Freitag, 15. Juli 2011
Midsummer Nights
Es ist Zeit für die Goldbergvariationen. Eigentlich wäre es Schlafenszeit, doch in Ermangelung desselbigen höre ich die Musik, die Bach für einen schlaflosen Grafen schrieb. Nein, eigentlich schrieb er sie für seinen Schüler, in dessen Obhut jener Graf weilte und der ihm nachts zu Zeiten der Schlaflosigkeit im Nebenzimmer klavierspielenderweise die Zeit vertrieb. So bat Goldberg Bach, für seinen schlaflosen Grafen Variationen zu schreiben. Bach hielt nicht viel von dieser Kunstform, doch ließ sich darauf ein. Es entstand ein Werk, zwar schlicht in seiner Grundform und Harmonieabfolge aber nichtsdestotrotz gefüllt von Phantasie ausgeschöpft bis zur Grenze.



Die Aria ist mein Zuhause. Wenn die Augen leergeweint, die Seele verkrampft und der Kopf nicht zum Denken fähig ist, dann gehe ich mit den Ohren dort hin, wo es mich berührt, streichelt und sanft einlullt. Schon die nächste Variation reisst mich mit gebieterischem Habitus aus der vermeindlichen Sicherheit. Ein stetiger Wechsel von leicht beschwingt, dramatisch, nachdenklich, überschwenglich, pathetisch, konstatierend bis hin zu einem Anflug von Ironie. Bach erzählt eine Geschichte, aus Klängen geformte Charaktere, die lachen, lieben, weinen und wüten. Und alles endet dort, wo es begann, nur um sich zu wiederholen.

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