Freitag, 30. März 2007
Hey you
Heute von mehreren Norwegern mit einem "hej hej" begrüßt worden. Musste unwillkürlich lachen, weil mich das an diese Geschichte erinnerte. Wetten, daß Step-Aerobic von den alten Wikingern erfunden wurde?

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Donnerstag, 29. März 2007
Lay off of my black suede shoes
Da müsse ich halt fragen und nicht selber suchen, meint die Dame in dem kleinen Laden in der Hohenzollernstraße. Sie stolziert zwischen den Kartons herum, kommentiert die Wahl der Kundinnen und fuchtelt dabei wild mit einem langen silbernen Schuhlöffel. Überhaupt mache jede Kundin so eine Unordnung. Aber das sei ja jetzt vorbei, weil sie ihren Laden schließe und dann könnten die werten Damen mal schauen, wo sie noch brauchbare Schuhe herbekommen. Heutzutage würde ja nur Mist aus Plastik oder billigem Leder verkauft. Wenn sie mit ihrem Laden nicht mehr sei, gäbe es in München überhaupt kein gescheites Schuhwerk mehr zu erwerben. Erst bin ich ein wenig von ihrer strengen Art eingeschüchtert, doch die niedrigen Preise halten mich vor Verlassen des Ladens zurück.

Ich schaue mich ein wenig um, probiere hier und da. Zwei Paar ziehe ich in die engere Wahl. Es sind die einzigen, die mir gefallen und noch in meiner Größe verfügbar sind. Ob ich den linken probieren wolle, fragt sie unwirsch. Will ich nicht, denn wenn der rechte passt, passt auch der linke, da mein linker Fuß der schmälere ist. Damit entlocke ich ihr das erste Lächeln. Beim Zahlen frage ich sie, ob die Geschäftsaufgabe nicht schwer für sie sei. Nein, sei sie nicht, denn es gäbe schließlich auch noch ein anderes Leben. Aber so qualitativ hochwertige Schuhe wie die ihren wären dann in München Vergangenheit. Als sie das Preiswapperl von der Sohle entfernt, erwähne ich anerkennend die dünne Gummirippsohle auf dem Leder. Da lächelt sie ein weiteres Mal. Ja, so habe sie eben eingekauft, nur das Beste halt. Aber das sei jetzt in München vorbei. Als ich auf die Straße trete, bin ich fast ein wenig erleichtert, ihrer bayrisch zwidernen Art entkommen zu sein. Dann hänge ich die beiden Tüten mit den Kartons an die Lenkstange und radle heim. Natürlich konnte ich mich nicht entscheiden und habe deswegen beide Paare genommen.

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Mittwoch, 28. März 2007
Dance like this
Dancing is not about how many pirouettes you can make or how high you can lift your legs but expressing your emotions in a movement.
Nunzio


Ein Tsunami von Glückshormonen schwappt durch meine Blutbahnen. Es funktioniert jedes Mal, egal wie müde, ausgelaugt, energielos oder deprimiert ich vorher war. Wenn ich vom Training komme, macht meine Seele Flick-Flacks und in meinem Bauch hüpfen die Neurotransmitter von Synapse zu Synapse. Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Wirkung hat dabei Nunzio. Seine Art zu unterrichten ist einmalig. Man spürt, dass er liebt, was er tut. In jeder Sekunde der anderthalb Stunden - meistens werden es fast zwei - ist er aufmerksam und gibt 150%. Egal wieviele Schüler in der Stunde anwesend sind - und es werden laufend mehr - schafft er es, jeden einzelnen zu korrigieren und zu motivieren. Er vermittelt den Teilnehmern das Gefühl, wahrgenommen zu werden und wichtig zu sein.

Die Zusammensetzung der Gruppen ist bunt. Es kommen Dicke und Dünne, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Vorkenntnisse in Ballett oder ähnlichen Disziplinen. Jeder wird akzeptiert. Die Atmosphäre innerhalb der Gruppen ist freundlich und wohlwollend. Kein Konkurrieren, keine bösen Blicke und kein Jahrmarkt der Eitelkeiten - dafür sorgt er durch seine ihm eigene Art. Es wird weder vor den anderen getadelt, noch gelobt, keine Gruppen von schlechteren und besseren Tänzern gebildet, kurzum es wird nicht beurteilt. Während des halben Jahres, das ich nun regelmäßig trainiere, habe ich Schüler über sich selbst hinauswachsen sehen, von denen ich zunächst glaubte, sie könnten nicht stolperfrei einen Fuß vor den anderen setzen.

Er sagt, er lerne von uns. Anfangs bezweifelte ich diese Aussage, doch mit der Zeit habe auch ich viel von den anderen gelernt. Inzwischen kann ich - man höre und staune - an guten Tagen eine ganze Diagonale saubere Pirouetten drehen. An schlechten geht nur eine Drehung, die ich stehe. Aber auch darauf bin ich mächtig stolz, denn nach dem anfänglichen Pirouettendesaster
nicht aufgegeben zu haben, sondern trotzdem Spaß zu empfinden, das braucht schon eine ganze Menge. Ich kann inzwischen Liegestützen (sogar die gaaaanz langsamen) und seit die Zerrung am rechten Oberschenken abgeheilt ist auch wieder Spagat seit- und vorwärts. Im letzten halben Jahr habe ich mindestens 5 Kilo dauerhaft ohne Diät abgenommen - genau weiß ich es nicht, weil meine Waage der Wohnung verwiesen wurde - und bin in der Lage, die restlichen Speckröllchen einigermaßen kontrolliert durch Choreographien zu schwingen. Außerdem wird meine Memorierfähigkeit und die Umsetzung von Bewegungsabläufen immer schneller. Wenn das mal insgesamt keine Erfolgsmeldung ist.

Die Gruppen sind nach Können in Grundkurs, Mittelstufe und Fortgeschrittene aufgeteilt, wobei Mittelstufe in etwa das bedeutet, was in anderen Laienkursen eher als fortgeschritten proklamiert wird. Seit Dezember nehme ich an allen Stufen teil, da sie sich wunderbar über die Woche verteilen. Stimmt gar nicht, der Fortgeschrittenenkurs ist noch zu schwer für mich, weswegen ich eine Zwischenstufe (intermediate/advanced) in einer anderen Schule belege aber lange dürfte es nicht mehr dauern. Im Grunde ist mir egal, welche Stufe gerade läuft. Das Aufwärmtraining ist überall ähnlich und selbst im Grundkurs kann ich immer was lernen. Die Glückshormone machen einfach so süchtig, dass ich sie fünf Tage die Woche brauche, vorausgesetzt ich bin nicht irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs. Immerhin braucht es dazu nur einen einzigen Mann, den ich mir mit knapp 30 anderen Frauen (und dem ein oder anderen männlichen Schüler) ganz ohne Eifersüchteleien teile. Soll noch einer behaupten, dass das nicht außergewöhnlich sei.

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