Montag, 10. März 2008
In the still of the night


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Old habits die hard
Von Anbeginn sind meine Beiträge mit Liedzeilen oder -titeln überschrieben, die mal mehr, mal weniger mit dem Inhalt derselben zu tun haben. Seit einiger Zeit suche ich den entsprechenden Song bei Youtube, damit der geneigte Leser während des Lesevorganges auch eine nette melodische Untermalung hat. Anklicken muss er - der geneigte Leser - den entsprechenden Link aber noch selbständig: Old habits die hard

Jeden Morgen mache ich mir - mal abgesehen von den Jahren, die ich Kaffee trank - wie all die Jahre zuvor eine Kanne Tee, gieße mir eine Tasse ein, gebe Zucker und Zitrone hinzu, trinke drei Schluck, lasse die Tasse dann in der Küche stehen und den Rest kalt werden. Am nächsten Morgen schütte ich den Tee weg und mache eine neue Kanne, die wieder nur angetrunken kalt wird. Zwischendurch spüle ich die Kanne aus, kaufe neuen Tee, neue Zitrone und neuen Zucker. So geht das schon seit sieben verdammten Wochen. Dieses Verhalten deprimiert mich. Früher wäre ich wohl so flexibel gewesen, mir spätestens nach einer Woche dann halt keinen Tee mehr zu machen, wenn ich ihn nicht trinke. Heute halte ich an jeder Routine fest wie ein im Lebensfluß Ertrinkender. Ich könnte ja morgens statt Tee einfach ein Glas Apfelsaft trinken, ich verrücktes Huhn, ich. Das Risiko, dass sich mein Leben dadurch komplett auf den Kopf stellt, wäre allerdings zu groß.

Stellen wir uns nur mal vor, ich tränke ab heute keinen Tee mehr. Ich wäre länger morgens müde, denn Apfelsaft würde mich nicht aufwecken. Auf dem Weg zum Flughafen überfiele mich ein Sekundenschlaf, der mich mit einem Lastwagen kollidieren ließe. Wer weiß, um wieviel Tage, Wochen oder gar Jahre ich mein Leben verkürzte, tränke ich morgens Apfelsaft statt Tee. Oder der Mann meiner Träume wartete im Supermarkt vor dem Teeregal auf mich, ich aber stünde vor dem Saftregal, weil ich mich mal wieder nicht entscheiden könnte. Ich meine, das wäre wie beim Vater eines Ex-Freundes - und das ist jetzt kein Scheiß, sondern tatsächlich passiert - der jahrelang in einer Tippgemeinschaft beim Lotto immer dieselben Zahlen ankreuzte und als die Zahlen endlich gezogen wurden, war er seit einer Woche nicht mehr Mitglied dieser Gemeinschaft. Er wollte mal was Neues ausprobieren. Das Schicksal ist eine hinterhältige Sau, das wissen wir längst. Folglich bleibe ich beim Tee, selbst wenn ich ihn nicht trinke. Wer weiß, was ich sonst noch alles verpasse im Leben. Man hat ja auch nicht ewig Zeit.

Im Alter würde man wunderlich, sagen die Leute. Wenn die Sache mit dem Tee mal nicht wunderlich ist, dann weiß ich auch nicht. Aber alt fühle ich mich deswegen noch lange nicht. Naja, frage einen Achtzigjährigen, wie er sich fühlt und er wird antworten, er fühle sich wie zwanzig. Vorausgesetzt die Schwester hat kurz zuvor den Katheterbeutel gewechselt und die Dosis der Schmerzmittelinfusion erhöht. Ehrlich gesagt interessiert mich nicht, wie alt sich Jopie Heesters fühlt, wenn er wie ein Untoter aussieht. Das ist auch eine dieser Wunderlichkeiten. Menschen fühlen sich fast nie so, wie sie aussehen. Man fragt sich, warum Fünfzigjährige plötzlich in Mini, Leder und Leopardenmustern herumlaufen. Die Antwort ist simpel: als man es tragen konnte, hatte man nicht das nötige Selbstbewußtsein und wenn man das hat, kann man es nicht mehr tragen. Das ist nämlich die Krux am Älterwerden, die Sache mit dem Selbstbild.

Die Natur hat uns da ein zwiespältiges Trostpflaster spendiert. Jeden Tag zerfallen wir körperlich ein Stück mehr, unser Geist aber wächst. Idealerweise. Bei Manchen wächst leider nur das Ego, nicht die sogenannte Weisheit. Und so entsteht eine Diskrepanz zwischen innen und außen, die sich Jahr um Jahr schleichend vergrößert. Weil wir aber inzwischen so wahnsinnig weise geworden sind, läßt sich diese Diskrepanz ganz gut aushalten. Dafür wird unser Verhalten immer eigenartiger. Man trennt sich leichter von alten Klamotten, von Träumen und so mancher Freundschaft, an bestimmten Verhaltensmustern und Vorstellungen, deren ursprünglicher Sinn längst überholt ist, wird allerdings auf Teufel komm raus festgehalten. Da kann ein Therapeut lange seine Miete mit bezahlen.

Die Sache mit dem Tee fing an, als ich zu rauchen aufhörte. Man sagte mir, Frauen würden typischerweise in meinem Alter vernunftbedingt damit aufhören, da der eher wenig vernunftgesteuerte Grund mit der Schwangerschaft langsam hinfällig würde. Ich liege also voll im Trend. Jetzt habe ich schon eine Gewohnheit beendet, da fällt es umso schwerer, eine weitere zu lassen. Das mit dem Schlaf ist eine Sache, die ich - genau wie das mit dem Essen - nicht genau zuordnen kann. Schlafe ich nicht mehr, weil mein biologisches Gleichgewicht durch Suchtreduktion gestört wurde oder weil mittlerweile die senile Bettflucht einsetzte? Je weniger Lebenszeit man erwarten kann, umso weniger Schlafenszeit und damit doch effektiv mehr Lebenszeit. Zeit habe ich dadurch jede Menge. Vorwiegend zwischen fünf und sieben morgens. Dabei soll fehlender Schlaf das Leben doch verkürzen. Was die Natur wohl sonst noch für optische Täuschungen auf Lager hält?

Sinnkrise in Reinform. Und das alles wegen einer lächerlichen Tasse Tee!

Und noch einer zum Hören, weil der Text inzwischen länger als ein Song dauert:
Just getting older

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Freitag, 7. März 2008
Geb'n se dem Mann am Klavier noch en Bier
... das hat er nötig, wenn das Cello so klingt.

[Viel Spaß beim Üben]

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Mittwoch, 5. März 2008
Come together
Wie, ist schon wieder Mittwoch? Letzte Woche habe ich doch erst gebloggt. Damit die Zeit dazwischen nicht zu lang wird, hier etwas Randomgewäsch™

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Ein Bücherstöckchen von Kathrin wartet geduldig auf Erfüllung.

Schlage ein Buch auf Seite 123 auf und schreibe den fünften Satz, sowie die drei folgenden Sätze nieder.
In meinem Falle handelt es sich mal wieder um eines dieser verheißungsvollen Bücher, das von einem Passagier vergessen wurde. Sollte ich jemals begreifen, dass ein Verehrer des Wortes und somit der Literatur kein Buch vergißt, weil er Bücher dazu zu sehr liebt, habe ich meine spätpubertäre Idealismusphase auch endlich abgeschlossen.

"When each afternoon planning session was over, Georgia invariably headed back to work while Cat consultet her everready PDA and went to Pilates or an accupuncture appointment, a quick workout or an even quicker stop at the dermatologist for her regular collagen. There wasn't any sort of gabbing on the phone in between their meetings - and the two always conducted themselves professionally - but slowly a quiet feeling began to build. A sense of reunion.Georgia looked forward to see 'C@z.pm' scribbled on the calendar taped up over her computer, and Cat found herself clearing the deck on Wednesday afternoons in case the meeting went long; she'd rather skip spinning than her design meeting with Georgia."

aus 'The friday night knitting club' von Kate Jacobs



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Hinter der Bühne, gleich zwischen Künstlereingang und Vorhang, genau gesagt auf dem Stehpult des Inspizienten, über einen dieser sehr knackig muskulösen, jedoch gleichzeitig auch sehr jungen - mich deswegen beinahe der Pädophilie strafbar machend - Balletttänzer hergefallen, nachdem ich kurz zuvor noch der dort wartenden Frau Applebum zuzwinkerte. Aufgewacht. Fester Vorsatz, nie wieder kurz vor dem Schlafen nach Suspensorien zu googlen.

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'one and one and one is three'
Sage noch einer, in Liedtexten stecke keine Wahrheit.

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Auf den tiefsten Punkt folgt die Umkehr. Das ist so in der Geometrie (Scheitelpunkt der Parabel) und im wirklichen Leben. Wenn ich die Außentemperatur so betrachte, müsste es eigentlich ab jetzt Frühling werden. Arschkalt hier. Kleiner Trost: in Kiew und Helsinki ist es kälter.

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The best is yet to come. Auch ein Liedtext.

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Erstaunlich, wie man sich verändert. Unmerklich von Tag zu Tag und augenscheinlich aus größerer Distanz. Sage noch einer, im Alter könne man sich nicht mehr ändern. Allein das Alter verändert schon. Mit etwas Unterstützung werden dann Berge zu Propheten. Fleischberge.

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Am I living in a box?



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Emma hat meine fliegenden Kunden bescheiden werden lassen. Der Job der Kabinenangestellten ist damit sozusagen im Aufwind (ein Euro in die Kalauerkasse). Und wenn noch einer keift, weil ich ihm aus Sicherheitsgründen das Handgepäck abnehme, in persönlich zum Abschalten seiner elektronischen Geräte (ja, auch IPods sind elektronische Geräte oder läuft Ihrer mit Handkurbel?) auffordere oder weil er schlafen möchte, anstatt den Sicherheitsinstruktionen zu lauschen, werde ich lächelnd auf die Bildschlagzeile vom Sonntag verweisen (Video vom Anflug). Wie ich meine Passagiere allerdings kenne, sehen die aber nur das Tittenbild drunter. Selektive Wahrnehmung nennt man das in Fachkreisen.

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Nachtrag:

like a cat

Muss ich haben! Sehr dringend.

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Come together

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Dienstag, 26. Februar 2008
Run, run, run
Laufbänder sind die modernen Hamsterräder für Zweibeiner. Ich mag sie nicht. Ich mochte bis vor Kurzem aber auch nicht laufen. Wir sprechen von Laufen als schnelle Variante des Gehens, gemeinhin joggen genannt. Das muss man in Bayern verifizieren. Mit Laufen wird hier nämlich alles zwischen schleichen und rennen bezeichnet, das der Fortbewegung auf zwei Beinen dient. Die Süddeutschen sind allgemein nicht kleinlich, was verbale Eingrenzungen betrifft. Da geht der Fuß schon mal bis zur Hüfte und der Bauch ist das Gebiet zwischen Brust und Lenden. Obwohl, das mit dem Bauch hat sich wohl eher aus der männlichen Anatomie entwickelt. Wir Frauen differenzieren sehr wohl zwischen Magen- und monatlich wiederkehrenden Bauchschmerzen. Das aber nur am Rande.

Zurück zum Laufen. Monotone Bewegung, bei der man dem Körper jede einzelne Minute hart abringen muss. Von wegen Endorphinausschüttung. Ich vermute mal, Endorphine sind eine Erfindung der Sportindustrie. Es gibt sie nicht wirklich. Wenn du keine spürst, musst du eben öfter/länger laufen. Das sagen sie dir. Um öfter/länger zu laufen brauchst du aber die richtigen Schuhe, die richtige Unterwäsche und atmungsaktive Oberbekleidung. Von wegen atmungsaktiv: muss ich zur Hautatmung wechseln, wenn meine Lungenkapazität nicht ausreicht oder wie? Selbst wenn ich aus allen Löchern atme, die mir eigen sind, habe ich noch nie Endorphine gespürt. Wenn ich Schokolade esse schon.

Nun passen aber Schokolade und Sport nicht so gut zusammen. Das eine bedingt zwar oft das andere aber irgendwie handelt es sich eher um eine Zweckgemeinschaft als eine Liebesverbindung. Man könnte jetzt ganz pragmatisch sein und vor dem Laufen einfach Schokolade zu sich nehmen. Natürlich nur wegen der Endorphine. In Anbetracht des drohenden Sportes kann Schokolade aber ihre Wirkung nicht vollkommen entfalten. Und weil Endorphine so scheue Wesen sind, bleiben nur die Nebenwirkungen auf den Hüften. Da ist Schokolade wie Homöopathie: wenn es nicht wirkt, musst du es öfter/länger einnehmen. Wieviel Kalorien hat eigentlich ein Globuli und steht das auf der Verpackung?

Was ich aber eigentlich erzählen wollte, war die Geschichte mit dem Laufband. Seit einigen Wochen leide ich unter erheblich dezimiertem Nachtschlaf. Das kann jetzt durch meine verschobenen Arbeitszeiten bedingt sein oder durch verschobene Freizeitgrübelei. Fakt ist, dass ich letztens zum ersten Mal auf so einem modernen Hamsterrad stand und es sogar genoß. Morgens um fünf. Ich mache mir ernsthafte Sorgen.

Run run run

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Montag, 25. Februar 2008
Boogie Body
Bademoden in den Achzigern oder "was hat sich die Frau bloß reingepfiffen?"



Einige Zitate der mittleren Dame:

Now's the time you're gonna get up and boogie with us honey!

Umchickaumchickaumchickaumchickaum!

Find it, feel it, move it, oh jeah!

You're ready to do it? Here it is.

You ain't got nothing but time.

Now give it a little beat!

Let yourself go, honey, now shake it baby!

Right, left, aha, yeahyeah, auh, rrrr!

Shake it sugar, do it to it!

Feel your heart beating, that's good, good news!

Get loose for heavens sake. Don't you know how to get lose by now?

Oh your body's hot!

C'mon circle those hips!

You should have it by now. If you don't have it, you're never gonna get it folks.

Everybody's got a little soul in their hips.

You better believe it.


Sie werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass es Situationen gibt, in denen man als Frau besser schweigen sollte.

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Montag, 25. Februar 2008
Mushrooms


Die Kombination von Sonne und Wärme läßt Städter wie Pilze aus dem Boden schießen.

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Freitag, 22. Februar 2008
A room with a view (24)


Denver

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Dienstag, 19. Februar 2008
Like she's never danced before
Vor anderthalb Jahren habe ich noch hinter der Scheibe gesessen, zugeschaut und anschließend neidisch in mein Blog kommentiert. Heute war ich zum ersten Mal auf der anderen Seite. Was soll ich sagen? So ungefickt wie die würde ich auch gerne tanzen können.

Maniac

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Montag, 18. Februar 2008
Georgia on my mind
"Tiflis? Liegt das nicht in Libyen?"
Mal abgesehen davon, dass man bei diesem ganzen politischen Durcheinander keine Ahnung mehr hat, wie sich welche Länder derzeit benennen und was zu welchem Territorium gehört, kennt man manche Orte nur noch als Schlagworte aus den Medien. Ich wusste beispielsweise lange nicht, dass man in Castrop-Rauxel auch richtig wohnen kann, statt die meiste Zeit mit dem Auto auf Straßendreiecken zu stehen. Städte-, Länder- und Staatsnamen werden zu geflügelten Worten und der olle Diercke zum Katechismus für Spätsechz'ger. Wohl dem, der ihn nach seiner Schulzeit gegen geringes Entgeld erwarb.

So weiß ich kluges Kind natürlich, dass Eriwan nicht nur eine Radiostation ist und Tiflis die Hauptstadt Georgiens, was nicht über reichlich grundlegendere Geographielücken hinwegtäuschen soll. Selbst wenn sich noch ein dicker Strich durch das Abbild Deutschlands in meinem Diercke Weltatlas zieht, belehrt mich mein Lohnsteuerabzug eines Besseren. Dagegen hielt ich die Schwarzmeerflotte immer für die Bezeichnung eines Chores, dem man beitreten kann, wenn man dem Domspatzenalter entwachsen ist, statt an einen Undergroundclub der Marine zu denken. Seit heute weiß ich aber: das Schwarze Meer gibt es wirklich. Es ist sogar so groß, dass riesige Schiffe hineinpassen.

Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, das Schwarze Meer. Von oben. Ziemlich groß ist's und ziemlich schwarz. Es war auch Nacht. Allerdings weiß ich, daß es irgendwann auch zu Ende ist, das Schwarze Meer. Dahinter liegt dann Georgien. Davor übrigens Rumänien und nein, man muss nicht - wie einst eine von mir erfolgreich in die Irre geführte Kollegin - die Bedienung der Schwimmwesten demonstrieren, wenn man nach Bukarest fliegt. Sollten Sie also Georgien suchen, gucken Sie rechts von Bukarest, rechts vom Schwarzen Meer. Wenn Sie Eriwan sehen, sind Sie im Prinzip schon zu weit. Beim Kaspischen Meer auch. Wie gut, dass ich nicht Fluglotse geworden bin.

Die Georgier sprechen übrigens nicht russisch, sondern georgisch. Da sind sie eigen, die Georgier. Fast wie die Brasilianer, die man unter keinen Umständen auf spanisch ansprechen sollte. Jetzt spreche ich weder georgisch noch russisch und kann auch die Schriftzeichen nicht korrekt zuordnen. Da geht es mir ähnlich wie unserem Cateringmitarbeiter, der mir Einreiseformulare hinterlässt. Brav verteile ich die an unsere Gäste, bis mich einer darauf aufmerksam macht, daß es sich hierbei um Einreiseformulare für die Ukraine handelt. Ein marginaler Unterschied für mich, internationaler Konfliktstoff für Georgier. Glücklicherweise sind sie zu müde, um mit mir über Karikaturen Schriftzeichen zu streiten.

Die Georgier haben auch nichts mit den Albanern am Hut. Sie wissen schon, DIE Albaner aus der Verfilmung von Vargas-Llosas Roman der Tante Julia und ihrem Kugel Kunstschreiber. Obwohl, ursprünglich waren die Albaner im Buch Bolivianer. Marginale Unterschiede, sowohl in nautischen Meilen als auch im soziokulturellen Milieu. Meine Georgier haben eines gemeinsam: sie wollen alle nach oder weg von Tiflis. Möglicherweise haben sie letzteres mit Albanern, Ukrainern und Bolivianern gemeinsam. Wer will schon in einem Land bleiben, in dem eine Gehhilfe eher dem Untergestänge eines Leifheit Servierwagens aus den Siebzigern ähnelt, als einem mobilitätsfördernden Gerät, dessen Stabilität nur unwesentlich die der sich damit fortbewegenden Person übertrifft. Kurzum, Georgien ist ein relativ armes Land. Das hat es definitiv mit Albanien, der Ukraine und einigen anderen Ländern gemeinsam.

Eines haben sie auch mit mir gemeinsam, die Georgier: sie stehen nicht gerne mitten in der Nacht auf, um sich anschließend in ein Flugzeug zu begeben. Aber weil das Schwarze Meer groß und die Entfernung zum Rest der Welt noch größer ist, lässt es sich nicht umgehen. Letztlich will sich auch ein Georgier mal davon überzeugen, dass Castrop-Rauxel nicht in Holland liegt und der Begriff 'Nordsee' nicht für Devotionalienaufkleber steht. Ob mit oder ohne Gehhilfe.

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Sonntag, 17. Februar 2008
Wish you were here
Wish you were here

Mit dem Wünschen ist das so eine Sache. Dem Midas gleich zu wünschen, es würde alles berührte zu Gold, lässt einen möglicherweise verdursten. Weniger weitreichende Entscheidungen haben Eselsohren zur Folge. Der König unter den Blinden zu sein, ist zur Abwechslung mal angenehm. Nur bin ich unentschlossen, welches Auge ich zuhalten soll: das Lachende oder das Weinende.

Das Gras ist sowieso da immer grüner, wo man gerade nicht draufscheißen kann und die Sterne heller, wenn's drumrum ganz dunkel ist. Angst ist ein alter Affe und Sehnsucht die Endstation. Jaja, das Glück ist nicht immer lustig. Trotzdem hätte ich jetzt gerne ein Stück davon. Gerne auch geschnitten und ein bisserl mehr. Wo ich mich doch für einigermaßen bescheiden hielt. Hinterherschlauheit knallt wie schlechter Fusel. Bleibt nicht viel mehr als ein Loch zu graben und "Zu spät, zu spät, zu spät!" hineinzurufen. Ach was, ich brauche keine Binsen. Wozu gibt es denn Internet?!

[Rubrik: Pimp my interior Werther]

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