Mittwoch, 7. August 2013
A room with a view (40)




Vancouver

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Montag, 29. Juli 2013
Body Talk
Lieber Körper,

wir kennen uns nun schon seit vielen Jahren. Im Großen und Ganzen war unsere Beziehung auch relativ ausgewogen, wenn ich auch nicht immer mit Deinem Erscheinungsbild oder Deiner Leistung einverstanden war. Du hast meistens das gemacht, was ich von Dir wollte. Manches mit Leichtigkeit, gelegentlich gab's hinterher Beschwerden. Irgendwie haben wir uns immer wieder versöhnt. Aber jetzt müssen wir reden.

Das was Du da gerade veranstaltest ist nicht fair, das weißt Du. Ich habe Dich nicht gequält, habe Dir reichlich gutes Essen und viel Flüssigkeit zukommen lassen, dafür gesorgt, dass Du Deine Ruhephasen hast. Und im Gegenzug tust Du mir weh, sorgst dafür, dass ich keinen Spaß mehr habe und verhinderst alles, was mich glücklich macht. Du gewinnst immer, weil Du stärker bist als ich. Ich will auch gar nicht gegen Dich kämpfen, sondern mit Dir das machen, was wir gut können: laufen, springen, Pirouetten drehen. Wie lange willst Du das so durchziehen? Dir ist hoffentlich bewußt, dass wir uns nicht trennen können und das alles irgendwann auch zu Deinem Nachteil ausfällt. Also überleg's Dir gut und streng Dich gefälligst ein wenig an. Denn jede Beziehung besteht aus Geben und Nehmen. Jetzt wärst Du langsam mal wieder mit Geben dran.

Herzlichst
Deine Frau Klugscheisser

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Donnerstag, 25. Juli 2013
The Grass is Greener on the Other Side


Wünschen darf man immer. Die Frage ist, ob der Vollmond dabei hilft, dessen Erfüllung auf den Weg zu bringen. Immerhin werden ihm außer Kräften zum Bewegen von Wassermassen auch weitere für Pflanzenwachstum und Friseurbesuche zugeschrieben. Hätte ich einen Mondkalender, würde ich mir jeden Tag einen Wunsch erfüllen. Weniger bei abnehmendem und mehr bei zunehmendem Mond. Alter, mach endlich einer das Licht da oben aus!

~

Warum es hier so ruhig geworden ist, hat zwei Haupt- und diverse Nebengründe. Man könnte es auch als Ausreden bezeichnen. Nummer eins ist das Schreiben an meiner wissenschaftlichen Abschlussarbeit. Aber das ist der noch geneigten Leserschaft nichts Neues. Neu ist allerdings Grund Nummer zwei. Durch eine arge Verletzung an der Hüfte kann ich nicht mehr tanzen. Und nicht nur das, auch Laufen oder Wandern sind zu einem schmerzhaften Unterfangen geworden. Dafür habe ich Spaß bei der Physio - so weit man an Schmerzen eben Spaß haben kann. Schreiben ginge noch, dafür habe ich aber zu wenig Spaß an meinem restlichen Leben.

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Die Kaltmamsell hat mich sehr angesteckt. Nachdem ich lange nach schönen Kleidern suchte, bin ich bei ihr fündig geworden. Mein Kleiderschrank füllt sich beständig mit schönen neuen Einzelteilen. Dafür reisen alte nach St. Petersburg zu denen, die sich noch drüber freuen.


Kein Kleid, dafür schwererkennbares Detail
auf dem Rock. Das üben wir noch.
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Mittwoch, 10. Juli 2013
Ugly, Fat & Old
Das schlimmste am alleine Älterwerden ist die Tatsache, dass Dir niemand sagt, wenn Dir ein dunkles Haar am Kinn wächst.

Klugscheisser, F. (2013). In F. Klugscheisser, Meine wichtigsten Erkenntnisse. Gesammelte Werke (S. 258). München: Schwurbelverlag.

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Samstag, 6. Juli 2013
In Between
Verehrte Leserinnen und Leser,

meine Freude am Formulieren schöner Sätze und eloquenter Textpassagen ist reichlich getrübt. Schuld daran hat nicht nur die Tücke der Formatierung, sondern vor allem die wissenschaftlich geforderte genderneutrale Formulierungsweise. Während etwaige Beweggründe sicherlich nachvollziehbar sind, werden Formulierungen dadurch unnötig holperig und diffus. Die Untiefen der Diskriminierung könnten durch Einsatz passiver Formulierungen durchaus umschifft werden, jedoch gelingt nicht jede Wendung, sodass der Zusammenhang dadurch manövrierunfähig wird. Neben Wörtern und Wörtinnen soll es auch geschlechtsneutrale Wesen geben. Man kennt sie unter dem Begriff Neutrum. Menschliche Wesen sind hingegen nie geschlechtsneutral, sie sind entweder männlich oder weiblich oder beides. Und letztere wollen nun ebenfalls zu ihrem Recht kommen. Verehrte Leserinnen, Lesinen und Leser, die Frage muss demnach lauten, wie wir zukünftig formulieren, ohne jemanden zu beleidigen oder die Schreiberschaft wortlos zu hinterlassen.Da ist guter Rat teuer. Kennt denn wer eine Seite im Internetz oder ein gutes Buch, das Vorschläge zu geschlechtsneutralen Bezeichnungen parat hält? Für konsumentenseitige Vorschläge wäre ich Ihnen zu verbindlichstem Dank verpflichtet.

Herzlichst Ihre Frau Klugscheisserin

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Freitag, 28. Juni 2013
Rainy Days
Gestern war Siebenschläfer. Schätzungsweise wird das ein milder Sommer. Selbst in Bilbao habe ich gestern im Sommerkleid bei 23° gefröstelt. Heute in London Nieselregen bei 13°, morgen wird's in Rom auch nicht viel besser. Ich schreibe das nur, damit meine heimischen Leser nicht ganz so traurig über das Wetter sind. Immerhin habe ich die vergangene Brutwoche auf Zypern verbracht. Da war's schon morgens so heiß, dass ich es nur bis zur Hüfte im Meer mit nem kühlen Drink in der Hand oder schlicht im Schatten aushielt. Auf Dauer ist das auch kein Zustand.

(Hier wäre Platz zum Einfügen von Bildern, hätte ich nicht auf Zypern meine Kamera vergessen und in Bilbao/London/Rom den Akku)

Bei hohen Temperaturen kann ich nicht schlafen, was mir entgegenkommt, denn dann arbeite ich früh an meiner Abschlussarbeit. Andererseits kleben dann die Hirnwindungen zusammen und das Blut wird zäh. Möglicherweise bekomme ich für diese Aussage Morddrohungen aber ich mag das derzeitige Wetter. Nächstes Jahr darf's dann ruhig wieder heiß werden, da bin ich kompromissbereit.

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Dienstag, 25. Juni 2013
What's New?
Die junge, ambitionierte Wissenschaftlerin, die meine Abschlussarbeit betreut ist tatsächlich nicht nur jung und ambitioniert, sondern auch sehr entgegenkommend. So hat sie mir eine wichtige Quelle aus erster Hand organisiert und weitere Unterstützung ausserhalb des gesteckten Rahmens zugesichert. Zudem ist sie mir sympathisch, weil sie mich sehr an Frau Herzbruch erinnert und die ist ja bekanntlich sehr sympathisch. Aus unserem halbstündigen Telefontermin wurde ruckzuck mal das Doppelte. Und Sätze dürfen bei ihr durchaus nur aus Subjekt, Prädikat, Objekt bestehen. Meine Gliederung fand sie originell, meine Überschriften witzig. Leider ist sie schwanger und geht noch vor Abgabetermin in Mutterschutz.

Apropos Abgabetermin, ein offizielles Bestätigungsschreiben hatte ich immer noch nicht im Briefkasten, weswegen ich mal wieder Frau Dr. der Naturwissenschaften kontaktieren muss, die mir dann schätzungsweise erneut die Daumen drückt, weil sie nix weiß. Wissenschaftsbetrieb scheint ein großes Mysterium zu sein. Aber ich habe ja Geduld.

Dann noch eine neue Variation in der Spitzenstunde gelernt. Muss nächste Woche fragen, aus welchem Ballett das war. Meistens bin ich schon von den Schritten überfordert. Dann kommen noch die Arme dazu. Und wenn Frau Iwanowitsch vortanzt, vergesse ich vor lauter Bewunderung beides wieder. Vielleicht sollte ich nächstes Mal mitschreiben. Jedenfalls verstehe ich jetzt die Herkunft von "Hals- und Beinbruch" für auftretende Künstler. Je mutiger ich werde, umso abstruser die Beinahumknicker wenn's mal wieder schief geht. Ich fürchte, den Traum der Primaballerina muss ich dann doch begraben (wenn's sonst nichts ist). Aber eine kleine Leseempfehlung nicht nur für Ballettbegeisterte habe ich noch am Ende:

Lorry von bead109 schreibt über die innere Haltung beim Lernen von Neuem und das Beobachten von Experten: Being inspired or being intimidated.. Werde ich mir ausdrucken und hinter die Ohren kleben.

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Donnerstag, 13. Juni 2013
Tip Toes VI
Die letzte Spitzenstunde war desaströs. Meine aufgeriebene Blase hatte ich getaped. Normalerweise bin ich barfuß in den Schuhen. Dieses Mal hatte ich eine sogenannte convertible Strumpfhose an. Die sehen ein bisschen aus wie Trombosestrümpfe aus dem Krankenhausbedarf mit unten einem Loch. Dadurch kann die Spitze der Strumpfhose über die Zehen gezogen werden, ohne die Strumpfhose komplett auszuziehen. Durch den Strumpf habe ich meist das Gefühl, ich rutsche im Schuh. Zusammen mit dem Tape waren die Schuhe so eng, dass sie selbst beim normalen Stehen empfindlich drückten. Und dann verließen mich nach 10 Minuten an der Stange die Kräfte. Sobald man die Schritte nicht mehr ganz kontrolliert ausführen kann, sollte man aufhören, da das Verletzungsrisiko steigt. Jetzt ist aber aufhören nicht meine Stärke und so kämpfte ich mich irgendwie durch die Kombination in der Mitte. Zum ersten Mal probierte ich auch eine Pirouette, die aber nicht so wirklich gestanden war. Da halfen auch Frau Iwanowitschs aufmunternde Worte am Ende der Stunde nichts. Nach dem vermeindlichen Fortschritt der Stunde davor war ich sehr enttäuscht, zumal ich mich auf diese eine Spitzenstunde in der Woche immer richtig freue und die normale Ballettlektion davor als notwendiges Übel durchlebe. Aber aufgeben ist ja nicht meine Stärke.

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Samstag, 8. Juni 2013
Tip Toes V
Die ersten zwei Minuten des Videos waren unsere Lektion in der letzten Spitzenstunde. Ganz schön toll, was?



Etwa nach 20 Minuten merkte ich, dass ich mir durch eine Falte im Schuh die Haut abgerieben hatte. Ich erfuhr, dass Blut im Schuh bei Aschenputtel Ballerinas regelmäßig vorkommt. Das sagt zumindest Frau Iwanowitsch. Meine Schuhe seien jetzt erst richtig eingeweiht. Ausserdem lernte ich, dass dieses Herumgelaufe auf der Bühne, das ich bisher immer ein wenig entenwatschelig absolvierte, ebenfalls zur Choreographie gehört. Nächstes Mal werde ich versuchen, graziöser zu laufen.

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Freitag, 7. Juni 2013
It's not dark yet
Es wird einfach nicht dunkel in Oslo und St. Petersburg und obwohl ich unglaublich müde bin - immerhin bin ich in Istanbul um 3.00 aufgestanden, in Düsseldorf was später aber immer noch vor 5.00 - kann ich nicht einschlafen, sondern starre fasziniert aus dem Fenster. Daheim besitze ich keine Verdunkelungstechnik, wenn es also ganz dunkel im Zimmer wäre, könnte ich auch nicht wirklich schlafen, weil dann hätte ich Angst, ich fände den Lichtschalter nicht schnell genug. Das klingt jetzt irgendwie kindisch aber ich stelle mir immer vor, allein das anknipsen eines Lichts würde einen Serienmörder davon abhalten, mir was anzutun. Ganz zu schweigen von den Untoten und wilden Tieren, die sich aus meinen Träumen durch die Aufwachtüre hereinschleichen.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, es wird nicht dunkel. Das ist an sich nichts Neues und hängt mit dem Stand der Sonne zusammen. Die wendet demnächst ihren Kreis, deswegen Wendekreis. Und dann ist's halt fast die ganze Nacht hell in Oslo und St. Petersburg. Für mich ist das trotzdem irgendwie unglaublich, denn die Nacht assoziiert der durchschnittliche Westeuropäer ja mit Dunkelheit. Ich könnte die ganze Nacht nach draussen starren, den ziehenden Wolken und Vögeln hinterher. Tu ich aber nicht, weil ich ja bald wieder aufstehen muss. Genauer gesagt so gegen 2.00.

Wenn die Menschen also keine richtige Nacht haben, woher wussten die dann früher, wann sie aufstehen mussten? Woher wissen die Schnaken, wann sie zustechen und die Hähne, wann sie krähen sollen? Und wann sollen die Kinder zu Hause sein und vor allem warum? Es gibt Länder, da ist immer Sommer, in manchen ist immer Winter und in anderen ist's halt ein halbes Jahr hell und die andere Hälfte dunkel. Weisse Nächte haben nichts zu tun mit Schnee, sondern mit Tageslicht und das wird so gegen zehn abends unwirklich. Um zwölf wird's absurd und ab vier morgens wieder gewöhnlich. Für alle unter Vollmondlicht an Schlaflosigkeit Leidenden wäre ein Leben im Norden der sichere Untergang. Oder eine heilsame Erfahrung, je nachdem. Für mich ist es einfach nur ungewohnt. Irgendwann schlafe aber auch ich sicherlich ein.

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