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Donnerstag, 21. Juni 2007
Never stop moving
frau klugscheisser, 01:59h
oder aussergewöhnliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Maßnahmen.
Schon wieder ein Kurzaufenthalt in New York. Nach dem Jeansdesaster nicht mehr unbedingt meine Lieblingsstadt. Aber was soll man machen. Statt in sentimentale Lethargie zu verfallen, will ich diesmal Luigi besuchen. Keine Ahnung ob er ein Auto besitzt, in Fachkreisen ist er jedenfalls mindestens so berühmt wie sein kaffeeschlürfender Namensvetter.
Die Morgensonne macht sich bereit, den Asphalt aufzuheizen, als ich meinen Weg nach Norden einschlage. Man hat mich gewarnt: bleib im Sommer nicht zu lange stehen, sonst sinkst Du ein. Ich überquere die Straßen, die den Broadway kreuzen, biege links in die Fünfundfünfzigste und stehe schließlich vor dem Gebäude der Alvin Ailey Dance Company. In einer Fernsehreportage habe ich gesehen, dass man von draußen in den Tanzsaal schauen kann. Leider sind die Fenster verblendet und ich sehe nur durch einen kleinen Spalt zwei Tänzer auf das kommende Training wartend auf dem Boden sitzen. Andere streben aus allen Himmelsrichtungen dem Gebäude entgegen. Sie sind durch ihre Haltung leicht zu identifizieren. Muss schwer sein, mit einem Stock im Hintern zu leben.
Noch bin ich zu früh für das Studio Maestro, also setze ich mich am Lincolnsquare auf einen der zahlreichen Stühle und genieße den Anblick der Met. Ein Stadtstreicher leistet mir Gesellschaft. Vielleicht weil ich derzeit wie Müll aussehe. Ich gehe weiter, vorbei an Läden und Restaurants, bis ich die 68te erreiche. Hausnummern gibt es hier wohl nicht, mein Gefühl sagt mir aber, dass ich rechts abbiegen muss, und ich habe richtig geraten. Die Türe des Studios ist geschlossen. Als eine Dame herauskommt, schlüpfe ich durch den Eingang. Stufen führen hinunter zum Empfang. An den Wänden Fotos von Tänzern. Ich spreche kurz mit der Empfangsdame. Die Luigileute seien noch nicht da aber ich könne mich schon mal umziehen.
Ich weiß nicht, ob Luigi selbst in der Unterrichtsstunde anwesend sein wird. Immerhin muss er mindestens 80 Jahre alt sein. Seine Geschichte liest sich beeindruckend. Als junger Tänzer hatte er einen Unfall. Die Ärzte sagten ihm, er würde nie mehr gehen können. Mit unglaublicher Willenskraft entwickelte er daraufhin seine eigene Technik, die es ihm ermöglichte, zwei Jahre später wieder zu tanzen. Von Gene Kelly entdeckt, wirkte er in zahlreichen Film- und Theaterproduktionen mit und scharte langsam eine kleine Tänzergemeinde um sich, die sich seine Technik zu eigen machte. Das Besondere an seiner Methode ist die geringe Verletzungsgefahr. Luigi arbeitet mit dem Körper, nicht gegen ihn. Zahlreiche Berühmtheiten hat er trainiert. In Fachkreisen gilt er als der Vater des modernen Jazztanzes, sozusagen der Graham des Jazz.
Als ich aus der Umkleide komme, spricht mich die Dame an, die mir die Türe aufhielt. Paula heisse sie und Luigi komme sicher bald. Kurz darauf steigt ein alter Mann die Treppen herunter. Er sieht genauso aus wie auf den Fotos. Nacheinander treffen zwei junge Japanerinnen, eine alte Italienerin, eine noch ältere Amerikanerin, eine etwa gleichaltrige Newyorkerin und schließlich eine Dame ein, die offensichtlich unter den Folgen eines Schlaganfalles leidet. Neben haufenweisen Küsschen zieht Luigi mühevoll seine Tanzschuhe an. Langsam kommen mir Zweifel, ob ich hier fälschlicherweise beim Seniorenturnen gelandet bin. Doch spätestens als sich alle im Trainigssaal versammelt haben und die Musik beginnt, sind alle meine Zweifel behoben.
Luigi möchte, dass ihn alle gut sehen können, auch 'the girl from Germany' in der letzten Reihe. Zunächst kopiere ich die Bewegungen bei dem Profitänzer gleich hinter Luigi, was sich als Fehler herausstellt. Nur wo Luigi draufsteht, ist auch Luigi drin. Was soll ich sagen, dieser Mann, der gefühlte Stunden brauchte, um seine Schuhe zu binden, mutiert vor meinen Augen zum Energiebündel. Was ist sein Geheimnis? Er kommt ohne exaltierte Bewegungen aus. Jeder Schritt ist so voller Spannung gekonnt plaziert, dass ich vor Bewunderung im Boden versinken möchte. Selbst die Dame mit dem Schlaganfall hat mittels dieser besonderen Technik mehr Ausdruck als jeder andere.
Nach dem Warmup erklingt Frank Sinatra mit 'night and day'. Spontan fühlen sich mindestens zwei Schüler zum Mitsingen bemüßigt. Eine der Stimmen ist meine. Ich kann nichts dagegen tun, es passiert einfach ohne dass ich es initiiere. Dazwischen erläutert Luigi die relativ simple Schrittkombination. Wir werden zum Tanzen in Gruppen aufgeteilt und ich bin in der ersten. Kein Luigi, kein Profitänzer, dem ich auf die knackigen Arschbacken starren kann. Mir entfährt ein leises 'Ohgottohgott'. Irgendwie hample ich durch die Choreographie und schäme mich ein wenig währenddessen. Luigi unterbricht und fragt, ob 'the girl from Germany' auch Spaß habe. Ich nicke, wobei ich mir ohne Brille nicht sicher bin, ob er mich ansieht. Tatsächlich schaut er die Dame neben mir an. Lautstark erklären die restlichen Damen, dass es sich bei 'the girl from Germany' um mich handelt und die andere eine bekannte Standup-comedian aus New York sei. Dann erzählt er eine Geschichte, in der er eine junge Dame in Germany begrüßte und jene sich leider den Kopf an einer Mauer anstieß, weil sie sich hektisch umsah. Alle lachen außer mir. Man fragt mich, ob ich die Geschichte 'bekommen' hätte, doch für eine Erklärung ist jetzt keine Zeit.
Später in der Umkleide wird mir erklärt, die Dame hätte sich aufgrund Luigis Ophthalmologie (das Wort ist wirklich gefallen, es bedeutet Schielen und ja, ich musste es auch nachschlagen) den Kopf gestoßen. Wie gut, dass vor allen Wänden in Tanzstudios sicherheitshalber Stangen angebracht sind. Ich verabschiede mich von Luigi und schlage energiegeladen meinen Weg zur 42ten ein, wo ich noch sehr billig eine Jeans erstehe, bevor ich am Abend 'night and day' summend den Rückflug antrete.
Alles in allem ein wirklich schöner Tag, der in diesem Moment nachwirkt.
Schon wieder ein Kurzaufenthalt in New York. Nach dem Jeansdesaster nicht mehr unbedingt meine Lieblingsstadt. Aber was soll man machen. Statt in sentimentale Lethargie zu verfallen, will ich diesmal Luigi besuchen. Keine Ahnung ob er ein Auto besitzt, in Fachkreisen ist er jedenfalls mindestens so berühmt wie sein kaffeeschlürfender Namensvetter.
Die Morgensonne macht sich bereit, den Asphalt aufzuheizen, als ich meinen Weg nach Norden einschlage. Man hat mich gewarnt: bleib im Sommer nicht zu lange stehen, sonst sinkst Du ein. Ich überquere die Straßen, die den Broadway kreuzen, biege links in die Fünfundfünfzigste und stehe schließlich vor dem Gebäude der Alvin Ailey Dance Company. In einer Fernsehreportage habe ich gesehen, dass man von draußen in den Tanzsaal schauen kann. Leider sind die Fenster verblendet und ich sehe nur durch einen kleinen Spalt zwei Tänzer auf das kommende Training wartend auf dem Boden sitzen. Andere streben aus allen Himmelsrichtungen dem Gebäude entgegen. Sie sind durch ihre Haltung leicht zu identifizieren. Muss schwer sein, mit einem Stock im Hintern zu leben.
Noch bin ich zu früh für das Studio Maestro, also setze ich mich am Lincolnsquare auf einen der zahlreichen Stühle und genieße den Anblick der Met. Ein Stadtstreicher leistet mir Gesellschaft. Vielleicht weil ich derzeit wie Müll aussehe. Ich gehe weiter, vorbei an Läden und Restaurants, bis ich die 68te erreiche. Hausnummern gibt es hier wohl nicht, mein Gefühl sagt mir aber, dass ich rechts abbiegen muss, und ich habe richtig geraten. Die Türe des Studios ist geschlossen. Als eine Dame herauskommt, schlüpfe ich durch den Eingang. Stufen führen hinunter zum Empfang. An den Wänden Fotos von Tänzern. Ich spreche kurz mit der Empfangsdame. Die Luigileute seien noch nicht da aber ich könne mich schon mal umziehen.
Ich weiß nicht, ob Luigi selbst in der Unterrichtsstunde anwesend sein wird. Immerhin muss er mindestens 80 Jahre alt sein. Seine Geschichte liest sich beeindruckend. Als junger Tänzer hatte er einen Unfall. Die Ärzte sagten ihm, er würde nie mehr gehen können. Mit unglaublicher Willenskraft entwickelte er daraufhin seine eigene Technik, die es ihm ermöglichte, zwei Jahre später wieder zu tanzen. Von Gene Kelly entdeckt, wirkte er in zahlreichen Film- und Theaterproduktionen mit und scharte langsam eine kleine Tänzergemeinde um sich, die sich seine Technik zu eigen machte. Das Besondere an seiner Methode ist die geringe Verletzungsgefahr. Luigi arbeitet mit dem Körper, nicht gegen ihn. Zahlreiche Berühmtheiten hat er trainiert. In Fachkreisen gilt er als der Vater des modernen Jazztanzes, sozusagen der Graham des Jazz.
Als ich aus der Umkleide komme, spricht mich die Dame an, die mir die Türe aufhielt. Paula heisse sie und Luigi komme sicher bald. Kurz darauf steigt ein alter Mann die Treppen herunter. Er sieht genauso aus wie auf den Fotos. Nacheinander treffen zwei junge Japanerinnen, eine alte Italienerin, eine noch ältere Amerikanerin, eine etwa gleichaltrige Newyorkerin und schließlich eine Dame ein, die offensichtlich unter den Folgen eines Schlaganfalles leidet. Neben haufenweisen Küsschen zieht Luigi mühevoll seine Tanzschuhe an. Langsam kommen mir Zweifel, ob ich hier fälschlicherweise beim Seniorenturnen gelandet bin. Doch spätestens als sich alle im Trainigssaal versammelt haben und die Musik beginnt, sind alle meine Zweifel behoben.
Luigi möchte, dass ihn alle gut sehen können, auch 'the girl from Germany' in der letzten Reihe. Zunächst kopiere ich die Bewegungen bei dem Profitänzer gleich hinter Luigi, was sich als Fehler herausstellt. Nur wo Luigi draufsteht, ist auch Luigi drin. Was soll ich sagen, dieser Mann, der gefühlte Stunden brauchte, um seine Schuhe zu binden, mutiert vor meinen Augen zum Energiebündel. Was ist sein Geheimnis? Er kommt ohne exaltierte Bewegungen aus. Jeder Schritt ist so voller Spannung gekonnt plaziert, dass ich vor Bewunderung im Boden versinken möchte. Selbst die Dame mit dem Schlaganfall hat mittels dieser besonderen Technik mehr Ausdruck als jeder andere.
Nach dem Warmup erklingt Frank Sinatra mit 'night and day'. Spontan fühlen sich mindestens zwei Schüler zum Mitsingen bemüßigt. Eine der Stimmen ist meine. Ich kann nichts dagegen tun, es passiert einfach ohne dass ich es initiiere. Dazwischen erläutert Luigi die relativ simple Schrittkombination. Wir werden zum Tanzen in Gruppen aufgeteilt und ich bin in der ersten. Kein Luigi, kein Profitänzer, dem ich auf die knackigen Arschbacken starren kann. Mir entfährt ein leises 'Ohgottohgott'. Irgendwie hample ich durch die Choreographie und schäme mich ein wenig währenddessen. Luigi unterbricht und fragt, ob 'the girl from Germany' auch Spaß habe. Ich nicke, wobei ich mir ohne Brille nicht sicher bin, ob er mich ansieht. Tatsächlich schaut er die Dame neben mir an. Lautstark erklären die restlichen Damen, dass es sich bei 'the girl from Germany' um mich handelt und die andere eine bekannte Standup-comedian aus New York sei. Dann erzählt er eine Geschichte, in der er eine junge Dame in Germany begrüßte und jene sich leider den Kopf an einer Mauer anstieß, weil sie sich hektisch umsah. Alle lachen außer mir. Man fragt mich, ob ich die Geschichte 'bekommen' hätte, doch für eine Erklärung ist jetzt keine Zeit.
Später in der Umkleide wird mir erklärt, die Dame hätte sich aufgrund Luigis Ophthalmologie (das Wort ist wirklich gefallen, es bedeutet Schielen und ja, ich musste es auch nachschlagen) den Kopf gestoßen. Wie gut, dass vor allen Wänden in Tanzstudios sicherheitshalber Stangen angebracht sind. Ich verabschiede mich von Luigi und schlage energiegeladen meinen Weg zur 42ten ein, wo ich noch sehr billig eine Jeans erstehe, bevor ich am Abend 'night and day' summend den Rückflug antrete.
Alles in allem ein wirklich schöner Tag, der in diesem Moment nachwirkt.
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Dienstag, 19. Juni 2007
A room with a view (14)
frau klugscheisser, 22:33h

over and over again
but never enough
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Freitag, 15. Juni 2007
Mocha Chocalata ya ya
frau klugscheisser, 19:43h
Mehr als drei Wochen hat sie im Schrank überlebt. Unglaublich, wenn man, mal abgesehen von den derzeitigen Temperaturen, mein bisweilen sehr ungezügeltes Essverhalten kennt. Eigentlich mag ich keine Schokolade. Das hat ihr wohl das Leben gerettet. Als Sonderangebot gekauft, verstaut, vergessen. Auf der Suche nach Nahrungsmitteln heute entdeckt und schließlich als lebenserhaltende Maßnahme dem Körper zugeführt. Die Haut ist eh im Eimer. Die Figur sowieso.
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Samstag, 9. Juni 2007
Movie star (oder die prominenten Liebschaften der Frau K.) 2
frau klugscheisser, 01:49h
Während Christopher seinen Führerschein bestand und mich gelegentlich mit dem alten VW Käfer in die angesagten Läden der nahegelegenen Stadt entführte, blieb ich dem Tanztee treu. Dort traf ich Tom Cruise (zumindest die Nase, sowie die markanten Kieferknochen passen perfekt). Tom war ein hervorragender Tänzer und verfügte über die Goldstar Zulassung, worauf ich in Windeseile meine Fähigkeiten mit seiner Hilfe aufbesserte. Nur erwischen durften wir uns nicht lassen, denn ich hatte in der örtlichen Tanzschule nur für die Grundkenntnisse bezahlt. Er wohnte einige Ortschaften entfernt im Erdgeschoß seines Elternhauses, und jedes Mal wenn ich ihn besuchte, widmete sich seine Mutter ausgiebiger Gartenarbeit. Am Ende des Jahres war der Garten zumindest vor dem Fenster tiptop in Schuß.
Im Sommer folgte die erste örtliche Trennung. Tom verbrachte die Ferien mit Familie auf einem jugoslawischen FKK-Campingplatz und schrieb fast jeden Tag leidenschaftliche Briefe. In einem davon beschrieb er sehr plastisch die durch Sonneneinstrahlung hervorgerufenen Verbrennungen an einem Körperteil, das für gewöhnlich der Sonne nur selten ausgesetzt wird. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, denn die Notwendigkeit, sich ständig all seiner Kleidung zu entledigen konnte ich nur schwer nachvollziehen. Der Umstand hatte außerdem keine direkte Auswirkung auf unser Zusammensein, da ich mich immer noch der letzten Konsequenz entzog.
Als Tom mich zur Entschädigung für die getrennte Zeit eine Woche zu Verwandten begleitete, war das Drama perfekt. Unsere Schlafgelegenheiten waren sicherheitshalber auf unterschiedlichen Stockwerken angelegt. Eines Nachts schlich ich mich leise zu ihm ins obere Stockwerk, doch als ich oben angekommen war, vernahm ich unten Geräusche und glaubte, entdeckt worden zu sein. Folglich ging ich wieder hinunter, nicht ohne die Türe hörbar zu schließen. Es folgte eine Standpauke, in denen die Worte Moral und Sittsamkeit des Öfteren fielen. Man hatte nicht meine Abwesenheit, wohl aber meine Rückkehr wahrgenommen und war sich nicht sicher, was da 'unter unserem Dach' von statten ging. Erst meine Notlüge, den 'Arzt von Stalingrad' dort geholt zu haben, stieß auf ein wenig Verständnis. Das Buch sei schließlich gut für meine Bildung und spannend allemal. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich es nie wirklich gelesen.
Nach einem gemeinsamen Winterurlaub beendete Tom sehr theatralisch und zudem schriftlich unsere Beziehung. Nach abgeschlossener Banklehre heiratete er seine ehemalige Tanzpartnerin. Mir blieb Konsalik und die Überzeugung, dass ein gepflegter Garten manchmal mehr wert ist als alle fleischlichen Gelüste.
Im Sommer folgte die erste örtliche Trennung. Tom verbrachte die Ferien mit Familie auf einem jugoslawischen FKK-Campingplatz und schrieb fast jeden Tag leidenschaftliche Briefe. In einem davon beschrieb er sehr plastisch die durch Sonneneinstrahlung hervorgerufenen Verbrennungen an einem Körperteil, das für gewöhnlich der Sonne nur selten ausgesetzt wird. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, denn die Notwendigkeit, sich ständig all seiner Kleidung zu entledigen konnte ich nur schwer nachvollziehen. Der Umstand hatte außerdem keine direkte Auswirkung auf unser Zusammensein, da ich mich immer noch der letzten Konsequenz entzog.
Als Tom mich zur Entschädigung für die getrennte Zeit eine Woche zu Verwandten begleitete, war das Drama perfekt. Unsere Schlafgelegenheiten waren sicherheitshalber auf unterschiedlichen Stockwerken angelegt. Eines Nachts schlich ich mich leise zu ihm ins obere Stockwerk, doch als ich oben angekommen war, vernahm ich unten Geräusche und glaubte, entdeckt worden zu sein. Folglich ging ich wieder hinunter, nicht ohne die Türe hörbar zu schließen. Es folgte eine Standpauke, in denen die Worte Moral und Sittsamkeit des Öfteren fielen. Man hatte nicht meine Abwesenheit, wohl aber meine Rückkehr wahrgenommen und war sich nicht sicher, was da 'unter unserem Dach' von statten ging. Erst meine Notlüge, den 'Arzt von Stalingrad' dort geholt zu haben, stieß auf ein wenig Verständnis. Das Buch sei schließlich gut für meine Bildung und spannend allemal. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich es nie wirklich gelesen.
Nach einem gemeinsamen Winterurlaub beendete Tom sehr theatralisch und zudem schriftlich unsere Beziehung. Nach abgeschlossener Banklehre heiratete er seine ehemalige Tanzpartnerin. Mir blieb Konsalik und die Überzeugung, dass ein gepflegter Garten manchmal mehr wert ist als alle fleischlichen Gelüste.
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Donnerstag, 7. Juni 2007
Into the ocean
frau klugscheisser, 21:42h
Die neue Ausgabe von Mindestenshaltbar mit Fotos von Herrn Paulsen ist online. Schönes Thema, schöne Bilder. Bitte drücken Sie den Fisch, der übrigens ebenfalls Herrn Paulsen gehört.
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Mittwoch, 6. Juni 2007
A room with a view (13)
frau klugscheisser, 18:21h

Los Angeles
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Samstag, 2. Juni 2007
Movie star (oder die prominenten Liebschaften der Frau K.) 1
frau klugscheisser, 01:30h
Auf speziellen Wunsch von Gaga
Im Alter erinnert man sich bekanntlich besser an längst vergangene Begebenheiten als an jüngste Ereignisse. Werde ich nach meinem ersten Freund gefragt, muss ich nicht lange nachdenken: er war schon 17, erschien mir deshalb unheimlich erwachsen und erinnerte mich damals ganz stark an Christopher Lambert, den attraktivsten Tarzan der Filmgeschichte (zumindest die Augen- und Mundpartie, sowie die Charakternase sind fast identisch). Die Affäre dauerte nur drei Monate, doch über die Jahre sind wir Freunde geblieben.
Angefangen hat alles im Dschungel pubertärer Gefühlsschwankungen, dem sogenannten Tanztee, zu dem mich meine beste Freundin mitschleppte. Sie war sehr von ihm angetan, weshalb er zwischen uns zum Dauergesprächsthema wurde. Jede Bewegung wurde ausgiebig studiert und analysiert, jeder Blick auf etwaige Neigungen interpretiert. Er trug weiße Schuhe, eine weiße Hose und ein rosa Polohemd mit einem kleinen aufgestickten Krokodil, typisch 80er. Der Höhepunkt jedes Abends war die Stehbluesrunde, zu der er ein Mädchen auffordern würde. Als er sich in unsere Richtung bewegte, schlugen unsere Herzen bis zum Hals. Das Drama war perfekt, als er nicht meine Freundin, sondern mich aufforderte und ich ihm auf die Tanzfläche folgte. Ich erinnere mich genau, wie sich sein Körper anfühlte. Er roch nach Armani, ein Duft, den ich bis heute mit seiner Person verbinde. Zwischen unsere Wangen passte nicht einmal mehr ein Blatt Papier, während ich stets darauf achtete, dass zwischen unseren Körpern unterhalb der Gürtellinie wenigstens ab und zu Luftbewegung stattfinden konnte, schließlich wollte ich ihm als wohlerzogenes Mädchen keine falschen Hoffnungen machen, denn die Hoffnung regte sich bereits nach wenigen Minuten spürbar zwischen seinen Beinen.
Auch im weiteren Verlauf unseres Beisammenseins sorgte ich stets für gebührenden Abstand. Als er langsam begriff, dass wildes Knutschen und Fummeleien, bei denen ich seine Hände unter Kontrolle zu halten verstand, das Ende der Fahnenstange waren, löste er die Verbindung in einseitigem Einvernehmen. Der überhöhte Hormonpegel war nicht der einzige Unterschied zwischen uns. Sein Bestreben ging dahin, in nicht allzu ferner Zukunft möglichst viel Geld zu verdienen, um den gehobenen Lebensstandard fortzusetzen, den er von zu Hause gewohnt war. Er studierte BWL und ist inzwischen erfolgreicher Kleinunternehmer mit vierköpfiger Familie. Was Tarzan in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte, wurde für Christopher zur Wirklichkeit. Nur die wilde Leidenschaft, die hat er mit den Jahren leider verloren.
Im Alter erinnert man sich bekanntlich besser an längst vergangene Begebenheiten als an jüngste Ereignisse. Werde ich nach meinem ersten Freund gefragt, muss ich nicht lange nachdenken: er war schon 17, erschien mir deshalb unheimlich erwachsen und erinnerte mich damals ganz stark an Christopher Lambert, den attraktivsten Tarzan der Filmgeschichte (zumindest die Augen- und Mundpartie, sowie die Charakternase sind fast identisch). Die Affäre dauerte nur drei Monate, doch über die Jahre sind wir Freunde geblieben.
Angefangen hat alles im Dschungel pubertärer Gefühlsschwankungen, dem sogenannten Tanztee, zu dem mich meine beste Freundin mitschleppte. Sie war sehr von ihm angetan, weshalb er zwischen uns zum Dauergesprächsthema wurde. Jede Bewegung wurde ausgiebig studiert und analysiert, jeder Blick auf etwaige Neigungen interpretiert. Er trug weiße Schuhe, eine weiße Hose und ein rosa Polohemd mit einem kleinen aufgestickten Krokodil, typisch 80er. Der Höhepunkt jedes Abends war die Stehbluesrunde, zu der er ein Mädchen auffordern würde. Als er sich in unsere Richtung bewegte, schlugen unsere Herzen bis zum Hals. Das Drama war perfekt, als er nicht meine Freundin, sondern mich aufforderte und ich ihm auf die Tanzfläche folgte. Ich erinnere mich genau, wie sich sein Körper anfühlte. Er roch nach Armani, ein Duft, den ich bis heute mit seiner Person verbinde. Zwischen unsere Wangen passte nicht einmal mehr ein Blatt Papier, während ich stets darauf achtete, dass zwischen unseren Körpern unterhalb der Gürtellinie wenigstens ab und zu Luftbewegung stattfinden konnte, schließlich wollte ich ihm als wohlerzogenes Mädchen keine falschen Hoffnungen machen, denn die Hoffnung regte sich bereits nach wenigen Minuten spürbar zwischen seinen Beinen.
Auch im weiteren Verlauf unseres Beisammenseins sorgte ich stets für gebührenden Abstand. Als er langsam begriff, dass wildes Knutschen und Fummeleien, bei denen ich seine Hände unter Kontrolle zu halten verstand, das Ende der Fahnenstange waren, löste er die Verbindung in einseitigem Einvernehmen. Der überhöhte Hormonpegel war nicht der einzige Unterschied zwischen uns. Sein Bestreben ging dahin, in nicht allzu ferner Zukunft möglichst viel Geld zu verdienen, um den gehobenen Lebensstandard fortzusetzen, den er von zu Hause gewohnt war. Er studierte BWL und ist inzwischen erfolgreicher Kleinunternehmer mit vierköpfiger Familie. Was Tarzan in seinen kühnsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte, wurde für Christopher zur Wirklichkeit. Nur die wilde Leidenschaft, die hat er mit den Jahren leider verloren.
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Donnerstag, 31. Mai 2007
Running out of time
frau klugscheisser, 01:14h
Zweimal geblinzelt und schon ist wieder eine Woche vorbei. Kaum hat man sich an erhöhte Temperaturen gewöhnt, sollten die Vorbereitungen für Weihnachten bald beginnen. Unerklärlich, warum ich für die paar Tage jedes Jahr Sommerreifen aufziehe und Kleidungsstücke mit wenig Stoff erwerbe. Könnte man sich alles sparen. Und die Blogbeiträge werden auch immer spärlicher. Dabei würde mir schon das ein oder andere einfallen, beispielsweise durfte ich kürzlich den bekannten Fernsehkoch und Autor Paulsen auf einem Flug nach Übersee begleiten. Noch während ich mir überlegte, mit welchen geistreichen Worten ich das Gespräch eröffnen könnte, entstanden erste Zweifel an seiner Identität, als er sich in akzentfreiem Südstaatenslang mit seinem Sitznachbarn zu unterhalten begann. Zudem nehme ich an, Herr Paulsen bevorzugt Direktflüge nach Barcelona statt Umsteigeverbindungen über Japan oder China.
In letzter Zeit häufen sich derlei Fälle auf erschreckende Weise. Auf jedem zweiten Flug glaube ich, Blogger oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - selbst bei genauerer Betrachtung - zu erkennen. Aus Lieschen Müller wird ruckzuck Liza Minelli und ein grauer Lockenkopf mutiert in meinen Gedanken zu Simon Rattle. Ich sollte wirklich öfter Brille tragen.
In letzter Zeit häufen sich derlei Fälle auf erschreckende Weise. Auf jedem zweiten Flug glaube ich, Blogger oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens - selbst bei genauerer Betrachtung - zu erkennen. Aus Lieschen Müller wird ruckzuck Liza Minelli und ein grauer Lockenkopf mutiert in meinen Gedanken zu Simon Rattle. Ich sollte wirklich öfter Brille tragen.
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Samstag, 26. Mai 2007
Answer
frau klugscheisser, 20:48h
Oweh möchte etwas über meine Bücher mit blauem Einband wissen und woher sie stammen. Ehrlich gesagt fürchte ich, das wird eine sehr lange und langweilige Liste. Es gab nämlich mal eine Zeit, in der ich meine Bücher nach Größe und Farbe sortierte. Neuerwerbungen kaufte ich vorwiegend im Hinblick auf diese Kriterien. Damals bevorzugte ich das Angebot des Suhrkampverlages, weil die Taschenbücher in einfachen Farben gehalten waren und sich hervorragend im Regal abstufen ließen. Und weil blau lange Zeit meine absolute Lieblingsfarbe war, finden sich derlei zahlreiche Bücher in meinem Regal. Da steht Hesse en bleu neben Proust und Celan neben Kundera, dazwischen Sachs, Werfel, Frisch, Bernhard und einige mehr. Das soll als Information genügen.
Mein CD Regal hingegen gibt nicht wirklich viel her. Ich besitze einige Klassikaufnahmen, etwas mehr Jazz und dazwischen ein Sammelsurium verschiedener Sparten. Im Vergleich zu Bekannten besitze ich relativ wenig auf Scheiben gepresste Musik. Insgeheim profitierte ich meist von Aufnahmen anderer. Besitztum war nie mein Bestreben. Eine gute Aufnahme einmal gehört, bleibt in meinem Gedächtnis gespeichert und von dort abrufbereit.
Gespannt bin ich noch, ob wohl die Kaltmamsell meinen Wunsch erfüllt und mir ihre Kindheitsphantasien verrät.
Demnächst: Frau Klugscheissers prominente Liebschaften.
Mein CD Regal hingegen gibt nicht wirklich viel her. Ich besitze einige Klassikaufnahmen, etwas mehr Jazz und dazwischen ein Sammelsurium verschiedener Sparten. Im Vergleich zu Bekannten besitze ich relativ wenig auf Scheiben gepresste Musik. Insgeheim profitierte ich meist von Aufnahmen anderer. Besitztum war nie mein Bestreben. Eine gute Aufnahme einmal gehört, bleibt in meinem Gedächtnis gespeichert und von dort abrufbereit.
Gespannt bin ich noch, ob wohl die Kaltmamsell meinen Wunsch erfüllt und mir ihre Kindheitsphantasien verrät.
Demnächst: Frau Klugscheissers prominente Liebschaften.
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Donnerstag, 24. Mai 2007
The answer, my friend
frau klugscheisser, 19:05h
Und hier die ersten Ergebnisse des Kommandobloggens:

Supatyp will meine [Lieblings-]Schuhe und meine Fußmatte sehen. Hier also Stilleben mit Stiletto. Im Übrigen kommt die Matte nicht aus England, sondern aus Schweden.
Badewanne aus der Wannenperspektive ebenfalls für den Supatyp.
"Sag was Schmutziges".
"Küche!"
Trotz Vorwarnung möchte Don Dahlmann einen Blick in meine Küche werfen.
[Morgen dann über blaue Bücher]

Supatyp will meine [Lieblings-]Schuhe und meine Fußmatte sehen. Hier also Stilleben mit Stiletto. Im Übrigen kommt die Matte nicht aus England, sondern aus Schweden.
Badewanne aus der Wannenperspektive ebenfalls für den Supatyp.
"Sag was Schmutziges"."Küche!"
Trotz Vorwarnung möchte Don Dahlmann einen Blick in meine Küche werfen.
[Morgen dann über blaue Bücher]
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Ask me why
frau klugscheisser, 12:12h
Frau Gaga tut es und die Kaltmamsell auch. Erfunden hat es, glaube ich, der Supatyp und einige andere sind seinem Aufruf gefolgt. Sie alle bloggen on demand.
Ich sag's lieber gleich: meine Kleidung ist langweilig, meine Wohnung schmutzig und mein Handy macht schlechte Fotos. Gibt es hier jemanden, der sonst noch was von mir wissen will?
Ich sag's lieber gleich: meine Kleidung ist langweilig, meine Wohnung schmutzig und mein Handy macht schlechte Fotos. Gibt es hier jemanden, der sonst noch was von mir wissen will?
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