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Mittwoch, 6. Juni 2007
A room with a view (13)
frau klugscheisser, 18:21h

Los Angeles
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Samstag, 2. Juni 2007
Movie star (oder die prominenten Liebschaften der Frau K.) 1
frau klugscheisser, 01:30h
Auf speziellen Wunsch von Gaga
Im Alter erinnert man sich bekanntlich besser an längst vergangene Begebenheiten als an jüngste Ereignisse. Werde ich nach meinem ersten Freund gefragt, muss ich nicht lange nachdenken: er war schon 17, erschien mir deshalb unheimlich erwachsen und erinnerte mich damals ganz stark an Christopher Lambert, den attraktivsten Tarzan der Filmgeschichte (zumindest die Augen- und Mundpartie, sowie die Charakternase sind fast identisch). Die Affäre dauerte nur drei Monate, doch über die Jahre sind wir Freunde geblieben.
Angefangen hat alles im Dschungel pubertärer Gefühlsschwankungen, dem sogenannten Tanztee, zu dem mich meine beste Freundin mitschleppte. Sie war sehr von ihm angetan, weshalb er zwischen uns zum Dauergesprächsthema wurde. Jede Bewegung wurde ausgiebig studiert und analysiert, jeder Blick auf etwaige Neigungen interpretiert. Er trug weiße Schuhe, eine weiße Hose und ein rosa Polohemd mit einem kleinen aufgestickten Krokodil, typisch 80er. Der Höhepunkt jedes Abends war die Stehbluesrunde, zu der er ein Mädchen auffordern würde. Als er sich in unsere Richtung bewegte, schlugen unsere Herzen bis zum Hals. Das Drama war perfekt, als er nicht meine Freundin, sondern mich aufforderte und ich ihm auf die Tanzfläche folgte. Ich erinnere mich genau, wie sich sein Körper anfühlte. Er roch nach Armani, ein Duft, den ich bis heute mit seiner Person verbinde. Zwischen unsere Wangen passte nicht einmal mehr ein Blatt Papier, während ich stets darauf achtete, dass zwischen unseren Körpern unterhalb der Gürtellinie wenigstens ab und zu Luftbewegung stattfinden konnte, schließlich wollte ich ihm als wohlerzogenes Mädchen keine falschen Hoffnungen machen, denn die Hoffnung regte sich bereits nach wenigen Minuten spürbar zwischen seinen Beinen.
Auch im weiteren Verlauf unseres Beisammenseins sorgte ich stets für gebührenden Abstand. Als er langsam begriff, dass wildes Knutschen und Fummeleien, bei denen ich seine Hände unter Kontrolle zu halten verstand, das Ende der Fahnenstange waren, löste er die Verbindung in einseitigem Einvernehmen. Der überhöhte Hormonpegel war nicht der einzige Unterschied zwischen uns. Sein Bestreben ging dahin, in nicht allzu ferner Zukunft möglichst viel Geld zu verdienen, um den gehobenen Lebensstandard fortzusetzen, den er von zu Hause gewohnt war. Er studierte BWL und ist inzwischen erfolgreicher Kleinunternehmer mit vierköpfiger Familie. Was Tarzan in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte, wurde für Christopher zur Wirklichkeit. Nur die wilde Leidenschaft, die hat er mit den Jahren leider verloren.
Im Alter erinnert man sich bekanntlich besser an längst vergangene Begebenheiten als an jüngste Ereignisse. Werde ich nach meinem ersten Freund gefragt, muss ich nicht lange nachdenken: er war schon 17, erschien mir deshalb unheimlich erwachsen und erinnerte mich damals ganz stark an Christopher Lambert, den attraktivsten Tarzan der Filmgeschichte (zumindest die Augen- und Mundpartie, sowie die Charakternase sind fast identisch). Die Affäre dauerte nur drei Monate, doch über die Jahre sind wir Freunde geblieben.
Angefangen hat alles im Dschungel pubertärer Gefühlsschwankungen, dem sogenannten Tanztee, zu dem mich meine beste Freundin mitschleppte. Sie war sehr von ihm angetan, weshalb er zwischen uns zum Dauergesprächsthema wurde. Jede Bewegung wurde ausgiebig studiert und analysiert, jeder Blick auf etwaige Neigungen interpretiert. Er trug weiße Schuhe, eine weiße Hose und ein rosa Polohemd mit einem kleinen aufgestickten Krokodil, typisch 80er. Der Höhepunkt jedes Abends war die Stehbluesrunde, zu der er ein Mädchen auffordern würde. Als er sich in unsere Richtung bewegte, schlugen unsere Herzen bis zum Hals. Das Drama war perfekt, als er nicht meine Freundin, sondern mich aufforderte und ich ihm auf die Tanzfläche folgte. Ich erinnere mich genau, wie sich sein Körper anfühlte. Er roch nach Armani, ein Duft, den ich bis heute mit seiner Person verbinde. Zwischen unsere Wangen passte nicht einmal mehr ein Blatt Papier, während ich stets darauf achtete, dass zwischen unseren Körpern unterhalb der Gürtellinie wenigstens ab und zu Luftbewegung stattfinden konnte, schließlich wollte ich ihm als wohlerzogenes Mädchen keine falschen Hoffnungen machen, denn die Hoffnung regte sich bereits nach wenigen Minuten spürbar zwischen seinen Beinen.
Auch im weiteren Verlauf unseres Beisammenseins sorgte ich stets für gebührenden Abstand. Als er langsam begriff, dass wildes Knutschen und Fummeleien, bei denen ich seine Hände unter Kontrolle zu halten verstand, das Ende der Fahnenstange waren, löste er die Verbindung in einseitigem Einvernehmen. Der überhöhte Hormonpegel war nicht der einzige Unterschied zwischen uns. Sein Bestreben ging dahin, in nicht allzu ferner Zukunft möglichst viel Geld zu verdienen, um den gehobenen Lebensstandard fortzusetzen, den er von zu Hause gewohnt war. Er studierte BWL und ist inzwischen erfolgreicher Kleinunternehmer mit vierköpfiger Familie. Was Tarzan in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte, wurde für Christopher zur Wirklichkeit. Nur die wilde Leidenschaft, die hat er mit den Jahren leider verloren.
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Donnerstag, 31. Mai 2007
Running out of time
frau klugscheisser, 01:14h
Zweimal geblinzelt und schon ist wieder eine Woche vorbei. Kaum hat man sich an erhöhte Temperaturen gewöhnt, sollten die Vorbereitungen für Weihnachten bald beginnen. Unerklärlich, warum ich für die paar Tage jedes Jahr Sommerreifen aufziehe und Kleidungsstücke mit wenig Stoff erwerbe. Könnte man sich alles sparen. Und die Blogbeiträge werden auch immer spärlicher. Dabei würde mir schon das ein oder andere einfallen, beispielsweise durfte ich kürzlich den bekannten Fernsehkoch und Autor Paulsen auf einem Flug nach Übersee begleiten. Noch während ich mir überlegte, mit welchen geistreichen Worten ich das Gespräch eröffnen könnte, entstanden erste Zweifel an seiner Identität, als er sich in akzentfreiem Südstaatenslang mit seinem Sitznachbarn zu unterhalten begann. Zudem nehme ich an, Herr Paulsen bevorzugt Direktflüge nach Barcelona statt Umsteigeverbindungen über Japan oder China.
In letzter Zeit häufen sich derlei Fälle auf erschreckende Weise. Auf jedem zweiten Flug glaube ich, Blogger oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - selbst bei genauerer Betrachtung - zu erkennen. Aus Lieschen Müller wird ruckzuck Liza Minelli und ein grauer Lockenkopf mutiert in meinen Gedanken zu Simon Rattle. Ich sollte wirklich öfter Brille tragen.
In letzter Zeit häufen sich derlei Fälle auf erschreckende Weise. Auf jedem zweiten Flug glaube ich, Blogger oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - selbst bei genauerer Betrachtung - zu erkennen. Aus Lieschen Müller wird ruckzuck Liza Minelli und ein grauer Lockenkopf mutiert in meinen Gedanken zu Simon Rattle. Ich sollte wirklich öfter Brille tragen.
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Samstag, 26. Mai 2007
Answer
frau klugscheisser, 20:48h
Oweh möchte etwas über meine Bücher mit blauem Einband wissen und woher sie stammen. Ehrlich gesagt fürchte ich, das wird eine sehr lange und langweilige Liste. Es gab nämlich mal eine Zeit, in der ich meine Bücher nach Größe und Farbe sortierte. Neuerwerbungen kaufte ich vorwiegend im Hinblick auf diese Kriterien. Damals bevorzugte ich das Angebot des Suhrkampverlages, weil die Taschenbücher in einfachen Farben gehalten waren und sich hervorragend im Regal abstufen ließen. Und weil blau lange Zeit meine absolute Lieblingsfarbe war, finden sich derlei zahlreiche Bücher in meinem Regal. Da steht Hesse en bleu neben Proust und Celan neben Kundera, dazwischen Sachs, Werfel, Frisch, Bernhard und einige mehr. Das soll als Information genügen.
Mein CD Regal hingegen gibt nicht wirklich viel her. Ich besitze einige Klassikaufnahmen, etwas mehr Jazz und dazwischen ein Sammelsurium verschiedener Sparten. Im Vergleich zu Bekannten besitze ich relativ wenig auf Scheiben gepresste Musik. Insgeheim profitierte ich meist von Aufnahmen anderer. Besitztum war nie mein Bestreben. Eine gute Aufnahme einmal gehört, bleibt in meinem Gedächtnis gespeichert und von dort abrufbereit.
Gespannt bin ich noch, ob wohl die Kaltmamsell meinen Wunsch erfüllt und mir ihre Kindheitsphantasien verrät.
Demnächst: Frau Klugscheissers prominente Liebschaften.
Mein CD Regal hingegen gibt nicht wirklich viel her. Ich besitze einige Klassikaufnahmen, etwas mehr Jazz und dazwischen ein Sammelsurium verschiedener Sparten. Im Vergleich zu Bekannten besitze ich relativ wenig auf Scheiben gepresste Musik. Insgeheim profitierte ich meist von Aufnahmen anderer. Besitztum war nie mein Bestreben. Eine gute Aufnahme einmal gehört, bleibt in meinem Gedächtnis gespeichert und von dort abrufbereit.
Gespannt bin ich noch, ob wohl die Kaltmamsell meinen Wunsch erfüllt und mir ihre Kindheitsphantasien verrät.
Demnächst: Frau Klugscheissers prominente Liebschaften.
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Donnerstag, 24. Mai 2007
The answer, my friend
frau klugscheisser, 19:05h
Und hier die ersten Ergebnisse des Kommandobloggens:

Supatyp will meine [Lieblings-]Schuhe und meine Fußmatte sehen. Hier also Stilleben mit Stiletto. Im Übrigen kommt die Matte nicht aus England, sondern aus Schweden.
Badewanne aus der Wannenperspektive ebenfalls für den Supatyp.
"Sag was Schmutziges".
"Küche!"
Trotz Vorwarnung möchte Don Dahlmann einen Blick in meine Küche werfen.
[Morgen dann über blaue Bücher]

Supatyp will meine [Lieblings-]Schuhe und meine Fußmatte sehen. Hier also Stilleben mit Stiletto. Im Übrigen kommt die Matte nicht aus England, sondern aus Schweden.
Badewanne aus der Wannenperspektive ebenfalls für den Supatyp.
"Sag was Schmutziges"."Küche!"
Trotz Vorwarnung möchte Don Dahlmann einen Blick in meine Küche werfen.
[Morgen dann über blaue Bücher]
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Ask me why
frau klugscheisser, 12:12h
Frau Gaga tut es und die Kaltmamsell auch. Erfunden hat es, glaube ich, der Supatyp und einige andere sind seinem Aufruf gefolgt. Sie alle bloggen on demand.
Ich sag's lieber gleich: meine Kleidung ist langweilig, meine Wohnung schmutzig und mein Handy macht schlechte Fotos. Gibt es hier jemanden, der sonst noch was von mir wissen will?
Ich sag's lieber gleich: meine Kleidung ist langweilig, meine Wohnung schmutzig und mein Handy macht schlechte Fotos. Gibt es hier jemanden, der sonst noch was von mir wissen will?
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Samstag, 19. Mai 2007
A room with a view (12)
frau klugscheisser, 01:18h

Izmir, 31°
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Montag, 14. Mai 2007
Me and my monkey
frau klugscheisser, 23:45h
„Was ein Mann schöner ist wie ein Aff', ist ein Luxus!“
F. Torberg, Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes
Der vernunftbegabte Mensch (homo sapiens) scheint zunehmend vom Aussterben bedroht. So stellte ich heute fest, wie schwer sich die Vernunft gegen akute Anfälle von Sentimentalität durchsetzt. Am Anfang stand jedoch folgendes Gespräch mit meiner Mutter:
"Sag mal, die alten Spielsachen und Babykleider braucht doch keiner mehr?"
"Naja, je nachdem..."
"Also bitte, du wirst doch keine Kinder mehr bekommen!"
"Wer weiß..."
"In DEINEM Alter? Mach dich nicht lächerlich!"
"..."
Es ist nicht so, dass ich das dringende Bedürfnis nach Fortpflanzung verspüre, ich lasse mich nur nicht gerne an die zeitliche Befristung meiner Optionen erinnern. Dementsprechend fehlte mir das schlagende Argument und meine Mutter begann, ihren blinden Aktionismus auf die Kartons auszuweiten, die über Jahrzehnte die Schätze meiner Kindheit beherbergten. Immerhin durfte ich einen letzten Blick erhaschen, bevor die Sachen im Spielzeugnirvana verschwanden.
So sortierten wir gemeinsam im Speicher nach den Kategorien a.) Schenkung an befreundete/verwandte Kinder, b.) Schenkung an gemeinnützige Einrichtungen, c.) Schenkung an die Müllabfuhr und d.) Schenkung noch im schwebenden Verfahren. Unnötig zu sagen, dass unsere Auswahlkriterien für die Zuordnung nicht immer übereinstimmten. Während meine Mutter zunächst Puppenkleider den entsprechenden Puppen und somit Kategorien zuordnete, sichtete ich alte Kinderbücher. Schnell saßen wir beide inmitten kleiner Häufchen, deren Umschichtung von Neuem begann, sobald wir die Plätze wechselten. Als mit voranschreitender Zeit noch immer keine eindeutigen Entscheidungen erzielt waren, begann eine hitzige Debatte.
"Die Kleider sind sowas von altmodisch, das zieht doch heute keiner mehr an."
"Das dürfte der Puppe egal sein."
"Die Puppe, der die Kleider passen, ist längst entsorgt."
"Ach... aber die Kleider von Amosandra hebst du auf, obwohl Amosandra an Plastikversagen gestorben ist."
[Anm. d. Red.: Amosandra war eine dunkelhäutige Nachkriegsbabypuppe meiner Mutter, der ich alle Finger abkaute als sie in meinen Besitz überging und deren weicher Gummikörper den Aufenthalt in einer Kiste aufgrund von Materialzersetzung und Gewichtseinwirkung nicht ohne erheblichen Schaden überstand.]
"Das ist was anderes. Die haben altertumswert."
"Wenn man die anderen Kleider lange genug aufbewahrt, sind die auch bald antik."
"Und die dicke Puppe ist so häßlich, die will auch kein Mensch mehr."
"Psst, sie könnte einen irreversiblen psychischen Schaden bekommen."
"Ihr Leben ist befristet."
"Na schön, die dicke Puppe können wir entsorgen."
"Überhaupt haben alle Puppen ein Frisurproblem. Guck mal wie platt die am Hinterkopf sind."
"Wenn du so lange in einer Kiste gelegen hättest, hättest du auch ein Frisurproblem."
"Wenn ich in einer Kiste liege, habe ich kein Frisurproblem mehr."
"Schau mal, da ist meine alte Kommunionskerze."
"Das war auch gleichzeitig deine Taufkerze. Willst du die behalten?"
"Wir könnten sie ja an Weihnachten..."
"Was ist mit den Büchern?"
"Das Buch mit den französischen Märchen kann man wegwerfen. Die sind so grausam, dass ich danach nicht mehr schlafen konnte."
"Aber das ist Kulturgut."
"Wann hast du eigentlich das letzte Mal ein Buch gelesen? Und überhaupt schreibt man Barbie nicht mit Ypsilon."
"Werd jetzt nicht persönlich."
"Aber DU hast die Kartons beschriftet."
"Oh schau mal, Petzibücher! Die werfen wir nicht weg."
"Nein, die zerfallen bereits von alleine. Aber den alten Heidiband mit den eingeklebten Sammelbildchen, den behalten wir. Guck mal, das sind Bilder aus dem Film..."
"Gott ja, ziemlich sentimental war der. Das will doch heute niemand mehr."
"Ich schon."
"Dann nimm's mit. Und die anderen Sachen dazu."
"Und wo soll ich all das aufbewahren? Mein Keller ist kleiner als dein Besucherklo."
"Dann werfe ich alles weg."
"Wenn du das tust, zünde ich die Amosandrakleider mit meiner Kommunionskerze an..."
Zum Abschied winkte ich der dicken Puppe, die auf der Mülltonne thronte, noch einmal kurz zu, packte den Affen auf den Rücksitz und fuhr mit einer Kiste im Kofferraum und einem tiefen Seufzen los. Die Sachen warten jetzt auf eine neue Bleibe in einem Kinderherz. Bis dahin darf der Affe auf dem Klavier sitzenbleiben.

F. Torberg, Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlandes
Der vernunftbegabte Mensch (homo sapiens) scheint zunehmend vom Aussterben bedroht. So stellte ich heute fest, wie schwer sich die Vernunft gegen akute Anfälle von Sentimentalität durchsetzt. Am Anfang stand jedoch folgendes Gespräch mit meiner Mutter:
"Sag mal, die alten Spielsachen und Babykleider braucht doch keiner mehr?"
"Naja, je nachdem..."
"Also bitte, du wirst doch keine Kinder mehr bekommen!"
"Wer weiß..."
"In DEINEM Alter? Mach dich nicht lächerlich!"
"..."
Es ist nicht so, dass ich das dringende Bedürfnis nach Fortpflanzung verspüre, ich lasse mich nur nicht gerne an die zeitliche Befristung meiner Optionen erinnern. Dementsprechend fehlte mir das schlagende Argument und meine Mutter begann, ihren blinden Aktionismus auf die Kartons auszuweiten, die über Jahrzehnte die Schätze meiner Kindheit beherbergten. Immerhin durfte ich einen letzten Blick erhaschen, bevor die Sachen im Spielzeugnirvana verschwanden.
So sortierten wir gemeinsam im Speicher nach den Kategorien a.) Schenkung an befreundete/verwandte Kinder, b.) Schenkung an gemeinnützige Einrichtungen, c.) Schenkung an die Müllabfuhr und d.) Schenkung noch im schwebenden Verfahren. Unnötig zu sagen, dass unsere Auswahlkriterien für die Zuordnung nicht immer übereinstimmten. Während meine Mutter zunächst Puppenkleider den entsprechenden Puppen und somit Kategorien zuordnete, sichtete ich alte Kinderbücher. Schnell saßen wir beide inmitten kleiner Häufchen, deren Umschichtung von Neuem begann, sobald wir die Plätze wechselten. Als mit voranschreitender Zeit noch immer keine eindeutigen Entscheidungen erzielt waren, begann eine hitzige Debatte.
"Die Kleider sind sowas von altmodisch, das zieht doch heute keiner mehr an."
"Das dürfte der Puppe egal sein."
"Die Puppe, der die Kleider passen, ist längst entsorgt."
"Ach... aber die Kleider von Amosandra hebst du auf, obwohl Amosandra an Plastikversagen gestorben ist."
[Anm. d. Red.: Amosandra war eine dunkelhäutige Nachkriegsbabypuppe meiner Mutter, der ich alle Finger abkaute als sie in meinen Besitz überging und deren weicher Gummikörper den Aufenthalt in einer Kiste aufgrund von Materialzersetzung und Gewichtseinwirkung nicht ohne erheblichen Schaden überstand.]
"Das ist was anderes. Die haben altertumswert."
"Wenn man die anderen Kleider lange genug aufbewahrt, sind die auch bald antik."
"Und die dicke Puppe ist so häßlich, die will auch kein Mensch mehr."
"Psst, sie könnte einen irreversiblen psychischen Schaden bekommen."
"Ihr Leben ist befristet."
"Na schön, die dicke Puppe können wir entsorgen."
"Überhaupt haben alle Puppen ein Frisurproblem. Guck mal wie platt die am Hinterkopf sind."
"Wenn du so lange in einer Kiste gelegen hättest, hättest du auch ein Frisurproblem."
"Wenn ich in einer Kiste liege, habe ich kein Frisurproblem mehr."
"Schau mal, da ist meine alte Kommunionskerze."
"Das war auch gleichzeitig deine Taufkerze. Willst du die behalten?"
"Wir könnten sie ja an Weihnachten..."
"Was ist mit den Büchern?"
"Das Buch mit den französischen Märchen kann man wegwerfen. Die sind so grausam, dass ich danach nicht mehr schlafen konnte."
"Aber das ist Kulturgut."
"Wann hast du eigentlich das letzte Mal ein Buch gelesen? Und überhaupt schreibt man Barbie nicht mit Ypsilon."
"Werd jetzt nicht persönlich."
"Aber DU hast die Kartons beschriftet."
"Oh schau mal, Petzibücher! Die werfen wir nicht weg."
"Nein, die zerfallen bereits von alleine. Aber den alten Heidiband mit den eingeklebten Sammelbildchen, den behalten wir. Guck mal, das sind Bilder aus dem Film..."
"Gott ja, ziemlich sentimental war der. Das will doch heute niemand mehr."
"Ich schon."
"Dann nimm's mit. Und die anderen Sachen dazu."
"Und wo soll ich all das aufbewahren? Mein Keller ist kleiner als dein Besucherklo."
"Dann werfe ich alles weg."
"Wenn du das tust, zünde ich die Amosandrakleider mit meiner Kommunionskerze an..."
Zum Abschied winkte ich der dicken Puppe, die auf der Mülltonne thronte, noch einmal kurz zu, packte den Affen auf den Rücksitz und fuhr mit einer Kiste im Kofferraum und einem tiefen Seufzen los. Die Sachen warten jetzt auf eine neue Bleibe in einem Kinderherz. Bis dahin darf der Affe auf dem Klavier sitzenbleiben.

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Sonntag, 13. Mai 2007
Mother
frau klugscheisser, 23:22h
Sie wäscht, kocht, füttert, tröstet, räumt, macht sich Sorgen, ist da, nicht nur einen Tag im Jahr, und sie hofft, dass das, was sie für die alte Mutter tut, eines Tages jemand für sie tun wird.
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Freitag, 11. Mai 2007
A room with a view (11)
frau klugscheisser, 21:37h

San Francisco, Financial District
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Dienstag, 8. Mai 2007
Sätze, die man sofort... (25)
frau klugscheisser, 14:44h
Ohrenstäbchenknicker, du!
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