Samstag, 8. Dezember 2007
Let him play among the stars
Eigentlich ist auf SvenK. immer Verlass. Wenn ich wissen will, wer gestorben ist, brauche ich keine Online Nachrichten. Diesmal hat er mich allerdings enttäuscht. Kein Wort über Stockhausen. Ob der arrogante Sack wohl schon auf Sirius angekommen ist?

Und wer kann mir erklären, warum Google heute schwarz ist?

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Donnerstag, 6. Dezember 2007
A room with a view (22)






Hong Kong

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Mittwoch, 5. Dezember 2007
I can`t get no sleep
Irgendwo auf der Welt ist immer was los. Irgendwo ist ja auch immer Tag. Waehrend eine Seite schlaeft, wuselt es auf der anderen. Wahrscheinlich ist das der Grund, warum die Erde sich dreht. Daheim ist momentan Nacht. Ich aber sitze irgendwo auf der anderen Seite. Mein Organismus macht schon lange keine zuverlaessige Meldung mehr bezueglich Uhrzeiten und Schlafverhalten. Dennoch trage ich ausserhalb meines Arbeitsfeldes keinen Zeitmelder am Handgelenk. Gegessen wird bei Hunger, geschlafen bei Muedigkeit. Nicht mal der Hauch einer Routine ist moeglich, will ich mich nicht andauernd totmuede und mit Verstopfung durch den Tag quaelen, nur um mich nachts schwungvoll von Seite zu Seite zu werfen.

Wenn ich von irgendwo auf der anderen Seite wieder heimkomme, fragen Bekannte, wie spaet es jetzt fuer mich sei. Darauf gibt es keine konkrete Antwort. Das Schlimmste ist dieser Versatzstueckschlaf waehrend man fliegt. Mir fehlt die Nacht, die ich im Flieger verbringe. Nachzuholen ist fehlender Schlaf kaum. Das ist, als ob man seinen achtzehnten Geburtstag nachholen will. Es geht nicht. Achtzehn wird man an einem bestimmten Tag seines Lebens, nicht frueher und nicht spaeter. "Liebling, wir holen das nach", sagt der Geschaeftsmann zu seiner Frau, wenn er am Hochzeitstag einen wichtigen Termin wahrnehmen muss. Vielleicht ist dieser wichtige Termin auch ein Schaeferstuendchen mit der Geliebten, die ihre Geburtstagsnachfeier einforderte. So rennt er sein ganzes Leben irgendwelchen Terminen hinterher, ohne zu merken, dass er im Grunde seinem Leben hinterherlaeuft.

Ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen will: es ist jetzt ziemlich hell hier in Hong Kong, die Menschen wuseln zur Arbeit und ich mache mich gleich auf den Weg zum Friseur. Der Mann hinter mir trommelt bereits undgeduldig auf der Tischplatte, weil er ebenfalls ins Internet moechte. Vielleicht hat er ein Blog und schreibt gleich ueber seinen achtzehnten Geburtstag oder seine Geliebte oder seine schlaflosen Naechte. Wer weiss?

Nachtrag1: Wie sich herausstellte, war der Mann, der hinter mir auf die Tischplatte trommelte, mein Cockpitkollege und der hat sicher kein Blog. Zumindest ist er nicht gerade ein Mann vieler Worte.

Nachtrag2:
vor einiger Zeit dieses Video gefunden. Zwei auf dem Flughafen Madrid Gestrandete, die wegen der Durchsagen keinen Schlaf finden, tanzen und filmen stattdessen im menschenleeren Terminal. Dauer ca. 10 Minuten.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (33)
Das Marmeladenbrotphaenomen jetzt auch bei CD-Roms beobachtet:
Sie fallen immer auf die bedruckte Seite.

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Dienstag, 27. November 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (32c)
Der Einfluß moderner Kunst auf die Technik kann nicht geleugnet werden:

Siehe Monochromes Blau, Yves Klein
und Bluescreen, Microsoft

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Sätze, die man sofort bloggen muss (32b)
Softwarekomponenten, die einen Konflikt im System auslösen, welches seine Wurzeln irgendwo auf dem Motherboard hat, und es letztlich zur Dysfunktion kommt, können getrost als Motherfucker bezeichnet werden.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (32a)
Jetzt müsste es aber funktionieren.

[Aus der Reihe: "Letzte Worte eines Microsoftanwenders vor dem Neustart"]

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Sonntag, 25. November 2007
Giving it all away
Hotelzimmer sind überall gleich. Das Zimmer, in dem ich sitze, könnte auch irgendwo anders sein. Ein Bett, ein Tisch, ein Sessel, ein Fernseher. Einige Bilder an der Wand, kleine Fläschchen in der Minibar und im Bad. In einer der vielen Schubladen liegt mit Sicherheit eine Bibel. Ich schaue nicht mehr nach. Früher öffnete ich jede Schublade mit ein wenig Herzklopfen. Ich hoffte, etwas Vergessenes darin zu finden. Einen Ring, ein beschriebenes Blatt, ein Bild, ein Stück Menschlichkeit in einem unpersönlichen Raum. Kurz bevor ich eine Schublade öffnete, stellte ich mir vor, es läge darin ein abgehackter Finger, ein Auge oder ähnliches. Der Gedanke ließ die Spannung immens steigen. Gefunden habe ich immer nur die obligatorische Bibel, manchmal der Koran oder ein buddhistisches Äquivalent, Telefonbücher, eine Hotelbeschreibung und die Speisekarte für den Zimmerservice. Die einzigen menschlichen Überreste in Form von Zehennägeln oder Haaren lagen offen auf dem Boden. Seither schaue ich weder in Schubladen noch Mafiafilme.

Meine Sachen liegen auf dem zweiten, unbenutzten Bett oder im geöffneten Koffer. Niemals staue ich etwas in Schubladen oder den Schrank. Einzig die Uniform hängt dort, denn die will ich während meines Aufenthaltes bewußt vergessen. Würde ich sie dort lassen, müsste ich schon nackt zum Abfahrtstermin in der Lobby erscheinen. Höchstwahrscheinlich wird mir das nie passieren. Die Gefahr, andere Dinge zu vergessen, ist jedenfalls weitaus größer. Meine Sorge ist so groß, dass ich nach Verlassen des Raumes zwanghaft noch dreimal Zimmer und Bad inspiziere, bevor die Türe endgültig ins Schloß fällt. Ich stelle mir vor, wie das Zimmermädchen mein Schlafshirt, meine Haarspange oder das abgeschabte Mäppchen mit der Nagelschere findet und es mit spitzen Fingern in den Abfallsack packt. Mal abgesehen von einem alten Schlafshirt, einer Packung Tabletten, einigen Haaren und Fingernägeln habe ich aber noch nie etwas zurückgelassen. Schließlich sehe ich auch dreimal nach. Zwangsneurosen können durchaus nützlich sein.

So sitze ich also in diesem Hotelzimmer, das irgendwie überall sein könnte. Auf dem zweiten, unbenutzten Bett liegen meine Füße und alles, was ich im Laufe des Tages erworben habe. Eigenartig daran ist, dass all die auf der Decke ausgebreiteten Dinge, außer meinen Füßen, nicht mir gehören sollen. Es sind Geschenke für andere. Eigenartig ist auch dieses wohlig warme Gefühl, das beim Anblick der Sachen in meinem Bauch entsteht. Langsam lasse ich die Perlenkette abwechselnd durch meine Finger gleiten und vor den Augen baumeln, streichle über den Seidenstoff mit den eingestickten kleinen Drachen, halte das Stofftäschchen in der Hand und lege schließlich alles wieder zurecht, nur um fünf Minuten später erneut alles anzufassen. Dann stelle ich mir die Gesichter der Beschenkten vor. Ihre Freude beim Auspacken ist mindestens so spannend wie ein imaginärer abgetrennter Finger in einer nicht geöffneten Schublade, nur schöner.

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der Leute verzweifelt nach obligatorischen Geschenken suchen. Manche werden erst in letzter Minute fündig, wohl weil jede Pflicht lästig ist und gerne verdrängt wird. Die Schönheit und das Glück des Schenkens wird dabei ebenfalls verdrängt. Es mag egoistisch sein, wenn ich gerne schenke, vielleicht ist es auch das Ergebnis einer erfolgreichen Konditionierung. Trotzdem möchte ich nicht auf das Gefühl verzichten. Wie schön es ist, sich einen bestimmten Menschen vorzustellen, seine Vorlieben, seine Eigenarten, sein Äusseres, während man etwas Passendes auswählt, wie befriedigend wenn man fündig wird. Drei Paar Schuhe für mich selbst könnten meine empfundene Zufriedenheit beim Betrachten der heutigen Ausbeute für andere nicht überbieten.

Irgenwann hatte ich die Idee, Menschen aus meinem Bekanntenkreis zu beschenken, die aus den Ländern stammen, in die ich fliege. Das Projekt mit dem internen Arbeitstitel 'Fernweh-/Heimwehexpress' - so eine Art Import-Export für Gefühle - begann vielversprechend. Dier japanischen Ballettlehrerin brachte ich aus Tokio einen Glücksbringer und Seetang für Sushi mit. Obwohl wir uns nicht lange kannten, fiel sie mir freudig um den Hals. Ich ging um etliche Glückshormone und Erkältungsviren reicher heim. Während der dreiwöchigen Grippe beschloß ich, das Projekt zu modifizieren. Nicht wegen der Ansteckungsgefahr, sondern weil sich schlichtweg zu wenige Japaner, Chinesen und Brasilianer in meinem Bekanntenkreis befinden, und die japanische Ballettlehrerin - sie war im Anschluß sechs Wochen abwesend - möchte ich auch nicht zu sehr strapazieren. Jetzt beschränke ich mich eben auf die Menschen, die ich kenne.

Mit den Gaben sind plötzlich alle zukünftigen Besitzer da. Es wird ein wenig eng auf dem Bett, außerdem bin ich müde. Also packe ich alles endgültig weg. Das warme Gefühl aber bleibt und die Gewißheit, nicht alleine zu sein. Neben Zwangsneurosen ist auch eine ordentliche Wahnvorstellung manchmal ganz nützlich, vor allem, wenn man viel unterwegs und das Fernsehprogramm meistens schlecht ist. Angenehmer als fremde Fußnägel und Haare sind Perlen und Seidenstoff im Bett allemal.

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Freitag, 23. November 2007
A room with a view (21)


Bejing

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Dienstag, 20. November 2007
It's not unusual
Empfehlung für einsame Abende:

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Montag, 19. November 2007
Sick and tired
Seit Wochen Probleme mit der Verbindung ins Firmennetz. Erst mal meinen PC-Heilpraktiker gefragt. Selbst nach Stunden kein konkreter Befund. Das Herz-Kreislaufsystem funktioniert einwandfrei - zumindest das im PC-Gehäuse. Meines läuft weniger gut. Am Wochenende dann weitere Stunden im System verbracht, ebenfalls ohne relevantes Ergebnis. Mehrere Telefonate mit freundlichen Mitarbeitern diverser Hotlines. Ihnen kein Erfolgserlebnis durch funktionierende Prozesse vermitteln können. Mich zwischen Schreien und Heulen nicht entscheiden können. Im Zuge der Redundanz sicherheitshalber beides praktiziert. Nachts wach geworden mit dem Gedanken an mögliche Fehlerquellen. Auch im Wachzustand keine freie Speicherkapazität für neue Eindrücke und Geschichten auf meiner Festplatte gefunden. Heute wieder zwei Stunden mit einem Techniker am Ohr geflirtet durch Systemdateien flaniert. Die Erkenntnis gewonnen, dass Techniker auch nur Menschen sind. In Erwägung gezogen, einen Voodooexperten zu konsultieren.

I'm so sick of this f***ing technical problems!!!

Houston...?

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Freitag, 16. November 2007
Back it up
Hallo Herr Schäuble,

wie geht es Ihnen? Sie sind momentan sicher total im Streß mit Daten speichern. Ich finde ja die Vorratsdatenspeicherung eine super Sache. Wollte ich nur mal so sagen, weil da gibt es ja auch Leute, die wo das nicht so toll finden.

Ich wollte Sie jetzt auch noch fragen, ob Sie was für mich tun können. Mir ist da nämlich eine ganz blöde Sache passiert. Ich hab irgendwas auf mein Computer falsch angeklickt und jetzt sind alle meine Mails weg und die Adressen und mein Passwort von dem Mailaccount weiß ich auch nicht mehr. Also wenn Sie mir die Mails nochmal schicken könnten, das wär echt klasse. Dann kann ich die nämlich auf mein Computer lesen.

Bis die Tage, Ihre
Erika Mustermann


Sicherungskopien kann ich auch selber. Aber eine Idee wär's schon, derlei Anfragen an entsprechende Stelle zu senden. Jemand 'ne bessere?

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Mittwoch, 14. November 2007
Police helicopter
Dass Pressemitteilungen nicht immer ganz wahr sind, beweist diese Meldung über einen verunglückten Polizeihubschrauber in Hannover. "Nennenswerte Verspätungen" - so der Bericht - hätte es keine gegeben. Ja iss denn heut scho Weihnachten und wartet man nun kollektiv aufs Christkind, mag sich der ein oder andere der mindestens 250 wartenden Passagiere gefragt haben. Von einer zweiten Landebahn war heute Mittag auch irgendwie nie die Rede, der Flughafen Hannover komplett gesperrt und so mussten wir ausweichen, um dann frisch betankt etwa eine Stunde später erneut Hannover anzusteuern.

Die Reaktionen der Fluggäste reichen von stoischer Gelassenheit über Verwunderung bis hin zu ungezügelten Wutausbrüchen, was für mich sehr wohl nachvollziehbar ist. Bahnstreik und Wetterlage scheinen niemanden mehr zu interessieren. Der Schuldige ist die gebuchte Fluglinie, da ist man sich schnell einig, und wir die personifizierten Katalysatoren für angestauten Mißmut. Für meine Kollegen und mich wird die Kabine zur Arena des Kampfes um buddhistischen Gleichmut. Der achtfache Pfad findet nicht sonderlich viel Anklang bei den Passagieren. Man will lieber einen direkten Pfad ans Ziel (Hannover), den aber bitte recht flott. Statt vier edle Wahrheiten verkünde ich Informationen über Anschlußflüge. Damit lässt sich das Leiden erfahrungsgemäß weit effektiver lindern.

Einem besonders aufgebrachten Mitreisenden biete ich an, mehrmals kräftig gegen die Türe eines gestauten Essenswagens zu treten. Erst zögernd, dann mit vollem Elan tritt der so lange zu, bis wir schließlich beide lachen. Manchmal muss man eben auch unkonventionelle Pfade beschreiten. All dies wohlgemerkt zum Zeitpunkt, da uns Frau Holle gerade mal zart bepuderte. Vor mir liegen noch viele Sparringrunden mit garantiertem Karmapimping, wenn der Winter bald mit schwerem Geschütz auffährt. Das wird mir so richtig klar, als ich das hier einige Stunden und zwei Schnitzel später tippe.

Man kennt das ja. Da fallen zwei Tropfen Gefrorenes vom Himmel und sofort bricht der gesamte Verkehr zusammen. In Russland hingegen - so könnte man meinen - würde man sich bei vergleichbarer Wetterlage die Pelzmütze vom Kopf reißen und über einen vorzeitigen Frühlingsausbruch spekulieren. Tatsächlich wurde ich auf einem Flug nach Moskau aber eines Besseren belehrt. Kann das Flugzeug nach dem Enteisen nicht sofort starten, verliert die Enteiserflüssigkeit ihre Wirkung und muss erneut aufgetragen werden. Vielleicht wird das hochwertige Gefrierschutzmittel dort lieber in Kehlen als auf Flugzeuge gekippt. Ich werde es morgen nicht wie ursprünglich geplant überprüfen können, sondern mich stattdessen vier Stunden länger als heute an privaten Daunen wärmen. Derweilen kann Frau Holle draußen von mir aus soviel schütteln wie sie will. Das geht mir sozusagen am Gänsekiel vorbei.

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