Freitag, 8. September 2006
Verano pasado
Die Tage werden kürzer, die Träume schwerer. Während letzte Sommergewitter das Ende einer Jahreszeit manifestieren, geht drinnen die Sehnsucht los. Letzte Gefühle von Leichtigkeit, von eruptiver Hitze, dann versiegt das Flimmern der Atmosphäre für lange Zeit.

Die Menschen werden stiller, hüllen ihre Seelen ein, um sie gegen den rauhen Wind zu schützen, der bald durch die Straßen der Begegnung fegt. Nur einmal noch wird für kurze Zeit ein kleines Fenster zum Herzen geoffnet. Dann nämlich, wenn der Kalender das Fest der Liebe anzeigt. Zu kurz zum Luft holen, schnell die Läden wieder versiegelt, damit die Wärme drinnen bleibt, die doch nur abgestandene Erinnerung ist.

Ach könnte ich ihn halten, den Sommer. In der Hand das blaue Band, stehe ich alleine auf der Straße. Die Ahnung, um das, was jetzt kommt, lässt es mich zerknittern. Nicht die Gewissheit um den nächsten Sommer, nicht die Erinnerung an strahlendes Licht, nichts kann mir die Angst nehmen, vor dem, was schon jetzt in jedem Morgen anbricht.

Ich öffne die Hand und betrachte das Band. Der Schweiß hat Schmutzränder darauf hinterlassen. Durch die Finger lasse ich es ins klare Wasser gleiten. Ich werde es säubern und trocknen und danach einem geben, dessen Sommer kürzer war als meiner, einem, der mehr Herbste durchlebte und den die Erinnerung mehr wärmt als mich. Und dann werde ich warten. Vielleicht kommt ein andrer, der mich an seinem blauen Band durch das Dunkel führt.

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Dienstag, 5. September 2006
Girl we'll be just like a bumper car
Gestern, da glaubte ich für einen kurzen Moment wieder an Romantik, an die große Liebe und an ein Schicksal. Starker Tobak, höre ich da die Agnostiker aufschreien. Fürwahr überdosiertes Hollywoodcredo für einen Realisten wie mich. Mit einem kleinen blauen Zettel unter dem Scheibenwischer fing alles an. Das krakelige Schriftbild durchdrang alsbald die dünnhäutige Gedankenblase wie eine Nadel und ließ sie platzen. Eine Telefonnummer sollte ich wählen. Doch nicht etwa, um in den Genuss eines Hormoncocktails zu kommen, sondern um finanzielle Satisfaktion für die Gratisrallyestreifen an meinem Auto einzufordern. Männer müssen wohl erst Sachschäden fabrizieren, um in die Gänge zu kommen.

Da ich derzeit eine humanitäre Phase durchlaufe (so mit Fremde anlächeln, Komplimente machen, Gratisratschläge verteilen, Geschenke verschicken, Sie wissen schon), wollte ich den Schaden auf sich beruhen lassen. Immerhin parke ich selbst französisch, meine Stoßstange sieht dementsprechend aus und das Auto gehört nicht zu meinen persönlichen Devotionalien. Das schadenverursachende Auto war zudem ein Opel und mit Opelfahrern bin ich von Natur aus nachsichtig - nicht wegen opelnder Blogger, sondern wegen Sentimentalitäten bezüglich einst eigenem opelnden Opa. Dieses Angebot wurde heute brüsk aufgrund von Firmenwagenmodalitäten ausgeschlagen. Nun also doch Versicherungssache, und ich verdiene mir an den heissen kostenlosen Seitenstreifen jetzt eine goldene Nase. Ein Beweis mehr für materielle Übergewichtigkeit in dieser Welt. Where is all the romance gone?

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Montag, 4. September 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss (8)
Pack dein Leben an, sonst fickt es dich. Und zwar von hinten.

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