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Montag, 4. April 2022
Nightrain
frau klugscheisser, 13:26h
Was man so alles erlebt, wenn man mal zu anderen Zeiten rausgeht als den üblichen. Das sind die, wo die Läden geschlossen sind und die in meinem Alter daheim vor dem Fernseher oder dem Internet sitzen. Ich wollte schon immer mal nachts in's Fitnessstudio, einfach um zu sehen, was sich dann für Leute da versammeln. Ein bisschen auch, weil ich vermutete, da seien weniger da und ich trotz Kontaktreduzierung auch ein bisschen trainieren wollte. Dann fiel mir ein, dass es vielleicht nachts da nicht so schön ist, wenn man zum Beispiel dem Typen begegnet, der immer im gleichen geruchsintensiven Shirt trainiert und einen schon tagsüber mit Blicken dermaßen verfolgt, dass es einen innerlich schüttelt.Dann war geschlossen, weil man nicht ungeboostert oder ungetestet rein durfte. Dann hat sich mein Schlafrhythmus verschoben und ich war froh, wenn ich schon vor mittags schaffte, dort zu sein.
Am Schlafrhythmus war übrigens auch die Fahrt mit dem Nachtbus schuld. Also nicht ursächlich, weil ich ja nicht die ganze Nacht nur Bus gefahren bin. Ich war etwas länger bei einer Veranstaltung, und als ich heim wollte, fuhren die normalen Öffies nicht mehr. Also bin ich zum ersten Mal mit dem Nachtbus heim. Das Klientel ist im Schnitt sehr jung, was nicht weiter erstaunlich ist, denn die anderen leisten sich Taxis oder Uber. Ich mit meiner schwäbischen Sozialisation leiste mir erst ein Taxi oder Uber, wenn wirklich garnix mehr geht. Auch kein Radfahren, was sich entweder wegen Witterung oder meiner Garderobe verbietet.
Was mich an diesem jungen Publikum erstaunte, ist die Kommunikationsfreudigkeit. Wenn ich bei Twitter oder in sonstigen Medien lese, dass sich die Jugend von heute nur noch via Bildschirm austauscht und spontane Kontakte nicht mehr gewohnt ist, dann sind die Verfasser noch nie Nachtbus gefahren. Innerhalb von zwanzig Minuten beantwortete ich interessierte Fragen zu meinem Abend- meinem Musikprogramm (Kopfhörer), meiner Garderobe und dem Ausstiegsziel. Und auch untereinander tauschten sich zusammengehörige Grüppchen mit anderen aus. Noch nie - und ich schreibe das aus langjähriger Münchenerfahrung, die von Nordrheinwestfalenheimischen mit Sicherheit nicht nachvollzogen werden kann, es hat sich jedoch sehr oft in unterschiedlichen Lokalitäten so zugetragen - hatte ich irgendwo mehr soziale Kontakte als in einem Bus, der nachts die Heimkehrenden aufsammelt. Nicht in Kneipen, nicht im Biergarten und nicht bei anderen öffentlichen Veranstaltungen, wobei ich aber auch kein Mensch bin, der an politischen oder Trinkfestigkeitsdemonstrationen - beispielsweise in Oktoberfestzelten - teilnimmt.
Sollte ich mich demnächst sehr einsam fühlen, fahre ich einfach wieder eine Runde mit dem Nachtbus. Reibungsloser Transport, gute Kommunikation, gerne wieder.
Am Schlafrhythmus war übrigens auch die Fahrt mit dem Nachtbus schuld. Also nicht ursächlich, weil ich ja nicht die ganze Nacht nur Bus gefahren bin. Ich war etwas länger bei einer Veranstaltung, und als ich heim wollte, fuhren die normalen Öffies nicht mehr. Also bin ich zum ersten Mal mit dem Nachtbus heim. Das Klientel ist im Schnitt sehr jung, was nicht weiter erstaunlich ist, denn die anderen leisten sich Taxis oder Uber. Ich mit meiner schwäbischen Sozialisation leiste mir erst ein Taxi oder Uber, wenn wirklich garnix mehr geht. Auch kein Radfahren, was sich entweder wegen Witterung oder meiner Garderobe verbietet.
Was mich an diesem jungen Publikum erstaunte, ist die Kommunikationsfreudigkeit. Wenn ich bei Twitter oder in sonstigen Medien lese, dass sich die Jugend von heute nur noch via Bildschirm austauscht und spontane Kontakte nicht mehr gewohnt ist, dann sind die Verfasser noch nie Nachtbus gefahren. Innerhalb von zwanzig Minuten beantwortete ich interessierte Fragen zu meinem Abend- meinem Musikprogramm (Kopfhörer), meiner Garderobe und dem Ausstiegsziel. Und auch untereinander tauschten sich zusammengehörige Grüppchen mit anderen aus. Noch nie - und ich schreibe das aus langjähriger Münchenerfahrung, die von Nordrheinwestfalenheimischen mit Sicherheit nicht nachvollzogen werden kann, es hat sich jedoch sehr oft in unterschiedlichen Lokalitäten so zugetragen - hatte ich irgendwo mehr soziale Kontakte als in einem Bus, der nachts die Heimkehrenden aufsammelt. Nicht in Kneipen, nicht im Biergarten und nicht bei anderen öffentlichen Veranstaltungen, wobei ich aber auch kein Mensch bin, der an politischen oder Trinkfestigkeitsdemonstrationen - beispielsweise in Oktoberfestzelten - teilnimmt.
Sollte ich mich demnächst sehr einsam fühlen, fahre ich einfach wieder eine Runde mit dem Nachtbus. Reibungsloser Transport, gute Kommunikation, gerne wieder.
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Freitag, 1. April 2022
Ennobled
frau klugscheisser, 15:16h
Am Wochenendabend sind die Lockerungen der Coronamaßnahmen in der Stadt deutlich zu spüren. Viele Gruppen junger Menschen zieht es zum Feiern nach draussen oder in die Clubs. So genau weiß ich nicht um ihr Ziel, vermutete aber die jungen Männer in der Straßenbahn wollten zu einer stadtbekannten Partylocation. Sie fielen mir bereits an der Haltestelle auf. Vier Jugendliche, die sich laut unterhielten und abwechselnd große Schlücke aus einer Whiskeyflasche tranken. Einer beschrieb dann deutlich hörbar die Wirkung dieses Getränks als zunächst nicht spürbar, dann aber plötzlich reinhauend, was er persönlich sehr an Whiskey schätze.
Ich war irritiert bis angewidert mit deutlichem Fluchtreflex als die vier mit mir in die Trambahn stiegen und sich nur unweit auf die Plätze über den Gang verteilten. Einer zog sein Handy aus der Tasche. Es setzte ein deutlich hörbarer Beat ein, auf den ein anderer zu rappen begann. Es wurde abwechselnd vorgetragen, teils improvisiert, teils aus dem Handy abgelesen. Alle trugen übrigens sehr vorbildlich dabei ihre Masken. Ich lauschte fasziniert, denn diese Lyrik so zu improvisieren, ist hohe Kunst. Irgendwann schauten sie auf, ob sie wohl die genannte Haltestelle, die auch meine war, bereits verpasst hätten. Statt auf die Anzeige zu schauen, stellte einer im Handyfahrplan fest, dass die erwartete Ankunftszeit noch ein paar Minuten entfernt sei und alle wandten sich wieder ihrer Beschäftigung zu.
Als ich mich zum Aussteigen bereit machte, sah ich bei den Vieren kein Anzeichen von Vorbereitung. Im Gegenteil, sie waren völlig in ihre Rapperei vertieft. Da spürte ich ein bisschen Mutti in mir und rief ihnen zu: "Jungs, ihr müsst aussteigen, hier ist Lokschuppen!" Sie sprangen auf, verließen schnell hintereinander die Tram und bedankten sich draussen bei mir. Ich erklärte, ich hätte zugehört und wollte wissen, ob sie das alles improvisiert hätten. Einer bejahte meine Frage und alle bedankten sich wieder artig für mein Lob. Schließlich meinte einer, er fände es echt groß, dass ich sie auf die Haltestelle aufmerksam gemacht hätte und ein anderer sagte sowas wie "Voll die Ehrenfrau!"
Und so kam es, dass ich an einem Wochenende von vier Jugendlichen von Mutti zur Ehrenfrau erhoben und geadelt wurde.
Ich war irritiert bis angewidert mit deutlichem Fluchtreflex als die vier mit mir in die Trambahn stiegen und sich nur unweit auf die Plätze über den Gang verteilten. Einer zog sein Handy aus der Tasche. Es setzte ein deutlich hörbarer Beat ein, auf den ein anderer zu rappen begann. Es wurde abwechselnd vorgetragen, teils improvisiert, teils aus dem Handy abgelesen. Alle trugen übrigens sehr vorbildlich dabei ihre Masken. Ich lauschte fasziniert, denn diese Lyrik so zu improvisieren, ist hohe Kunst. Irgendwann schauten sie auf, ob sie wohl die genannte Haltestelle, die auch meine war, bereits verpasst hätten. Statt auf die Anzeige zu schauen, stellte einer im Handyfahrplan fest, dass die erwartete Ankunftszeit noch ein paar Minuten entfernt sei und alle wandten sich wieder ihrer Beschäftigung zu.
Als ich mich zum Aussteigen bereit machte, sah ich bei den Vieren kein Anzeichen von Vorbereitung. Im Gegenteil, sie waren völlig in ihre Rapperei vertieft. Da spürte ich ein bisschen Mutti in mir und rief ihnen zu: "Jungs, ihr müsst aussteigen, hier ist Lokschuppen!" Sie sprangen auf, verließen schnell hintereinander die Tram und bedankten sich draussen bei mir. Ich erklärte, ich hätte zugehört und wollte wissen, ob sie das alles improvisiert hätten. Einer bejahte meine Frage und alle bedankten sich wieder artig für mein Lob. Schließlich meinte einer, er fände es echt groß, dass ich sie auf die Haltestelle aufmerksam gemacht hätte und ein anderer sagte sowas wie "Voll die Ehrenfrau!"
Und so kam es, dass ich an einem Wochenende von vier Jugendlichen von Mutti zur Ehrenfrau erhoben und geadelt wurde.
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Montag, 21. März 2022
Freedom III
frau klugscheisser, 12:23h
Kommen wir zum hässlichen Cliffhanger am Ende vom letzten Eintrag und zu dem, was ich in meiner blogfreien Zeit so getrieben habe. Der Grund für mein Schweigen war simpel: ich hatte weder Zeit noch Interesse am Schreiben. Denn wenn ich mich für ein Thema interessiere, lasse ich mich so sehr darauf ein, dass daneben nur noch die nötigen Pflichten stattfinden. Ist meine Neugier einmal geweckt, bestimmt dieses Thema meinen kompletten Tagesablauf sowie die Nacht. So war's beim Tauchen und auch beim Tanzen. Ich lese und träume davon, ich atme das Thema. Andere nennen es Hobby, was bei mir irres Lachen auslöst und sich eher wie Obsession gestaltet. Ich bin besessen davon, alles in möglichst kurzer Zeit über das zu wissen und zu erfahren, was mich so fasziniert. Also am eigenen Leib erfahren im Sinne von erleben. Denn, machen wir uns nichts vor, in der Theorie ist so Manches anders als in der Praxis.
Da war also diese Beziehung, die für mich einerseits völlig neue Dimensionen eröffnete und mich andererseits alles an Kraft gekostet hat, die ich brauchte, um mein Leben funktionieren zu lassen. Natürlich fiel die Begegnung auf fruchtbaren Boden, denn ich hatte mich bereits mit neuen Denkrichtungen auseinandergesetzt. Eine davon war die Beobachtung meiner Reaktionsschemata, speziell was die schnelle Bewertung von Erlebtem betrifft - sei es im Zusammenhang mit anderen Menschen oder mit Situationen, mit der Betrachtungsweise meiner Umwelt oder mir selbst. Hintergrund war mein Bestreben, mich von einem rein reagierenden Wesen in ein differenzierteres zu verwandeln. Warum mich etwas wütend macht, kann ich zwar im Nachhinein erforschen aber direkt alles klein schlagen und hinterher auch noch darüber sinnieren müssen, wie ich das wieder hinbiege, schien mir nicht sehr sinnvoll. Ich wollte zu reagieren vermeiden und ein sehr weiser und gefasster Mensch werden. Dafür schien es mir unumgänglich, den Impuls der Wertung nicht nur zu hinterfragen, sondern ihn auch bewusst zu beobachten. Unterlassen geht nicht aber zumindest erkennen, dass mein Instinkt etwas als schlecht oder bedrohlich eingeordnet hat und es möglicherweise auch anders sein könnte. Es geht also darum, für die entgegengesetzte Seite im Polaritätsspektrum offen zu sein.
Auftritt des Mannes, der erst mal offen und neugierig für jegliche neue Erfahrungen ist und nicht wertet. Zudem ist er sehr gutaussehend und durchtrainiert - eine äusserst verlockende Mischung für mich. Natürlich erliege ich der Versuchung, obwohl ich innerhalb kürzester Zeit weiß, dass da nichts zu mir passt, weder zu meinem Bedürfnis nach Zweisamkeit noch zu meiner intellektuellen Auseinandersetzung mit der Welt. Da ich auch alleine nachdenken kann, im Gegenzug Sex aber sehr schnell alleine langweilig wird, entscheide ich, mich auf den Mann einzulassen. Es beginnt sowohl ein Feuerwerk körperlicher Lust als auch seelischer Leiden, denn so hoch mich diese Verbindung in seiner Anwesenheit katapultiert, so tief falle ich in den Tagen und Wochen danach. Es beginnt ein Kreislauf, der Ähnlichkeit zur Abhängigkeit aufweist. Als ich das erkenne, beginne ich mich davon loszusagen. Doch jedes Mal nach einer gemeinsamen Nacht bin ich wieder bei null. Irgendwann so nach etwa drei bis vier Jahren ziehe ich meine Konsequenzen und einen Schlussstrich, fange aber gleichzeitig wieder zu rauchen an. In einem der vielen Tränentäler beschließe ich nur noch das zu tun, was mir gut tut. Also höre ich mit dem Rauchen auf und verabrede mich mit dem Mann auf ein Stelldichein. Wir klären die Fronten, vermeiden seelische Verletzungen - das braucht viel Ehrlichkeit mit mir selbst - wie auch Besitzansprüche und unterlassen Definitionen für unsere gelegentlichen Treffen. Das handhaben wir übrigens bis heute so.
In der Aufarbeitung wird mir klar, dass ich nicht auf das verzichten möchte, was der Mann an Begehrlichkeiten in mir geweckt hat. Nur wo finde ich einen, der sich nicht im Schema F bewegt, der sich mit mehr als der Befriedigung seiner Bedürfnisse auseinandersetzt - beispielsweise mit Orgasmuskontrolle - und auch an ungewöhnlichen Vorlieben Interesse zeigt? Die meisten spalten sich in zwei Fraktionen auf, die mich beide in ihrer Reinform eher abstoßen. Eine Fraktion sind die Tantriker, die ohne das korrekte ätherische Öl und das richtige Räucherstäbchen nicht kommen können. Die andere sind die Typen aus der BDSM Szene. Auch da finde ich mich zunächst nicht wieder, denn schließlich will ich mich nicht auspeitschen lassen, sondern nur bestimmen wo's lang geht.
Bei meiner Internetrecherche stoße ich auf einen Swingerclub - eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Die Schilderung der Autorin ihres ersten Besuches dort macht mich aber neugierig. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf (tbc)
Da war also diese Beziehung, die für mich einerseits völlig neue Dimensionen eröffnete und mich andererseits alles an Kraft gekostet hat, die ich brauchte, um mein Leben funktionieren zu lassen. Natürlich fiel die Begegnung auf fruchtbaren Boden, denn ich hatte mich bereits mit neuen Denkrichtungen auseinandergesetzt. Eine davon war die Beobachtung meiner Reaktionsschemata, speziell was die schnelle Bewertung von Erlebtem betrifft - sei es im Zusammenhang mit anderen Menschen oder mit Situationen, mit der Betrachtungsweise meiner Umwelt oder mir selbst. Hintergrund war mein Bestreben, mich von einem rein reagierenden Wesen in ein differenzierteres zu verwandeln. Warum mich etwas wütend macht, kann ich zwar im Nachhinein erforschen aber direkt alles klein schlagen und hinterher auch noch darüber sinnieren müssen, wie ich das wieder hinbiege, schien mir nicht sehr sinnvoll. Ich wollte zu reagieren vermeiden und ein sehr weiser und gefasster Mensch werden. Dafür schien es mir unumgänglich, den Impuls der Wertung nicht nur zu hinterfragen, sondern ihn auch bewusst zu beobachten. Unterlassen geht nicht aber zumindest erkennen, dass mein Instinkt etwas als schlecht oder bedrohlich eingeordnet hat und es möglicherweise auch anders sein könnte. Es geht also darum, für die entgegengesetzte Seite im Polaritätsspektrum offen zu sein.
Auftritt des Mannes, der erst mal offen und neugierig für jegliche neue Erfahrungen ist und nicht wertet. Zudem ist er sehr gutaussehend und durchtrainiert - eine äusserst verlockende Mischung für mich. Natürlich erliege ich der Versuchung, obwohl ich innerhalb kürzester Zeit weiß, dass da nichts zu mir passt, weder zu meinem Bedürfnis nach Zweisamkeit noch zu meiner intellektuellen Auseinandersetzung mit der Welt. Da ich auch alleine nachdenken kann, im Gegenzug Sex aber sehr schnell alleine langweilig wird, entscheide ich, mich auf den Mann einzulassen. Es beginnt sowohl ein Feuerwerk körperlicher Lust als auch seelischer Leiden, denn so hoch mich diese Verbindung in seiner Anwesenheit katapultiert, so tief falle ich in den Tagen und Wochen danach. Es beginnt ein Kreislauf, der Ähnlichkeit zur Abhängigkeit aufweist. Als ich das erkenne, beginne ich mich davon loszusagen. Doch jedes Mal nach einer gemeinsamen Nacht bin ich wieder bei null. Irgendwann so nach etwa drei bis vier Jahren ziehe ich meine Konsequenzen und einen Schlussstrich, fange aber gleichzeitig wieder zu rauchen an. In einem der vielen Tränentäler beschließe ich nur noch das zu tun, was mir gut tut. Also höre ich mit dem Rauchen auf und verabrede mich mit dem Mann auf ein Stelldichein. Wir klären die Fronten, vermeiden seelische Verletzungen - das braucht viel Ehrlichkeit mit mir selbst - wie auch Besitzansprüche und unterlassen Definitionen für unsere gelegentlichen Treffen. Das handhaben wir übrigens bis heute so.
In der Aufarbeitung wird mir klar, dass ich nicht auf das verzichten möchte, was der Mann an Begehrlichkeiten in mir geweckt hat. Nur wo finde ich einen, der sich nicht im Schema F bewegt, der sich mit mehr als der Befriedigung seiner Bedürfnisse auseinandersetzt - beispielsweise mit Orgasmuskontrolle - und auch an ungewöhnlichen Vorlieben Interesse zeigt? Die meisten spalten sich in zwei Fraktionen auf, die mich beide in ihrer Reinform eher abstoßen. Eine Fraktion sind die Tantriker, die ohne das korrekte ätherische Öl und das richtige Räucherstäbchen nicht kommen können. Die andere sind die Typen aus der BDSM Szene. Auch da finde ich mich zunächst nicht wieder, denn schließlich will ich mich nicht auspeitschen lassen, sondern nur bestimmen wo's lang geht.
Bei meiner Internetrecherche stoße ich auf einen Swingerclub - eigentlich überhaupt nicht mein Ding. Die Schilderung der Autorin ihres ersten Besuches dort macht mich aber neugierig. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf (tbc)
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Samstag, 19. März 2022
Freedom II
frau klugscheisser, 17:08h
Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, die Monogamie und ihre Ausläufer. Ich sag's mal so: Monogamie ist ein faszinierendes Gedankenkonstrukt, das zumeist an menschlicher Imperfektion scheitert. Die Imperfektion heißt Langeweile. Wer etwas lange hat, will was anderes. Das trifft sowohl auf Besitztümer und Situationen als auch auf abstrakte Zustände wie beispielsweise Glück oder Frieden oder gar Menschen zu. Man glaubt, etwas oder jemanden zu seiner Zufriedenheit zu brauchen. Wir ahnen, dass Glück mit äusseren Gegebenheiten nur korreliert. Kausal hingegen ist die eigene Einstellung zum Glück. Ich für meinen Teil finde Alleinesein schön, nur halt nicht immer. Beispielsweise gab es in den vergangenen zwei Pandemiejahren etliche Gelegenheiten, in denen ich einsame Panik verspürte. Logischerweise suche ich in solchen Momenten die Nähe zu anderen sozialen Wesen. Auch im Normalfall suche ich mir die Menschen aus, die sich am besten für bestimmte gemeinsame Aktivitäten eignen. Mag ja nicht jeder in die Oper oder findet Tanzen toll. Womit wir wieder bei der Monogamie wären, die gerne mit romantischer Liebe verwechselt wird. Eine Person für alles.
Ich möchte es mit einer Frau vergleichen, die einen handwerklich begabten Mann geheiratet hat. Ein paar Jahre später entwickelt sie Interesse an kulturellen Ereignissen. Jetzt muss der Mann mit in die Oper, obwohl der lieber im Keller schrauben würde. Eine andere Option gibt es nicht, denn wofür hätte man sonst geheiratet, um dann seine Zeit mit anderen zu verbringen. Und wieso ist es verwerflich, Sex mit einem Opernbesuch gleichzustellen? Konkret ist das die Frau, die die Qualitäten ihres Partners immer noch schätzt und deshalb auch keinen Ersatz, sondern für weitere Gelegenheiten Ergänzungen sucht. Wer das nicht verwerflich findet, ahnt zumindest das Konfliktpotential in der Sache. Nein, es ist nicht einfach. Es erfordert viel ehrliche Kommunikation und Selbstreflektion - eine Investition in persönlicher Entwicklung, die sich besser auszahlt als jeder Überlebenskurs im Teutoburger Wald.
So eine Form habe ich lange gesucht und bin dabei auf die unterschiedlichsten Menschen gestoßen. Die einen in ihrem Bestreben wahrhaftig, die anderen unglaubwürdig, weil es sich im Nachhinein doch nur als die Überganghgsphase weg von Frau/Mann plus Kind(er) hin zum neuen Subjekt der Begierde entpuppte. Auf dem Weg waren weder bisherige noch neue Partner für die nie gleichwertig, die Polyamorie mit Promiskuität verwechseln. Andere wiederum legen sich generell nicht gerne fest und reagieren unverbindlich zweideutig auf alles, was Verbindlichkeit sucht. Und da wären wir wieder beim romantischen Konstrukt der Verbindlichkeit, der Schwüre ewiger Liebe, the one and only. Nein, Verbindlichkeit hat nichts damit zu tun, dass es nur eine Person in meinem Leben gibt. Verbindlichkeit ist die Art, wie ich was sage und in Folge mache. Verbindlichkeit ist, ein Treffen auszumachen und das Zustandekommen nicht kurz vorher nochmal telefonisch bestätigen zu müssen. Ich kann eine Dienstleistung unverbindlich in Anspruch nehmen - schließlich bin ich zu nichts verpflichtet - oder mich verbindlich dem jeweiligen Fachpersonal anvertrauen.
Verbindlich bezieht sich auf die Sprache, die ich spreche. Es ist die Klarheit, in der ich kommuniziere und Missverständnisse möglichst minimiere (ja komplizierte Sachverhalte sind manchmal schwierig klar zu formulieren). Unverbindliche meinen es meist nicht so, wie es verstanden wurde, wenn sich daraus ein persönlicher Nachteil oder eine Unannehmlichkeit ergeben könnte. Will ich mich auf mehrere Personen verbindlich einlassen, bedarf das eines gewissen Aufwands, da sich keiner der Beteiligten zurückgesetzt fühlen sollte. Das wäre nicht nur unverbindlich, sondern vor allem ungerecht und das Konstrukt des Vielliebens damit obsolet. Wahrscheinlich ist es so, dass mit einem Partner im direkten Vergleich mehr Zeit verbracht wird. Der Unterschied liegt in der Qualität der Begegnung, nicht der Quantität. Gleichwertigkeit meint die von mir erbrachte Intensität. Es bedeutet, dass ich eine Person nicht für das liebe, was sie mir entgegenbringt, sondern für das, was sie ist. Das lasse ich jetzt mal so stehen. An dieser Stelle folgt meistens die Frage: ja geht denn sowas überhaupt in der Praxis? Ich denke ja, weil ich es bereits bei anderen beobachtet habe. Möglicherweise kann ich bald aus eigener Erfahrung berichten. Bis es soweit ist, erzähle ich nächstes Mal noch ein bisschen über weitere Neigungen, die mir auf meiner Suche so begegnet sind.
Ich möchte es mit einer Frau vergleichen, die einen handwerklich begabten Mann geheiratet hat. Ein paar Jahre später entwickelt sie Interesse an kulturellen Ereignissen. Jetzt muss der Mann mit in die Oper, obwohl der lieber im Keller schrauben würde. Eine andere Option gibt es nicht, denn wofür hätte man sonst geheiratet, um dann seine Zeit mit anderen zu verbringen. Und wieso ist es verwerflich, Sex mit einem Opernbesuch gleichzustellen? Konkret ist das die Frau, die die Qualitäten ihres Partners immer noch schätzt und deshalb auch keinen Ersatz, sondern für weitere Gelegenheiten Ergänzungen sucht. Wer das nicht verwerflich findet, ahnt zumindest das Konfliktpotential in der Sache. Nein, es ist nicht einfach. Es erfordert viel ehrliche Kommunikation und Selbstreflektion - eine Investition in persönlicher Entwicklung, die sich besser auszahlt als jeder Überlebenskurs im Teutoburger Wald.
So eine Form habe ich lange gesucht und bin dabei auf die unterschiedlichsten Menschen gestoßen. Die einen in ihrem Bestreben wahrhaftig, die anderen unglaubwürdig, weil es sich im Nachhinein doch nur als die Überganghgsphase weg von Frau/Mann plus Kind(er) hin zum neuen Subjekt der Begierde entpuppte. Auf dem Weg waren weder bisherige noch neue Partner für die nie gleichwertig, die Polyamorie mit Promiskuität verwechseln. Andere wiederum legen sich generell nicht gerne fest und reagieren unverbindlich zweideutig auf alles, was Verbindlichkeit sucht. Und da wären wir wieder beim romantischen Konstrukt der Verbindlichkeit, der Schwüre ewiger Liebe, the one and only. Nein, Verbindlichkeit hat nichts damit zu tun, dass es nur eine Person in meinem Leben gibt. Verbindlichkeit ist die Art, wie ich was sage und in Folge mache. Verbindlichkeit ist, ein Treffen auszumachen und das Zustandekommen nicht kurz vorher nochmal telefonisch bestätigen zu müssen. Ich kann eine Dienstleistung unverbindlich in Anspruch nehmen - schließlich bin ich zu nichts verpflichtet - oder mich verbindlich dem jeweiligen Fachpersonal anvertrauen.
Verbindlich bezieht sich auf die Sprache, die ich spreche. Es ist die Klarheit, in der ich kommuniziere und Missverständnisse möglichst minimiere (ja komplizierte Sachverhalte sind manchmal schwierig klar zu formulieren). Unverbindliche meinen es meist nicht so, wie es verstanden wurde, wenn sich daraus ein persönlicher Nachteil oder eine Unannehmlichkeit ergeben könnte. Will ich mich auf mehrere Personen verbindlich einlassen, bedarf das eines gewissen Aufwands, da sich keiner der Beteiligten zurückgesetzt fühlen sollte. Das wäre nicht nur unverbindlich, sondern vor allem ungerecht und das Konstrukt des Vielliebens damit obsolet. Wahrscheinlich ist es so, dass mit einem Partner im direkten Vergleich mehr Zeit verbracht wird. Der Unterschied liegt in der Qualität der Begegnung, nicht der Quantität. Gleichwertigkeit meint die von mir erbrachte Intensität. Es bedeutet, dass ich eine Person nicht für das liebe, was sie mir entgegenbringt, sondern für das, was sie ist. Das lasse ich jetzt mal so stehen. An dieser Stelle folgt meistens die Frage: ja geht denn sowas überhaupt in der Praxis? Ich denke ja, weil ich es bereits bei anderen beobachtet habe. Möglicherweise kann ich bald aus eigener Erfahrung berichten. Bis es soweit ist, erzähle ich nächstes Mal noch ein bisschen über weitere Neigungen, die mir auf meiner Suche so begegnet sind.
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Donnerstag, 24. Februar 2022
Freedom
frau klugscheisser, 14:14h
Living alone as a woman is not just a luxury but a refusal to bend into the shape of patriarchal assumption and expectation.
Helena Fitzgerald schreibt im verlinkten Artikel über's Alleinsein. Fast mein ganzes Leben lang fühlte ich mich seltsam unvollständig. Nicht nur weil ich allein lebte, sondern vor allem, weil ich es als Frau tat. Da war die Großtante, die sich nach Verwitwung und gescheiterter, kinderloser Ehe ein schönes Leben machte. Hat sich die Gebärmutter entfernen lassen, damit sie ihren Spaß haben kann, so die Meinung in der Familie. Die mitschwingende Verachtung habe selbst ich als Kind begriffen. Da war die geliebte Oma, die nach dem Krieg den gefallenen Mann betrauerte und offiziell nie wieder liiert war. Die Bilder in der alten Kiste und die Trauer um die durch die Krebsoperation verlorene Brust sprachen für sich. Kurzum ich lernte als Kind, dass man als Frau allein entweder bedauernswert oder aber verrucht wäre. Inzwischen habe ich mich damit versöhnt, dass meine Lebensweise für die Gesellschaft - immer noch - suspekt zu sein scheint.
"Women who live alone are objects of fear or pity, witches in the forest or Cathy comics. Even the current cultural popularity of female friendship still speaks to how unwilling we all are to accept women without a social framework; a woman who's "alone" is a woman who's having brunch with a bunch of other women. When a woman is truly alone, it is the result of a crisis - she is grieving, has lost something, is a problem to be fixed."
Was sich die Leute eben so unter einer alleinlebenden Frau vorstellen. Ich gebe zu, meine Dreissiger verbrachte ich mit der Vorstellung, wieviel besser es die hätten, die in einer Gemeinschaft oder Beziehung wohnten. Die Sache mit dem grüneren Gras verstand ich nicht, weil ich von klein auf ungewollt und ungewöhnlich viel Zeit alleine verbrachte. Als ich meiner besten Freundin erklärte, wie sehr ich sie um Beziehung und Familie beneidete und wie wenig Grund sie deshalb für ihre depressive Verstimmtheit hätte, war die Freundschaft endgültig am Limit. Ihre Perspektive war mir so fremd wie die eines Marsianers. Nichts hätte ich damals lieber gehabt als eine Beziehung, womit gleichzeitig all meine Probleme gelöst gewesen wären, so zumindest meine Vorstellung.
"The idea that we progress in a clear trajectory from single unit to couple form, and achieve a sort of emotional success by doing so, seems wrong to me. Love is about what we give up when choosing to knit our life against someone else's - to make a home in the shared bed, and enjoy the small talk between bodies within the inhabited space. A paired life is not an aspirational state, but a compromised one. Loneliness is not the terror we escape; it is instead the reward we give up when we believe something else to be worth the sacrifice."
Vor einigen Jahren dämmerte in mir nicht nur die Erkenntnis, dass eine Beziehung für mich inzwischen weniger erstrebenswert wäre als allein zu leben, sondern vor allem jene vom eigentlichen Zweck der Vermehrung und Aufzucht der Brut konträren Formen von Zusammensein. Plötzlich schienen mir sehr viel mehr Formen von Beziehung als die gesellschaftlich anerkannte möglich. Ob mono- oder polygam, ob reine Freundschaften oder Zweckverbindungen, wer ausser mir selbst kann bestimmen, wie ich leben will? So lange weder Involvierte noch ich selbst dabei zu Schaden kommen, darf alles sein. Dass es nicht einfach sein würde, war mir schnell klar.
"Loving someone else, and joining our life with theirs, asks us to sit down with the brutal facts of ourselves, to sift finely between what is true and what we wish were true, in order to understand what we need and what we can offer."
Loslassen wollte ich lernen, weil ich mein Glück nicht mehr von einer Person abhängig machen wollte. Weil ich nicht mehr an die Monogamie glaubte aber für Polygamie zu unsicher war. Da kam einer, mit dem ich sehr viel tollen Sex hatte, der sich auch für meine Person interessierte, sich aber nicht verbinden ließ. Unverbindlichkeit, so verpönt in der Gesellschaft. Ja, ja, diese Männer, die sich nur die Rosinen rauspicken und beim kleinsten Problem verduften. Solche Sprüche hörte ich meist von weiblicher Seite. Zwischen den Zeilen schwingt Bitterkeit mit, wenn sie sich der Verpflichtungen von Kind und Haushalt alleine ausgesetzt sehen, während die Erzeuger an ihren Karrieren basteln und die Wochenenden lieber mit anderen 'Jungs' verbringen. Zwingt die Biologie Frauen etwa dazu, verbindlich zu sein?
Er hat übrigens jedes meiner Probleme mit mir besprochen, nur nicht immer zu meinem gewählten Zeitpunkt. Und mir stellte sich die Frage, ob ich lieber einen Hund hätte, der jederzeit auf Zuruf reagiert, als einen anderen Menschen mit eigenem Willen. Ich kann mir auch die Rosinen rauspicken, denn obwohl ich inzwischen in einem Alter bin, in dem der körperliche Abbau mit natürlichen Mitteln nicht mehr zu vertuschen ist, scheint innere Unabhängigkeit einen unwiderstehlichen Reiz auf andere auszuüben. Bevor ich aber bald noch mehr über meine persönlichen Befreiungsschläge verrate, lasse ich die Dame in meinem Namen das Schlusswort sprechen:
Ain't nothing more dangerous than a woman that is okay being alone (Ton an!)
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Mittwoch, 23. Februar 2022
All Eyes on Us
frau klugscheisser, 16:01h
Sehr verehrte Menschen, die sich mittels eines Flugzeugs von einem Ort zum nächsten transportieren lassen, wenn wir Ihnen raten, zum jetzigen Zeitpunkt die Toiletten nicht aufzusuchen, sich stattdessen anzuschnallen und den Gurt festzuziehen, dann gibt es dafür einen Grund. Meistens haben die Piloten nämlich auf dem Radar eine hässliche rote Fläche von unbestimmtem Ausmaß direkt auf der berechneten Flugroute geortet. Diese Fläche induziert in ihrer Farbigkeit eine Verdichtung bestimmter Partikel wie es beispielsweise bei Wolken der Fall ist. Sie kennen das von den Coronainzidenzkarten. Dort wo es am dunkelsten ist, möchte man gerade jetzt nicht sein, ist es aber im Falle von kerosinturbinengetriebenen Reisen ziemlich schnell. So schnell, dass der Pilot unter Umständen nicht mal mehr die aus zwei Buchstaben bestehenden Flugzeugkennung an den am Boden befindlichen Lotsen melden kann bevor es scheppert.
Stellen Sie sich das in etwa so vor: im Verkehrsfunk wird Stau auf Ihrer Strecke gemeldet, während Sie vor sich noch freie Bahn sehen. Das Stauende kündigt sich nicht immer durch Vorbremsende langsam an, es könnte ganz unvermittelt hinter einer Biegung liegen. Und dann hat auch der Bremsautomat schlechte Karten. Haben Sie schon mal Wind gesehen, ohne Bäume oder andere Gegenstände, die sich bewegen? So ähnlich sieht es aus, wenn Sie aus dem Flugzeugfenster starren. Sie sehen nichts. Dafür spüren Sie plötzlich sehr viel. Beispielsweise könnten Sie die Taschen, Hunde, Kinder oder andere lose Mitreisende spüren, die Sie beim freien Fall streifen. Und glauben Sie mir, dass Sie sich dann nicht einfach mal eben festhalten können. Die Wucht, mit der ein Flieger durch unterschiedliche Luftdruckschichten geschleudert wird, kann maximal mit einem großen Tanker verglichen werden, der durch hohen Seegang schlingert. Dieser Worst Case muss nicht eintreffen, falls er es jedoch tut, sind wir froh, alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben.
Wenn wir Sie also bitten, sich zu setzen und anzuschnallen, tun wir dies selbstverständlich ebenfalls. Wir können Sie nicht dazu zwingen, werden aber in weiser Voraussicht selber nicht mehr aufstehen, um Ihnen ein Kissen, ein Getränk oder irgendwas anderes zu bringen. Wenn Sie also meinen, uns anschreien und als unverschämt bezeichnen zu müssen, weil wir gerne mit heilen Knochen heimkehren, ist das nicht nur unangebracht, sondern vor allem höchst bedenklich. Dann kann es Ihnen durchaus passieren, dass später die Chefin höchstpersönlich vor Ihnen steht und Ihnen erklärt, dass Ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. Diese Konsequenzen ergeben sich aus dem Kleingedruckten, dem Sie beim Kauf Ihres Tickets zustimmten und bestehen aus Mahnungen bis hin zum Ausschluss von zukünftigen Flügen. Sollten Sie das begriffen haben, wird Ihnen die Chefin diese Konsequenzen möglicherweise erlassen. Was Sie Ihnen allerdings nicht erlässt, ist eine persönliche Entschuldigung bei der betreffenden Mitarbeiterin, gegenüber derer Sie Ihre Stimme erhoben haben. Bei der letzten Begebenheit hat mein Appell an den letzten Funken menschlichen Anstands jedenfalls gewirkt. Das Ehrgefühl der Kollegin wurde durch eine Entschuldigung des betreffenden Passagiers wiederhergestellt.
Stellen Sie sich das in etwa so vor: im Verkehrsfunk wird Stau auf Ihrer Strecke gemeldet, während Sie vor sich noch freie Bahn sehen. Das Stauende kündigt sich nicht immer durch Vorbremsende langsam an, es könnte ganz unvermittelt hinter einer Biegung liegen. Und dann hat auch der Bremsautomat schlechte Karten. Haben Sie schon mal Wind gesehen, ohne Bäume oder andere Gegenstände, die sich bewegen? So ähnlich sieht es aus, wenn Sie aus dem Flugzeugfenster starren. Sie sehen nichts. Dafür spüren Sie plötzlich sehr viel. Beispielsweise könnten Sie die Taschen, Hunde, Kinder oder andere lose Mitreisende spüren, die Sie beim freien Fall streifen. Und glauben Sie mir, dass Sie sich dann nicht einfach mal eben festhalten können. Die Wucht, mit der ein Flieger durch unterschiedliche Luftdruckschichten geschleudert wird, kann maximal mit einem großen Tanker verglichen werden, der durch hohen Seegang schlingert. Dieser Worst Case muss nicht eintreffen, falls er es jedoch tut, sind wir froh, alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben.
Wenn wir Sie also bitten, sich zu setzen und anzuschnallen, tun wir dies selbstverständlich ebenfalls. Wir können Sie nicht dazu zwingen, werden aber in weiser Voraussicht selber nicht mehr aufstehen, um Ihnen ein Kissen, ein Getränk oder irgendwas anderes zu bringen. Wenn Sie also meinen, uns anschreien und als unverschämt bezeichnen zu müssen, weil wir gerne mit heilen Knochen heimkehren, ist das nicht nur unangebracht, sondern vor allem höchst bedenklich. Dann kann es Ihnen durchaus passieren, dass später die Chefin höchstpersönlich vor Ihnen steht und Ihnen erklärt, dass Ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. Diese Konsequenzen ergeben sich aus dem Kleingedruckten, dem Sie beim Kauf Ihres Tickets zustimmten und bestehen aus Mahnungen bis hin zum Ausschluss von zukünftigen Flügen. Sollten Sie das begriffen haben, wird Ihnen die Chefin diese Konsequenzen möglicherweise erlassen. Was Sie Ihnen allerdings nicht erlässt, ist eine persönliche Entschuldigung bei der betreffenden Mitarbeiterin, gegenüber derer Sie Ihre Stimme erhoben haben. Bei der letzten Begebenheit hat mein Appell an den letzten Funken menschlichen Anstands jedenfalls gewirkt. Das Ehrgefühl der Kollegin wurde durch eine Entschuldigung des betreffenden Passagiers wiederhergestellt.
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Dienstag, 22. Februar 2022
Two Thousand Years
frau klugscheisser, 23:22h

Dieses Datum, diese Uhrzeit. Vor allem heute.
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frau klugscheisser, 10:21h
Die letzte große Feier liegt neun Jahre zurück. Ich erinnere mich noch ganz genau an das Treppenhaus in Salzburg, das WG Zimmer und die Küche, in der sich am Ende jede Party einfindet. Du wohntest hier, weil Du in der Stadt eine neue Stelle angetreten hattest. An jenem Abend war ich, wie immer, mit Abstand die Älteste, und insgeheim hatte ich in den Tagen bis zu diesem Geburtstag oft die Jahre überschlagen, die uns trennten. 14 Jahre, in denen ich mengenmäßig vielleicht mehr und vor allem andere Erfahrungen als Du gemacht hatte. Du hast mich immer ganz selbstverständlich akzeptiert und in Deinen Bekanntenkreis integriert. Ich hingegen schluckte an dem Abend schwer an der Alterskröte. Zum ersten Mal hatte ich bei Deiner Geburt nachgerechnet, später immer an den Geburtstagen. Wie alt würde ich sein, wenn Du in die Schule kommst, wenn Du volljährig wirst oder zu arbeiten beginnst? Dazwischen verging die Zeit. Das Ereignis war ganz leise herangeschlichen und hatte mich rücklings überwältigt. Du warst jetzt 30. Und ich?
Da gab es all diese Vorstellungen in meinem Kopf, wie mein Leben aussehen würde, wenn Du 30 wärst. Vielleicht hätte ich eine Familie aber ganz bestimmt eine Partnerschaft, eine größere Wohnung, einen tollen Job, kurzum all das, was man gemeinhin als gesicherte Verhältnisse bezeichnet. Ich hätte Dir gerne Ratschläge gegeben - schließlich macht man das so als ältere Schwester. Nun waren aber meine Verhältnisse alles andere als gesichert und ich nicht in der Position, die man als vorbildhaft beschreiben würde. Im Gegensatz dazu hattest Du die beständigeren Beziehungen, den besseren Job und Träume, die Du mit allen Dir gegebenen Möglichkeiten umsetztest. Sogar die Vernunft war auf Deiner Seite, während in meiner Tasche eine Schachtel Zigaretten steckte, die ich nach langer Abstinenz an diesem Abend zu rauchen plante. Wenn ich mich schon schlecht fühlte, dann wenigstens so richtig.
Obwohl ich mich nie wirklich auf konventionellen Pfaden bewegte, ließen mich gesellschaftliche Konventionen immer wieder über meine eigenen Füße stolpern. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis ich begriff, dass diese Dinge, die ich zu wollen glaubte, nicht aus meinen Bedürfnissen entsprangen. So verbrachte ich viel Zeit mit Selbstsabotage. Du wirst Dich gerade fragen, wieso ich so viel von mir schreibe, wo heute doch Dein Tag ist. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass wir die Welt und die Menschen darin immer in Bezug auf uns selbst begreifen.
Du warst so oft geduldig mit mir, hast mir am Telefon zugehört und in den dunklen Tagen die Kommunikation nie abreissen lassen. In Deiner Güte hast Du mir immer eine Hand gereicht und mich wissen lassen, dass Deine Türe für mich offen steht. Wir waren nicht immer einer Meinung aber immer wohlwollend gegenüber einander. Und das, meine Liebe, werde ich von Dir immer im Herzen tragen. Lass mich Dir im Gegenzug nur eines weitergeben - ja, jetzt kommt die große Schwester zum Zug. Mit Beständigkeit und etwas Glück treibt alles im Leben in eine Richtung, die wir am Ausgangspunkt nicht für möglich gehalten hätten. Der Schlüssel dazu liegt in uns selbst, denn nicht nur die Umstände, sondern zuallererst verändern wir uns ständig. Ich schreibe Dir das heute, weil der bevorstehende Eintritt in eine neue Dekade oft ein mulmiges Gefühl in uns auslöst - vor allem im letzten Jahr der alten. Das Unbekannte macht uns Angst. Vielleicht ist es aber nur die Angst vor unseren eigenen Meinungen und Gedanken. Und wenn Du an unserem Beispiel zurückschaust, ist dieses Älterwerden vielleicht gar nicht so schlimm.
An jenem Abend hatte ich zu Deinem runden Geburtstag eine kleine Rede gehalten, von der ich heute nichts mehr weiß. Im Vorfeld wolltest Du mich davon abbringen, aus Angst, es könnte peinlich werden. Ich weiß nur noch, dass ich vorher fürchterlich viel getrunken, geraucht, mich hinterher in's Waschbecken übergeben habe und dann in Deinem Bett eingeschlafen bin, während die Party um mich herum weiterlief. Das war dann der eigentlich peinliche Part. Die Rede aber fanden alle sehr schön. Im Grunde ist nichts so schlimm wie in unserer Vorstellung. Nicht einmal Geburtstagsreden.
Da gab es all diese Vorstellungen in meinem Kopf, wie mein Leben aussehen würde, wenn Du 30 wärst. Vielleicht hätte ich eine Familie aber ganz bestimmt eine Partnerschaft, eine größere Wohnung, einen tollen Job, kurzum all das, was man gemeinhin als gesicherte Verhältnisse bezeichnet. Ich hätte Dir gerne Ratschläge gegeben - schließlich macht man das so als ältere Schwester. Nun waren aber meine Verhältnisse alles andere als gesichert und ich nicht in der Position, die man als vorbildhaft beschreiben würde. Im Gegensatz dazu hattest Du die beständigeren Beziehungen, den besseren Job und Träume, die Du mit allen Dir gegebenen Möglichkeiten umsetztest. Sogar die Vernunft war auf Deiner Seite, während in meiner Tasche eine Schachtel Zigaretten steckte, die ich nach langer Abstinenz an diesem Abend zu rauchen plante. Wenn ich mich schon schlecht fühlte, dann wenigstens so richtig.
Obwohl ich mich nie wirklich auf konventionellen Pfaden bewegte, ließen mich gesellschaftliche Konventionen immer wieder über meine eigenen Füße stolpern. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis ich begriff, dass diese Dinge, die ich zu wollen glaubte, nicht aus meinen Bedürfnissen entsprangen. So verbrachte ich viel Zeit mit Selbstsabotage. Du wirst Dich gerade fragen, wieso ich so viel von mir schreibe, wo heute doch Dein Tag ist. Zu meiner Verteidigung kann ich nur anbringen, dass wir die Welt und die Menschen darin immer in Bezug auf uns selbst begreifen.
Du warst so oft geduldig mit mir, hast mir am Telefon zugehört und in den dunklen Tagen die Kommunikation nie abreissen lassen. In Deiner Güte hast Du mir immer eine Hand gereicht und mich wissen lassen, dass Deine Türe für mich offen steht. Wir waren nicht immer einer Meinung aber immer wohlwollend gegenüber einander. Und das, meine Liebe, werde ich von Dir immer im Herzen tragen. Lass mich Dir im Gegenzug nur eines weitergeben - ja, jetzt kommt die große Schwester zum Zug. Mit Beständigkeit und etwas Glück treibt alles im Leben in eine Richtung, die wir am Ausgangspunkt nicht für möglich gehalten hätten. Der Schlüssel dazu liegt in uns selbst, denn nicht nur die Umstände, sondern zuallererst verändern wir uns ständig. Ich schreibe Dir das heute, weil der bevorstehende Eintritt in eine neue Dekade oft ein mulmiges Gefühl in uns auslöst - vor allem im letzten Jahr der alten. Das Unbekannte macht uns Angst. Vielleicht ist es aber nur die Angst vor unseren eigenen Meinungen und Gedanken. Und wenn Du an unserem Beispiel zurückschaust, ist dieses Älterwerden vielleicht gar nicht so schlimm.
An jenem Abend hatte ich zu Deinem runden Geburtstag eine kleine Rede gehalten, von der ich heute nichts mehr weiß. Im Vorfeld wolltest Du mich davon abbringen, aus Angst, es könnte peinlich werden. Ich weiß nur noch, dass ich vorher fürchterlich viel getrunken, geraucht, mich hinterher in's Waschbecken übergeben habe und dann in Deinem Bett eingeschlafen bin, während die Party um mich herum weiterlief. Das war dann der eigentlich peinliche Part. Die Rede aber fanden alle sehr schön. Im Grunde ist nichts so schlimm wie in unserer Vorstellung. Nicht einmal Geburtstagsreden.
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Dienstag, 15. Februar 2022
Ladies in Their Sensitivities
frau klugscheisser, 20:09h
Wenn er mit wirklich schlechtem Nachtschlaf anfängt, hat der Tag schon zu Beginn verloren. Dann sind die Nachbarn zu laut, das Essen zu heiß, das Wetter zu trübe und die eigene Laune im Keller. Dabei ist von aussen betrachtet alles wie immer. Die Nachbarn sind lebendig, das Essen schneller warm al erwartet, das Wetter macht eine Pause und meiner Laune ist das alles herzlich egal. Was ist dann anders als sonst?
Ich reagiere extrem empfindlich auf Reize aus meinem Umfeld. Handlungen anderer Leute beziehe ich viel zu schnell und ohne triftige Gründe auf mich. Überhaupt scheint mein sogenanntes Erregungspotential erhöht - oder die Auslöseschwelle für eine irrationale Reaktion viel zu niedrig. Ich bin äusserst unruhig und in mir nicht daheim. Und das fühlt sich sehr unangenehm an. Früher hätte ich in so einem Zustand geraucht oder getrunken oder beides. Heute vermeide ich diese Art Ablenkungsmanöver. Naja, nicht ganz, an solchen Tagen surfe ich völlig unreguliert im Netz, ohne mich auf längere Texte konzentrieren zu können.
Klar, Hormone. Andererseits sind Hormone nicht nur zu bestimmten Zeiten am Werk, sondern eigentlich immer. Mit dem Unterschied, dass ich dünnhäutiger bin als sonst. Die gute Seite drin finden, sich akzeptieren, umdeuten, ach lasst mich doch alle in Ruhe mit dem Scheiß. Ich geh' jetzt springen. Morgen manifestiert sich meine schlechte Laune an der entzündeten Achillessehne und ich habe wenigstens einen Grund dafür.
Ich reagiere extrem empfindlich auf Reize aus meinem Umfeld. Handlungen anderer Leute beziehe ich viel zu schnell und ohne triftige Gründe auf mich. Überhaupt scheint mein sogenanntes Erregungspotential erhöht - oder die Auslöseschwelle für eine irrationale Reaktion viel zu niedrig. Ich bin äusserst unruhig und in mir nicht daheim. Und das fühlt sich sehr unangenehm an. Früher hätte ich in so einem Zustand geraucht oder getrunken oder beides. Heute vermeide ich diese Art Ablenkungsmanöver. Naja, nicht ganz, an solchen Tagen surfe ich völlig unreguliert im Netz, ohne mich auf längere Texte konzentrieren zu können.
Klar, Hormone. Andererseits sind Hormone nicht nur zu bestimmten Zeiten am Werk, sondern eigentlich immer. Mit dem Unterschied, dass ich dünnhäutiger bin als sonst. Die gute Seite drin finden, sich akzeptieren, umdeuten, ach lasst mich doch alle in Ruhe mit dem Scheiß. Ich geh' jetzt springen. Morgen manifestiert sich meine schlechte Laune an der entzündeten Achillessehne und ich habe wenigstens einen Grund dafür.
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Mittwoch, 2. Februar 2022
02.02.2022
frau klugscheisser, 23:07h
Für so ein schönes Datum braucht's einen Platzhalter hier. Der nächste Eintrag folgt in 20 Tagen.
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Freitag, 28. Januar 2022
Soul Chemistry
frau klugscheisser, 13:37h

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, steht in der Bibel, und obwohl ich die generell für eine nette Geschichtensammlung halte, steht manchmal auch Wahres drin, wie dieser Satz beispielsweise. Folglich habe ich mich aufgemacht, um trotz all der Omikronwirren mal wieder jemanden in echt zu treffen. Ich meine hey, steht doch sogar in der Bibel!
Der junge Mann hatte auch sofort einen Vorschlag, wo man sich begegnen könnte - eine mir unbekannte Bar mit dem Namen Call Soul. Als fachfremde Person fiel es mir schwer, den Namen mit irgendwas aus der Chemie zu assoziieren - vielleicht kann Frau Brüllen da etwas Licht ins Dunkel bringen. Jedenfalls ging's in der Getränkekarte und auch sonst viel um's Periodensystem. Der obige Cocktail wurde beispielsweise durch special effects Blubber inklusive Dampf aus dem Laborglas (wie heißen die Dinger richtig?) aufgemotzt. Das soll aber nicht das eigentliche Thema sein, denn verwirrender war das, was mir vor der Türe passierte.
Die Impfnachweiskontrolle war schon auf der Heimseite angekündigt, weshalb ich keinen Verdacht schöpfte, als mich ein vor der Treppe zum Eingang telefonierender Herr mit ausgestreckter Hand zu warten anwies. Ich wartete und wunderte mich ob der Unfreundlichkeit. Und dann noch im Dienst privat telefonieren. Als er mich schließlich nach Impfzertifikat und Ausweis fragte, zeigte ich beides vor und wunderte mich erneut, als der junge Mann mein Geburtsdatum betonte. Sodann gab er die Treppe zum Kellereingang frei, jedoch nicht ohne mich darauf hinzuweisen, dass ich mein Zertifikat drinnen noch einmal zu zeigen hatte.
Ja, der junge Mann hatte mich veräppelt, war nur Gast und probierte das aus, was - so erfuhr ich später - die neueste Masche zur Anmache ist. Ich vermute mal es war mein Alter, das ihn die Sache doch recht zügig aufklären ließ. Auf meinen Protest hin lud er mich ein, bei seinen Freunden Platz zu nehmen. Auf mich wartete allerdings weitaus angenehmere Gesellschaft, weshalb ich die Episode schlicht als Kompliment für mein Aussehen mit anschließender Verzweiflungsgeste verstand. In Dunkelheit und mit Kapuze + Maske gehe ich aber sicher noch für Mitte Zwanzig durch. Qed.
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