Sonntag, 13. Juni 2021
Rocky Mountain High
by John Denver



Zugegeben, es waren dann doch nicht die Rockies, zumindest aber ein Berg am Fuße von Boulder. Eine leichte, nicht zu anstrengende Bergwanderung sollte es werden. So hatte der Kollege diesen Ausflug angekündigt, der während unseres mehrtägigen Aufenthalts in Denver stattfinden sollte. Ich sollte nicht die Einzige bleiben, die beim Aufstieg ihre körperlichen Kräfte verließen. Kein Wunder, bewegte ich mich doch die letzten Monate verletzungsbedingt vorwiegend im Kopf und weniger auf den Beinen.

Zugegeben, die Erzählungen des Kollegen am Vortag - er und ich waren auf einer kleinen Wanderung um einen See unterwegs, auf der er seine üblichen Gewaltmärsche erwähnte - hätten mich stutzig machen sollen. Als er sich für die vierstündige Fußvariante entschied, ich mich aber für den Bus zurück, da hatte ich es noch ein klein wenig bereut, wollte ihm aber durch meine körperlichen Gebrechen kein Hindernis für sein Geherlebnis sein.

Zugegeben, während die untrainierte Kollegin sich unterschätzte, hatte ich mich an meiner doch fitten Vergangenheit orientierend überschätzt. Auch die Kombination aus Hitze und über 2000m Höhe hatten mich nicht abgeschreckt - was ich nicht weiß usw - wohl aber die großen, in die Felsen geschlagenen Stufen zu Beginn des Aufstiegs, die den immerwährenden Schmerz beim Anheben des Beines schnell verdoppelten. Dennoch wollte nicht aufgeben, sondern oben ankommen, koste es was es wolle.

Zugegeben, die Strecke war nicht nur viel länger, sondern vor allem viel steiler als gedacht. Die Einschätzung wurde durch die verdeckte Sicht auf den Gipfel noch erschwert. Nach jeder Wegbiegung dann große Enttäuschung, da sich der erhoffte Gipfel dann doch nur als eine weitere Etappe auf dem Weg nach oben herausstellte. Also weiter über unwegsame Steine und Felsen, mal kletternd, mal steigend.

Zugegeben, auch die Hoffnung am Gipfel auf einen leichteren Abstieg - so die Aussage des erfahrenen Kollegen, der sich jedoch nicht mehr so genau erinnern konnte - zerschlug sich sehr schnell. Man wollte nicht den schwierigen Aufstieg zurück, also wählten wir den Abstieg zur anderen Seite, der noch schmälere Wege, noch steilere Klettereien und noch unwegsamere bis unkenntlichere Pfade bediente als zuvor. Das alles ohne wirkliche Ausrüstung - wobei adäquates Schuhwerk ja relativ ist, denn während nicht nur echte Australier, sondern auch die Kollegin gerne in Flipflops wandert, hat unsereins schon vom Anblick diversen Schuhwerks Blasen und Scheuerstellen.

Zugegeben, während ich auf der gesamten Strecke nicht nur einmal still in mich hineinfluchte, war ich hinterher nicht nur stolz, sondern auch glücklich über meine Leistung. Und im Nachhinein betrachtet war alles sowieso nur noch halb so anstrengend. Immerhin hatte ich am nächsten Tag keine zusätzlichen Folgeerscheinungen in Form von Schmerzen. Aber die Aussicht war einfach bombastisch. Ich fürchte, ich muss das irgendwann wiederholen.


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