Sonntag, 12. Juli 2020
Dawning


Meine innere und äussere Recherche ergab: ich bin vollkommen normal. Das mag überraschend klingen, da meine Lebensweise, Biographie und die ein oder andere Art zu reagieren nicht dem entsprechen, was hinlänglich als Norm bezeichnet wird. Was ich damit meine, ist die Tatsache, dass mein Zustand der Traurigkeit, der Ratlosigkeit und der Suche eine Folge von allgemeiner Ratlosigkeit, von Isolation und gesellschaftlichen Einschränkungen ist. Weit klügere Menschen als ich haben die Konsequenz stetiger Individualisierung und Virtualisierung und die damit einhergehende innere Verwüstung bereits durchdacht. Mir fehlte die Verknüpfung zum Gefühl. Man nennt es übrigens Erfahrung, dieses Zuordnen von Wissen zu Gefühlen. Wer Erlerntes nur theoretisch abspeichert, sammelt Wissen, wer das Wissen mit Emotionen verknüpft, sammelt Erfahrung. Schließlich ermöglicht Erleben auch Empathie.

Was mir also konkret fehlt, ist das Gefühl von sozialer Zugehörigkeit. Ich fühle mich, als flöge ich durch luftleeren Raum. Gelegentlich überfällt mich Panik. Diese Attacken werden durch Verlustangst ausgelöst. Noch vor zwei Wochen schrieb ich das:

Alles wiederholt sich. Jeder Tag eine einzige Wiederholung dessen, was gestern, vorgestern oder vor Jahren war. Ich spüre, wie ich mir unmerklich entgleite. Da ist kein Kampfgeist mehr, keine Energie, mich gegen das zu stellen, was ich nicht ändern kann. Festhalten möchte ich mich, doch mein Griff geht in's Leere. Die Rituale werden zur leeren Hülle.

Insgesamt erlebe ich das, was Viele erst im letzten Lebensabschnitt kennenlernen, wenn die Erwerbstätigkeit und familiäre Aufgaben wegfallen, wenn große Lebensziele nicht mehr zu erwarten und sie völlig auf sich selbst zurückgeworfen sind, wenn Ablenkungs- oder Verdrängungsmechanismen nicht mehr greifen. Diese Mechanismen griffen übrigens noch nie besonders gut bei mir, weil ich sie für gewöhnlich zu schnell enttarne. Wiederholung ist an sich nichts Schlechtes, ihre Schönheit liegt darin, dass wir jedes Mal besser werden können. Wenn aber nach Abzug von allem Sinnstiftenden nichts mehr bleibt als sich wiederholende Tätigkeiten wie aufstehen, waschen, essen, schlafen, nützen auch die schönen Sprüche nicht. Dann macht über kurz oder lang auch das Aufstehen, waschen, essen und schlafen keinen Sinn mehr. Im Grunde wiederholt sich Lebendes nicht. Der Kreislauf vom Wachsen und Vergehen ist nur mikroskopisch wahrnehmbar. Vieles, wie das Älterwerden beispielsweise, wird erst in der Retrospektive erkennbar. Anderes reißt uns mit einem Knall aus der gewohnten Eintönigkeit. Es geht also darum, die mit Veränderung einhergehende Unsicherheit - im Umkehrschluss den Verlust einer Sicherheitsillusion - auszuhalten und anzunehmen.

Soweit ist alles wie immer. Seit Virus unseren Alltag auf den Kopf stellt, funktioniert aber nichts mehr wie früher. Während die Einen noch an altbewährten Strategien festhalten, zerfällt bei Anderen die letzte Säule ihres Daseins: das Netz reziproker Beziehungen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was mir besonders fehlt. Aufgrund meiner beruflichen Funktion bin ich in engem Austausch mit Passagieren und Kollegen. Das sind oft nur belanglose Gespräche, die so jedoch nie in einem Supermarkt stattfinden würden, ohne dass mich seltsame Blicke träfen. Das ist eine Form von Fürsorge für Fremde, die auf der Straße als übergriffig deklariert würde. Das ist das füreinander Einstehen im Kollegenteam, wie es sonst nur in einer Notlage erlebbar wäre. Die Frage, wieso uns das Virus nicht solidarisiert, ist schnell beantwortet: erstens ist die Bedrohung nicht sichtbar und zweitens unterbindet sie menschliche Nähe. Während sich Menschen bei anderen Bedrohungen instinktiv zusammenrotten, ist genau das jetzt die Gefahr. Kurz, das Virus stellt den Überlebensinstinkt einmal auf den Kopf. Wir können bei räumlicher Nähe nicht überleben, ohne menschliche Nähe werden wir aber seelisch sterben.

Eigentlich ist es nämlich die seelische Nähe, die unser Überleben instinktiv sichert. Sich öffnen und verletzbar machen geht oft nur noch in engen Zweierbeziehungen oder in familiärer Konstellation. Eine tiefe zwischenmenschliche Beziehung setzt eine tiefe, ehrliche Beziehung zu sich selbst voraus. Wer seine dunklen Seiten fürchtet, wird sie vor sich verstecken und sie im Gegenüber auch nicht sehen wollen. An Stelle von berührenden Begegnungen wuchs über die Jahre gefilterte Selbstdarstellung. So füttern wir uns gegenseitig mit Zucker statt Brot und wundern uns, dass wir trotzdem hungrig bleiben. Ich bewundere Leute, die über ihre Schwächen reden und über ihre tägliche Anstrengung, Leute, die sich für ihre Ehrlichkeit nicht schämen. Räumliche Nähe kann über vieles hinwegtäuschen - ihr jetziges Fehlen offenbart die eigentliche Sehnsucht nach tiefer Verbindung umso stärker.

Dass uns die Zwangspause zum Umdenken oder gar zu persönlicher Entwicklung anregen würde, die uns einander näher bringt, wird wohl Wunschdenken bleiben. So verstecken wir uns noch mehr hinter verschlossenen Türen, obwohl wir nach menschlichen Begegnungen dürsten. Die Parties, das Aufbegehren gegen Vorsichtsmaßnahmen sind ein verzweifeltes Festhalten an Bekanntem. Noch wird sich gegen die Botschaft gesträubt, dass eine Veränderung in der inneren Einstellung des Einzelnen beginnt und nach draussen rebelliert. Es ist auch viel einfacher, Fehlverhalten beim Nächsten anzuprangern als bei sich selbst. Noch funktioniert der Mechanismus der kognitiven Dissonanz hervorragend. Möglicherweise sind die düsteren Filme eines einzelnen Überlebenden in einer verwüsteten Umgebung nicht Utopie, sondern einzig mögliche Konsequenz. Denn so lange noch irgendetwas funktioniert, machen wir weiter mit der inneren wie äusseren Zerstörung.

Was mich rettet, sind die wenigen Gelegenheiten, bei denen ich mich von anderen emotional berühren lasse oder sie berühre, sind die Begegnungen ohne Seelenmaske, bei denen sich zwei Menschen vorurteilslos zuhören, ohne Scham in die gemeinsamen Abgründe schauen oder sich an der Existenz des Gegenüber erfreuen. Ich hoffe sehr, es wird immer mehr Menschen geben, die ähnlich empfinden. Denn nur so wird alles erträglicher.

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Dienstag, 5. November 2019
Walk Away
Es ist alles ein bisschen vertrackt. Ich bin müde, sehr müde und kann gleichzeitig nicht schlafen, weil alles in meinem Kopf sehr schnell läuft. Termine koordinieren, abgleichen, recherchieren, entscheiden, neu sortieren. Früher hätte ich ungeachtet der Tageszeit einfach die Schuhe angezogen und wäre losgelaufen - ohne Ziel, ohne Richtung, einfach laufen, wohin die Füße tragen. Heute tragen die Füße aber nicht mehr richtig. Manchmal knicke ich weg, wenn ich zu schnell aufstehe, meistens sind Schritte mit kurzen, scharfen Stichen verbunden, die ich gerne vermeiden möchte, indem ich das Bein anders belaste. Das geht schon eine ganze Weile so, und ich frage mich, wie lange es wohl dauert, bis ich wieder mein altes Gangbild haben werde. Der federnde Schritt, schwungvoll, rund und unbeschwert, der mir eigen war, ich vermisse diese Bewegung so sehr. Mein Körper ist seit einem halben Jahr verkrampft auf Schmerzvermeidung programmiert.

Ich laufe vorsichtig, langsam, ziemlich schwerfällig insgesamt. Manchmal denke ich, das bilde ich mir alles nur ein und zwinge mich, beim Gehen nicht mit dem Körper von einer Seite auf die andere zu schwingen. Dann durchzuckt mich einer dieser elektrisierenden Nervenimpulse. Er erinnert mich daran, dass der Geist eben nicht immer Herr über die Materie ist. Man sagt, das Alter bringe Weisheit, und vielleicht ist diese Weisheit eine direkte Folge von körperlichen Schmerzen. Ich lerne zu akzeptieren, umzulenken und mich zu arrangieren. Als ob ich mich in jeder Phase meines Lebens neu erfinden müsse, neu definieren und anders weitermachen. Hauptsache weiter.

Einer sagte mal, das Leben verlaufe nicht in Phasen und wieso ich das alles so scharf abtrennen müsse. Bei mir gab es immer schon tiefe Einschnitte. Ein Berufswechsel, ein Wohnortwechsel, ein vorher und ein danach. Ich kann das nicht mit sanften Übergängen. Auch so eine Lektion, die angeblich mit dem Älterwerden kommen soll. Vielleicht kommt das aber nur für die, die sich durch den vorgegebenen Alltag mit geringstmöglicher Störung treiben lassen. Möglichst keine Katastrophen und das bisschen Unzufriedenheit wird einfach wegrationalisiert. Das funktioniert bei mir nicht. Ich brauche Abwechslung, Bewegung, im Kopf wie im Körper, laufe dabei schon mal gegen Wände, weil ich Unmögliches als solches nur schwer akzeptiere. Für die einen ist Weisheit sowas wie Abfinden mit dem Unumgänglichen, für die anderen bedeutet es, die eigenen Ressourcen bestmöglich einzusetzen. Ich stehe noch irgendwo dazwischen.

Oft genug möchte ich einfach weglaufen; vor mir selbst oder vor der Situation. Und manchmal träume ich dann, dass ich renne. Im Traum laufe ich ohne Erschöpfung und ohne Schmerzen. Ich laufe mit dem Gefühl, niemals mehr anhalten zu müssen, nicht zum Luftholen und nicht zum Schlafen. Einfach weiterlaufen, bis etwas Schönes meine Aufmerksamkeit fängt. Dann bleibe ich stehen, um es zu betrachten. Ich könnte natürlich jederzeit weiterlaufen, es ist aber schöner zu bleiben. Ich glaube, das ist dann wieder eine dieser Phasen, eine selbstgewählte. Fast kommt es mir vor, als müsse man zur Weisheit erst gezwungen werden. Fürwahr kein besonders begehrenswertes Konzept.

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Freitag, 20. September 2019
Say My Name, Say My Name

Eine Kultur versteht man erst, wenn man die Sprache kennt. Das hat mal jemand behauptet, der klüger ist als ich. Es sind nicht die Schriftzeichen gemeint - wobei die natürlich auch zum Lesen notwendig sind - sondern die Bilder, die Umschreibungen und die Art der Formulierung. So sind die Japaner in einer Sprache mit vielen indirekten Formulierungen unterwegs - man will ja niemanden auf den Schlips treten - während wir Deutschmuttersprechenden im Ausland mit englischen Formulierungen oft sehr hart und direkt unangenehm auffallen. Aussprache ist da noch ein ganz anderes Kapitel. Übrigens können die Japaner - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - sehr wohl ein R aussprechen, sie tun es nur vielleicht nicht an der vorgesehenen Stelle. So ergeben sich Verhörer ganz ungewöhnlicher Natur.

Beispielsweise lernte ich das neue Wort undulated. Verstanden habe ich aber immer underrated. Bei Fragen bezüglich Steigungsgrade der vor uns liegenden Etappe produzierte mein Kopf demnach für underrated terrain der Wirklichkeit nicht entsprechende Bilder. Unterbewertete Hügel waren im Endeffekt nicht so schlimm wie angenommen. Schlimm war dafür der Gegenwind an der Küste. Ja, beim Radfahren kommt der Wind immer von vorne, es gibt aber Steigerungsgrade, beispielsweise in langen, geradlinigen Tunneln, die dann einem Windkanal gleichen. Abgesehen davon verstand ich den Tourguide einigermaßen gut.

Ganz anders als Informationsaustausch funktioniert Humor in Japan. Ich hatte den Eindruck, die Japaner verstehen keine Ironie, sondern nehmen jede Aussage für bare Münze. Nachdem ich mehrfach meine Abneigung gegen das grüne Fahrrad erwähnte, wollte der Mechaniker allen Ernstes blaue Farbe besorgen. Auch mit den Namen ist das so eine Sache. Während ich schon unsere europäischen Namen verwechsle, liegen mir die japanischen sehr quer im Gedächtnis. Tatsuro durfte von uns mit Tats abgekürzt werden, obwohl die Japaner an sich Namen lieber verlängern, indem ein -san angehängt wird. Dieses -san bedeutet so viel wie ehrwürdige/r, wird aber nicht in der direkten Ansprache verwendet. Ich fand's sehr schick und sprach fortan von Tatsan, was wiederum wie der Name eines bekannten Dschungelkönigs klang. Doch so sah Tats bei Weitem nicht aus, eher wie ein Spargelkönig. Andere sprachen von engl.Touch oder Toots, jeder wusste aber instinktiv, wer gemeint war.

Dann gab es da noch einen Taijisan, der in den ersten Tage von mir mit jigong angesprochen wurde - halt irgendwas mit Kampfkunst. Mayuko fuhr das Begleitfahrzeug mit Mechanikzubehör und Gepäck. Meinen englischsprachigen Mitreisenden erklärte ich, sie sollen sich einfach My Joghurt merken, was manche Situation am Frühstückstisch auch nicht gerade erleichterte. Sie war es, die uns allen unsere Namen zum Abschied in japanisch auf ein kleines Blatt Papier malte. Eine sehr schöne Geste, wie ich finde, bin mir aber nicht sicher, ob ich fortan in japanischen Kreisen nicht Ninja oder amazon oder sogar asshole genannt werde. Ich kann's jedenfalls nicht lesen. Und irgendwie finde ich das da oben auch enttäuschend kurz. Sieht aus wie PT, der Domain Abkürzung für Portugal oder der Abkürzung für part time für Halbtagstrottel. Namen sind in meinen Augen auf japanisch so unterbewertet wie manche Landschaft, ob nun sanft hügelig oder holperig ausgesprochen. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

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Dienstag, 20. August 2019
Feelings


Fragen Sie mal jemanden, was er fühlt, wenn das Gefühlspendel nicht in die ein oder andere Richtung ausschlägt. Die Person wird's nicht auf Anhieb wissen und nach ein wenig Bedenkzeit den Zustand als ruhig oder ausgeglichen beschreiben. Wenn die Gefühlsskala aber auf Maximum steht kann sie's sofort benennen. Im Grunde sind Gefühle also meist gesteigerte Erregungszustände. Angst, Wut, Trauer, Hass aber auch positive Gefühle wie Verliebtheit, Glück, Fröhlichkeit, alles zählt da drunter. Selbst Langeweile und Unzufriedenheit sind nichts anderes als Erregungszustände. Und die wollen wir gerne vermeiden, weil Erregungszustände anstrengend und auf Dauer sogar schädlich sein können. Das Vermeiden haben wir seit unserer Kindheit gelernt. Wir sind Meister in Vermeidungstaktiken wie die Ablenkungsindustrie und vor allem die Häufigkeit von Suchtverhalten zeigen. Wer sich davon ablenkt, hat aber die Gefühle deswegen nicht ausgeschalten, er hat sie nur in eine dunkle Ecke gedrückt. Da warten sie, bis sie uns in einem unaufmerksamen Moment hinterrücks überfallen. Manchmal erscheinen sie nicht als die ursprünglichen, sondern in abgewandelter Form. Wut ist so ein Beispiel. Meistens entsteht Wut aus Unterdrückung und war ursprünglich Verletztheit oder Angst.

Es gibt sehr viele wütende Menschen da draussen. Die projezieren diese Wut fast immer auf andere. Dabei sind sie im Grunde auf sich selbst wütend. Sie fragen sich sicher, wo dieser Beitrag hinführen soll. Wutbürger? Ausländerhass? Nein, dazu bin ich viel zu unpolitisch. Ich beobachte nur - fast immer erst mal mich selbst. Viele meiner Vermeidungsstrategien - rauchen, essen und noch paar andere, selbstzerstörerische - entstanden aus unterdrückter Traurigkeit oder Langeweile. Ich brauche ein Überdruckventil, wenn ich keinen Schaden nehmen will. Oder ich mache das, was eigentlich die ursprünglichste Strategie ist. Ich fühle. Gefühle haben nämlich nur einen Sinn: sie sind zum Fühlen da. Und noch viel erstaunlicher ist die Tatsache, dass sie relativ schnell vergehen, vorausgesetzt ich lade sie gedanklich nicht mit Bedeutung auf.

Klingt ein bisschen kompliziert, doch mit etwas Übung gelingt mir das ganz gut. Dann warte ich die paar Minuten ab anstatt zu essen, Nagelhaut zu kauen oder mich sonstwie abzulenken. Ein bisschen disziplinieren muss ich mich aber schon, weil mein Kopf natürlich immer was draus machen will. Ich kann aber bewußt entscheiden, die Frage nach dem Ursprung meiner Gefühle sein zu lassen. Viele Erregungszustände entstehen nämlich nur aus sehr trivialen Gründen: Schlafmangel, hormonelles Ungleichgewicht oder einfach ein kurzer Anstieg des Adrenalinspiegels. Da muss ich nicht drüber grübeln, das ist einfach so. Ich kann dem also Bedeutung beimessen oder es einfach wahrnehmen. Also meine Gefühle fühlen. Denn zu fühlen heisst gleichzeitig auch, lebendig zu sein.

Na schön, das war jetzt ein bisschen abgehoben. Ich fahre allerdings damit ganz gut. Und heute stieß ich auf das obige Motto. Das ist aus einer Sammlung von Kärtchen für jeden Tag, die spiritual AF heißt und die nicht so spirituell sind, wie der Name prophezeit. Gefunden in einem Scherzartikelladen in Vancouver auf der Suche nach einem Abschiedsgeschenk für eine Kollegin. Fand ich nach kurzer Überlegung dann doch nicht so passend. Also bekam sie eine Tasse mit Vancouver-Motiv, über die sie sich sehr gefreut hat. Und ich freue mich jetzt an den Kärtchen.

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Freitag, 26. Juli 2019
Cruel Summer
Auf der Suche nach einem den Temperaturen angepassten Titel klassischen Verhörer entdeckt: Ich singe seit 36 Jahren It's a cool, cool summer ohne mich darüber zu wundern. Muss man auch erst mal hinkriegen.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass es damals kein Internet gab, in dem man mal schnell die Texte googelte.

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Donnerstag, 27. Juni 2019
Duck Face

Disclaimer: Den Tieren in diesem Foto wurde kein Schaden zugefügt.

Das Entchen hat ein schweres Leben. Den ganzen Tag an kurzer Leine hinter einem Boot hergezogen werden und selbst am Abend darf es nicht frei schwimmen. Wenn Sie genau hinsehen, erkennen Sie, wie es den Kopf hängen lässt. Doch es war noch schlimmer. Als sich die Dunkelheit langsam senkte, schwamm ich unbemerkt rüber zum anderen Schiff, um mir ein besseres Bild von der Situation zu machen. Nicht nur schien das Tier generell leblos und apathisch zu sein, es reagierte auch nicht auf Zuruf oder Berührung. Das Ausmaß des tierischen Traumas muss unermesslich sein, wenn selbst Urinstinkte davon betroffen sind. Ich konnte an diesem Abend leider nichts bewegen, ohne illegalen Handlungen bezichtigt zu werden. Doch könnten wir möglicherweise einen Aufruf in den sozialen Medien starten #freetherubberduckie.

Wie ich unlängst in einem Artikel der Zeitschrift Geo las, ist die Qual der Tiere, die für Fotos und andere touristische Attraktionen benutzt werden unermeßlich. Deswegen hier meine Bitte: bleiben Sie solchen Einrichtungen fern. Selbst wenn diese sich damit brüsten, artgerecht zu sein. Sowas wie artgerecht gibt es im Zusammenhang mit wilden Tieren und Touristen nämlich nicht.

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Sonntag, 1. September 2013
I'm so tired
Nach einer Phase der großen Anstrengung nun das after adrenaline Loch. Ich merke, wie mit dem letzten Satz meiner Abschlussarbeit die gesamte Energie aus mir herausschnurrt, wie die Luft aus einem Ballon. Vier Jahre Disziplinierung, vier Jahre Zurückstellen von anderen Dingen, vier Jahre des inneren Kampfes gegen das Aufgeben und das Ziel nicht verlieren. Zudem macht mir meine Verletzung schwer zu schaffen. Ich kann mich nicht ohne Schmerzen sportlich betätigen, ganz zu schweigen von langem Stehen und Gehen in der Kabine. All das zehrt sehr am Gemüt. Aber weil ich schon groß bin und so manche Unwetter überstanden habe, weiß ich, dass ich jetzt einen Fuß vor den anderen setzen muss. Nicht vordenken, nicht planen oder zweifeln, einfach einen Schritt und dann den nächsten. Und vor allem, mich dem Gefühl der Leere und Verzweiflung nicht hingeben. Ein Schritt nach dem anderen. Manches ergibt sich, wenn es gut ist. Manches kann ich gar nicht so planen, wie es sich dann als sinnvoll herausstellt. Anderes sollte ich lieber lassen. Das ist die Wand und der Kopf, der durch will. Aber die Wand ist meistens stärker. Also suche ich Türen, statt aus dem Fenster zu springen. Irgendwann wird alles wieder anders. Ich bin sicher. Fast.

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Dienstag, 20. August 2013
I Can't Get No Sleep
Von einer Europatour zurück, die frühes und sehr frühes Aufstehen implizierte, wache ich jeden Morgen zwischen 3 und 4 Uhr auf. Das ist erst mal nicht schlimm, weil ich in der Stille der Nacht ganz gut an meiner Abschlussarbeit schreiben kann. Dann gibt es aber auch Nachteile, beispielsweise bin ich schon um 22.00 totmüde, fülle morgens die Waschmaschine und denke mir: "Ach, ich kann sie ja nicht anschalten, weil das Schleuderprogramm so laut ist" oder ich schleiche auf Zehenspitzen durch die Wohnung, damit der Untermieter nicht wach wird. Früher habe ich bei solchen Gelegenheiten immer die Goldbergvariationen von Bach aufgelegt. Der schlaflose Graf hatte sich einst daran ergötzt. Leider habe ich mich in letzter Zeit ein wenig sattgehört. Und irgendwie denke ich, sind 4-5 Stunden Schlaf pro Nacht auf Dauer auch etwas zu wenig.
Da gibt es so einiges, was mich derzeit umtreibt. Die Gedanken drängen sich in meine Träume und lassen sie so lebendig sein, als ob es gestern tatsächlich geschehen wäre. Ich weiß nicht, ob es am Schlafmangel liegt oder an meiner Phantasie aber diese Träume sind manchmal sogar besser als der langweilige Alltag. Weil ich verletzungsbedingt immer noch keinen Sport treiben darf, ist mein Energieüberschuss inzwischen so immens, dass ich auch im Schlaf mehr zapple als sonst. Vielleicht renkt sich alles wieder ein, wenn ich mich wieder auspowern kann. Wann das sein wird, steht noch in den Sternen. Und die schaue ich mir jetzt am Nachthimmel an.

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Samstag, 6. Juli 2013
In Between
Verehrte Leserinnen und Leser,

meine Freude am Formulieren schöner Sätze und eloquenter Textpassagen ist reichlich getrübt. Schuld daran hat nicht nur die Tücke der Formatierung, sondern vor allem die wissenschaftlich geforderte genderneutrale Formulierungsweise. Während etwaige Beweggründe sicherlich nachvollziehbar sind, werden Formulierungen dadurch unnötig holperig und diffus. Die Untiefen der Diskriminierung könnten durch Einsatz passiver Formulierungen durchaus umschifft werden, jedoch gelingt nicht jede Wendung, sodass der Zusammenhang dadurch manövrierunfähig wird. Neben Wörtern und Wörtinnen soll es auch geschlechtsneutrale Wesen geben. Man kennt sie unter dem Begriff Neutrum. Menschliche Wesen sind hingegen nie geschlechtsneutral, sie sind entweder männlich oder weiblich oder beides. Und letztere wollen nun ebenfalls zu ihrem Recht kommen. Verehrte Leserinnen, Lesinen und Leser, die Frage muss demnach lauten, wie wir zukünftig formulieren, ohne jemanden zu beleidigen oder die Schreiberschaft wortlos zu hinterlassen.Da ist guter Rat teuer. Kennt denn wer eine Seite im Internetz oder ein gutes Buch, das Vorschläge zu geschlechtsneutralen Bezeichnungen parat hält? Für konsumentenseitige Vorschläge wäre ich Ihnen zu verbindlichstem Dank verpflichtet.

Herzlichst Ihre Frau Klugscheisserin

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Freitag, 28. Juni 2013
Rainy Days
Gestern war Siebenschläfer. Schätzungsweise wird das ein milder Sommer. Selbst in Bilbao habe ich gestern im Sommerkleid bei 23° gefröstelt. Heute in London Nieselregen bei 13°, morgen wird's in Rom auch nicht viel besser. Ich schreibe das nur, damit meine heimischen Leser nicht ganz so traurig über das Wetter sind. Immerhin habe ich die vergangene Brutwoche auf Zypern verbracht. Da war's schon morgens so heiß, dass ich es nur bis zur Hüfte im Meer mit nem kühlen Drink in der Hand oder schlicht im Schatten aushielt. Auf Dauer ist das auch kein Zustand.

(Hier wäre Platz zum Einfügen von Bildern, hätte ich nicht auf Zypern meine Kamera vergessen und in Bilbao/London/Rom den Akku)

Bei hohen Temperaturen kann ich nicht schlafen, was mir entgegenkommt, denn dann arbeite ich früh an meiner Abschlussarbeit. Andererseits kleben dann die Hirnwindungen zusammen und das Blut wird zäh. Möglicherweise bekomme ich für diese Aussage Morddrohungen aber ich mag das derzeitige Wetter. Nächstes Jahr darf's dann ruhig wieder heiß werden, da bin ich kompromissbereit.

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