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Donnerstag, 27. Februar 2020
Tageblog 27.2.2020 - Sehen, hören, bewegen
frau klugscheisser, 14:06h
Ich hab' mir mal angehört, was der Philosoph Alain Badiou über die Liebe zu sagen hat:
"If the sole motivation for human action is to satisfy one's wishes and interests, which is after all the dominant idea of the modern world, if that is humanity, then love can indeed be seen as danger (...) I think that goes against the very definition of love (...) Because the truth is that love can't be reduced to individualistic egoism (...)
Love creates a perspective and an existence in the world which is not from the point of view of one because it is the perspective of two. The passing from one to two is a revolution. It's as if we are putting things in perspective, as if the world has suddenly an extra dimension and it's an absolutely fundamental experience because it shows us that the truth of the world is in fact sustained by the multitude not by the atom that is you personally."
The Question of Love zeigt den Philosophen als Opponenten der Liebe wie sie in heutigen Zeiten verstanden wird, in der man den Individualismus feiert und sich über Singleportale kennenlernt.
***********
Wo wir schon beim Thema sind:male objectification
Mir fällt auf, dass in den Filmen meist Reaktionen der Frauen auf die männlichen Körper Raum einnimmt, während im Gegenzug die Darstellung männlicher Reaktion auf weibliche Objektifizierung weniger stark ausfällt.
***********
Und zum Schluss was mit Tanz:
The Rich Man's Frug von Bob Fosse (JAZZ HANDS!!)
Die einzige seiner Choreographien, die nicht in die Jahre gekommen ist, ist die Eingangsnummer aus Chicago. Alles andere mutet heute ein wenig seltsam an.
Inzwischen haben sich nicht nur die Musik, sondern auch die Moves geändert. Im Folgenden eine kleine Auswahl meiner meistgeschauten Choreographien. Die Tanzenden, die mir in ihrer Körperbeherrschung und Bewegungskunst sehr gefallen sind Floris Bosvelt (der Mann mit dem Beanie) in Video 1 und 3, Jade Chynoweth (2, 3 und 4 ganz vorne zu Beginn), Robert Green in Video 2 (solo) und noch einige mehr. Eine Ausnahme ist die Choreographin/Tänzerin Galen Hooks, weil ihre Choreographien auf Schauspielelementen basieren. Unbedingt sehenswert ist das letzte Video ihrer Choreographie zu Best Part.
Bad Guy Kyle Hanagami
Between the lines Brian Friedman
How Long Kyle Hanagami
Yummy Parris Goebel
Bury a Friend Jake Kodish
Best Part Galen Hooks
"If the sole motivation for human action is to satisfy one's wishes and interests, which is after all the dominant idea of the modern world, if that is humanity, then love can indeed be seen as danger (...) I think that goes against the very definition of love (...) Because the truth is that love can't be reduced to individualistic egoism (...)
Love creates a perspective and an existence in the world which is not from the point of view of one because it is the perspective of two. The passing from one to two is a revolution. It's as if we are putting things in perspective, as if the world has suddenly an extra dimension and it's an absolutely fundamental experience because it shows us that the truth of the world is in fact sustained by the multitude not by the atom that is you personally."
The Question of Love zeigt den Philosophen als Opponenten der Liebe wie sie in heutigen Zeiten verstanden wird, in der man den Individualismus feiert und sich über Singleportale kennenlernt.
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Wo wir schon beim Thema sind:male objectification
Mir fällt auf, dass in den Filmen meist Reaktionen der Frauen auf die männlichen Körper Raum einnimmt, während im Gegenzug die Darstellung männlicher Reaktion auf weibliche Objektifizierung weniger stark ausfällt.
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Und zum Schluss was mit Tanz:
The Rich Man's Frug von Bob Fosse (JAZZ HANDS!!)
Die einzige seiner Choreographien, die nicht in die Jahre gekommen ist, ist die Eingangsnummer aus Chicago. Alles andere mutet heute ein wenig seltsam an.
Inzwischen haben sich nicht nur die Musik, sondern auch die Moves geändert. Im Folgenden eine kleine Auswahl meiner meistgeschauten Choreographien. Die Tanzenden, die mir in ihrer Körperbeherrschung und Bewegungskunst sehr gefallen sind Floris Bosvelt (der Mann mit dem Beanie) in Video 1 und 3, Jade Chynoweth (2, 3 und 4 ganz vorne zu Beginn), Robert Green in Video 2 (solo) und noch einige mehr. Eine Ausnahme ist die Choreographin/Tänzerin Galen Hooks, weil ihre Choreographien auf Schauspielelementen basieren. Unbedingt sehenswert ist das letzte Video ihrer Choreographie zu Best Part.
Bad Guy Kyle Hanagami
Between the lines Brian Friedman
How Long Kyle Hanagami
Yummy Parris Goebel
Bury a Friend Jake Kodish
Best Part Galen Hooks
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Mittwoch, 26. Februar 2020
Tageblog 26.2.2020
frau klugscheisser, 18:32h
Jemand hat mir meine Handschuhe aus dem Fahrradkorb geklaut. Ja, selber schuld, hätt' ich sie halt einpacken müssen. Aber mal ehrlich, wer klaut schon gebrauchte Handschuhe im Haus? Das Fahrrad stand nämlich im Flur und ich daneben mit bloßen Händen. Ich vermute eine hinterhältige Racheaktion der Radlstellplatzmafia. Weil ich den besten Platz habe. Und weil ich nicht glauben kann, dass meine Handschuhe wegen Eigenbedarf entwendet wurden.
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Dienstag, 25. Februar 2020
Tageblog 25.2.2020
frau klugscheisser, 16:55h
Aus der RubrikWas macht eigentlich?
Heute Rainer Lang-hans.
Das Meme erinnert mich nämlich an die Münchner Prominenz der Sechziger/Siebziger, Uschi Obermaier und ihre damalige Affäre sowohl mit Mick als auch Keith, während Rainer ein bisschen dumm aus der Wäsche guckte und sich später mehr schlecht als recht mit der "Langweiligkeit von Sex" rausredete. Das erste Mal begegnete ich ihm im Park. Er referierte an einem Aussichtspunkt umgeben von zwei älteren Damen gut hörbar über das Establishments. Sonst treffe ich ihn gelegentlich beim Einkaufen im Liedl. Er kauft meist für eine Person. Die Damen sind inzwischen ausgezogen. Man könnte jetzt sagen, das sei kein großes Ding, denn auch Prominente sind nur Menschen, die mal spazieren gehen und einkaufen. Erstaunt hat mich dabei nur die Wahl der Supermarktkette. Nun, er muss halt auch sparen, weil er keine Rentenbezüge bekommt. Für meine Zwecke kommen mir da bestimmte Schlagzeilen in den Sinn, wie Ich stand immer hinter Rainer oder Die Damen stehen heute noch Schlange. Wer den Schaden hat und so. Und dann kam mir noch dieses Bild in die Quere. Darauf sehe ich wohl ein bisschen wie Uschi aus. Oder sie wie ich.
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Und sonst so? Das mit dem Yoga gestaltet sich zunehmend schwieriger, weil ich das Bein nicht parallel zum Körper kriege und auch noch nicht durchstrecken kann, wenn die Hände am Boden sein sollen. Überhaupt verhindert das Bein die meisten Posen, weshalb ich vorwiegend atme und die Rückenlageposition trainiere. Auch heute Nachmittag wieder. Zwei Stunden lang.
Dafür kann ich jetzt den Hustenreflex beim Verschlucken unterdrücken; hilfreich vor allem, wenn man gerade den Mund mit Kaffee oder anderen Getränken voll hat. Nach der vergangenen Trainingsphase musste ich renovieren, weil sich die Flecken auf der Wand hartnäckig gegen jegliche Maßnahmen wehrten.
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Cynthia Nixon tritt in einem Video für die Frauen ein. Auf englisch würde man sagen to advocate, was auf ihre berühmteste Rolle in Sex and the city anspielt: Be a lady! They said.
In diesem Zusammenhang gleich noch ein Artikel aus dem Literary Hub hinterher: How Ramona Quimby Taught a Generation of Girls to Embrace Brashness
Ramona Quimby ist eine Comicfigur von Beverly Cleary aus dem Jahre 1955, die sich - ähnlich wie Pippi Langstrumpf sechs Jahre zuvor - gegen die Machtlosigkeit ihrer gesellschaftlichen Stellung wehrt.
"And yet, Ramona, whose family lives in the working-class Pacific Northwest, does not eschew gender and behavioral norms out of calculated defiance, but rather out of disbelief that metrics of femininity and propriety could matter in the grand scheme of things. It would be vastly oversimplifying to refer to Ramona as a tomboy; she nurtures crushes on classmates and wants a pair of gleaming red galoshes that match the ones worn by other girls in her kindergarten class. But most crucially, Ramona is dissatisfied by the template for any childhood that doesn’t accommodate her brash exuberance, or that would compel her to assimilate into the status quo."
Große Liebe für den Satz, der ein vertrautes Gefühl für jene beschreibt, die wir schon mal als "zu viel" tituliert wurden, weil wir vielleicht lebhafter, lauter, temperamentvoller, neugieriger oder auch einfach talentierter als der Durchschnitt waren:
"Two of Ramona’s most prickling fears are impossibly intertwined: first, that her affection for all those most important to her goes unrequited, and second, that she cannot be loved for precisely who she is—impetuous, temperamental, profoundly sensitive, and, yes, a little bit of a show-off."
Hervorzuheben ist, dass Ramona nur eingeschränkt Identifikationsfigur kleiner Mädchen sein kann, denn:
"To this day, a little girl’s too muchness is not a right, but a privileged exception typically reserved for white, able-bodied heroines."
Der ganze Artikel von Rachel Vorona Cote ist frei zugänglich und durchaus lesenswert.
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Montag, 24. Februar 2020
Tageblog 24.2.2020
frau klugscheisser, 19:50h
Heut zum Fasching etwas Polt:
"Mei Herr Häubl wie immer: Stimmungslied, Standardwitz und a paar Grußworte."
***********
Die Wiederaufnahme meiner Erwerbstätigkeit steht an, gestaltet sich aber schwierig. Vorwegschicken möchte ich die Besonderheiten in meinem Job, der sich von einer Büro- oder Hotlinetätigkeit gravierend unterscheidet. Ja, ich bin nicht nur bis zu 14 Stunden toujours auf den Beinen, ich kann auch nie abschätzen, was an Unwägbarkeiten und Extrabelastung auf mich zukommt. Es fallen Kollegen aus, Passagiere werden krank oder sterben oder möchten ihren Unmut in Form von körperlicher Aggression zum Ausdruck bringen, Flugzeuge müssen im Fall der Fälle evakuiert werden oder Feuer gelöscht. Das sind eine ganze Menge potentieller Situationen, die mehr als den gewohnten Bewegungsrahmen erfordern. Zudem kann mich ein kleiner Schnupfen in der bösen Druckveränderung Hörprobleme bis hin zur Unfähigkeit des Druckausgleichs haben lassen.
Der Fliegerarzt muss zunächst meine Flugtauglichkeit feststellen. Das tut er, in dem er das betroffene Bein ruckartigen Bewegungstests unterzieht, die Narbe inspiziert und sonstige Auffäligkeiten ausschließt. Alles andere wie etwa Blut und Urin wird sowieso im Rahmen einer Lizenz jedes zweite Jahr getestet. Ich hab' ein bisschen Sorge ob der Untersuchung, denn die Fliegerärzte sind gemeinhin keine sensiblen Zeitgenossen. Als nächsten Schritt werden meine Lizenzen für diverse Flugzeugmuster, Erste-Hilfe und Teamfähigkeit erneuert. Die sind zwar noch vom letzten Jahr gültig, ruhten aber mehr als drei Monate, weshalb sie nun aufgefrischt werden müssen. Zuletzt muss über mein Einstiegsmodell entschieden werden. Ich werde zur Sicherheit nicht sofort voll einsteigen, kann aber mit Hilfe meiner Chefin den Rahmen meines Wiedereinstiegs festlegen. Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern noch eine Woche Urlaub von all den Krankheitsstrapazen.
***********
München wird überregional mit Schwabing gleichgesetzt und Schwabing ist die Leopoldstraße. Dachte ich zumindest, als ich noch nicht in Schwabing-West wohnte. Ein bisschen München in den Sechzigern.
via Hauptschulblues
***********
Der Nachbar im angrenzenden Haus übt wieder Klavier. Wie mich das nervt! Er übt nämlich nicht, er SPIELT und bleibt automatisch immer an den selben Stellen hängen, die etwas mehr Fürsorge bräuchten. Dann beginnt er wieder von vorne, reduziert das Tempo kurz vor besagter Stelle und nimmt danach wieder Fahrt auf. Schlimm vor allem, weil sich sein Repertoire auf die bekannten Kassenschlager beschränkt. Jetzt also Mondscheinsonate mit Mondfinsternis im Mittelteil.
***********
Keine Rittersternbilder mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der meine Pflege bis nächstes Jahr überstehen würde. Unsere Wege werden sich also trennen. Dafür Pflegeleichtes aus Holland:

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Nachtrag: Bilder eines heutigen Feuerwehreinsatzes für ganz besonders große Feuerwehrfans

Ist nix Großes passiert, war wohl Fehlalarm
"Mei Herr Häubl wie immer: Stimmungslied, Standardwitz und a paar Grußworte."
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Die Wiederaufnahme meiner Erwerbstätigkeit steht an, gestaltet sich aber schwierig. Vorwegschicken möchte ich die Besonderheiten in meinem Job, der sich von einer Büro- oder Hotlinetätigkeit gravierend unterscheidet. Ja, ich bin nicht nur bis zu 14 Stunden toujours auf den Beinen, ich kann auch nie abschätzen, was an Unwägbarkeiten und Extrabelastung auf mich zukommt. Es fallen Kollegen aus, Passagiere werden krank oder sterben oder möchten ihren Unmut in Form von körperlicher Aggression zum Ausdruck bringen, Flugzeuge müssen im Fall der Fälle evakuiert werden oder Feuer gelöscht. Das sind eine ganze Menge potentieller Situationen, die mehr als den gewohnten Bewegungsrahmen erfordern. Zudem kann mich ein kleiner Schnupfen in der bösen Druckveränderung Hörprobleme bis hin zur Unfähigkeit des Druckausgleichs haben lassen.
Der Fliegerarzt muss zunächst meine Flugtauglichkeit feststellen. Das tut er, in dem er das betroffene Bein ruckartigen Bewegungstests unterzieht, die Narbe inspiziert und sonstige Auffäligkeiten ausschließt. Alles andere wie etwa Blut und Urin wird sowieso im Rahmen einer Lizenz jedes zweite Jahr getestet. Ich hab' ein bisschen Sorge ob der Untersuchung, denn die Fliegerärzte sind gemeinhin keine sensiblen Zeitgenossen. Als nächsten Schritt werden meine Lizenzen für diverse Flugzeugmuster, Erste-Hilfe und Teamfähigkeit erneuert. Die sind zwar noch vom letzten Jahr gültig, ruhten aber mehr als drei Monate, weshalb sie nun aufgefrischt werden müssen. Zuletzt muss über mein Einstiegsmodell entschieden werden. Ich werde zur Sicherheit nicht sofort voll einsteigen, kann aber mit Hilfe meiner Chefin den Rahmen meines Wiedereinstiegs festlegen. Ehrlich gesagt hätte ich jetzt gern noch eine Woche Urlaub von all den Krankheitsstrapazen.
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München wird überregional mit Schwabing gleichgesetzt und Schwabing ist die Leopoldstraße. Dachte ich zumindest, als ich noch nicht in Schwabing-West wohnte. Ein bisschen München in den Sechzigern.
via Hauptschulblues
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Der Nachbar im angrenzenden Haus übt wieder Klavier. Wie mich das nervt! Er übt nämlich nicht, er SPIELT und bleibt automatisch immer an den selben Stellen hängen, die etwas mehr Fürsorge bräuchten. Dann beginnt er wieder von vorne, reduziert das Tempo kurz vor besagter Stelle und nimmt danach wieder Fahrt auf. Schlimm vor allem, weil sich sein Repertoire auf die bekannten Kassenschlager beschränkt. Jetzt also Mondscheinsonate mit Mondfinsternis im Mittelteil.
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Keine Rittersternbilder mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob der meine Pflege bis nächstes Jahr überstehen würde. Unsere Wege werden sich also trennen. Dafür Pflegeleichtes aus Holland:

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Nachtrag: Bilder eines heutigen Feuerwehreinsatzes für ganz besonders große Feuerwehrfans

Ist nix Großes passiert, war wohl Fehlalarm
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Sonntag, 23. Februar 2020
Tageblog 23.2.2020 Gedanken
frau klugscheisser, 14:41h
Zum Aufwärmen ein paar wunderbare und intelligente Cartoons von Will McPhail, der für den New Yorker zeichnet. Ich mag besonders, wie er mit Sichtweisen spielt.
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Mit den Sichtweisen ist das so eine vertrackte Sache. Wir gehen ja gemeinhin von der eigenen aus und lassen nur ungern davon ab. Oft kippen Diskussionen darüber in eine Rechthabehaltung, bei der jeder sein Gegenüber von seiner Sichtweise zu überzeugen versucht. Wären wir offen für viele Möglichkeiten der Wahrnehmung und - was noch wichtiger ist - wahrten wir stets genügend Abstand zu uns selbst (Metaebene my ass), gäbe es zu den meisten Äusserung nicht viel mehr als ein loriot'sches Ach zu erwidern. Das mag zunächst langweilig erscheinen, ist es aber nur bedingt. Wir hätten nämlich auf diese Weise viel mehr Ressourcen frei, die eigene Innenwelt aufgeräumt zu halten anstatt immer neue Argumente und Antworten zu generieren. Man kann vieles loslassen, Gedankenschleifen, Argumentationen, Annahmen, Überzeugungen. Ich habe früh gelernt, meinem Kopf zu misstrauen und zu hinterfragen. Andere tun das erst später. Deswegen ist es so müßig, mit Menschen zu diskutieren, die sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsebenen befinden. Deswegen ziehe ich schnell den Rückzug an. Deswegen frage ich mich aber auch, wieso mein inneres Kind danach immer noch in den Boden stampft und Das ist nicht fair! brüllt, wo ich es ihm doch schon so oft erklärt habe.
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Vorbei

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Ein wichtiges Buch von der Anwältin Christina Clemm zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Bitte drücken Sie das Bild:

via twitter @ReisingerWagner und @fraeulein_tessa
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Mit den Sichtweisen ist das so eine vertrackte Sache. Wir gehen ja gemeinhin von der eigenen aus und lassen nur ungern davon ab. Oft kippen Diskussionen darüber in eine Rechthabehaltung, bei der jeder sein Gegenüber von seiner Sichtweise zu überzeugen versucht. Wären wir offen für viele Möglichkeiten der Wahrnehmung und - was noch wichtiger ist - wahrten wir stets genügend Abstand zu uns selbst (Metaebene my ass), gäbe es zu den meisten Äusserung nicht viel mehr als ein loriot'sches Ach zu erwidern. Das mag zunächst langweilig erscheinen, ist es aber nur bedingt. Wir hätten nämlich auf diese Weise viel mehr Ressourcen frei, die eigene Innenwelt aufgeräumt zu halten anstatt immer neue Argumente und Antworten zu generieren. Man kann vieles loslassen, Gedankenschleifen, Argumentationen, Annahmen, Überzeugungen. Ich habe früh gelernt, meinem Kopf zu misstrauen und zu hinterfragen. Andere tun das erst später. Deswegen ist es so müßig, mit Menschen zu diskutieren, die sich auf zwei unterschiedlichen Entwicklungsebenen befinden. Deswegen ziehe ich schnell den Rückzug an. Deswegen frage ich mich aber auch, wieso mein inneres Kind danach immer noch in den Boden stampft und Das ist nicht fair! brüllt, wo ich es ihm doch schon so oft erklärt habe.
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Vorbei

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Ein wichtiges Buch von der Anwältin Christina Clemm zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt. Bitte drücken Sie das Bild:

via twitter @ReisingerWagner und @fraeulein_tessa
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Samstag, 22. Februar 2020
Tageblog 22.2.2020
frau klugscheisser, 12:59h
Irgendwie war der gestrige Tag kürzer als andere, obwohl ich nicht viel mehr gemacht habe. Das Phänomen heißt keine Zeit haben und zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten. Beschäftigt zu sein ist sozial anerkannt und verhindert gleichzeitig, sich Gedanken machen zu müssen - Gedanken, die sich einem aufdrängen über Sachen, die im Bauch rumoren oder die eigentlich überhaupt keinen Sinn ergeben. Mein derzeitiger Job ist Gesund werden. An diesem Projekt arbeite ich jetzt schon eine ganze Weile. Es beinhaltet viel schlafen, regelmäßig essen, ein bisschen Yoga und Physiotherapie. Zudem betreibe ich Sozialtherapie, also Befreundete treffen, auf Parties gehen und mit Unbekannten reden, soziale Kontakte herstellen, sowas in der Art.
Gestern machte ich auf dem Heimweg vom Physiomann noch einen kleinen Abstecher in ein Kaufhaus. Ich brauchte dringend eine kleine Tasche für den Club. Sie wissen schon, für wenn die Kleidung mal wieder keine hat und man aber vor allem Taschentücher und Geld irgendwo unterkriegen muss. Auf meinem Weg durch diverse Stockwerke blieb mein Blick in der Damenwäscheabteilung an einem Tisch mit einer verzierten Augenmaske und einem Halsschmuck hängen, der sehr einem Halsband mit Leine ähnelte. "Ich mach Ihnen das gerne auf." Eine ältliche* Verkäuferin näherte sich mir von der Seite. Nein, das Halsband wollte ich nicht sehen, drückte aber meine Verwunderung darüber aus, dass dieses Accessoire in einem biederen Kaufhaus auf dem Wäschetisch angeboten wird, wo es doch eigentlich für Unterwerfung und in ganz anderem Kontext steht. Sie schaute mich eine Weile wortlos an, meinte dann aber, dieser Artikel würde sehr viel gekauft und die meisten Leute wüssten sicher nicht, was es zu bedeuten hätte. Ja, da waren sie wieder, die 50 Schatten von grau, die popularisierte Form von BDSM, die zur Schonkost verarbeitete Variante für den empfindlichen Durchschnittsbevölkerungsdarm.
Ich erklärte der Verkäuferin kurz, dass mich nicht der Artikel, sondern vielmehr die Tatsache irritiere, dass sowas in diesem Laden zu erwerben sei, denn - seien wir mal ehrlich - die Auskenner kaufen nicht bei Karstadt, die gehen in spezielle Boutiquen oder bedienen sich des einschlägigen Internetangebots. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Dame aufgrund von Äusserlichkeiten einschätzte, jedoch nichts über sie weiß. Wie kann ich wissen, welche Vorlieben sie hat und in welchen Kreisen sie sich bewegt? Sie reagierte erstaunlich gefasst und professionell, wir lachten noch kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich und fuhr nachdenklich die Rolltreppe zum Ausgang hinunter.
Die geneigte Leserschaft mag sich jetzt wundern, welche Quelle mein Wissen hat. Besagten Film - die Romanvorlage eingeschlossen - habe ich nicht konsumiert, doch als eine damalige Mitseglerin auf unserer Ozeanüberfahrt von der Lektüre berichtete, machten die anderen sich über die beschriebenen Praktiken einerseits lustig, andererseits war ein gewisser Ekel herauszuhören. Ich blieb stumm, denn damals war das alles für mich bestenfalls fremd, ich konnte mir aber zu diesem Gebiet noch keine Meinung bilden. Im Grunde finde ich - gegenseitiges Einvernehmen vorausgesetzt - soll jede/r das tun, was ihn oder sie glücklich macht. Ich würde auch Fußballbegeisterung nicht abwerten, nur weil ich nichts von Fußball verstehe. Und alles was ich nicht verstehe, macht mich grundsätzlich neugierig. Als ich mich beispielsweise im Studium mit Zwölftonmusik auseinandersetzen musste, lernte ich sie nicht nur zu verstehen, sondern auch mit anderen Ohren zu hören und zu respektieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie mag. Die Begeisterung von Menschen ist es, die mich fasziniert. Wenn ein Mensch für eine Sache brennt und davon berichtet, ist mir völlig egal, ob es sich dabei um Musik oder Makramee handelt. Ich lasse mich auf Gedankengänge ein, wie ich auch in Filmen oder Büchern die Gedankenwelt der Protagonisten interessiert verfolge. Auf diese Weise hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen.
Meine Neugier war nun geweckt und ich stürzte mich letztes Jahr in die Szene der BDSM und Swingerclubs. Dabei entdeckte ich viele eigene sowie fremde Vorurteile, die sich auf Beobachtungen von Einzelfällen oder reinen Annahmen stützten. Ein wunderbares Lehrstück war für mich die stille Annahme, dass BDSM immer mit Schmerzen verbunden sei und Unterwerfung mit Verachtung oder gar Mangel an Respekt. Nur soviel vorweg: dem ist nicht so. Ich weiß heute auch, dass die Menschen in dieser Szene weitaus entspannter und toleranter sind, als die, die sich gemeinhin über derartige Praktiken echauffieren. Und ich weiß, dass meine Neugier Grenzen hat, denn ich muss nicht alles ausprobieren, um mit Sicherheit zu behaupten, dass es mir nicht gefällt. Davon aber ein andermal.
*ältlich = für mich altersmäßig nicht einzuschätzen, da aufgrund des konservativen Kleidungsstils und Habitus älter als ihr biologisches Alter wirkend.
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Von der Vergänglichkeit

Gestern machte ich auf dem Heimweg vom Physiomann noch einen kleinen Abstecher in ein Kaufhaus. Ich brauchte dringend eine kleine Tasche für den Club. Sie wissen schon, für wenn die Kleidung mal wieder keine hat und man aber vor allem Taschentücher und Geld irgendwo unterkriegen muss. Auf meinem Weg durch diverse Stockwerke blieb mein Blick in der Damenwäscheabteilung an einem Tisch mit einer verzierten Augenmaske und einem Halsschmuck hängen, der sehr einem Halsband mit Leine ähnelte. "Ich mach Ihnen das gerne auf." Eine ältliche* Verkäuferin näherte sich mir von der Seite. Nein, das Halsband wollte ich nicht sehen, drückte aber meine Verwunderung darüber aus, dass dieses Accessoire in einem biederen Kaufhaus auf dem Wäschetisch angeboten wird, wo es doch eigentlich für Unterwerfung und in ganz anderem Kontext steht. Sie schaute mich eine Weile wortlos an, meinte dann aber, dieser Artikel würde sehr viel gekauft und die meisten Leute wüssten sicher nicht, was es zu bedeuten hätte. Ja, da waren sie wieder, die 50 Schatten von grau, die popularisierte Form von BDSM, die zur Schonkost verarbeitete Variante für den empfindlichen Durchschnittsbevölkerungsdarm.
Ich erklärte der Verkäuferin kurz, dass mich nicht der Artikel, sondern vielmehr die Tatsache irritiere, dass sowas in diesem Laden zu erwerben sei, denn - seien wir mal ehrlich - die Auskenner kaufen nicht bei Karstadt, die gehen in spezielle Boutiquen oder bedienen sich des einschlägigen Internetangebots. Dann wurde mir schlagartig bewusst, dass ich die Dame aufgrund von Äusserlichkeiten einschätzte, jedoch nichts über sie weiß. Wie kann ich wissen, welche Vorlieben sie hat und in welchen Kreisen sie sich bewegt? Sie reagierte erstaunlich gefasst und professionell, wir lachten noch kurz miteinander, dann verabschiedete ich mich und fuhr nachdenklich die Rolltreppe zum Ausgang hinunter.
Die geneigte Leserschaft mag sich jetzt wundern, welche Quelle mein Wissen hat. Besagten Film - die Romanvorlage eingeschlossen - habe ich nicht konsumiert, doch als eine damalige Mitseglerin auf unserer Ozeanüberfahrt von der Lektüre berichtete, machten die anderen sich über die beschriebenen Praktiken einerseits lustig, andererseits war ein gewisser Ekel herauszuhören. Ich blieb stumm, denn damals war das alles für mich bestenfalls fremd, ich konnte mir aber zu diesem Gebiet noch keine Meinung bilden. Im Grunde finde ich - gegenseitiges Einvernehmen vorausgesetzt - soll jede/r das tun, was ihn oder sie glücklich macht. Ich würde auch Fußballbegeisterung nicht abwerten, nur weil ich nichts von Fußball verstehe. Und alles was ich nicht verstehe, macht mich grundsätzlich neugierig. Als ich mich beispielsweise im Studium mit Zwölftonmusik auseinandersetzen musste, lernte ich sie nicht nur zu verstehen, sondern auch mit anderen Ohren zu hören und zu respektieren. Das bedeutet aber nicht, dass ich sie mag. Die Begeisterung von Menschen ist es, die mich fasziniert. Wenn ein Mensch für eine Sache brennt und davon berichtet, ist mir völlig egal, ob es sich dabei um Musik oder Makramee handelt. Ich lasse mich auf Gedankengänge ein, wie ich auch in Filmen oder Büchern die Gedankenwelt der Protagonisten interessiert verfolge. Auf diese Weise hat jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen.
Meine Neugier war nun geweckt und ich stürzte mich letztes Jahr in die Szene der BDSM und Swingerclubs. Dabei entdeckte ich viele eigene sowie fremde Vorurteile, die sich auf Beobachtungen von Einzelfällen oder reinen Annahmen stützten. Ein wunderbares Lehrstück war für mich die stille Annahme, dass BDSM immer mit Schmerzen verbunden sei und Unterwerfung mit Verachtung oder gar Mangel an Respekt. Nur soviel vorweg: dem ist nicht so. Ich weiß heute auch, dass die Menschen in dieser Szene weitaus entspannter und toleranter sind, als die, die sich gemeinhin über derartige Praktiken echauffieren. Und ich weiß, dass meine Neugier Grenzen hat, denn ich muss nicht alles ausprobieren, um mit Sicherheit zu behaupten, dass es mir nicht gefällt. Davon aber ein andermal.
*ältlich = für mich altersmäßig nicht einzuschätzen, da aufgrund des konservativen Kleidungsstils und Habitus älter als ihr biologisches Alter wirkend.
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Von der Vergänglichkeit

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Donnerstag, 20. Februar 2020
Tageblog 20.2.2020
frau klugscheisser, 14:00h
Und wieder so ein schönes Datum. Inzwischen durfte ich feststellen, dass ich kaum noch humple. Großer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie es noch vor einer Woche um das Bein stand. Nur nachts vergesse ich mich manchmal und spanne es an. Dann zuckt ein böser Schmerz durch die Nervenbahnen. Anstatt niciht schlafen können wegen Beinschmerz jetzt wegen Luftnot und Reizhusten. Die letzten beiden Tage im Bett verbracht, was auch mal sehr schön sein kann, nur halt nicht mit verstopfter Nase.
***********
Die Blütenmeldung
Was mach' ich eigentlich, wenn sie verblüht ist? Muss ich dann für Blogcontent eine neue Pflanze kaufen?
***********
Ein Künstler, der mit bewegten Alltagsbjekten Geräusche erzeugt. Ich finde die Idee faszinierend und manche Installation großartig. Aber sehen Sie selbst:
Zimoun, Selected Works 3.8
***********

Im Schwobaländle ist es stets uffgräumt auf der Gass. Umso mehr verwunderte mich dieser alte Ofen, der letztes Wochenende draussen stand. Nur Schmuckstück oder entsorgt? Zustände wie in Berlin, ts.
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Die Blütenmeldung
Was mach' ich eigentlich, wenn sie verblüht ist? Muss ich dann für Blogcontent eine neue Pflanze kaufen?
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Ein Künstler, der mit bewegten Alltagsbjekten Geräusche erzeugt. Ich finde die Idee faszinierend und manche Installation großartig. Aber sehen Sie selbst:
Zimoun, Selected Works 3.8
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Im Schwobaländle ist es stets uffgräumt auf der Gass. Umso mehr verwunderte mich dieser alte Ofen, der letztes Wochenende draussen stand. Nur Schmuckstück oder entsorgt? Zustände wie in Berlin, ts.
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Mittwoch, 19. Februar 2020
Tageblog 19.2.2020
frau klugscheisser, 19:39h
Heute wegen Krankheit geschlossen.
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Dienstag, 18. Februar 2020
Tageblog 18.2.2020 Familienalbum
frau klugscheisser, 11:59h
Möglicherweise wage ich zu behaupten, dass es mir besser geht. Abgesehen von der Erkältung, die ich mir durch Bahnhofswarterei und kranke Physiomenschen eingefangen habe und die jetzt aufblüht, habe ich beim Laufen weniger Schmerzen, nachts nur noch gelegentlich. Yay!
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Aus dem Familienalbum:

Das erste offizielle Familienfoto
Man beachte mein schickes Mäntelchen!

Da war die Oma nur paar Jahre älter als ich heute
Am Stuttgarter Bahnhof steht auf dem Gleis noch ein altes Bahnführerhäusl. Ich glaubte mich an ein Foto aus dem Familienalbum zu erinnern, auf dem auch eines abgebildet ist. Stattdessen sieht man aber den alten Bahnsteig 15/16, auf dem ich am Sonntag zwei Stunden auf meinen Zug wartete und am Häusl bisschen Windschutz bekam. In diesem Zuge habe ich gleich noch ein paar andere digitalisiert. Ich weiß ja nie, wem meiner Eltern ich ähnlich sehe, habe mir aber schon früh gewünscht, adoptiert zu sein.

In Kürze sind solche Fotos nur noch Nostalgie und ich alt.
**********
Blütenstatus:

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Der Artikel über Traumatisierte gilt m.E. auch für Depressive:
Why Trauma Survivors Shouldn’t Think They Are ‘Lazy’
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Aus dem Familienalbum:

Das erste offizielle Familienfoto
Man beachte mein schickes Mäntelchen!

Da war die Oma nur paar Jahre älter als ich heute
Am Stuttgarter Bahnhof steht auf dem Gleis noch ein altes Bahnführerhäusl. Ich glaubte mich an ein Foto aus dem Familienalbum zu erinnern, auf dem auch eines abgebildet ist. Stattdessen sieht man aber den alten Bahnsteig 15/16, auf dem ich am Sonntag zwei Stunden auf meinen Zug wartete und am Häusl bisschen Windschutz bekam. In diesem Zuge habe ich gleich noch ein paar andere digitalisiert. Ich weiß ja nie, wem meiner Eltern ich ähnlich sehe, habe mir aber schon früh gewünscht, adoptiert zu sein.

In Kürze sind solche Fotos nur noch Nostalgie und ich alt.
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Blütenstatus:

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Der Artikel über Traumatisierte gilt m.E. auch für Depressive:
Why Trauma Survivors Shouldn’t Think They Are ‘Lazy’
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Montag, 17. Februar 2020
Tageblog 17.2.2020 Reisen
frau klugscheisser, 11:10h
Am gestrigen Sonntag bin ich um 5.00 aufgestanden, um der 75. Geburtstagsfeier meiner Stuttgarter Freundin beizuwohnen. Sie hatte ihre Gäste zum Mittagstisch gebeten und mich speziell, diese Feier musikalisch zu umrahmen. Um 1.00 heute Morgen war ich wieder zurück in München. Dazwischen lag ein rasanter Uberfahrer, ein verpasster Zug, ein von mir ausgelöster Feuerwehreinsatz, Polizei und Sicherheitskonferenz, ein Flug und viel Puls. Aber der Reihe nach.
Bekanntlich fliege ich als Angestellte einer Fluglinie besonders günstig, sogar günstiger als die Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Zudem bekomme ich inzwischen auch bei der Bahn Vergünstigungen, die jedoch an schlecht ausgelastete Verbindungen geknüpft sind. Als ich am Sonntag um 5.00 aufstehe, habe ich eine Bahnfahrkarte für den Zug um 7.02. Man könnte meinen, die Zeit bis zur Abfahrt genüge, um sich grundzureinigen, aufzuhübschen und von der Wohnstätte mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zu kommen. Dort rechne ich derzeit mindestens 10 Min. Fußweg von unten bis zu den Gleisen ein, denn ich kann nicht schnell gehen. Um 6.20 entscheide ich mich sogar für eine U-Bahn früher. Ich bin zeitlich immer gerne auf der sicheren Seite. Doch das Leben hat andere Pläne mit mir. Als ich nämlich den Aufzug im 3. Stock betrete und auf E drücke, geht die innere Schiebetüre zu und der Indikator leuchtet, sonst bewegt sich aber nichts.
Ich benutze normalerweise die Treppe, selbst mit schweren Einkäufen - nur mit zwei Koffern lasse ich mich zum Dienst vom Aufzug nach unten transportieren. Wenn ich sehr früh morgens zur Arbeit antrete, spiele ich gelegentlich das Aufzugsteckenbleib-Szenario im Kopf durch. Sie wissen schon, das ist dieses Erwachsenending, bei dem Sie Vorfälle antizipieren, die dann doch nicht eintreten. In meiner derzeitigen Situation bediene ich mich wegen Bewegungseinschränkung oft des LIfts. Und der Rucksack an diesem Morgen ist auch nicht so leicht. Ich gehe also auch jetzt im echten Szenario meine Optionen im Kopf durch und drücke erst mal alle Knöpfe, die auch gleichzeitig aufleuchten. Sonst bewegt sich nichts. Der Alarmknopf gibt einen schrillen Ton durch's Treppenhaus ab, der einem sehr lauten Rauchmelder ähnelt. In den Pausen höre ich den Nachhall, so still ist es. Ich drücke die innere Schiebetür zur Seite. Da der Lift noch nicht gefahren ist, presse ich gegen die äussere Türe. Die bleibt aber vorschriftsmäßig verriegelt. Das TÜV Siegel ist von Januar 2020, doch die Notfallnummer des Notdienstes unleserlich.
Zum ersten Mal wird mir klar, wie wichtig jetzt langsames Atmen ist. Mein Puls steigt stetig. Im Hausflur ist immer noch alles ruhig. Ich beginne, mit der Faust gegen die Aussentüre zu hauen und verhalten "Hilfe?" zu rufen. Als ich damit keinen Erfolg habe, wechsle ich zu einem etwas bestimmteren Ausrufezeichen. Da höre ich Nachbarn vor der Türe. Ich sage, sie sollen beim früheren Hausverwalter im 5.Stock läuten, weil der um diese Uhrzeit auf sein Telefon nicht reagiert. Auch ein weiterer Nachbar aus dem 5. weiß, wie man den Aufzug händisch bedient. In der Vergangenheit musste dieses Wissen öfter angewendet werden. Doch auch dieser Nachbar lässt sich nicht in seiner Nachtruhe stören. Die gewählte Notdienstnummer informiert, dass sie nicht mehr zuständig, da der Vertrag ausgelaufen sei. Meine Atemfrequenz steigt. Nun hilft nur noch die Feuerwehr. Wenn die Herrschaften schnell da sind, kriege ich vielleicht sogar noch meinen Zug. In meiner Aufregung rufe ich aber erst mal die 110 und lande bei der Polizei.
"Ja dann ruaffans bittschön a do o wo's hi woin!" sagt der Angerufene, und ich stelle ihn mir wie den Sedlmayr aus der alten Serie Polizeiinspektion 1 vor. In diesem Szenario wäre ich die Frau Gmeinwieser, die sich auf Kinkerlitzchen versteift, während die Herren Beamten wichtige Fälle zu lösen haben. Unter der 112 antwortet ein Herr, der nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit dem Buchstabieren Probleme hat. Mein Straßename ist sehr kurz. Den bekomme ich etwa fünf Mal falsch zurückbuchstabiert. Irgendwann einigen wir uns auf markante GPS Koordinaten, die mein Handy sendet. Dann sage ich zu den Nachbarn, sie könnten sich jetzt wieder schlafen legen, da Hilfe im Anmarsch sei, sollten vorher aber noch die Haustüre unten öffnen.
Wenn demnächst eine Person im Aufzug steckt und ich möglicherweise nicht helfen kann, würde ich auf jeden Fall vor der Türe warten und mit ihr sprechen. Das beruhigt nämlich ungemein. Ich fange also an, in diesem kleinen Vierpersonenaufzug mit mir zu sprechen, bis ich die Feuerwehrmänner eintreffen höre. Sogleich kommt Leben in den Hausflur. Durch den Panzerglasstreifen der Türe sehe ich Taschenlampenkegel. Am rechten oberen Rahmen der Türe ist die Verriegelung, an der sich die Herren zu schaffen machen. Zwischendurch höre ich Kommentare wie, zu kurz, zu breit, wer baut denn heut' noch so einen Mist und die Dreckstür' ist so alt, da hamma kein Werkzeug. Das wirkt nicht zwansläufig beruhigend auf meinen Puls. Ich überlege mir, wie ich mich stelle, falls Funkenflug vom Bolzenschneider und Sie wissen schon, wohin mit dem teuren Mantel und so. Das Backup via Funk hat auch keine gute Idee. Nach viel hin und her geht irgendwann die Türe auf und ich trete in einen Kreis von fünf Feuerwehrmännern in voller Montur, einem Notarzt und zwei Nachbarn, die sich alle auf dem Stockwerk versammelt haben. Einer packt das Equipment weg. Alle schauen mich an, doch keiner erwidert mein fröhliches "Guten Morgen". Ich frage, ob ich noch wo unterschreiben muss, bedanke mich und verschwinde dann in meine Wohnung, schließlich bin ich auf einer Mission. Der Zug ist höchstens noch mit Blaulicht zu erwischen. Das wage ich aber nicht zu fragen, die Herren haben ja bestimmt Wichtigeres zu tun.
Der nächste Zug ist für mich nicht buchbar, seltsamerweise auch nicht über die normale Bahnwebseite. Ich wage nicht, eine Fahrkarte im Zug zu kaufen und buche stattdessen einen Flug. Das Ticket wird mir normalerweise binnen Sekunden zugestellt. Heute finde ich es erst nach Minuten im Spamordner. Ein Uber ist schnell vor Ort, die Zeit drängt. Dem Fahrer erzähle ich eine herzerweichende Geschichte von den Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann und der Freundin, die vielleicht nicht mehr so oft Geburtstag feiert. Er ist zuversichtlich, dass wir in 25 Minuten am Terminal stehen. Durch die Sicherheitskonferenz ist die Polizei auf der Autobahn sehr präsent. Er wagt das blaue Auto nur langsam zu überholen, denn während ich freundlich auf dem Rücksitz winke, liegen wir schon 30 Km/h über der erlaubten Geschwindigkeit. Als wir das Terminal erreichen sind gerade mal 30 Minuten vergangen.
Die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist überschaubar. Ich sage dem Mitarbeiter, er möge meinen Rucksack mit dem teuren Instrument nach dem Scannen im Auge behalten, denn die Sensoren werden bei mir anschlagen. Das gehe nicht, meint er trocken und überhaupt würde ich bestimmt nicht piepsen, denn das sei kein Metallscanner. Ein Inder lässt mich vor sich in die Schlange einfädeln. Natürlich piepse ich, werde abgetastet und nehme anschließend meinen unbeaufsichtigten Rucksack wieder in Empfang. Zum Gate sind es 10 Minuten, doch rennen kann ich nicht. Als die Flugzeugtüre schließt, bin ich die letzte, die ihren Sitz sucht. Der Uberfahrer hat inzwischen seine Runde abgebrochen und fährt wieder Richtung Stadt, denn er war zur Sicherheit und in Aussicht auf eine Fahrt nach Stuttgart noch ein bisschen in der Nähe geblieben. Mein Puls ist jetzt wieder normal.

Am Abend laufe ich zum ersten Mal durch die Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Wege sind lang und für mich beschwerlich. Gleis 15 ist ganz rechts, die Toiletten neben Gleis 1. Das wird aber erst später relevant, denn noch ist mein Zug, der um 19.10 abfahren sollte, nur um 45 Minuten verspätet. Die reine Zugfahrt soll diesmal dreieinhalb Stunden dauern, obwohl man normalerweise mit dem ICE in nur zweieinhalb München erreichen kann. Ich bin an diesen Zug gebunden, wie offenbar viele Andere auch. Ein junger Mann hat die mit abbrechender Stimme durchgesagte Information auch nicht verstanden. So kommen wir in's Gespräch. Irgendwann erzähle ich ihm von meinen wilden Jahren in einem Club namens Das unbekannte Tier, in dem nicht nur die Fantastischen Vier angefangen, sondern auch mein Freund Ralf und ich einst gefeiert haben. Gegenüber stand der Palast der Republik, eine zur Straßenbar umgebaute Stuttgarter Bedürfnisanstalt. Gott, was haben wir da getrunken. Er fragt, was eine Bedürfnisanstalt sei und schlagartig fühle ich mich alt. Unser Gespräch muss seltsam anmuten, dabei ist er so jung auch wieder nicht. Die neue Ansage lautet 110 Minuten Verspätung, der Folgezug fällt aus. Der junge Mann geht sich informieren. Irgendwann kommt er zurück und meint, er würde jetzt über Nürnberg nach München fahren und dass die Zugbindung aufgehoben sei. Ich entscheide zu bleiben, brauche aber jetzt langsam mal eine Toilette.

Um's kurz zu machen, ich bin um 1.00 wieder daheim. Diesmal entscheide ich mich für die Treppe. Der Lift steht immer noch im 3.Stock. Dafür ist es im nächtlichen Hausflur erstaunlich ruhig. Im Bett bin ich erst gegen 2. Aber alles Geld und Mühe haben sich gelohnt, wenn ich mich an das strahlende Gesicht der Jubilarin erinnere. Ich hoffe, wir machen das noch zwanzig Mal so.
Bekanntlich fliege ich als Angestellte einer Fluglinie besonders günstig, sogar günstiger als die Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Zudem bekomme ich inzwischen auch bei der Bahn Vergünstigungen, die jedoch an schlecht ausgelastete Verbindungen geknüpft sind. Als ich am Sonntag um 5.00 aufstehe, habe ich eine Bahnfahrkarte für den Zug um 7.02. Man könnte meinen, die Zeit bis zur Abfahrt genüge, um sich grundzureinigen, aufzuhübschen und von der Wohnstätte mit der U-Bahn zum Hauptbahnhof zu kommen. Dort rechne ich derzeit mindestens 10 Min. Fußweg von unten bis zu den Gleisen ein, denn ich kann nicht schnell gehen. Um 6.20 entscheide ich mich sogar für eine U-Bahn früher. Ich bin zeitlich immer gerne auf der sicheren Seite. Doch das Leben hat andere Pläne mit mir. Als ich nämlich den Aufzug im 3. Stock betrete und auf E drücke, geht die innere Schiebetüre zu und der Indikator leuchtet, sonst bewegt sich aber nichts.
Ich benutze normalerweise die Treppe, selbst mit schweren Einkäufen - nur mit zwei Koffern lasse ich mich zum Dienst vom Aufzug nach unten transportieren. Wenn ich sehr früh morgens zur Arbeit antrete, spiele ich gelegentlich das Aufzugsteckenbleib-Szenario im Kopf durch. Sie wissen schon, das ist dieses Erwachsenending, bei dem Sie Vorfälle antizipieren, die dann doch nicht eintreten. In meiner derzeitigen Situation bediene ich mich wegen Bewegungseinschränkung oft des LIfts. Und der Rucksack an diesem Morgen ist auch nicht so leicht. Ich gehe also auch jetzt im echten Szenario meine Optionen im Kopf durch und drücke erst mal alle Knöpfe, die auch gleichzeitig aufleuchten. Sonst bewegt sich nichts. Der Alarmknopf gibt einen schrillen Ton durch's Treppenhaus ab, der einem sehr lauten Rauchmelder ähnelt. In den Pausen höre ich den Nachhall, so still ist es. Ich drücke die innere Schiebetür zur Seite. Da der Lift noch nicht gefahren ist, presse ich gegen die äussere Türe. Die bleibt aber vorschriftsmäßig verriegelt. Das TÜV Siegel ist von Januar 2020, doch die Notfallnummer des Notdienstes unleserlich.
Zum ersten Mal wird mir klar, wie wichtig jetzt langsames Atmen ist. Mein Puls steigt stetig. Im Hausflur ist immer noch alles ruhig. Ich beginne, mit der Faust gegen die Aussentüre zu hauen und verhalten "Hilfe?" zu rufen. Als ich damit keinen Erfolg habe, wechsle ich zu einem etwas bestimmteren Ausrufezeichen. Da höre ich Nachbarn vor der Türe. Ich sage, sie sollen beim früheren Hausverwalter im 5.Stock läuten, weil der um diese Uhrzeit auf sein Telefon nicht reagiert. Auch ein weiterer Nachbar aus dem 5. weiß, wie man den Aufzug händisch bedient. In der Vergangenheit musste dieses Wissen öfter angewendet werden. Doch auch dieser Nachbar lässt sich nicht in seiner Nachtruhe stören. Die gewählte Notdienstnummer informiert, dass sie nicht mehr zuständig, da der Vertrag ausgelaufen sei. Meine Atemfrequenz steigt. Nun hilft nur noch die Feuerwehr. Wenn die Herrschaften schnell da sind, kriege ich vielleicht sogar noch meinen Zug. In meiner Aufregung rufe ich aber erst mal die 110 und lande bei der Polizei.
"Ja dann ruaffans bittschön a do o wo's hi woin!" sagt der Angerufene, und ich stelle ihn mir wie den Sedlmayr aus der alten Serie Polizeiinspektion 1 vor. In diesem Szenario wäre ich die Frau Gmeinwieser, die sich auf Kinkerlitzchen versteift, während die Herren Beamten wichtige Fälle zu lösen haben. Unter der 112 antwortet ein Herr, der nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit dem Buchstabieren Probleme hat. Mein Straßename ist sehr kurz. Den bekomme ich etwa fünf Mal falsch zurückbuchstabiert. Irgendwann einigen wir uns auf markante GPS Koordinaten, die mein Handy sendet. Dann sage ich zu den Nachbarn, sie könnten sich jetzt wieder schlafen legen, da Hilfe im Anmarsch sei, sollten vorher aber noch die Haustüre unten öffnen.
Wenn demnächst eine Person im Aufzug steckt und ich möglicherweise nicht helfen kann, würde ich auf jeden Fall vor der Türe warten und mit ihr sprechen. Das beruhigt nämlich ungemein. Ich fange also an, in diesem kleinen Vierpersonenaufzug mit mir zu sprechen, bis ich die Feuerwehrmänner eintreffen höre. Sogleich kommt Leben in den Hausflur. Durch den Panzerglasstreifen der Türe sehe ich Taschenlampenkegel. Am rechten oberen Rahmen der Türe ist die Verriegelung, an der sich die Herren zu schaffen machen. Zwischendurch höre ich Kommentare wie, zu kurz, zu breit, wer baut denn heut' noch so einen Mist und die Dreckstür' ist so alt, da hamma kein Werkzeug. Das wirkt nicht zwansläufig beruhigend auf meinen Puls. Ich überlege mir, wie ich mich stelle, falls Funkenflug vom Bolzenschneider und Sie wissen schon, wohin mit dem teuren Mantel und so. Das Backup via Funk hat auch keine gute Idee. Nach viel hin und her geht irgendwann die Türe auf und ich trete in einen Kreis von fünf Feuerwehrmännern in voller Montur, einem Notarzt und zwei Nachbarn, die sich alle auf dem Stockwerk versammelt haben. Einer packt das Equipment weg. Alle schauen mich an, doch keiner erwidert mein fröhliches "Guten Morgen". Ich frage, ob ich noch wo unterschreiben muss, bedanke mich und verschwinde dann in meine Wohnung, schließlich bin ich auf einer Mission. Der Zug ist höchstens noch mit Blaulicht zu erwischen. Das wage ich aber nicht zu fragen, die Herren haben ja bestimmt Wichtigeres zu tun.
Der nächste Zug ist für mich nicht buchbar, seltsamerweise auch nicht über die normale Bahnwebseite. Ich wage nicht, eine Fahrkarte im Zug zu kaufen und buche stattdessen einen Flug. Das Ticket wird mir normalerweise binnen Sekunden zugestellt. Heute finde ich es erst nach Minuten im Spamordner. Ein Uber ist schnell vor Ort, die Zeit drängt. Dem Fahrer erzähle ich eine herzerweichende Geschichte von den Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann und der Freundin, die vielleicht nicht mehr so oft Geburtstag feiert. Er ist zuversichtlich, dass wir in 25 Minuten am Terminal stehen. Durch die Sicherheitskonferenz ist die Polizei auf der Autobahn sehr präsent. Er wagt das blaue Auto nur langsam zu überholen, denn während ich freundlich auf dem Rücksitz winke, liegen wir schon 30 Km/h über der erlaubten Geschwindigkeit. Als wir das Terminal erreichen sind gerade mal 30 Minuten vergangen.
Die Schlange an der Sicherheitskontrolle ist überschaubar. Ich sage dem Mitarbeiter, er möge meinen Rucksack mit dem teuren Instrument nach dem Scannen im Auge behalten, denn die Sensoren werden bei mir anschlagen. Das gehe nicht, meint er trocken und überhaupt würde ich bestimmt nicht piepsen, denn das sei kein Metallscanner. Ein Inder lässt mich vor sich in die Schlange einfädeln. Natürlich piepse ich, werde abgetastet und nehme anschließend meinen unbeaufsichtigten Rucksack wieder in Empfang. Zum Gate sind es 10 Minuten, doch rennen kann ich nicht. Als die Flugzeugtüre schließt, bin ich die letzte, die ihren Sitz sucht. Der Uberfahrer hat inzwischen seine Runde abgebrochen und fährt wieder Richtung Stadt, denn er war zur Sicherheit und in Aussicht auf eine Fahrt nach Stuttgart noch ein bisschen in der Nähe geblieben. Mein Puls ist jetzt wieder normal.

Am Abend laufe ich zum ersten Mal durch die Baustelle des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Wege sind lang und für mich beschwerlich. Gleis 15 ist ganz rechts, die Toiletten neben Gleis 1. Das wird aber erst später relevant, denn noch ist mein Zug, der um 19.10 abfahren sollte, nur um 45 Minuten verspätet. Die reine Zugfahrt soll diesmal dreieinhalb Stunden dauern, obwohl man normalerweise mit dem ICE in nur zweieinhalb München erreichen kann. Ich bin an diesen Zug gebunden, wie offenbar viele Andere auch. Ein junger Mann hat die mit abbrechender Stimme durchgesagte Information auch nicht verstanden. So kommen wir in's Gespräch. Irgendwann erzähle ich ihm von meinen wilden Jahren in einem Club namens Das unbekannte Tier, in dem nicht nur die Fantastischen Vier angefangen, sondern auch mein Freund Ralf und ich einst gefeiert haben. Gegenüber stand der Palast der Republik, eine zur Straßenbar umgebaute Stuttgarter Bedürfnisanstalt. Gott, was haben wir da getrunken. Er fragt, was eine Bedürfnisanstalt sei und schlagartig fühle ich mich alt. Unser Gespräch muss seltsam anmuten, dabei ist er so jung auch wieder nicht. Die neue Ansage lautet 110 Minuten Verspätung, der Folgezug fällt aus. Der junge Mann geht sich informieren. Irgendwann kommt er zurück und meint, er würde jetzt über Nürnberg nach München fahren und dass die Zugbindung aufgehoben sei. Ich entscheide zu bleiben, brauche aber jetzt langsam mal eine Toilette.

Um's kurz zu machen, ich bin um 1.00 wieder daheim. Diesmal entscheide ich mich für die Treppe. Der Lift steht immer noch im 3.Stock. Dafür ist es im nächtlichen Hausflur erstaunlich ruhig. Im Bett bin ich erst gegen 2. Aber alles Geld und Mühe haben sich gelohnt, wenn ich mich an das strahlende Gesicht der Jubilarin erinnere. Ich hoffe, wir machen das noch zwanzig Mal so.
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