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Mittwoch, 24. Mai 2006
Die musikalische Reise - Teil 9
frau klugscheisser, 02:05h
„Brahms also“ sagt sie gedankenverloren, während sie die Noten auf der Ablage zurechtrückt. „Muss nicht sein“ er steht direkt hinter ihr, während er die Worte formuliert, die mehr sagen als der Inhalt vermuten lässt. Seine Hände liegen auf ihren Schultern. Im Rücken spürt sie den Reißverschluss seiner Hose und die dahinter verborgene Männlichkeit. Ihr Kopf kippt kurz nach hinten gegen seinen Bauch, der Hals will sich in seine Hände schmiegen. Dann richtet sie sich mit einem Ruck auf. „Komm schon, nimm dein verdammtes Instrument zwischen die Beine!“ Sie ist wütend auf ihre momentane Schwäche, will die für die Musik aufbewahren, zielgerichtet arbeiten. Dafür ist sie hier, nicht für Plänkeleien. Er setzt sich auf den Stuhl in der Mulde des Flügels, nimmt den Bogen mit der rechten Hand vom Instrument und beginnt ihn zu spannen. „Willst du weiter rumzicken oder können wir wie Erwachsene miteinander umgehen?“ Er wagt es, von Erwachsensein zu sprechen. Er, der nie bereit war, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen und stattdessen sein Leben lang spielen wird. Ihr Magen beginnt sich zusammenzuballen. „Erste Sonate, Beginn dritter Satz“ bellt sie knapp in seine Richtung. Ihre Finger schleudern ihm die Eingangsakkorde des Fugatos entgegen. Sein Einsatz verstreicht ungehört. „Das ist nicht mein Tempo. Nimm den Anfang ein wenig langsamer“. Sie beginnt von Neuem, diesmal in einem etwas langsameren Tempo. Jetzt nur nicht die Nerven verlieren, sich auf das Wesentliche konzentrieren. Nicht sie ist wichtig, sondern die Musik. Früher, als sie noch regelmäßig miteinander musizierten, wusste sie in jedem Augenblick, was in ihm vorging. Die Art wie er einatmete, wie er sich bewegte, zeigten ihr, was als nächstes kommen würde. Über Phrasierungen und Tempo brauchten sie nicht zu sprechen. Später waren genau das die unüberwindbaren Hindernisse, die sie getrennte musikalische Wege gehen ließen. Sie war nicht mehr bereit, seine Vorstellungen ungesehen zu teilen, weil sie eigene hatte. Die Proben wurden damals zur Qual. Endlosdiskussionen über Tempi, die Absicht des Komponisten und diverse Dynamikabstufungen machten sie mürbe. Sie wusste viel mehr über die Beschaffenheit der Musik als jeder Melodieinstrumentalist, der nur seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen schien. Sie hatte ihre Gefühle im Griff, lenkte sie in die vom Wissen freigegebenen Bahnen und war überzeugt von ihrem Tun. Das letztlich schlagende Argument war die Genialität seines Spiels. Wie konnte dieser Mann mit dieser Art zu denken so unglaublich berührend spielen? Als sie diesen inneren Konflikt nicht mehr ertrug, ging sie. In diesem Augenblick war er wieder präsent. Sie weiß genau, was er von ihr denkt. Nein, sie ist keine trockene Analytikerin, sie kann ebenso wie er Töne zum Leben erwecken, kann genießen und Bereiche der Seele zum Klingen bringen, die nicht mit Worten auszudrücken sind. Um ihm und sich dies zu beweisen war sie hier. Langsam beginnt die Musik zwischen ihnen zu fließen, erst langsam wie ein Zwiegespräch, dann mehr und mehr gleichzeitig, bis sie wieder zu der Einheit werden, die sie in der Nacht in New York für einige Sekunden waren. Langsam beginnt sie weich zu werden, doch diesmal kann sie es zulassen. Der Abstand zur Flügelmulde ist groß genug.
Es ist bereits dunkel, als sie den Probensaal verlassen. Sie fühlt sich erschöpft und leer. Morgen wird das erste Konzert im Gould Theater stattfinden. Die Vorraussetzungen sind gut. Das weiß sie seit den vergangenen drei Stunden. Während er ein Taxi ruft, schaut sie in den Himmel. Noch kann man einige Sterne sehen. „Lass uns zum Telegraph Hill fahren, ja?“ Seine Augen blicken sie überrascht an. „Wollen wir nicht essen?“, sagt er nach kurzem Zögern „hinterher können wir immer noch überlegen“. Hinterher wird sie nicht mehr die sein, die sie sich zu sein vorgenommen hat. Die Probe hat die Distanz zwischen ihnen schmelzen lassen. Das alte Gefühl ist wieder da. Während sie in den Wagen steigt, versucht sie sich an ihre Vorsätze zu erinnern. Alle Vernunft scheint wie Wolken weggeblasen. Bei diesem Gedanken seufzt sie unmerklich. Dann schmiegt sie sich auf dem Rücksitz in seinen Arm. Ein zärtlicher Kuss auf dem Ohr lässt sie auch den letzten Zweifel verdrängen. Morgen wird sie wieder die Starke sein, die Unnahbare, die nicht mit sich umspringen lässt. Dafür ist noch morgen Zeit. Heute mag sie nicht mehr kämpfen. Seine Finger gleiten durch ihr Haar, spielen mit einer einzelnen Strähne. Seine Lippen beginnen eine sanfte Reise von ihrem Hals zu ihrem Mund, werden drängender, bis sie die ihren zum Nachgeben fordern. Dabei streicht seine Hand über ihren Hals, das Schlüsselbein hinunter und stoppt auf ihrer Brust. „Nicht hier. Wir sind gleich im Hotel“ flüstert sie. Seine Hand will nicht ablassen, genauso wenig wie sein Mund, der sich jetzt in die Mulde am unteren Ende des Halses drückt. „Bitte Mischa, warte“. Just in diesem Augenblick hält das Taxi vor dem Eingang des Hotels. Er drückt sie noch einmal an sich, bevor sie aussteigen. An der Rezeption liegt ein Paket für sie. Das müssen die Kleider von zuhause sein, die sie bei ihrer Mutter geordert hat. Merkwürdig nur, dass kein Absender vermerkt ist. Sie klemmt das Paket unter den Arm und folgt ihm in den Aufzug. Die Türe schließt sich langsam. Sie sieht Lust in seinen Augen aufblitzen. Als er sie mit seinem Körper gegen die Spiegelwand drückt, zieht sie das Paket an sich. „Lass mich sehen, was da für mich gekommen ist“. Die Verpackung ist schnell entfernt. Zwischen der dünnen Pappe fischt sie eine Garnitur Spitzenunterwäsche heraus. „Gefällt es dir?“ Sie erinnert sich, am Vortag in seiner Anwesenheit einen Mangel an frischer Unterwäsche erwähnt zu haben. „So war das aber nicht gemeint“. „Aber ich meine das so“. Wie könnte sie diesen Mann je von Notwendigkeiten des Alltages überzeugen? Im achten Stock öffnen sich die Aufzugtüren. Der Schlüssel zu seinem Zimmer klappert in seiner Hand. Ihre Absätze versinken bei jedem Schritt im weichen Teppich des Flures, als sie ihm folgt. Selbst wenn sie wollte, hätte sie keine Chance, diese Nacht in ihrem eigenen Zimmer zu verbringen. Ganz abgesehen von seinem bestimmenden Habitus will sie es nicht einmal.
Es ist bereits dunkel, als sie den Probensaal verlassen. Sie fühlt sich erschöpft und leer. Morgen wird das erste Konzert im Gould Theater stattfinden. Die Vorraussetzungen sind gut. Das weiß sie seit den vergangenen drei Stunden. Während er ein Taxi ruft, schaut sie in den Himmel. Noch kann man einige Sterne sehen. „Lass uns zum Telegraph Hill fahren, ja?“ Seine Augen blicken sie überrascht an. „Wollen wir nicht essen?“, sagt er nach kurzem Zögern „hinterher können wir immer noch überlegen“. Hinterher wird sie nicht mehr die sein, die sie sich zu sein vorgenommen hat. Die Probe hat die Distanz zwischen ihnen schmelzen lassen. Das alte Gefühl ist wieder da. Während sie in den Wagen steigt, versucht sie sich an ihre Vorsätze zu erinnern. Alle Vernunft scheint wie Wolken weggeblasen. Bei diesem Gedanken seufzt sie unmerklich. Dann schmiegt sie sich auf dem Rücksitz in seinen Arm. Ein zärtlicher Kuss auf dem Ohr lässt sie auch den letzten Zweifel verdrängen. Morgen wird sie wieder die Starke sein, die Unnahbare, die nicht mit sich umspringen lässt. Dafür ist noch morgen Zeit. Heute mag sie nicht mehr kämpfen. Seine Finger gleiten durch ihr Haar, spielen mit einer einzelnen Strähne. Seine Lippen beginnen eine sanfte Reise von ihrem Hals zu ihrem Mund, werden drängender, bis sie die ihren zum Nachgeben fordern. Dabei streicht seine Hand über ihren Hals, das Schlüsselbein hinunter und stoppt auf ihrer Brust. „Nicht hier. Wir sind gleich im Hotel“ flüstert sie. Seine Hand will nicht ablassen, genauso wenig wie sein Mund, der sich jetzt in die Mulde am unteren Ende des Halses drückt. „Bitte Mischa, warte“. Just in diesem Augenblick hält das Taxi vor dem Eingang des Hotels. Er drückt sie noch einmal an sich, bevor sie aussteigen. An der Rezeption liegt ein Paket für sie. Das müssen die Kleider von zuhause sein, die sie bei ihrer Mutter geordert hat. Merkwürdig nur, dass kein Absender vermerkt ist. Sie klemmt das Paket unter den Arm und folgt ihm in den Aufzug. Die Türe schließt sich langsam. Sie sieht Lust in seinen Augen aufblitzen. Als er sie mit seinem Körper gegen die Spiegelwand drückt, zieht sie das Paket an sich. „Lass mich sehen, was da für mich gekommen ist“. Die Verpackung ist schnell entfernt. Zwischen der dünnen Pappe fischt sie eine Garnitur Spitzenunterwäsche heraus. „Gefällt es dir?“ Sie erinnert sich, am Vortag in seiner Anwesenheit einen Mangel an frischer Unterwäsche erwähnt zu haben. „So war das aber nicht gemeint“. „Aber ich meine das so“. Wie könnte sie diesen Mann je von Notwendigkeiten des Alltages überzeugen? Im achten Stock öffnen sich die Aufzugtüren. Der Schlüssel zu seinem Zimmer klappert in seiner Hand. Ihre Absätze versinken bei jedem Schritt im weichen Teppich des Flures, als sie ihm folgt. Selbst wenn sie wollte, hätte sie keine Chance, diese Nacht in ihrem eigenen Zimmer zu verbringen. Ganz abgesehen von seinem bestimmenden Habitus will sie es nicht einmal.
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Dienstag, 23. Mai 2006
Female whalemail
frau klugscheisser, 18:55h
If you read the front page story of the SF Chronicle, you would have read about a female humpback whale who had become entangled in a spider web of crab raps and lines. She was weighted down by hundreds of pounds of traps that caused her to struggle to stay afloat. She also had hundreds of yards of line rope wrapped round her body, her tail, her torso, a line tugging in her mouth. A fisherman spotted her just east of the FarraloneIslands (outside the Golden Gate)
and adioed an environmental group for help. Within a few hours, the rescue team arrived and determined that she was so bad off, the only way to have her was to dive in and untangle her. A very dangerous proposition. One slap of the tail could kill a rescuer. They worked for hours with curved knives and eventually freed her.
When she was free, the divers say she swam in what seemed like joyous circles. She then came back to each and every diver, one at a time, and nudged them, pushed gently around-she thanked them. Some said it was the most incredibly beautiful experience of their lives. The guy who cut the rope out of her mouth says her eye was following him the whole time, and he will never be the same.
May you, and all those you love,
be so blessed and fortunate
to be surrounded by people
who will help you get untangled
from the things that are binding you.
And, may you always know the joy
of giving and receiving gratitude.
I pass this on to you, my friend, in the same spirit.
and adioed an environmental group for help. Within a few hours, the rescue team arrived and determined that she was so bad off, the only way to have her was to dive in and untangle her. A very dangerous proposition. One slap of the tail could kill a rescuer. They worked for hours with curved knives and eventually freed her.
When she was free, the divers say she swam in what seemed like joyous circles. She then came back to each and every diver, one at a time, and nudged them, pushed gently around-she thanked them. Some said it was the most incredibly beautiful experience of their lives. The guy who cut the rope out of her mouth says her eye was following him the whole time, and he will never be the same. May you, and all those you love,
be so blessed and fortunate
to be surrounded by people
who will help you get untangled
from the things that are binding you.
And, may you always know the joy
of giving and receiving gratitude.
I pass this on to you, my friend, in the same spirit.
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Die musikalische Reise - Teil 8
frau klugscheisser, 15:18h
Wie er so dasteht in Jeans und Jackett, eine Hand lässig in der Hosentasche, überheblich grinsend, distanziert, würde sie gerne mit den Fäusten auf seine Brust einschlagen. Stattdessen lässt sie sich auf den Mund küssen. „Ma petit Julie. Schön, dass Du da bist „ Seine Worte dringen durch das andauernde Rauschen der Flugzeugmotoren über die Venenstraße bis kurz vor die Herzwand, prallen daran ab und schlittern in den mit Zynismusleichen gefüllten Arteriengraben.. Ihr Name ist Julia. Sie hat längst den Folterknecht unter dem Mantel des Beaumont gesehen. „Hatte ich eine Wahl?“ Das zwinkern in seinen Augen zeigt ihr, dass er genau verstanden hat, was sie meint. Ein neuerlicher Machtkampf hat begonnen, die Protagonisten die Arena betreten, das Rückspiel ist eröffnet. Sie weiß nicht, warum sie sich darauf einlässt. Es ist, als ob er den Finger auf einen ihrer wunden Punkte gelegt hätte. Manchmal drückt er ein wenig stärker, bis sie schreit, dann wieder streichelt er darüber, damit sie durchatmen kann. Damals war der einzige Weg, sich seinem Einfluss zu entziehen. Jetzt ist sie stärker. Es geht ihr nicht darum, ihn zu besiegen, sondern sich selbst. Und dann ist da noch dieser unendlich große Gefühlsspeicher, der über die Jahre ausgetrocknet zu sein scheint. Er hat eine Fähigkeit, die den Anderen versagt war. Nur er kann Geborgenheit und Lust regnen lassen. Jeden kostbaren Tropfen davon fängt sie gierig auf. Wenn es ihr gelingen würde, ein Gleichgewicht aus Nähe und Distanz zu ihm herzustellen, würde sie das bekommen, wonach sie sich so sehr sehnt und gleichzeitig unverletzbar sein. Diese Begegnung ist anders, als die schwärmerische Liebe zu dem Kunststudenten. Sie ist erwachsener, distanzierter und dennoch intensiver als alles, was sie bisher erlebt hat. Vielleicht funktioniert Erwachsenwerden durch das Ablegen von Naivität. Derzeit fühlt sie sich gewachsen. Ob sie tatsächlich auch erwachsen ist, kann sie nicht mit Sicherheit beantworten.
Es bleibt keine Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen. Eine Probe steht an. Vom Hotel am Union Square bis zum Florence Gould Theater müssen sie einmal quer durch die Stadt. Was er mit der Wahl des Hotels in dieser Lage bezweckt, kann sie nicht einschätzen. Sie fahren über scheinbar unzählige Hügel hinauf und hinunter. Wenn die Spitze eines Hügels erreicht ist, scheinen sie unerträglich lange geradeaus ins Meer zu fahren, bis sich endlich die Nase des Wagens bedrohlich tief auf die abfallende Straße senkt. Die Verfolgungsfahrten aus alten Filmen, in denen Autos zu fliegen scheinen, bis sie krachend auf dem Asphalt landen, fand sie meist amüsant. Am eigenen Leib möchte sie das jedoch hier nicht erleben. Ihre Hand liegt in der seinen. Die Luftfeuchtigkeit lässt ihre Bluse unter den Achseln kleben. Noch ist es nicht zu warm. Ein stetiger Wind versorgt die Hügelstadt mit kühlender Meerluft. Am Abend würde sie gerne den Sonnenuntergang vom Telegraph Hill genießen, bevor die Feuchtigkeit sich zu Nebel wandelt, der diese Stadt einhüllt. Vielleicht würde er sie begleiten. Zwar hat er keinen Sinn für Pathetik aber sie weiß, dass sie ihn in seiner Rolle des Verführers ködern kann. Einmal will sie ihn an einem Punkt haben, an dem er sich nicht mehr wie die Lombard Street über den Hügel seiner Gefühle winden kann, bis er wieder unnahbar im blauen Dunst verschwindet. Ein eitles Unterfangen und vielleicht vollkommen aussichtslos. Doch lässt es sie nicht ruhen, lässt sie immer wieder mit hoch erhobenem Kopf in die Höhle des Löwen schreiten und in Fetzen wieder daraus fliehen. Die Fassaden ziehen wie Wolken am Auto vorbei, spiegeln sich im Fenster und verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Irgendwann hält der Wagen vor einer dieser Fassaden. Er hält ihr die Türe auf und hilft ihr aus dem Wagen. Sie weiß, was als nächstes kommt. Sie wird am Klavier sitzen und sich ihm wieder einmal fügen, ihre Stimme der seinen unterordnen und den Impuls nach lauten Fortissimoschreien unterdrücken. Die Agentur hat es so gewollt. Sie hat es so gewollt. Wie lange sie es noch will, weiß sie allerdings nicht.
Es bleibt keine Zeit, ihren Gedanken nachzuhängen. Eine Probe steht an. Vom Hotel am Union Square bis zum Florence Gould Theater müssen sie einmal quer durch die Stadt. Was er mit der Wahl des Hotels in dieser Lage bezweckt, kann sie nicht einschätzen. Sie fahren über scheinbar unzählige Hügel hinauf und hinunter. Wenn die Spitze eines Hügels erreicht ist, scheinen sie unerträglich lange geradeaus ins Meer zu fahren, bis sich endlich die Nase des Wagens bedrohlich tief auf die abfallende Straße senkt. Die Verfolgungsfahrten aus alten Filmen, in denen Autos zu fliegen scheinen, bis sie krachend auf dem Asphalt landen, fand sie meist amüsant. Am eigenen Leib möchte sie das jedoch hier nicht erleben. Ihre Hand liegt in der seinen. Die Luftfeuchtigkeit lässt ihre Bluse unter den Achseln kleben. Noch ist es nicht zu warm. Ein stetiger Wind versorgt die Hügelstadt mit kühlender Meerluft. Am Abend würde sie gerne den Sonnenuntergang vom Telegraph Hill genießen, bevor die Feuchtigkeit sich zu Nebel wandelt, der diese Stadt einhüllt. Vielleicht würde er sie begleiten. Zwar hat er keinen Sinn für Pathetik aber sie weiß, dass sie ihn in seiner Rolle des Verführers ködern kann. Einmal will sie ihn an einem Punkt haben, an dem er sich nicht mehr wie die Lombard Street über den Hügel seiner Gefühle winden kann, bis er wieder unnahbar im blauen Dunst verschwindet. Ein eitles Unterfangen und vielleicht vollkommen aussichtslos. Doch lässt es sie nicht ruhen, lässt sie immer wieder mit hoch erhobenem Kopf in die Höhle des Löwen schreiten und in Fetzen wieder daraus fliehen. Die Fassaden ziehen wie Wolken am Auto vorbei, spiegeln sich im Fenster und verschwinden so schnell, wie sie aufgetaucht sind. Irgendwann hält der Wagen vor einer dieser Fassaden. Er hält ihr die Türe auf und hilft ihr aus dem Wagen. Sie weiß, was als nächstes kommt. Sie wird am Klavier sitzen und sich ihm wieder einmal fügen, ihre Stimme der seinen unterordnen und den Impuls nach lauten Fortissimoschreien unterdrücken. Die Agentur hat es so gewollt. Sie hat es so gewollt. Wie lange sie es noch will, weiß sie allerdings nicht.
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Satisfaction
frau klugscheisser, 05:23h
Genugtuung
der Alternden
beim Anblick
eines makellosen
Mädchenkörpers:
die Junge ist sich
ihres Aussehens
nicht bewußt.
Dedicated to Jennybabe. Warnung: die Seite erzeugt starke Farbenblindheit. Für Folgeschäden übernimmt die Autorin keine Verantwortung.
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Dienstag, 23. Mai 2006
Die musikalische Reise - Teil 7
frau klugscheisser, 01:11h
Eigentlich hätte sie beim Blick aus dem Fenster den Baum im Innenhof sehen sollen. Stattdessen sieht sie auf eine weiße Wolkendecke. In weniger als einer halben Stunde wird sie an der Westküste landen. Der Gedanke an die vergangene Nacht durchfährt ihren Bauch. Er hinterlässt ein warmes Schwingen in ihrer Körpermitte, das sich wie Wellenkreise im Wasser langsam nach allen Seiten ausbreitet. Auf dem Weg von der Probe zum Hotel spürte sie seine Hand auf ihrer Schulter. Sie drehte sich um. Seine Worte hallten in jeder einzelnen ihrer Körperhöhlen nach. Sie hörte seine Stimme während des Konzertes, spielte nur für ihn, wollte ihm in Tönen so vieles erzählen, was über die Jahre geschehen war. Später lag er wie sein Cello zwischen ihren Beinen. Doch nicht sie spielte ihn, sondern er sie. Seine Hände glitten über ihren Körper, brachten ihn in Schwingung, zupften, strichen und stimmten eine längst vergessene Melodie in ihrem Innersten an. Sie spürte ihn vibrieren, als er in ihr kam. Als sie wieder erwachte, war sie allein. Was ihr blieb, war ein klebriges Gefühl zwischen ihren Schenkeln und ein Zettel auf dem Nachttisch. Seine Kontaktadresse stand da in klaren Lettern neben der Anweisung, wo sie das Ticket für den Flug nach San Francisco abholen sollte. Dort würde sie für den ausgefallenen Kammermusikpartner einspringen. Musikalisch kannten sie sich lange genug, sodass sich Proben erübrigten. Einstweilen würde er vorreisen und alles arrangieren. Ein kurzer Anruf bei ihrer Agentur bestätigte, dass er sie bereits gesucht hatte. Die Lücke zwischen ihren Konzerten in New York und Rom stimmte mit seinen Plänen überein. Man hatte über ihren Kopf entschieden, ohne sie vorher zu fragen. Sie ärgert sich ein wenig darüber. Gleichzeitig weiß sie, dass seine ungestüme Art, für Überraschungen zu sorgen, Ausdruck seiner Selbst ist. Schon damals waren sie deswegen aneinandergeraten. Als Klavierbegleitung konnte sie sich einfügen, nicht aber als Mensch.
Sie weiß nicht einmal, wann genau sie ihn wiedersehen wird. Kleine Notizen an Rezeptionen und neben Telefonapparaten werden ihr wie in einem Detektivspiel den Weg zu ihm weisen. Am Ausgang des Flughafens wartet ein Chauffeur, der sie zu ihrem Hotel bringen soll. Erst gleitet ihr Blick suchend über die Menschenmenge, bis sie das Schild mit der Aufschrift Ma petite Julie sieht. Der Halter, ein Schwarzer in légèrer Kleidung, grinst, als sie ihren Namen nennt. Ja, er hätte Anweisung, sie in die Stadt zu bringen. Auf dem Rücksitz liegt ein Fax mit dem Namen des Hotels, sowie Ort und Zeit für eine kurze Probe. Am Abend will er die beiden Brahmssonaten für Violoncello und Klavier aufführen. Die erste in e-moll war das Stück, mit dem sie seine Bekanntschaft vor vier Jahren machte. Seine Agentur hatte ihre Nummer vom Vorlesungsverzeichnis des Konservatoriums. Der Ruf einer ausgezeichneten Begleiterin eilte ihr über die Hochschulgrenzen voraus. Es folgten unzählige Proben und Konzerte mit verschiedensten Stücken aus dem Cellorepertoire. Nebenbei formierten sie ein Klaviertrio mit einem mäßig bekannten, dafür musikalisch hervorragenden Violinisten. Die Schubert- und Beethoventrios spielten sie so lange, bis sie zu den Ohren herauskamen. Dabei kann sie sich an den Trios von Schubert normalerweise nicht satt hören. Möglicherweise hat sie sich irgendwann einmal an den beiden Musikern sattgehört. Oder sie hat sich im Laufe der Zeit verändert. Sie wuchs aus der Rolle der kleinen Begleiterin hinaus, um zu dem zu werden, was sie jetzt ist. Eine Frau, die sich nicht mehr einfach sagen lässt, was sie zu tun oder zu lassen hat. Sie ist stolz auf das, was sie erreicht hat, auf das, was sie ist. In nur einer Nacht hat er sie wieder zu Wachs in seinen Händen werden lassen. Wie konnte das geschehen? Was ist seine Zauberformel, die sie nicht nein sagen lässt? Während sie sich auf der Rückbank des Wagens zurücklehnt, spürt sie wieder die warmen Kreise durch ihren Körper ziehen.
Sie weiß nicht einmal, wann genau sie ihn wiedersehen wird. Kleine Notizen an Rezeptionen und neben Telefonapparaten werden ihr wie in einem Detektivspiel den Weg zu ihm weisen. Am Ausgang des Flughafens wartet ein Chauffeur, der sie zu ihrem Hotel bringen soll. Erst gleitet ihr Blick suchend über die Menschenmenge, bis sie das Schild mit der Aufschrift Ma petite Julie sieht. Der Halter, ein Schwarzer in légèrer Kleidung, grinst, als sie ihren Namen nennt. Ja, er hätte Anweisung, sie in die Stadt zu bringen. Auf dem Rücksitz liegt ein Fax mit dem Namen des Hotels, sowie Ort und Zeit für eine kurze Probe. Am Abend will er die beiden Brahmssonaten für Violoncello und Klavier aufführen. Die erste in e-moll war das Stück, mit dem sie seine Bekanntschaft vor vier Jahren machte. Seine Agentur hatte ihre Nummer vom Vorlesungsverzeichnis des Konservatoriums. Der Ruf einer ausgezeichneten Begleiterin eilte ihr über die Hochschulgrenzen voraus. Es folgten unzählige Proben und Konzerte mit verschiedensten Stücken aus dem Cellorepertoire. Nebenbei formierten sie ein Klaviertrio mit einem mäßig bekannten, dafür musikalisch hervorragenden Violinisten. Die Schubert- und Beethoventrios spielten sie so lange, bis sie zu den Ohren herauskamen. Dabei kann sie sich an den Trios von Schubert normalerweise nicht satt hören. Möglicherweise hat sie sich irgendwann einmal an den beiden Musikern sattgehört. Oder sie hat sich im Laufe der Zeit verändert. Sie wuchs aus der Rolle der kleinen Begleiterin hinaus, um zu dem zu werden, was sie jetzt ist. Eine Frau, die sich nicht mehr einfach sagen lässt, was sie zu tun oder zu lassen hat. Sie ist stolz auf das, was sie erreicht hat, auf das, was sie ist. In nur einer Nacht hat er sie wieder zu Wachs in seinen Händen werden lassen. Wie konnte das geschehen? Was ist seine Zauberformel, die sie nicht nein sagen lässt? Während sie sich auf der Rückbank des Wagens zurücklehnt, spürt sie wieder die warmen Kreise durch ihren Körper ziehen.
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