... newer stories
Freitag, 20. September 2019
Say My Name, Say My Name
frau klugscheisser, 07:34h

Eine Kultur versteht man erst, wenn man die Sprache kennt. Das hat mal jemand behauptet, der klüger ist als ich. Es sind nicht die Schriftzeichen gemeint - wobei die natürlich auch zum Lesen notwendig sind - sondern die Bilder, die Umschreibungen und die Art der Formulierung. So sind die Japaner in einer Sprache mit vielen indirekten Formulierungen unterwegs - man will ja niemanden auf den Schlips treten - während wir Deutschmuttersprechenden im Ausland mit englischen Formulierungen oft sehr hart und direkt unangenehm auffallen. Aussprache ist da noch ein ganz anderes Kapitel. Übrigens können die Japaner - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - sehr wohl ein R aussprechen, sie tun es nur vielleicht nicht an der vorgesehenen Stelle. So ergeben sich Verhörer ganz ungewöhnlicher Natur.
Beispielsweise lernte ich das neue Wort undulated. Verstanden habe ich aber immer underrated. Bei Fragen bezüglich Steigungsgrade der vor uns liegenden Etappe produzierte mein Kopf demnach für underrated terrain der Wirklichkeit nicht entsprechende Bilder. Unterbewertete Hügel waren im Endeffekt nicht so schlimm wie angenommen. Schlimm war dafür der Gegenwind an der Küste. Ja, beim Radfahren kommt der Wind immer von vorne, es gibt aber Steigerungsgrade, beispielsweise in langen, geradlinigen Tunneln, die dann einem Windkanal gleichen. Abgesehen davon verstand ich den Tourguide einigermaßen gut.
Ganz anders als Informationsaustausch funktioniert Humor in Japan. Ich hatte den Eindruck, die Japaner verstehen keine Ironie, sondern nehmen jede Aussage für bare Münze. Nachdem ich mehrfach meine Abneigung gegen das grüne Fahrrad erwähnte, wollte der Mechaniker allen Ernstes blaue Farbe besorgen. Auch mit den Namen ist das so eine Sache. Während ich schon unsere europäischen Namen verwechsle, liegen mir die japanischen sehr quer im Gedächtnis. Tatsuro durfte von uns mit Tats abgekürzt werden, obwohl die Japaner an sich Namen lieber verlängern, indem ein -san angehängt wird. Dieses -san bedeutet so viel wie ehrwürdige/r, wird aber nicht in der direkten Ansprache verwendet. Ich fand's sehr schick und sprach fortan von Tatsan, was wiederum wie der Name eines bekannten Dschungelkönigs klang. Doch so sah Tats bei Weitem nicht aus, eher wie ein Spargelkönig. Andere sprachen von engl.Touch oder Toots, jeder wusste aber instinktiv, wer gemeint war.
Dann gab es da noch einen Taijisan, der in den ersten Tage von mir mit jigong angesprochen wurde - halt irgendwas mit Kampfkunst. Mayuko fuhr das Begleitfahrzeug mit Mechanikzubehör und Gepäck. Meinen englischsprachigen Mitreisenden erklärte ich, sie sollen sich einfach My Joghurt merken, was manche Situation am Frühstückstisch auch nicht gerade erleichterte. Sie war es, die uns allen unsere Namen zum Abschied in japanisch auf ein kleines Blatt Papier malte. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde, bin mir aber nicht sicher, ob ich fortan in japanischen Kreisen nicht Ninja oder amazon oder sogar asshole genannt werde. Ich kann's jedenfalls nicht lesen. Und irgendwie finde ich das da oben auch enttäuschend kurz. Sieht aus wie PT, der Domain Abkürzung für Portugal oder der Abkürzung für part time für Halbtagstrottel. Namen sind in meinen Augen auf japanisch so unterbewertet wie manche Landschaft, ob nun sanft hügelig oder holperig ausgesprochen. Wenn Sie verstehen, was ich meine.
... link
Donnerstag, 19. September 2019
Climbing up that Hill
frau klugscheisser, 18:25h
Beim Duschen musste ich heute feststellen, ich bin jetzt Tricolore. Das kommt davon, wenn man zum Radfahren Hosen in drei verschiedenen Längen trägt. An der Wade braun, über dem Knie ein Streifen heller und ab Hüfte ziemlich weiß. Auch die weißen Hände verraten mich, während der Rest der Arme gut abgedunkelt ist. Es ist leicht zu erraten, was ich die letzten zwei Wochen getrieben habe, denn es gibt nur sehr wenige Sportarten, die sich so in Farbe und Form am Körper manifestieren wie das Radfahren. Man warnte mich vor Hornhaut am Hintern. Ganz so schlimm ist es nicht, obgleich ich noch ein wenig unter den wunden Stellen am Beinansatz leide, die von den Nähten der Unterwäsche rühren. Ich weiß, Sie wollen das nicht so genau wissen, müssen da aber jetzt durch. (Im Übrigen ist Toilettenpapier in Japan so dünn, da kann man durchatmen)
Das heimische Tourenrad kommt mir wie ein Seniorengefährt vor - ich bin eine tiefere Neigung gewöhnt, die mir aber am letzten Tag einen Hexenschuss bescherte - und das Crossbike fühlt sich am Popo wie ein Mercedes an, der jede noch so kleine Unebenheit galant abfedert. Nur wer richtig sportlich gefahren ist, weiß, was speed bumps bei einer Talfahrt bedeuten können. Aber vorher muss man ja immer erst hoch. Das war ich von meiner flachen Heimatstadt nicht gewöhnt, und die Weinbergerklimmungen in meiner Kinderklappradzeit hatte ich erfolgreich verdrängt.
Ganz peinlich wird's, wenn einen dann noch wesentlich ältere Mitmenschen am Berg locker überholen, während man selbst auch mit Hautatmung nicht mehr der Luftknappheit Herr wird. Überhaupt ist die Haut vorwiegend damit beschäftigt, die gerade aufgenommene Flüssigkeit ungefiltert zu verdampfen. Muskelkater hatte ich am Abend nie, auch keine schweren Beine, doch machte mir mein allgemeiner Zustand ein bisschen zu schaffen. Mit dem Fitnesslevel einer Bettlägerigen bin ich angetreten, hatte ich doch Monate mit Schmerzen beim Gehen zu kämpfen, inzwischen spüre ich die massive Verbesserung meiner Grundausdauer.
Meistens wurde nach der ersten Stunde Fahrt eine kurze Pause eingelegt. Die ersten 30km des Tages kam ich deswegen nicht wirklich in Schwung. Doch nach der Mittagspause und einer längeren Strecke spürte ich jeden Tag diesen seltsamen Schub. Als hätte mein Körper einen Schalter umgelegt. Plötzlich gingen Steigungen mühelos und schnell. Da konnte ich als Ausgleich auch mal ein paar Seniorenentmutigen überholen. Und wenn's ganz steil wurde, hatte ich ja noch den großen Vorteil trainierter Oberschenkelmuskulatur. Fitnessstudio, my ass. Wie bei so vielen Dingen findet der eigentliche Kampf aber nicht im Körper, sondern im Kopf statt.
Ich fahre gerne alleine, denn meistens rede oder singe ich. Das ist mir dann immer etwas peinlich. Manchmal hilft mir lautes gut Zureden, manchmal eine gepfiffene Melodie und gelegentlich auch Gesang ohne Worte, weil ich mir die sowieso nie merken kann. Wenn's hart kommt, wechsle ich zu Fluchen oder Jammern. Sie kennen die fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross? Genau, ich stecke dann zwischen Verhandeln und Verdrängen fest. Eine kleine Kostprobe: release your inner Buddha! F*cking NOW! oder Wenn ich das schaffe, dann esse ich nachher zwei Eis oder auch gerne genommen KOMM SCHON! TRITT REIN! gefolgt von lautem Stöhnen und Atemgeräuschen. Die Semiprofis haben mir einen Trick für lange Steigungen verraten. Man darf nicht gucken. Also Kopf nach unten und auf hundert zählen, bevor man wieder hoch schaut. Ich habe in der letzten Woche sehr viel und sehr laut gezählt. In verschiedenen Sprachen - Ichi - Ni - San, also eins, zwei, drei auf japanisch. Rechnen Sie mal aus, wie oft sie das wiederholen müssen, um bis 100 zu kommen.
Seit meiner Rückkehr suche ich mir morgens zwischen 4 und 6 Uhr ein paar Hügel in München, was gar nicht so einfach ist, denn die Stadt im bayerischen Voralpenland ist sehr flach. Einzig der Olympiaberg gibt ein bisschen Steigung her. Den kann man auch öfter hoch fahren, weil ich meist bei drei schon oben bin. Leider ist es um diese Uhrzeit noch sehr dunkel, weshalb das Runter nicht so viel Spaß macht, das ja eigentlich die Belohnung für das Rauf ist - instant gratification sozusagen. Man könnte auch mit Lampe, dagegen wehrt sich aber mein Radsportherz, denn je weniger Klimbim am Rad, umso leichter. Als Kompromiss dient mir eine kleine Stirnlampe, mit der ich vereinzelt entgegenkommende Läufer erschrecke. Bisschen Aufmerksamkeit ist auch eine Art Belohnung. Immerhin hat mich von denen noch keiner überholt.
Warum zur Hölle bin ich aber so früh in dieser gottverdammten Kälte unterwegs? In Gesetzesvorlagen zum Schutz des Flugpersonals steht die schöne Formulierung, die meinen derzeitigen Biorhythmus gut umschreibt: der Körper befinde sich in einem unbekannten Akklimatisierungszustand, und eigentlich meint man damit nicht das Jetlag, das bei Gewöhnung an eine fremde Zeitzone entsteht, sondern ein wildes Durcheinander von Tag und Nacht. Irgendwann wird meinem Körper hoffentlich klar, dass er sich nicht mehr in Japan befindet, schließlich weigerte er sich dort erfolgreich in der ersten Woche gegen vorgegebene Abfahrts- und Schlafenszeiten. Jetzt geht das Spiel wieder von vorne los. Nachts wach, nachmittags müde, die Augen auf Halbmast und die Gedanken kurz vor REM. Wenn ich heute Nacht wieder wach bin, berichte ich weiter. Bis dahin folgen Sie mir bitte in die Kommentare.
Das heimische Tourenrad kommt mir wie ein Seniorengefährt vor - ich bin eine tiefere Neigung gewöhnt, die mir aber am letzten Tag einen Hexenschuss bescherte - und das Crossbike fühlt sich am Popo wie ein Mercedes an, der jede noch so kleine Unebenheit galant abfedert. Nur wer richtig sportlich gefahren ist, weiß, was speed bumps bei einer Talfahrt bedeuten können. Aber vorher muss man ja immer erst hoch. Das war ich von meiner flachen Heimatstadt nicht gewöhnt, und die Weinbergerklimmungen in meiner Kinderklappradzeit hatte ich erfolgreich verdrängt.
Ganz peinlich wird's, wenn einen dann noch wesentlich ältere Mitmenschen am Berg locker überholen, während man selbst auch mit Hautatmung nicht mehr der Luftknappheit Herr wird. Überhaupt ist die Haut vorwiegend damit beschäftigt, die gerade aufgenommene Flüssigkeit ungefiltert zu verdampfen. Muskelkater hatte ich am Abend nie, auch keine schweren Beine, doch machte mir mein allgemeiner Zustand ein bisschen zu schaffen. Mit dem Fitnesslevel einer Bettlägerigen bin ich angetreten, hatte ich doch Monate mit Schmerzen beim Gehen zu kämpfen, inzwischen spüre ich die massive Verbesserung meiner Grundausdauer.
Meistens wurde nach der ersten Stunde Fahrt eine kurze Pause eingelegt. Die ersten 30km des Tages kam ich deswegen nicht wirklich in Schwung. Doch nach der Mittagspause und einer längeren Strecke spürte ich jeden Tag diesen seltsamen Schub. Als hätte mein Körper einen Schalter umgelegt. Plötzlich gingen Steigungen mühelos und schnell. Da konnte ich als Ausgleich auch mal ein paar Senioren
Ich fahre gerne alleine, denn meistens rede oder singe ich. Das ist mir dann immer etwas peinlich. Manchmal hilft mir lautes gut Zureden, manchmal eine gepfiffene Melodie und gelegentlich auch Gesang ohne Worte, weil ich mir die sowieso nie merken kann. Wenn's hart kommt, wechsle ich zu Fluchen oder Jammern. Sie kennen die fünf Trauerphasen nach Kübler-Ross? Genau, ich stecke dann zwischen Verhandeln und Verdrängen fest. Eine kleine Kostprobe: release your inner Buddha! F*cking NOW! oder Wenn ich das schaffe, dann esse ich nachher zwei Eis oder auch gerne genommen KOMM SCHON! TRITT REIN! gefolgt von lautem Stöhnen und Atemgeräuschen. Die Semiprofis haben mir einen Trick für lange Steigungen verraten. Man darf nicht gucken. Also Kopf nach unten und auf hundert zählen, bevor man wieder hoch schaut. Ich habe in der letzten Woche sehr viel und sehr laut gezählt. In verschiedenen Sprachen - Ichi - Ni - San, also eins, zwei, drei auf japanisch. Rechnen Sie mal aus, wie oft sie das wiederholen müssen, um bis 100 zu kommen.
Seit meiner Rückkehr suche ich mir morgens zwischen 4 und 6 Uhr ein paar Hügel in München, was gar nicht so einfach ist, denn die Stadt im bayerischen Voralpenland ist sehr flach. Einzig der Olympiaberg gibt ein bisschen Steigung her. Den kann man auch öfter hoch fahren, weil ich meist bei drei schon oben bin. Leider ist es um diese Uhrzeit noch sehr dunkel, weshalb das Runter nicht so viel Spaß macht, das ja eigentlich die Belohnung für das Rauf ist - instant gratification sozusagen. Man könnte auch mit Lampe, dagegen wehrt sich aber mein Radsportherz, denn je weniger Klimbim am Rad, umso leichter. Als Kompromiss dient mir eine kleine Stirnlampe, mit der ich vereinzelt entgegenkommende Läufer erschrecke. Bisschen Aufmerksamkeit ist auch eine Art Belohnung. Immerhin hat mich von denen noch keiner überholt.
Warum zur Hölle bin ich aber so früh in dieser gottverdammten Kälte unterwegs? In Gesetzesvorlagen zum Schutz des Flugpersonals steht die schöne Formulierung, die meinen derzeitigen Biorhythmus gut umschreibt: der Körper befinde sich in einem unbekannten Akklimatisierungszustand, und eigentlich meint man damit nicht das Jetlag, das bei Gewöhnung an eine fremde Zeitzone entsteht, sondern ein wildes Durcheinander von Tag und Nacht. Irgendwann wird meinem Körper hoffentlich klar, dass er sich nicht mehr in Japan befindet, schließlich weigerte er sich dort erfolgreich in der ersten Woche gegen vorgegebene Abfahrts- und Schlafenszeiten. Jetzt geht das Spiel wieder von vorne los. Nachts wach, nachmittags müde, die Augen auf Halbmast und die Gedanken kurz vor REM. Wenn ich heute Nacht wieder wach bin, berichte ich weiter. Bis dahin folgen Sie mir bitte in die Kommentare.
... link
Dienstag, 10. September 2019
Heatstroke
frau klugscheisser, 18:01h
Die Kilometer sind bei der Fahrt durch Japan nicht das Problem. Dass man jeden davon mit einem halben Liter Schweiß bezahlt schon. Die letzten beiden Tage wurde das Radeln bei durchschnittlich 37° und einer Luftfeuchtigkeit von über 80% zum Höllenritt. Anzeichen von Überhitzung, erst rote Köpfe, dann blasse Gesichter. Bei Pfeifgeräuschen ist der Kessel bekanntlich vom Feuer zu nehmen. Also bin ich die letzten Kilometer nicht mehr selbst gefahren. Eis kann man übrigens atmen, bei der Geschwindigkeit seines Verschwindens gibt es keine andere Erklärung. Man möchte nach dem Aufenthalt in einem klimatisierten Raum nie wieder gegen die heisse Wand laufen.
Mein Popo tut übrigens nur immer kurz weh, wenn ich auf das Fahrrad steige. Das war letztes Jahr in Frankreich schon schlimmer. Und ich wehre mich immer noch, die gepolsterten Hosen zu tragen. Mach‘ ich erst freiwillig, wenn ich 80 bin und unter Inkontinenz leide. Dann sind die aber wahrscheinlich nicht hauteng und aus Polyester. Die Sattelauflage hingegen ist ihr Geld genauso wert wie die sensationelle, selbsttönende Sonnenbrille im ergonomischen Format und die wunderbar leichten, trittfesten Schuhe.
Während ich von daheim breite Reifen und Stoßdämpfer gewöhnt bin, sitze ich hier auf einem Roadbike mit schmaler Bereifung. Gefällt mir inzwischen so gut, dass ich mir ernsthaft die Anschaffung eines dritten Rades überlege, was angesichts des mangelnden Stellplatzes und Anschaffungspreises völliger Irrsinn wäre (es sei denn, man ist Blogger mit Hang zur Kilometervernichtung). Die Qualität des Leihbikes ist erstaunlich gut und der Zustand ganz hervorragend. Neben Überhitzung kämpfe ich ein bisschen mit „hot feet“, was sich anfühlt wie eingeschlafene Füße, jedoch mit einer kleinen Korrektur der Sattelstellung zu beheben ist. Für diese Information musste ich bis Japan reisen, weil der Radlschrauber meines Vertrauens bei Symptomschilderung nur mit den Schultern zuckte.
Morgen soll es übrigens regnen, was mich zum ersten Mal in meinem Leben in Zusammenhang mit Radfahren sehr freut. Die GoreTex Jacke werde ich schön im Rucksack lassen, denn nass wird man sowieso - egal ob von innen oder von aussen. Übrigens ist das ein Ausläufer des Taifuns in der Nähe von Tokyo. Bitte drücken Sie die Daumen für schlechtes Wetter aber gute Flugbedingungen, denn ich möchte nächste Woche wieder heim. Ich freue mich schon auf winterliche Temperaturen und schweißfreies Radln in der Heimat.
Mein Popo tut übrigens nur immer kurz weh, wenn ich auf das Fahrrad steige. Das war letztes Jahr in Frankreich schon schlimmer. Und ich wehre mich immer noch, die gepolsterten Hosen zu tragen. Mach‘ ich erst freiwillig, wenn ich 80 bin und unter Inkontinenz leide. Dann sind die aber wahrscheinlich nicht hauteng und aus Polyester. Die Sattelauflage hingegen ist ihr Geld genauso wert wie die sensationelle, selbsttönende Sonnenbrille im ergonomischen Format und die wunderbar leichten, trittfesten Schuhe.
Während ich von daheim breite Reifen und Stoßdämpfer gewöhnt bin, sitze ich hier auf einem Roadbike mit schmaler Bereifung. Gefällt mir inzwischen so gut, dass ich mir ernsthaft die Anschaffung eines dritten Rades überlege, was angesichts des mangelnden Stellplatzes und Anschaffungspreises völliger Irrsinn wäre (es sei denn, man ist Blogger mit Hang zur Kilometervernichtung). Die Qualität des Leihbikes ist erstaunlich gut und der Zustand ganz hervorragend. Neben Überhitzung kämpfe ich ein bisschen mit „hot feet“, was sich anfühlt wie eingeschlafene Füße, jedoch mit einer kleinen Korrektur der Sattelstellung zu beheben ist. Für diese Information musste ich bis Japan reisen, weil der Radlschrauber meines Vertrauens bei Symptomschilderung nur mit den Schultern zuckte.
Morgen soll es übrigens regnen, was mich zum ersten Mal in meinem Leben in Zusammenhang mit Radfahren sehr freut. Die GoreTex Jacke werde ich schön im Rucksack lassen, denn nass wird man sowieso - egal ob von innen oder von aussen. Übrigens ist das ein Ausläufer des Taifuns in der Nähe von Tokyo. Bitte drücken Sie die Daumen für schlechtes Wetter aber gute Flugbedingungen, denn ich möchte nächste Woche wieder heim. Ich freue mich schon auf winterliche Temperaturen und schweißfreies Radln in der Heimat.
... link
Sonntag, 8. September 2019
Hit the Road
frau klugscheisser, 16:28h

Jedes Mal wenn ich mich in einer fremden Kultur bewege, beobachte ich die Menschen um mich herum sehr sorgfältig. Ich schaue mir an, wie sie alltägliche Dinge tun, wie sie sich bewegen, miteinander umgehen und welche Gepflogenheiten sich von meiner Kultur unterscheiden. Schließlich bin ich Gast und möchte mich korrekt benehmen. Vor allem aber möchte ich niemanden unnötig vor den Kopf stoßen. Manchmal habe ich das Taschentuch schon an der Nase, wenn mir einfällt, dass man sich in Asien nicht schnäuzt, sondern die Pampe lieber in eine Nase und Mund bedeckende Maske laufen läßt.
Mal abgesehen vom Linksverkehr habe ich gleich nach unserer Ankunft die Radfahrgepflogenheiten beobachtet, konnte aber keine allgemeingültigen Regeln ableiten. Da gab es die, die einen fahrradwegähnelnden Streifen am Rand des Gehweges benutzen, jedoch in alle erdenklichen Richtungen. Und dann gibt es die, die mit dem Rad am Straßenrand fahren - ebenfalls in alle erdenklichen Richtungen. Daraus könnten sich folgende Schlussfolgerungen ableiten:
1. es gibt keine allgemeingültigen Regeln für Radfahrer
2. es gibt nicht sofort erkennbare Regeln, die sehr kompliziert sind und
3. es gibt Regeln, die aber permanent missachtet werden, vergleichbar mit München - da radeln die Leute auch kreuz und quer.
Stelle man sich die Situation andersrum vor. Da kommen Leute aus einer anderen Kultur in mein Land und versuchen sich zurechtzufinden. Die Einheimischen missachten jede erdenkliche Regelung, erwarten insgeheim aber von den Touristen oder Neuansässigen, diese Regeln zu kennen und einzuhalten. Davon abgeleitet hätte jede öffentliche Handlung eines Einheimischen gewissermaßen Vorbildcharakter.
Ich bin also nicht nur vom Fahren - insbesondere vom Abbiegen - im fließenden Linksverkehr etwas überwältigt, sondern auch vom Geheimwissen der japanischen Verkehrskultur. Abgesehen davon ist es ungeheuer heiß hier. 36° mit viel Luftfeuchtigkeit laden nicht zum Verweilen an schönen Orten. Man flüchtet eher in kleine Cafés und kitschige Andenkenläden, allesamt stark klimatisiert. Oder man tritt einfach weiter in die Pedale, nutzt den Fahrtwind und endet irgendwann dort, wo Kultur im Kühlen abseits von Touristenströmen stattfindet, nämlich unter der Dusche.
... link
Samstag, 7. September 2019
Tokyo Inn
frau klugscheisser, 23:00h

Noch bin ich nicht dort, zumindest aber auf dem Weg. Und der ist bekanntlich das Ziel. Für 10 Tage durch Japan radeln - wenn Sie mich vor einiger Zeit gefragt hätten, wäre das sicher nicht mein priorisiertes Ferienziel gewesen. Suchen Sie mal hier die Einträge über Japan, da finden Sie etwa drei Seiten, die mein Fremdheitsgefühl diesem Land gegenüber belegen. Gerade ist Nacht und weil ich mal wieder nicht schlafen kann, habe ich selber nachgelesen. Allerdings mag ich Radfahren - zumal neben Schwimmen aufgrund körperlicher Einschränkung derzeit die einzige schmerzlose Fortbewegungsform - und war noch nie weiter als im Umkreis von Tokyo.
Als erstes sind wir nach Osaka geflogen, von dort nach Kyoto gefahren. Wegen der Kultur. Aber die ersten anderthalb Tage geschah vieles nur im Halbschlaf. Großer Erschöpfungszustand und die Frage, wieso man sich das freiwillig antut. Das Licht brennt in den Augen und die Temperaturen sowieso. Hier ist noch immer höchster Hoch-Sommer, während daheim bereits die Janker aus dem Schrank geholt werden. Es ist immer das Gleiche: zwei Tage gemäßigte Temperaturen und man kann sich nicht mehr vorstellen, wie sich Extremwerte anfühlen. Das macht das Kofferpacken nicht einfacher. Dann aber trotz und erst recht Kultur. Fushimi Inari Schrein, kennen Sie. Doch, das sind diese orangefarbenen Torbögen, die kurz hintereinander stehen und dadurch wie ein langer Tunnel oder eine Raupe aussehen, die sich den Berg rauf und runter wälzt.
Wälzen tun sich auch die Menschen da durch - zumal Wochenende. Erinnert mich an‘s Taj Mahal. Auf Bildern scheint immer alles sehr groß, weit und leer, in Wirklichkeit sehr anders. Irgendwann ist dann die Kultur zweitrangig. Man hat Hunger, Durst und ein paar Mückenstiche - Menschliche Bedürfnisse. Immer wieder wundere ich mich in den ersten beiden Tagen, wie viel ich bereits über diese fremde Kultur weiß. Auch über die Pantoffelgepflogenheiten und wann man sie wie rum stellt. Manchmal glaube ich, das weiß ich alles nur, weil ich‘s mal hier gelesen habe. Dann fällt mir wieder ein, ich war der Autor der Beiträge. Seltsam dieses Altern und wo das Wissen hingeht, von dem man so fest glaubte, es sei ein Gut wie ein Haus, das man erwirbt und fortan besitzt.
Ich sitze also hier - es ist dunkel, heiß und unbequem - und ich frage mich, was ich hier tue, denn Fahrradfahren kann ich auch daheim. Nur halt nicht so schön oder so. Die G‘iant Räder sind übrigens nicht schlecht und die Wege noch flach. Morgen Nacht dann mehr, wenn es wieder heißt: Schlaflos im Land der aufgehenden Sonne.

Frühstück am nächsten Morgen. So startet man hier in den Tag.
... link
Mittwoch, 4. September 2019
The Gnome
frau klugscheisser, 15:40h

Das da oben habe ich heute beim Aufräumen im Keller gefunden. Eine Tageszeitung vom 8. April 1959, die zum Schutz vor Macken um Porzellan gewickelt war. Erstaunlich daran finde ich nicht nur, wie gut erhalten so ein 60 Jahre altes Druckerzeugnis ist, sondern auch die Meldungen selbst. Ende März flüchtete der Dalai Lama aus Tibet - eine Woche später berichtete ein deutscher Journalist im Lokalblatt (Starnberger Ausgabe). Das Bild zeigt eine Situation, in der chinesisches Militär auf Tibetaner trifft. Drunter die Überschrift des nächsten Artikels Müssen Gartenzwerge so sein?
Das ist eine Steilvorlage. Machense was draus!
*winkt rüber in die Gartenzwergfabrik
... link
Montag, 2. September 2019
Smalltalk Fails
frau klugscheisser, 11:10h
Wenn Passagiere in höheren Reiseklassen buchen, bezahlen sie gemeinhin viel Geld. Diese Kosten sind nicht in gastronomischer Qualität aufzuwiegen, auch wenn das viele Schnäppchenjäger meinen. Es gibt immer wieder Beispiele, die gerne in höheren Klassen reisen aber die niedrigste bezahlen möchten. Das häufigste Argument ist dann, sie würden auch nichts essen. Das ist uns jedoch relativ gleichgültig. Zum einen ist die Qualität der Speisen in den günstigen Klassen ebenfalls vergleichsweise hochwertig, zum anderen gibt es weitaus mehr Serviceleistungen, für die die Kundschaft mehr zu bezahlen bereit ist, beispielsweise Platz und Komfort bei der Abfertigung oder die persönliche Zuwendung.
Diese persönliche Zuwendung reicht von Smalltalk bis unbürokratischer Hilfestellung im Umgang mit aufgetretenen Ärgernissen. Natürlich helfen wir auch denen, die weniger bezahlen, nur muss dort der zeitliche Aufwand und etwaige Ersatz- oder Entschädigungsangebote vergleichsweise niedriger ausfallen. Und dann gibt es diese Menschen, die so häufig fliegen, dass sie öfter mit Angestellten der entsprechenden Airline als mit eigenen Angehörigen und Freunden sprechen. Viele davon haben nicht einmal die Zeit, Freundschaften zu pflegen. Die sprechen meist sehr gerne mit mir, und es ist immer ein großes Hallo, wenn man sich erneut begegnet. In diese Gespräche flechte ich situationsbedingt schon mal die ein oder andere persönliche Erfahrung ein.
So auch letztens als ich dem Ehepaar, das auf dem Weg in die sizilianischen Ferien war, etwas über's Segeln erzählte und meinte, Segeln sei die teuerste Art unbequem zu reisen. Daraufhin meinte der Herr nur trocken: "Wir besitzen ein Segelboot." Ich glaube nicht, dass ich die Konversation noch geschickt mit der Bemerkung, dass auch der Unterhalt für Segelboote sehr teuer sei, herumreißen konnte. Wer für mehrere tausend Euro fliegt, der rechnet den Unterhalt eines Segelbootes von den Spesen ab. Nicht meine Welt, weshalb es mir schwer fällt, mich darin zurechtzufinden. Die Kollegin wiederum, der ich diese Geschichte erzählte, berichtete von einer Familie mit unzähmbaren Kindern an Bord. Die Mutter entschuldigte sich mit der Bemerkung, man würde normalerweise nicht in so großen Flugzeugen reisen, worauf die Kollegin viel Verständnis für die arme Familie aufbrachte und den Kindern die Welt des Fliegens zeigen wollte. Was die Mutter aber eigentlich meinte, war, dass sie normalerweise mit einem kleinen Flugzeug ihrer Armada an Privatjets reist, mit denen man allerdings keine allzu langen Strecken fliegen kann.
Die Kollegin schämte sich ein bisschen für ihre Naivität. Und für mich war das wieder eine Bestätigung meiner These, dass wir alle immer von uns selbst ausgehen, es aber viel Übung kostet, sich in eine andere Welt hineinzuversetzen. Das bezieht sich übrigens auf jede andere Person, denn jeder Mensch ist ein eigenes kleines Universum.
Diese persönliche Zuwendung reicht von Smalltalk bis unbürokratischer Hilfestellung im Umgang mit aufgetretenen Ärgernissen. Natürlich helfen wir auch denen, die weniger bezahlen, nur muss dort der zeitliche Aufwand und etwaige Ersatz- oder Entschädigungsangebote vergleichsweise niedriger ausfallen. Und dann gibt es diese Menschen, die so häufig fliegen, dass sie öfter mit Angestellten der entsprechenden Airline als mit eigenen Angehörigen und Freunden sprechen. Viele davon haben nicht einmal die Zeit, Freundschaften zu pflegen. Die sprechen meist sehr gerne mit mir, und es ist immer ein großes Hallo, wenn man sich erneut begegnet. In diese Gespräche flechte ich situationsbedingt schon mal die ein oder andere persönliche Erfahrung ein.
So auch letztens als ich dem Ehepaar, das auf dem Weg in die sizilianischen Ferien war, etwas über's Segeln erzählte und meinte, Segeln sei die teuerste Art unbequem zu reisen. Daraufhin meinte der Herr nur trocken: "Wir besitzen ein Segelboot." Ich glaube nicht, dass ich die Konversation noch geschickt mit der Bemerkung, dass auch der Unterhalt für Segelboote sehr teuer sei, herumreißen konnte. Wer für mehrere tausend Euro fliegt, der rechnet den Unterhalt eines Segelbootes von den Spesen ab. Nicht meine Welt, weshalb es mir schwer fällt, mich darin zurechtzufinden. Die Kollegin wiederum, der ich diese Geschichte erzählte, berichtete von einer Familie mit unzähmbaren Kindern an Bord. Die Mutter entschuldigte sich mit der Bemerkung, man würde normalerweise nicht in so großen Flugzeugen reisen, worauf die Kollegin viel Verständnis für die arme Familie aufbrachte und den Kindern die Welt des Fliegens zeigen wollte. Was die Mutter aber eigentlich meinte, war, dass sie normalerweise mit einem kleinen Flugzeug ihrer Armada an Privatjets reist, mit denen man allerdings keine allzu langen Strecken fliegen kann.
Die Kollegin schämte sich ein bisschen für ihre Naivität. Und für mich war das wieder eine Bestätigung meiner These, dass wir alle immer von uns selbst ausgehen, es aber viel Übung kostet, sich in eine andere Welt hineinzuversetzen. Das bezieht sich übrigens auf jede andere Person, denn jeder Mensch ist ein eigenes kleines Universum.
... link
Donnerstag, 29. August 2019
Famous People
frau klugscheisser, 16:07h
Mit dem Berühmtheitsgrad ist das so eine Sache. Manche Menschen glauben, nur weil sie in irgendeinem B-Format im Privatfernsehen zu sehen waren, müsse sie alle Welt kennen. Die führen sich manchmal an Bord auf wie die Axt im Walde. Ein schönes Beispiel hierfür war eine ehemalige Talkshowmoderatorin - eine der ersten ihrer Gilde - und eine deutsche Sängerin der populären Musik, die hierzulande vor allem durch eine Dokusoap den breiten Massen bekannt ist. Und dann gibt es die anderen, die Bescheidenen, die nicht voraussetzen, dass man sie kennen müsse und sie deswegen Sonderbehandlung erwarten könnten.
So einer stieg einst auf einer Europastrecke bei mir ein. Ich erkannte ihn nicht sofort, doch etwas in mir meinte, diesen Herrn schon einmal gesehen zu haben. Ein Blick auf meine Passagierliste verriet mir seinen Namen. Leider konnte meine Kollegin aufgrund ihres jungen Alters keinen Zusammenhang zwischen der Person und der von mir geschilderten Berühmtheit herstellen. Wahrscheinlicher ist, dass es sich einfach um eine Nische der Kulturgeschichte handelt, in der sich dieser Mann bewegt, denn wer kennt schon den Gitarrenflamencojazzpopcrossover der Siebziger und Achziger, wenn sie erst viel später für Boybands und Sänger mit Nagetiernamen zu schwärmen begann? Da treffen Welten aufeinander.
Dieser Mann setzte sich also ganz unauffällig auf seinen ihm zugewiesenen Sitzplatz und schlief alsbald ein. Gerne hätte ich noch ein paar Worte mit ihm gewechselt, ihm gesagt, dass ich ihn kenne und seine Musik sehr mag, doch hier bewege ich mich jedes Mal auf dünnem Eis. So sehr es mich reizt, so unerwünscht ist im Grunde der Wechsel von Service- zu Privatperson. Zu meinen Aufgaben gehört auch der Schutz der Privatsphäre einer Person des öffentlichen Lebens. Gelegentlich spüre ich jedoch, dass Berühmtheiten durch Ansprache auch gerne ihr Ego streicheln lassen. Als der Kollege einst Winnetou um ein Autogramm bat, strahlte dieser über das ganze Gesicht. Und auch unser eingangs erwähntes Sternchen ließ sich erst beruhigen, als sie vom Sitznachbarn in ein Gespräch über sich verwickelt wurde.
Leider kam das Gespräch mit dem Gitarrengenie nie zustande. Erinnert habe ich mich an die Begegnung, als ich heute auf ein kleines Video von einem damals sehr erfolgreichen Album stieß. Der andere Gitarrengott steht ihm übrigens in keinster Weise nach. Listen and enjoy:
So einer stieg einst auf einer Europastrecke bei mir ein. Ich erkannte ihn nicht sofort, doch etwas in mir meinte, diesen Herrn schon einmal gesehen zu haben. Ein Blick auf meine Passagierliste verriet mir seinen Namen. Leider konnte meine Kollegin aufgrund ihres jungen Alters keinen Zusammenhang zwischen der Person und der von mir geschilderten Berühmtheit herstellen. Wahrscheinlicher ist, dass es sich einfach um eine Nische der Kulturgeschichte handelt, in der sich dieser Mann bewegt, denn wer kennt schon den Gitarrenflamencojazzpopcrossover der Siebziger und Achziger, wenn sie erst viel später für Boybands und Sänger mit Nagetiernamen zu schwärmen begann? Da treffen Welten aufeinander.
Dieser Mann setzte sich also ganz unauffällig auf seinen ihm zugewiesenen Sitzplatz und schlief alsbald ein. Gerne hätte ich noch ein paar Worte mit ihm gewechselt, ihm gesagt, dass ich ihn kenne und seine Musik sehr mag, doch hier bewege ich mich jedes Mal auf dünnem Eis. So sehr es mich reizt, so unerwünscht ist im Grunde der Wechsel von Service- zu Privatperson. Zu meinen Aufgaben gehört auch der Schutz der Privatsphäre einer Person des öffentlichen Lebens. Gelegentlich spüre ich jedoch, dass Berühmtheiten durch Ansprache auch gerne ihr Ego streicheln lassen. Als der Kollege einst Winnetou um ein Autogramm bat, strahlte dieser über das ganze Gesicht. Und auch unser eingangs erwähntes Sternchen ließ sich erst beruhigen, als sie vom Sitznachbarn in ein Gespräch über sich verwickelt wurde.
Leider kam das Gespräch mit dem Gitarrengenie nie zustande. Erinnert habe ich mich an die Begegnung, als ich heute auf ein kleines Video von einem damals sehr erfolgreichen Album stieß. Der andere Gitarrengott steht ihm übrigens in keinster Weise nach. Listen and enjoy:
... link
Dienstag, 27. August 2019
Uschi goes to Hollywood
frau klugscheisser, 22:46h

Das ist Uschi. Uschi ist Flugbegleiterin. Manchmal heißt Uschi aber auch Inge, nämlich dann, wenn auf einer Party mal wieder jemand jemanden kennt, der auch da arbeitet und ich diese Person ganz bestimmt kennen müsse. Die Inge, ja wie heißt die denn gleich mit Nachnamen, also die Familie heißt Müller, dann heißt sie wohl Inge Müller, ach so ein Zufall aber auch, wie, es gibt so viele bei euch mit dem Namen, die hat so längere glatte Haare, also so einen Pagenschnitt, blond, die kennst du ganz bestimmt. Leider habe ich schon so viele blonde Inge Müllers mit Pagenschnitt getroffen, dass ich der Beschreibung keine bestimmte Person zuordnen kann. Ich vergleiche das dann anschaulich mit Urlaubsbekanntschaften. Ach, sie sind aus Köln? Dann kennen sie bestimmt den Peter, der ist so mittelgroß, eher unauffällig, ja, dem sind sie ganz bestimmt beim Bäcker schonmal begegnet. Nein? Ach aber irgendwann treffen sie den bestimmt, dann richten sie unbedingt schöne Grüße von mir aus. Na? Klickts?
Darum soll es aber heute nicht gehen. Heute hatte ich ein internes Vorstellungsgespräch für eine neue Aufgabe. Etwa zwei Stunden vor dem Termin, als ich nach der genauen Uhrzeit suchte, fiel mir dieser Satz im längeren Anschreiben auf. Da stand, ich solle eine kurze Präsentation vorbereiten. Da hatte ich sofort Blutdruck, denn fast eine Stunde benötige ich für die Anfahrt und die Kleiderfrage hing auch noch in der Schwebe. Also improvisieren. Kann ich. Es sind viele Karten mit Symbolbildern geworden, von denen eines die Zeichnung oben ist. Soll meine Mutter noch einmal behaupten, ich hätte meine Schulzeit nicht sinnvoll genutzt, wenn ich unter der Bank kleine Cartoons mit Erlebnisberichten für die Freundin auf Spickzettel malte. Heutzutage macht man das via Whatsup. Da ich jedoch eine virtuelle Präsentation nicht mal schnell aus dem Ärmel schüttle, mussten die Stifte her.
Die Präsentation war natürlich viel länger als anberaumt, da jedes kleine Bildchen gewürdigt werden wollte. Da bin ich eigen. Notfalls wird im weiteren Gesprächsverlauf mit Fingerzeig auf das ein oder andere Kärtchen angeknüpft. Improvisation, ich erwähnte es bereits, gehört zu meinen Kernkompetenzen. Die Eingangsfragen geschickt umschiffen, ausholen, weit, weit ausholen, um sich dann in einem völlig anderen Thema wiederzufinden, weil dazu dieses noch unerwähnte Kärtchen passt, und dann nach einem zehnminütigen Monolog feststellen, dass ich die Eingangsfrage vergessen habe, jedoch noch nicht zum Aufgeben bereit sein und nochmals 5 Minuten rumschwurbeln, während ich krampfhaft nach der ursprünglichen Frage im Kurzzeitgedächtnis krame, kann ich auch. Manchmal habe ich Glück. Ausserdem gibt es Menschen, die mir auf meinen Gedankenwegen bereitwillig folgen und sich die Information aus meinem Monolog herausziehen, die sie durch ihre Fragen in Erfahrung bringen wollten. Ich glaube, ich wäre der geborene mittlere Managementtyp. Sehr überzeugend, sehr inkompetent aber immer eine kleine Analogie oder Anekdote auf den Lippen.
Wie kriege ich jetzt die Kurve zum heutigen Gespräch? Naja, ich hätte da noch ein paar Symbolbilder in den Kommentaren. Ziehen Sie einfach ein paar eigene Schlüsse:
... link
Montag, 26. August 2019
Kill em with Kindness
frau klugscheisser, 21:37h
Man könnte meinen, Kanada sei den Vereinigten Staaten ziemlich ähnlich, was Mensch und Kultur angeht. Wenn ich in Kanada bin, dauert es etwa eine Viertelstunde, bis ich mich wieder an den Unterschied gewöhnt habe. Während nämlich in USA die Menschen nur freundlich sind, wenn sie was verkaufen wollen, sind es die Kanadier von Natur aus. Auf der Straße weicht man sich aus, lächelt sich gelegentlich an und Türen werden ganz selbstverständlich aufgehalten, selbst wenn Nachfolgende noch zehn Schritte entfernt sind. Manchmal sprechen die Leute auch mit Fremden auf der Straße. Das ganze geschieht mit einem Selbstverständnis, dass mir immer ganz warm um's Herz wird. Dann schäme ich mich ein bisschen, weil ich mir ungehobelt vorkomme. Nur die Touristen, die in Scharen auftreten, die lassen erahnen, wie es für gewöhnlich im Rest der Welt zugeht. Das erstaunliche ist, dass man sich sehr schnell an Freundlichkeit gewöhnen kann, vorausgesetzt, man ist offen für Veränderung. Zurück im Münchner Nahverkehr bleibt leider der Kulturschock nicht aus. Und ich seufze still in mich hinein. Oh wie schön ist Kanada.
... link
... older stories