Mittwoch, 2. August 2006
Keine Zeit
Seit einer Woche läuft meine Rufbereitschaft. Bis jetzt hatte ich Glück, weil man mich nur einmal mit einer 2 Tagestour behelligte. Meine neue Spaßbeschäftigung beansprucht fast jeden Tag in der Woche. Dienstag und Donnerstag ist mein Sambahüftschwunggott dran, Mittwoch und Freitag bis Sonntag der Knackarschitalovortänzer. Nur montags laufen keine interessanten Kurse. Anfragen von Freunden für ein geselliges Abendbier werden entsprechend eingeteilt. Nur die Firma hat keinerlei Verständnis für meine Leidenschaft. Jetzt wollen die mich allen Ernstes morgen nach Kairo schicken. An einem DONNERSTAG! Mein Einwand, ich müsse da meine Beine mehr modern-jazz-fusion-technisch als serviceorientiert durch die Gegend schwingen, stieß auf taube Ohren. Ich können ja ein paarmal öfter als sonst vor dem Getränkewagen in die Knie gehen, das trainiere auch. Erst dachte ich noch schön, dann biste am Freitag wieder daheim und kannst wenigstens am Wochenende schmachten tanzen. Pustekuchen, ich hab das große Los gezogen. Drei Tage im dreckigen, stinkigen Kairo. Diesmal Donnerstag kein göttlicher Hüftschwung und Freitag bis Sonntag Kaftane statt Knackarsch vor der Nase. Ich hab vielleicht einen Hals!

Als nächstes hab ich mir mal auf der Karte angeschaut, wie weit Kairo von Beirut entfernt ist. Liegt in ziemlich sicherer Entfernung bezüglich verirrter Kurzstreckenraketen. Hätte auch schlimmer kommen können. Tel Aviv zum Beispiel ist derzeit ein nicht sonderlich beliebtes Ziel beim Kabinenpersonal. Ja, wir fliegen da noch hin, zwar nicht mehr mit Übernachtung aber wir landen dort. Würde mich nicht wundern, wenn Beirut bald wieder im Streckenplan auftaucht. Krisengebiete werden nämlich so lange angeflogen, bis der Luftraum von offizieller Seite für den zivilen Flugverkehr dicht gemacht wird. Wir bekommen Informationsmaterial zum korrekten Verhalten bei Erdbeben, zur korrekten Titulierung von kirchlichen und politischen Repräsentanten, das Faltblatt für korrektes Überqueren eines Minenfeldes und der Titulierung eines Heckenschützen ist mir jedoch noch nicht untergekommen. Da besteht eindeutig Handlungsbedarf. Tut mir leid, wenn das alles nicht sonderlich witzig ist. Mir ist ehrlich gesagt auch nicht nach Lachen zumute. Klar könnte es mich jeden Tag treffen. Deswegen muss ich aber die Gefahr noch lange nicht herausfordern. Die Zeiten, in denen ich dreispurige Straßen mit geschlossenen Augen und nur nach Gehör überquert habe, nachts um halb drei im Central Park unbedingt spazieren gehen musste und mir nichts spannenderes häte vorstellen können, als in einen Banküberfall zu geraten, sind längst vorbei. Deswegen brauche ich jetzt auch keine Einsatzleitung, die das für mich übernimmt. Dies alles wurde mir jetzt erst wieder so richtig bewußt, obwohl Kairo nicht zu den Krisengebieten zählt. Was eine potentielle Gefahr betrifft sind wir hier ganz schön verwöhnt.

Jetzt aber Schluss mit trüben Gedanken. Wenn ich ehrlich bin, ist es doch so: sollte mir etwas zustoßen, wäre das Schlimmste für mich, dass ich es möglicherweise nicht mehr bloggen könnte.

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Dienstag, 1. August 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss (7)
Die alte Jeans passt wieder. Da geh ich doch gleich mal nen Döner essen.

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Wacko stuff
Standleitung zum Onlinecenter diverser Firmen. Neue Passwörter sind genauso schnell vergessen wie alte. Langsam käme die Anschaffung einer Tätowiernadel billiger als laufende Telefonkosten. Auf dem Arm oder am Knöchel? Nein, in Spiegelschrift in der Poritze. Sub rosa dictum, die Rosette ist nicht weit und schon gilt die Schweigepflicht für den Stecher. Sicher ist sicher.

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Montag, 31. Juli 2006
Geburtstagsausgabe
Die Spreepiratin hat nach mir geworfen. Also such ich das Cover um meinen Geburtstag herum:



Och nee! Nicht die Frau mit der erotischen Ausstrahlung von Hausstaub. Nicht die, deren Antifaltencreme das Gegenteil bewirkt. Nicht der Alptraum jedes Indianders. Ich weiß schon, warum ich Bravo nie gelesen hab.

Weiter an mit Musik: Ich nenn dich Chucky... lalala

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Sonntag, 30. Juli 2006
Mambo italiano
Nach einer Woche Intensivtraining war ich auf alles gefaßt: Muskelkater, Knieschäden, Bänderzerrungen. Nur nicht auf diese winzige Mikromuskelfaser in der Ferse, die seit drei Tagen schmerzt. Seriensitups halte ich jetzt problemlos durch. Bei den Liegestützen haperts noch. Meine Körpersollbruchstelle sitzt in der Hüfte. Kein Wunder bei DEM Hintern. Der Weg zum Penélope-Cruz-Double ist weit. Als JLo könnte es klappen. Mein Knackarschitalovortänzer ist berühmt. Ein Tango mit Penny in Captain Corellis Mandolin und er nennt sich the handsome italian soldier. Bei den Bodyshots bin ich kurz rot geworden. So genau wollt ichs nicht wissen. Nächste Hüpfstunde wird der Verdrängungsmechanismus trainiert. Oder gleichmäßiges Atmen.

Foto von Nunzios Website entliehen.

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Freitag, 28. Juli 2006
Bad taste
Welch Quell anhaltender Freude, wenn die Hausmeisterin kurz nach dem Aufstehen vor der Türe steht. Man selbst noch beinahe unbekleidet, versucht, das übergeworfene T-Shirt nach unten zu ziehen, damit wenigstens der Schritt verdeckt bleibt, was nicht so recht gelingen mag. Sie hat ja nur eine kleine Information zu vermitteln, weswegen das Gespräch schnell seinem Ende entgegengehen dürfte. So steht man nach vorne gekrümmt an der geöffneten Türe und tut sich mit Antworten schwer, weil die Kehle ohne den ersten Tee noch recht trocken ist. Da die Dame jedoch eine wahre Virtuosin der leichten Unterhaltung ist, kommt es, wie es kommen muss. Vom Ausgangsthema gelangt man schnell über das Wetter zu Befindlichkeiten. Das Gespräch an dieser Stelle rüde abzuwürgen käme einem wohngemeinschaftlichen Suizid gleich. Also beißt man auf die Zähne, durch die man wegen des öden Geschmackes, der bei jedem Atemzug in der Kehle aufsteigt, sowieso schon zischelt. Als sie später die Leiden der restlichen Hausbewohner emphatisch anschneidet, schmerzt der Rücken bereits von den Stoffverlängerungsversuchen. Man erfährt viel über das Leben der Menschen, an denen man bisher nur mit einem schnellen Gruß im Treppenhaus vorbeiging und auch über jene, deren Existenz man nur olfaktorisch wahrnimmt. Das Thema Geruchsbelästigung ist ungünstig gewählt, klebt am eigenen Körper doch noch der Schweiß der unruhigen Nacht. Man hat sich jedoch seinem Schicksal bereits ergeben, hofft und harrt und macht das Beste daraus. So plötzlich der unverhoffte Austausch begann, wird er durch ein einleitendes Also dann wieder beendet. Sie greift beherzt zum Wischmob, man selbst schließt die Türe mit einem schlechten Gewissen, nicht ganz den Erwartungen an einen kompetenten Gesprächspartner entsprochen zu haben.

Schließlich sitzt man mit der heißersehnten Flüssigkeit vor dem Bildschirm. Es wird schnell klar, dass sich die gesamte Menschheit in einem desolaten Zustand befindet, dem man in den eigenen vier Wänden lieber entfliehen möchte. Von Fragen gepeinigte Suchende haben, während man selbst schlief, ihre Spuren hinterlassen. Nun will ich kein Unmensch sein und ihnen weitere schlaflose Nächte verschaffen, schließlich habe ich die erste Versuchung des Tages mehr oder weniger meisterlich überstanden. Selbstkasteiung heisst das Zauberwort, denn nur jenen wird Erlösung zuteil, die sich fleißig darin üben. So sinniere ich über die Thesen, die ich in die stumme Welt hinausschicke, auf dass meine Antworten den gequälten Seelen Linderung verschaffe.

Search request: Wenn sich Frauen am Boden wälzen
... dann hast Du definitiv was falsch gemacht. Lass es Dir gesagt sein: Frauen wälzen sich nicht grundlos am Boden. Entweder es geschieht vor Lachen, dann solltest Du Deine Hose schnellstens wieder verschließen oder Du solltest Dich sicherheitshalber noch einmal über die korrekte Zusammensetzung von selbstgekochten Pilzgerichten informieren.

Search request: Die beste Position für die Frau
... ist selbstverständlich immer im richtigen Licht. Frauen mögen es nicht, wenn sie allzu kritisch im Profil betrachtet werden. Wenn die Nase zu lang, der Bauch oder Hintern zu dick, die Brüste zu klein und die Beine zu kurz scheinen, ist jede Frau bestrebt, dies zu verbergen. Haben Sie eine Frau erst einmal zu einem Treffen überredet, bieten Sie ihr eine Sitzgelegenheit und öffnen die Augen erst wieder, wenn sie sich korrekt drapiert hat. Denn wir Frauen wissen meist selbst, wie wir am Besten zur Geltung kommen.
Sollte sich die Frage eher auf das Gebiet der körperlichen Freuden beziehen, gilt dasselbe. Am Besten, Sie geben ihr ein großes Leintuch, in das sie ihre vermeindlichen körperlichen Schwachstellen hüllen kann oder löschen das Licht ganz.

Search request: frauen mit strumpfhose über dem kopf
... treffen Sie nur noch in alten Filmen an, in denen ein Banküberfall stattfindet. Heutzutage trägt die moderne Frau in dieser Situation lieber eine schicke Burka oder eine farblich auf das restliche Outfit abgestimmte und mit Aussparungen für Augen und Mund versehene Rappermütze, die sie bis zum Kinn herunterrollt. Strumpfhosen lassen operierte Näschen und aufgespritzte Lippen sehr unvorteilhaft aussehen. Sollte ihnen dennoch eine Dame in dieser Form der Bekleidung begegnen, so lassen sie Diskretion walten und ziehen sich unbemerkt zurück. Manche Kleidungsstücke sind unglaublich schwierig anzuziehen. Da muss man teilweise zu Tricks greifen.

Search request: Michael Steinbrecher mit neuer Frisur
Der Mann hat eine neue Frisur? Hatte der überhaupt jemals eine?Schade um die schönen Locken. Aber der sogenannte Daumtest fordert sein Tribut. Die wachsen auch wieder nach. Versprochen.

Search request: schlechtes Fernsehbild nach Gewitter
Das kann mehrere Ursachen haben. Zum einen sollten Sie nie bei Gewitter im Freien fernsehen, da die meisten Geräte keine Feuchtigkeit vertragen. Zur Sicherheit hier einige Tipps zur Problembehebung:

Ist das Gerät betriebsbereit? Überprüfen Sie die Stromversorgung. Führen Sie hierzu den Netzstecker in die Dose an der Wand ein. Betätigen Sie anschließend den Power-Schalter [an alten Geräten ist der Schalter mit ein/aus gekennzeichnet].

Haben Sie das Antennenkabel richtig angeschlossen? Überprüfen Sie den Antennenschalter am Gerät und in der Netzdose. Sollten Sie stattdessen an ihrem Wohnort Fernsehprogramme nur digital empfangen können, schalten Sie das Gerät wieder aus und verscherbeln es auf dem Flohmarkt. Das Bild wird nämlich nicht mehr besser.

Sind die Sender mit der richtigen Frequenz eingestellt?
Hat Ihre Großmutter, Ihr Kind oder Ihr Hund Zugang zum Gerät? Notieren Sie sich zur Sicherheit, welche Frequenzen die richtigen sind.

Sie haben alle obigen Punkte überprüft, das Bild bleibt jedoch schlecht?
Dann nützt es recht wenig, über Google blöd im Netz herumzusuchen. Kaufen Sie sich stattdessen lieber ein neues Gerät. Falls Sie das nicht möchten, weil das Gerät doch noch gut ist, ziehen Sie einen Geisterbeschwörer zu Rate. Denn spätestens seit dem Film Poltergeist wissen wir alle, welch verheerende Auswirkungen ein schlechtes Fernsehbild haben kann.

so, Freunde der leichten Blasmusik, für heute habe ich mein Tribut gezollt. Jetzt liegt es an Ihnen, die Welt zu verbessern.

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Donnerstag, 27. Juli 2006
Listen to that!
If you wanna know more about flying in general and in special, go to the site of my colleague betty:

Betty in the sky with diamonds a suitcase

I enjoyed listening to her stories and she really is talkative.

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Mittwoch, 26. Juli 2006
Urlaub vom Sommerregen
Gerade mit einem Bekannten telefoniert, der beruflich über längere Zeit in Beirut zu tun hatte. Als der Krieg ausbrach war er im Urlaub in Deutschland. Wie mag es denen wohl gehen, die nicht einfach Urlaub vom Krieg nehmen können?

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Sicher ist (un)sicher
Es gibt da ein Ding, das sich Luftsicherheitsgesetz nennt und das letztes Jahr in Kraft getreten ist. Amerika hat hyperventiliert und wir atmen wie billige Huren im selben Rhythmus mit. Öffentliches Aufsehen erregte damals die Passage über zum Abschuß freigegebene Passagierflugzeuge, die in terroristischer Absicht gegen das Menschenleben eingesetzt werden. Dieser Paragraph wurde unter Druck der Öffentlichkeit im Februar vom Bundesverfassungsgericht geändert.

Was für Otto Normalflieger im Alltag nicht sonderlich spürbar ist, bedeutet für Flugpersonal den sprichwörtlichen Schmerz im Arsch. Das geringste Übel daran ist die jährliche Zuverlässigkeitsüberprüfung. Ich gebe meine Wohnsitze der letzten zehn Jahre preis und erkläre mich damit einverstanden, dass meine persönlichen Angaben unter Befragung weiterer Informationsquellen überprüft werden. Schon bei Einführung dieses Gesetzes entwickelte sich ein bizarres Szenario. Da wurde Kollegen die Bestätigung ihrer Zuverlässigkeit verweigert, weil sie aufgrund mehrmaligen Schwarzfahrens in der Vergangenheit straffällig geworden waren. An solchen Beispielen lässt sich eine gewisse Lächerlichkeit nicht von der Hand weisen.

Schlimmer sind die Personenkontrollen, denen ich mich vor JEDEM Flug zu unterziehen habe. Früher durfte ich an Bord, ohne mich abtasten und durchleuchten zu lassen. Jetzt muss ich alle Taschen und Koffer abgeben, mich piepsender Kleidung entledigen, mir mit einem Metalldetektor über die BH-Bügel fahren lassen, meine Schuhe ausziehen etc. Das lächerliche daran ist die Tatsache, dass ich geschult bin, Notfallausrüstung an Bord zu finden, die auch als Waffe zu missbrauchen wäre. Ich plaudere hier keine Geheimnisse aus, wenn ich sage, dass sich an Bord eines Flugzeuges mindestens eine Axt, eine Brechstange und weitere Werkzeuge befinden, mit denen man menschliches Leben bedrohen könnte. Spätestens seit Nikki Lauda in einem öffentlichen Interview dies kundtat, weiß jedes Kind, dass und wo sich die Axt an Bord befindet.
Zudem lassen sich auch alltägliche Gegenstände zu Waffen umfunktionieren. Die Plastikmesser, welche im Zuge der 9/11 Hysteriewelle auf vielen Strecken normale Metallmesser ersetzten, waren schärfer als herkömmliche Klingen eines Tafelmessers. Weine werden immer noch in Glasflaschen geliefert. Die Kundenakzeptanz von Champagner im Tetrapack ist verschwindend gering. In der gehobeneren Klasse genießt man edlere Tropfen zudem gerne aus richtigen Gläsern. Ausserdem verfügt jeder Flugbegleiter über magische Kräfte, die Korken mit einem Fingerschnippen aus dem Flaschenhals zieht und Käse wie von Geisterhand in Scheibchen fächert.

Machen wir uns doch nichts vor. Nur weil es der Fluggast nicht sieht, heisst noch lange nicht, dass nicht bestimmte Werkzeuge an Bord vorhanden wären. Wieso muss ich dann Nagelscheren - wie in der aktuellen Spiegelausgabe abgedruckt - abgeben? Man sagte mir, das ganze Prozedere fände zur Beruhigung der Allgemeinheit statt. Ich lass mich also weiterhin befummeln damit Gerda Schmitt und Karlheinz Müller beruhigter fliegen. Die sehen ja nur das, was sie sehen wollen. Angeblich. Das Volk ist dumm, weil es für dumm gehalten wird. Ab und zu ist aber einer darunter, der sich Gedanken macht und nicht blind den Massen beim Sprung ins Verderben folgt. Ihr könnt eure Gesetze wieder einpacken, die bedeuten nämlich für uns als Flugpersonal nichts anderes als Schikane.
Abschließend ein Zitat aus selbigem Artikel im Spiegel: [Die Pilotenkontrollen] träfen, so Barig-Generalsekretär Martin Gaebges, ausgerechnet jene Berufsgruppe, die über "die Lizenz für die ultimative Terrorwaffe" verfüge - den mit Passagieren gefüllten Jet.

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Mittwoch, 26. Juli 2006
Sätze, die man sofort bloggen muss (6)
Zwei 18jährige Jungs stehen mit dem Fahrrad an der Ampel. Nur mit kurzen Hosen bekleidet, durchtrainierte Körper, braungebrannt.
Frau 1: Die können doch nicht einfach so rumlaufen.
Frau 2: Denen ist wohl nicht klar, welches Gefahrenpotential von über 40jährigen Frauen ausgeht.

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Dancing Queen
Schließlich den richtigen Kurs, den richtigen Lehrer erwischt. Alles begriffen, alles umsetzen können. Nicht die Schlechteste sein gibt ein gutes Gefühl. Die kleinen dürren Mädchen mögen in hautengen Trainingstrikots und Strumpfhosen apart aussehen, tanzend sind sie umso stakseliger. Am liebsten möchte ich rufen: Ladies, Gott hat Euch Hüften zum Schwingen gegeben. Benutzt sie dafür! Ihre Ausstrahlung tendiert gegen null. Hoffentlich wissen sie in zehn Jahren, was man mit diesem Körper so alles anfangen kann. Möglicherweise hat er aber dann eine andere Form.

Die Folter lässt nicht lange auf sich warten: Dehnung. Ich muss in den Schmerz vom Freitag/Samstag hineingehen. Auf die Zähne beissen und durch. Langsam, immer weiter nach vorne, gerader Rücken, kein Ausweichen. Zwischen gestreckten Beinen nach vorne auf die Ellenbogen stützen. So sieht Entspannung aus. Als ich aufstehe, geben die Gummibeine nach. Später stehe ich wieder sicher auf einem Bein. Der Lehrer stubst mich von vorne. Jetzt nur nicht umfallen. Arschbacken und Bauch anspannen, Schwerpunkt nach vorne. Ich falle trotzdem um. Halbe Spitze war noch nie meine Stärke. Drehungen und Sprünge aber auch nicht. Bleibt nur noch auf dem Boden wälzen übrig. Ganz so schlimm ist es aber nicht. Die Schrittkombination ist relativ leicht. Vielleicht sollte ich doch wieder in die Mittelstufe wechseln.

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Sätze, die man sofort bloggen muss (5)
Jeden Tag Sonne langweilt auf Dauer.

***

Die Dauer des Vorgeplänkels, bis man endlich zur Sache kommt, steht im umgekehrt proportionalen Verhältnis zum Alter.

***

Hämorrhoiden: ein kleiner Eingriff und schon scheint dir wieder die Sonne aus dem Arsch.
[Abt.: Sätze, auf die man in bestimmten Situationen gerne verzichtet]

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Montag, 24. Juli 2006
Cold water
Eine schwüle Hitzeglocke hängt schon morgens über dem Mondsee. Als wir mit dem Bus ankommen, schwingt sich uns ein altes Weiblein erstaunlich flink auf Krücken entgegen. Zwei Euro möchte sie haben, pro Kopf versteht sich. Die restlichen Besucher des kleinen Parkplatzes haben sich bereits aus ihren Wohnmobilen geschält und bereiten die Grille für das Mittagsfleisch vor. Die Ausrüstung ist schnell zusammengebaut, doch vor Anziehen des dicken Trockentauchanzuges graut mir ein wenig. Hilft alles nicht, es muss sein, will ich drunten im See nicht frieren. Ich beginne mit der langen Unterhose, Socken, darüber Neoprensocken, schließlich ein Langarmshirt und ein Pullover. Dann steige ich in das dicke Ungetüm, lasse von meiner Kollegin den Reißverschluss am Rücken schließen, schlüpfe in Kopfhaube und Handschuhe. Das restliche Equipment - Jacket mit Flasche, Blei und Lampen - wiegt gut und gerne nochmals 20 Kilo. So schleppe ich mich zum Wasser. An der Oberfläche warte ich auf die Tauchgangsführerin mit ihrem Schüler. Ich hänge mich heute nur hinten dran. Als Tauchlehrer habe ich zwar Erfahrung, in letzter Zeit fehlt mir aber die Routine. Vor eineinhalb Jahren musste ich pausieren, danach war ich nur noch zwei-, dreimal im Wasser. Die Tiefe verlangt Körper und Psyche eine Menge ab. Kleine Fehler können sich verheerend auswirken.

Nach dem Zeichen zum Abtauchen lasse ich alle Luft aus Anzug und Jacket. Ich gleite langsam hinab in die Welt der Schwerelosigkeit. Sobald das Wasser mein Gesicht berührt, verlangsamt sich mein Herzschlag. Mein Innerstes ist vollkommen ruhig. Zunächst wirkt die Kühle erfrischend. Es soll diesmal kein tiefer Tauchgang werden. Ich orientiere mich am Grund, richte den Kompass und schaue mich nach markanten Gegenständen wie Astwurzeln, Erhebungen oder Steinen um, damit ich in der Lage bin, den Ausstieg wieder zu finden. Langsam gewöhnen sich meine Augen an das Dämmerlicht. Kleine Barsche schwimmen in Gruppen Slalom um das Seegras. Der Grund, an dem wir entlanggleiten, fällt seicht ab. Als wir die Sprungschicht erreichen, wird es merklich kälter. Wangen, Kinn und Lippen sind die einzigen Körperstellen, die direkt mit dem kalten Wasser in Berührung kommen. Auf 15 Meter muss ich die Lampe einschalten, um den Grund deutlich zu sehen. Ein kleiner Hecht huscht durch den Lichtkegel. Sonst sehe ich nur Schlamm, Laub und Felsbrocken, doch selbst diese kleinen Dinge besitzen hier unten einen ganz eigenen, bizzarren Charme. Mit der Hand wirble ich ein wenig Schlamm auf und beobachte, wie er sich zeitlupenartig wieder senkt, um ein neues Muster auf den Boden zu zaubern. Zu den anderen Beiden lasse ich lieber Abstand, da der Schüler mit seinem Flossenschlag viel Dreck aufwirbelt, der mir die Sicht trübt.

Auf 20 Meter beginnt mein Kopf zu arbeiten. Was, wenn jetzt mein Automat abbläst? Damals im Walchensee habe ich es erlebt. An der Steilwand auf 40 Meter. Umhüllt von Dunkelheit, unter mir unendlicher Abgrund, im Lichtkegel die bizzarre Felswand. Klettern ohne Anstrengung und ohne den Felsen zu berühren. Ich führe den Tauchgang, will tiefer, mein Partner geht mit. Auf 50 Meter beginnt aufgrund des hohen Umgebungsdruckes eins meiner Ventile zu vereisen. Der Automat bläst die Luft aus der Flasche unkontrolliert ab. Ich deute meinem Partner, das vereiste Ventil abzudrehen und wechsle auf den anderen Automaten. Eine kurze Weile verharren wir frei schwebend. Er vergisst, das Ventil wieder zu öffnen. Ich will jedoch mein alternatives Ventil nicht überlasten, da dieses ebenfalls einfrieren könnte und frage ihn per Zeichen, ob das erste wieder geöffnet ist. Er nickt. Also wechsle ich wieder das Mundstück, doch als ich anziehe, kommt keine Luft. Ich wechsle routiniert wieder auf das geöffnete Mundstück. Womit ich in diesem Moment nicht gerechnet habe, ist die Stickstoffnarkose. Der Kopf reagiert unter Druck verlangsamt, Reize werden von den Nervenzellen nicht mehr korrekt verarbeitet. So bin ich mir nicht mehr im Klaren, in welche Richtung wir müssen. Oben und unten, rechts und links, überall pechschwarze Nacht. An den aufsteigenden Luftblasen könnte ich mich orientieren, doch diese Information gelangt nicht mehr bis in mein Bewusstsein. Mein Partner übernimmt die Führung. Seitdem weiß ich, wieviel ein verlässlicher Tauchpartner wert ist.

Plötzlich kehrt die Tauchgangsführerin mit dem Schüler um. Ich weiß nicht wieso, denke zunächst, sie will irrtümlich in die falsche Richtung, bis ich sehe, dass der Schüler aus dem gelben Oktopus atmet. Sein Automat ist vereist. Langsam steigen wir auf. Der Schüler atmet schnell und ohne Pausen. Sie versucht ihn zu beruhigen. Schließlich vereist auch seine alternative Luftversorgung. Ich halte meine beiden übrigen Mundstücke bereit. Seine Flasche hat sich geleert, doch wir zwei haben noch genügend Reserven, um alle sicher an die Oberfläche zu bringen. Seine Bestrebung, möglichst schnell nach oben zu gelangen, unterbindet sie gekonnt, hält ihn fest, sucht Blickkontakt und beginnt, mit ihm zu atmen, bis sich sein Atemrhythmus normalisiert hat. Kein leichtes Unterfangen, einen Taucher in Panik am unkontrollierten Aufstieg zu hindern. Die Folge wäre für ihn - je nach Stickstoffsättigung - ausperlender Stickstoff in den Blutbahnen und Bläschen, die eventuell Haargefäße verschließen. Nach einer Weile ist er soweit, um den langsamen Aufstieg zu beginnen. Ich bin etwas enttäuscht, dass der Tauchgang so schnell beendet ist, doch der Schüler ist mit Sicherheit sehr froh, wieder frei atmen zu können.

Wir planen den folgenden Tauchgang im benachbarten Attersee. Nach einem Unfall muss man weiterfahren, vom Pferd abgeworfen sofort wieder aufsteigen und der Taucher sofort wieder runter. Die Hemmschwelle wird zu groß, wenn nach einem beängstigenden Ereignis zu viel Zeit vergeht. Ich habe damals einige Monate verstreichen lassen, bis ich wieder ins Wasser bin. Erst fehlte die Möglichkeit, dann wurde ich immer ängstlicher, zuletzt ein ärztliches Verbot. Beim Wiedereinstieg mied ich die Tiefe gänzlich. Für einen Tauchlehrer fatal. Im Grunde ist so ein Vorkommnis nicht schlecht. Man agiert umsichtiger, zollt dem fremden Element den nötigen Respekt. Während wir unsere Ausrüstung einpacken, zum nächsten Platz fahren und uns dort vorbereiten, spricht er fast ununterbrochen vom Vorfall. Er verarbeitet sein Erlebnis durch Sprechen. Wir helfen ihm dabei, indem wir Tipps geben, ihm zuhören und ihm Mut zusprechen.

Inzwischen dringen durch die aufgebrochene Wolkendecke erste Sonnenstrahlen. Ich bin schnell im Wasser und lasse mich an der Oberfläche von den Wellen schaukeln. Beim Abstieg sehe ich die Sonnenstrahlen schräg einfallen. Ich bewege mich in Zeitlupe, hie und da ein Flossenschlag. Dennoch legen wir einen beachtlichen Weg zurück. Als wir umkehren, hat sich die leichte Strömung gedreht und zieht uns langsam an die Einstiegsstelle. Ich bewege mich kaum noch, kontrolliere nur noch die Höhe mit meiner Atmung und werfe ab und zu einen prüfenden Blick auf die Instrumente. Das Laub bewegt sich mit der Strömung, als ob ein leichter Windhauch darüber hinwegbliese. Die Welt unter Wasser spiegelt die darüber, doch nimmt sie ihr jegliche Hektik. Hier unten konnte ich immer entspannen, abschalten, mich hineingeben und vertrauen. Während andere nach besonders prächtigen Exemplaren an Lebewesen oder anderen Kuriositäten (Kriegspatronen, Autowracks, etc.) Ausschau halten, um davon berichten zu können, gilt mein Blick den Unscheinbarkeiten. Für mich gibt es keine langweiligen Tauchgänge. Wenn ich nicht zur Entspannung tauche, dann um die Beherrschung des Geistes zu schulen. An die eigenen Grenzen stoßen, mit Ängsten aktiv umgehen, Grenzen erweitern. Und immer wieder reflektieren, antizipieren, lernen. Kaum einer versteht meine Intention. Deswegen bin ich still geworden, lasse lieber die anderen von ihren Heldentaten berichten und lausche kopfnickend. Auch das gehört zu den Aufgaben eines Tauchlehrers. Denen, die es nicht kennen, brauche ich schon gar nicht ankommen. Warum ich mich absichtlich in Gefahr brächte und wenn ich es dennoch beherrschte, wieso mir nicht wichtig sei, ob ich dort unten Spektakuläres sehe, so lauten die Fragen. Ich kann es ihnen nicht begreiflich machen, meine ganz eigene Form von Meditation.

Auf der Heimfahrt bin ich müde. Gleichzeitig formen sich in meinem Kopf Gedanken. Am gemeinsamen Essen möchte ich nicht mehr teilnehmen, lieber für mich sein. Sie dürfen gerne ihre Geschichten teilen, ich bin in diesem Falle ein schlechter Zuhörer. Jedes einzelne Wort bedeutet Anstrengung, der ich mich bewußt entziehe. Langsam wird es dunkel. Die obere Welt ist nass vom Regen. Ich sitze und starre in die Nacht, ganz ruhig, ganz aufgeräumt. So fühlt sich Zufriedenheit an.

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Samstag, 22. Juli 2006
Moving on
Wer sich in der größten Mittagshitze körperlich anstrengt, ist entweder Möbelpacker, ein Idiot oder tanzwütig. Heute die zweite Schule ausprobiert. Während gestern auf 100m² noch alles sehr familiär zuging, heute die Tanzfabrik. Drei große Säle hinter deren Glasscheiben sich schwitzende Körper zur Musik winden. Zum Glück muss ich mich diesmal nicht allein blamieren, sondern habe eine mutige Begleiterin. Gemeinsam stellen wir uns den Anforderungen eines Mittelstufekurses und deren Teilnehmer. Noch bevor ich die beste Position gefunden habe, geht es auch schon los. Erste Position, plié, grand plié, frappé, pas de bourrée, relevé, deuxème, plié, ronde de jambe, etc. Eigentlich wollte ich Jazztanz machen (damit ich mal die Choreographie von Spiderman links unten fehlerfrei nachtanzen kann) und nicht Ballett. Leider sind das die nötigen Grundlagen. Kaum die Aufwärmübung begriffen, geht es auch schon weiter. Isolations, flex, snake, bow, tombé... englisch-französische Koalition. Ah, endlich darf ich mich auf den Boden setzen. Keine Verschnaufpause, sondern Sehnensadismus. Ich soll im Sitzen meine Beine in die Luft strecken, natürlich mit geradem Rücken. Bisher war ich stolz, dass ich das Knie durchstrecken kann, während die Hand den Fuß hält, jetzt weiß ich, das ist nur eine Vorübung für schlimmere Foltermethoden. Die Muskulatur zittert, Schweißtröpfchen markieren mein Revier. Zwischendrin irgendwelche Anweisungen des Lehrers in den Raum gerufen. Ich fühle mich jedesmal angesprochen, selbst wenn er mich nicht meint. Als ich seine Rufe schließlich ignoriere, meint er mich. Nach einer Stunde geht´s erst richtig los. Eine Schrittkombination auf Musik wird einstudiert. Mein Kopf ist leer, der Körper scheint gerade seinen Aggregatszustand zu wechseln. Ich kapituliere. Vielleicht doch lieber der Anfängerkurs, zumindest bis mein Körper wieder up to date ist. So lernt man Bescheidenheit. Ich bleibe dran, jetzt erst recht.

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