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Freitag, 30. März 2007
Hey you
frau klugscheisser, 00:33h
Heute von mehreren Norwegern mit einem "hej hej" begrüßt worden. Musste unwillkürlich lachen, weil mich das an diese Geschichte erinnerte. Wetten, daß Step-Aerobic von den alten Wikingern erfunden wurde?
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Donnerstag, 29. März 2007
Lay off of my black suede shoes
frau klugscheisser, 00:59h
Da müsse ich halt fragen und nicht selber suchen, meint die Dame in dem kleinen Laden in der Hohenzollernstraße. Sie stolziert zwischen den Kartons herum, kommentiert die Wahl der Kundinnen und fuchtelt dabei wild mit einem langen silbernen Schuhlöffel. Überhaupt mache jede Kundin so eine Unordnung. Aber das sei ja jetzt vorbei, weil sie ihren Laden schließe und dann könnten die werten Damen mal schauen, wo sie noch brauchbare Schuhe herbekommen. Heutzutage würde ja nur Mist aus Plastik oder billigem Leder verkauft. Wenn sie mit ihrem Laden nicht mehr sei, gäbe es in München überhaupt kein gescheites Schuhwerk mehr zu erwerben. Erst bin ich ein wenig von ihrer strengen Art eingeschüchtert, doch die niedrigen Preise halten mich vor Verlassen des Ladens zurück. Ich schaue mich ein wenig um, probiere hier und da. Zwei Paar ziehe ich in die engere Wahl. Es sind die einzigen, die mir gefallen und noch in meiner Größe verfügbar sind. Ob ich den linken probieren wolle, fragt sie unwirsch. Will ich nicht, denn wenn der rechte passt, passt auch der linke, da mein linker Fuß der schmälere ist. Damit entlocke ich ihr das erste Lächeln. Beim Zahlen frage ich sie, ob die Geschäftsaufgabe nicht schwer für sie sei. Nein, sei sie nicht, denn es gäbe schließlich auch noch ein anderes Leben. Aber so qualitativ hochwertige Schuhe wie die ihren wären dann in München Vergangenheit. Als sie das Preiswapperl von der Sohle entfernt, erwähne ich anerkennend die dünne Gummirippsohle auf dem Leder. Da lächelt sie ein weiteres Mal. Ja, so habe sie eben eingekauft, nur das Beste halt. Aber das sei jetzt in München vorbei. Als ich auf die Straße trete, bin ich fast ein wenig erleichtert, ihrer bayrisch zwidernen Art entkommen zu sein. Dann hänge ich die beiden Tüten mit den Kartons an die Lenkstange und radle heim. Natürlich konnte ich mich nicht entscheiden und habe deswegen beide Paare genommen.
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Mittwoch, 28. März 2007
Dance like this
frau klugscheisser, 01:57h
Dancing is not about how many pirouettes you can make or how high you can lift your legs but expressing your emotions in a movement.
Nunzio
Ein Tsunami von Glückshormonen schwappt durch meine Blutbahnen. Es funktioniert jedes Mal, egal wie müde, ausgelaugt, energielos oder deprimiert ich vorher war. Wenn ich vom Training komme, macht meine Seele Flick-Flacks und in meinem Bauch hüpfen die Neurotransmitter von Synapse zu Synapse. Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Wirkung hat dabei Nunzio. Seine Art zu unterrichten ist einmalig. Man spürt, dass er liebt, was er tut. In jeder Sekunde der anderthalb Stunden - meistens werden es fast zwei - ist er aufmerksam und gibt 150%. Egal wieviele Schüler in der Stunde anwesend sind - und es werden laufend mehr - schafft er es, jeden einzelnen zu korrigieren und zu motivieren. Er vermittelt den Teilnehmern das Gefühl, wahrgenommen zu werden und wichtig zu sein.
Die Zusammensetzung der Gruppen ist bunt. Es kommen Dicke und Dünne, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Vorkenntnisse in Ballett oder ähnlichen Disziplinen. Jeder wird akzeptiert. Die Atmosphäre innerhalb der Gruppen ist freundlich und wohlwollend. Kein Konkurrieren, keine bösen Blicke und kein Jahrmarkt der Eitelkeiten - dafür sorgt er durch seine ihm eigene Art. Es wird weder vor den anderen getadelt, noch gelobt, keine Gruppen von schlechteren und besseren Tänzern gebildet, kurzum es wird nicht beurteilt. Während des halben Jahres, das ich nun regelmäßig trainiere, habe ich Schüler über sich selbst hinauswachsen sehen, von denen ich zunächst glaubte, sie könnten nicht stolperfrei einen Fuß vor den anderen setzen.
Er sagt, er lerne von uns. Anfangs bezweifelte ich diese Aussage, doch mit der Zeit habe auch ich viel von den anderen gelernt. Inzwischen kann ich - man höre und staune - an guten Tagen eine ganze Diagonale saubere Pirouetten drehen. An schlechten geht nur eine Drehung, die ich stehe. Aber auch darauf bin ich mächtig stolz, denn nach dem anfänglichen Pirouettendesaster
nicht aufgegeben zu haben, sondern trotzdem Spaß zu empfinden, das braucht schon eine ganze Menge. Ich kann inzwischen Liegestützen (sogar die gaaaanz langsamen) und seit die Zerrung am rechten Oberschenken abgeheilt ist auch wieder Spagat seit- und vorwärts. Im letzten halben Jahr habe ich mindestens 5 Kilo dauerhaft ohne Diät abgenommen - genau weiß ich es nicht, weil meine Waage der Wohnung verwiesen wurde - und bin in der Lage, die restlichen Speckröllchen einigermaßen kontrolliert durch Choreographien zu schwingen. Außerdem wird meine Memorierfähigkeit und die Umsetzung von Bewegungsabläufen immer schneller. Wenn das mal insgesamt keine Erfolgsmeldung ist.
Die Gruppen sind nach Können in Grundkurs, Mittelstufe und Fortgeschrittene aufgeteilt, wobei Mittelstufe in etwa das bedeutet, was in anderen Laienkursen eher als fortgeschritten proklamiert wird. Seit Dezember nehme ich an allen Stufen teil, da sie sich wunderbar über die Woche verteilen. Stimmt gar nicht, der Fortgeschrittenenkurs ist noch zu schwer für mich, weswegen ich eine Zwischenstufe (intermediate/advanced) in einer anderen Schule belege aber lange dürfte es nicht mehr dauern. Im Grunde ist mir egal, welche Stufe gerade läuft. Das Aufwärmtraining ist überall ähnlich und selbst im Grundkurs kann ich immer was lernen. Die Glückshormone machen einfach so süchtig, dass ich sie fünf Tage die Woche brauche, vorausgesetzt ich bin nicht irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs. Immerhin braucht es dazu nur einen einzigen Mann, den ich mir mit knapp 30 anderen Frauen (und dem ein oder anderen männlichen Schüler) ganz ohne Eifersüchteleien teile. Soll noch einer behaupten, dass das nicht außergewöhnlich sei.
Nunzio
Ein Tsunami von Glückshormonen schwappt durch meine Blutbahnen. Es funktioniert jedes Mal, egal wie müde, ausgelaugt, energielos oder deprimiert ich vorher war. Wenn ich vom Training komme, macht meine Seele Flick-Flacks und in meinem Bauch hüpfen die Neurotransmitter von Synapse zu Synapse. Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Wirkung hat dabei Nunzio. Seine Art zu unterrichten ist einmalig. Man spürt, dass er liebt, was er tut. In jeder Sekunde der anderthalb Stunden - meistens werden es fast zwei - ist er aufmerksam und gibt 150%. Egal wieviele Schüler in der Stunde anwesend sind - und es werden laufend mehr - schafft er es, jeden einzelnen zu korrigieren und zu motivieren. Er vermittelt den Teilnehmern das Gefühl, wahrgenommen zu werden und wichtig zu sein.
Die Zusammensetzung der Gruppen ist bunt. Es kommen Dicke und Dünne, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Vorkenntnisse in Ballett oder ähnlichen Disziplinen. Jeder wird akzeptiert. Die Atmosphäre innerhalb der Gruppen ist freundlich und wohlwollend. Kein Konkurrieren, keine bösen Blicke und kein Jahrmarkt der Eitelkeiten - dafür sorgt er durch seine ihm eigene Art. Es wird weder vor den anderen getadelt, noch gelobt, keine Gruppen von schlechteren und besseren Tänzern gebildet, kurzum es wird nicht beurteilt. Während des halben Jahres, das ich nun regelmäßig trainiere, habe ich Schüler über sich selbst hinauswachsen sehen, von denen ich zunächst glaubte, sie könnten nicht stolperfrei einen Fuß vor den anderen setzen.
Er sagt, er lerne von uns. Anfangs bezweifelte ich diese Aussage, doch mit der Zeit habe auch ich viel von den anderen gelernt. Inzwischen kann ich - man höre und staune - an guten Tagen eine ganze Diagonale saubere Pirouetten drehen. An schlechten geht nur eine Drehung, die ich stehe. Aber auch darauf bin ich mächtig stolz, denn nach dem anfänglichen Pirouettendesaster
nicht aufgegeben zu haben, sondern trotzdem Spaß zu empfinden, das braucht schon eine ganze Menge. Ich kann inzwischen Liegestützen (sogar die gaaaanz langsamen) und seit die Zerrung am rechten Oberschenken abgeheilt ist auch wieder Spagat seit- und vorwärts. Im letzten halben Jahr habe ich mindestens 5 Kilo dauerhaft ohne Diät abgenommen - genau weiß ich es nicht, weil meine Waage der Wohnung verwiesen wurde - und bin in der Lage, die restlichen Speckröllchen einigermaßen kontrolliert durch Choreographien zu schwingen. Außerdem wird meine Memorierfähigkeit und die Umsetzung von Bewegungsabläufen immer schneller. Wenn das mal insgesamt keine Erfolgsmeldung ist.
Die Gruppen sind nach Können in Grundkurs, Mittelstufe und Fortgeschrittene aufgeteilt, wobei Mittelstufe in etwa das bedeutet, was in anderen Laienkursen eher als fortgeschritten proklamiert wird. Seit Dezember nehme ich an allen Stufen teil, da sie sich wunderbar über die Woche verteilen. Stimmt gar nicht, der Fortgeschrittenenkurs ist noch zu schwer für mich, weswegen ich eine Zwischenstufe (intermediate/advanced) in einer anderen Schule belege aber lange dürfte es nicht mehr dauern. Im Grunde ist mir egal, welche Stufe gerade läuft. Das Aufwärmtraining ist überall ähnlich und selbst im Grundkurs kann ich immer was lernen. Die Glückshormone machen einfach so süchtig, dass ich sie fünf Tage die Woche brauche, vorausgesetzt ich bin nicht irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs. Immerhin braucht es dazu nur einen einzigen Mann, den ich mir mit knapp 30 anderen Frauen (und dem ein oder anderen männlichen Schüler) ganz ohne Eifersüchteleien teile. Soll noch einer behaupten, dass das nicht außergewöhnlich sei.
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Montag, 26. März 2007
Daylight savings time
frau klugscheisser, 01:46h
Zwei ältere Damen unterhalten sich. "Mein Eisprung ist in letzter Zeit so unregelmäßig", sagt die eine. Darauf die andere: "Also meiner ist so regelmäßig, da kann ich die Uhr nach stellen. Sommerzeit... Winterzeit..."
Letzte Nacht war da ein merkwürdiges Geräusch neben meinem Bett zu hören. Es kam aus der Richtung, in der mein Wecker steht. "Wird am Ende dieses Wochenende die Uhr umgestellt?" dachte ich noch im Halbschlaf. Obwohl es jedes Jahr zur selben Zeit - nämlich am letzten Sonntag im März - geschieht, war ich dieses Jahr überrascht. Noch nie habe ich aufgrund der Zeitumstellung verschlafen, seit es Funkuhren gibt ist das auch ein Ding der Unmöglichkeit. Und dennoch trifft mich die Zeitumstellung jedes Jahr härter als jeder Jetlag. Während ich in anderen Ländern die Ortszeit einfach akzeptiere, ohne mir Gedanken um die Heimatzeit zu machen, bin ich daheim jedes Jahr zweimal gezwungen, meine innere Uhr den Zeigern auf einem Ziffernblatt anzugleichen. "Ach, eigentlich ist es ja erst halb acht/neun/zehn/etc", der am öftesten gedachte Satz in den Wochen nach der Umstellung, käme mir auf Reisen niemals in den Sinn.
Als die Zeitumstellung schließlich 1980 in Deutschland permanent eingeführt wurde, spürte ich zum ersten Mal den Groll gegen unsere Machthaber. Ich empfand es als himmelschreiende Ungerechtigkeit, mich armes Schülerlein fortan eine Stunde früher aus dem Bett zu holen. Insgeheim hatte ich den Verdacht, das wäre ein Racheakt meiner Mutter, die mit der Regierung unter einer Decke steckte. Wir klärten das später im selben Gespräch, in dem sie mich überzeugte, nicht adoptiert oder nach der Geburt verwechselt worden zu sein. Wer mich morgens weckte, konnte sich einer geballten Ladung schlechter Laune sicher sein. Dass meine Mutter sehr bald diese Aufgabe einem mechanischen Wecker überließ, war die Rettung unserer familiären Beziehungen. Immerhin muss man sich vor einem Wecker nicht wochenlang rechtfertigen oder entschuldigen, wenn man ihn mal anschreit.
Eine Stunde ist wertvolle Traumzeit, die mir seit 27 Jahren gestohlen wird. Schlaumeier behaupten jetzt, sie würde mir am Ende des Jahres zurückgegeben. Das stimmt so nicht, denn am Ende des Jahres wache ich trotzdem nach 8 oder weniger Stunden Schlaf auf, ob es nun neun oder erst acht Uhr ist. Dann habe ich eine Stunde mehr Wachzustand, die ich irgendwie sinnvoll füllen muss. Die Rechnung geht so nicht auf. Sommerzeit mag für Bänker und Beamte, für wichtige und weniger wichtige Arbeitnehmer sinnvoll sein, für Taugenichtse wie mich ist sie es nicht. Morgen früh werde ich vermutlich sehr schlechte Laune haben, weil ich das Ende eines drehbuchreifen Traumes verpasse. Schlechte Zeiten für Träumer.
Letzte Nacht war da ein merkwürdiges Geräusch neben meinem Bett zu hören. Es kam aus der Richtung, in der mein Wecker steht. "Wird am Ende dieses Wochenende die Uhr umgestellt?" dachte ich noch im Halbschlaf. Obwohl es jedes Jahr zur selben Zeit - nämlich am letzten Sonntag im März - geschieht, war ich dieses Jahr überrascht. Noch nie habe ich aufgrund der Zeitumstellung verschlafen, seit es Funkuhren gibt ist das auch ein Ding der Unmöglichkeit. Und dennoch trifft mich die Zeitumstellung jedes Jahr härter als jeder Jetlag. Während ich in anderen Ländern die Ortszeit einfach akzeptiere, ohne mir Gedanken um die Heimatzeit zu machen, bin ich daheim jedes Jahr zweimal gezwungen, meine innere Uhr den Zeigern auf einem Ziffernblatt anzugleichen. "Ach, eigentlich ist es ja erst halb acht/neun/zehn/etc", der am öftesten gedachte Satz in den Wochen nach der Umstellung, käme mir auf Reisen niemals in den Sinn.
Als die Zeitumstellung schließlich 1980 in Deutschland permanent eingeführt wurde, spürte ich zum ersten Mal den Groll gegen unsere Machthaber. Ich empfand es als himmelschreiende Ungerechtigkeit, mich armes Schülerlein fortan eine Stunde früher aus dem Bett zu holen. Insgeheim hatte ich den Verdacht, das wäre ein Racheakt meiner Mutter, die mit der Regierung unter einer Decke steckte. Wir klärten das später im selben Gespräch, in dem sie mich überzeugte, nicht adoptiert oder nach der Geburt verwechselt worden zu sein. Wer mich morgens weckte, konnte sich einer geballten Ladung schlechter Laune sicher sein. Dass meine Mutter sehr bald diese Aufgabe einem mechanischen Wecker überließ, war die Rettung unserer familiären Beziehungen. Immerhin muss man sich vor einem Wecker nicht wochenlang rechtfertigen oder entschuldigen, wenn man ihn mal anschreit.
Eine Stunde ist wertvolle Traumzeit, die mir seit 27 Jahren gestohlen wird. Schlaumeier behaupten jetzt, sie würde mir am Ende des Jahres zurückgegeben. Das stimmt so nicht, denn am Ende des Jahres wache ich trotzdem nach 8 oder weniger Stunden Schlaf auf, ob es nun neun oder erst acht Uhr ist. Dann habe ich eine Stunde mehr Wachzustand, die ich irgendwie sinnvoll füllen muss. Die Rechnung geht so nicht auf. Sommerzeit mag für Bänker und Beamte, für wichtige und weniger wichtige Arbeitnehmer sinnvoll sein, für Taugenichtse wie mich ist sie es nicht. Morgen früh werde ich vermutlich sehr schlechte Laune haben, weil ich das Ende eines drehbuchreifen Traumes verpasse. Schlechte Zeiten für Träumer.
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Freitag, 23. März 2007
Return to fantasy
frau klugscheisser, 10:05h
Falls Sie am Wochenende noch nichts vorhaben und in München wohnen, besuchen Sie doch mal das kleine Programmkino in der Isabellastraße. Schauen Sie sich beispielsweise an, was wahres Leben ist, nachdem Sie jetzt das Leben der anderen kennen oder erfahren Sie mehr über das Leben nach der Hochzeit. Sollten Sie mittwochs Zeit haben und zudem des Spanischen (wahlweise italienisch oder französisch) mächtig sein, können Sie dort jede Woche einen Originalfilm mit Untertitel in dieser Sprache genießen. Sie mögen lieber englische Filme? Kein Problem. Auch die laufen täglich im Original und Sie sparen sich stundenlanges Schlangestehen wie etwa an der Cinema-kasse. Unschwer zu erkennen, dass mir dieses kleine Kino sehr am Herzen liegt. Kürzlich ging ich auf einem Spaziergang dort vorbei. Durch die Türe drang Klaviermusik nach draußen. Ich lauschte für einen Moment der Melodie der Goldbergvariationen bis sie von Dialog unterbrochen wurde. Plötzlich wirbelten mich meine Gedanken durch die Luft und setzten mich in einer längst vergangenen Zeit ab.
Als Kind war Weihnachten, wie man sich unschwer vorstellen kann, etwas ganz Besonderes. Dabei war es nicht die Bescherung, die den 24. zu einem aufregenden Tag machte, sondern das Warten. Während die Erwachsenen am Nachmittag die Stube für die Ankunft des Christkindes vorbereiteten, wurde ich kurzerhand bei Bekannten abgeliefert, die ein kleines Kino in einem Münchner Vorort besaßen. Bei unserer Ankunft öffnete die dicke Kassiererin, manchmal auch die Besitzerin selbst, die an Leibesfülle ihrer Kollegin in nichts nachstand, die Türe zum Kinderparadies hinter der Kasse. Dort wurden meine Taschen mit Eiskonfekt, Gummibärchen, Schokostäbchen mit Fruchtfüllung, sauren Ringen und derlei mehr bis zum Anschlag gefüllt, bevor man mich in den bereits abgedunkelten Saal führte. Was die Taschen nicht mehr hielten, hielt ich in Händen, so auch eine geöffnete Fantaflasche. Ich dachte, so ein Kino zu besitzen müsse ungeheuer praktisch sein, weil man immer Süßigkeiten im Haus hat, für die man nicht bezahlen muss.
Am Eingang zum Kinosaal wartete bereits die Platzanweiserin und führte mich mit ihrem Taschenlampenstrahl zu einer leeren Reihe. Ich kam mir immer sehr wichtig dabei vor, wie ein VIP. Einmal war die Platzanweiserin krank (oder bereits eingespart), da durfte ich die Lautstärke auf dem Sitz hinter der letzten Reihe regulieren. Offiziell gab es nichts zu regulieren, ich drehte aber um des Effektes willen den Knopf ein klein wenig nach rechts und wieder zurück. Schließlich war dies eine einmalige Chance, die ich nicht ungenutzt lassen wollte. Am Ende des Filmes war ich froh, meiner ungeheuren Verantwortung wieder enthoben zu sein.
In den Sommerferien durfte ich zu meiner großen Freude dann bei den Bekannten übernachten. Ihre Tochter war einige Jahre älter als ich. Sie schwärmte damals für die Popgruppe Sailor und insbesondere für deren Frontmann Georg Kajanus (der mit dem Ringelshirt). Zu jener Zeit kannte ich gerade mal Boney M und die Abba Songs, die auf einer abgenudelten Cassette meiner Mutter bei Autofahrten liefen. Dagegen machten die Bandmitglieder auf Postern, mit denen die Tochter unserer Bekannten ihr Zimmer gepflastert hatte, richtig was her. Noch in diesem Sommer bekam ich meine erste LP, natürlich von der Band mit dem Nickelodeon. Damit begann der Kampf um den elterlichen Plattenspieler und schließlich um die Musikauswahl während langer Autofahrten in die Ferien.
Von jenem Übernachtungsbesuch ist mir noch gut in Erinnerung, wie wir die großen Filmspulen wechselten und uns schließlich in die Abendvorstellung schlichen. Der Film - sowohl Titel als auch Inhalt sind mir leider entfallen - war mit Sicherheit nicht für unser Alter geeignet. Was wir (nicht) zu sehen bekamen wurde mir hinterher en détail von der Tochter des Hauses erklärt, die über eine fundierte Bildung aus der Bravo verfügte. Somit blieben keine Fragen offen. Mit meinem neugewonnenen Wissen konnte ich sogar meine Großmutter und ihre Kaffeedamen erstaunen. Die folgenden Kinobesuche beschränkten sich leider wieder auf Nachmittagsvorstellungen von Disneyfilmen.
Irgendwann musste das Kino der Bekannten erst einem Blumenladen und später einer Discountkette weichen. Die Zuschauerzahlen waren spärlich, das Geschäft lief schlecht. Um aktuelle Filme zu sehen fuhr man in die Innenstadt zu den großen Kinos. Für Vororte waren neue Filme damals noch einige Wochen gesperrt oder zu wenige Kopien vorhanden. Aber wer will schon Wochen auf laufende Filme warten? Mit dem Verkauf wurde ein Kapitel Familiengeschichte beendet. Erst war meine Großmutter, später meine Mutter dort Platzanweiserin, ich selbst leider nur einen Tag. Es gab immer lustige Geschichten und Ereignisse rund um das Kino zu berichten. Dass mein Großvater wohl während der Abendvorstellungen mit der Filmvorführerin fremd ging, erfuhr ich erst, als das Kino nicht mehr existierte.
Ich weiß nicht, ob die Besitzerin schließlich alle Süßigkeiten alleine aufgegessen hat und wo die großen Filmplakate geblieben sind, die sie mir schenkte - um das Plakat von Sauras Carmen habe ich damals sehr gebettelt. Das Studio Isabella weckt jedenfalls gute Erinnerungen, auch ohne Fruchtgummis. Ich sollte wirklich öfter ins Kino gehen. Und Sie auch.
Studio Isabella, Neureutherstr. 29/Ecke Isabellastraße
Weitere Artikel über das Isabella:
Münchner Kinos im Vergleich
Förderpreis für Programmauswahl
Wochenprogramm mit Links auf Inhalt
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Donnerstag, 22. März 2007
Solutions
frau klugscheisser, 21:15h
Während ich mich tagsüber erfolgreich vor notwendigen Tätigkeiten wie Putzen, Bügeln und der Steuererklärung herumdrücke, löse ich nachts die Probleme der Welt. So träumte ich kürzlich, wie die traditionelle Witwen- und Mädchenverbrennung in Indien zu umgehen sei. Nach einer Konvertierung zum Islam vermittelte ich einfach alle Inderinnen an heiratswillige Moslems. Diese Nacht mache ich mich an die Klimakatastrophe.
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Freitag, 16. März 2007
Sticking little white flowers all up in her hair
frau klugscheisser, 18:32h
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We're history (where were you?)
frau klugscheisser, 13:41h
Seltsam, wie wir unser tägliches Einerlei an äußeren Ereignissen festmachen, als ob die Routine viel zu schnell im Vergessen versinken lässt. Vielleicht geschieht in diesen Zeiten einfach zu wenig, das uns in Atem hält. Vielleicht sind wir ein träges Pack von Wohlfühlsüchtigen geworden, deren Verdrängungsmauer so hoch geworden ist, dass nur noch wenig durchsickert. Wo warst Du als die Mauer fiel, wo, am 11.9.? Wo warst Du, als Kurt Cobain starb und wo beim Tod von Prinzessin Diana?
Gestern sah ich The Queen. Der Film selbst ist anderswo schon besser besprochen worden als ich es jemals könnte [und ja, Helen Mirren hat den Oscar dafür wahrlich verdient]. Wo warst du als Prinzessin Diana starb? Die Welt stand nicht nur auf der kleinen Insel für einen Augenblick still. Menschen trauerten um jemanden, der ihnen noch nie persönlich begegnet war, als hätten sie eine nahe Freundin oder gar Schwester verloren. Möglicherweise waren es sogar dieselben Menschen, die schon bei Cobains Todesnachricht eine Träne vergossen, obwohl beide Anhängerschaften unterschiedlicher nicht hätten sein können. Das Dianaphänomen mit Hysterie und fehlenden Leitbildern zu erklären wäre nicht ausreichend. Vor allem waren es wohl die Umstände ihres Todes, sowie ihre Fehlbarkeit in Kombination mit einer exponierten Position, die sie schon zu Lebzeiten zur Identifikationsfigur der breiten Masse werden ließ und schließlich zu exaltierter Trauer führten.
Wo war ich denn als Diana starb? Die Antwort ist ernüchternd, wenngleich nachvollziehbar: ich war im Bett. Allein. Zumindest das hatte ich zum damaligen Zeitpunkt mit der Queen und einigen mehr gemeinsam. Es war vier Uhr morgens - selbst am Wochenende nachtschlafende Zeit - als die offizielle Nachricht verkündet wurde. Mich erreichte die Nachricht erst einige Stunden später durch den Anruf meines damalig besten Freundes."Diana ist gestorben", waren seine ersten Worte noch vor etwaigen Grußformeln. Erst verstand ich nicht recht. Wir wohnten nebeneinander und teilten auch sonst recht viel aus unserem Leben. Er war eine rheinische Frohnatur mit einem gewissen Hang zur Dramatik, Künstler halt. Wenn jemand gestorben war, wieso rief er mich an, anstatt an der Türe zu klingeln? Langsam begriff ich, dass es nicht um seinen Vater - liebevoll der Alte genannt - ging und auch nicht um eine seiner zahllosen Liebschaften, sondern um die Princess of Wales, weswegen ich im ersten Moment seine Aufregung nicht verstand. Ich schaltete den Fernseher ein. Liveberichterstattung in Kombination mit Bildern von einem zerknautschten Auto und der lebendigen Prinzessin. "Oh wie traurig" dachte ich und das war's dann auch schon. Insgeheim freute ich mich ein wenig, dass die kommenden Tage Retrospektiven auf das Leben Dianas zu erwarten wären, die ich allesamt verfolgte. Schließlich konnte ich mich noch zu gut an die bombastischen Hochzeitsbilder erinnern. Damals verbrachte ich die Ferien in Amerika.
Nicht gefaßt war ich auf die allgemeine Reaktion. Wäre ich Engländer oder zumindest dort während der Ereignisse zugegen gewesen, möglicherweise hätte ich anders reagiert. So aber schien mir das Verhalten des Volkes befremdend. Nur wenige Wochen später starb Mutter Teresa. Da schien bereits eine allgemeine Trauererschöpfung einzusetzen. Man hatte sich für Lady Di ausgepowert, hatte alles gegeben, was an Tränen vorrätig war. Für Mutter Teresa reichte es nur noch zu stummer Betroffenheit. Heute erinnert sich keiner mehr daran. Eine alte Frau, deren Ende abzusehen war wie auch das von Queen Mom. Ich halte mich nicht für einen gefühlsarmen Menschen - und die, die mich persönlich kennen dürfen mich gerne korrigieren - aber ich spüre mehr Mitgefühl für ein fünfjähriges Mädchen, das ich kennenlernte und das gerade seine Mutter verloren hat, als ich Trauer um eine Frau empfinde, die mir nur aus den Medien bekannt ist. Dennoch kann ich mich an den Tag erinnern, als wäre er gestern gewesen. Anscheinend geschieht zu wenig in meinem Leben.
Der schönste Satz des Filmes kommt übrigens von Frau Blair. "Is this a mother thing?" fragt sie Tony, als dieser vehement die Monarchie und insbesondere die Queen gegen ihre Angriffe verteidigt. Fast möchte man meinen, die dahinterliegende Aussage träfe nicht nur auf ihn zu.
Diana, her death and life
First official statement from Blair
Tribute from The Queen
Gestern sah ich The Queen. Der Film selbst ist anderswo schon besser besprochen worden als ich es jemals könnte [und ja, Helen Mirren hat den Oscar dafür wahrlich verdient]. Wo warst du als Prinzessin Diana starb? Die Welt stand nicht nur auf der kleinen Insel für einen Augenblick still. Menschen trauerten um jemanden, der ihnen noch nie persönlich begegnet war, als hätten sie eine nahe Freundin oder gar Schwester verloren. Möglicherweise waren es sogar dieselben Menschen, die schon bei Cobains Todesnachricht eine Träne vergossen, obwohl beide Anhängerschaften unterschiedlicher nicht hätten sein können. Das Dianaphänomen mit Hysterie und fehlenden Leitbildern zu erklären wäre nicht ausreichend. Vor allem waren es wohl die Umstände ihres Todes, sowie ihre Fehlbarkeit in Kombination mit einer exponierten Position, die sie schon zu Lebzeiten zur Identifikationsfigur der breiten Masse werden ließ und schließlich zu exaltierter Trauer führten.
Wo war ich denn als Diana starb? Die Antwort ist ernüchternd, wenngleich nachvollziehbar: ich war im Bett. Allein. Zumindest das hatte ich zum damaligen Zeitpunkt mit der Queen und einigen mehr gemeinsam. Es war vier Uhr morgens - selbst am Wochenende nachtschlafende Zeit - als die offizielle Nachricht verkündet wurde. Mich erreichte die Nachricht erst einige Stunden später durch den Anruf meines damalig besten Freundes."Diana ist gestorben", waren seine ersten Worte noch vor etwaigen Grußformeln. Erst verstand ich nicht recht. Wir wohnten nebeneinander und teilten auch sonst recht viel aus unserem Leben. Er war eine rheinische Frohnatur mit einem gewissen Hang zur Dramatik, Künstler halt. Wenn jemand gestorben war, wieso rief er mich an, anstatt an der Türe zu klingeln? Langsam begriff ich, dass es nicht um seinen Vater - liebevoll der Alte genannt - ging und auch nicht um eine seiner zahllosen Liebschaften, sondern um die Princess of Wales, weswegen ich im ersten Moment seine Aufregung nicht verstand. Ich schaltete den Fernseher ein. Liveberichterstattung in Kombination mit Bildern von einem zerknautschten Auto und der lebendigen Prinzessin. "Oh wie traurig" dachte ich und das war's dann auch schon. Insgeheim freute ich mich ein wenig, dass die kommenden Tage Retrospektiven auf das Leben Dianas zu erwarten wären, die ich allesamt verfolgte. Schließlich konnte ich mich noch zu gut an die bombastischen Hochzeitsbilder erinnern. Damals verbrachte ich die Ferien in Amerika.
Nicht gefaßt war ich auf die allgemeine Reaktion. Wäre ich Engländer oder zumindest dort während der Ereignisse zugegen gewesen, möglicherweise hätte ich anders reagiert. So aber schien mir das Verhalten des Volkes befremdend. Nur wenige Wochen später starb Mutter Teresa. Da schien bereits eine allgemeine Trauererschöpfung einzusetzen. Man hatte sich für Lady Di ausgepowert, hatte alles gegeben, was an Tränen vorrätig war. Für Mutter Teresa reichte es nur noch zu stummer Betroffenheit. Heute erinnert sich keiner mehr daran. Eine alte Frau, deren Ende abzusehen war wie auch das von Queen Mom. Ich halte mich nicht für einen gefühlsarmen Menschen - und die, die mich persönlich kennen dürfen mich gerne korrigieren - aber ich spüre mehr Mitgefühl für ein fünfjähriges Mädchen, das ich kennenlernte und das gerade seine Mutter verloren hat, als ich Trauer um eine Frau empfinde, die mir nur aus den Medien bekannt ist. Dennoch kann ich mich an den Tag erinnern, als wäre er gestern gewesen. Anscheinend geschieht zu wenig in meinem Leben.
Der schönste Satz des Filmes kommt übrigens von Frau Blair. "Is this a mother thing?" fragt sie Tony, als dieser vehement die Monarchie und insbesondere die Queen gegen ihre Angriffe verteidigt. Fast möchte man meinen, die dahinterliegende Aussage träfe nicht nur auf ihn zu.
Diana, her death and life
First official statement from Blair
Tribute from The Queen
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Mittwoch, 14. März 2007
Oooh, fashion!
frau klugscheisser, 01:39h
Vergesst Vanity fair, vergesst Vogue. Shopping in New York ist out. Shanghai is the new Paris. Solche Sprüche kann ich mir erlauben, man kommt in meiner Position schließlich ganz schön rum. Zugegebenermaßen führen Sätze wie "also Sushi esse ich nur in Tokio" in nicht eingeweihten Kreisen leicht zu Verwirrung, und die gedankenlos auf den Tresen geworfene zollfreie Zigarettenschachtel kann schon mal als Porscheschlüsseläquivalent mißverstanden werden. Aber was habe ich schon von meinem Job anderes, als das Wissen, wo man welche Unnecessaires am billigsten erwerben kann, mal abgesehen davon, dass der Erwerb bestimmter Artikel illegal oder ethisch verwerflich ist?
Ein nettes kleines Kaschmirmäntelchen soll es diesmal werden. Da die chinesischen Feiertage rar und mit den Neujahrsfeiern für dieses Jahr erst mal bis auf Weiteres vorbei sind, kann ich sicher sein, dass die kleinen chinesischen Näherinnen meinem Wunsch innerhalb von 24 Stunden nachkommen. In den winzigen Buden des Stoffmarktes hängt noch immer die Winterkollektion. Designer auf der ganzen Welt bemühen sich schließlich jetzt schon um die kommende kalte Jahreszeit und alle Schnitte, alle Mode ist wiederkehrend.
Die Modelle sind ganz auf asiatische Maße ausgerichtet. Den Chinesen müssen wir Europäer wie Walrösser erscheinen. Immerhin ist so mehr Stoff zu verkaufen. Auf meinem Weg durch die engen Gänge bleibe ich an einem Büdchen hängen. Sofort habe ich die Aufmerksamkeit der Ladenbesitzerin geweckt. Ob ich den Mantel möge, der auf einem Modelltorso hängt. Noch bin ich nicht schlüssig, was ich eigentlich suche. Nein, der Mantel, den ich mir vorstelle sollte eher gerade als tailliert geschnitten und in der Taille nicht angereiht sein. Die Chinesin begreift sofort. "Same, same, but different", sie antwortet mit einer der gebräuchlichsten Phrasen, wie sich später herausstellen soll. Jawohl, genau so aber anders habe ich mir meinen zukünftigen Mantel vorgestellt. Man gibt sich hier sehr flexibel.
Wir diskutieren eine Weile über Länge, Kragen und Knöpfe. Sie legt mir dutzendweise zerfledderte Magazine und abgegriffene Darstellungen von Prototypen vor, bis wir uns einig werden. Obwohl sie - für chinesische Verhältnisse - erstaunlich gut englisch spricht, bin ich immer noch mißtrauisch. Also den Kragen habe ich mir etwas anders vorgestellt, lieber gerade als zu zackig und der Mantel sollte auf jeden Fall einen Schlitz hinten haben. Aber sonst genauso wie der, den ich gerade anprobiert habe und vielleicht auch so wie der komplett andere, den sie mir als erstes zeigte, halt irgendwas dazwischen. Himmel, das ist ja schon in heimischen Kaufhäusern schwierig, sich mit dem Personal zu verständigen, wie soll sie wissen, was ich tatsächlich möchte? Als sie meine Maße nimmt, werde ich nervös. Weit soll er werden, viel weiter als ihr Maßband gerade anzeigt, schließlich will ich darunter nicht nur ein dünnes Kleidchen tragen können. "Oh, yes, I understand", ebenfalls ein oft gehörter Satz, wenn ich mir auch nicht ganz sicher bin, ob auch der eine leere Phrase ist.
Als wir fertig sind, lasse ich mir noch einmal versichern, dass das gute Stück auch wirklich am nächsten Tag fertig ist. "Yes, maybe afternoon", versichert mir die Ladeninhaberin. Bei maybe werde ich noch nervöser als ich es sowieso schon bin. Es ist ja bekannt, dass Asiaten gerne dieses Wörtchen verwenden, um Verneinungen zu vermeiden. Erst der Preis beruhigt meine Nerven. "I give you a good prize." Ich bin mir sehr sicher, dass dieser gute Preis immer noch viel zu viel ist, für europäische Verhältnisse jedoch eine lächerliche Summe. Wir tauschen Geldscheine gegen einen Durchschlag meiner Maße und eine Visitenkarte - beides für mich unleserlich da chinesisch. Erst als ich im Taxi sitze, fällt mir ein, dass wir uns zwar über den Stoff einig waren, nicht aber über die Knöpfe. Was wäre das Leben ohne Überraschungen?
Als ich am nächsten Tag zur vereinbarten Zeit eintreffe, ist der Mantel noch nicht da. "Maybe ten minutes. Just walk around." Ich warte lieber. Die Chinesin verschwindet mit ihrem Handy im Getümmel. Auf dem kleinen Schemel sitzend beobachte ich, wie sich im Laden gegenüber ein dicker Amerikaner entblößt. Neue Hemden sollen es wohl werden. Die Van Laack Etikette läßt er sich sicher nachträglich einnähen. Überhaupt wäre das im Hinblick auf fehlende Renten ein neuer Industriezweig: handgestickte Etikette aus Altersheimproduktion. Meine Chinesin bleibt auch nach zehn Minuten noch verschwunden. Eine chinesische Familie prüft das Angebot des Ladens. Sie schauen mich mißtrauisch an. Ich konzentriere mich auf eine zerlesene Illustrierte.
Schließlich rauscht die Besitzerin mit einer Plastiktüte um die Ecke. Mein Mantel ist da. Irgendwie habe ich ihn mir anders vorgestellt aber er gefällt mir. Same but different ist er geworden. Der Gürtel ein wenig zu lang - wohl europäisch elefantösen Maßen angepasst - und die Schlaufen zu weit oben, der Schlitz etwas zu kurz und die Verarbeitung insgesamt nicht ganz sauber. Dafür sehen die zwei Reihen Knöpfe hervorragend aus und den Kragen hätte ich nicht besser beschreiben können, als er geworden ist. Ist mir doch egal, wenn die heimischen Temperaturen jetzt zu steigen beginnen. Ich trage die nächsten Wochen Kaschmir vom Feinsten. Mode betreffen ist eh alles same but different.
Ein nettes kleines Kaschmirmäntelchen soll es diesmal werden. Da die chinesischen Feiertage rar und mit den Neujahrsfeiern für dieses Jahr erst mal bis auf Weiteres vorbei sind, kann ich sicher sein, dass die kleinen chinesischen Näherinnen meinem Wunsch innerhalb von 24 Stunden nachkommen. In den winzigen Buden des Stoffmarktes hängt noch immer die Winterkollektion. Designer auf der ganzen Welt bemühen sich schließlich jetzt schon um die kommende kalte Jahreszeit und alle Schnitte, alle Mode ist wiederkehrend.
Die Modelle sind ganz auf asiatische Maße ausgerichtet. Den Chinesen müssen wir Europäer wie Walrösser erscheinen. Immerhin ist so mehr Stoff zu verkaufen. Auf meinem Weg durch die engen Gänge bleibe ich an einem Büdchen hängen. Sofort habe ich die Aufmerksamkeit der Ladenbesitzerin geweckt. Ob ich den Mantel möge, der auf einem Modelltorso hängt. Noch bin ich nicht schlüssig, was ich eigentlich suche. Nein, der Mantel, den ich mir vorstelle sollte eher gerade als tailliert geschnitten und in der Taille nicht angereiht sein. Die Chinesin begreift sofort. "Same, same, but different", sie antwortet mit einer der gebräuchlichsten Phrasen, wie sich später herausstellen soll. Jawohl, genau so aber anders habe ich mir meinen zukünftigen Mantel vorgestellt. Man gibt sich hier sehr flexibel.
Wir diskutieren eine Weile über Länge, Kragen und Knöpfe. Sie legt mir dutzendweise zerfledderte Magazine und abgegriffene Darstellungen von Prototypen vor, bis wir uns einig werden. Obwohl sie - für chinesische Verhältnisse - erstaunlich gut englisch spricht, bin ich immer noch mißtrauisch. Also den Kragen habe ich mir etwas anders vorgestellt, lieber gerade als zu zackig und der Mantel sollte auf jeden Fall einen Schlitz hinten haben. Aber sonst genauso wie der, den ich gerade anprobiert habe und vielleicht auch so wie der komplett andere, den sie mir als erstes zeigte, halt irgendwas dazwischen. Himmel, das ist ja schon in heimischen Kaufhäusern schwierig, sich mit dem Personal zu verständigen, wie soll sie wissen, was ich tatsächlich möchte? Als sie meine Maße nimmt, werde ich nervös. Weit soll er werden, viel weiter als ihr Maßband gerade anzeigt, schließlich will ich darunter nicht nur ein dünnes Kleidchen tragen können. "Oh, yes, I understand", ebenfalls ein oft gehörter Satz, wenn ich mir auch nicht ganz sicher bin, ob auch der eine leere Phrase ist.
Als wir fertig sind, lasse ich mir noch einmal versichern, dass das gute Stück auch wirklich am nächsten Tag fertig ist. "Yes, maybe afternoon", versichert mir die Ladeninhaberin. Bei maybe werde ich noch nervöser als ich es sowieso schon bin. Es ist ja bekannt, dass Asiaten gerne dieses Wörtchen verwenden, um Verneinungen zu vermeiden. Erst der Preis beruhigt meine Nerven. "I give you a good prize." Ich bin mir sehr sicher, dass dieser gute Preis immer noch viel zu viel ist, für europäische Verhältnisse jedoch eine lächerliche Summe. Wir tauschen Geldscheine gegen einen Durchschlag meiner Maße und eine Visitenkarte - beides für mich unleserlich da chinesisch. Erst als ich im Taxi sitze, fällt mir ein, dass wir uns zwar über den Stoff einig waren, nicht aber über die Knöpfe. Was wäre das Leben ohne Überraschungen?
Als ich am nächsten Tag zur vereinbarten Zeit eintreffe, ist der Mantel noch nicht da. "Maybe ten minutes. Just walk around." Ich warte lieber. Die Chinesin verschwindet mit ihrem Handy im Getümmel. Auf dem kleinen Schemel sitzend beobachte ich, wie sich im Laden gegenüber ein dicker Amerikaner entblößt. Neue Hemden sollen es wohl werden. Die Van Laack Etikette läßt er sich sicher nachträglich einnähen. Überhaupt wäre das im Hinblick auf fehlende Renten ein neuer Industriezweig: handgestickte Etikette aus Altersheimproduktion. Meine Chinesin bleibt auch nach zehn Minuten noch verschwunden. Eine chinesische Familie prüft das Angebot des Ladens. Sie schauen mich mißtrauisch an. Ich konzentriere mich auf eine zerlesene Illustrierte.
Schließlich rauscht die Besitzerin mit einer Plastiktüte um die Ecke. Mein Mantel ist da. Irgendwie habe ich ihn mir anders vorgestellt aber er gefällt mir. Same but different ist er geworden. Der Gürtel ein wenig zu lang - wohl europäisch elefantösen Maßen angepasst - und die Schlaufen zu weit oben, der Schlitz etwas zu kurz und die Verarbeitung insgesamt nicht ganz sauber. Dafür sehen die zwei Reihen Knöpfe hervorragend aus und den Kragen hätte ich nicht besser beschreiben können, als er geworden ist. Ist mir doch egal, wenn die heimischen Temperaturen jetzt zu steigen beginnen. Ich trage die nächsten Wochen Kaschmir vom Feinsten. Mode betreffen ist eh alles same but different.
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Montag, 12. März 2007
A room with a view (8)
frau klugscheisser, 23:35h

Shanghai
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Donnerstag, 8. März 2007
Woman (is the nigger of the world)
frau klugscheisser, 13:30h
Shakespeare only really wrote with two views on women - the conniving sexualized and the innocent virgins. The guys I work with in construction see me as either a sexual object or an incompetent child, so they aren't much different than Shakespeare. Except the Bard never would have let me use a sledge hammer.
Ellie, NY Times Building, 8th Avenue
Mikrobeitrag zum Weltfrauentag, da gefunden.
Ellie, NY Times Building, 8th Avenue
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