Mittwoch, 28. Juni 2006
Sinne der Seele


Rauschen der Stille in ruhenden Ohren
Geräusche der Leere, fast nicht zu ertragen
im Antlitz von Wissen erstummen Gedanken
klanglose Laute als das, was sie sollen
Hüllen zu füllen mit Ahnen und Sehnen
nur dadurch zu Ausdruck verwandelt.

Schauer der Haut, nur selten berührt
suchendes Tasten im Leerraum des Herzens
Kerker der Triebe vom Fürchten ummauert
Begegnende zucken zurück vor den Strichen
sind blind mit den Händen, berühren nicht Täler
und Furchen vom Wasser gegraben.

Blendendes Dunkel der Nacht hinter Lidern
kein Lichtstrahl aus Sonne dringt durch sie hindurch
zielloses Wanken bald schwindelnd im Raume,
der höher und weiter als jemals gesehen
Balance findend mit weiten Armen
sich dem Universum entgegenzustrecken.

Stinkender Unrat belagert Erinn´rung
der quälend und schwer den Brustkorb zerquetscht
Manch einer will sie verleugnen zu kennen
Verweigerte Schmerzen das Dasein vergiften
begräbt seine Wunden und gibt ihnen Macht zu
rumoren im Bauch und im Traum.


Text © 09.04/05.06
Foto © gaga

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Resemblance oder wer kennt den Film?
Letztens diese Sith-Episode von Star Wars auf HBO gesehen. Und dann diese unsägliche Szene:

Anakin im Kampf gegen Obi Wan. Drumrum bricht alles zusammen, lavaähnlicher Universumstoff bricht aus, fließt glühend in der Gegend rum und verschluckt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Höchste Eisenbahn, dass mal einer von beiden den vernünftigen Vorschlag bringt, die Ärsche in irgendwelche Flugobjekte zu schwingen und den Rückkampf zu verschieben. Hat ja keiner was davon, wenn die sich den Hintern versengen, anstatt sich gegenseitig ordentlich zu zerlegen. Auf Eisenträgern rumbalancierend das Laserschwert zu schwingen ist aber nicht genug, nein, man verlegt das Gefecht auf Treibgut, damit bisschen Schwung in die Bude kommt. Vorher aber noch ordentlich auf so einem Stück Stahlträger rumgekraxelt. Und dann passiert´s. Die Kamera in der Totalen. Zwei Strichmännchen hängen an so einem großen Teil. Im Grunde sieht man nur zwei bewegte Laserschwerte gegen den dunklen Hintergrund leuchten. Kennt einer noch die Szene aus einem blöden alten Film, dessen Titel ich vergessen habe, wo zwei Typen mit Leuchtkondomen durch ein dunkles Zimmer rennen? Genau, zwei lächerlich schwingende Laserkondome im Kampf zwischen Gut und Böse. Nix für Ungut Herr Lucas aber das war dann selbst mir zuviel. May the force be with your prick.

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Montag, 26. Juni 2006
At the bottom of a glass
Wenn du wissen willst, was für ein Scheißtyp ich bin, kannst du das im Blog meiner Ex nachlesen.

Im Nachhinein verstanden. Zum einen, dass Gedanken in Blogs einfließen, die einen sehr beschäftigen und man keine Möglichkeit hat, sich mit der betreffenden Person auszutauschen. Zum anderen, dass es Menschen gibt, die so oberflächlich zu sein scheinen, dass Begegnungen keine Eindrücke hinterlassen. Eine Person wird ausgemerzt, die Begegnung verleugnet und Geschehnisse verdrängt. Das ist bequem und lässt sich auf alle Lebensbereiche ausdehnen. Falls es nicht funktioniert, hilft man einfach mit Alkohol nach. Erst ein paar Tage. Aus den Tagen werden Monate und schließlich Jahre. Irgendwann ist einem egal, wie man aussieht, ob man Akne im Gesicht hat oder nicht, ob man Begabungen brachliegen lässt oder Interessen nachgeht oder ob die Wohnung aufgeräumt ist oder nicht. Irgendwann vergisst man das alles einfach, weil man auch sonst Gedächtnislücken hat. Man muss nur genügend trinken. Ausserdem lebt es sich in der selbstgebastelten Illusion viel schöner als in der Realität. Wenn man nur lange genug trinkt, sieht man von der Illusion eine ganze Menge, mit Glück sogar Dinge, die nicht existieren. Aber was ist schon Wirklichkeit. Die lässt sich ja ganz individuell interpretieren.

Nur die Menschen um einen herum, die stören ein wenig dabei. Die kommen einem gefährlich nahe und erhaschen möglicherweise eine Blick hinter die Fassade. Dem muss man sich unter allen Umständen schnell genug entziehen. Die Anderen haben keine Ahnung. Man kommt ja mit sich alleine so gut klar und seit man trinkt noch viel besser. Immerhin koordiniert der Alkohol die Verbindung zwischen Sprachzentrum und Gedankenfluß hervorragend. Wer braucht schon Frauen, wenn es so tolle Pornos gibt? In echt sind die Frauen doch viel zu reell. Mit genügend Promille kann man sich sogar einbilden, die Hand am Schwanz wäre eine fremde. Überhaupt wird Sex überbewertet. Löffeln ist da viel ergiebiger und nicht so schweißtreibend. Wenn auch nichts anderes mehr geht, das geht immer.
Die wenigen Freunde, die man hat, haben entweder ein noch viel schwierigeres Leben als man selbst - da kann man sich hinterher wenigstens gut fühlen - oder man macht was mit denen. Stangensaufen ist so ein Spiel, das viel Spaß macht, wenn man 15 ist oder älter und gefühlsmäßig retardiert.

Der sitzenden Tätigkeit geht man aus Ermangelung an Alternativen schon seit zehn Jahren nach. Blöde Alternativen, bei anderen kommen die wie Werbeblättchenausträger vorbei. Bei einem selbst hat noch nie eine Alternative an der Türe geklingelt. Nicht schlimm, weil das Gehalt passt ja und die Kollegen größtenteils auch. Und wenn der Montag vor der Türe steht, kann man sonntags notfalls so lange trinken, bis man den Wochentag vergessen hat. Schlafen hat übrigens dieselbe Funktion. Man kann einfach länger schlafen und hat zwei Stunden länger seine Ruhe vor der Arbeit. Wer arbeitet schon gerne? So ist das eben. Da muss man sich mit abfinden. Nur mit dem allmorgendlichen Stau ist sich schwer abzufinden. Man sitzt Zeit im Auto ab, die man besser vor dem Bildschirm absitzen sollte. Dafür muss man abends länger bleiben. In dieser Zeit kann man aber seine Bloggeschichten schreiben. So hat die Firma sogar was Gutes. Wenn die nur nicht diesen blöden Filter eingebaut hätten.

Und wenn die komplette Sinnlosigkeit des eigenen Lebens mit voller Wucht zuschlägt, dann könnte man, nein, dann muss man erst recht trinken. Verdrängung ist, was uns am Leben hält. Kluger Satz, der in der Praxis gut funktioniert, zumindest in der eigenen. Oder man versetzt sich in die glücklichen Tage der Kindheit, als alles noch groß und schön zu sein schien. Nie erwachsen werden, das wäre die Lösung. Ob das jemals einer geschafft hat? Du wirst ganz bestimmt der Erste sein.

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Bücherweitwurf
Oder zehn Bücher, die ich nicht, bzw. nur teilweise gelesen habe und die seitdem im Regal vor sich hin stauben.

Don fragt, welche Titel das bei mir sind. Im Allgemeinen besitze ich nur Bücher, die ich mag. Alle anderen fliegen bei mir in regelmäßigen Abständen, spätestens jedoch beim nächsten Umzug, raus. Trotzdem gibt es ein paar, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu haben scheinen. Hier meine Liste:

1. Wolfgang Iser, der implizite Leser
Ein Buch, das ich 91 gekauft – zu einer Zeit, in der ich meine Bücher auf der ersten Seite noch mit Namen und Datum versah – und nur ausschnittweise gelesen habe. Hat mich damals interessiert. Weggelegt, weil zu viele Beispiele aus der Literatur angeführt wurden, die ich nicht kannte. Gehört eindeutig in die Kategorie wird gelesen, wenn ich mal viel Zeit und keinen neuen Stoff mehr habe.

2. Matt Ruff, Fool on the hill
Geschenk eines Freundes. Sprechende Hunde sind mir suspekt, es sei denn, sie tauchen in Kinderbüchern auf. Mag es nicht aussortieren, weil es ja trotzdem ganz nett sein könnte. Kategorie Bücher, die ich spätestens nach Lesen der Widmung zuklappe (das Verfallsdatum des geschriebenen Kusses war bereits kurz nach dem Geschenk abgelaufen).

3. Robert Kunzig, der unsichtbare Kontinent
Buch über die Erforschung der Weltmeere. Im ersten Kapitel sehr theoretisch, obwohl die Begründung der Jury für einen Wissenschaftspreis lautet: „dieses Buch eröffnet uns leidenschaftlich, überraschend und wissenschaftlich fundiert eine völlig neue Welt. Noch nie wurde so spannend von den Geheimnissen der Tiefsee erzählt“. Kategorie Bücher, die die Leidenschaft eines Neunzigjährigen nach erfolgreicher Lobotomie ausstrahlen.

4. William Boyd, Armadillo
Ich habe beim besten Willen keinen blassen Schimmer, warum ich dieses Buch nie gelesen habe. Gekauft, abgestellt, vergessen. Letzteres ist kaum vorstellbar, denn der giftgrüne Umschlag macht mir nach jedem Umzug das Einsortieren besonders schwer (ja, ich sortiere teilweise nach Farbe). Kategorie das wird ganz bestimmt meine nächste Lektüre nach dem neuen Hornby und dem neuen Irving und dem neuen Sedaris und dem neuen....

5. Réjean Ducharme, L´avalée des avalés
Must have nach dem Film „Leolo“, in dem daraus permanent zitiert wird. Letztes Exemplar bei Amazon Frankreich ergattert. Kategorie Bücher, die auf französisch unheimlich mysteriös erscheinen, weil man der Sprache nur unzureichend mächtig ist. Was uns zu

6. führt: Theophile Gautier, Récits fantastiques
In einer Zeit erworben, in der mein französisch noch besser war, ich aber lieber auf englisch gelesen habe. Das Umschlagbild zeigt den Schrei von Edvard Munch. Allein deshalb musste ich es einfach haben. Kategorie was man nicht alles für die Bildung auf sich nimmt. In unmittelbarem Zusammenhang stehend mit

7. Francoise Sagan, Bonjour tristesse
Schätzungsweise zehnmal begonnen, schätzungsweise zehnmal nach der Hälfte zur Seite gelegt. Gelesen, um in Übung zu bleiben. Inhalt nie gemocht. Kategorie Bücher, an die man sich notgedrungen gewöhnt hat.

8. James Joyce, Ulysses
1991 mit den allerbesten Vorsätzen begonnen, nach etwa der Hälfte schwach geworden. Geht mir weg mit Allgemeinbildung, das Buch ist sterbenslangweilig. Kategorie wenn ich groß bin, möchte ich mitreden können.

9. Golo Mann, deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Anfangs sehr interessant. Nach einigen Kapiteln wegen Wissensoverkill beendet. Seitdem nur noch drin geblättert. Kategorie Bücher, die bei Besuchern unheimlich Eindruck schinden.

10. Die Bibel, Verfasser unbekannt
Mit zehn meine erste Bibel bekommen. Am Anfang begonnen, nach den ersten fünf (echt jetzt!) Büchern Moses weggelegt. Später selektiv gelesen. Passagen mit exakter Quellenangabe auswendig gelernt. Kategorie Bücher, aus denen man in ernsthaften Diskussionen nicht zitieren sollte, ohne einen Imageverlust zu riskieren.

Welche Titel verstauben denn bei
Herrn Rationalstürmer
Herrn Bandini (was krieg ich jetzt dafür? ;-)
und Herrn Huflaikhan
so im Regal?

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Das ist die Berliner Luft
Einladung von der geschätzten Frau Lyssa zur Lesung in der Beeindruckend-Bösen-Brause-WG. War ein gelungener Anlaß für einen Sonntagsausflug nach Berlin. Beiindruckendes Getränkesortiment im Kühlschrank. Hab gleich alles ausprobiert. Beeindruckende Dachterasse. Hab ziemlich unter meinem neuen Hut geschwitzt (absetzen ging nicht. Wer Hutträger ist, weiß wieso). Beeindruckendes Publikum. Trotz des rattenscharfen Wetters keine Mühen gescheut und in den vierten Stock (?) gestiegen. Beeindruckende Texte der anderen Chicks. Meine Wenigkeit beeindruckte mehr durch outfit.

Gelesen:
Balla balla und Vom Feeling her...

Sehr freute mich, endlich einmal Frau Gaga kennenzulernen und bin schon ziemlich gespannt auf ihre Fotos. Sind bestimmt beeindruckend.. Kostproben ihrer geschossenen Tore Fotos hier und in den Kommentaren.


Chicks with balls.

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Samstag, 24. Juni 2006
In the middle of nowhere
Schefferville ist ein kleiner gemütlicher Ort in Labrador, Neufundland. Viel ist da nicht los. Es gibt zwar einige Kneipen, ein paar Läden und einen Bahnhof aber am Abend werden die Bürgersteige hochgeklappt. Man kehrt müde von der täglichen Karibujagd zurück und will im Grunde lieber gemütlich vor dem Kaminfeuer einen letzten Whiskey genießen, als zu wilder Musik abtanzen. Im Sommer sieht man viele Mücken, im Winter einen Haufen Schnee. Die wichtigste Einrichtung Scheffervilles ist ein Flughafen. Man mag es kaum glauben aber es ist möglich, ein Flugticket nach Schefferville zu erwerben.

Es könnte allerdings auch sein, dass man diesen idyllischen Ort eher unfreiwillig aufsucht, dann nämlich, wenn der Pilot eines Großraumflugzeuges durch einen medizinischen oder technischen Notfall zu landen gezwungen ist. Immerhin hat man dann Glück, denn in Schefferville kann man shoppen oder wenigstens eine gemütliche Schlafstätte finden. Auf der Nordatlantikroute gibt es Orte, die so ungastlich zu sein scheinen, dass da nicht mal ein Hund tot überm Zaun hängen möchte. Da möchte ein Pilot auch nur ungern landen, nicht weil er die Annehmlichkeiten eines Vier-Sterne-Hotels nicht missen möchte, sondern weil er seinen Riesenbrummer nicht mehr ohne weiteres hochkriegt. So was verhagelt einem 340 Kapitän gehörig die Suppe, schließlich will er unbedingt im Anschluss den langen Bangkokumlauf antreten, den er requestet hat. Die Crew kommt ebenfalls ganz schlecht drauf, setzt man sie im Nirgendwo aus. Für Kabinenpersonal gehört zu einem ordentlichen Layover wenn schon kein Pool, so doch wenigstens die Möglichkeit einer gepflegten Massage oder Maniküre. Das ist das Mindeste, was man von einem ordentlichen Layover erwarten kann. Unschwer vorzustellen, dass auch bei Passagieren keine Urlaubsstimmung so richtig aufkommen mag.

Von diesen kleinen Orten gibt es unzählige. Ihre Erwähnung in der Literatur beschränkt sich auf Einträge der Kartographie und kleinen Punkten von Flugkarten, auf denen die Orte mit Zahlen versehen und durch Linien verbunden sind. Solche Flugkarten erinnern mich stark an die Burda Schnittmuster meiner Mutter. Eine Lieblingsbeschäftigung der Piloten scheint zu sein, bestimmte Linien mit Leuchtstiften nachzuzeichnen und so entstehende Figuren herauszuarbeiten. Anschließend könnte man abgetrennte Felder je nach Zahl mit gleicher Farbe ausfüllen. Ein derart beschäftigter Pilot müsste wenigstens nicht alle zwei Stunden von der Kabine gefüttert werden, doch spart die Firma mit verfügbaren Farben und somit mal wieder am falschen Ort.

Kommen wir zurück zum Nirgendwo. Hätten Sie gedacht, dass an der Westküste Grönlands unzählige kleine Punkte kartographiert sind, die bequem sowohl angeflogen als auch wieder verlassen werden können, in einem riesigen Land wie Neufundland allerdings nur Placebopunkte eingetragen sind? Eine dortige Notlandung wäre nur von Vorteil, müsste man aufgrund eines Feuers an Bord oder sonstiger lebensbedrohlicher Vorkommnisse das Flugzeug verlassen. Sollten Sie einmal in den Genuss kommen, diese Gegenden überraschend zu besuchen (sie sind z.B. Raucher und frönen Ihrem Laster auf Flugzeugtoiletten?), mag das zunächst unangenehm sein. Tröstend kann ich hinzufügen, dass ich viel davon beim Überfliegen gesehen habe. Es existieren dort zwar keine Siedlungen aber landschaftlich ist es sehr schön.

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