Mittwoch, 22. Januar 2014
Appreciation


So sieht das aus, wenn sich Menschen aus öffentlichen Ämtern bei freiwilligen Helfern bedanken. Sie fertigen ein 'certificate of appreciation' an und übergeben es feierlich den Vertretern unserer Gruppe. Ich durfte drei mit heimnehmen, eines davon trägt meinen Namen, mit allen dreien verbinde ich persönlichen Einsatz und Bemühungen um die Fertigstellung der Schulen - sei es durch schwierige Verhandlungen oder durch Lieferung zusätzlichen Schulbadarfts, den ich aus persönlichen Spendengeldern finanziert habe.

Ich bin stolz auf unsere Gruppe und mehr noch auf die Menschen, die ihre eigenen Schulen wieder aufgebaut haben und jetzt nach der Naturkatastrophe in ihren Alltag zurückkehren. Der nächste Taifun ist schon im Anmarsch aber egal was passiert, ob all unsere Arbeit wieder vernichtet wird, was sie gewonnen haben, tragen sie im Herzen. Und diese Kraft, dieser Mut und ihr Durchhaltevermögen wird kein Sturm und kein Erdbeben je zerstören können.

In diesem Sinne feiere ich heute mein persönliches Jubiläum mit tiefer Dankbarkeit und Zuversicht. Dieses Jahr beginnt aussergewöhnlich und es wird noch vieles folgen.

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Mittwoch, 1. Januar 2014
Auld Lang Syne (MMXIV)
Hier auf den Philippinen ist alles ein wenig anders... und ich finde keinen rechten Zugang zum Bloggen auf diesem Portal. Andere Seiten öffne ich kaum, weil ich bereits nach zwei Wochen Arbeit für eine private Hilfsorganisation dadurch jedesmal einen kleinen Kulturschock erlebe.

Das neue Jshr hat mit viel Lärm begonnen. Die Filippinos begehen den Jahreswechsel im wahrsten Sinne des Wortes mit Pauken und Trompeten. Da werden neben dem üblichen Feuerwerksgeknalle Topfdeckel geschlagen, Hupen gedrückt und Motoren jaulen lautstark, das alte Jahr vertreibend. Ich schreibe täglich für das Projektblog. Meinen heutigen Beitrag möchte ich Euch nicht vorenthalten:

The new year has begun and I was busy updating my schedule on projects in San Dionisio as well as looking out for new possibilities.At home I would probably have stayed in bed all day long with a huge hangover feeling slightly depressed. Here it is different. I have a duty and a spiritual kinship family who is dedicated to make a difference in other people’s lifes. They might not be on location right now but I know they still spend a lot of thoughts and emotions on their presence in Panay. It is for them that I keep going as well as for the people in need and all local volunteers who gladly share their food, company and heart with me.

New Year’s Evening I had the opportunity to be with Ella and Mark, the local volunteers in Kalibo. Mark prepared a profuse meal. They explained to me that it is a New Year’s habit to prepare more than necessary and then share it at midnight with family and friends. There has to be sweet and sticky as well as hearty dishes for the good luck to stick, for prosperity to stay and for sweet memories.At midnight they start making noise with whatever is available in order to chase off bad spirits and the remaining past year. The sound of exploding firecrackers is joined by hoots and honking, pot hitting and clapping. Mark almost damaged his motorcycle in letting the engine roar. On my way back I saw the waves clashing against the wall of the pier spraying salty water on the streets. The ocean’s movement reflecting the essence of life in coming and leaving. One year has finished and another one has arrived. May it be profuse and generous to everyone.


In diesem Sinne gehabt Euch wohl und bleibt mir bitte im Geiste treu.

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Freitag, 13. Dezember 2013
Give a Hand - Take a Hand
Gerade erst heimgekehrt, befinde ich mich in einer Art Zwischenwelt. Noch nicht ganz da und bald wieder unterwegs. Die Eindrücke sind zu persönlch, zu stark um sie in schriftlicher Form darzustellen - mir jedenfalls fehlen dazu die Mittel. Das sagt mein Gefühl.

Nächste Woche breche ich in Richtung Philippinen auf, um eine holländische Hilfsorganisation beim Wiederaufbau der vom Taifun betroffenen Gebiete zu unterstützen. Ich schwanke zwischen Aufregung und Angst. Meine Organisation bietet Hilfe zur Selbsthilfe, keiner wird von Geld oder Hilfe abhängig gemacht, sondern nur das Nötigste und die dazugehörige Anleitung an die Einheimischen gegeben. Diese Philosophie will ich unterstüten. Falls Sie, lieber Leser, liebe Leserin, sich jetzt angesprochen fühlen, dann kontaktieren Sie mich bitte und ich stelle den entsprechenden Kontakt für Spenden oder humanitäre Hilfe her. Es werden immer noch Leute gesucht, die vorwiegend zwischen Weihnachten und Anfang Januar dazu bereit sind. Falls sich keiner meldet, werde ich diese Zeit alleine auf der Insel verbringen. Vielleicht erbarmt sich aber doch einer der Einwohner meiner und leistet mir dann Gesellschaft. Ich hoffe es zumindest sehr.

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Dienstag, 10. Dezember 2013
Jump


Jumping from one continent to another

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Montag, 9. Dezember 2013
Meet Me In The Bathroom
Da fährt man tausende von Kilometern und bestaunt das Werk eines Künstlers, der vorwiegend ein paar hundert Kilometer nebenan gewirkt hat.



Die Toiletten müssen damals in Kawakawa in einem verheerenden Zustand gewesen sein oder der Herr Hundertwasser hat keine gefunden. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso einer eine öffentliche Toilette gestaltet. Jetzt halten die Touribusse davor. Das Bedürfnis ist aber eher ein anderes. Manche Leute fotografieren halt jeden Scheiß.

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Freitag, 22. November 2013
Water & Air II
Kurzes update aus dem Datenoff:

Nach nur wenigen Tagen in Neuseeland angekommen. Neues gelernt, z.B. dass sich nicht jede Welle für jede Tätigkeit an Board eignet (Stichwort: persönliche Hygiene oder ähnliche Aktivitäten, zu denen man beide Hände benötigt und keine mehr zum Festhalten hat). Das bedeutet dann im Klartext nicht nur breitbeiniges Stehen mit gebeugten Knien, sondern auch Abwarten, bis die richtige Welle kommt. Es kann sich dabei nur um Stunden handeln. Oder Schlafen mit Seitenneigung. Man rollt dabei immer gegen das sog. Leesegel. Kann auf Dauer ziemlich nervig sein.

Wasser gibt es zwar viel um ein Boot, dafür umso weniger an Board. Bei der Überfahrt wird gespart, weil das Salzwasser nicht gefiltert werden kann. Also wird in Klamotten geschlafen. Das spart sowohl Kleidung als auch unnötige Bewegung. Vermeidet auch blaue Flecken beim Umziehen.

Man hielt mich für verrückt, weil ich unbedingt den Pazifik überqueren wollte. Als wir ankamen hieß es, das wäre die sanfteste Überfahrt seit langem gewesen. Ich bin hin und hergerissen zwischen dem Gedanken, ich sei ein Meeresglücksbringer und der Idee, das würde jetzt nicht als echte Überquerung gelten. Die Wellen haben mir allerdings gereicht.

Nach sechs reinen Seetagen - für drei Tage davor am Riff vor Anker mit nicht weniger Schaukel - sind die ersten Schritte an Land schmerzhaft und unsicher. Ich habe ein zweijähriges Mädchen kennengelernt, das sozusagen auf dem Boot geboren wurde. Sie bewegt sich an Bord mit schlafwandlerischer Sicherheit. An Land stolpert sie allerdings immer mal.

Der Ozean ist weit aber auch nicht so weit wie immer behauptet. Entfernung ist völlig überschätzt. Auch wenn man die Frachter nicht immer sieht, ist man von ihnen und anderen Fischerbooten stets umzingelt. Letztlich stellen sie auch die größte Gefahr für ein kleines Segelboot dar. Einhandsegler in der Nachtwache eingeschlafen und vom Frachter überrollt ist die häufigste Todesursache in Segelkreisen. Meine Nachtwachen waren immer der stetige Kampf gegen die Müdigkeit und schlechte Nachtsicht. Vollmond ist allerdings auch nicht viel besser. Man wünscht sich, es würde endlich mal einer das Licht ausknipsen, um den Horizont besser zu sehen.

Noch was zu Entfernungen: Menschen neigen ja bekanntlich zur Kategorisierung. Entfernung wird also in Kilometer oder Seemeilen wiedergegeben. Dabei ist so eine Reise im Schiff viel mehr als eine Zahl. Diese Zahl schafft es nicht annähernd das wiederzugeben, was es bedeutet, sich Tag und Nacht auf engstem Raum Wellenbewegung und Mitreisenden auszusetzen. Jetzt kann ich die einstigen Entdecker verstehen, die kein Radar oder Karten besaßen und nicht wussten, dass sie am darauffolgenden Tag Land erreichen würden: "Endlich Land! Scheiß auf Indien. Wir nennen die Typen einfach Indianer und fertig!"

Fortsetzung folgt...

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Sonntag, 3. November 2013
Silence
Die starke Versuchung, mir ein traditionelles Südseetatoo stechen zu lassen, führe ich auf allgemeine Midlifeaufbruchstimmung zurück. Die kindliche Freude am Schaukeln des Bootes, am Wasserplantschen und am Leben in der Natur kann allerdings nur hormonell bedingt sein.


Für die nächsten anderthalb bis zwei Wochen wird es technisch bedingt still hier sein.

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Water & Air
Es begab sich aber zu der Zeit der Merkelpräfektur, dass ein kleines Fräulein der Lüfte*) **) zur großen Reise Richtung südlicher Erdhalbkugel aufbrach. Es war unsicher, ob die Herren der Lüfte sie mitnehmen würden. So hatte sie keine andere Wahl, als auf ihr Glück zu vertrauen. Als sie nach einem Tag im Bauch der großen Vögel schließlich das Land der neuen Seen erreichte, hatte sie nur wenig Hoffnung, einen anderen Vogel zur Mitnahme zu bewegen. Es gab nämlich nur kleine Vögel, die niemals viele Reisende auf ihrem Weg transportierten. Doch die Götter waren ihr hold und ihre Gebete wurden erhört. Am selben Tag plante das Oberhaupt des Königreichs Tonga eine Reise mit gleichem Ziel und so wurde ein großer Vogel ausgesandt, um den König und das kleine Fräulein der Lüfte gleichsam auf die Insel des Oberhauptes zu fliegen. Das kleine Fräulein der Lüfte war sehr froh, wenn sie auch dem König nicht von Angesicht zu Angesicht begegnete. Auf der Insel des Königs dachte das kleine Fräulein der Lüfte an die Geschichte, die zu dieser Reise führte.

Vor vielen Jahren, als das kleine Fräulein der Lüfte nämlich noch ein Fräulein der Klänge war, lernte sie einen Barden kennen, der auf dieser Insel geboren war und in seiner Jugend für den König gesungen hatte. Das kleine Fräulein war so fasziniert vom Gedanken an diese Insel, dass sie fortan vom Besuch dieses fernen Inselreichs träumte. Sie suchte den Ort auf einer Karte und studierte ein Schriftstück über das Königreich. Einige Zeit später wurde aus dem Fräulein der Klänge ein Fräulein des Meeres. Sie hoffte, auf diese Weise eines Tages zur magischen Insel zu gelangen. Doch die Götter hatten andere Pläne, und so sollte das kleine Fräulein der Lüfte noch viele Jahre warten, bis es endlich die Insel des Königs besuchen konnte.

Inzwischen war das kleine Fräulein der Lüfte älter geworden und setzte alles daran, nicht nur zu träumen, sondern auch ihre Träume wirklich werden zu lassen. So bestieg sie ein Schiff, das ihr tagsüber als Heim diente und sie nachts in den Schlaf schaukelte. Nach einer Woche auf der magischen Insel brach sie mit den Schiffsbesitzern auf, um zum Land der neuen Seen auf dem Wasser zurückzukehren. Viele hatten sie gewarnt, denn diese Reise sei durch Wind und Wellen recht ungemütlich, ja gar gefährlich. Manch einer nannte sie töricht, sich auf das Abenteuer einzulassen. Schließlich nahte der Tag der großen Überfahrt und das kleine Fräulein der Lüfte war schon sehr aufgeregt. Sollten ihnen die Meeresgötter hold sein und sie die Überfahrt unbescholten überstehen, würde das kleine Fräulein der Lüfte nämlich bald von den Göttern geadelt. Jeder Sterbliche, der sich den Herausforderungen eines Elements stellt und den Widrigkeiten standhält, wird in den Stand der Halbgötter gehoben oder aber verdammt, wer sich davonstiehlt. Das kleine Fräulein hatte schon in ihrem Leben Begegnungen mit Wasser und Luft gemeistert. Auch dem Feuer und der Erde war sie mutig gegenübergetreten. Nun sollte sich also beweisen, ob sie der Herausforderung des Meeres gewachsen war. Ob das kleine Fräulein das Land der neuen Seen erreicht hat oder ob sie vom Ozean verschluckt wurde, erfahrt ihr aber ein andermal.


*)Fräulein der Lüfte: chinesische Übersetzung für Flugbegleiterin

**)Nachtrag: Das ist jetzt bisschen peinlich aber eigentlich lautet die richtige Übersetzung Fräulein in der Mitte von Nichts, nur so funktioniert die Geschichte jetzt nicht mehr. Allerdings fühle ich mich hier auf dem Meer auch ein wenig wie in der Mitte von Nichts.

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Mittwoch, 23. Oktober 2013
Tageblog 23.10.2013 - Vorbereitung
Nur noch wenige Tage bis zur Abfahrt und anderthalb mehr bis zur Ankunft. Ich bin aufgeregt, was mir seit der Berufsfliegerei nicht mehr passiert ist. Schwieriger als die Frage, was ich mitnehme, ist, was ich nicht mitnehme. Denn neben dem Üblichen müssen auch wassertaugliches Schuhwerk und Wärme- bzw. Regenbekleidung in den grossen Faltkoffer, sowie einige Tüten Gummibärchen für die Weltumsegler und andere Mitbringsel. Wie kleidet man sich, wenn man ständig Salz und Wind ausgesetzt ist? Und noch wichtiger, wohin mit dem Flugoutfit? Das versteht jetzt wieder keiner. Also bei uns ist das so: wer nicht den vollen Flugpreis zahlt, soll möglichst anständig gekleidet sein. Keine Jeans, keine Turnschuhe und schon gar kein Rucksack. Folglich muss ich genauestens disponieren, was ich wohin packe und wie ich damit eine möglichst gute Figur mache. Luxusprobleme, ich weiß. Aber ich will gut vorbereitet sein und zwar für alle Eventualitäten. Das Baströckchen kriege ich notfalls auf Tonga, genau wie Zehentreter und Schwimmflügel. Was ich dort nicht bekomme, ist angeblich Earl Grey Tee und Zitronensirup. Muss also auch ins Gepäck. Die Schmusedecke bleibt diesmal daheim. Ich werde sie vermissen.

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Donnerstag, 17. Oktober 2013
Tageblog 17.10.2013 - Mut
Ich habe eine gute und eine weniger gute Nachricht, ausserdem eine kryptische. Welche wollense zuerst hören?

Na schön, die gute zuerst. Meine Abschlussarbeit wurde mit einer sehr gut benotet. Diese Information wurde mir sozusagen unter der Hand präsentiert, denn eigentlich darf der Erstgutachter nix sagen. Das macht das Prüfungsamt offiziell und wartet dazu das Zweitgutachten ab. Da ich jedoch netten Mailkontakt mit meiner jungen, ambitionierten Gutachterin aufrecht hielt, hat sie mir diese Information schon vorgestern zukommen lassen. Jetzt geht sie in Mutterschutz und lässt sich selbst ärztlich begutachten.

Die schlechte ist nur vorübergehend eine schlechte. Ich bin auf dem besten Weg, meine Traumwohnung zu beziehen. Leider gestaltet sich der Traum ziemlich teuer. Also brauche ich Mitbewohner. Etwa in meinem Alter sollen die sein und nicht gleich wegen Partner- und Familienplanung wieder ausziehen, zudem zahlungskräftig. Jetzt ist es aber so, dass ab einem gewissen Alter eine gewisse Schrulligkeit eintritt. Doch, hab' ich schon bei mir selber festgestellt. Und nicht jede Schrulle passt zu der eines anderen. Oder so. Sie wissen schon, worauf ich hinaus will. Heute ist eine potentiell zahlungskräftige Mitwohnwillige abgesprungen. Und in einer Woche bin ich weg. Segeln. Sie wissen schon.

Zum Schluss die krüptische. Ich werde morgen sehr viel Mut brauchen, um einen Wunsch zu erfüllen und gleichzeitig meiner inneren Stimme zu folgen. Heilige Scheisse, dass Knie aber auch so weich sein können...

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Montag, 14. Oktober 2013
Tageblog 14.10.2013 - Schlafen


Normalerweise steht weder neben meinem Bett noch in der Auslage eines Bettengeschäfts ein Fahrrad. Aber man schläft auch nicht jede Nacht in einem Bettenladen. Auf diese Weise ist wenigstens in meinen Träumen für ausreichend Bewegung gesorgt.

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