Freitag, 8. Juni 2007
Movie star (oder die prominenten Liebschaften der Frau K.) 2
Während Christopher seinen Führerschein bestand und mich gelegentlich mit dem alten VW Käfer in die angesagten Läden der nahegelegenen Stadt entführte, blieb ich dem Tanztee treu. Dort traf ich Tom Cruise (zumindest die Nase, sowie die markanten Kieferknochen passen perfekt). Tom war ein hervorragender Tänzer und verfügte über die Goldstar Zulassung, worauf ich in Windeseile meine Fähigkeiten mit seiner Hilfe aufbesserte. Nur erwischen durften wir uns nicht lassen, denn ich hatte in der örtlichen Tanzschule nur für die Grundkenntnisse bezahlt. Er wohnte einige Ortschaften entfernt im Erdgeschoß seines Elternhauses, und jedes Mal wenn ich ihn besuchte, widmete sich seine Mutter ausgiebiger Gartenarbeit. Am Ende des Jahres war der Garten zumindest vor dem Fenster tiptop in Schuß.

Im Sommer folgte die erste örtliche Trennung. Tom verbrachte die Ferien mit Familie auf einem jugoslawischen FKK-Campingplatz und schrieb fast jeden Tag leidenschaftliche Briefe. In einem davon beschrieb er sehr plastisch die durch Sonneneinstrahlung hervorgerufenen Verbrennungen an einem Körperteil, das für gewöhnlich der Sonne nur selten ausgesetzt wird. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen, denn die Notwendigkeit, sich ständig all seiner Kleidung zu entledigen konnte ich nur schwer nachvollziehen. Der Umstand hatte außerdem keine direkte Auswirkung auf unser Zusammensein, da ich mich immer noch der letzten Konsequenz entzog.

Als Tom mich zur Entschädigung für die getrennte Zeit eine Woche zu Verwandten begleitete, war das Drama perfekt. Unsere Schlafgelegenheiten waren sicherheitshalber auf unterschiedlichen Stockwerken angelegt. Eines Nachts schlich ich mich leise zu ihm ins obere Stockwerk, doch als ich oben angekommen war, vernahm ich unten Geräusche und glaubte, entdeckt worden zu sein. Folglich ging ich wieder hinunter, nicht ohne die Türe hörbar zu schließen. Es folgte eine Standpauke, in denen die Worte Moral und Sittsamkeit des Öfteren fielen. Man hatte nicht meine Abwesenheit, wohl aber meine Rückkehr wahrgenommen und war sich nicht sicher, was da 'unter unserem Dach' von statten ging. Erst meine Notlüge, den 'Arzt von Stalingrad' dort geholt zu haben, stieß auf ein wenig Verständnis. Das Buch sei schließlich gut für meine Bildung und spannend allemal. Wenn ich mich recht entsinne, habe ich es nie wirklich gelesen.

Nach einem gemeinsamen Winterurlaub beendete Tom sehr theatralisch und zudem schriftlich unsere Beziehung. Nach abgeschlossener Banklehre heiratete er seine ehemalige Tanzpartnerin. Mir blieb Konsalik und die Überzeugung, dass ein gepflegter Garten manchmal mehr wert ist als alle fleischlichen Gelüste.

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Der letzte Satz kommt auf ein Kopfkissen!

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