Donnerstag, 12. März 2020
Vom Fliegen und Ratlosigkeit
Die Ereignisse überschlagen sich. Aufgrund der Corona-Pandemie dürfen Deutsche nicht mehr in die USA und Indien einreisen. Flüge nach China sind gestrichen, noch werden aber vereinzelte nach Hongkong durchgeführt. Jetzt gibt es nicht mehr viele Routen für uns Airlineangestellte, zumal mit weiteren Restriktionen zu rechnen ist.

Selbst bin ich lange nicht geflogen. Mein Wiedereinstieg gestaltet sich langsam, da ich zunächst einmal neu durchgeschult werden muss, Lizenzen und Wissen erneuern, Tests absolvieren, das ganze Brimborium halt, das normalerweise sukzessiv über das laufende Jahr verteilt absolviert wird. Zwei Hürden habe ich bereits, darunter auch die größte, die Flugtauglichkeit. Die ist Grundvoraussetzung für meine Tätigkeit an Bord, denn ich soll bei allen auftretenden Eventualitäten körperlich adäquat reagieren können. Auch nach vielen Stunden Stehen und Gehen muss ich möglicherweise noch rennen, über Hindernisse steigen oder kriechen und hocken können. Das testet der Flugarzt aber nicht, vielmehr muss ich es selbst einschätzen.

Das lange Stehen macht mir keine Sorgen, wohl aber die nicht mehr passende Uniform und die fehlenden Flüge. Wie soll ich arbeiten, wenn es kaum mehr Menschen gibt, die transportiert werden wollen? Das Szenario ist nicht ganz neu und in dieser Form bereits 2001 während der Ereignisse vom 11. September, sowie 2003 bei der SARS Krise erlebt. Mitarbeiter in der Probezeit und solche in Ausbildung werden nicht übernommen, andere werden in den Urlaub geschickt oder nehmen freiwillig die unbezahlte Variante. Die Krisenpläne liegen längst nicht mehr in der Schublade, denn der Cashflow muss unter diesen Umständen unterbrochen und das Geld im Unternehmen gehalten werden. Wir alle kennen die Auswirkungen aus den Nachrichten. Was wir dort nicht sehen, ist die menschliche Seite.

Ich sehe die jungen und nicht mehr ganz so jungen Lehrgangsabsolvierenden, wie sie adrett in ihren Uniformen über das Schulungsgelände laufen. Es wird gelächelt, weil man gewohnt ist zu lächeln, weil man deshalb ausgewählt wurde. Doch was in den Köpfen vorgeht, kann nicht weggelächelt werden. Da ist der junge Mann, der eine andere Arbeitsstelle kündigte, eine teure Wohnung in München angemietet hat und nun mit der Aussage leben muss, er würde bis auf Weiteres keinen Arbeitsvertrag bekommen. Da ist die Gruppe Chinesinnen, die ihre Heimat hinter sich ließen, nicht aber die Sorge um ihre zurückgebliebenen Familien und die dennoch jeden Tag für ein paar Stunden eine neue Sprache erlernen, die sie möglicherweise genauso schnell wieder verlernen werden. Da ist der Kapitän, der wegen staatlicher Auflagen vielleicht nicht mehr vom Dienst nach Wien heimkehren darf und die Copilotin, die wegen stündlicher Dienstplanänderungen nicht mehr weiß, wie sie eine lückenlose Kinderbetreuung organisieren soll - die Großeltern dürfen nicht mehr einspringen.

Einige resignieren, andere tun etwas, das wir immer wieder trainieren. Wir setzen uns nicht mit den Ängsten, sondern mit den Möglichkeiten auseinander. Wir sammeln Fakten, wägen ab, planen neu, entscheiden und überprüfen die Ergebnisse. Im Fachkreis heißt das Modell FORDEC - facts, options, risks, decision, execution, check. Die Alten und die, die aus Ländern mit weniger Stabilität kommen, kennen das, die Jüngeren sind davon zunächst überfordert. Panik entsteht durch fehlende Handlungsoptionen - egal ob sie tatsächlich fehlen oder nur als fehlend wahrgenommen werden. Ein kleiner Ausflug in die Psychologie untermauert meine These. Zum Stichwort Resilienz finden sich viele Untersuchungen, wie Menschen aus wesentlich auswegsloseren Situationen relativ unbeschadet hervorgingen. Wer aber zum ersten Mal mit derartigen Einschränkungen zu tun hat, der hyperventiliert erst mal eine Runde.

Letztlich wissen wir, dass es immer irgendwie weitergeht und nichts bleibt, wie es war. Kann ich auch leicht schreiben, weil ich ja schon ein bisschen Erfahrung gesammelt habe. Weil ich weiß, dass ich schon schwierigere Hürden genommen und Situationen gemeistert habe. Die jungen Kolleginnen und Kollegen wissen das aber nicht. Umso mehr würde ich sie gerade jetzt gerne an die Hand nehmen und ihnen das Schöne zeigen, das trotz aller Gefahr existiert. Die Beschleunigung beim Start, die Sonne über den Wolken und den Zusammenhalt, der durch die tadellosen Uniformen entsteht, die sie noch so stolz tragen. Ich hoffe sehr, dass ich in ein paar Monaten dem ein oder anderen auf der Strecke begegne. Und dann werde auch ich nach so vielen Jahren Fliegen wieder stolz sein.

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Sonntag, 8. März 2020
Tageblog 8.3.2020


Was Sie hier sehen, ist eine 1,70m lange Liste zur Wahl des Münchner Stadtrates. Ich fühle mich leicht überfordert beim Ausfüllen - nicht wegen der Wahl an sich, sondern wegen der praktischen Ausführung. Ich soll auf diesem Zettel 80 Kreuze so setzen, dass ich das Dokument damit nicht für die Auszählung ungültig mache. Das geht erst mal nur auf dem Boden. Während natürlich für mich die ein oder andere Liste nicht in Frage kommt, sehe ich mir jede Kandidatin auf den verbleibenden im Netz genauer an - genau, Männer gehören in den Baumarkt, nicht in die Politik. Könnte man sich alles leichter machen und halt irgendwo seine Stimme markieren, wo's generell für einen passt, mache ich aber nicht, weil ich dieses Mal etwas verantwortungsbewusster wählen möchte. Ich frage mich, wie das in einem Wahllokal möglich wäre. Die Liste für den Bezirksausschuss war übrigens nur um die Hälfte kleiner.

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Ein bisschen macht sich bei mir Verzweiflung breit. Während es nämlich letzte Woche so aussah als würde das Bein heilen, habe ich nachts seit zwei Tagen wieder Schmerzen. Die alte Entzündung ist wieder da. Mittlerweile stellte ich fest, dass sich selbst im Schlaf die Muskulatur um die betreffende Stelle verkrampft. Meine Vermutung ist, es war dort halt schon zu lange zu schmerzhaft, der Körper hat sich das gemerkt und meint jetzt bei jeder Kleinigkeit, immer noch schützen zu müssen. Meine Lösung: keine Ahnung.
(Bitte dennoch von Vorschlägen abzusehen). Morgen kommt dann die Probe auf's Exempel, die wahrscheinlich zum Rohrkrepierer wird.

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Zum Schluss was Schönes für Kunstaffine:
Eine Tanztruppe stellt alte Caravaggio Gemälde nach. Das sieht nicht nur beeindruckend aus, sondern ist auch Kunst in sich.



Davon gibt es noch mehr mit anderem Hintergrund:



und ein kleiner Hintergrundbericht der Truppe um Ludovica Rambelli:

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Samstag, 29. Februar 2020
Tageblog 29.2.2020 - finally
Heute letzter Tageblog, weil dann ist der Februar und mein Projekt rum. Na gut, ich habe gestern geschummelt, dafür ist aber heute Schalttag. Vielleicht schiebe ich noch einen Tag hinterher. Inzwischen wurde das tägliche Schreiben ein wenig anstrengend, weil entweder es gibt nichts zu berichten oder nichts, das ich hier öffentlich ausführen möchte. Umso mehr bewundere ich die Blogs, die nicht nur täglich etwas veröffentlichen, sondern das Veröffentlichte auch noch gut zu lesen ist (die Kaltmamsell ist wieder da). So wechsle ich ab März eben wieder auf die Konsumentenseite.

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Konsum und Hamsterkäufe, ich verstehe das alles nicht so recht, glaube aber eine große Marktlücke bei den sogenannten Frauenzeitschriften gefunden zu haben: die Corona-Diät! Sieben Kilo in vier Wochen ohne Mühe abnehmen. Geht ganz einfach: warten, bis die Quarantäne verordnet ist und dann keine Vorräte angesammelt haben.

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Diät ist nicht meines. Trotzdem muss ich dringend noch ein bisschen abnehmen. Ich habe im Laufe meiner krankheitsbedingten Untätigkeit und zugegebenermaßen schon vorher, als das Bewegen schon sehr schmerzvoll war, einige Kilo angesammelt. Die spüre ich bei diversen Dehnübungen, wo der Bauch im Weg ist, und bei Kräftigungsübungen, weil da mehr Masse zu stemmen ist. Zudem möchte ich ja nächste Woche wieder zur Arbeit, meine Uniformteile passen aber nur noch ungeschlossen. Seit Dezember laufe ich nur noch in Jogginghosen oder Leggins herum. Es gibt noch eine Jeans, die mit Mühe schließbar ist. Das akzeptiert die Firma aber nicht als uniformtauglich. Folglich muss ich mir dringend was ein- oder was anderes abfallen lassen.

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Einfälle habe ich genug, doch manchmal wundere ich mich schon, was mein Gehirn da so alles produziert. Mich würde dringend interessieren, ob es in anderen Köpfen auch so skurril zugeht. Mal abgesehen von dem täglichen Mist, entwirft mein Kopf nämlich ständig sehr abstruse und komische Situationen, die jeden blöden Klamaukfilm à la Monty Python als Mauerblümchen erscheinen lassen. Vielleicht denken die Macher genannter Filme aber das Gleiche, und die Filme sind nur die abgemilderte, sozial anerkannte Form dessen, was sie täglich bewegt. Wir werden es nie erfahren.

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Ein paar nächtliche Gedanken zur Kunst lesen Sie bitte heute bei Gaga Nielsen. Unbedingt auch die Kommentare lesen, denn Frau Nielsen gibt sich immer große Mühe um ausführliche Beantwortung. Das schätze ich übrigens - wie bereits erwähnt - auch hier in meinem Blog sehr an ihr.

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Wer Angst vor Ansteckung hat und sich dennoch sozialen Kontakten nicht entziehen möchte, steckt bei der Begrüßung schon im Dilemma. Eine praktikable Lösung in Zeiten der bösen Viren ist hier zu sehen:

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Donnerstag, 27. Februar 2020
Tageblog 27.2.2020 - Sehen, hören, bewegen
Ich hab' mir mal angehört, was der Philosoph Alain Badiou über die Liebe zu sagen hat:

"If the sole motivation for human action is to satisfy one's wishes and interests, which is after all the dominant idea of the modern world, if that is humanity, then love can indeed be seen as danger (...) I think that goes against the very definition of love (...) Because the truth is that love can't be reduced to individualistic egoism (...)
Love creates a perspective and an existence in the world which is not from the point of view of one because it is the perspective of two. The passing from one to two is a revolution. It's as if we are putting things in perspective, as if the world has suddenly an extra dimension and it's an absolutely fundamental experience because it shows us that the truth of the world is in fact sustained by the multitude not by the atom that is you personally."


The Question of Love zeigt den Philosophen als Opponenten der Liebe wie sie in heutigen Zeiten verstanden wird, in der man den Individualismus feiert und sich über Singleportale kennenlernt.

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Wo wir schon beim Thema sind:male objectification
Mir fällt auf, dass in den Filmen meist Reaktionen der Frauen auf die männlichen Körper Raum einnimmt, während im Gegenzug die Darstellung männlicher Reaktion auf weibliche Objektifizierung weniger stark ausfällt.

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Und zum Schluss was mit Tanz:

The Rich Man's Frug von Bob Fosse (JAZZ HANDS!!)
Die einzige seiner Choreographien, die nicht in die Jahre gekommen ist, ist die Eingangsnummer aus Chicago. Alles andere mutet heute ein wenig seltsam an.

Inzwischen haben sich nicht nur die Musik, sondern auch die Moves geändert. Im Folgenden eine kleine Auswahl meiner meistgeschauten Choreographien. Die Tanzenden, die mir in ihrer Körperbeherrschung und Bewegungskunst sehr gefallen sind Floris Bosvelt (der Mann mit dem Beanie) in Video 1 und 3, Jade Chynoweth (2, 3 und 4 ganz vorne zu Beginn), Robert Green in Video 2 (solo) und noch einige mehr. Eine Ausnahme ist die Choreographin/Tänzerin Galen Hooks, weil ihre Choreographien auf Schauspielelementen basieren. Unbedingt sehenswert ist das letzte Video ihrer Choreographie zu Best Part.

Bad Guy Kyle Hanagami

Between the lines Brian Friedman

How Long Kyle Hanagami

Yummy Parris Goebel

Bury a Friend Jake Kodish

Best Part Galen Hooks

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Mittwoch, 26. Februar 2020
Tageblog 26.2.2020
Jemand hat mir meine Handschuhe aus dem Fahrradkorb geklaut. Ja, selber schuld, hätt' ich sie halt einpacken müssen. Aber mal ehrlich, wer klaut schon gebrauchte Handschuhe im Haus? Das Fahrrad stand nämlich im Flur und ich daneben mit bloßen Händen. Ich vermute eine hinterhältige Racheaktion der Radlstellplatzmafia. Weil ich den besten Platz habe. Und weil ich nicht glauben kann, dass meine Handschuhe wegen Eigenbedarf entwendet wurden.

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Dienstag, 25. Februar 2020
Tageblog 25.2.2020
Aus der Rubrik
Was macht eigentlich?
Heute Rainer Lang-hans.
Das Meme erinnert mich nämlich an die Münchner Prominenz der Sechziger/Siebziger, Uschi Obermaier und ihre damalige Affäre sowohl mit Mick als auch Keith, während Rainer ein bisschen dumm aus der Wäsche guckte und sich später mehr schlecht als recht mit der "Langweiligkeit von Sex" rausredete. Das erste Mal begegnete ich ihm im Park. Er referierte an einem Aussichtspunkt umgeben von zwei älteren Damen gut hörbar über das Establishments. Sonst treffe ich ihn gelegentlich beim Einkaufen im Liedl. Er kauft meist für eine Person. Die Damen sind inzwischen ausgezogen. Man könnte jetzt sagen, das sei kein großes Ding, denn auch Prominente sind nur Menschen, die mal spazieren gehen und einkaufen. Erstaunt hat mich dabei nur die Wahl der Supermarktkette. Nun, er muss halt auch sparen, weil er keine Rentenbezüge bekommt. Für meine Zwecke kommen mir da bestimmte Schlagzeilen in den Sinn, wie Ich stand immer hinter Rainer oder Die Damen stehen heute noch Schlange. Wer den Schaden hat und so. Und dann kam mir noch dieses Bild in die Quere. Darauf sehe ich wohl ein bisschen wie Uschi aus. Oder sie wie ich.

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Und sonst so? Das mit dem Yoga gestaltet sich zunehmend schwieriger, weil ich das Bein nicht parallel zum Körper kriege und auch noch nicht durchstrecken kann, wenn die Hände am Boden sein sollen. Überhaupt verhindert das Bein die meisten Posen, weshalb ich vorwiegend atme und die Rückenlageposition trainiere. Auch heute Nachmittag wieder. Zwei Stunden lang.
Dafür kann ich jetzt den Hustenreflex beim Verschlucken unterdrücken; hilfreich vor allem, wenn man gerade den Mund mit Kaffee oder anderen Getränken voll hat. Nach der vergangenen Trainingsphase musste ich renovieren, weil sich die Flecken auf der Wand hartnäckig gegen jegliche Maßnahmen wehrten.

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Cynthia Nixon tritt in einem Video für die Frauen ein. Auf englisch würde man sagen to advocate, was auf ihre berühmteste Rolle in Sex and the city anspielt: Be a lady! They said.

In diesem Zusammenhang gleich noch ein Artikel aus dem Literary Hub hinterher: How Ramona Quimby Taught a Generation of Girls to Embrace Brashness

Ramona Quimby ist eine Comicfigur von Beverly Cleary aus dem Jahre 1955, die sich - ähnlich wie Pippi Langstrumpf sechs Jahre zuvor - gegen die Machtlosigkeit ihrer gesellschaftlichen Stellung wehrt.

"And yet, Ramona, whose family lives in the working-class Pacific Northwest, does not eschew gender and behavioral norms out of calculated defiance, but rather out of disbelief that metrics of femininity and propriety could matter in the grand scheme of things. It would be vastly oversimplifying to refer to Ramona as a tomboy; she nurtures crushes on classmates and wants a pair of gleaming red galoshes that match the ones worn by other girls in her kindergarten class. But most crucially, Ramona is dissatisfied by the template for any childhood that doesn’t accommodate her brash exuberance, or that would compel her to assimilate into the status quo."

Große Liebe für den Satz, der ein vertrautes Gefühl für jene beschreibt, die wir schon mal als "zu viel" tituliert wurden, weil wir vielleicht lebhafter, lauter, temperamentvoller, neugieriger oder auch einfach talentierter als der Durchschnitt waren:

"Two of Ramona’s most prickling fears are impossibly intertwined: first, that her affection for all those most important to her goes unrequited, and second, that she cannot be loved for precisely who she is—impetuous, temperamental, profoundly sensitive, and, yes, a little bit of a show-off."

Hervorzuheben ist, dass Ramona nur eingeschränkt Identifikationsfigur kleiner Mädchen sein kann, denn:

"To this day, a little girl’s too muchness is not a right, but a privileged exception typically reserved for white, able-bodied heroines."

Der ganze Artikel von Rachel Vorona Cote ist frei zugänglich und durchaus lesenswert.

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Montag, 24. Februar 2020
Tageblog 24.2.2020
Heut zum Fasching etwas Polt:
"Mei Herr Häubl wie immer: Stimmungslied, Standardwitz und a paar Grußworte."

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Die Wiederaufnahme meiner Erwerbstätigkeit steht an, gestaltet sich aber schwierig. Vorwegschicken möchte ich die Besonderheiten in meinem Job, der sich von einer Büro- oder Hotlinetätigkeit gravierend unterscheidet. Ja, ich bin nicht nur bis zu 14 Stunden toujours auf den Beinen, ich kann auch nie abschätzen, was an Unwägbarkeiten und Extrabelastung auf mich zukommt. Es fallen Kollegen aus, Passagiere werden krank oder sterben oder möchten ihren Unmut in Form von körperlicher Aggression zum Ausdruck bringen, Flugzeuge müssen im Fall der Fälle evakuiert werden oder Feuer gelöscht. Das sind eine ganze Menge potentieller Situationen, die mehr als den gewohnten Bewegungsrahmen erfordern. Zudem kann mich ein kleiner Schnupfen in der bösen Druckveränderung Hörprobleme bis hin zur Unfähigkeit des Druckausgleichs haben lassen.
Der Fliegerarzt muss zunächst meine Flugtauglichkeit feststellen. Das tut er, in dem er das betroffene Bein ruckartigen Bewegungstests unterzieht, die Narbe inspiziert und sonstige Auffäligkeiten ausschließt. Alles andere wie etwa Blut und Urin wird sowieso im Rahmen einer Lizenz jedes zweite Jahr getestet. Ich hab' ein bisschen Sorge ob der Untersuchung, denn die Fliegerärzte sind gemeinhin keine sensiblen Zeitgenossen. Als nächsten Schritt werden meine Lizenzen für diverse Flugzeugmuster, Erste-Hilfe und Teamfähigkeit erneuert. Die sind zwar noch vom letzten Jahr gültig, ruhten aber mehr als drei Monate, weshalb sie nun aufgefrischt werden müssen. Zuletzt muss über mein Einstiegsmodell entschieden werden. Ich werde zur Sicherheit nicht sofort voll einsteigen, kann aber mit Hilfe meiner Chefin den Rahmen meines Wiedereinstiegs festlegen. Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern noch eine Woche Urlaub von all den Krankheitsstrapazen.

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München wird überregional mit Schwabing gleichgesetzt und Schwabing ist die Leopoldstraße. Dachte ich zumindest, als ich noch nicht in Schwabing-West wohnte. Ein bisschen München in den Sechzigern.
via Hauptschulblues

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Der Nachbar im angrenzenden Haus übt wieder Klavier. Wie mich das nervt! Er übt nämlich nicht, er SPIELT und bleibt automatisch immer an den selben Stellen hängen, die etwas mehr Fürsorge bräuchten. Dann beginnt er wieder von vorne, reduziert das Tempo kurz vor besagter Stelle und nimmt danach wieder Fahrt auf. Schlimm vor allem, weil sich sein Repertoire auf die bekannten Kassenschlager beschränkt. Jetzt also Mondscheinsonate mit Mondfinsternis im Mittelteil.

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Keine Rittersternbilder mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der meine Pflege bis nächstes Jahr überstehen würde. Unsere Wege werden sich also trennen. Dafür Pflegeleichtes aus Holland:



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Nachtrag: Bilder eines heutigen Feuerwehreinsatzes für ganz besonders große Feuerwehrfans



Ist nix Großes passiert, war wohl Fehlalarm

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Sonntag, 23. Februar 2020
Tageblog 23.2.2020 Gedanken
Zum Aufwärmen ein paar wunderbare und intelligente Cartoons von Will McPhail, der für den New Yorker zeichnet. Ich mag besonders, wie er mit Sichtweisen spielt.

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Mit den Sichtweisen ist das so eine vertrackte Sache. Wir gehen ja gemeinhin von der eigenen aus und lassen nur ungern davon ab. Oft kippen Diskussionen darüber in eine Rechthabehaltung, bei der jeder sein Gegenüber von seiner Sichtweise zu überzeugen versucht. Wären wir offen für viele Möglichkeiten der Wahrnehmung und - was noch wichtiger ist - wahrten wir stets genügend Abstand zu uns selbst (Metaebene my ass), gäbe es zu den meisten Äusserung nicht viel mehr als ein loriot'sches Ach zu erwidern. Das mag zunächst langweilig erscheinen, ist es aber nur bedingt. Wir hätten nämlich auf diese Weise viel mehr Ressourcen frei, die eigene Innenwelt aufgeräumt zu halten anstatt immer neue Argumente und Antworten zu generieren. Man kann vieles loslassen, Gedankenschleifen, Argumentationen, Annahmen, Überzeugungen. Ich habe früh gelernt, meinem Kopf zu misstrauen und zu hinterfragen. Andere tun das erst später. Deswegen ist es so müßig, mit Menschen zu diskutieren, die sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsebenen befinden. Deswegen ziehe ich schnell den Rückzug an. Deswegen frage ich mich aber auch, wieso mein inneres Kind danach immer noch in den Boden stampft und Das ist nicht fair! brüllt, wo ich es ihm doch schon so oft erklärt habe.

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Vorbei



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Ein wichtiges Buch von der Anwältin Christina Clemm zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Bitte drücken Sie das Bild:



via twitter @ReisingerWagner und @fraeulein_tessa

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Samstag, 22. Februar 2020
Tageblog 22.2.2020
Irgendwie war der gestrige Tag kürzer als andere, obwohl ich nicht viel mehr gemacht habe. Das Phänomen heißt keine Zeit haben und zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten. Beschäftigt zu sein ist sozial anerkannt und verhindert gleichzeitig, sich Gedanken machen zu müssen - Gedanken, die sich einem aufdrängen über Sachen, die im Bauch rumoren oder die eigentlich überhaupt keinen Sinn ergeben. Mein derzeitiger Job ist Gesund werden. An diesem Projekt arbeite ich jetzt schon eine ganze Weile. Es beinhaltet viel schlafen, regelmäßig essen, ein bisschen Yoga und Physiotherapie. Zudem betreibe ich Sozialtherapie, also Befreundete treffen, auf Parties gehen und mit Unbekannten reden, soziale Kontakte herstellen, sowas in der Art.

Gestern machte ich auf dem Heimweg vom Physiomann noch einen kleinen Abstecher in ein Kaufhaus. Ich brauchte dringend eine kleine Tasche für den Club. Sie wissen schon, für wenn die Kleidung mal wieder keine hat und man aber vor allem Taschentücher und Geld irgendwo unterkriegen muss. Auf meinem Weg durch diverse Stockwerke blieb mein Blick in der Damenwäscheabteilung an einem Tisch mit einer verzierten Augenmaske und einem Halsschmuck hängen, der sehr einem Halsband mit Leine ähnelte. "Ich mach Ihnen das gerne auf." Eine ältliche* Verkäuferin näherte sich mir von der Seite. Nein, das Halsband wollte ich nicht sehen, drückte aber meine Verwunderung darüber aus, dass dieses Accessoire in einem biederen Kaufhaus auf dem Wäschetisch angeboten wird, wo es doch eigentlich für Unterwerfung und in ganz anderem Kontext steht. Sie schaute mich eine Weile wortlos an, meinte dann aber, dieser Artikel würde sehr viel gekauft und die meisten Leute wüssten sicher nicht, was es zu bedeuten hätte. Ja, da waren sie wieder, die 50 Schatten von grau, die popularisierte Form von BDSM, die zur Schonkost verarbeitete Variante für den empfindlichen Durchschnittsbevölkerungsdarm.
Ich erklärte der Verkäuferin kurz, dass mich nicht der Artikel, sondern vielmehr die Tatsache irritiere, dass sowas in diesem Laden zu erwerben sei, denn - seien wir mal ehrlich - die Auskenner kaufen nicht bei Karstadt, die gehen in spezielle Boutiquen oder bedienen sich des einschlägigen Internetangebots. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Dame aufgrund von Äusserlichkeiten einschätzte, jedoch nichts über sie weiß. Wie kann ich wissen, welche Vorlieben sie hat und in welchen Kreisen sie sich bewegt? Sie reagierte erstaunlich gefasst und professionell, wir lachten noch kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich und fuhr nachdenklich die Rolltreppe zum Ausgang hinunter.

Die geneigte Leserschaft mag sich jetzt wundern, welche Quelle mein Wissen hat. Besagten Film - die Romanvorlage eingeschlossen - habe ich nicht konsumiert, doch als eine damalige Mitseglerin auf unserer Ozeanüberfahrt von der Lektüre berichtete, machten die anderen sich über die beschriebenen Praktiken einerseits lustig, andererseits war ein gewisser Ekel herauszuhören. Ich blieb stumm, denn damals war das alles für mich bestenfalls fremd, ich konnte mir aber zu diesem Gebiet noch keine Meinung bilden. Im Grunde finde ich - gegenseitiges Einvernehmen vorausgesetzt - soll jede/r das tun, was ihn oder sie glücklich macht. Ich würde auch Fußballbegeisterung nicht abwerten, nur weil ich nichts von Fußball verstehe. Und alles was ich nicht verstehe, macht mich grundsätzlich neugierig. Als ich mich beispielsweise im Studium mit Zwölftonmusik auseinandersetzen musste, lernte ich sie nicht nur zu verstehen, sondern auch mit anderen Ohren zu hören und zu respektieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie mag. Die Begeisterung von Menschen ist es, die mich fasziniert. Wenn ein Mensch für eine Sache brennt und davon berichtet, ist mir völlig egal, ob es sich dabei um Musik oder Makramee handelt. Ich lasse mich auf Gedankengänge ein, wie ich auch in Filmen oder Büchern die Gedankenwelt der Protagonisten interessiert verfolge. Auf diese Weise hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen.

Meine Neugier war nun geweckt und ich stürzte mich letztes Jahr in die Szene der BDSM und Swingerclubs. Dabei entdeckte ich viele eigene sowie fremde Vorurteile, die sich auf Beobachtungen von Einzelfällen oder reinen Annahmen stützten. Ein wunderbares Lehrstück war für mich die stille Annahme, dass BDSM immer mit Schmerzen verbunden sei und Unterwerfung mit Verachtung oder gar Mangel an Respekt. Nur soviel vorweg: dem ist nicht so. Ich weiß heute auch, dass die Menschen in dieser Szene weitaus entspannter und toleranter sind, als die, die sich gemeinhin über derartige Praktiken echauffieren. Und ich weiß, dass meine Neugier Grenzen hat, denn ich muss nicht alles ausprobieren, um mit Sicherheit zu behaupten, dass es mir nicht gefällt. Davon aber ein andermal.

*ältlich = für mich altersmäßig nicht einzuschätzen, da aufgrund des konservativen Kleidungsstils und Habitus älter als ihr biologisches Alter wirkend.

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Von der Vergänglichkeit

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Donnerstag, 20. Februar 2020
Tageblog 20.2.2020
Und wieder so ein schönes Datum. Inzwischen durfte ich feststellen, dass ich kaum noch humple. Großer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie es noch vor einer Woche um das Bein stand. Nur nachts vergesse ich mich manchmal und spanne es an. Dann zuckt ein böser Schmerz durch die Nervenbahnen. Anstatt niciht schlafen können wegen Beinschmerz jetzt wegen Luftnot und Reizhusten. Die letzten beiden Tage im Bett verbracht, was auch mal sehr schön sein kann, nur halt nicht mit verstopfter Nase.

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Die Blütenmeldung



Was mach' ich eigentlich, wenn sie verblüht ist? Muss ich dann für Blogcontent eine neue Pflanze kaufen?

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Ein Künstler, der mit bewegten Alltagsbjekten Geräusche erzeugt. Ich finde die Idee faszinierend und manche Installation großartig. Aber sehen Sie selbst:
Zimoun, Selected Works 3.8

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Im Schwobaländle ist es stets uffgräumt auf der Gass. Umso mehr verwunderte mich dieser alte Ofen, der letztes Wochenende draussen stand. Nur Schmuckstück oder entsorgt? Zustände wie in Berlin, ts.

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