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Mittwoch, 28. September 2011
One Of These Days
frau klugscheisser, 01:20h
Wenn mir noch ein einziges Mal so ein Riesenarschloch im Flieger erzählt, wie sehr es ihn anpisst, dass er seinen Anschlussflug nach Las Vegas nicht bekommt, weil wir auf dem Weg nach L.A. eine Zwischenlandung in Kanada machen mussten, dann lasse ich den wahlweise zwei Stunden eine alte Dame mit Herzdruckmassage reanimieren, obwohl schon ziemlich klar ist, dass sie im Grunde nur noch eine 0,5prozentige Überlebenschance hat, wenn sie sobald als möglich professionelle ärztliche Versorgung bekommt und bei der das EKG des Defibrillators neben einer durchgezogenen Linie nur noch gelegentlich einen schwacher Ausschlag zeigt oder ich setze ihn neben den mitreisenden Ehemann, der davon abgehalten werden muss, seine Frau mit entblößtem Oberkörper, wächserner Haut, blauen Lippen und starren Pupillen auf dem Küchenboden liegend zu sehen, während fremde Hände auf ihren Brustkorb eindrücken und die Rippen unter der Last eine nach der anderen brechen und der abgelenkt und beschäftigt werden muss, damit er nicht ebenfalls kollabiert. Und dann soll mir dieses Riesenarschloch noch einmal überzeugend darlegen, dass es für ihn nichts wichtigeres als einen dämlichen Anschlussflug nach Las Vegas gibt. Das wird dann der Tag sein, an dem ich kündige.
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Dienstag, 20. September 2011
Speechless
frau klugscheisser, 20:58h

Wenn für die Gedanken keine Worte mehr existieren. Weil die Dimensionen zu weit, die Tiefen zu tief und die Höhen zu hoch sind. Wenn Worte nicht mehr passen, weil das, was sie kleiden sollen zu groß ist. Dann ist eine Grenze erreicht. Es gibt Denker, die behaupten, dass nur in Sprache fassbares auch denkbar sei (Wittgenstein oder so). Die Frage ist, ob nicht Denkbares dann überhaupt existiert. Und wenn es existiert, wie kann ich es dann von meinem kleinen Dasein in all seinen Begrenzungen und Konditionierungen getrennt erfahren, ohne zu vermischen? Und gibt es da jemanden, der mir noch folgen kann oder sollte ich lieber von den roten Pillen nehmen?
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Samstag, 17. September 2011
All My Folks
frau klugscheisser, 16:27h
Wir waren drei. Alle im gleichen Alter. C.s Vater und O.s Mutter waren Geschwister, mein Vater zwar nur Cousin, wuchs aber mit ihnen in geschwisterähnlichen Verhältnissen auf. Überhaupt Kinder, die waren dort immer zahlreich. Die eigenen und fremde. Es gab Söhne, Töchter, Nichten und Neffen, Nachbars- und Pflegekinder. Alles was unter Einszwanzig war, tobte dort herum, wurde beaufsichtigt, gefüttert und geliebt. Dabei war weder Herkunft noch Bekanntschaftsverhältnis von Belang. Alle waren willkommen. Wir gruben im Garten Karotten aus und bauten Zelte, in denen wir übernachteten. Wir ärgerten die Jüngeren und bewunderten die Älteren. Manchmal trennte uns nur ein Jahr, doch für ein Kind sind schon Monate wie Lichtjahre.
In diesem einen Sommer waren wir auf der Schwelle zum Erwachsensein. C. hatte die Einszwanziggrenze bereits geknackt. Es war das Jahr, in dem die Spider Murphy Gang ihren größten Hit spielte. Rauf und runter. Wir grölten ununterbrochen mit. Der Text schien uns wunderbar verrucht. Überhaupt diese Rosi, von der die da sangen, die hätte auch eine von uns sein können. Immerhin war C.s Mutter sowas ähnliches - das glaubte ich zumindest. O.s Vater hat die Ferne seinen väterlichen Pflichten vorgezogen. Bei mir? Nun, ich war eines dieser Kinder, die man notgedrungen akzeptiert und dann heiratet. Immerhin war ich die Einzige, die beide Elternteile kannte. Auf den ersten Blick machte mich das besonders. Auf den zweiten wollte dann aber doch keiner mit mir tauschen.
Ein anderer Cousin war schon zwei Jahre älter als wir. Der kam abends vorbei, um uns Gruselgeschichten zu erzählen. Ich war von klein auf ein ausgesprochenes Weichei. Eines mit zu viel Fantasie. Filmleichen lösten bei mir schreckliche Alpträume aus und eine Geisterbahnfahrt auf dem Oktoberfest war undenkbar. Ich war schon froh, wenn ich seelisch unbeschadet an den furchteinflößenden Fassaden vorbeikam. In den Cousin war ich aber verliebt, weswegen ich gebannt an seinen Lippen hing. Für ihn war ich jedoch nur das kleine Mädchen, das mit den anderen im Garten tobte. Er interessierte sich schon für richtige Mädchen. Mit richtigen Titten, nicht mit Orangen oder zerknülltem Papier unter dem Pullover. Damals wusste ich nichts von Pushups. Ich war sehr unbedarft und sehr verliebt.
Die folgende Nacht überstand ich mit gutem Zureden meiner Großmutter. Das Wetter war mir zur Hilfe gekommen. Wir flüchteten ins Haus. Am nächsten Tag war alles vergessen. Wie jeden Tag alles vergessen war, das zuvor geschah. So war das damals. Alle Ungerechtigkeiten, alle Bevorzugungen leiblicher Kinder oder Schläge daheim waren am nächsten Tag einfach vergessen. Denn das hier war unser wirkliches Zuhause. Wir waren unser zuhause. Wir wußten von unseren Wunden ohne darüber zu sprechen und fühlten den Schmerz des anderen, weil er unser eigener war. Und dann taten wir das Einzige, was man in so einer Situation tun kann. Wir zogen gemeinsam los, neuen Abenteuern entgegen, die Vergangenes vergessen machen. Neue, gute Erinnerungen schaffen.
Es war der letzte Sommer, den wir miteinander verbrachten. C. mutierte zum widerspenstigen Teenager. Sie zog schwarze, zerrissene Klamotten an, färbte sich die Haare und machte sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Ihre Mutter hat sie gefunden, nicht aber die Zuneigung, die sie eigentlich suchte. O.s Augen waren schlecht, weshalb er die Schule nur mit großer Mühe absolvierte. Sein Herz war aber immer gut. Sein Bruder war in allem besser. Weil er die richtigen Gene besaß. O. akzeptierte das. Die Liebe holte er sich bei der Großmutter. Von dort ging er beharrlich weiter.
C. brach den Kontakt zur Familie ab, hielt aber immer einen Kanal zur Großtante offen, von der wir erfuhren, wie es C. ging. O. zog nicht in die Ferne, sondern in sein Innerstes. Er blieb im Dorf und zog stattdessen sein Ding durch. Mit der Großtante starb schließlich auch der Kontakt. Wir sahen uns noch ein paar mal auf Beerdigungen, dann verloren wir uns aus den Augen. Vor ein paar Tagen habe ich sie auf einem Portraitportal wiedergefunden. Als wir uns am Wochenende trafen war ich überwältigt von der Herzlichkeit, mit der sie mich empfingen. Als läge kein einziger Tag zwischen dem Sommer damals und dem jetzigen. Jeder ist dort willkommen, auch die weit über Einszwanzig.
Wir müssen nicht reden. Wir spüren den Schmerz, der uns verbindet. Aber wir wollen reden. Das ist der Unterschied zu damals. Wir reden über die Ungerechtigkeiten und die Tränen und das Verlassensein, weil wir es heute können. Heute sind wir genauso ausgelassen und lustig. Aber heute sind wir auch stark, lebensfroh und angekommen. Wir sind endlich groß. Ich bin stolz auf uns.
In diesem einen Sommer waren wir auf der Schwelle zum Erwachsensein. C. hatte die Einszwanziggrenze bereits geknackt. Es war das Jahr, in dem die Spider Murphy Gang ihren größten Hit spielte. Rauf und runter. Wir grölten ununterbrochen mit. Der Text schien uns wunderbar verrucht. Überhaupt diese Rosi, von der die da sangen, die hätte auch eine von uns sein können. Immerhin war C.s Mutter sowas ähnliches - das glaubte ich zumindest. O.s Vater hat die Ferne seinen väterlichen Pflichten vorgezogen. Bei mir? Nun, ich war eines dieser Kinder, die man notgedrungen akzeptiert und dann heiratet. Immerhin war ich die Einzige, die beide Elternteile kannte. Auf den ersten Blick machte mich das besonders. Auf den zweiten wollte dann aber doch keiner mit mir tauschen.
Ein anderer Cousin war schon zwei Jahre älter als wir. Der kam abends vorbei, um uns Gruselgeschichten zu erzählen. Ich war von klein auf ein ausgesprochenes Weichei. Eines mit zu viel Fantasie. Filmleichen lösten bei mir schreckliche Alpträume aus und eine Geisterbahnfahrt auf dem Oktoberfest war undenkbar. Ich war schon froh, wenn ich seelisch unbeschadet an den furchteinflößenden Fassaden vorbeikam. In den Cousin war ich aber verliebt, weswegen ich gebannt an seinen Lippen hing. Für ihn war ich jedoch nur das kleine Mädchen, das mit den anderen im Garten tobte. Er interessierte sich schon für richtige Mädchen. Mit richtigen Titten, nicht mit Orangen oder zerknülltem Papier unter dem Pullover. Damals wusste ich nichts von Pushups. Ich war sehr unbedarft und sehr verliebt.
Die folgende Nacht überstand ich mit gutem Zureden meiner Großmutter. Das Wetter war mir zur Hilfe gekommen. Wir flüchteten ins Haus. Am nächsten Tag war alles vergessen. Wie jeden Tag alles vergessen war, das zuvor geschah. So war das damals. Alle Ungerechtigkeiten, alle Bevorzugungen leiblicher Kinder oder Schläge daheim waren am nächsten Tag einfach vergessen. Denn das hier war unser wirkliches Zuhause. Wir waren unser zuhause. Wir wußten von unseren Wunden ohne darüber zu sprechen und fühlten den Schmerz des anderen, weil er unser eigener war. Und dann taten wir das Einzige, was man in so einer Situation tun kann. Wir zogen gemeinsam los, neuen Abenteuern entgegen, die Vergangenes vergessen machen. Neue, gute Erinnerungen schaffen.
Es war der letzte Sommer, den wir miteinander verbrachten. C. mutierte zum widerspenstigen Teenager. Sie zog schwarze, zerrissene Klamotten an, färbte sich die Haare und machte sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Ihre Mutter hat sie gefunden, nicht aber die Zuneigung, die sie eigentlich suchte. O.s Augen waren schlecht, weshalb er die Schule nur mit großer Mühe absolvierte. Sein Herz war aber immer gut. Sein Bruder war in allem besser. Weil er die richtigen Gene besaß. O. akzeptierte das. Die Liebe holte er sich bei der Großmutter. Von dort ging er beharrlich weiter.
C. brach den Kontakt zur Familie ab, hielt aber immer einen Kanal zur Großtante offen, von der wir erfuhren, wie es C. ging. O. zog nicht in die Ferne, sondern in sein Innerstes. Er blieb im Dorf und zog stattdessen sein Ding durch. Mit der Großtante starb schließlich auch der Kontakt. Wir sahen uns noch ein paar mal auf Beerdigungen, dann verloren wir uns aus den Augen. Vor ein paar Tagen habe ich sie auf einem Portraitportal wiedergefunden. Als wir uns am Wochenende trafen war ich überwältigt von der Herzlichkeit, mit der sie mich empfingen. Als läge kein einziger Tag zwischen dem Sommer damals und dem jetzigen. Jeder ist dort willkommen, auch die weit über Einszwanzig.
Wir müssen nicht reden. Wir spüren den Schmerz, der uns verbindet. Aber wir wollen reden. Das ist der Unterschied zu damals. Wir reden über die Ungerechtigkeiten und die Tränen und das Verlassensein, weil wir es heute können. Heute sind wir genauso ausgelassen und lustig. Aber heute sind wir auch stark, lebensfroh und angekommen. Wir sind endlich groß. Ich bin stolz auf uns.
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Mittwoch, 14. September 2011
Pick yourself up, dust yourself off, start all over again
frau klugscheisser, 17:24h
Wanna take a ride to yourself? Might be the ride of your life.

Ein Coach ist nichts anderes als ein Lehrer. Der Lehrer als Meister seines Faches vermittelt dem Schüler Fähigkeiten in einem Bereich. Der Coach befähigt einen Menschen, seine eigene Meisterschaft neu zu entdecken.

Ein Coach ist nichts anderes als ein Lehrer. Der Lehrer als Meister seines Faches vermittelt dem Schüler Fähigkeiten in einem Bereich. Der Coach befähigt einen Menschen, seine eigene Meisterschaft neu zu entdecken.
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Sonntag, 11. September 2011
Andrew's Blues
frau klugscheisser, 20:35h
Zum Rock'n Roll passt eigentlich nur seine Frisur aber auch die nicht wirklich. Zumindest hat 3Wettertaft offenbar für den Halt in der Mittagssonne gesorgt. Ich habe mich auf den ersten Blick ein wenig in Andrew verknallt. Im Anhimmeln bin ich heute besonders gut. Ausserdem habe ich ja eine Schwäche für (Straßen-)Musiker. Manchmal zwinkert er in meine Richtung. Dann schaue ich wie ein Backfisch beschämt in die andere Richtung. Verschmitzt streift er mit seinen blauen Augen die Runde, während er den Bass slapt. Oder sollte ich sagen die Bass? Sein Bass ist eine runde, taillierte Dame, eine, an die man sich anlehnen kann und sie mit geschickten Fingern zum grooven bringt. Jeder Bassist ist wohl ein wenig in sein Instrument verliebt, die den Kontrabass spielen aber besonders. Auf diese Dame bin ich nicht eifersüchtig, obwohl sie so nah bei ihm stehen darf.
Eigentlich würde ich ihn gerne ansprechen, dann fällt mir aber kein Eröffnungssatz ein. Ein Rock'n Roller will sich sicher nicht über seine Frisur unterhalten. Und dass er ein wenig wie Sean Penn aussieht, hört er wohl auch nicht zum ersten Mal. Also lasse ich es sein und drehe mich langsam weg als der Schlussapplaus verklingt.
Meine Füße haben es nicht eilig und so erhasche ich noch einen kurzen Blick auf ihn, der sich jetzt hinter der Bühne ein Bier genehmigt und anschließend zur Zigarettenschachtel greift. Da weiß ich, dass ich hier nichts mehr verloren habe, denn heute ist mir nicht nach Raucherküssen.
Erst daheim fällt mir auf, dass er direkt in meine Kamera schaut. Nächstes Mal lasse ich mir ein Autogramm auf's Display geben. Wenn das mal kein guter Opener für ein Gespräch ist...
[mehr Bilder von Andrew und den Root Bootlegs im Kommentar]
Eigentlich würde ich ihn gerne ansprechen, dann fällt mir aber kein Eröffnungssatz ein. Ein Rock'n Roller will sich sicher nicht über seine Frisur unterhalten. Und dass er ein wenig wie Sean Penn aussieht, hört er wohl auch nicht zum ersten Mal. Also lasse ich es sein und drehe mich langsam weg als der Schlussapplaus verklingt.
Meine Füße haben es nicht eilig und so erhasche ich noch einen kurzen Blick auf ihn, der sich jetzt hinter der Bühne ein Bier genehmigt und anschließend zur Zigarettenschachtel greift. Da weiß ich, dass ich hier nichts mehr verloren habe, denn heute ist mir nicht nach Raucherküssen.Erst daheim fällt mir auf, dass er direkt in meine Kamera schaut. Nächstes Mal lasse ich mir ein Autogramm auf's Display geben. Wenn das mal kein guter Opener für ein Gespräch ist...
[mehr Bilder von Andrew und den Root Bootlegs im Kommentar]
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Samstag, 10. September 2011
Living In The Streets
frau klugscheisser, 23:42h

I ♥ Straßenmusiker

Menschliche Knete

Capoeira [ Hallo Janderson]

Albrecht von Weech erzählt Märchen und singt dazu

Ob sie später einen Wunsch in den Himmel schickt?

Bam-Bam und Dino
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Freitag, 9. September 2011
Maria Maria
frau klugscheisser, 19:25h
Maria Maria höre ich ihn rufen. Mal laut, fast trotzig, von Sehnsucht verbrannt, dann wieder ganz leise, flüsternd als wolle er mit Aussprechen ihres Namens ihre Anwesenheit beschwören.
Und dann sprüht er ihr Antlitz an eine Häuserwand.

Und dann sprüht er ihr Antlitz an eine Häuserwand.

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Dienstag, 6. September 2011
2000 - Congratulations
frau klugscheisser, 20:12h
and celebrations of 2000 days of blog.
Keine Retrospektiven, keine Wiederholungen mehr.
Das ist ein Versprechen, keine Drohung.
Auf vielfachen Wunsch hier nun die letzte Etappe meiner kleinen persönlichen Retrospektive:
Millenium - auch mein privates. Während die Welt gespannt den Atem anhält (werden beim Datumswechsel die Flugzeuge vom Himmel fallen und die Bildschirme schwarz werden?), kanalisiere ich meinen in ein Saxophon und eine neue Musikrichtung: Jazz. Das alte Instrument liegt derweil in einem dunklen Kasten, wo es noch etwa zehn weitere Jahre unbeachtet liegen bleibt.
Die neu gefundene Freiheit.Doch jede Freiheit existiert nur im Rahmen ihres Opponenten Zwang. So auch meine Existenz. Während ich bislang in die eigene Tasche wirtschaftete, tue ich es jetzt in die eines Luftfahrtunternehmen. Meine Bankauszüge sehen augenblicklich besser aus, was man von meinem Selbstwertgefühl nicht behaupten kann. All die Mühe umsonst? Die Menschen in meinem Dunstkreis reagieren mit Erschrecken auf meine Entscheidung. Von generalisierter Leistungseinschätzung (aber du bist doch technisch so gut) bis spezifizierter Personenwertschätzung (finde ich mutig) ist alles dabei. Die Frage und du spielst auch nicht mehr zum Spaß? will ich bald nicht mehr beantworten. Das Unverständnis unter den Laien ist groß. Zu groß für umfangreiche Erklärungen.
Die Welt hat sich verkleinert, persönliche Entfaltungsmöglichkeiten wie mir scheint auch. Distanzen - vor allem die mit Wasser dazwischen - rechnen sich jetzt in Flugstunden. Hamburg eine Stunde, London anderthalb, New York sieben. Das Shoppingwochenende in Shanghai und aber Sushi esse ich - wenn überhaupt - nur in Tokio. Man beneidet mich. Ich möchte lieber nicht mit mir tauschen. Denn nachdem die erste Euphorie abgeflacht ist, verfalle ich in tiefe Depressionen. Das will keiner hören. Mit der Uniform ziehe ich das Lächeln an. Spätestens jetzt erfahre ich am eigenen Leib, wie sehr sich die Ratgeberautoren täuschen und die äussere Haltung von der Inneren divergieren kann. Da fällt mir immer dieser Spruch ein, wo einer im Aufzug eine Stimme hört: "Lächle und freue Dich, es könnte schlimmer kommen." Und er lächelte und freute sich und es kam schlimmer.
Die dunklen Momente dauern noch eine Weile bevor ich wieder lächeln kann. Dann aber fett.
Ende.
Das ist ein Versprechen, keine Drohung.
Auf vielfachen Wunsch hier nun die letzte Etappe meiner kleinen persönlichen Retrospektive:
Millenium - auch mein privates. Während die Welt gespannt den Atem anhält (werden beim Datumswechsel die Flugzeuge vom Himmel fallen und die Bildschirme schwarz werden?), kanalisiere ich meinen in ein Saxophon und eine neue Musikrichtung: Jazz. Das alte Instrument liegt derweil in einem dunklen Kasten, wo es noch etwa zehn weitere Jahre unbeachtet liegen bleibt.
Die neu gefundene Freiheit.Doch jede Freiheit existiert nur im Rahmen ihres Opponenten Zwang. So auch meine Existenz. Während ich bislang in die eigene Tasche wirtschaftete, tue ich es jetzt in die eines Luftfahrtunternehmen. Meine Bankauszüge sehen augenblicklich besser aus, was man von meinem Selbstwertgefühl nicht behaupten kann. All die Mühe umsonst? Die Menschen in meinem Dunstkreis reagieren mit Erschrecken auf meine Entscheidung. Von generalisierter Leistungseinschätzung (aber du bist doch technisch so gut) bis spezifizierter Personenwertschätzung (finde ich mutig) ist alles dabei. Die Frage und du spielst auch nicht mehr zum Spaß? will ich bald nicht mehr beantworten. Das Unverständnis unter den Laien ist groß. Zu groß für umfangreiche Erklärungen.
Die Welt hat sich verkleinert, persönliche Entfaltungsmöglichkeiten wie mir scheint auch. Distanzen - vor allem die mit Wasser dazwischen - rechnen sich jetzt in Flugstunden. Hamburg eine Stunde, London anderthalb, New York sieben. Das Shoppingwochenende in Shanghai und aber Sushi esse ich - wenn überhaupt - nur in Tokio. Man beneidet mich. Ich möchte lieber nicht mit mir tauschen. Denn nachdem die erste Euphorie abgeflacht ist, verfalle ich in tiefe Depressionen. Das will keiner hören. Mit der Uniform ziehe ich das Lächeln an. Spätestens jetzt erfahre ich am eigenen Leib, wie sehr sich die Ratgeberautoren täuschen und die äussere Haltung von der Inneren divergieren kann. Da fällt mir immer dieser Spruch ein, wo einer im Aufzug eine Stimme hört: "Lächle und freue Dich, es könnte schlimmer kommen." Und er lächelte und freute sich und es kam schlimmer.
Die dunklen Momente dauern noch eine Weile bevor ich wieder lächeln kann. Dann aber fett.
Ende.
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Montag, 5. September 2011
Sätze, die man sofort bloggen muss (58)
frau klugscheisser, 21:15h
Liebeskummer und Kinderkriegen sind sich ziemlich ähnlich. Wenn die Endorphine einsetzen, hast Du den Schmerz vergessen.

von le love

von le love
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Sonntag, 4. September 2011
1998
frau klugscheisser, 19:58h
Was bisher geschah:
Kurze, heftige Liaisons mit allen möglichen und unmöglichen Herren. Meine erste richtige Stelle in einem richtigen Orchester. Leider an einem falschen Ort mit falschen Kollegen. Flucht in eine noch falschere Beziehung mit irrwitzigen Heiratsplänen. Manche Pläne werden zum Glück nie umgesetzt.
Langsam und stetig setzt die sog. Torschlusspanik ein. Nicht die in Bezug auf biologische, sondern mehr auf berufliche Fortpflanzung. Kein Ei auf dem Stellenmarkt und ich immer das Spermium, das zu langsam ist, wenn doch eines springt. Mein persönliches Dunkel hat seinen Höhepunkt erreicht. Jede vergeigte Gelegenheit, jedes Versagen ist gleichzeitig ein weiterer Stein im Sack, den ich gefühlt auf allen Wegen hinter mir herziehe. Gleichzeitig ist er das Material für ein Kopfsteinpflaster zum neuen Ziel. Aber wer will das schon hören, wenn er zielstrebig gegen immer die gleiche Mauern rennt.
Großes Erstaunen über die Tatsache, dass jede Mauer auch einen Durchgang hat. DIE Entdeckung der nächsten Jahre.
Kurze, heftige Liaisons mit allen möglichen und unmöglichen Herren. Meine erste richtige Stelle in einem richtigen Orchester. Leider an einem falschen Ort mit falschen Kollegen. Flucht in eine noch falschere Beziehung mit irrwitzigen Heiratsplänen. Manche Pläne werden zum Glück nie umgesetzt.
Langsam und stetig setzt die sog. Torschlusspanik ein. Nicht die in Bezug auf biologische, sondern mehr auf berufliche Fortpflanzung. Kein Ei auf dem Stellenmarkt und ich immer das Spermium, das zu langsam ist, wenn doch eines springt. Mein persönliches Dunkel hat seinen Höhepunkt erreicht. Jede vergeigte Gelegenheit, jedes Versagen ist gleichzeitig ein weiterer Stein im Sack, den ich gefühlt auf allen Wegen hinter mir herziehe. Gleichzeitig ist er das Material für ein Kopfsteinpflaster zum neuen Ziel. Aber wer will das schon hören, wenn er zielstrebig gegen immer die gleiche Mauern rennt.
Großes Erstaunen über die Tatsache, dass jede Mauer auch einen Durchgang hat. DIE Entdeckung der nächsten Jahre.
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