Sonntag, 1. Oktober 2006
Everything is alright on a Saturday night
Samstagabends 17.00. Ich habe noch nichts vor. Oh mein Gott, ICH HABE NICHTS VOR!. An einem Samstag, wo alle Welt unterwegs ist. Pärchen schlendern heute demonstrativ Schaufenster von Einrichtungsläden ab, heimeln vor dem Fernseher oder treffen andere Pärchen. Der Rest nennt sich Singles und beginnt um diese Uhrzeit langsam zu hyperventilieren. Jedenfalls solche ohne konkrete Abendgestaltung. Das ist wie am Ende des Jahres. Die Hyperventilationsphase beginnt um den 30. November und mündet am 30. Dezember in Resignation. Wer da noch keine Pläne für Silvester hat, bleibt trotzig daheim. Ist ja auch schön, so ein ruhiges Silvester, so ohne Feuerwerk, Gesellschaftsspiele und das ganze Brimborium. Der erste Vorsatz fürs neue Jahr lautet dann, sich rechtzeitig um die nächste Silvesterparty zu kümmern.

Samstage sind kostbar. Es gibt nur 52 davon im Jahr. 52 Chancen auf einen Lebensrestbegleiter oder einen Fickpartner, je nachdem. Und was suche ich? Je nachdem. Vor allem aber nette Gesellschaft. Nicht dass ich meine eigene nicht schätzen würde. Auf Dauer wird die aber langweilig. Samstag also. Und nun?

17.30 Da war doch dieser Typ, der mir mal seine Telefonnummer aus einem ganz anderen Grund gegeben hat. Ich könnte doch mal nachfragen, ob der schon was vor hat. Geht nicht, weil ich von dem ja überhaupt nichts weiß. Nicht mal, ob er Männer oder Frauen bevorzugt. Egal, schließlich will ich mich nur nett mit ihm unterhalten. 17.31 Erst mal Wäsche aufhängen. Telefonieren kann ich hinterher immer noch. 17.38 Die Wäsche hängt. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt. Wenn ich jetzt anrufe und der hat eine Freundin, kann ich ihm nie wieder ins Gesicht sehen, ohne meines zu verlieren. Der denkt doch bestimmt, ich will ihn angraben. Will ich auch. Das soll er aber nur denken, wenn er keine Freundin hat. Erst mal eine Runde Solitär spielen. Wenn ich löse, rufe ich an. 17.45 Gelöst. Der hat bestimmt schon was vor. Nur langweilige Leute haben samstags noch nichts vor. Wenn ich jetzt anrufe, denkt er, ich wäre langweilig. Das will ich nicht. 17.50 Ich könnte ihm erst mal eine SMS schicken. Ist viel unverbindlicher als telefonieren. Ich gebe den Text ein. Soll ich jetzt senden? Ich frag mal Frau Solitär. Wenn ich löse, schicke ich ab. SMS als Entwurf gespeichert 17.55 Nicht gelöst. Ist auch besser so. Der hat ganz bestimmt eine Freundin. Oder einen Freund. Wenn ich nicht endlich mal nachfrage, werd ichs nie erfahren. Erst mal eine Zigarette rauchen. 18.01 Zigarette geraucht. Irgendwo mal gehört, man sollte jeden Tag was tun, wovor man sich fürchtet. Das wäre DIE Gelegenheit. Mal drüber nachdenken. 18.20 Nachgedacht. Spruch klingt gut. SMS immer noch in den Entwürfen. Alles Kinderkacke. Bin ich 15 oder was? Der Knopf ist gedrückt. Na also, geht doch. Huch, die SMS ist weg. Gesendet. Mist. Mistmistmist. 18.21 Das Handy piept. Die Nachricht wurde empfangen. Mistmistmist. 18.30 So langsam könnte er sie gelesen haben. Wie wär´s mit einer Reaktion? Der wundert sich sicher erst mal. Was soll er auch schreiben, während er mit seiner Freundin auf der Couch sitzt. Hoffentlich sitzen sie noch auf der Couch. Klar, ist doch viel zu früh fürs Bett. 18.51 Man kann innerhalb von 20 Minuten etwa dreissig Mal sein Handy checken oder man kann etwas sinnvolles tun. Beides beschleunigt nicht zwingend den Reaktionsprozess der kontaktierten Person. Das weiß ich inzwischen aus Erfahrung. 19.05 Der meldet sich nicht. Der meldet sich nicht mehr. So, jetzt hab ich den Salat. Kann den Abend damit verbringen, mir eine Ausrede für das nächste Zusammentreffen zu überlegen. Vielleicht überlegt er noch. Männer brauchen da bekanntlich etwas länger. 19.20 Oh Gott, hoffentlich meldet er sich heute nicht mehr. Ich bräuchte mindestens zwei Stunden zum waschen und legen. Und dann wäre da noch die Kleiderfrage. 19.30 Ich hab´s! Ich sage einfach, ich wollte mit ihm über eine Idee sprechen. Die Idee ist zwar schon zwei Wochen alt, das weiß er aber nicht. Eigentlich will ich immer noch mit ihm über die Idee sprechen. Heute Abend wird daraus wohl nichts mehr. 19.52 Mist, die letzten zwanzig Minuten vergessen, das Handy zu checken. Wenn er jetzt geschrieben hat... 20.01 Ich nehme mir fest vor, mich nicht für die SMS zu schämen. Da steh ich doch drüber. No risk, no fun. Die M. hat auch gesagt, ich solle dranbleiben. Und der A. meinte kürzlich, ob schwul oder nicht ließe sich rausfinden und wenn nicht ich, wer dann. Ha! Mir doch egal, was der von mir denkt. Ich war jedenfalls mutig. 20.14 Was denkt der eigentlich, wer er ist? Sowas unhöfliches ist mir schon lange nicht mehr untergekommen. Einfach nicht reagieren. Man kann es sich auch leicht machen. Solche Typen können mir gestohlen bleiben. Aber sowas von. 20.35 Wenn er bis in fünf Minuten nicht geantwortet hat, ist er für mich gestorben. 20.40 Ich gebe ihm noch zehn Minuten. 20.51 Ich bin einfach nicht sein Typ. Genau das wirds sein. Kein Wunder mit DEM Hintern. Oder er ist doch schwul. Oder liiert. Hallo, kann mal einer diese Endlosschleife abschalten? 21.10 Aus heute Abend wird nichts mehr. Aus mir auch nicht. Ich geh ins Bett und träume mir das zusammen, was ich mit ihm gemacht hätte. Wenn nur alles im Leben so einfach wäre.

So lässt sich ein Samstagabend durchaus spannend gestalten. Spannender jedenfalls als Fernseh- oder Kneipenunterhaltung. Ist auch viel gemütlicher mit einer Flasche Wein daheim. Und dieses Jahr hat noch 13 Samstage. Apropos, was mache ich nur nächsten Samstag?

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