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Montag, 1. September 2008
Dangerous
frau klugscheisser, 19:38h
Michael Jackson
Dieser Kaukasuskonflikt ist inzwischen auch schon wieder kalter Kaffee. So kalt wie der Tsunami im darauffolgenden Sommer. Ist ja auch alles schön weit weg von hier. Und wer weiß schon, wo der Kaukasus liegt. Reinhold Messner hat jedenfalls dort noch keinen einzigen Zeh geopfert.
Für mich war das Gerangel um diverse georgische Gebiete zumindest zweieinhalb Wochen interessant, weil da dieses Kürzel für Tiflis in meinem Dienstplan stand. Konnte es sein, dass der Konflikt bis in die Hauptstadt vordringt? Würde Russland den Luftraum für die zivile Luftfahrt schließen? Naive Mitmenschen behaupten ja, die Luftfahrtgesellschaften wüssten schon was sie tun und so lange sie ein bestimmtes Gebiet anfliegen, würde es auch ganz bestimmt dort sicher sein. Ich persönlich halte das für ein Gerücht. Als sich damals in Sarajewo die einzelnen Lager beschossen, schickte man so lange wie möglich Zivilflugzeuge in die Hauptstadt und damals in Beirut - wir erinnern uns? - landeten Maschinen der westlichen Konsumgesellschaft auf dem Flughafen. Man verliert nicht gerne die heißumkämpften Slots wegen einer kleinen politischen Krise. Politik ist im Grunde auch nicht mehr als Wirtschaftsdiplomatie und Flüchtlingstransport sowas wie die letzte große Marktlücke.
Medvedev hat jedenfalls die abtrünnigen Gebiete Georgiensanektiert anerkannt und sich bis auf weiteres von dort zurückgezogen als ich nach Tiflis flog. Hin wollten etwa 40 Passagiere, weg von dort aber wesentlich mehr. Vor allem diese ungeheuer wichtige, verkabelte und körpergebildete Gruppe von Amerikanern, in ihrer ungeheuer wichtigen Mission, die so ungeheuer viel Waffen und Munition in der Kabine transportieren wollten, was ihnen aber von uns, der Besatzung, verwehrt wurde. Diese Amerikaner und ihre Mission waren so ungeheuer wichtig, dass sie gleichzeitig auch ungeheuer geheim bleiben musste. Ganz seltsame Geschichte. Jahrelang kümmern sich die Amerikaner einen Feuchten um Georgien, jahrelang durfte Stalin diskriminieren und deportieren. Jetzt aber, wo es um wirtschaftliche Interessen geht, jetzt steht plötzlich die Elite Amerikas bei Fuß, wenn um kleine Grenzgebiete gerangelt wird.
Ich bin ja nur ein ganz kleines Korn im großen Weltgetriebe aber wundern darf man sich ja mal, zumal diese Vorfälle meinen Alltag unmittelbar betreffen. Und von der Zivilbevölkerung spricht mal wieder keiner. Wichtig ist ja nur das große Ganze, da muss man auch mal Opfer bringen. Universalschicksal nennt sich das dann und Gott spielen einzelne selbsternannte Machthaber. Aber keiner scheint je von den alten Weisheiten gehört zu haben, die oben mit unten und das Kleine mit dem Großen vergleichen. Sie sind halt auch zu leise, die das aussprechen oder werden mit aller Kraft erstickt, wie derzeit in China. Die verschaffen sich nicht mit Schüssen und Sprengstoff Gehör, die hört man nicht im Feuergefecht. Nur wer innehält und bereit ist zuzuhören, wird die leisen Stimmen wahrnehmen. Möglicherweise verschieben sich dann aber gewisse Prioritäten, das System beginnt zu wanken und muss schließlich einem neuen weichen. Veränderung bedeutet aber Unsicherheit und wirkt bedrohlich. Deswegen hören wir lieber wieder auf die Marktschreier und drehen die Musik laut. Zu viel Stille ist einfach gefährlich. Nachdenken auch. Scheint so jedenfalls für die Mehrheit der Menschen zu sein.
Dieser Kaukasuskonflikt ist inzwischen auch schon wieder kalter Kaffee. So kalt wie der Tsunami im darauffolgenden Sommer. Ist ja auch alles schön weit weg von hier. Und wer weiß schon, wo der Kaukasus liegt. Reinhold Messner hat jedenfalls dort noch keinen einzigen Zeh geopfert.
Für mich war das Gerangel um diverse georgische Gebiete zumindest zweieinhalb Wochen interessant, weil da dieses Kürzel für Tiflis in meinem Dienstplan stand. Konnte es sein, dass der Konflikt bis in die Hauptstadt vordringt? Würde Russland den Luftraum für die zivile Luftfahrt schließen? Naive Mitmenschen behaupten ja, die Luftfahrtgesellschaften wüssten schon was sie tun und so lange sie ein bestimmtes Gebiet anfliegen, würde es auch ganz bestimmt dort sicher sein. Ich persönlich halte das für ein Gerücht. Als sich damals in Sarajewo die einzelnen Lager beschossen, schickte man so lange wie möglich Zivilflugzeuge in die Hauptstadt und damals in Beirut - wir erinnern uns? - landeten Maschinen der westlichen Konsumgesellschaft auf dem Flughafen. Man verliert nicht gerne die heißumkämpften Slots wegen einer kleinen politischen Krise. Politik ist im Grunde auch nicht mehr als Wirtschaftsdiplomatie und Flüchtlingstransport sowas wie die letzte große Marktlücke.
Medvedev hat jedenfalls die abtrünnigen Gebiete Georgiens
Ich bin ja nur ein ganz kleines Korn im großen Weltgetriebe aber wundern darf man sich ja mal, zumal diese Vorfälle meinen Alltag unmittelbar betreffen. Und von der Zivilbevölkerung spricht mal wieder keiner. Wichtig ist ja nur das große Ganze, da muss man auch mal Opfer bringen. Universalschicksal nennt sich das dann und Gott spielen einzelne selbsternannte Machthaber. Aber keiner scheint je von den alten Weisheiten gehört zu haben, die oben mit unten und das Kleine mit dem Großen vergleichen. Sie sind halt auch zu leise, die das aussprechen oder werden mit aller Kraft erstickt, wie derzeit in China. Die verschaffen sich nicht mit Schüssen und Sprengstoff Gehör, die hört man nicht im Feuergefecht. Nur wer innehält und bereit ist zuzuhören, wird die leisen Stimmen wahrnehmen. Möglicherweise verschieben sich dann aber gewisse Prioritäten, das System beginnt zu wanken und muss schließlich einem neuen weichen. Veränderung bedeutet aber Unsicherheit und wirkt bedrohlich. Deswegen hören wir lieber wieder auf die Marktschreier und drehen die Musik laut. Zu viel Stille ist einfach gefährlich. Nachdenken auch. Scheint so jedenfalls für die Mehrheit der Menschen zu sein.
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Mittwoch, 27. August 2008
Long ago and far away
frau klugscheisser, 15:46h
Retrotwittern: Postkarten schreiben. Mehr als zweihundert Zeichen gehen da auch nicht drauf - nicht mit Briefmarke und Adresse.
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Montag, 25. August 2008
All The Things You Are
frau klugscheisser, 01:50h
Ella
Rennt, springt, tanzt, eßt, trinkt, liebt, lacht, weint, singt, schreit, flüstert, schleicht, streichelt, klatscht, beobachtet, tastet, riecht, fühlt, hört, sinniert, steht, wartet, lauft, umarmt, greift, haltet, atmet, träumt, wacht, ...
Aber tut es nicht so halbherzig, wie Ihr alles andere jeden Tag halbherzig und distanziert erledigt. Tut all das mit all der Euch eigenen Kraft und Leidenschaft. Tut es mit aller Aufmerksamkeit und Konzentration, mit allen Sinnen und aus ganzem Herzen. Taucht in den Moment wie der Pinsel in einen Farbtopf, wie der Kopfsprung in kühles Wasser an einem heißen Sommertag. Macht Euch zu einem Teil des Geschehens wie die Note Teil des Liedes und der Sonnenstrahl Teil des Lichtes ist. Wie der Tropfen Teil eines Sees ist und der Grashalm Teil einer Wiese.
Riskiert, dabei verletzt zu werden, wie der Schreiner einen Spreißel riskiert. Riskiert, aus dem Gleichgewicht zu geraten, wie der Seiltänzer einen Sturz riskiert. Riskiert die erstaunten, ärgerlichen oder gar neidischen Blicke der anderen, wie ein Schauspieler auf der Bühne die Blicke auf sich zieht. Beginnt, dieses Risiko anzunehmen und zu lieben. Erst dann entfalten die Dinge ihre ganz eigene Magie. Und jeder Augenblick füllt Eure Herzen mit dem Glück, das Ihr bisher so sehr herbeisehntet.
Frau Klugscheisser, Gesammelte Werke Bd. 1
Rennt, springt, tanzt, eßt, trinkt, liebt, lacht, weint, singt, schreit, flüstert, schleicht, streichelt, klatscht, beobachtet, tastet, riecht, fühlt, hört, sinniert, steht, wartet, lauft, umarmt, greift, haltet, atmet, träumt, wacht, ...
Aber tut es nicht so halbherzig, wie Ihr alles andere jeden Tag halbherzig und distanziert erledigt. Tut all das mit all der Euch eigenen Kraft und Leidenschaft. Tut es mit aller Aufmerksamkeit und Konzentration, mit allen Sinnen und aus ganzem Herzen. Taucht in den Moment wie der Pinsel in einen Farbtopf, wie der Kopfsprung in kühles Wasser an einem heißen Sommertag. Macht Euch zu einem Teil des Geschehens wie die Note Teil des Liedes und der Sonnenstrahl Teil des Lichtes ist. Wie der Tropfen Teil eines Sees ist und der Grashalm Teil einer Wiese.
Riskiert, dabei verletzt zu werden, wie der Schreiner einen Spreißel riskiert. Riskiert, aus dem Gleichgewicht zu geraten, wie der Seiltänzer einen Sturz riskiert. Riskiert die erstaunten, ärgerlichen oder gar neidischen Blicke der anderen, wie ein Schauspieler auf der Bühne die Blicke auf sich zieht. Beginnt, dieses Risiko anzunehmen und zu lieben. Erst dann entfalten die Dinge ihre ganz eigene Magie. Und jeder Augenblick füllt Eure Herzen mit dem Glück, das Ihr bisher so sehr herbeisehntet.
Frau Klugscheisser, Gesammelte Werke Bd. 1
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Donnerstag, 21. August 2008
Forget me not
frau klugscheisser, 10:42h
Lucie Silvas
Alle zwei Jahre das gleiche Theater. Alle zwei Jahre will ich ein neues Handy und stelle fest, ich habe mein Passwort vergessen. Natürlich bin ich so schlau, mir nach dem Telefonat mit einem freundlichen Mitarbeiter meines Vertragsanbieters dieses Passwort auf einen Zettel zu notieren, vorzugsweise dort, wo ich nach zwei Jahren auch wieder nachsehe. Wäre ja blöd, ich fände den Zettel nach zwei Jahren nicht mehr. Allerdings stehen da mittlerweile fünf Passwörter zur Auswahl, jedes farblich, dick unterstrichen oder sonstwie graphisch abgesetzt.
Was Telefonnummern und Passwörter angeht habe ich normalerweise das, was man gemeinhin als Elefantengedächtnis bezeichnet. Ich merke sie mir über Jahre. Beispielsweise kann ich alle EC-Karten Pins aufsagen, die ich je hatte. Oder mir fallen Telefonnummern ein von Menschen, die längst gestorben sind. Ist jetzt nicht sonderlich hilfreich, was das Passwort meines Handyvertragspartners betrifft aber umso erstaunlicher, dass ich es regelmäßig vergesse. Wenn ich mir die in Frage kommenden Alternativen auf besagtem Zettel so betrachte, stehen da Begriffe, die ich nicht in meinem aktiven Wortschatz befindlich glaubte. Der Schlüssel zur Lösung liegt wahrscheinlich in der Herleitung.
Neben Zahlenkombinationen habe ich nämlich auch ein phänomenales Gedächtnis für Witze. Der Trick dabei ist, sich nur die Pointe zu merken. Den Rest kann man je nach Eloquenz spontan improvisieren. Jetzt ist es aber so, dass auch zu jedem Passwort eine Geschichte gehört -erlebt oder fiktiv - bei der ich mir dann nur das Schlüsselwort merke. Diese Handygeschichte ist höchstwahrscheinlich so langweilig, dass ich sie regelmäßig aussondere. Wo ich so darüber nachdenke, fällt mir gerade auch wieder die Geschichte zu "Bunnycheck" ein, dem notierten Passwort, das gestern als letztes eingegeben jeglichen Zugang fürimmer 24 Stunden unmöglich machte. Hätte ich mir auch denken können, in der Geschichte geht es nämlich um einen Ex"Freund" und zu dem habe ich seit mehr als 24 Stunden den Zugang verweigert (muss ich noch erwähnen, dass der Ausdruck nicht auf meinem Mist gewachsen ist?)
Die emotionale Beziehung zu meinem Handy ist eindeutig gestört. Wir teilen keine schönen Erinnerungen, geschweige denn ein geheimes Passwort. Im Grunde benutze ich es nur. DemSeelsorger Mitarbeiter bei der Hotline ist das aber ziemlich schnuppe. Er will das richtige Kennwort hören. Und da war es wieder, mein kleines Problem...
Alle zwei Jahre das gleiche Theater. Alle zwei Jahre will ich ein neues Handy und stelle fest, ich habe mein Passwort vergessen. Natürlich bin ich so schlau, mir nach dem Telefonat mit einem freundlichen Mitarbeiter meines Vertragsanbieters dieses Passwort auf einen Zettel zu notieren, vorzugsweise dort, wo ich nach zwei Jahren auch wieder nachsehe. Wäre ja blöd, ich fände den Zettel nach zwei Jahren nicht mehr. Allerdings stehen da mittlerweile fünf Passwörter zur Auswahl, jedes farblich, dick unterstrichen oder sonstwie graphisch abgesetzt.
Was Telefonnummern und Passwörter angeht habe ich normalerweise das, was man gemeinhin als Elefantengedächtnis bezeichnet. Ich merke sie mir über Jahre. Beispielsweise kann ich alle EC-Karten Pins aufsagen, die ich je hatte. Oder mir fallen Telefonnummern ein von Menschen, die längst gestorben sind. Ist jetzt nicht sonderlich hilfreich, was das Passwort meines Handyvertragspartners betrifft aber umso erstaunlicher, dass ich es regelmäßig vergesse. Wenn ich mir die in Frage kommenden Alternativen auf besagtem Zettel so betrachte, stehen da Begriffe, die ich nicht in meinem aktiven Wortschatz befindlich glaubte. Der Schlüssel zur Lösung liegt wahrscheinlich in der Herleitung.
Neben Zahlenkombinationen habe ich nämlich auch ein phänomenales Gedächtnis für Witze. Der Trick dabei ist, sich nur die Pointe zu merken. Den Rest kann man je nach Eloquenz spontan improvisieren. Jetzt ist es aber so, dass auch zu jedem Passwort eine Geschichte gehört -erlebt oder fiktiv - bei der ich mir dann nur das Schlüsselwort merke. Diese Handygeschichte ist höchstwahrscheinlich so langweilig, dass ich sie regelmäßig aussondere. Wo ich so darüber nachdenke, fällt mir gerade auch wieder die Geschichte zu "Bunnycheck" ein, dem notierten Passwort, das gestern als letztes eingegeben jeglichen Zugang für
Die emotionale Beziehung zu meinem Handy ist eindeutig gestört. Wir teilen keine schönen Erinnerungen, geschweige denn ein geheimes Passwort. Im Grunde benutze ich es nur. Dem
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Mittwoch, 20. August 2008
Face in the mirror
frau klugscheisser, 14:39h
Wären wir blind, müssten wir fühlen. So aber starren wir in die blanke Reflexion, um nach Makeln zu suchen, um uns wieder zuerkennen oder einfach nur in der Hoffnung, etwas von dem zu begreifen, was ein anderer in uns sieht. Spiegel sind für jene, die von der Meinung anderer leben. Wenn ich es fragte, hat mir mein Spiegelbild noch nie irgendeine Wahrheit über mich verraten. Im Gegenteil, es versucht regelmäßig, meine innere Sicherheit zu boykottieren. Ich werde dieses Geplapper in Zukunft ignorieren und lieber auf meinen Bauch hören.The Mirror
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Dienstag, 19. August 2008
We sail tonight for Singapore (2)
frau klugscheisser, 20:54h
Dass Singapur angeblich die sauberste Stadt der Welt sein soll, höre ich schon im Vorfeld. Dann die ersten Restriktionen bei der Einreise: keine Kaugummis. Klar, denn Kaugummis hinterlassen scheußliche Flecken auf dem sauberen Asphalt der Gehwege. Also müssen die zwei Packerl Kaugummi der Kollegin noch an Bord gekaut werden. Ich schaffe eine Packung in durchschnittlich fünf bis sieben Minuten, weil ich die Dinger meistens ziemlich schnell schlucke. So kann ich wenigstens was für die Kollegin tun. Ich schmuggle ihre Kaugummis im Magen durch die Zollkontrolle.

Es soll aber noch schlimmer kommen. Nämlich als ich am nächsten Tag die saubere Orchard Road - eine Einkaufsstraße mit Luxusläden, die man nicht gesehen haben muß - hinunterschlendere, mir noch kurz vor der U-Bahnstation einen extra großen Becher Kaffee hole und dann nicht wie geplant vor dem Fahrkartenautomat, sondern obigem Hinweisschild stehe. Von rechts oben zoomt eine Kamera auf meinen Pappbecher, den ich aus lauter Verlegenheit unter meinem Shirt verstecke. Die Kamera zoomt auf meinen Ausschnitt, aus dem ein Strohhalm ragt. Ich erwäge kurz, einem Passanten den Becher einfach in die Hand zu drücken, entscheide mich dann aber, schnell an die Oberfläche zu flüchten, bevor der Kaffee zu einem der teuersten meines Lebens wird.

Teuer wird auch das Abendessen, wobei in besonders exquisitem Kolonialstilambiente nahe des Flußufers die Speisen nochmal so gut schmecken. Diesmal lasse ich mich von meinen indischen Freunden bedienen. Sie erledigen ihren Job flink, aufmerksam und zugegebenermaßen viel besser als ich es könnte.

Leider ist in meinem Magen neben den gebunkerten Kaugummis kein Platz mehr für drei Gänge. Ich verzichte zu Gunsten des Sorbets auf die Hälfte des Hauptganges. Der chinesische Kohl wartet jedoch nicht, bis das Sorbet eingetroffen ist, sondern breitet sich beständig aus. Die Besitzer werden sich wohl etwas dabei gedacht haben, das Restaurant unter freiem Himmel zu betreiben. Übrigens eine weitere top Arbeitsstelle im Freien ist in Singapur Lamborghinisitter:

Gerne auch auf 400 Euro Basis. Obwohl in Singapur kaum einer aus versehen mit dem Schlüssel seitlich vorbeischrappen würde. Auf nicht vom Besitzer initiierte Rallyestreifen steht dort mit Sicherheit die Todesstrafe, wenn man schon für einen läppischen Kaffee in der U-Bahn 500 SGD zahlt.

Der hier braucht keinen Aufpasser, der ist in Singapur nämlich Massenware. Vor jedem größeren Hotel stehen davon mindestens drei. Verwirrend ist nur das Steuer auf der rechten Seite. Man stelle sich das mal vor: ein Italiener erwirbt dieses Kolonialfabrikat als Schnäppchen. Auf heimatlichen Straßen könnte er damit glatt als Geisterfahrer durchgehen. Für die pedaggio - die Maut - muss er allerdings sowieso aussteigen, egal auf welcher Seite das Steuer ist.

Ich fahre lieber U-Bahn, denn die ist wohl in keiner anderen Stadt so durchorganisiert wie in Singapur. Nur sollte man nicht neben der gelben Linie stehen, immer in Pfeilrichtung laufen und dabei möglichst keinen Coffee to go in der Hand halten, sonst wird man unfreiwillig zum Hauptdarsteller sämtlicher Überwachungsvideos. Danach weiß ich den öffentlichen Nahverkehr in München zu schätzen. Wenn man nicht schnell genug zusteigt, tönt hier ein grantlerisches "auf geht's! Nei jetzad!" aus dem Lautsprecher. Aber wenigstens wird da noch mit einem gesprochen. Extra laut sogar.

Es soll aber noch schlimmer kommen. Nämlich als ich am nächsten Tag die saubere Orchard Road - eine Einkaufsstraße mit Luxusläden, die man nicht gesehen haben muß - hinunterschlendere, mir noch kurz vor der U-Bahnstation einen extra großen Becher Kaffee hole und dann nicht wie geplant vor dem Fahrkartenautomat, sondern obigem Hinweisschild stehe. Von rechts oben zoomt eine Kamera auf meinen Pappbecher, den ich aus lauter Verlegenheit unter meinem Shirt verstecke. Die Kamera zoomt auf meinen Ausschnitt, aus dem ein Strohhalm ragt. Ich erwäge kurz, einem Passanten den Becher einfach in die Hand zu drücken, entscheide mich dann aber, schnell an die Oberfläche zu flüchten, bevor der Kaffee zu einem der teuersten meines Lebens wird.

Teuer wird auch das Abendessen, wobei in besonders exquisitem Kolonialstilambiente nahe des Flußufers die Speisen nochmal so gut schmecken. Diesmal lasse ich mich von meinen indischen Freunden bedienen. Sie erledigen ihren Job flink, aufmerksam und zugegebenermaßen viel besser als ich es könnte.

Leider ist in meinem Magen neben den gebunkerten Kaugummis kein Platz mehr für drei Gänge. Ich verzichte zu Gunsten des Sorbets auf die Hälfte des Hauptganges. Der chinesische Kohl wartet jedoch nicht, bis das Sorbet eingetroffen ist, sondern breitet sich beständig aus. Die Besitzer werden sich wohl etwas dabei gedacht haben, das Restaurant unter freiem Himmel zu betreiben. Übrigens eine weitere top Arbeitsstelle im Freien ist in Singapur Lamborghinisitter:

Gerne auch auf 400 Euro Basis. Obwohl in Singapur kaum einer aus versehen mit dem Schlüssel seitlich vorbeischrappen würde. Auf nicht vom Besitzer initiierte Rallyestreifen steht dort mit Sicherheit die Todesstrafe, wenn man schon für einen läppischen Kaffee in der U-Bahn 500 SGD zahlt.

Der hier braucht keinen Aufpasser, der ist in Singapur nämlich Massenware. Vor jedem größeren Hotel stehen davon mindestens drei. Verwirrend ist nur das Steuer auf der rechten Seite. Man stelle sich das mal vor: ein Italiener erwirbt dieses Kolonialfabrikat als Schnäppchen. Auf heimatlichen Straßen könnte er damit glatt als Geisterfahrer durchgehen. Für die pedaggio - die Maut - muss er allerdings sowieso aussteigen, egal auf welcher Seite das Steuer ist.

Ich fahre lieber U-Bahn, denn die ist wohl in keiner anderen Stadt so durchorganisiert wie in Singapur. Nur sollte man nicht neben der gelben Linie stehen, immer in Pfeilrichtung laufen und dabei möglichst keinen Coffee to go in der Hand halten, sonst wird man unfreiwillig zum Hauptdarsteller sämtlicher Überwachungsvideos. Danach weiß ich den öffentlichen Nahverkehr in München zu schätzen. Wenn man nicht schnell genug zusteigt, tönt hier ein grantlerisches "auf geht's! Nei jetzad!" aus dem Lautsprecher. Aber wenigstens wird da noch mit einem gesprochen. Extra laut sogar.
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Sonntag, 17. August 2008
We sail tonight for Singapore
frau klugscheisser, 18:11h
Tom Waits
Lieber FXF,
eigentlich wollte ich nicht hin. Ich war zu müde und zu schlapp und bin schon den ganzen Tag herumgelaufen. Aber Du sagtest, ich solle unbedingt einen Tee im 'Raffles' trinken, weil man da Gürkchen und anderen Schnickschnack dazu gereicht bekommt. Jetzt könnte man meinen, dass so ein Vorschlag nur von einem ganz einem elitären Sack (sacque élitaire) kommen kann. Wer Dich näher kennt, weiß, dass Du einer bist (kleiner Scherz, 'tschuldigung).
Zum Tee habe ich es leider nicht mehr geschafft, dafür aber kurz vor der Dämmerung auf dieses äusserst erfrischende Getränk:

Singapore Sling - was sonst?
In den Kommentaren extra für Dich noch ein paar Fotos. Ich hoffe, damit ist Deine Neugier auf's Erste gestillt.
Herzlichst,
Deine Frau Klugscheisser
Lieber FXF,
eigentlich wollte ich nicht hin. Ich war zu müde und zu schlapp und bin schon den ganzen Tag herumgelaufen. Aber Du sagtest, ich solle unbedingt einen Tee im 'Raffles' trinken, weil man da Gürkchen und anderen Schnickschnack dazu gereicht bekommt. Jetzt könnte man meinen, dass so ein Vorschlag nur von einem ganz einem elitären Sack (sacque élitaire) kommen kann. Wer Dich näher kennt, weiß, dass Du einer bist (kleiner Scherz, 'tschuldigung).
Zum Tee habe ich es leider nicht mehr geschafft, dafür aber kurz vor der Dämmerung auf dieses äusserst erfrischende Getränk:

Singapore Sling - was sonst?
In den Kommentaren extra für Dich noch ein paar Fotos. Ich hoffe, damit ist Deine Neugier auf's Erste gestillt.
Herzlichst,
Deine Frau Klugscheisser
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Freitag, 15. August 2008
Women lose weight
frau klugscheisser, 15:46h
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Dienstag, 12. August 2008
So let's do it like they do on the Discovery Channel
frau klugscheisser, 11:30h
Weil ich gerade so schön in Amerikabashinglaune bin geht's gleich weiter und zwar mit Fernsehprogrammen. Eigentlich kann ich ja nicht wirklich mitreden. Daheim habe ich kein Empfangsgerät, so muß ich halt gucken, wenn ich im Hotel bin und dort schlafe ich nach einer halben Stunde regelmäßig davor ein. So entgingen mir Serienhelden wie die Sopranos und Ally Klein. Es hat zwei Jahre gedauert bis ich bei der Erwähnung von 'Sex and the city' nicht mehr rot geworden bin. Nicht weil ich so prüde wäre, sondern weil ich dachte, da ginge es um Sex an ungewöhnlichen Orten und ich natürlich sofort meine persönliche Geschichte beisteuerte. Als ich dann eine Folge hierzulande sah, erkannte ich sie als eine meiner Übersee-Einschlafhilfen wieder und wußte endlich, wie sie aus geht.
Meistens wache ich im Werbeblock kurz auf. Der unterbricht Serien in Amerika regelmäßig alle 15-20, dauert aber nicht länger als 5 Minuten. Geworben wird entweder für Essen oder für Versicherungen, manchmal auch für Bakterienkiller oder Medikamente. Schon klar, warum viele Amerikaner fett, ängstlich und depressiv sind. Würde mir einer im Halbschlaf ständig die Gefahren des Lebens suggerieren, denen man nur mit der richtigen Versicherung, der richtigen Pizza oder dem richtigen Medikament begegnen kann, wäre ich genauso. Das Antiserum - bei dem ich erstaunlicherweise NIE einschlafe - heißt HallmarkChannel. Inzwischen sendet dieser Kanal leider nicht mehr nur Bekehrungsstories mit auf Grußkartensprüchen basierenden Drehbuchdialogen, sondern auch weniger erbauliche Talkshows und gänzlich unreligiöse Fernsehfilme. Früher war das Programm da nicht unbedingt besser aber wenigstens voraussehbarer. Hallmarkchannel strahlte im Glanze der Scheinheiligkeit und ich konnte meinen Blick einfach nicht abwenden. Vielleicht weil mich diese Sorte weichzeichnermodusgedrehter Berichte gänzlich ungläubig zurückließen.
Wenn ich wachbleiben will, gucke ich einen neuen Sender, den NASAchannel. Das ist sowas wie Bayern3 Spacenight auf amerikanisch. Man stelle sich Big Brother im Großraumbüro irgendwo in Houston vor, wo dreissig Mann permanent per Bildschirm irgendwelche interstellaren Vorgänge überwachen und dazwischen kaffeetrinkend mit dem Kollegen ein Schwätzchen über Frau und Kinder halten. Das ganze wird live übertragen. Sowas ist wahnsinnig spannend, das hat man nicht alle Tage. Die von NASA TV nennen es Lückenfüller. Zum 50järhigen gibt es natürlich auch Sendung mit der Maus "wie funktioniert eine Rakete" und Bilder aus dem All. Manchmal wundere ich mich dann über die Menschen, die beständig irgendwo da draußen nach etwas suchen, ihre nächste Umgebung aber nicht kennen, geschweige denn sich selbst. Die wissen ja nicht mal wonach sie suchen, das aber für ein stolzes Jahresbudget von 17 Mrd. US Dollar (Quelle: Wikipedia). Derlei Gedanken rauben mir den Schlaf.
Da puhle ich lieber Fusel aus dem Zwischenraum meiner Zehen. Wenigstens weiß ich, wo die herkommen und wo sie hingehen. Und irgendwann schlafe ich dabei auch garantiert ein, während im Hintergrund leise einer "I'm loving it" flüstert.
Meistens wache ich im Werbeblock kurz auf. Der unterbricht Serien in Amerika regelmäßig alle 15-20, dauert aber nicht länger als 5 Minuten. Geworben wird entweder für Essen oder für Versicherungen, manchmal auch für Bakterienkiller oder Medikamente. Schon klar, warum viele Amerikaner fett, ängstlich und depressiv sind. Würde mir einer im Halbschlaf ständig die Gefahren des Lebens suggerieren, denen man nur mit der richtigen Versicherung, der richtigen Pizza oder dem richtigen Medikament begegnen kann, wäre ich genauso. Das Antiserum - bei dem ich erstaunlicherweise NIE einschlafe - heißt HallmarkChannel. Inzwischen sendet dieser Kanal leider nicht mehr nur Bekehrungsstories mit auf Grußkartensprüchen basierenden Drehbuchdialogen, sondern auch weniger erbauliche Talkshows und gänzlich unreligiöse Fernsehfilme. Früher war das Programm da nicht unbedingt besser aber wenigstens voraussehbarer. Hallmarkchannel strahlte im Glanze der Scheinheiligkeit und ich konnte meinen Blick einfach nicht abwenden. Vielleicht weil mich diese Sorte weichzeichnermodusgedrehter Berichte gänzlich ungläubig zurückließen.
Wenn ich wachbleiben will, gucke ich einen neuen Sender, den NASAchannel. Das ist sowas wie Bayern3 Spacenight auf amerikanisch. Man stelle sich Big Brother im Großraumbüro irgendwo in Houston vor, wo dreissig Mann permanent per Bildschirm irgendwelche interstellaren Vorgänge überwachen und dazwischen kaffeetrinkend mit dem Kollegen ein Schwätzchen über Frau und Kinder halten. Das ganze wird live übertragen. Sowas ist wahnsinnig spannend, das hat man nicht alle Tage. Die von NASA TV nennen es Lückenfüller. Zum 50järhigen gibt es natürlich auch Sendung mit der Maus "wie funktioniert eine Rakete" und Bilder aus dem All. Manchmal wundere ich mich dann über die Menschen, die beständig irgendwo da draußen nach etwas suchen, ihre nächste Umgebung aber nicht kennen, geschweige denn sich selbst. Die wissen ja nicht mal wonach sie suchen, das aber für ein stolzes Jahresbudget von 17 Mrd. US Dollar (Quelle: Wikipedia). Derlei Gedanken rauben mir den Schlaf.
Da puhle ich lieber Fusel aus dem Zwischenraum meiner Zehen. Wenigstens weiß ich, wo die herkommen und wo sie hingehen. Und irgendwann schlafe ich dabei auch garantiert ein, während im Hintergrund leise einer "I'm loving it" flüstert.
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Montag, 11. August 2008
A room with a view (31)
frau klugscheisser, 20:20h


Singapore
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