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Mittwoch, 13. September 2006
Who cares (4)
frau klugscheisser, 13:20h

Heiliger Stuhl ist nicht die Bezeichnung für päpstliche Ausscheidung, weswegen die Übersetzung in holy shit nicht zutreffend wäre.
1989: Kardinal Joseph Ratzinger bekommt von Narrhalla-Präsident Werner Hoser im Schloss Suresnes den Karl-Valentin-Orden überreicht. Foto: SZ
Angenommen Ratze ginge zwanzig Jahre später im Fasching als Papst, würde ihn der Stoiber Edi wegen Gotteslästerung drei Jahre lang einbuchten lassen?
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Montag, 11. September 2006
She said “Hello, hey Jo, you wanna give it a go?”
frau klugscheisser, 21:40h
Am Wochenende wird endlich mal wieder um die Häuser gezogen. Mal so richtig die Sau rauslassen. Oder das kleine Ferkel. Je nachdem. Soweit der Plan. Die Klamotten gebügelt, das Gesicht verspachtelt, aufs Radl geschwungen. Doch wohin des Weges? Das Durchschnittsalter der Clubs überschritten, das der gediegenen Tanztees noch nicht erreicht, für Ü30 Resteficken zu schade. In einer hohlen Gasse erleuchtete Scheiben. Drinnen großer Andrang hohler Hirnmasse. Wenigstens falle ich dort nicht auf. Könnte man meinen. 20jähriges Bestehen wird gefeiert. Die Musik ist deutlich älter. Das Publikum auch. An der Bar entsteht gerade eine kleine Lücke, in die ich mich hineindrücke. Hohes Aufkommen an schmalen blonden Wesen. Somit falle ich aus dem Raster und doch auf. Mein einziger Trost die Aussage meines Friseurs, ich sei dunkelblond. Hilft jetzt aber nicht wirklich, weil ich mehr als einen Gesichtsausdruck draufhabe. Die müssen - im Gegensatz zu mir - nur repräsentieren. Als Grüppchen lässig in der Ecke stehen genügt schon. Soviel Schönheit erträgt mein Selbstbewusstsein heute Abend nicht. Ich wende mich von den Püppchen ab und meinem Wodka Tonic zu. Hinter mir hat die Stimmung ihren ersten Höhepunkt erreicht. Es wird wild getanzt. Wie man halt wild auf einer Stelle tanzen kann. Ist alles Interpretationssache. Ich fühle es jedenfalls an meinem Rücken auf und ab rubbeln. Auf halbem Fuß wippe ich ein wenig mit. Der andere schwebt frei über dem Treppenabsatz. Mir wird langsam klar, warum dieser Platz an der Bar noch frei war. Zu irgendwas muss das ständige Tanztraining ja gut sein. Die Balance hält sich leichter als die Contenance.
Während ich mich auf die unglaublich interessante Musterung der Thekenoberfläche konzentriere, scheint einer der Gäste mit mir Kontakt aufnehmen zu wollen. Auf den Eiswürfel in meinem Ausschnitt reagiere ich nicht. Pubertäres Spielchen. Erst als ich mich unbeobachtet wähne, schüttle ich das kalte Nass aus dem BH. Es tropft in den freischwingenden Schuh. Mit soviel Selbstbeherrschung haben die Herrschaften hinter mir nicht gerechnet. Ein zweiter Versuch mittels Schultertippen wird gestartet, dann ein dritter. Keine Reaktion, nicht einmal ein leises Zucken. Gott, bin ich eine coole Sau. Und so fad. Nach angemessener Zeit drehe ich mich um. Gut, dass ich inzwischen unterhalb der Stufe stehe. So kann mich der Typ hinter mir auf Augenhöhe ansprechen. Der steht nämlich noch oben. Die verbale Kontaktaufnahme gestaltet sich im Gegensatz zur nonverbalen origineller. Deshalb verzeihe ich ihm auch die Frage, was ich so mache. Ich denke, antworte ich wahrheitsgemäß. Darauf fällt selbst einem Münchner Original nicht mehr viel ein. Kann er nicht wissen, dass meine Stärken auch Abwürgen leichter Konversation beinhalten. Viel mehr würde mich ja ein anderer aus der Gruppe seiner Bekannten interessieren. Der ist ein wenig zurückhaltend, ernsthafter als die anderen. Sowas weckt Mutterinstinkte. Es wird beschlossen, die Lokalität zu wechseln. Man integriert mich in die laufenden Verhandlungen. Sehr rücksichtsvoll.
Auf dem Weg zur Maximilianstraße fragt Moni, ob die Herren mehr als zwei Sätze mit mir gewechselt hätten, bevor sie mich mitschleppten. Sie könnte aber auch Marion heissen oder Maria. Halt irgendwas mit M. Natürlich ist sie blond. Ich wittere weibliche Missgunst. Was sie nicht weiß, dass einer der Herren sich ihres verwaisten Handys angenommen hat. Ich weiß es, sage aber nichts. Das Münchner Original und der ernsthafte Typ radeln neben mir, Moria vor uns her. Vielleicht war ihr Repertoire nach dem zweiten Satz erschöpft. Vielleicht wollen die Herren aber auch nur von meiner Radlfunzel profitieren. Unwahrscheinlich, denn der volle Mond knallt sein Licht auf die Münchner Schickeria. An der nächsten Lokalität angekommen taut der ernsthafte Typ so richtig auf. Es entwickelt sich zwischen uns ein Gespräch über die Wichtigkeit, ernsthaft zu sein. Sätze gefolgt von langen Pausen. Zum Nachdenken. Drei werden es insgesamt schon gewesen sein. Ganz beachtlich für diese Uhrzeit. Jemand drückt mir ein Glas in die Hand. Gläser sind auf der Nobelmeile immer zu klein. Oder zu wenig drin. Oder ich zu schnell. Es dauert nicht lange, da hänge ich dem ernsthaften Typ am Hals. Oder er an meinem. Vermutlich hat mich nur jemand gestoßen. So genau weiß ich das nicht mehr. Sowohl die Balance als auch meine Contenance haben sich soeben verabschiedet. Spätestens als der ernsthafte Typ mit der Zunge sehr sorgfältig meine Mundhöhle inspiziert, ist das mit der Moral auch gegessen. Wären wir zwanzig Jahre jünger, hätten sich mit Sicherheit unsere Zahnspangen verhakt. So aber brauche ich mir keine Gedanken um die neuen Inlays zu machen. Die sitzen bombenfest. Nein, ganz so schlecht küsst er nicht. Im Gegenteil. Eine gewisse Ernsthaftigkeit lässt sich nicht leugnen.
Ich bestelle neu. Reden macht durstig. Knutschen auch. Die Halbwertszeit meines Getränkes sinkt drastisch zu fortgeschrittener Stunde. Dabei habe ich noch nicht einmal getrunken. Vom Tisch gefallen ist es. Einfach so. Wie von Geisterhand. Könnte aber auch mein Absatz gewesen sein. Ein rechter Scheißdreck ist das mit den niedrigen Tischen in diesen neumodischen Läden. Die Tatsache, dass die Ledersohlen meiner sündhaft teuren neuen Schuhe jetzt Alkohol saugen, wird verdrängt. Man muss Prioritäten setzen. Der Austausch von Körperflüssigkeit hat eindeutig Priorität. Das stärkt das Immunsystem. Was ich zudem verdränge ist eine Ansage des ernsthaften Typen, er müsse am nächsten Tag früh aufstehen und deswegen jetzt heim. Er wiederholt sich dreimal. Jedesmal unterbricht er seinen Satz, um mich zu küssen. Red du nur, denke ich. Solange du deine Zunge unter meinem Tisch.... Als er meine Hand auf seinem Oberschenkel spürt, springt er wie von der Tarantel gestochen auf und geht. Jetzt übertreibt er aber. Ich bin ja selber überrascht, wie die da hingekommen ist. Aber wir sind auch keine Zwanzig mehr. Die Chose war sowas von klar. Sonnenklar sozusagen.
Wir hinterlassen einen recht desolaten Eindruck, die Designersitzgruppe und ich. Ich grinse debil vor mich hin. Was soll ich auch anderes tun. Das Münchner Original sitzt noch neben mir. Er hat ja versprochen, auf mich aufzupassen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass er seine große Chance jetzt gekommen sieht. Ich hingegen sehe da überhaupt nichts. Ganz unterschiedliche Blickwinkel. Sogar im Sitzen. Eine Weile scheint er zwischen Gentleman und Resteficken hin und hergerissen. Dann entlasse ich ihn aus seiner Verantwortung. Wir sind schließlich keine Zwanzig mehr. Ich bin schon groß. Naja, zumindest breit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber komme ich spätestens am nächsten Tag weg. Man hat ja Disziplin. Nicht aber über das Verhalten des ernsthaften Typen. Und heute ist schon Dienstag. Fast. Und ich wieder Zwanzig. Fast. So doof halt.
Während ich mich auf die unglaublich interessante Musterung der Thekenoberfläche konzentriere, scheint einer der Gäste mit mir Kontakt aufnehmen zu wollen. Auf den Eiswürfel in meinem Ausschnitt reagiere ich nicht. Pubertäres Spielchen. Erst als ich mich unbeobachtet wähne, schüttle ich das kalte Nass aus dem BH. Es tropft in den freischwingenden Schuh. Mit soviel Selbstbeherrschung haben die Herrschaften hinter mir nicht gerechnet. Ein zweiter Versuch mittels Schultertippen wird gestartet, dann ein dritter. Keine Reaktion, nicht einmal ein leises Zucken. Gott, bin ich eine coole Sau. Und so fad. Nach angemessener Zeit drehe ich mich um. Gut, dass ich inzwischen unterhalb der Stufe stehe. So kann mich der Typ hinter mir auf Augenhöhe ansprechen. Der steht nämlich noch oben. Die verbale Kontaktaufnahme gestaltet sich im Gegensatz zur nonverbalen origineller. Deshalb verzeihe ich ihm auch die Frage, was ich so mache. Ich denke, antworte ich wahrheitsgemäß. Darauf fällt selbst einem Münchner Original nicht mehr viel ein. Kann er nicht wissen, dass meine Stärken auch Abwürgen leichter Konversation beinhalten. Viel mehr würde mich ja ein anderer aus der Gruppe seiner Bekannten interessieren. Der ist ein wenig zurückhaltend, ernsthafter als die anderen. Sowas weckt Mutterinstinkte. Es wird beschlossen, die Lokalität zu wechseln. Man integriert mich in die laufenden Verhandlungen. Sehr rücksichtsvoll.
Auf dem Weg zur Maximilianstraße fragt Moni, ob die Herren mehr als zwei Sätze mit mir gewechselt hätten, bevor sie mich mitschleppten. Sie könnte aber auch Marion heissen oder Maria. Halt irgendwas mit M. Natürlich ist sie blond. Ich wittere weibliche Missgunst. Was sie nicht weiß, dass einer der Herren sich ihres verwaisten Handys angenommen hat. Ich weiß es, sage aber nichts. Das Münchner Original und der ernsthafte Typ radeln neben mir, Moria vor uns her. Vielleicht war ihr Repertoire nach dem zweiten Satz erschöpft. Vielleicht wollen die Herren aber auch nur von meiner Radlfunzel profitieren. Unwahrscheinlich, denn der volle Mond knallt sein Licht auf die Münchner Schickeria. An der nächsten Lokalität angekommen taut der ernsthafte Typ so richtig auf. Es entwickelt sich zwischen uns ein Gespräch über die Wichtigkeit, ernsthaft zu sein. Sätze gefolgt von langen Pausen. Zum Nachdenken. Drei werden es insgesamt schon gewesen sein. Ganz beachtlich für diese Uhrzeit. Jemand drückt mir ein Glas in die Hand. Gläser sind auf der Nobelmeile immer zu klein. Oder zu wenig drin. Oder ich zu schnell. Es dauert nicht lange, da hänge ich dem ernsthaften Typ am Hals. Oder er an meinem. Vermutlich hat mich nur jemand gestoßen. So genau weiß ich das nicht mehr. Sowohl die Balance als auch meine Contenance haben sich soeben verabschiedet. Spätestens als der ernsthafte Typ mit der Zunge sehr sorgfältig meine Mundhöhle inspiziert, ist das mit der Moral auch gegessen. Wären wir zwanzig Jahre jünger, hätten sich mit Sicherheit unsere Zahnspangen verhakt. So aber brauche ich mir keine Gedanken um die neuen Inlays zu machen. Die sitzen bombenfest. Nein, ganz so schlecht küsst er nicht. Im Gegenteil. Eine gewisse Ernsthaftigkeit lässt sich nicht leugnen.
Ich bestelle neu. Reden macht durstig. Knutschen auch. Die Halbwertszeit meines Getränkes sinkt drastisch zu fortgeschrittener Stunde. Dabei habe ich noch nicht einmal getrunken. Vom Tisch gefallen ist es. Einfach so. Wie von Geisterhand. Könnte aber auch mein Absatz gewesen sein. Ein rechter Scheißdreck ist das mit den niedrigen Tischen in diesen neumodischen Läden. Die Tatsache, dass die Ledersohlen meiner sündhaft teuren neuen Schuhe jetzt Alkohol saugen, wird verdrängt. Man muss Prioritäten setzen. Der Austausch von Körperflüssigkeit hat eindeutig Priorität. Das stärkt das Immunsystem. Was ich zudem verdränge ist eine Ansage des ernsthaften Typen, er müsse am nächsten Tag früh aufstehen und deswegen jetzt heim. Er wiederholt sich dreimal. Jedesmal unterbricht er seinen Satz, um mich zu küssen. Red du nur, denke ich. Solange du deine Zunge unter meinem Tisch.... Als er meine Hand auf seinem Oberschenkel spürt, springt er wie von der Tarantel gestochen auf und geht. Jetzt übertreibt er aber. Ich bin ja selber überrascht, wie die da hingekommen ist. Aber wir sind auch keine Zwanzig mehr. Die Chose war sowas von klar. Sonnenklar sozusagen.
Wir hinterlassen einen recht desolaten Eindruck, die Designersitzgruppe und ich. Ich grinse debil vor mich hin. Was soll ich auch anderes tun. Das Münchner Original sitzt noch neben mir. Er hat ja versprochen, auf mich aufzupassen. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass er seine große Chance jetzt gekommen sieht. Ich hingegen sehe da überhaupt nichts. Ganz unterschiedliche Blickwinkel. Sogar im Sitzen. Eine Weile scheint er zwischen Gentleman und Resteficken hin und hergerissen. Dann entlasse ich ihn aus seiner Verantwortung. Wir sind schließlich keine Zwanzig mehr. Ich bin schon groß. Naja, zumindest breit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Darüber komme ich spätestens am nächsten Tag weg. Man hat ja Disziplin. Nicht aber über das Verhalten des ernsthaften Typen. Und heute ist schon Dienstag. Fast. Und ich wieder Zwanzig. Fast. So doof halt.
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Who cares (3)
frau klugscheisser, 12:53h
Morgen vor fünf Jahren sollte ich nach NYC fliegen. Mein erster Gedanke bei den Bildern vom einstürzenden WTC: Mist, da oben bist Du nie gewesen! (Letzte Chance Ende August sprichwörtlich verschlafen). Der zweite: Da hab ich morgen also frei?
Abstumpfungsfolgen durch Informationsoverkill. Wer noch nie zu Bildern von Krieg und Zerstörung Chips gegessen hat, werfe den ersten Stein.
Nachtrag:natürlich haben mich die Geschehnisse betroffen gemacht. Aber sind wir mal ganz ehrlich, ist es nicht so, dass vieles, was wir an Bildinformation aufnehmen, weit weg scheint? Nach geraumer Zeit ist alles nur noch lauwarm, was vorher überkochte. Wer erinnert sich denn noch an den Tag als die Tsunamiwelle über einige Teile der Welt rollte? Und wer weiß noch, was er tat, als der Krieg im Kosovo ausbrach? Betroffenheit wird heutzutage in Hollywoodmanier zelebriert. Schön bunt müssen die Bilder sein und möglichst viele Tränen rühren, damit der Rubel rollt. Der Propagandawolf im Informationspelz. Keine Absolution nötig.
Abstumpfungsfolgen durch Informationsoverkill. Wer noch nie zu Bildern von Krieg und Zerstörung Chips gegessen hat, werfe den ersten Stein.
Nachtrag:
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Samstag, 9. September 2006
God is a concept by which we can measure our pain
frau klugscheisser, 13:11h
Dieses Land macht mir Angst. Genauer gesagt die Menschen, die sich hier aufhalten. Wahrscheinlich wäre meine Angst nicht auf ein Land beschränkt, würde ich mich länger andernorts aufhalten. So aber konzentriert sich meine individuelle Wahrnehmung auf meine alltägliche Umgebung. Da passiert etwas und kaum einer sieht hin. Ich meine nicht die Katastrophen durch Unwetter und Gewalteinwirkung, ich meine die kleinen Dinge, die täglich stattfinden. Das Große beginnt im Kleinen. In jedem von uns.
Gestern blieb im Haus der Fahrstuhl stecken. Die Eingeschlossene betätigte den Notfallknopf und das laute Fiepen war deutlich im gesamten Gebäude zu hören. Mir war sofort klar, was da vor sich ging, doch wartete ich eine kleine Weile, bevor ich aktiv wurde. Nicht weil ich die Person quälen wollte, sondern um zu sehen, wer ausser mir darauf reagiert. Im Haus hielten sich ausser mir noch mehr Mieter auf, doch keiner schien sich zu Handeln aufgefordert zu fühlen. Also rief ich der Dame zwischen viertem und fünften Stock zu, ich würde Hilfe holen.
Vor längerer Zeit fand ich auf der Straße eine bewußtlose Person. Es war Nacht und Winter zudem. Die Frau wäre erfroren, hätte sie noch länger dort gelegen. Sie atmete kaum noch. Als ich Passanten zurief, sie sollten einen Rettungswagen alarmieren, erntete ich nur Kopfschütteln. Die nächsten Fußgänger vergrößerten schlichtweg ihren Radius um mich und die Bewußtlose. Ich ging in die nächste Kneipe und orderte dort selbst einen Rettungswagen. Dann wartete ich neben dem leblosen Körper. Von den Sanitätern erfuhr ich, es handele sich um eine Fixerin, die sich den goldenen Schuß gesetzt hatte.
Als wir auf der Rückkehr von einem Nachttauchgang auf der dreispurigen Autobahn ein brennendes Fahrzeug passierten, waren wir nicht die Ersten, die hielten, jedoch die ersten, die handelten. Es ist nicht leicht, eine vielbefahrene dreispurige Straße im Dunkeln abzusichern, auf der gerade eine Benzinspur entflammt. Da ich Umstehende anwies, Rettungswagen und Feuerwehr zu alarmieren, schien ich plötzlich Ansprechpartner und Beschwerdestelle zugleich zu sein. Einer sei vorhin über lose Fahrzeugteile gefahren, wer denn die Kosten dafür übernehme, ein anderer wollte wissen, wer ihm seine Decke ersetze, auf die wir den Verletzten gelegt hatten. Ich drehte mich wortlos um und ging.
Selbst schuld höre ich sie sagen, was kann ich schon tun. Ich bin beileibe nicht altruistisch veranlagt aber wenn diese Einstellung der Allgemeinheit weiter zunimmt, wird man mir bald ein Helfersyndrom diagnostizieren. Denn statt selbst aktiv zu werden, schreit alle Welt nach höheren Institutionen. Die Regierung wird´s schon richten. Wenn die nicht hilft, wird nach Gott gesucht. Kindliches Verhalten, nach den Eltern zu rufen, wenn man selbst hilflos scheint. Wir leben in einer Gesellschaft von überalterten Kleinkindern. Man überlässt das Handeln den Mächtigeren und beschwert sich im Gegenzug über Reglementierungen, die die eigene Freiheit einschränken. Ich beobachte dieses Verhalten schon eine ganze Weile (unter anderem hier* zu lesen). Aber was sollen mehr Kameras, stärkere überwachung und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ausrichten, wenn der Einzelne es versäumt, für sich Verantwortung zu übernehmen? Ich höre die Stimmen der ach so Wehrlosen: Ich gehe wählen aber was kann ich damit schon ausrichten? Die Politiker tun doch sowieso, was sie wollen. Politik, Wirtschaft, Macht und Geld, das hängt doch alles zusammen. Die Chose ist mir eine Nummer zu groß. Vielleicht liegt es genau daran, sich eben nicht seiner Freiheit berauben zu lassen, indem Eigenverantwortung übernommen wird. Zugegeben, das ist erst mal unbequem, denn schließlich bin ich damit auch für meine Fehler selbst verantwortlich. Lieber springen wir wie die Lemminge in den Abgrund, als uns auf eigene Beine zu stellen. Als Einzelperson kann ich nicht die Welt revolutionieren. Was ich allerdings tun kann, ist, meine eigene Einstellung zu revidieren. Wenn ich den Mut finde, mich in Wort und Tat gegen den allgemeinen Tenor zu stellen, bin ich schon stärker als drei Mitläufer. Sicher findet sich bald einer, der ähnlich denkt, dann noch einer und noch einer. Nur so kann etwas Neues beginnen, nur so existiert überhaupt eine Chance auf Veränderung.
Eine Lebenseinstellung lässt sich trainieren, wie alles. Es erfordert ein wenig Disziplin. Dann ist nichts mehr mit Ausflüchten wie so bin ich eben oder in meinem Alter kann man sich nicht mehr ändern. Unbequem zu sein, fällt mit der Zeit immer leichter, ja es kann sogar Spaß machen. Dieses Wochenende habe ich genügend Gelegenheit, die Herdenkatholiken auf der Straße zu beobachten. Ja, betet ihr nur für eine bessere Welt. Betet zu höheren Mächten und betet für euren heiligen Vater, Ersatzfigur für eine verlorene Kindheit. Ich weiß, ich bin mein eigener Gott, wenn auch ein ganz kleiner. Und ich möchte nie mehr tauschen.
*wo ich ebenfalls schon Beiträge einstellen durfte
Gestern blieb im Haus der Fahrstuhl stecken. Die Eingeschlossene betätigte den Notfallknopf und das laute Fiepen war deutlich im gesamten Gebäude zu hören. Mir war sofort klar, was da vor sich ging, doch wartete ich eine kleine Weile, bevor ich aktiv wurde. Nicht weil ich die Person quälen wollte, sondern um zu sehen, wer ausser mir darauf reagiert. Im Haus hielten sich ausser mir noch mehr Mieter auf, doch keiner schien sich zu Handeln aufgefordert zu fühlen. Also rief ich der Dame zwischen viertem und fünften Stock zu, ich würde Hilfe holen.
Vor längerer Zeit fand ich auf der Straße eine bewußtlose Person. Es war Nacht und Winter zudem. Die Frau wäre erfroren, hätte sie noch länger dort gelegen. Sie atmete kaum noch. Als ich Passanten zurief, sie sollten einen Rettungswagen alarmieren, erntete ich nur Kopfschütteln. Die nächsten Fußgänger vergrößerten schlichtweg ihren Radius um mich und die Bewußtlose. Ich ging in die nächste Kneipe und orderte dort selbst einen Rettungswagen. Dann wartete ich neben dem leblosen Körper. Von den Sanitätern erfuhr ich, es handele sich um eine Fixerin, die sich den goldenen Schuß gesetzt hatte.
Als wir auf der Rückkehr von einem Nachttauchgang auf der dreispurigen Autobahn ein brennendes Fahrzeug passierten, waren wir nicht die Ersten, die hielten, jedoch die ersten, die handelten. Es ist nicht leicht, eine vielbefahrene dreispurige Straße im Dunkeln abzusichern, auf der gerade eine Benzinspur entflammt. Da ich Umstehende anwies, Rettungswagen und Feuerwehr zu alarmieren, schien ich plötzlich Ansprechpartner und Beschwerdestelle zugleich zu sein. Einer sei vorhin über lose Fahrzeugteile gefahren, wer denn die Kosten dafür übernehme, ein anderer wollte wissen, wer ihm seine Decke ersetze, auf die wir den Verletzten gelegt hatten. Ich drehte mich wortlos um und ging.
Selbst schuld höre ich sie sagen, was kann ich schon tun. Ich bin beileibe nicht altruistisch veranlagt aber wenn diese Einstellung der Allgemeinheit weiter zunimmt, wird man mir bald ein Helfersyndrom diagnostizieren. Denn statt selbst aktiv zu werden, schreit alle Welt nach höheren Institutionen. Die Regierung wird´s schon richten. Wenn die nicht hilft, wird nach Gott gesucht. Kindliches Verhalten, nach den Eltern zu rufen, wenn man selbst hilflos scheint. Wir leben in einer Gesellschaft von überalterten Kleinkindern. Man überlässt das Handeln den Mächtigeren und beschwert sich im Gegenzug über Reglementierungen, die die eigene Freiheit einschränken. Ich beobachte dieses Verhalten schon eine ganze Weile (unter anderem hier* zu lesen). Aber was sollen mehr Kameras, stärkere überwachung und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ausrichten, wenn der Einzelne es versäumt, für sich Verantwortung zu übernehmen? Ich höre die Stimmen der ach so Wehrlosen: Ich gehe wählen aber was kann ich damit schon ausrichten? Die Politiker tun doch sowieso, was sie wollen. Politik, Wirtschaft, Macht und Geld, das hängt doch alles zusammen. Die Chose ist mir eine Nummer zu groß. Vielleicht liegt es genau daran, sich eben nicht seiner Freiheit berauben zu lassen, indem Eigenverantwortung übernommen wird. Zugegeben, das ist erst mal unbequem, denn schließlich bin ich damit auch für meine Fehler selbst verantwortlich. Lieber springen wir wie die Lemminge in den Abgrund, als uns auf eigene Beine zu stellen. Als Einzelperson kann ich nicht die Welt revolutionieren. Was ich allerdings tun kann, ist, meine eigene Einstellung zu revidieren. Wenn ich den Mut finde, mich in Wort und Tat gegen den allgemeinen Tenor zu stellen, bin ich schon stärker als drei Mitläufer. Sicher findet sich bald einer, der ähnlich denkt, dann noch einer und noch einer. Nur so kann etwas Neues beginnen, nur so existiert überhaupt eine Chance auf Veränderung.
Eine Lebenseinstellung lässt sich trainieren, wie alles. Es erfordert ein wenig Disziplin. Dann ist nichts mehr mit Ausflüchten wie so bin ich eben oder in meinem Alter kann man sich nicht mehr ändern. Unbequem zu sein, fällt mit der Zeit immer leichter, ja es kann sogar Spaß machen. Dieses Wochenende habe ich genügend Gelegenheit, die Herdenkatholiken auf der Straße zu beobachten. Ja, betet ihr nur für eine bessere Welt. Betet zu höheren Mächten und betet für euren heiligen Vater, Ersatzfigur für eine verlorene Kindheit. Ich weiß, ich bin mein eigener Gott, wenn auch ein ganz kleiner. Und ich möchte nie mehr tauschen.
*wo ich ebenfalls schon Beiträge einstellen durfte
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