Sonntag, 7. Dezember 2008
Souvenirs, Souvenirs


Da musste ich sofort an Frau Herzbruch denken. Man beachte die drei Striche im Piktogramm über dem Beebiebauch. Bedeutet das nun, dass der Bauch demnächst platzt oder dass der Inhalt schreit? Erfahrungswerte?

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Donnerstag, 27. November 2008
Berlin Bombay
Heute Morgen schreckte mich diese Nachricht auf. Als Risiko des Lebens könnte man es auch fatalistisch bezeichnen, zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort zu sein. Ich aber mag gar nicht weiter darüber nachdenken.


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Message in a bottle

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Donnerstag, 20. November 2008
Übrigens:
Die offizielle Definition von Behinderung lautet im §2 Sozialgesetzbuch: Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

Schonmal Rücken länger als 6 Monate gehabt?

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Live And Let Die?
I know when people read your story, many will agree that yes, if they were in your situation then they would want to die too. Most people are so scared of illness, of disability, of getting older, that wanting assisted suicide is seen as an entirely rational desire. What scares me is that views like these will also be held by the doctors, the media, the courts, the government and all the others who have the power to decide if we live or die.

Ein offener Brief der behinderten Komikerin Liz Carr an den lebensmüden Noel Martin, der seit einem Übergriff deutscher Neonazis 1996 gelähmt ist.
via

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Sonntag, 9. November 2008
Love and Understanding
Seltsam. Gerade frage ich mich, ob man Gefühle aus Blogbeiträgen herauslesen kann. Jetzt nicht die beschriebenen, sondern die im Hintergrund mitschwingen. Ich meine, wir sind doch alle irgendwie kleine Bühnensäue. Verstecken unser wahres Gesicht und zeigen nur das, was wir andere sehen lassen wollen. Selektiver Seelenstriptease. Keine echten Tränen, nur jammern light. Keine Schmerzen außer Hexenschuß und gelegentlich Migräne.
Und dann kommt einem ein Eintrag unter, den man mit zerrissenem Herzen schrieb, und man kann noch fühlen, wie es war, als man ihn verfaßte.

Da sind wir aber wieder bei der alten Frage angelangt, ob man sich überhaupt irgendwie anderen Menschen verständlich machen kann und ob nicht jeder am Ende doch nur das versteht, was er verstehen will.

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Dienstag, 4. November 2008
"Happiness is only real when shared."
Christopher McCandless, Into the wild


Es ist die Einsamkeit, die mir immer wieder das Kreuz bricht. Oder die Angst davor.

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Sonntag, 2. November 2008
Trust Me The Sun Always Shines On TV
Das Tausendtagegedenkmal, ich werd's wahrscheinlich verbummeln. Drum schreib' ich einfach jetzt schon mal was im Voraus. So wie man Weihnachtsgeschenke schon im Voraus besorgen sollte, weil am Heiligabend sich die ganzen Verzweifelten über den Haufen rennen. Erfahrungsgemäß sind das sehr viele. Seltsam, denn Weihnachten ist jedes Jahr am 24. Dezember. Planbar sozusagen. Und dann ist es doch völlig überraschend so weit. Wie vieles andere eben auch.

Dabei habe ich mich gerade in eine etwas unplanbare Situation manövriert, was mir als Kontrollfreak im Grunde so überhaupt nicht liegt. Ich hätte gerne alles überschaubar, vorhersehbar und planbar aber bitteschön trotzdem mit Pauken und Trompeten. Sozusagen die vorhersehbare Überraschung. Das wäre dann ähnlich wie sich selbst ein Geschenk kaufen und beim Auspacken vergessen, was man eingepackt hat.

Im Allgemeinen bin ich ja ziemlich berechenbar. Für mich selbst halt - andere würden das sicherlich so nicht unterschreiben. Ich weiß auch meistens was ich will und wie ich es bekomme. Beispielsweise weiß ich genau, dass ich gegen Mittag hungrig sein werde. Ich kann dann was essen und so für ein wohliges Sättigungsgefühl im Bauch sorgen. Oder ich lege mich schlafen wenn ich müde bin. Das geschieht meistens am Abend. Ist in der Planerfüllung allerdings mehr als eine Partei - nämlich meine - involviert, gerät das ganze etwas aus den Fugen.

In der freien Marktwirtschaft setzt man dann Abgabefristen, lockt mit Provisionen oder droht mit Restriktionen. Im zwischenmenschlichen Bereich funktioniert's ähnlich. Meine Sache ist das nicht. Ich mag die Idee des freien Willens. Statt Abgabefristen, Drohungen oder Versprechen lieber Vertrauen. Was riskiere ich schon? Enttäuschung ist auch nur ein Gefühl und ich bin mir ziemlich sicher, damit weiterleben zu können. Das hat bisher jedenfalls funktioniert. Keine Ahnung, warum die meisten Menschen so viel Angst vor Gefühlen haben, sich aber gleichzeitig danach sehnen. Vertrauen ist auch nur so ein Gefühl. Hätte man Beweise, hieße es nicht Vertrauen, sondern Wissen.

Beispielsweise weiß ich, dass in ein paar Monaten der Frühling beginnt. Allerdings vertraue ich darauf, den Winter davor mit Hilfe eines Mantels und meiner Zentralheizung einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Da brauche ich niemand anderen für. Dann kann Weihnachten ruhig kommen, denn ich bin gewappnet. Mit Geschenken unterm Arm und einem grimmigen Lächeln auf den Lippen werde ich den Gefühlsdusel Heiligabend empfangen. Und Silvester gleich hinterher. So kann mir nix mehr passieren, was ich nicht geplant hätte. Außer ich vergesse, rechtzeitig einzukaufen. Hoffentlich hat dann wenigstens ein anderer daran gedacht.

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Freitag, 31. Oktober 2008
A room with a view (33)


Istanbul - Frühling (fast)

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Sonntag, 26. Oktober 2008
Elementary penguin singing Hare Krishna

In diesem Fall Hände weg von Naturprodukten.
Echte Igel taugen nur zum einmaligen Gebrauch.

Disclaimer: der dargestellte Gegenstand hat nichts mit einem herannahenden christlichen Feiertag zu tun und ist auch keine Kinderhasserversion der gemeinen Gummiente, sondern ein handelsüblicher Massageball.

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Freitag, 24. Oktober 2008
Patience
Take That

Nimm das. Seltsamer Name für eine Band aber egal. Herbst ist ja so die prädestinierte Jahreszeit für Geduld. Man wartet auf den nächsten Frühling, das nächste Jahr und dass alles irgendwie besser wird. Ich warte derzeit vor allem auf eine zündende Idee. Und während man so wartet, geht das Leben unbemerkt an einem vorbei. Wenn man nicht besser aufpaßt, geschieht das jahrelang so.

Ich bin ja inzwischen Meister in Geduld. Klingt komisch, ist aber so. Während ich früher vor lauter Ungeduld nicht mal die nächsten 24 Stunden abwarten konnte, befinde ich mich derzeit in einem komatösen Geduldsdelirium. An der Kasse stehen zehn Leute vor mir und der dran ist, zählt die Summe gerade in Centstücken auf den Tresen. Kein Problem. Auf der Autobahn ist mal wieder Stau, der sich voraussichtlich in etwa einer Stunde erst auflösen wird. Macht nichts. Im Wartezimmer sitzen bereits gefühlte zwanzig Patienten als ich eintreffe. Läßt mich völlig unberührt. Bei solchen Gelegenheiten falle ich in einen tranceähnlichen Zustand und lasse mich auf Gedankenwellen treiben. Das ist ähnlich wie im echten Meer, man muss nur aufpassen, dass man bei einer großen Welle den Mund zu macht. Sonst läuft Wasser rein. Oder raus, je nachdem.

Ich müsse lernen geduldig zu sein, hat man mir jahrelang prophezeit. Ich wollte es nicht lernen, wollte lieber alles sofort haben. Was ich nicht sofort haben konnte, wollte ich nicht mehr. So einfach war das. Ich dachte, ich hätte keine Zeit zu vergeuden. Dann gab es etwas, das ich unbedingt haben wollte und nicht sofort bekam. So wurde ich zur Geduld gezwungen. Sie hat sich ausgezahlt. Ich bekam was ich wollte. Manchmal haben die Dinge einen anderen Rhythmus als man selbst. Dem muss man sich anpassen, will man nicht ständig gegen den Takt spielen. Und die Pausen halten. Das aber nur am Rande.

Herbst ist unbeständiger Rhythmus. Anders als Sommer oder Winter ist er unberechenbar und melancholisch. Am Ende bleibt eine lange Pause. Bis zum Einsatz des nächsten Zyklus. Wenn man sich darauf einläßt, wächst die Gewißheit und mit der Gewißheit die Geduld. Weil es um so ermüdender ist, dagegen anzukämpfen. Weil es so mehr Sinn macht. Ganz von alleine. Dann ist man automatisch im Fluß mit der Umgebung. Dann kann nichts mehr schief gehen. Und ich brauche nur noch abwarten bis mein Einsatz kommt.

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Mittwoch, 22. Oktober 2008
Girl On A Train
Öffentlicher Nahverkehr in Tokio zu Stoßzeiten wäre für mich der blanke Horror, da ich bereits in München bei vollen Trambahnwagons leicht hyperventiliere, und da wird noch nicht mal richtig gestopft. Dieses enge Beieinanderstehen der Menschen, fremden Atem im Nacken, fremde Ellenbogen im Rücken, fremde Hände überall, es macht mich wahnsinnig. Ich mag Fremde nicht berühren müssen, nur weil ich zu einer bestimmten Tageszeit ohne Parkplatzstreß durch die Stadt kreuze.

Wenn es dennoch geschieht, benötige ich dringend ein Ablenkungsmanöver. Wie heute beispielsweise. Heute erspähe ich bereits auf dem Bahnsteig einen wartenden sehr attraktiven Mittzwanziger im Businesslook. Als die erste Bahn wegen einer Störung zu voll ist, warten wir beide auf die zweite, nicht minder gefüllte. Ich stelle mich absichtlich direkt hinter ihn an dieselbe Türe. Im Wagon stehe ich neben ihm. Da ich mich dringend irgendwo festhalten muss, wähle ich die Haltestange, an der er lässig lehnt und greife in die Aussparung zwischen seinem Rücken und Kopf. Er hört Musik über Kopfhörer, schaut mich nicht an, bemerkt mich wahrscheinlich nicht einmal. Dann legt er seinen Kopf nach hinten. Sein Haar berührt meinen Handrücken, ich spüre die Wärme seines Nackens.

Mein Blick wandert ziellos in die andere Richtung, meine Gedanken fixieren das Kribbeln seiner Haare auf meiner Hand. Jetzt würde ich gerne mit den Fingern durch sein Haar streichen, seinen Hals berühren, langsam meine Finger über seinen Rücken wandern lassen, mit den Nägeln über seine Haut kratzen immer auf der Schwelle zwischen Kitzel und Schmerz. Die Bilder in meinem Kopf verselbständigen sich, die Umgebung ist vergessen. Es geht nicht um die Person, es geht um den Genuß purer Lust. Ist das bereits sexuelle Belästigung? Die Frage schießt quer über alle angenehmen Empfindungen. Frotteure, Voyeure und wie sie alle heißen, man hört ja so viel über diverse Neigungen. Bin ich bereits pervers, weil ich mich in der U-Bahn erotischen Phantasien hingebe? Nein, ich denke nicht. Harmlose Alltagserotik, die den Tag um Nuancen spannender gestaltet.

Als ich aussteige, empfinde ich das dringende Bedürfnis, mich bei ihm für dieses Erlebnis zu bedanken. Ich belasse es dabei. Das Lächeln aber hält bis vor meine Haustüre an.

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