Dienstag, 22. Februar 2022
Two Thousand Years


Dieses Datum, diese Uhrzeit. Vor allem heute.

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Dienstag, 15. Februar 2022
Ladies in Their Sensitivities
Wenn er mit wirklich schlechtem Nachtschlaf anfängt, hat der Tag schon zu Beginn verloren. Dann sind die Nachbarn zu laut, das Essen zu heiß, das Wetter zu trübe und die eigene Laune im Keller. Dabei ist von aussen betrachtet alles wie immer. Die Nachbarn sind lebendig, das Essen schneller warm al erwartet, das Wetter macht eine Pause und meiner Laune ist das alles herzlich egal. Was ist dann anders als sonst?

Ich reagiere extrem empfindlich auf Reize aus meinem Umfeld. Handlungen anderer Leute beziehe ich viel zu schnell und ohne triftige Gründe auf mich. Überhaupt scheint mein sogenanntes Erregungspotential erhöht - oder die Auslöseschwelle für eine irrationale Reaktion viel zu niedrig. Ich bin äusserst unruhig und in mir nicht daheim. Und das fühlt sich sehr unangenehm an. Früher hätte ich in so einem Zustand geraucht oder getrunken oder beides. Heute vermeide ich diese Art Ablenkungsmanöver. Naja, nicht ganz, an solchen Tagen surfe ich völlig unreguliert im Netz, ohne mich auf längere Texte konzentrieren zu können.

Klar, Hormone. Andererseits sind Hormone nicht nur zu bestimmten Zeiten am Werk, sondern eigentlich immer. Mit dem Unterschied, dass ich dünnhäutiger bin als sonst. Die gute Seite drin finden, sich akzeptieren, umdeuten, ach lasst mich doch alle in Ruhe mit dem Scheiß. Ich geh' jetzt springen. Morgen manifestiert sich meine schlechte Laune an der entzündeten Achillessehne und ich habe wenigstens einen Grund dafür.

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Mittwoch, 2. Februar 2022
02.02.2022
Für so ein schönes Datum braucht's einen Platzhalter hier. Der nächste Eintrag folgt in 20 Tagen.

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Dienstag, 19. Oktober 2021
Elsewhere (3)
Hier gibt Sonja Lewandowsky ganz intime und wunderbar geschriebene Einblicke in die Seele von Turnmädchen. Angereichert wird ihr Essay durch Zitate aus Simone Biles' Buch Courage to Soar.

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Über Curse of Knowledge, eine kognitive Verzerrung bei Spezialisierten. Interessante Falle, in die ich selbst immer wieder tappe. Denn eigentlich glaube ich, weiß ich überhaupt nicht mehr als andere. Und was ich weiß, ist doch so offentsichtlich, sonst wüsste ich Dummerle es doch auch nicht. Heißt übrigens auch Imposter Syndrom.

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"It isn't just that we want a free car park ? we've come to think we're entitled to one, too." schreibt Farz Edraki in seinem lesenswerten Essay "We all love free car parking - but who's really paying for it?" für ABC Net. Und ja, da sind für mich neue Gedankengänge drin, z.B. dass kostenfreies Parken den Wohnraum teurer macht. Einfach mal selber lesen und nachdenken.

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Scudieri, Florenz

Es gibt einen Podcast (schon wieder einer), der den geschichtlichen Hintergründen von Dingen nachspürt. Die neueste Folge beschäftigt sich mit der pandemisch aufgeblühten Sehnsucht nach Vergangenem:
"We're looking for comfort and safety in the permanence of the past, or at least, what we think the past was. But, when it first appeared, nostalgia itself wasn't considered a feeling; it was a deadly disease." und jetzt weiß ich auch nicht.
The Nostalgia Bone, und ein erklärender Artikel aus dem Atlantic, wo ich auf den schönen Begriff el mal de corazón stieß, der aus dem Dreissigjährigen Krieg stammt.

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Eine meiner Lieblingsfragen ist, warum Leute dies oder jenes tun - mich selbst natürlich eingeschlossen. So stieß ich auf diesen Artikel, der sich mit menschlichen Reaktionen und ihren Auslösern beschäftigt und warum man nichts auf sich beziehen sollte.
"Emotional generosity is the ability to see past behaviours that we don't understand and proactively look for compassionate ways to explain them."
Das fasst in etwa meine Leitlinie zusammen, nach der ich im beruflichen wie privaten Kontext zu leben versuche. Denn wäre es nicht schön, würden alle statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, diese Dinge an sich selbst verändern? Genau. An diser Stelle fällt mir auch eine Wahrnehmungsverzerrung ein, deren Name ich vergessen habe. Negative Verhaltensweisen anderer attribuieren wir auf deren Charakter, unsere eigenen auf die Umstände. Im Zweifel also für den Angeklagten. Sehr schön finde ich übrigens das kleine Video aus dem Artikel.

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Dienstag, 7. September 2021
I'm Leaving, Sorry For Your Loss
Viele hassen den kleinen Prinzen, weil über Jahrzehnte Zitate daraus klischeehaft totgeritten wurden . Die eigentliche Intention beim Schreiben war für Saint-Exupéry allerdings der Verlust seines Freundes und die Aufarbeitung dieses traumatischen Ereignisses. Ich nehme an, dass Prinzenhasser auch sonstige Bücher von ihm meiden. In einer kurzen Betrachtung legt Maria Popova dem Conoisseur Wind, Sand und Sterne nahe.
"Nothing can match the treasure of common memories, of trials endured together, of quarrels and reconciliations and generous emotions. It is idle, having planted an acorn in the morning, to expect that afternoon to sit in the shade of the oak." Und das erinnert mich wiederum an sein wenig bekanntes Essay Bekenntnis einer Freundschaft, das mich einst über den Verlust einer langjährigen Schulfreundin hinwegtrug.
Im Artikel wird übrigens am Ende auf Maria Mitchell verwiesen, die im 19 Jahrhundert die sehr fortschrittliche Ansicht vertrat, statt eine Person zum Zentrum des eigenen Universums zu machen, lieber viele Freundschaften zu pflegen, die unterschiedliche Bereiche bedienen. Das ist aber ein anderes Thema.

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You and the thing that you love.
Der kurze Film erzählt die Geschichte des sehbehinderten Skateboarders Nick Mallins. Ich vermute, Sie denken jetzt: "Ja klar, eine dieser amerikanischen Dontgiveup und Youcandoit Geschichtchen". Für mich ist es aber eher eine Geschichte von Trialanderror und davon, wieviel Kraft aber auch Zeit es braucht, sich nach einem Tiefschlag aufzurappeln und dort anzuknüpfen, wo man mal war. Und davon, dass Fortschritt nicht linear verläuft, sondern sich Rückschläge ständig wiederholen. Das wird im Nachhinein ja gerne vergessen. Die eigentliche Stärke ist nämlich, immer weiterzumachen. Den imaginierten Endpunkt gibt es nicht, nur die Veränderung.

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Noch einen Beitrag zum Thema Trauer. Weil er so treffend ist. Weil Viele in den letzten zwei Jahren etwas verloren haben:

"Grief is brutally painful. Grief does not only occur when someone dies. When relationships fall apart, you grieve. When opportunities are shattered, you grieve. When dreams die, you grieve. When illnesses wreck you, you grieve.

So I'm going to repeat a few words I've uttered countless times; words so powerful and honest they tear at the hubris of every jackass who participates in the debasing of the grieving:

Some things in life cannot be fixed. They can only be carried."
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Mittwoch, 4. August 2021
Use your muscle, carve it out
Neuerdings bin ich in einem Fitness-Studio angemeldet und das kam so: Die 20 Monate zurückliegende OP am Bewegungsapparat erzeugt immer noch Schmerzen. Lange war ich deswegen zwischen deprimiertem Aufgeben und blind aktivistischer Wut hin- und hergerissen. Ein paar Gutachten und viel Eigenrecherche sowie in mich Hineinhören später kenne ich wenigstens die Schmerzursache, die aber nur mit einer gewagten OP behoben werden könnte. Da der inzwischen fortgeschrittene Muskelschwund durch Passivität nicht besser wird, die entsprechenden Übungen aber nicht nur schädlich, sondern vor allem schmerzhaft sind, bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass ich bestimmte Geräte zur gezielten Stärkung benötige. Und die gibt's nur in einem Fitnessstudio (mit drei s).

Seit die Studios wieder geöffnet sind und der zahlenden Mitgliedschaft jetzt Kompensationsvoucher für die verlorenen Monate anbietet, bin ich über ein bekanntes Verkaufsportal günstig an einen ebensolchen gelangt. Nach knapp drei Wochen regelmäßigen Besuchs kann ich folgende Beobachtungen vermerken: erstens finde ich Fitties - wie sie in bestimmten Kreisen liebevoll abgekürzt werden - immer noch sehr langweilig. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Vertrag dort abzuschließen, weil mich nicht die Freude am dortigen Training, sondern ein gewisses Pflichtbewusstsein hintreibt.
Zweitens - und diese Erkenntnis kommt für mich überraschend, da ich eher das Gegenteil erwartet hätte - fühle ich mich unter den vielen attraktiven Trainierenden selbst viel attraktiver als vor dem heimischen Spiegel. Das ist insofern bemerkenswert als ich in meinen Augen früher in einem automatisch internen Abgleich immer schlechter abgeschnitten und somit schlechter gefühlt hätte. Jetzt scheint die pure Anwesenheit von jungen, attraktiven Menschen bei mir eine Art Zugehörigkeit und damit einhergehend gute Gefühle auszulösen. Das Vergleichen habe ich mir demnach erfolgreich abtrainiert.
Drittens bin ich erstaunlich schwach. Das merke ich dann, wenn ich den Stecker aus der Gewichtswahl der vor mir Trainierenden auf sehr viel weniger für mich umstecken muss. Es gibt nur eine einzige Maschine, bei der ich das Gewicht je erhöhte und das ist auf der Beinpressmaschine - also nicht der, wo man die Beine durchstreckt, sondern wo man die Knie unter Anstrengung zueinander drücken muss. Das kommt mir maximal zugute, wenn ich irgendwann mal ohne Sattel auf einem Pferd sitzend fliehen und mich mit den Beinen darauf festklammern muss. Oder bei einem Hochseilakt. Oder um eine Wassermelone mit den Knien zu öffnen. Jedenfalls gibt es sicher eine Menge Anwendungsbeispiele aus dem Alltag, die mir jetzt nur nicht einfallen mögen.
Viertens und letztens ist das Wetter auch beim Sport IN einer Einrichtung ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung, denn es gilt den Weg dorthin zu absolvieren. Wäre meine Ausrede für Draussensport zu regnerisch, gilt dies nun auch für alle Aktivitäten, die ein Verlassen des Hauses voraussetzen. Abgesehen von solchen, die Spaß machen natürlich. So jetzt wissen Sie, warum Fitness-Studios kein vollwertiger Sportersatz und nur punktuell zur Verbesserung der Gefühlswelt taugen.

Edit: weitere Erkenntnisse in den Kommentaren. Und falls Sie wissen, wieso mir auf dem Crosstrainer die Füße einschlafen, bitte ich um Aufklärung.

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Freitag, 30. Juli 2021
Bite Size Pieces II
Simone Biles litt unter Twisties, weshalb sie bei den olympischen Wettkämpfen ausstieg. Das klingt erst mal niedlich. Bei näherer Betrachtung ist das aber ein gefährliches Phänomen, das von der früheren Turnerin Catherine Burns erklärt wird.

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Vielleicht eine Idee für upcycling:
Espresso Martini aus extravaganten Tassern


Auroom

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Die Cellistin Fany Kammerlander hat lange für ihre Konzertreihe in der Bar Gabanyi eine coronataugliche Alternative gesucht. Erste Anlaufstelle waren Kirchen. Nach langer Suche ergab sich eine Kooperation mit der Auferstehungskirche im Westend. Letztens war ich dort auf einem Konzert mit Martin Kälberer. Eigenproduktionen mit Assoziation zu Ambient, Keith Jarrett oder Pat Metheney, auf jeden Fall ansprechend und unbedingt in den Rahmen passend.



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Während Bahnfahrten ist auf Nahrungsmittelkonsum zu verzichten.
Es sei denn:


Glück in der Flasche

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Donnerstag, 29. Juli 2021
Bite Size Pieces
Alan Levinovitz forscht zum Zusammenhang zwischen Religion, Literatur und Wissenschaft. Er schreibt ein Buch über die Methoden moderner Ernährungsmythen (Gluten!) und ergänzt am Ende um eine erfundene Diät. In seinem Artikel How exposure to misinformation inoculation sometimes makes things worse geht er Phänomen nach, wieso die Lesenden dennoch darauf anspringen:

At the same time, knowing that some people believe in the healing power of my satirical diet immediately after reading almost 200 pages on why they shouldn?t has left me deeply shaken. Changing how we communicate science can help, but it?s a Band-Aid solution. A real solution means changing education so books like mine are obsolete.

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Tanaka Tatsuya stellt seit vielen Jahren ganz reizende Miniaturszenen her. Passende Fotos zum olympischen Thema auf IG

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Wissen Sie, was
Eunoia bedeutet? Oder wen man als Erinmek bezeichnet? Dann vielleicht Mātauranga? All diese Worte sind aus verschiedenen Sprachen und nicht übersetzbar. Mehr davon gibt's auf Eunoia.

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The defining trait of the past couple of years has been the slow and terrible realisation that we are not in control of anything, really. Adam Curtis goes on about this a lot. The fundamental contradiction that we?re currently living through is that we venerate individual agency above all else, while the actual power that an individual can exert over their circumstances is rapidly diminishing.

Über das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Covid, Politik und allem anderen (What this feeling is - Ben Jenkins)

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Während die deutsche Kanutin Ricarda Funk Gold holt, sähe das bei mir eher so aus.
(Miranda Hart hinter der Kamera)

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Montag, 8. Juli 2019
Penguin


Körperlich bin ich im Pinguinzustand angelangt: Laufen fällt schwer aber im Wasser bewege ich mich ganz hervorragend.
Das ist nicht weiter schlimm, weil Pinguine zu meinen Lieblingstieren gehören. Immer gut gekleidet, die Tollpatschigkeit an Land erobert Herzen und bewirkt gleichzeitig, dass sie von vielen unterschätzt werden. Durch das Wasser gleiten sie pfeilartig und elegant, was wiederum größten Respekt abverlangt.

Worauf will ich eigentlich hinaus? Abgesehen von einem netten Vergleich habe ich vor langer Zeit einmal folgende Analogie entdeckt, die ich sehr trefflich finde: Das Pinguin Prinzip. Es könnte aber auch sein, dass dieser Eintrag keine Pointe besitzt.

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Donnerstag, 13. Juni 2019
The heat is on

Hitze ist eine Sache, die ich nur unter einem Sonnenschirm sitzend und bei leichter Brise auf's Wasser blickend mag, während ich mich an gekühlten Getränken erfrische. Klimaanlagen mag ich aber wegen der gefühlt plötzlichen Temperaturschwankung auch nicht. Ich bin der Meinung, dass Frühling und Herbst nur dazu dienen, sich langsam den bevorstehenden Extremtemperaturen anzupassen. Es gab mal eine Zeit, da nahm ich an Tanztrainings teil, die auch bei Innentemperaturen von 36° meine Begeisterung nicht schmälerten. Das ist echte Leidenschaft. Am schlimmsten waren die Stunden mittags und nach einer vollen Profi-Ballettklasse. Der Schweiß körperlicher Arbeit bildete eine Wand, die es beim Eintritt in den Saal zu durchdringen galt. Die Hiphop Lehrerin war jedes Mal ein bisschen stolz, wenn der Schweiß sich 10 Minuten nach Beginn am Spiegel absetzte. Manchmal musste die Klasse deswegen umgestellt werden, denn Tänzer lernen vorwiegend über den Blick in den Spiegel.

Dachgeschossbewohnende kennen mein Leid, wenn die sommerlichen Temperaturen steigen und Nachtschlaf beinahe unmöglich machen. Doch dieses Jahr habe ich beschlossen, Abhilfe in Form eines Ventilators zu schaffen. Nein, nicht irgendeinen Ventilator. Es muss der Apple unter den Haushaltselektrogeräten, der Dyson JB007 sein. Der killt gleichzeitig die bösen Bakterien. Meine heimliche Hoffnung ist, dass dann endlich der Staub unter dem Bett verschwindet. Es saugt und bläst der Heinzelmann...

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