Montag, 8. Juli 2019
Penguin


Körperlich bin ich im Pinguinzustand angelangt: Laufen fällt schwer aber im Wasser bewege ich mich ganz hervorragend.
Das ist nicht weiter schlimm, weil Pinguine zu meinen Lieblingstieren gehören. Immer gut gekleidet, die Tollpatschigkeit an Land erobert Herzen und bewirkt gleichzeitig, dass sie von vielen unterschätzt werden. Durch das Wasser gleiten sie pfeilartig und elegant, was wiederum größten Respekt abverlangt.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Abgesehen von einem netten Vergleich habe ich vor langer Zeit einmal folgende Analogie entdeckt, die ich sehr trefflich finde: Das Pinguin Prinzip. Es könnte aber auch sein, dass dieser Eintrag keine Pointe besitzt.

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Samstag, 6. Juli 2019
Falling Awake


Früher ging's mir oft schlecht, aus Gründen. Heute geht's mir gut, obgleich derselben Gründe. Manchmal möchte ich weinen, doch die Tränen wollen nicht kommen. Denn alles hat sich relativiert. Ob das diese Altersweisheit ist, von der man so viel hört? Ich habe das Gefühl, es kann jetzt kaum mehr was kommen, das mich total aus der Bahn wirft. Irgendwie habe ich fast alles durch. Natürlich hadere ich immer ein bisschen mit dem ein oder anderen Zustand. Da ist die körperliche Einschränkung oder die emotionale Sehnsucht, die immer mal wieder aufploppt. Insgeheim hat das aber einen geringeren Stellenwert für mich als eine sich ausbreitende innere Ruhe, wenn ich mich auf das Wesentliche konzentriere. Das Wesentliche ist nämlich, dass ich gelernt habe, meinen Gedanken und Gefühlen zu misstrauen, anstatt mich ihnen hinzugeben. Ich habe gelernt, das alles nur zu beobachten, anstatt dagegen anzukämpfen. Ein sehr rätselhafter Zustand, der mich etwas ratlos zurück lässt. Denn ich kann es nicht erklären. Nicht denen, die nach Erklärungen fragen und nicht den anderen, die zwischen Neid und Argwohn schwanken. Darum lasse ich es einfach so stehen, ohne zu viel zu hinterfragen. Aber immer in der Gewissheit, dass nichts bleibt.

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Donnerstag, 27. Juni 2019
Duck Face

Disclaimer: Den Tieren in diesem Foto wurde kein Schaden zugefügt.

Das Entchen hat ein schweres Leben. Den ganzen Tag an kurzer Leine hinter einem Boot hergezogen werden und selbst am Abend darf es nicht frei schwimmen. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie, wie es den Kopf hängen lässt. Doch es war noch schlimmer. Als sich die Dunkelheit langsam senkte, schwamm ich unbemerkt rüber zum anderen Schiff, um mir ein besseres Bild von der Situation zu machen. Nicht nur schien das Tier generell leblos und apathisch zu sein, es reagierte auch nicht auf Zuruf oder Berührung. Das Ausmaß des tierischen Traumas muss unermesslich sein, wenn selbst Urinstinkte davon betroffen sind. Ich konnte an diesem Abend leider nichts bewegen, ohne illegalen Handlungen bezichtigt zu werden. Doch könnten wir möglicherweise einen Aufruf in den sozialen Medien starten #freetherubberduckie.

Wie ich unlängst in einem Artikel der Zeitschrift Geo las, ist die Qual der Tiere, die für Fotos und andere touristische Attraktionen benutzt werden unermeßlich. Deswegen hier meine Bitte: bleiben Sie solchen Einrichtungen fern. Selbst wenn diese sich damit brüsten, artgerecht zu sein. Sowas wie artgerecht gibt es im Zusammenhang mit wilden Tieren und Touristen nämlich nicht.

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Dienstag, 25. Juni 2019
Sunrise in my heart
Valeria

Einer dieser Momente, die nicht festgehalten werden können. Ein Bild kann die Stimmung, die Stille, das Licht wiedergeben, nicht aber die Erfahrung, das vorher und nachher, das mit hineinschwingt in die Erinnerung an einen Bruchteil Leben.

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Donnerstag, 13. Juni 2019
The heat is on

Hitze ist eine Sache, die ich nur unter einem Sonnenschirm sitzend und bei leichter Brise auf's Wasser blickend mag, während ich mich an gekühlten Getränken erfrische. Klimaanlagen mag ich aber wegen der gefühlt plötzlichen Temperaturschwankung auch nicht. Ich bin der Meinung, dass Frühling und Herbst nur dazu dienen, sich langsam den bevorstehenden Extremtemperaturen anzupassen. Es gab mal eine Zeit, da nahm ich an Tanztrainings teil, die auch bei Innentemperaturen von 36° meine Begeisterung nicht schmälerten. Das ist echte Leidenschaft. Am schlimmsten waren die Stunden mittags und nach einer vollen Profi-Ballettklasse. Der Schweiß körperlicher Arbeit bildete eine Wand, die es beim Eintritt in den Saal zu durchdringen galt. Die Hiphop Lehrerin war jedes Mal ein bisschen stolz, wenn der Schweiß sich 10 Minuten nach Beginn am Spiegel absetzte. Manchmal musste die Klasse deswegen umgestellt werden, denn Tänzer lernen vorwiegend über den Blick in den Spiegel.

Dachgeschossbewohnende kennen mein Leid, wenn die sommerlichen Temperaturen steigen und Nachtschlaf beinahe unmöglich machen. Doch dieses Jahr habe ich beschlossen, Abhilfe in Form eines Ventilators zu schaffen. Nein, nicht irgendeinen Ventilator. Es muss der Apple unter den Haushaltselektrogeräten, der Dyson JB007 sein. Der killt gleichzeitig die bösen Bakterien. Meine heimliche Hoffnung ist, dass dann endlich der Staub unter dem Bett verschwindet. Es saugt und bläst der Heinzelmann...

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Montag, 10. Juni 2019
Ramadama
(bayrisch ugs. etwa: räumen tun wir)

Nachdem ich mehrere Male umgezogen bin und geholfen habe, ein Haus auszuräumen, bin ich leidenschaftliche Ausmisterin geworden. Und das nicht erst seit Marie Kondo. Mit einer Mutter, die nach der Philosophie lebt, man könne alles irgendwann mal wieder brauchen, die aber im Gegensatz zu mir viel mehr Platz hat, klappte die Umsetzung erst mit ein wenig Übung. Denn man könnte sicher genau diese Schachtel in genau dieser Größe für ein Päckchen irgendwann brauchen und genau diesen Nagel würde man sicher vermissen, wäre er erst einmal entsorgt. Dass sich Kleidungsstücke aus Baumwolle zu Putzmaterial umfunktionieren lassen oder man darin noch wunderbar Garten- und Malerarbeiten verrichten kann, muss ich wohl nicht erwähnen. Aber wenn sich die Schachteln in genau dieser Größe türmen, ich aber bei Bedarf wieder keine passende finde, dann ist die Zeit gekommen, alles dem Gott des Sperr- oder Restmülls zu opfern.

So fing ich peu à peu an, mich von Vielem zu trennen. Einiges fand neue Besitzer in Form von Verkäufen, Anderes wurde gespendet. Familienangehörige und Freunde waren erst freudige, später eher zögerliche Abnehmer. Die beste Methode der Entsorgung - so stellte sich bald heraus - ist die Deponierung am Hauseingang. Nach einiger Zeit wunderte ich mich, was da so alles abgeholt wurde. Zunächst vermutete ich, dass Passanten sich die Sachen nehmen, die sie brauchen. Als selbst Kleinmöbel rasant verschwanden, wurde ich misstrauisch. Ich habe nie beobachtet, wer die Sachen abholt. Vielleicht gibt es einen Nachbarn, der seine abendliche Runde änderte, weil er immer wieder Gebrauchtes vor unserem Haus entdeckt. Wahrscheinlicher ist allerdings eine andere These. In meinem Haus wohnt der ehemalige Verwalter. Als die Garagen renoviert wurden und offen standen, sah ich, was er alles darin hortet. Dann gab es eine Zwangsräumung vor ein paar Jahren. Eine Kommode aus dem Bestand steht heute noch im Keller. Mich würde es also nicht wundern, wenn ich eines Tages all meine abgelegten Sachen in einer der Garage entdecke.

Vor ein paar Tagen ging ich meine alte Vinylsammlung durch. Aufnahmen, die ich seit Jahren nicht mehr höre und einige, die ich noch nie gehört habe, packte ich in eine Tüte und stellte sie einem Mieter vor die Türe, der selbst oft Platten bestellt. Für die Straße schienen sie mir zu wertvoll, denn ein Sammlerherz können Sie vielleicht noch zum Schlagen bringen. Tatsächlich bedankte sich der Nachbar, gab mir aber den Stapel mit einer fehlenden Scheibe zurück. Die Schellackplatten werde ich also inserieren (s. Foto oben), alle anderen habe ich wieder in's Regal geräumt. Es könnte ja sein, ich vermisse eines Tages genau diese Platte. Oder ich lerne einen Sammler kennen, der sich freut wie Bolle.

Diesen Film habe ich öfter als jeden anderen gesehen. Holly trennt sich gleichermaßen schnell von Mensch wie Besitz. Vielleicht hat sie ja am Ende Mr. Yunioshi geheiratet und ihre gemeinsame Tochter mit einem Kondo verbandelt.

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Donnerstag, 6. Juni 2019
Let's Get Physical
Sie erinnern sich vielleicht noch an diesen Song? Tiefe Achziger auf dem Höhepunkt der Aerobicbewegung. Wenn ich im Fitnessstudio (wow 3s) bin, sieht das momentan bei mir eher nach Reha als nach Krafttraining aus. Und auch der Vorturner hat mehr an als nur einen, ja wie nennt man das denn gleich, was Superman da über den blauen Leggings trägt? Dafür gibt es doch sicher einen trendigeren Namen als Slip.

Werde ich zur Zeit gefragt, wie es mir geht, frage ich physisch oder emotional? gegen. Da fällt die Antwort nämlich meist unterschiedlich aus. Ich behaupte, das läge am Alter. Stimmt aber bei mir nicht. Also nicht das Alter, sondern die unterschiedlichen Varianten. Heute geht es mir nämlich zum ersten Mal seit langer Zeit auf beiden Ebenen schlecht, und während mein Motto Durchhalten, nicht aufgeben lautet, möchte ich mich jetzt bitte gleich verkriechen und jammern. Morgen dann halte ich wieder durch. Morgen früh, gleich als allererstes.

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Mittwoch, 5. Juni 2019
Treffen, Trinken, Tanzen
Rosentag
©Smilla Dankert

Smilla Dankert hat mit ihren wunderbaren Fotos den Abend des Rosenfestes wieder lebendig gemacht. Sie hat alle(!) Anwesenden nicht nur ins rechte Licht gesetzt, sondern sie durch Bildausschnitt und Arrangement so schön und lebendig festgehalten, dass mir jedesmal beim Betrachten ganz warm ums Herz wird.

Denn so ein Fest lebt von seinen Gästen. Natürlich haben die Kaltmamsell und Herr Rau für die schönste Location, das schmackhafteste Essen&Trinken, die beschwingteste Musik und die schmückendste Dekoration bei der besten Gelegenheit gesorgt. Und dann gefüllt mit so außergewöhnlich angenehmen und interessanten Menschen. Das muss man erst mal nachmachen. Ich habe noch selten so wehmütig die Zeit dahinfliegen sehen, denn jede Begegnung war zu kurz und jeder Song zu schnell vorüber.

Nach vielen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mal wieder ein paar Worte mit Herrn Kid zu wechseln. Sie erinnern sich vielleicht, man traf sich vor einigen Jahren in Wien. Damals habe ich viel gelernt, nicht nur wer Matthew Barney ist, sondern auch wer ich selbst bin. Denn oft stellt man in Interaktionen ein anderes Bild zur Schau, als man gemeinhin von sich selbst hat. Damals hat's gemenschelt aber mit dem nötigen Abstand können wir heute darüber schmunzeln. Auch darüber, dass ich am Ende der Feier manches angeschickert wiederholte, was bereits Stunden zuvor ausführlich besprochen war. Wer hat sich eigentlich die Story mit der Apple ID Frau Klugscheisser auf dem Briefingmonitor zweimal anhören müssen, beim zweiten Mal aber mit versemmelter Pointe? Das muss Frau Brüllen gewesen sein, von der ich im Gegenzug eine ähnliche Story zwei Mal erzählt bekam.

Getroffen habe ich sie, nachdem ich ihren Mann an der Bar ganz beiläufig mit den Worten: "Ich kenne Dich"⎨Pause, in der er die Gesichtserkennungssoftware über alle bis dato gespeicherten Daten laufen lässt⎬ "Du mich aber nicht" verblüffte. Ja, Gesprächsaufhänger kann ich. Tatsächlich stieß ich auf seine Fotos - ehemals bei flickr - vor vielen Jahren, was ich ihm aber nicht verriet, weil man will ja nicht sofort als Stalker enttarnt werden. Mein Plan ging auf und ich durfte an den Tisch folgen, wo zwei reizende Damen bereits sehnsüchtig auf die bestellten Cocktails warteten.

Überhaupt ist das mit dem Stalken so eine Sache. Ich eigne mich dafür nur bedingt, denn ich bin immer noch mit der Zuordnung von (Inernet-)Namen und Gesichtern beschäftigt. Frau Novemberregen hat es mir leicht gemacht und ihren Blognamen sofort verraten. Es folgte ein Gespräch, nein nicht über ihre amüsanten Alltagsschilderungen oder ihre Person, sondern über eine gemeinsame Bekannte. Dabei hätte sie mit Sicherheit noch viel Interessantes über sich zu erzählen gehabt. Da war ich aber schon meiner Tischnachbarin zur Rechten zugewandt, von der ich nicht genau weiß, ob sie neben ihrer beruflichen Veröffentlichungen ein Blog schreibt. Hallo Frau Stedtenhopp, dass ich am Tisch mit Frau Ziefle saß, wurde mir erst durch die nachträgliche Erwähnung so richtig bewusst, obwohl ich mit selbiger ein kleines Tränchen verdrückte, während die Gastgeber ihre Kennenlerngeschichte erzählten.

Dass man sich mit Joel ganz hervorragend und nicht nur über seine Arbeit unterhalten kann, ist kein Geheimnis. Man kann übrigens auch ganz hervorragend mit ihm tanzen.

Foto ©Smilla Dankert

Beim Tanzen habe ich schließlich die Dame aus einem kurzen Buffettalk wiedergetroffen. Naja, eigentlich habe ich sie vor der Türe getroffen und sie dann zum Tanzen eingeladen aber das führt jetzt zu weit. Vor der Türe unterhielten wir uns nämlich über einige Gemeinsamkeiten und Parallelen, die mein spontanes Bauchgefühl bestätigten. Sie kennen das? Man trifft jemanden und ist sofort fasziniert von dieser Person. Ist mir so bisher nur mit Männern passiert und in diesem Zusammenhang gesehen ein bisschen peinlich. Natürlich habe ich das auch schon mit Frauen erlebt, die dann zu Freundinnen wurden aber das war nie so deutlich wie an dem Abend. Vielleicht haben Alkohol und Atmosphäre dazu beigetragen.
Als ihre Begleitung zum Gehen anmahnte, fand ich noch zwei oder drei Gründe - sprich Songs - zum Bleiben, danach entschwand sie in die Nacht. Ich tat es ihr alsbald gleich und klaute Frau Leinen das erwartete Taxi, wofür ich mich am nächsten Tag bei ihr entschuldigte. Denn eigentlich war ich so ehrlich, mich auf Nachfrage nicht als Frau Leinen auszugeben aber gleichzeitig so beschwipst und dankbar über die Aussicht auf schnellstmögliche Bettposition.

Es fällt mir schwer, alle anderen unerwähnt zu lassen, denn unterhalten habe ich mich mit vielen. Papa Kaltmamsell, die Freundin Gundi, Frau Modeste mit dem reizenden F., Frau Croco nebst Gatten (der mich bei der Geschenkeübergabe mit den Worten "alle die hier sind, gehören dazu" aufmunterte), Caro mit Partner, Frau Cucina, die beiden Lehrerinnen ohne Blog, Smilla, und so Viele mögen es mir verzeihen, an dieser Stelle nur kurz erwähnt zu werden. Ach, ach, sollen wir nun 25 Jahre warten oder für ein Nachtreffen zusammenlegen? Nein, eine Wiederholung kann es bei so einem einzigartigen Fest nicht geben. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, denn solche Momente klingen lange nach und hinterlassen ein Gefühl von erfüllt sein. Auf dass es die glücklichen Momente des Jubelpaares noch lange nachfüllen möge.

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Montag, 3. Juni 2019
Vom Urteilen und Verurteilen
Mich faszinieren die Beweggründe eines Menschen. Ferdinand von Schirach begann irgendwann während der Arbeit als Strafverteidiger, darüber Bücher zu schreiben. Ich habe kein kurzes Video gefunden, in denen er seine Ansichten schildert. Wer sich mit Themen wie Schuld, Urteil und Gewissen beschäftigt, kann das nicht hinreichend in fünf Minuten erklären. Deshalb im Folgenden ein längeres Beispiel, in dem er sich mit Gero von Boehm austauscht. In der derzeitigen Diskussion um Mlle Readon wurde ich vor allem durch die Reaktionen wieder daran erinnert.





Alle moralischen Folgen seien hier mal außen vor gelassen, Reaktionen sagen jedoch mehr über die Reagierenden als über die Verursacherin aus. Denn das, wofür wir uns selbst am meisten verurteilen, übertragen wir auch auf andere und verurteilen sie genau dafür. Je unbewußter wir uns dieser inneren Teile sind, umso härter fällt unser Urteil aus. Think about it.

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Sonntag, 2. Juni 2019
The time after

Das Souvenirröschen gedeiht und hat Gesellschaft bekommen. Am Dienstag erreichte mich ein großer Strauß von meinem Arbeitgeber, der mir damit zur Beförderung gratulierte. Hoffen wir, dass ich länger als die Blumen durchhalte. Derzeit plagen mich nämlich wieder arge Schmerzen. Ein bisschen bin ich daran auch selbst schuld.


Vanity my old friend!

Die hohen Schuhe am Rosenfest und am Tag danach bei meiner feierlichen Amtseinführung haben mir den Rest gegeben. Aber was will man machen? Schöne Kleidung kommt auf der richtigen Basis wirkungsvoller zur Geltung. Jedenfalls wirkt das Schuhwerk nicht nur vorteilhaft auf die Haltung im Kleid, sondern leider auch unvorteilhaft auf bestehende körperliche Gebrechen. Und manchmal bedauere ich, dass ich anscheinend das Alter bzw. die zugehörige Weisheit noch nicht erreicht habe, in dem man keinen F mehr gibt. Oder das Schmerzlevel. Hier also mein heutiger Beitrag zum #609060 von letzter Woche,. Übrigens war das Kleid eine Anschaffung von 2011 und passte auch noch ganz knapp. Na schön, ich habe den ganzen Abend die Luft angehalten und vor dem großen Ereignis nur einen Käsewürfel gegessen bevor ich umkippe, wie Emily Blunt in The Devil Wears Prada empfiehlt.



Eigentlich wollte ich aber etwas anderes erzählen. Sie erinnern sich? Die Sache mit der Begegnung mit Anke. Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Ich habe es immer genossen, wenn ich Menschen hinter Blogs oder meine Kommentierenden in echt kennenlernen durfte. Mein Job gab mir dazu oft die Gelegenheit, denn nur wenige wohnen wie ich in München. Als Anke hierher zog und von ihren walks im alten Nordfiedhof schrieb, freute ich mich auf die Aussicht, sie eines Tages dort zu treffen. Dann war das Laufen für mich gesundheitlich eingeschränkt und ich schrieb ihr irgendwann eine unbeantwortete Mail. Danach wagte ich erst mal keinen neuen Anlauf. Nach einer Weile reagierte ich auf ein Blogpost, wobei ich hier keine Antwort erwartete. Und als die Einladung zum Rosenfest kam, freute ich mich über die neue Gelegenheit zum Kennenlernen.

Als ich eintrudelte, waren bereits viele Gäste versammelt. Mein Blick fiel auf eine Gruppe, in der auch Anke und F. standen. Ich stellte mich dazu und vor, danach versiegte meine Eingabequelle interessanter Worte. Und kurz darauf erblickte ich weitere Bekannte, mit denen ich nicht gerechnet hätte, die ich aber unbedingt nach so langer Zeit begrüßen wollte. Mein Abgang war dementsprechend abrupt und unhöflich. Im Laufe des Buffets suchte ich bestimmte Örtlichkeiten auf und lief beim Öffnen der Türe direkt in Ankes Arme. Also nutzte ich die Gelegenheit, um an unser kurzes Eingangsgespräch anzuknüpfen, bis mir auffiel, dass der Ort für ausführliche Konversation ein denkbar ungünstiger war. Tschapperl ich. Man verblieb im Ungewissen, doch ich gab noch nicht auf.

Nach dem Buffet wagte ich mich an den Tisch Oper und Fussball. Ich nahm den freien Platz neben F. ein, der mich schnell in einen interessanten Austausch über den örtlichen Kulturbetrieb einband, während sich Anke mit einer ebenfalls gerade eingetroffenen Dame über Fußball austauschte. Zu diesem Thema kann ich so überhaupt nichts beitragen, denn mein Wissen darüber beschränkt sich auf die Zeit als mein Großonkel mit mir im Kinderwagen die Trainingswiese des FCB besuchte. Dennoch gewann ich aus Anmerkungen den Eindruck, dass Anke eine sehr feinfühlige Person ist. An dieser Stelle gab ich mein Vorhaben auf, schließlich wollte ich sie nicht unnötig bedrängen. Der Zufall führte uns noch einmal an der Bar beim Bestellen von Cocktails zusammen. Da war ich aber nicht mehr so ganz Herr meiner Sinne, die Musik laut und die Zeit fortgeschritten. Ich vertraue also auf den Zufall und darauf, dass er uns an einem passenderen Ort als einer Toilette oder einer Warteschlange zusammenführen wird, wenn es denn sein soll.

Nächstes Mal erzähle ich nicht, wie ich Frau Hingst nicht kennenlernte, denn über sie wird gerade so viel geschrieben. Und ich bedaure die Auswirkungen emotionaler Art, die Menschen derzeit nach der Enthüllungsgeschichte zu tragen haben.
Gestatten Sie mir die Bemerkung, dass in meinem Blog nichts erfunden, nur ausgeschmückt ist. Es sei denn, es handelt sich um eine als solche gekennzeichnete fiktive Geschichte.

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