensch samstags nicht freiwillig in einen Supermarkt begibt, es sei denn, man steht auf Grenzerfahrungen. Freitag Abend, spätestens aber Samstag nachmittag ist fast alles Naschwerk verzehrt. Samstagnacht greife ich auf der Suche nach Süßigkeiten verzweifelt in den Obstkorb, was zum Ergebnis einen leeren selbigen am Sonntagmorgen und ordentliche Blähungen in der Nacht hat. Was die Schnitzel-Salat-Orgien angeht, die beginnen bereits Samstag zum Frühstück, Schnitzel wegen dem Eiweiß und Salat geht ja immer. Beim letzten Schnitzel ist es auch schon Sonntagabend, obwohl als drei vollständige Menüs vorherberechnet. Und die Champignons müssen sowieso weg, genau wie die Tomaten, die man so prima zwischendurch mit Mozzarella wegen der Hitze und Sie wissen schon.
Montags sitze ich vor einem leeren Kühlschrank, das Suppenreservoir ist seit dem letzten Montagsfeiertag (OsterMONTAG, wir erinnern uns?) noch nicht wieder gefüllt und die letzten Dosen spätestens Mittag geplündert. Überhaupt wird man an solchen Tagen unglaublich kreativ. Die Dose geschälte Tomaten, die so lange auf ihre eigentliche Bestimmung wartete, um dann doch nicht mit den italienischen Nudeln zusammengeführt zu werden, sondern sich einen Topf mit Speckwürfeln und Kartoffelstückchen teilt. Die Maiskörner, die in einer Pfanne neben kleingehackten Pepperoni unter zwei Scheiben Restkäse darben.
Wenn dann der letzte Basilikum gerodet, die letzte Suppentüte verrührt und der letzte Speck gebraten, stelle ich fest, dass man von Geld heute nichts mehr kaufen kann. Gegen vier habe ich wieder Hunger. Mehrmals laufe ich in die Küche, öffne Türen von Schränken - namentlich solchen die kühlen - und schließe sie frustriert wieder. Jetzt beginnt die Ablenkungsphase. Das Leben besteht ja schließlich nicht nur aus essen. Ich stelle fest, dass mein CD-Rom Laufwerk nicht richtig funktioniert. Wäre heute kein Feiertag, könnte ich mal eben in einen Computerladen und ein neues kaufen. So aber muss ich mich geschlagen geben. Heute also keine DVD. Lesen geht auch nicht, denn in Büchern essen Menschen meistens irgendwann irgendetwas. Außerdem bin ich zu schwach, um dreihundert Seiten zu stemmen.
Spätestens hier werden meine Leser aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf ungläubig den Kopf schütteln. In diesen Städten gibt es nämlich an jeder Ecke was zu essen. In München ist das anders. München ist katholisch. Alles, was man hier an katholischen Feiertagen in öffentlichen Gebäuden zu essen bekommt, sind Oblaten - jeder nur eine - und davon ist noch keiner satt geworden. Es gibt hier diese hippen Cafés, in denen man den ganzen Tag brunchen kann. BRUN-CHEN, nicht brunften (ist aber irgendwie dasselbe). Da sitzt man dann eingeklemmt zwischen Kinderhochsitzen und Laptops vor zwei Scheiben Serranoschinken für fünffuffzig aber Zucker gibt's nur ein mickriges Tüterl zum Kaffee, weil man muss auf seine Figur achten. Geht mir weg mit dem scheiß, da bringen mich keine zehn Pferde hin. Dönerbuden? Fehlanzeige. Bei schönem Wetter geht noch Biergarten.
Ich am Nachmittag auf mein Fahrrad. Erst quietscht es nur ziemlich bedenklich. Ach ja, die Kette, die wollte ich vor einiger Zeit mal schmieren. Dann geht plötzlich nix mehr. Biergarten auch nicht. Bleibt noch Flughafen oder Tanke. Seit drei Tagen steht mein Auto auf einem strategisch günstigen Parkplatz vor der Türe. Den gebe ich erst wieder mit einem großen Koffer beladen auf. Und weil es nichts blöderes gibt, als zu Fuß zur Tanke - was im Übrigen nur von zu Fuß zum Hauptbahnhof getoppt wird - ist diese Möglichkeit gestorben. Der Mensch kann drei Tage ohne feste Nahrung überleben, da werde ich doch wohl lächerliche 16 Stunden durchstehen. Immerhin wäre es meiner Figur zuträglich. Jetzt wo der Sommer beginnt und die Kleider weniger werden, sollte sich die Körpermitte möglichst nicht umgekehrt proportional verhalten. Somit sind jegliche Alternativen ebenfalls hinfällig. Hunger habe ich trotzdem.
Gegen Abend steigt langsam Panik in mir auf. Ich esse Tic-Tac. Meine Freunde sind entweder im Urlaub oder nicht erreichbar. In meinen täglichen Blogs steht seit drei Tagen nichts neues. Ich fühle mich, als wäre die Welt untergegangen und hätte mich vergessen mitzunehmen. Ich esse einen Kaugummi. Der CD Spieler spielt nicht mehr. So ganz ohne Musik wird mir schmerzlich bewußt, wie leise das Telefon nicht läutet. Ich esse ein Hustenbonbon. Die Fenster sollten auch mal wieder geputzt werden. Irgendjemand grillt im Hof. Ich esse ein Aspirin. Nur noch drei Stunden, dann kann ich ins Bett. Das Kissen muss morgen zur Reinigung. Während ich Decke und Laken neu überziehe, überlege ich, was ich am nächsten Tag alles einkaufe. Noch bevor die Liste geschrieben ist, esse ich den Stift.
In wenigen Stunden habe ich es geschafft. Jetzt ist langsam auch mal gut mit Feiertagen. Gefeiert wird bei mir vor allem, wenn sie vorbei sind. Das ist wie Erwachen aus dem Koma. Am nächsten Tag ist alles wieder normal, die Läden sind geöffnet, die Freunde erreichbar. Und alles ist, als wäre es nie anders gewesen. Einzig dieser dunkle Schatten unter den Augen bezeugt meine persönliche Läuterung. Es könnte sich aber auch um Wimperntusche vom Vortag handeln.
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