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Sonntag, 6. Mai 2007
The devil may care
frau klugscheisser, 01:58h
Live love today, love come tomorrow or May
Don't even stop for a sigh, it doesn't help if you cry
That's how I live and I'll die
Devil may care.
[D. Krall]
Dies ist die Geschichte von Ole*. Keine erdachte Geschichte könnte je so grausam sein wie die vom Leben geschriebenen. Details mögen frei erfunden sein, im Wesentlichen hat sie sich jedoch so oder ähnlich zugetragen.
Ole kam aus Schweden, um das Ingenieurswesen an einer deutschen Universität zu studieren. Schon bald schloß er Freundschaft mit Dietmar und Wang, einem deutschen und einem chinesischen Kommilitonen. Sie waren wie die drei Musketiere und ihre Freundschaft war eine dieser seltenen, auf Lebenszeit angelegten. Es dauerte nicht lange, da lernten erst Wang und wenig später auch Dietmar ihre zukünftigen Ehefrauen kennen. Ole ließ sich etwas mehr Zeit bei der Auswahl der richtigen Partnerin, doch schließlich hatte er sie gefunden. Sie hieß Ingrid, von ihm liebevoll Ingerlein genannt. Das Ende des Studiums und die Geburt der ersten Kinder tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Ole fungierte nicht nur als Trauzeuge, sondern auch als Pate für je eines der Kinder von Dietmar und Wang. Als das lang herbeigesehnte erste Kind von Ole und Ingrid das Licht der Welt erblickte, fiel die Wahl des Taufpaten automatisch auf einen der beiden Freunde.
Man traf sich zu Familienfesten und allen erdenklichen Anlässen. Mindestens einmal im Jahr – meist im Winter zum Skifahren - verbrachten die drei einen gemeinsamen Urlaub mit ihren Familien und Freunden. Meine erste bleibende Erinnerung an Ole geht auf einen jener Urlaube zurück. Seine Aufgabe bestand darin, die Kinder ins Bett zu bringen. Als selbsternannter Geschichtenerzähler war er unschlagbar. Wir bettelten jeden Abend um eine Fortsetzung, obwohl manche von uns den Gutenachtgeschichten, die er sich für seine Töchter ausdachte, schon entwachsen waren. Nicht nur um seine eigenen Kinder kümmerte er sich rührend, auch jedes andere, das sich in seiner Nähe aufhielt, wurde auf der Stelle zeitweise adoptiert. Ole liebte Kinder und die Kinder liebten ihn. Noch mehr als für seine Kinderliebe beneideten ihn die Freunde heimlich um seine Ehe. Keiner konnte sich daran erinnern, dass zwischen Ole und Ingrid je ein böses Wort gefallen wäre. Ingrid war Oles große Liebe und so behandelte er sie auch. Zuvorkommend las er ihr stets jeden Wunsch von den Augen ab. Im Gegenzug vergötterte Ingrid ihren Ole, der sie auf Händen durch den Alltag trug. Während mancher Auseinandersetzung in Dietmars und Wangs Ehen wurde, nicht immer zum Gefallen der Männer, Ole und Ingrid als leuchtendes Beziehungsvorbild zitiert.
Dabei war Ole nicht besonders attraktiv. Schon früh büßte er seine Haarpracht ein. Der Rest wechselte bald von blond in seriöses grau, wovor Wangs asiatische Haarpracht noch lange verschont blieb. So athletisch wie Dietmar war er nie und seine Vorliebe für gutes Essen hinterließ sichtbare Spuren um die Körpermitte. Alle körperlichen Nachteile machte Ole mit unvergleichlichem Charme, Witz und sonnigem Wesen locker wett. Obwohl er jedes weibliche Wesen in seiner Nähe in Sekundenbruchteilen um den Finger zu wickeln verstand, ließ er keinen Zweifel daran, wohin er tatsächlich gehörte. Wie eine unsichtbare Mauer begrenzte der Bund seiner Ehe mit Ingrid das sorglose Spiel und ließ sie von außen unantastbar werden. Auch bei Geschlechtsgenossen erfreute sich Ole an Beliebtheit. Wie könnte man je einen Menschen unsympathisch finden, der so höflich, so diplomatisch, so umgänglich war und gleichzeitig soviel Güte ausstrahlte. Diesem Menschen wünschte man nichts Böses.
Eines Tages erkrankte Oles ältere Tochter. Die Diagnose lautete Krebs, eine Form mit guten Heilungschancen. Ole scheute keine Kosten und Mühen für die Genesung seiner Tochter. Man zog alternative Heilmethoden genauso wie herkömmliche Schulmedizin in Betracht. Ole ließ sich beurlauben, um mit ihr Zeit in Frankreich zu verbringen, während Ingrid sich daheim um die jüngere schulpflichtige Tochter kümmerte. Bei ihrer Rückkehr war man guter Dinge und die Ärzte bestätigten eine Verbesserung ihres Zustandes. Dennoch fraßen dringend benötigte medizinische Hilfsmittel langsam die Ersparnisse auf. Vor allem aber sollte die Tochter alles bekommen, was sie sich wünschte. Das Abitur rückte ebenso wie die anstehende Berufswahl in ferne Zukunft, denn erst einmal sollte das Wunschkind wieder gesund werden. Sie wünschte sich einen weiteren Aufenthalt an Frankreichs Küste und einen Wechsel ihrer Behandlung auf ausschließlich teure Alternativmedizin.
Wieder trafen sie sich, diesmal um Oles Tochter und Dietmars Patenkind zu beerdigen. Keiner konnte begreifen, wieso das Schicksal ausgerechnet Ole so übel mitspielte. Dieser Mann, dem seine Familie alles bedeutete, war in seinen Grundfesten erschüttert. Und das Leben ging weiter. Während Wang bereits geschieden war und verbale Auseinandersetzungen zwischen Dietmar und seiner Frau schon rituelle Züge annahmen, schienen Ole und Ingrid durch das Ereignis noch fester als vorher zusammengeschweißt. All die Jahre ohne Streit, Ole stets fürsorglich um sein Ingerlein bemüht. Als Ingrid ebenfalls mit Krebs diagnostiziert wurde, begann das Drama von vorne. Ingrid kämpfte, denn sie wollte noch lange Jahre gemeinsam mit ihrem Ole verbringen. Die Freunde waren fassungslos. Wieviel Leid konnte ein Mann ertragen, ohne daran zu zerbrechen? Schließlich wendete sich das Blatt und Ingrid gewann den Kampf. Gemeinsam mit Ole. Die Zeit für den Tod, der sie einmal trennen sollte, war noch nicht gekommen.
Die Treffen wurden seltener. Obwohl die Kinder aus dem Haus und der Ruhestand nicht weit waren, gab es immer weniger Gelegenheit sich zu sehen. Eine der seltenen Nachrichten über Ole und Ingrid machte schnell die Runde. Und wieder waren die Freunde erschüttert. Diesmal war es Ole, der das Schicksal herausforderte. Er hatte eine Geliebte. Man nahm Ole ins Gebet und Ingrid mit in den Urlaub. Ingrid hing so sehr an ihrem Ole, dass sie lieber litt, als sich von ihm zu trennen. Keiner konnte es ihr verübeln, zumal Ole sich charmant und zuvorkommend wie eh und je um sie bemühte. Abgesehen von manch einsamen Nächten, die Ole im Bett der Geliebten oder auf Reisen verbrachte, hatte sich zwischen ihnen nichts geändert. Die Geliebte ihrerseits war eine von der modernen Art, die keinerlei Besitzansprüche stellte. Den Freunden wurde er allmählich fremd. Nicht nur hatte er den Glauben an die ideale Beziehung in ihnen zerstört, sondern auch das Bild eines aufrichtigen und zuverlässigen Mannes. Fast konnte man meinen, sie litten ein wenig mehr als Ingrid, die sich im Stillen mit der Situation zu arrangieren schien.
Während andere zurückblicken, fing für Ole das Leben mit 66 an. Er hatte dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen. Aus Ole wurde ein Pendler zwischen den Welten, einer der das Abenteuer suchte, während er die Sicherheit in der Tasche wähnte. Doch alle Sicherheit ist so vergänglich wie das Leben selbst. Als er sie fand, war Ingrid bereits seit Stunden tot. "Bis dass der Tod uns scheidet", stand im Abschiedsbrief. Bis heute bin ich mir nicht sicher, wer damit mehr überfordert war: Ole selbst, seine Geliebte oder seine Freunde.
*Alle Namen wurden vom Autor geändert und stehen nicht in Zusammenhang mit noch lebenden Bloggern.
Don't even stop for a sigh, it doesn't help if you cry
That's how I live and I'll die
Devil may care.
[D. Krall]
Dies ist die Geschichte von Ole*. Keine erdachte Geschichte könnte je so grausam sein wie die vom Leben geschriebenen. Details mögen frei erfunden sein, im Wesentlichen hat sie sich jedoch so oder ähnlich zugetragen.
Ole kam aus Schweden, um das Ingenieurswesen an einer deutschen Universität zu studieren. Schon bald schloß er Freundschaft mit Dietmar und Wang, einem deutschen und einem chinesischen Kommilitonen. Sie waren wie die drei Musketiere und ihre Freundschaft war eine dieser seltenen, auf Lebenszeit angelegten. Es dauerte nicht lange, da lernten erst Wang und wenig später auch Dietmar ihre zukünftigen Ehefrauen kennen. Ole ließ sich etwas mehr Zeit bei der Auswahl der richtigen Partnerin, doch schließlich hatte er sie gefunden. Sie hieß Ingrid, von ihm liebevoll Ingerlein genannt. Das Ende des Studiums und die Geburt der ersten Kinder tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Ole fungierte nicht nur als Trauzeuge, sondern auch als Pate für je eines der Kinder von Dietmar und Wang. Als das lang herbeigesehnte erste Kind von Ole und Ingrid das Licht der Welt erblickte, fiel die Wahl des Taufpaten automatisch auf einen der beiden Freunde.
Man traf sich zu Familienfesten und allen erdenklichen Anlässen. Mindestens einmal im Jahr – meist im Winter zum Skifahren - verbrachten die drei einen gemeinsamen Urlaub mit ihren Familien und Freunden. Meine erste bleibende Erinnerung an Ole geht auf einen jener Urlaube zurück. Seine Aufgabe bestand darin, die Kinder ins Bett zu bringen. Als selbsternannter Geschichtenerzähler war er unschlagbar. Wir bettelten jeden Abend um eine Fortsetzung, obwohl manche von uns den Gutenachtgeschichten, die er sich für seine Töchter ausdachte, schon entwachsen waren. Nicht nur um seine eigenen Kinder kümmerte er sich rührend, auch jedes andere, das sich in seiner Nähe aufhielt, wurde auf der Stelle zeitweise adoptiert. Ole liebte Kinder und die Kinder liebten ihn. Noch mehr als für seine Kinderliebe beneideten ihn die Freunde heimlich um seine Ehe. Keiner konnte sich daran erinnern, dass zwischen Ole und Ingrid je ein böses Wort gefallen wäre. Ingrid war Oles große Liebe und so behandelte er sie auch. Zuvorkommend las er ihr stets jeden Wunsch von den Augen ab. Im Gegenzug vergötterte Ingrid ihren Ole, der sie auf Händen durch den Alltag trug. Während mancher Auseinandersetzung in Dietmars und Wangs Ehen wurde, nicht immer zum Gefallen der Männer, Ole und Ingrid als leuchtendes Beziehungsvorbild zitiert.
Dabei war Ole nicht besonders attraktiv. Schon früh büßte er seine Haarpracht ein. Der Rest wechselte bald von blond in seriöses grau, wovor Wangs asiatische Haarpracht noch lange verschont blieb. So athletisch wie Dietmar war er nie und seine Vorliebe für gutes Essen hinterließ sichtbare Spuren um die Körpermitte. Alle körperlichen Nachteile machte Ole mit unvergleichlichem Charme, Witz und sonnigem Wesen locker wett. Obwohl er jedes weibliche Wesen in seiner Nähe in Sekundenbruchteilen um den Finger zu wickeln verstand, ließ er keinen Zweifel daran, wohin er tatsächlich gehörte. Wie eine unsichtbare Mauer begrenzte der Bund seiner Ehe mit Ingrid das sorglose Spiel und ließ sie von außen unantastbar werden. Auch bei Geschlechtsgenossen erfreute sich Ole an Beliebtheit. Wie könnte man je einen Menschen unsympathisch finden, der so höflich, so diplomatisch, so umgänglich war und gleichzeitig soviel Güte ausstrahlte. Diesem Menschen wünschte man nichts Böses.
Eines Tages erkrankte Oles ältere Tochter. Die Diagnose lautete Krebs, eine Form mit guten Heilungschancen. Ole scheute keine Kosten und Mühen für die Genesung seiner Tochter. Man zog alternative Heilmethoden genauso wie herkömmliche Schulmedizin in Betracht. Ole ließ sich beurlauben, um mit ihr Zeit in Frankreich zu verbringen, während Ingrid sich daheim um die jüngere schulpflichtige Tochter kümmerte. Bei ihrer Rückkehr war man guter Dinge und die Ärzte bestätigten eine Verbesserung ihres Zustandes. Dennoch fraßen dringend benötigte medizinische Hilfsmittel langsam die Ersparnisse auf. Vor allem aber sollte die Tochter alles bekommen, was sie sich wünschte. Das Abitur rückte ebenso wie die anstehende Berufswahl in ferne Zukunft, denn erst einmal sollte das Wunschkind wieder gesund werden. Sie wünschte sich einen weiteren Aufenthalt an Frankreichs Küste und einen Wechsel ihrer Behandlung auf ausschließlich teure Alternativmedizin.
Wieder trafen sie sich, diesmal um Oles Tochter und Dietmars Patenkind zu beerdigen. Keiner konnte begreifen, wieso das Schicksal ausgerechnet Ole so übel mitspielte. Dieser Mann, dem seine Familie alles bedeutete, war in seinen Grundfesten erschüttert. Und das Leben ging weiter. Während Wang bereits geschieden war und verbale Auseinandersetzungen zwischen Dietmar und seiner Frau schon rituelle Züge annahmen, schienen Ole und Ingrid durch das Ereignis noch fester als vorher zusammengeschweißt. All die Jahre ohne Streit, Ole stets fürsorglich um sein Ingerlein bemüht. Als Ingrid ebenfalls mit Krebs diagnostiziert wurde, begann das Drama von vorne. Ingrid kämpfte, denn sie wollte noch lange Jahre gemeinsam mit ihrem Ole verbringen. Die Freunde waren fassungslos. Wieviel Leid konnte ein Mann ertragen, ohne daran zu zerbrechen? Schließlich wendete sich das Blatt und Ingrid gewann den Kampf. Gemeinsam mit Ole. Die Zeit für den Tod, der sie einmal trennen sollte, war noch nicht gekommen.
Die Treffen wurden seltener. Obwohl die Kinder aus dem Haus und der Ruhestand nicht weit waren, gab es immer weniger Gelegenheit sich zu sehen. Eine der seltenen Nachrichten über Ole und Ingrid machte schnell die Runde. Und wieder waren die Freunde erschüttert. Diesmal war es Ole, der das Schicksal herausforderte. Er hatte eine Geliebte. Man nahm Ole ins Gebet und Ingrid mit in den Urlaub. Ingrid hing so sehr an ihrem Ole, dass sie lieber litt, als sich von ihm zu trennen. Keiner konnte es ihr verübeln, zumal Ole sich charmant und zuvorkommend wie eh und je um sie bemühte. Abgesehen von manch einsamen Nächten, die Ole im Bett der Geliebten oder auf Reisen verbrachte, hatte sich zwischen ihnen nichts geändert. Die Geliebte ihrerseits war eine von der modernen Art, die keinerlei Besitzansprüche stellte. Den Freunden wurde er allmählich fremd. Nicht nur hatte er den Glauben an die ideale Beziehung in ihnen zerstört, sondern auch das Bild eines aufrichtigen und zuverlässigen Mannes. Fast konnte man meinen, sie litten ein wenig mehr als Ingrid, die sich im Stillen mit der Situation zu arrangieren schien.
Während andere zurückblicken, fing für Ole das Leben mit 66 an. Er hatte dem Schicksal ein Schnippchen geschlagen. Aus Ole wurde ein Pendler zwischen den Welten, einer der das Abenteuer suchte, während er die Sicherheit in der Tasche wähnte. Doch alle Sicherheit ist so vergänglich wie das Leben selbst. Als er sie fand, war Ingrid bereits seit Stunden tot. "Bis dass der Tod uns scheidet", stand im Abschiedsbrief. Bis heute bin ich mir nicht sicher, wer damit mehr überfordert war: Ole selbst, seine Geliebte oder seine Freunde.
*Alle Namen wurden vom Autor geändert und stehen nicht in Zusammenhang mit noch lebenden Bloggern.
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Donnerstag, 3. Mai 2007
A little less conversation
frau klugscheisser, 14:48h
Auf Flügen nach Amerika wird mir immer wieder schmerzlich bewußt, wieviel ich an aktivem Wortschatz in den letzten Jahren eingebüßt habe. Was mich ehemals nicht mal einen Wimpernschlag kostete, bedeutet heute langes Grübeln bei der korrekten Übersetzung manch gebräuchlicher Phrase. Dafür kamen Komponenten der Speisekarte hinzu, für die ich früher Langenscheidt bemüht hätte, und die lauten Umgebungsgeräusche während des Fluges helfen kleine Peinlichkeiten zu überspielen, wenn ich Gästen anstelle von 'crab' oder 'crêpe' 'crap' anbiete.
So wurde ich von einer Dame nach der Bezeichnung der gelben Felder gefragt, die sie kurz nach dem Start in München gesehen hatte. Das englische Wort für Raps wusste ich noch nie, weswegen ich auch nicht nachzudenken brauchte. Um dem Klischee der dummen Saftschubse zu entgehen, hätte ich ihr im Gegenzug von meiner 'rupture of hamstring muscle fiber' berichten können - immerhin lerne ich derzeit fleißig anatomische Begriffe, damit ich im Tanztraining immer schön sagen kann, wo's weh tut. Das Gespräch bot jedoch keine Gelegenheit. Meine Chance würde sicher dann kommen, wenn ein Amerikaner das tut, was er am liebsten tut, nämlich nach dem allgemeinen Befinden zu fragen. Die ausführliche Beantwortung der Frage 'how are you?' führt meist zu einem abrupten Ende des Gespräches noch bevor es richtig beginnt, was wiederum die folgenden Gäste beim Einsteigevorgang von ähnlichen Fragestellungen abhält. Zwei Fliegen mit einer Klappe, das nenne ich diplomatische Konversation.
Warum nur geistert mir auf USA Flügen beim Einsteigevorgang immer der Satz "A little less conversation, a little more action please" durch den Kopf?
So wurde ich von einer Dame nach der Bezeichnung der gelben Felder gefragt, die sie kurz nach dem Start in München gesehen hatte. Das englische Wort für Raps wusste ich noch nie, weswegen ich auch nicht nachzudenken brauchte. Um dem Klischee der dummen Saftschubse zu entgehen, hätte ich ihr im Gegenzug von meiner 'rupture of hamstring muscle fiber' berichten können - immerhin lerne ich derzeit fleißig anatomische Begriffe, damit ich im Tanztraining immer schön sagen kann, wo's weh tut. Das Gespräch bot jedoch keine Gelegenheit. Meine Chance würde sicher dann kommen, wenn ein Amerikaner das tut, was er am liebsten tut, nämlich nach dem allgemeinen Befinden zu fragen. Die ausführliche Beantwortung der Frage 'how are you?' führt meist zu einem abrupten Ende des Gespräches noch bevor es richtig beginnt, was wiederum die folgenden Gäste beim Einsteigevorgang von ähnlichen Fragestellungen abhält. Zwei Fliegen mit einer Klappe, das nenne ich diplomatische Konversation.
Warum nur geistert mir auf USA Flügen beim Einsteigevorgang immer der Satz "A little less conversation, a little more action please" durch den Kopf?
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Mittwoch, 2. Mai 2007
A room with a view (10)
frau klugscheisser, 02:43h

Charlotte, North Carolina
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Freitag, 27. April 2007
My happiness
frau klugscheisser, 15:50h

Evening shadows make me blue when each weary day is through,
How I long to be with you, my happiness.
Everyday I reminisce, dreaming of your tender kiss,
Always thinking how I miss my happiness.
A million years it seems, have gone by since we shared our dreams.
But I'll hold you again, there'll be no blue memories then.
Whether skies are gray or blue, any place on earth will do,
Just as long as I'm with you, my happiness.
Mit nackten Füßen auf warmem Boden.
Ein Sonnenstrahl, der die Nase kitzelt.
Glatte Steine in der Tasche.
Das Lachen eines Kindes.
Eine perfekte Pirouette.
Den Wind im Haar.
Musik im Kopf.
Von meiner werten Leserschaft hätte ich nun gerne gewußt,
was sie glücklich macht.
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Sonntag, 22. April 2007
C is for Cookie
frau klugscheisser, 11:00h
Schönster Satz und schönstes Wortspiel aus dem Film Stranger than fiction:
Harold Crick steht vor seiner Angebeteten Ana Pascal - Cookie- und Muffinbäckerin aus Leidenschaft - mit einer Kiste verschiedener Mehlsorten.
"I brought you flours."
[weswegen man Filme nur im Original gucken sollte]
Harold Crick steht vor seiner Angebeteten Ana Pascal - Cookie- und Muffinbäckerin aus Leidenschaft - mit einer Kiste verschiedener Mehlsorten.
"I brought you flours."
[weswegen man Filme nur im Original gucken sollte]
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Freitag, 20. April 2007
Life would be so nice
frau klugscheisser, 11:48h
Kleiner Vorgeschmack auf den Sommer:
Bebel Gilberto 'so nice'
Nachtrag: deswegen musste gleich ein neuer Bikini her.
Bebel Gilberto 'so nice'
Nachtrag: deswegen musste gleich ein neuer Bikini her.
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Montag, 16. April 2007
Giant size
frau klugscheisser, 16:39h
Zweiter Versuch, neue Uniformschuhe zu finden. Aus Glattleder müssen sie sein und nicht zu hoch aber auch nicht zu niedrig. "Wissen Sie", sagt eine Kundin zur gelangweilten Verkäuferin "ich suche was Schickes und es soll bequem sein." Ich sehe im Schuhladen nur extrem Unbequemes oder Unschickes. Ja, die eierlegende Wollmilchsau gibt's hier nicht. Ich pendle zwischen den Regalen 37 bis 39, stelle immer wieder fest, dass 37 zu klein und 39 zu groß ist aber wenigstens habe ich dann die Illusion von Auswahl. Gibt es eigentlich irgendwen, der sich noch dööfer anstellt? Das letzte Paar 37 1/2 flog vor dem Umzug raus. Es war genau zweimal getragen. Einmal am Fuß und einmal in der Hand auf dem Weg zur Mülltonne. Dann schwor ich den Kompromißgrößen ab. Davon profitieren nur andere.
Dafür werde ich im Sportladen gegenüber fündig. Eine Tanzhose und ein Sportoberteil sind jetzt mein. Ist ja auch was. Im unbarmherzigen Spiegel der Umkleide zähle ich mal wieder Speckröllchen. Schließlich nehme ich eine Nummer größer. Das Etikett kann man ja rausschneiden. Weihnachten vor zwei Jahren schickte meine Mutter einen Fleecepulli - inzwischen zum Lieblingsstück ernannt. Und jedes Jahr frage ich mindestens zweimal, was sie sich bei der Größenauswahl gedacht hat. Bis jetzt kam noch keine verständliche Erklärung, nur der Hinweis darauf, das müsse sie sich wohl jetzt bis an ihr Lebensende anhören. Nicht ganz, denn ich bin mir sicher, der Pulli lebt kürzer.
Auf dem Weg per Fahrrad. München ist die schönste Stadt der Welt, nur die meisten Einwohner sind bescheuert. Natürlich habe ich das Handy vergessen. Wie immer. Keine Anrufe, keine Bilder. So stehe ich mit offenem Mund vor pittoresken Häuserfassaden, die mir nie zuvor auffielen. Das Wetter kann meinetwegen auch so bleiben, muss nicht mal wärmer werden. Dann brauche ich wenigstens keine neuen Sandalen. Die Suche nach Uniformschuhen jedenfalls wurde bis auf Weiteres vertagt.
Dafür werde ich im Sportladen gegenüber fündig. Eine Tanzhose und ein Sportoberteil sind jetzt mein. Ist ja auch was. Im unbarmherzigen Spiegel der Umkleide zähle ich mal wieder Speckröllchen. Schließlich nehme ich eine Nummer größer. Das Etikett kann man ja rausschneiden. Weihnachten vor zwei Jahren schickte meine Mutter einen Fleecepulli - inzwischen zum Lieblingsstück ernannt. Und jedes Jahr frage ich mindestens zweimal, was sie sich bei der Größenauswahl gedacht hat. Bis jetzt kam noch keine verständliche Erklärung, nur der Hinweis darauf, das müsse sie sich wohl jetzt bis an ihr Lebensende anhören. Nicht ganz, denn ich bin mir sicher, der Pulli lebt kürzer.
Auf dem Weg per Fahrrad. München ist die schönste Stadt der Welt, nur die meisten Einwohner sind bescheuert. Natürlich habe ich das Handy vergessen. Wie immer. Keine Anrufe, keine Bilder. So stehe ich mit offenem Mund vor pittoresken Häuserfassaden, die mir nie zuvor auffielen. Das Wetter kann meinetwegen auch so bleiben, muss nicht mal wärmer werden. Dann brauche ich wenigstens keine neuen Sandalen. Die Suche nach Uniformschuhen jedenfalls wurde bis auf Weiteres vertagt.
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Samstag, 14. April 2007
Love is in the air
frau klugscheisser, 02:16h
Der Frühling ist schuld. Und die Hormone. Wie könnte ich sonst mein derzeitiges Verhalten rechtfertigen? Ein pubertierender Teenager ist Dreck dagegen. Ehrlich. Nicht schlafen, nichts essen können, keinen klaren Gedanken fassen und froh sein, wenn einem ein vollständiger Satz über die Lippen kommt, der nicht von haltlosem Lachen unterbrochen wird. Seit Tagen die Hölle auf Erden. Zumindest für einen Kontrollfreak wie mich. Kein Grund zur Panik. Der nächste Herbst kommt bestimmt.
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Donnerstag, 12. April 2007
R.E.S.P.E.C.T.
frau klugscheisser, 03:17h
Nach jedem Tief geht es wieder hinauf. Diese abgeschmackte Weisheit mag man nicht glauben, wenn der Wendepunkt noch nicht erreicht, die Tränen noch ungezählt vergossen und die Kälte noch nicht aus den Gliedern geschüttelt.
Es sind die Kleinigkeiten, die das Herz erwärmen. Eine warme Hand, in der die eigene Halt findet, ein liebes Wort. Aufmerksames Zuhören, das Lächeln einer Fremden im Zug, ein kleines Kompliment, das nebensächlich eingestreut.
Es sind die Menschen, die mit ihrer Anteilnahme und Spiegelung des eigenen Selbstes das Leben lebenswert machen. Sie verdienen Respekt und Dankbarkeit. In jedem noch so nichtigen Moment.
Es sind die Kleinigkeiten, die das Herz erwärmen. Eine warme Hand, in der die eigene Halt findet, ein liebes Wort. Aufmerksames Zuhören, das Lächeln einer Fremden im Zug, ein kleines Kompliment, das nebensächlich eingestreut.
Es sind die Menschen, die mit ihrer Anteilnahme und Spiegelung des eigenen Selbstes das Leben lebenswert machen. Sie verdienen Respekt und Dankbarkeit. In jedem noch so nichtigen Moment.
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Mittwoch, 11. April 2007
Big in Japan (2)
frau klugscheisser, 02:25h
Auf der Suche nach den Glücksutensilien mache ich mich morgens auf den Weg zum Tempel. Am Bahnhof wartet die erste Hürde in Form des Fahrkartenautomaten. Ich weiß, ich muss zur Station Asakusa und auf dem Weg in der U-Bahn zweimal umsteigen, was mir angesichts der japanischen Beschriftung des Bahnnetzes jedoch wenig nützt. Der Automat zeigt verschiedene Fahrpreise in arabischen Lettern an und die Regel lautet: wenn du den korrekten Fahrpreis nicht kennst, löse das billigste Ticket. Nachzahlungen sind an der nächsten Station kein Problem. Nachdem ich also das billigste Ticket erworben habe, will ich die Schranke am Eingang passieren, doch weiß ich nicht, in welchen Schlitz ich es stecken soll, zumal in englischsprachigen Nahverkehrsbroschüren eindrücklich vor dem Verlust der Fahrkarte gewarnt wird. Wenn ich sie also in irgendeine Öffnung stecke und sie nicht mehr herauskommt, habe ich verloren. Keiner der Beamten am Nachzahlschalter spricht englisch, doch ist einer so freundlich, seine Glasbehausung zu verlassen, um das Ticket der doofen Touristin in die richtige Öffnung einzuführen. Während ich auf den Zug warte, zähle ich die Stationen bis zum ersten Wechsel. Es sind genau 11. Meistens steht der Name der jeweiligen Station auch auf englisch ausgeschrieben, doch sicher ist sicher.Als ich mich im Zug setzen will, stoße ich mit dem Kopf an die herabhängenden Haltegriffe. Auf dem Hinflug meinte mein ca. 1.60 großer Kollege, er sei gerne in Japan, weil er sich da endlich mal richtig groß fühlen könne.
Ich bin überrascht, wie leer der Zug ist, kennt man doch die Berichte von Bahnbeamten, die Menschentrauben zusammenquetschen, damit sich die Türen schließen können. Auf der Fahrt sehe ich einen Park mit blühenden Kirschbäumen. Selbst die Japanerin, die mir gegenüber sitzt, dreht sich um, um den Anblick zu bestaunen. In zartem rosa und weiß heben sich die Blüten gegen die triste Industrielandschaft ab. In einem Seminar sagte einst die Dozentin, wolle man sich dieser fremdartigen Kultur mit all ihren Diskrepanzen zur Neuzeit nähern, so könne man dies am Besten über die Ästhetik. So langsam begreife ich, was sie damit meinte. Kirschbäume - auch blühende - habe ich in meinem Leben viele gesehen, doch niemals in solcher Fragilität. Hier werden sie liebevoll gestutzt, getrimmt und in Form gebracht, wie man es mit allen Pflanzen macht. Man erinnere sich nur an die aufwendige Bonsaipflege und die Kunst des Ikebana.Je näher ich meiner endgültigen Destination komme, umso bunter mischen sich ausländische Fahrgäste mit Einheimischen. Viele japanische Frauen tragen Kimonos. Es ist Samstag und die Straßen jetzt schon ziemlich voll. Japanische Trachten wie Dirndl zur Oktoberfestzeit soweit das Auge reicht. Um zum Tempel zu gelangen muss man sich durch eine enge Gasse zwängen, die von Ramschläden und Imbißbuden gesäumt wird. Selbst auf der linken Seite komme ich nur schleichend voran. Schließlich erreiche ich das Ende der Budengasse. In einem großen Trog qualmen bündelweise Räucherstäbchen. Die Menschen drumherum fächeln sich den Rauch zu oder schöpfen ihn wie Wasser mit den hohlen Händen über ihre Köpfe. Rechts und links kleine Holzkästen, aus denen sie Omikujis ziehen. Die Trommeln, in denen sich Stäbe mit den entsprechenden Nummern befinden werden pausenlos geschüttelt. Da ich wohl hier niemanden ausfindig machen werde, der mir mein Omikuji übersetzen könnte, verzichte ich lieber. Wer will schon ein schlechtes Orakel aus Nichtwissen ständig mit sich führen.
Das Omamori hingegen muss ich unbedingt haben, es soll ja ein Mitbringsel zum Geburtstag werden. Rechts und links vom Eingang werden sie jeweils verkauft. Ich weiß von der Kollegin, dass jedes Omamori eine spezielle Bedeutung hat. Als ich den Verkäufer frage, ob er englisch spricht, winkt der ganz hektisch ab. Er hat durch meine Frage ein wenig von seinem Gesicht verloren. Mit dem restlichen Teil lacht er und hofft wohl, dass ich möglichst schnell das Weite suche. Zweiter Versuch am Stand gegenüber. Ich spreche einen Umstehenden an, ob er mir die Bedeutung der ausgestellten Omamoris übersetzen könne. Kann er, wenn auch in sehr gebrochenem und schwer verständlichen Englisch. Ich traue mich nicht nachzuhaken, sondern ergehe mich stattdessen in eifrigem Kopfnicken und vielen Ahs und Ohs. Soviel ich verstanden habe, gibt es welche für langes Leben und Gesundheit, sicheres Autofahren, Abwenden von Unglück und schließlich eines für Reichtum. Es könnte allerdings auch für eine große Familie gewesen sein. Die Gestik ließ mehr Interpretationsspielraum als jegliche Gebärden meiner Gehörlosen Gäste und dieses Amulett ist somit aus dem Rennen. Langes Leben und Gesundheit ist zu teuer, deswegen entscheide ich mich für Abwenden von Unglück. Ist ja auch was.
Auf dem Rückweg streife ich versehentlich eine Person, die völlig regungslos zwischen dem Getümmel steht und die ich zunächst für eine Schaufensterpuppe hielt.
Es ist ein Mönch, der um Almosen bittet. Auch vor den Stufen zum Ueno-Park steht einer. Diesmal bin ich allerdings aufmerksamer. Ich weiß nicht, ob es sich schickt, ihn zu fotografieren. Heimlich zücke ich das Handy von der Seite. Auch im Ueno-Park sind unglaublich viele Menschen. Man lagert auf großen Planen, vor denen die Schuhe feinsäuberlich abgestellt wurden. Gras hat hier keine Chance zu wachsen. Am Eingang ein Straßenmusikant, der sich anhört, als hätten es die Indiogruppen aus der Stuttgarter Fußgängerzone inzwischen bis Japan geschafft. Von irgendwo dröhnen Popsongs über Lautsprecher, die gelegentlich von offiziellen Durchsagen übertönt werden. Keinerlei Idylle, hier ist es mir zu laut und zu voll. Außerdem bin ich hundemüde.
Der Rückweg ist ein Kinderspiel. Ich bin jetzt Tokyo-Underground-Experte. Bevor ich am späten Nachmittag selig in mein Bett sinke, platziere ich das Omamori auf dem Nachttisch und halte den Kaeru ein wenig in der Hand. So schnell kann mir kein Unglück mehr passieren. Zumindest möchte ich daran ganz fest glauben.... link
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