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Freitag, 23. November 2007
A room with a view (21)
frau klugscheisser, 21:16h

Bejing
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Dienstag, 20. November 2007
It's not unusual
frau klugscheisser, 01:08h
Empfehlung für einsame Abende:
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Montag, 19. November 2007
Sick and tired
frau klugscheisser, 21:44h
Seit Wochen Probleme mit der Verbindung ins Firmennetz. Erst mal meinen PC-Heilpraktiker gefragt. Selbst nach Stunden kein konkreter Befund. Das Herz-Kreislaufsystem funktioniert einwandfrei - zumindest das im PC-Gehäuse. Meines läuft weniger gut. Am Wochenende dann weitere Stunden im System verbracht, ebenfalls ohne relevantes Ergebnis. Mehrere Telefonate mit freundlichen Mitarbeitern diverser Hotlines. Ihnen kein Erfolgserlebnis durch funktionierende Prozesse vermitteln können. Mich zwischen Schreien und Heulen nicht entscheiden können. Im Zuge der Redundanz sicherheitshalber beides praktiziert. Nachts wach geworden mit dem Gedanken an mögliche Fehlerquellen. Auch im Wachzustand keine freie Speicherkapazität für neue Eindrücke und Geschichten auf meiner Festplatte gefunden. Heute wieder zwei Stunden mit einem Techniker am Ohr geflirtet durch Systemdateien flaniert. Die Erkenntnis gewonnen, dass Techniker auch nur Menschen sind. In Erwägung gezogen, einen Voodooexperten zu konsultieren.
I'm so sick of this f***ing technical problems!!!
Houston...?
I'm so sick of this f***ing technical problems!!!
Houston...?
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Freitag, 16. November 2007
Back it up
frau klugscheisser, 17:31h
wie geht es Ihnen? Sie sind momentan sicher total im Streß mit Daten speichern. Ich finde ja die Vorratsdatenspeicherung eine super Sache. Wollte ich nur mal so sagen, weil da gibt es ja auch Leute, die wo das nicht so toll finden.
Ich wollte Sie jetzt auch noch fragen, ob Sie was für mich tun können. Mir ist da nämlich eine ganz blöde Sache passiert. Ich hab irgendwas auf mein Computer falsch angeklickt und jetzt sind alle meine Mails weg und die Adressen und mein Passwort von dem Mailaccount weiß ich auch nicht mehr. Also wenn Sie mir die Mails nochmal schicken könnten, das wär echt klasse. Dann kann ich die nämlich auf mein Computer lesen.
Bis die Tage, Ihre
Erika Mustermann
Sicherungskopien kann ich auch selber. Aber eine Idee wär's schon, derlei Anfragen an entsprechende Stelle zu senden. Jemand 'ne bessere?
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Mittwoch, 14. November 2007
Police helicopter
frau klugscheisser, 21:46h
Dass Pressemitteilungen nicht immer ganz wahr sind, beweist diese Meldung über einen verunglückten Polizeihubschrauber in Hannover. "Nennenswerte Verspätungen" - so der Bericht - hätte es keine gegeben. Ja iss denn heut scho Weihnachten und wartet man nun kollektiv aufs Christkind, mag sich der ein oder andere der mindestens 250 wartenden Passagiere gefragt haben. Von einer zweiten Landebahn war heute Mittag auch irgendwie nie die Rede, der Flughafen Hannover komplett gesperrt und so mussten wir ausweichen, um dann frisch betankt etwa eine Stunde später erneut Hannover anzusteuern.
Die Reaktionen der Fluggäste reichen von stoischer Gelassenheit über Verwunderung bis hin zu ungezügelten Wutausbrüchen, was für mich sehr wohl nachvollziehbar ist. Bahnstreik und Wetterlage scheinen niemanden mehr zu interessieren. Der Schuldige ist die gebuchte Fluglinie, da ist man sich schnell einig, und wir die personifizierten Katalysatoren für angestauten Mißmut. Für meine Kollegen und mich wird die Kabine zur Arena des Kampfes um buddhistischen Gleichmut. Der achtfache Pfad findet nicht sonderlich viel Anklang bei den Passagieren. Man will lieber einen direkten Pfad ans Ziel (Hannover), den aber bitte recht flott. Statt vier edle Wahrheiten verkünde ich Informationen über Anschlußflüge. Damit lässt sich das Leiden erfahrungsgemäß weit effektiver lindern.
Einem besonders aufgebrachten Mitreisenden biete ich an, mehrmals kräftig gegen die Türe eines gestauten Essenswagens zu treten. Erst zögernd, dann mit vollem Elan tritt der so lange zu, bis wir schließlich beide lachen. Manchmal muss man eben auch unkonventionelle Pfade beschreiten. All dies wohlgemerkt zum Zeitpunkt, da uns Frau Holle gerade mal zart bepuderte. Vor mir liegen noch viele Sparringrunden mit garantiertem Karmapimping, wenn der Winter bald mit schwerem Geschütz auffährt. Das wird mir so richtig klar, als ich das hier einige Stunden und zwei Schnitzel später tippe.
Man kennt das ja. Da fallen zwei Tropfen Gefrorenes vom Himmel und sofort bricht der gesamte Verkehr zusammen. In Russland hingegen - so könnte man meinen - würde man sich bei vergleichbarer Wetterlage die Pelzmütze vom Kopf reißen und über einen vorzeitigen Frühlingsausbruch spekulieren. Tatsächlich wurde ich auf einem Flug nach Moskau aber eines Besseren belehrt. Kann das Flugzeug nach dem Enteisen nicht sofort starten, verliert die Enteiserflüssigkeit ihre Wirkung und muss erneut aufgetragen werden. Vielleicht wird das hochwertige Gefrierschutzmittel dort lieber in Kehlen als auf Flugzeuge gekippt. Ich werde es morgen nicht wie ursprünglich geplant überprüfen können, sondern mich stattdessen vier Stunden länger als heute an privaten Daunen wärmen. Derweilen kann Frau Holle draußen von mir aus soviel schütteln wie sie will. Das geht mir sozusagen am Gänsekiel vorbei.
Die Reaktionen der Fluggäste reichen von stoischer Gelassenheit über Verwunderung bis hin zu ungezügelten Wutausbrüchen, was für mich sehr wohl nachvollziehbar ist. Bahnstreik und Wetterlage scheinen niemanden mehr zu interessieren. Der Schuldige ist die gebuchte Fluglinie, da ist man sich schnell einig, und wir die personifizierten Katalysatoren für angestauten Mißmut. Für meine Kollegen und mich wird die Kabine zur Arena des Kampfes um buddhistischen Gleichmut. Der achtfache Pfad findet nicht sonderlich viel Anklang bei den Passagieren. Man will lieber einen direkten Pfad ans Ziel (Hannover), den aber bitte recht flott. Statt vier edle Wahrheiten verkünde ich Informationen über Anschlußflüge. Damit lässt sich das Leiden erfahrungsgemäß weit effektiver lindern.
Einem besonders aufgebrachten Mitreisenden biete ich an, mehrmals kräftig gegen die Türe eines gestauten Essenswagens zu treten. Erst zögernd, dann mit vollem Elan tritt der so lange zu, bis wir schließlich beide lachen. Manchmal muss man eben auch unkonventionelle Pfade beschreiten. All dies wohlgemerkt zum Zeitpunkt, da uns Frau Holle gerade mal zart bepuderte. Vor mir liegen noch viele Sparringrunden mit garantiertem Karmapimping, wenn der Winter bald mit schwerem Geschütz auffährt. Das wird mir so richtig klar, als ich das hier einige Stunden und zwei Schnitzel später tippe.
Man kennt das ja. Da fallen zwei Tropfen Gefrorenes vom Himmel und sofort bricht der gesamte Verkehr zusammen. In Russland hingegen - so könnte man meinen - würde man sich bei vergleichbarer Wetterlage die Pelzmütze vom Kopf reißen und über einen vorzeitigen Frühlingsausbruch spekulieren. Tatsächlich wurde ich auf einem Flug nach Moskau aber eines Besseren belehrt. Kann das Flugzeug nach dem Enteisen nicht sofort starten, verliert die Enteiserflüssigkeit ihre Wirkung und muss erneut aufgetragen werden. Vielleicht wird das hochwertige Gefrierschutzmittel dort lieber in Kehlen als auf Flugzeuge gekippt. Ich werde es morgen nicht wie ursprünglich geplant überprüfen können, sondern mich stattdessen vier Stunden länger als heute an privaten Daunen wärmen. Derweilen kann Frau Holle draußen von mir aus soviel schütteln wie sie will. Das geht mir sozusagen am Gänsekiel vorbei.
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Freitag, 9. November 2007
Ain't no mountain high enough
frau klugscheisser, 18:52h

mehr davon in den Kommentaren...
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Donnerstag, 8. November 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (31)
frau klugscheisser, 01:13h
Die Frage "Na, wie war ich?" erübrigt sich, weil man das sowieso am nächsten Tag im entsprechenden Blog nachlesen kann.
Die richtige Lösung lautet: was ist Web2.0?
Die richtige Lösung lautet: was ist Web2.0?
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Mittwoch, 7. November 2007
Ha ha said the clown
frau klugscheisser, 13:38h
"Weißt du, wenn ich vor dem Tanzen etwas trinke, muss ich immer Pipi." Ursprünglich war ich mit ihr zum Kaffee verabredet, doch daraus wird heute nichts. Dabei hätte ich noch so viele Fragen. So treffen wir uns eben eine Stunde später zu gewohnter Zeit in der Tanzschule. Ihr Mann bringt sie jeden Tag hin und holt sie wieder ab, meistens mit einer Harley, bei Regen in einem Mercedeskombi mit dem Emblem des Zirkus Krone auf der Fahrertüre. Als ich nachfrage, erzählt sie mir ihre Geschichte.
Svetlana ist auf der Ballettschule in St. Petersburg und blutjung als der Anruf einer Freundin kommt. "Komm nach Moskau, wir brauchen dich hier." Der Russische Staatszirkus sucht zeitweise Ersatz für eine verletzte Artistin. Kurze Zeit später balanciert die zierliche Person auf riesigen Elefantenköpfen, macht Spagat zwischen Rüsseln und dreht Pirouetten im Sägemehl statt auf glatten Parkettböden. Am Ende gefällt es ihr so gut, dass sie bleibt. Der Zirkus wird für sie Familienersatz, Heimat und Abenteuer zugleich.
Auf einer Tournee in Ungarn trifft sie Bobby - einen österreichischen Gastartisten - und seine Schimpansen. Die beiden freunden sich an. Doch dann lernt sie die Schattenseiten des damaligen Regimes kennen. Ausgang nur in größeren Gruppen und unter Aufsicht eines Beauftragten der Staatssicherheit, keine persönlichen Kontakte zu Angehörigen anderer Nationalitäten. Svetlana und Bobby werden mißtrauisch beobachtet. Trotzdem fasst sie sich eines Tages ein Herz und spricht mit der Zirkusdirektorin. "Du kannst jederzeit zurückkommen", sagt diese am Ende und entlässt Svetlana in eine unsichere Zukunft. Für offizielle Seite ist die Artistin auf unbestimmte Zeit erkrankt. Man wird Ersatz aus St. Petersburg anfordern müssen.
In Österreich ist sie nicht sehr willkommen. Zunächst beantragt sie eine Aufenthaltsgenehmigung, die immer wieder verlängert werden muss. Man rät ihr, mit ihrem neugeborenen Sohn auf keinen Fall russisch zu sprechen. Selbst nach fünf Jahren im Land und einer Ehe mit einem österreichischen Staatsangehörigen will man ihr immer noch keinen Paß ausstellen. Wieder fasst sie sich ein Herz und spricht im Konsulat vor. Der Botschafter meint, sie könne mit etwas körperlicher Zuwendung den Vorgang sicherlich beschleunigen. Beim nächsten Termin wird sie von Bobby begleitet. Mit zittrigen Händen strecken sie dem Herrn ihren Antrag und das Kuvert mit den Geldscheinen entgegen. Es ist viel Geld. So viel, dass der Botschafter auf die körperliche Zuwendung zugunsten der Scheine verzichtet.
"Und dann?"
"Dann habe ich meinen Pass bekommen", sagt sie und lächelt dabei stolz. Selbst nach so vielen Jahren zittert ihre Stimme, als sie dieses Erlebnis erzählt. Über das Angebot der Zirkusdirektorin habe sie nie ernsthaft nachgedacht. "Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich zurückgegangen wäre." Beide Eltern sind früh verstorben, Geschwister, die nach ihrer Flucht den Repressalien des Staates ausgesetzt gewesen wären, hat sie keine. Auch ihre neue Familie ist eine mit langer Zirkustradition. Die Ansässigen leben gemeinsam unter einem Dach, alle anderen reisen in Wohnanhängern durch die Welt.
Ich würde gerne noch viel mehr erfahren, doch das Knattern des Harleymotors kündigt das Ende unseres Gespräches an. "Wenn du möchtest, dann komm' uns im Zirkus besuchen. Mein Mann kann dir dort alles zeigen." Sie schlüpft in den Helm, steigt auf die Maschine und winkt zum Abschied. Ich stehe verloren mit meinem Fahrrad in der Einfahrt und lasse ihre Geschichte auf mich wirken. Eine Geschichte wie sie sicherlich viele damals erlebten und doch eine, die mich merkwürdig berührt. Die Einladung werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen.
Svetlana ist auf der Ballettschule in St. Petersburg und blutjung als der Anruf einer Freundin kommt. "Komm nach Moskau, wir brauchen dich hier." Der Russische Staatszirkus sucht zeitweise Ersatz für eine verletzte Artistin. Kurze Zeit später balanciert die zierliche Person auf riesigen Elefantenköpfen, macht Spagat zwischen Rüsseln und dreht Pirouetten im Sägemehl statt auf glatten Parkettböden. Am Ende gefällt es ihr so gut, dass sie bleibt. Der Zirkus wird für sie Familienersatz, Heimat und Abenteuer zugleich.
Auf einer Tournee in Ungarn trifft sie Bobby - einen österreichischen Gastartisten - und seine Schimpansen. Die beiden freunden sich an. Doch dann lernt sie die Schattenseiten des damaligen Regimes kennen. Ausgang nur in größeren Gruppen und unter Aufsicht eines Beauftragten der Staatssicherheit, keine persönlichen Kontakte zu Angehörigen anderer Nationalitäten. Svetlana und Bobby werden mißtrauisch beobachtet. Trotzdem fasst sie sich eines Tages ein Herz und spricht mit der Zirkusdirektorin. "Du kannst jederzeit zurückkommen", sagt diese am Ende und entlässt Svetlana in eine unsichere Zukunft. Für offizielle Seite ist die Artistin auf unbestimmte Zeit erkrankt. Man wird Ersatz aus St. Petersburg anfordern müssen.
In Österreich ist sie nicht sehr willkommen. Zunächst beantragt sie eine Aufenthaltsgenehmigung, die immer wieder verlängert werden muss. Man rät ihr, mit ihrem neugeborenen Sohn auf keinen Fall russisch zu sprechen. Selbst nach fünf Jahren im Land und einer Ehe mit einem österreichischen Staatsangehörigen will man ihr immer noch keinen Paß ausstellen. Wieder fasst sie sich ein Herz und spricht im Konsulat vor. Der Botschafter meint, sie könne mit etwas körperlicher Zuwendung den Vorgang sicherlich beschleunigen. Beim nächsten Termin wird sie von Bobby begleitet. Mit zittrigen Händen strecken sie dem Herrn ihren Antrag und das Kuvert mit den Geldscheinen entgegen. Es ist viel Geld. So viel, dass der Botschafter auf die körperliche Zuwendung zugunsten der Scheine verzichtet.
"Und dann?"
"Dann habe ich meinen Pass bekommen", sagt sie und lächelt dabei stolz. Selbst nach so vielen Jahren zittert ihre Stimme, als sie dieses Erlebnis erzählt. Über das Angebot der Zirkusdirektorin habe sie nie ernsthaft nachgedacht. "Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich zurückgegangen wäre." Beide Eltern sind früh verstorben, Geschwister, die nach ihrer Flucht den Repressalien des Staates ausgesetzt gewesen wären, hat sie keine. Auch ihre neue Familie ist eine mit langer Zirkustradition. Die Ansässigen leben gemeinsam unter einem Dach, alle anderen reisen in Wohnanhängern durch die Welt.
Ich würde gerne noch viel mehr erfahren, doch das Knattern des Harleymotors kündigt das Ende unseres Gespräches an. "Wenn du möchtest, dann komm' uns im Zirkus besuchen. Mein Mann kann dir dort alles zeigen." Sie schlüpft in den Helm, steigt auf die Maschine und winkt zum Abschied. Ich stehe verloren mit meinem Fahrrad in der Einfahrt und lasse ihre Geschichte auf mich wirken. Eine Geschichte wie sie sicherlich viele damals erlebten und doch eine, die mich merkwürdig berührt. Die Einladung werde ich mir jedenfalls nicht entgehen lassen.
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Sonntag, 4. November 2007
Sätze, die man sofort bloggen muss (30)
frau klugscheisser, 00:10h
Und als Blacky Fuchsberger das Flugzeug betritt denke ich noch: "Sieht wirklich gut aus für sein Alter, der Jopie Heesters."
Zum Glück nur gedacht, nicht ausgesprochen wie etwa
damals. Im Übrigen ein wirklich reizender Herr und Gentleman der alten Schule.
Zum Glück nur gedacht, nicht ausgesprochen wie etwa
damals. Im Übrigen ein wirklich reizender Herr und Gentleman der alten Schule.
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Mittwoch, 31. Oktober 2007
Taste of India
frau klugscheisser, 20:07h
Hinter mir liegt ein Nachtflug und die Augen wehren sich noch gegen die Sonne. Trotzdem starre ich angestrengt aus dem Bus. Manches von dem, was ich sehe, möchte ich in Bildern festhalten. Bunte wehende Saris der Frauen, die auf Mopeds und Fahrrädern hinten elegant im Damensitz balancieren. Alte englische Taxis, die in vier Reihen nebeneinander auf einer dreispurigen Straße fahren. Schulkinder, eingepfercht in schrottreife Fahrzeuge. Kühe, die den Mittelstreifen nach letzten Grashalmen absuchen. Doch da ist auch immer wieder diese Armut, die mich innehalten läßt. Menschen, die mit einem Stück Wellpappe bedeckt am Straßenrand schlafen. Bettelnde Kinder und Alte, mit nichts als ihrer Kleidung am Körper. Selbst ein Stück Pappe bedeutet hier schon Reichtum. Langsam steigt Übelkeit in mir auf. Ich lasse das Fotohandy sinken. Den Blick kann ich nicht abwenden. Wie ein Film zieht die Kulisse im fahrenden Bus an mir vorbei. Könnte ich doch nur behaupten, es wäre nicht wirklich.

Da fällt mein Blick auf einen handbemalten Wassertankwagen. Wer wird sich diesen Service leisten können? Die Armen trinken aus Kloaken. Reiche haben ihr eigenes Wassersystem. 'Horn please' lese ich auf der Rückseite des Tanks. Ob das nun bedeutet, man hupt, will man den Service in Anspruch nehmen oder um zu überholen, kann ich beim Vorbeifahren nicht genau erkennen. Gehupt wird sowieso andauernd. Eine Hupe ersetzt hier oft den fehlenden Blinker. Man hupt vorsorglich aber zu jeder erdenklichen Gelegenheit. Hupen als Kommunikationssurrogat.

Der Bus hält vor einem Luxushotel. Eine dreispurige Straße trennt das Märchenland vom Elend der Wirklichkeit. Beim Überqueren folgen uns bettelnde Kinder. Sie strecken uns die staubigen kleinen Hände entgegen und weichen nicht von unserer Seite. Am liebsten würde ich ihnen alles geben was ich habe, tu es aber dann doch nicht. Stattdessen schließe ich die Augen. Das Geräusch der nackten Füße begleitet uns durch die Unterführung. Sie lassen sich genauso wenig abschütteln wie die Bilder in meinem Kopf. Beissender Uringeruch steigt mir in die Nase. Die Behauptung Indien rieche nach Gewürzen, ist olfaktorisches Wunschdenken. An jeder Straßenecke häuft sich Abfall, daneben schlafende Menschen.
Wir sind auf dem Weg zum Schneider, der Lederbekleidung anfertigt. Die Kolleginnen haben es eilig, denn danach steht eine Massage, eine Maniküre und eine Pediküre auf dem Programm. Der Gebäudekomplex besteht aus vielen kleinen Läden, in denen Händler ihr Handwerk anbieten. Man hat bereits in den frühen Morgenstunden geöffnet, denn die Kundschaft - allesamt Angestellte diverser Luftfahrtunternehmen, die im Hotel gegenüber nächtigen - bleibt jeweils nur einen Tag. So begrüßt uns ein dunkler Inder mit Turban vor seinem Laden und führt uns in ein kleines Hinterzimmer. Das Leder türmt sich um eine abgewetzte Couch, auf der wir Platz nehmen. Jede trägt nacheinander ihre Wünsche vor, sucht passendes Leder aus, wird vermessen und handelt schließlich einen Preis aus. Alle Einwände und Zweifel schmettert der Geschäftsmann mit den Worten 'I make quality' ab. Schließlich wolle er, dass seine Kunden wiederkommen. Dann deutet er auf die Wand mit Fotos von fröhlich grinsenden Kolleginnen. Sie alle seien mit den Anfertigungen zufrieden gewesen.
Beim Verlassen des Ladens schlägt mir wieder dieser Geruch von Elend und Verwesung entgegen. Ich flüchte schnell in meine kleine Oase über die Straße. Ein schlechter Tag für die Bettler. Auch für die Kollegin ist heute ein schlechter Tag. Als wir uns am Pool die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen, jammert sie, sie hätte keinen Massagetermin mehr bekommen. Ich weiß, dass auf der anderen Seite der Mauer Menschen am Straßenrand krepieren, während ein Bediensteter mit weißen Handschuhen Cocktails an unseren Liegen anreicht. Hunger beschehrt denen Magenkrämpfe, die auf der falschen Seite der Mauer sitzen, während die Kollegin mit einer leichten Verspannung in der Schulterpartie kämpft. Die Diskrepanz lässt mich schaudern. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr dreht sich alles in mir. Wieder schließe ich die Augen wie ein Kind, das sich auf diese Weise unsichtbar glaubt. Ich weiß, ich bin trotzdem da, am Pool, im Luxushotel. Ich gehöre zu den Privilegierten, deren größte Sorge der Zustand ihrer Fingernägel ist. Ich kann mich nicht wegdenken, nicht ausnehmen. Ich bin nicht besser als sie, die sich um eine verpasste Massage grämt und dennoch gehöre ich in diesem Land zu den besseren Leuten.
Abends liefert der Schneider die fertige Ware ins Hotel. Ohne Vorlage oder konkrete Angaben ist die Jacke wunderschön geworden. Ich bedanke mich in überschwänglichen Worten. Am liebsten würde ich diese Nacht darin schlafen. Das Leder verströmt einen eigenen Geruch im Zimmer. Ein typischer Ledergeruch, doch mich erinnert er zunehmend an Delhis Straßenränder. Als ich die Augen schließe sind sie wieder da, die bettelnden Kinder. Zottelig und in zerfetzter Kleidung hüpfen sie vor mir her. Ich zucke kurz, drehe mich zur anderen Seite und ziehe energisch die Decke über die Schulter. Die laufende Klimaanlage brummt mich in den Schlaf. Es ist der Schlaf der Ignoranten. Ein tiefer Schlaf hinter hohen Mauern im Märchenland, ein guter Schlaf.
Am nächsten Morgen bringt uns der Bus zurück zum Flughafen. Noch einmal sehe ich Menschen am Straßenrand liegen, andere Abfallhaufen nach Eßbarem durchstöbern und dürre Rinder gemächlich die Straßen überqueren. Ich sehe Menschen vor ihren fragilen Wellblechbehausungen sitzen und Kinder, die an Ampeln Plastikspielzeug aus ihren Tüten zücken und den Fahrzeuginsassen zum Verkauf anbieten. Ich weiß, ich bin bald zu Hause. Dann werde ich meinen Koffer auspacken, die Lederjacke aufhängen und mir Gedanken um den nächsten Dienstplan machen. Ich werde an Weihnachten denken und daran, dass ich keine Pläne für Silvester habe. Ich werde mir wieder Sorgen machen, wenn die Jeans kneift und darüber, dass mein Computer nicht so funktioniert wie er sollte. Nur manchmal werde ich beim Vorbeigehen an der Garderobe ein wenig schnuppern und mich an die Bilder erinnern, an die Eindrücke aus einem fernen Land, dessen Armut inzwischen ebenfalls in unwirkliche Ferne gerückt ist. Ich weiß, dass ich nicht besser bin aber manchmal wäre ich es gerne.

Da fällt mein Blick auf einen handbemalten Wassertankwagen. Wer wird sich diesen Service leisten können? Die Armen trinken aus Kloaken. Reiche haben ihr eigenes Wassersystem. 'Horn please' lese ich auf der Rückseite des Tanks. Ob das nun bedeutet, man hupt, will man den Service in Anspruch nehmen oder um zu überholen, kann ich beim Vorbeifahren nicht genau erkennen. Gehupt wird sowieso andauernd. Eine Hupe ersetzt hier oft den fehlenden Blinker. Man hupt vorsorglich aber zu jeder erdenklichen Gelegenheit. Hupen als Kommunikationssurrogat.

Der Bus hält vor einem Luxushotel. Eine dreispurige Straße trennt das Märchenland vom Elend der Wirklichkeit. Beim Überqueren folgen uns bettelnde Kinder. Sie strecken uns die staubigen kleinen Hände entgegen und weichen nicht von unserer Seite. Am liebsten würde ich ihnen alles geben was ich habe, tu es aber dann doch nicht. Stattdessen schließe ich die Augen. Das Geräusch der nackten Füße begleitet uns durch die Unterführung. Sie lassen sich genauso wenig abschütteln wie die Bilder in meinem Kopf. Beissender Uringeruch steigt mir in die Nase. Die Behauptung Indien rieche nach Gewürzen, ist olfaktorisches Wunschdenken. An jeder Straßenecke häuft sich Abfall, daneben schlafende Menschen.
Wir sind auf dem Weg zum Schneider, der Lederbekleidung anfertigt. Die Kolleginnen haben es eilig, denn danach steht eine Massage, eine Maniküre und eine Pediküre auf dem Programm. Der Gebäudekomplex besteht aus vielen kleinen Läden, in denen Händler ihr Handwerk anbieten. Man hat bereits in den frühen Morgenstunden geöffnet, denn die Kundschaft - allesamt Angestellte diverser Luftfahrtunternehmen, die im Hotel gegenüber nächtigen - bleibt jeweils nur einen Tag. So begrüßt uns ein dunkler Inder mit Turban vor seinem Laden und führt uns in ein kleines Hinterzimmer. Das Leder türmt sich um eine abgewetzte Couch, auf der wir Platz nehmen. Jede trägt nacheinander ihre Wünsche vor, sucht passendes Leder aus, wird vermessen und handelt schließlich einen Preis aus. Alle Einwände und Zweifel schmettert der Geschäftsmann mit den Worten 'I make quality' ab. Schließlich wolle er, dass seine Kunden wiederkommen. Dann deutet er auf die Wand mit Fotos von fröhlich grinsenden Kolleginnen. Sie alle seien mit den Anfertigungen zufrieden gewesen.
Beim Verlassen des Ladens schlägt mir wieder dieser Geruch von Elend und Verwesung entgegen. Ich flüchte schnell in meine kleine Oase über die Straße. Ein schlechter Tag für die Bettler. Auch für die Kollegin ist heute ein schlechter Tag. Als wir uns am Pool die Sonne auf die Bäuche scheinen lassen, jammert sie, sie hätte keinen Massagetermin mehr bekommen. Ich weiß, dass auf der anderen Seite der Mauer Menschen am Straßenrand krepieren, während ein Bediensteter mit weißen Handschuhen Cocktails an unseren Liegen anreicht. Hunger beschehrt denen Magenkrämpfe, die auf der falschen Seite der Mauer sitzen, während die Kollegin mit einer leichten Verspannung in der Schulterpartie kämpft. Die Diskrepanz lässt mich schaudern. Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr dreht sich alles in mir. Wieder schließe ich die Augen wie ein Kind, das sich auf diese Weise unsichtbar glaubt. Ich weiß, ich bin trotzdem da, am Pool, im Luxushotel. Ich gehöre zu den Privilegierten, deren größte Sorge der Zustand ihrer Fingernägel ist. Ich kann mich nicht wegdenken, nicht ausnehmen. Ich bin nicht besser als sie, die sich um eine verpasste Massage grämt und dennoch gehöre ich in diesem Land zu den besseren Leuten.
Abends liefert der Schneider die fertige Ware ins Hotel. Ohne Vorlage oder konkrete Angaben ist die Jacke wunderschön geworden. Ich bedanke mich in überschwänglichen Worten. Am liebsten würde ich diese Nacht darin schlafen. Das Leder verströmt einen eigenen Geruch im Zimmer. Ein typischer Ledergeruch, doch mich erinnert er zunehmend an Delhis Straßenränder. Als ich die Augen schließe sind sie wieder da, die bettelnden Kinder. Zottelig und in zerfetzter Kleidung hüpfen sie vor mir her. Ich zucke kurz, drehe mich zur anderen Seite und ziehe energisch die Decke über die Schulter. Die laufende Klimaanlage brummt mich in den Schlaf. Es ist der Schlaf der Ignoranten. Ein tiefer Schlaf hinter hohen Mauern im Märchenland, ein guter Schlaf.
Am nächsten Morgen bringt uns der Bus zurück zum Flughafen. Noch einmal sehe ich Menschen am Straßenrand liegen, andere Abfallhaufen nach Eßbarem durchstöbern und dürre Rinder gemächlich die Straßen überqueren. Ich sehe Menschen vor ihren fragilen Wellblechbehausungen sitzen und Kinder, die an Ampeln Plastikspielzeug aus ihren Tüten zücken und den Fahrzeuginsassen zum Verkauf anbieten. Ich weiß, ich bin bald zu Hause. Dann werde ich meinen Koffer auspacken, die Lederjacke aufhängen und mir Gedanken um den nächsten Dienstplan machen. Ich werde an Weihnachten denken und daran, dass ich keine Pläne für Silvester habe. Ich werde mir wieder Sorgen machen, wenn die Jeans kneift und darüber, dass mein Computer nicht so funktioniert wie er sollte. Nur manchmal werde ich beim Vorbeigehen an der Garderobe ein wenig schnuppern und mich an die Bilder erinnern, an die Eindrücke aus einem fernen Land, dessen Armut inzwischen ebenfalls in unwirkliche Ferne gerückt ist. Ich weiß, dass ich nicht besser bin aber manchmal wäre ich es gerne.
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