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Donnerstag, 13. Juni 2013
Tip Toes VI
frau klugscheisser, 23:28h
Die letzte Spitzenstunde war desaströs. Meine aufgeriebene Blase hatte ich getaped. Normalerweise bin ich barfuß in den Schuhen. Dieses Mal hatte ich eine sogenannte convertible Strumpfhose an. Die sehen ein bisschen aus wie Trombosestrümpfe aus dem Krankenhausbedarf mit unten einem Loch. Dadurch kann die Spitze der Strumpfhose über die Zehen gezogen werden, ohne die Strumpfhose komplett auszuziehen. Durch den Strumpf habe ich meist das Gefühl, ich rutsche im Schuh. Zusammen mit dem Tape waren die Schuhe so eng, dass sie selbst beim normalen Stehen empfindlich drückten. Und dann verließen mich nach 10 Minuten an der Stange die Kräfte. Sobald man die Schritte nicht mehr ganz kontrolliert ausführen kann, sollte man aufhören, da das Verletzungsrisiko steigt. Jetzt ist aber aufhören nicht meine Stärke und so kämpfte ich mich irgendwie durch die Kombination in der Mitte. Zum ersten Mal probierte ich auch eine Pirouette, die aber nicht so wirklich gestanden war. Da halfen auch Frau Iwanowitschs aufmunternde Worte am Ende der Stunde nichts. Nach dem vermeindlichen Fortschritt der Stunde davor war ich sehr enttäuscht, zumal ich mich auf diese eine Spitzenstunde in der Woche immer richtig freue und die normale Ballettlektion davor als notwendiges Übel durchlebe. Aber aufgeben ist ja nicht meine Stärke.
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Samstag, 8. Juni 2013
Tip Toes V
frau klugscheisser, 21:01h
Die ersten zwei Minuten des Videos waren unsere Lektion in der letzten Spitzenstunde. Ganz schön toll, was?
Etwa nach 20 Minuten merkte ich, dass ich mir durch eine Falte im Schuh die Haut abgerieben hatte. Ich erfuhr, dass Blut im Schuh beiAschenputtel Ballerinas regelmäßig vorkommt. Das sagt zumindest Frau Iwanowitsch. Meine Schuhe seien jetzt erst richtig eingeweiht. Ausserdem lernte ich, dass dieses Herumgelaufe auf der Bühne, das ich bisher immer ein wenig entenwatschelig absolvierte, ebenfalls zur Choreographie gehört. Nächstes Mal werde ich versuchen, graziöser zu laufen.
Etwa nach 20 Minuten merkte ich, dass ich mir durch eine Falte im Schuh die Haut abgerieben hatte. Ich erfuhr, dass Blut im Schuh bei
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Freitag, 7. Juni 2013
It's not dark yet
frau klugscheisser, 20:25h
Es wird einfach nicht dunkel in Oslo und St. Petersburg und obwohl ich unglaublich müde bin - immerhin bin ich in Istanbul um 3.00 aufgestanden, in Düsseldorf was später aber immer noch vor 5.00 - kann ich nicht einschlafen, sondern starre fasziniert aus dem Fenster. Daheim besitze ich keine Verdunkelungstechnik, wenn es also ganz dunkel im Zimmer wäre, könnte ich auch nicht wirklich schlafen, weil dann hätte ich Angst, ich fände den Lichtschalter nicht schnell genug. Das klingt jetzt irgendwie kindisch aber ich stelle mir immer vor, allein das anknipsen eines Lichts würde einen Serienmörder davon abhalten, mir was anzutun. Ganz zu schweigen von den Untoten und wilden Tieren, die sich aus meinen Träumen durch die Aufwachtüre hereinschleichen.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, es wird nicht dunkel. Das ist an sich nichts Neues und hängt mit dem Stand der Sonne zusammen. Die wendet demnächst ihren Kreis, deswegen Wendekreis. Und dann ist's halt fast die ganze Nacht hell in Oslo und St. Petersburg. Für mich ist das trotzdem irgendwie unglaublich, denn die Nacht assoziiert der durchschnittliche Westeuropäer ja mit Dunkelheit. Ich könnte die ganze Nacht nach draussen starren, den ziehenden Wolken und Vögeln hinterher. Tu ich aber nicht, weil ich ja bald wieder aufstehen muss. Genauer gesagt so gegen 2.00.
Wenn die Menschen also keine richtige Nacht haben, woher wussten die dann früher, wann sie aufstehen mussten? Woher wissen die Schnaken, wann sie zustechen und die Hähne, wann sie krähen sollen? Und wann sollen die Kinder zu Hause sein und vor allem warum? Es gibt Länder, da ist immer Sommer, in manchen ist immer Winter und in anderen ist's halt ein halbes Jahr hell und die andere Hälfte dunkel. Weisse Nächte haben nichts zu tun mit Schnee, sondern mit Tageslicht und das wird so gegen zehn abends unwirklich. Um zwölf wird's absurd und ab vier morgens wieder gewöhnlich. Für alle unter Vollmondlicht an Schlaflosigkeit Leidenden wäre ein Leben im Norden der sichere Untergang. Oder eine heilsame Erfahrung, je nachdem. Für mich ist es einfach nur ungewohnt. Irgendwann schlafe aber auch ich sicherlich ein.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, es wird nicht dunkel. Das ist an sich nichts Neues und hängt mit dem Stand der Sonne zusammen. Die wendet demnächst ihren Kreis, deswegen Wendekreis. Und dann ist's halt fast die ganze Nacht hell in Oslo und St. Petersburg. Für mich ist das trotzdem irgendwie unglaublich, denn die Nacht assoziiert der durchschnittliche Westeuropäer ja mit Dunkelheit. Ich könnte die ganze Nacht nach draussen starren, den ziehenden Wolken und Vögeln hinterher. Tu ich aber nicht, weil ich ja bald wieder aufstehen muss. Genauer gesagt so gegen 2.00.
Wenn die Menschen also keine richtige Nacht haben, woher wussten die dann früher, wann sie aufstehen mussten? Woher wissen die Schnaken, wann sie zustechen und die Hähne, wann sie krähen sollen? Und wann sollen die Kinder zu Hause sein und vor allem warum? Es gibt Länder, da ist immer Sommer, in manchen ist immer Winter und in anderen ist's halt ein halbes Jahr hell und die andere Hälfte dunkel. Weisse Nächte haben nichts zu tun mit Schnee, sondern mit Tageslicht und das wird so gegen zehn abends unwirklich. Um zwölf wird's absurd und ab vier morgens wieder gewöhnlich. Für alle unter Vollmondlicht an Schlaflosigkeit Leidenden wäre ein Leben im Norden der sichere Untergang. Oder eine heilsame Erfahrung, je nachdem. Für mich ist es einfach nur ungewohnt. Irgendwann schlafe aber auch ich sicherlich ein.
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Montag, 3. Juni 2013
Red Dot
frau klugscheisser, 15:42h
Achtung Ekelcontent. Beinhaltet keine metaphorische Botschaft.
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Pickel. So einen von der fiesen Sorte, der unter der Haut drückt und schmerzt. So richtig kommt der nie raus, also so mit weissem Häubchen aber Sie können ihn die ganze Zeit spüren. Sie beherrschen sich natürlich daran rumzufingern, schon allein deswegen, weil das böse Entzündungen begünstigt. Vor allem aber weil Sie wissen, dass jeder Pickel wie eine Frucht seine Zeit braucht. Und wenn er reif ist, wird das Drücken zu einem Kinderspiel. Diese Perspektive erleichtert Ihnen das tatenlose Warten, denn nichts ist so befriedigend wie einen reifen Pickel auszuquetschen, der einen lange quälte.
Und dann geschieht das Unfassbare: kurz bevor es soweit ist - also kurz vor der endgültigen Reife - nehmen Sie aufgrund diverser Entzündungsherde im Körper Antibiotika ein. Plötzlich sind nicht nur die Mandeln schmerzfrei, sondern auch der Pickel ist verschwunden. Ich fühle mich irgendwie betrogen.
Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Pickel. So einen von der fiesen Sorte, der unter der Haut drückt und schmerzt. So richtig kommt der nie raus, also so mit weissem Häubchen aber Sie können ihn die ganze Zeit spüren. Sie beherrschen sich natürlich daran rumzufingern, schon allein deswegen, weil das böse Entzündungen begünstigt. Vor allem aber weil Sie wissen, dass jeder Pickel wie eine Frucht seine Zeit braucht. Und wenn er reif ist, wird das Drücken zu einem Kinderspiel. Diese Perspektive erleichtert Ihnen das tatenlose Warten, denn nichts ist so befriedigend wie einen reifen Pickel auszuquetschen, der einen lange quälte.
Und dann geschieht das Unfassbare: kurz bevor es soweit ist - also kurz vor der endgültigen Reife - nehmen Sie aufgrund diverser Entzündungsherde im Körper Antibiotika ein. Plötzlich sind nicht nur die Mandeln schmerzfrei, sondern auch der Pickel ist verschwunden. Ich fühle mich irgendwie betrogen.
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Sonntag, 2. Juni 2013
I'm Every Woman
frau klugscheisser, 13:52h
Im Zuge der Recherche bin ich zum Bewunderer von Alice Eagly, Professorin für Psychologie und Forscherin auf dem Gebiet der Stereotype, Einstellungen, Geschlechtsunterschiede, Führungsverhalten, Feminismus uvm. geworden. Die renomierte Wissenschaftlerin wurde 1938 geboren und ist führend auf ihrem Gebiet. Gut vorstellbar, dass es zu ihrer Zeit wenige Frauen in ihrer Position gab, wahrscheinlich kaum eine, die sich mit Feminismus im wissenschaftlichen Rahmen beschäftigte. Jedenfalls haben mich ihre Feststellungen überzeugt. Sie schreibt (und spricht) nämlich durchaus unterhaltsam - was wiederum im Rahmen ihrer Forschung über Einstellungsänderung interessant sein dürfte, das aber nur am Rande. Bitte überzeugen Sie sich selbst:
Women and the Labyrinth of Leadership
Interview aus der FAZ 2010
Leider sind viele Studien lizensiert und deswegen nicht frei zugänglich, jedoch habe ich einige interessante hier gefunden:
Gender and Aggressive Behavior (1986)
Role Congruity Theory of Prejudice Toward Female Leaders (2002)
Und wie das bei Recherche halt so üblich ist, findet man weitere interessante Dinge (der sog. vom-Hundertsten-ins-Tausendste-Effekt), wie zum Beispiel hier:
"Die zentrale Dimension des modernen Sexismus ist
die Leugnung fortgesetzter Diskriminierung von Frauen
(...)
Aus der Interdependenz von Frauen und Männern erwachsen den Frauenstereotypen Merkmalsinhalte, die aus sexistischer Sicht eindeutig positiver Natur sind. Als Ergebnis erhält man das Diskriminierungs-Zuneigungs-Paradox (Eckes 2002): Einerseits sehen sich Frauen fortgesetzter Diskriminierung ausgesetzt (Benokraitis/Feagin 1995, Eagly/Karau 2002, Swim/Campbell 2001), andererseits erfahren sie vielfach positive Gesamtbewertungen, häufig sogar positivere Gesamtbewertungen als Männer („women-are-wonderful“-Effekt; Eagly/Mladinic 1994). Aus der Perspektive der Theorie des ambivalenten Sexismus (Glick/Fiske 1996, 2001a, 2001b) verschwindet dieses Paradox, wenn man sich klarmacht, dass die spezifische Art der Zuneigung und Idealisierung, die in der positiven Bewertung von Frauen zum Ausdruck kommt, lediglich die andere Seite ein und derselben „sexistischen Münze“ ist. Mit anderen Worten, Sexismus hat eine duale Bewertungsstruktur, die sich aus ablehnenden, feindseligen (hostilen) Einstellungen und subjektiv positiven, wohlmeinenden benevolenten) Einstellungen zusammensetzt. Strukturelle Macht von Männern schürt hostilen Sexismus, Abhängigkeit der Männer von Frauen in engen interpersonellen Beziehungen begünstigt benevolenten Sexismus."
Thomas Ecke: Geschlechterstereotype: von Rollen, Identitäten und Vorurteilen (2008)
Weiter mit Recherche...
Women and the Labyrinth of Leadership
Interview aus der FAZ 2010
Leider sind viele Studien lizensiert und deswegen nicht frei zugänglich, jedoch habe ich einige interessante hier gefunden:
Gender and Aggressive Behavior (1986)
Role Congruity Theory of Prejudice Toward Female Leaders (2002)
Und wie das bei Recherche halt so üblich ist, findet man weitere interessante Dinge (der sog. vom-Hundertsten-ins-Tausendste-Effekt), wie zum Beispiel hier:
"Die zentrale Dimension des modernen Sexismus ist
die Leugnung fortgesetzter Diskriminierung von Frauen
(...)
Aus der Interdependenz von Frauen und Männern erwachsen den Frauenstereotypen Merkmalsinhalte, die aus sexistischer Sicht eindeutig positiver Natur sind. Als Ergebnis erhält man das Diskriminierungs-Zuneigungs-Paradox (Eckes 2002): Einerseits sehen sich Frauen fortgesetzter Diskriminierung ausgesetzt (Benokraitis/Feagin 1995, Eagly/Karau 2002, Swim/Campbell 2001), andererseits erfahren sie vielfach positive Gesamtbewertungen, häufig sogar positivere Gesamtbewertungen als Männer („women-are-wonderful“-Effekt; Eagly/Mladinic 1994). Aus der Perspektive der Theorie des ambivalenten Sexismus (Glick/Fiske 1996, 2001a, 2001b) verschwindet dieses Paradox, wenn man sich klarmacht, dass die spezifische Art der Zuneigung und Idealisierung, die in der positiven Bewertung von Frauen zum Ausdruck kommt, lediglich die andere Seite ein und derselben „sexistischen Münze“ ist. Mit anderen Worten, Sexismus hat eine duale Bewertungsstruktur, die sich aus ablehnenden, feindseligen (hostilen) Einstellungen und subjektiv positiven, wohlmeinenden benevolenten) Einstellungen zusammensetzt. Strukturelle Macht von Männern schürt hostilen Sexismus, Abhängigkeit der Männer von Frauen in engen interpersonellen Beziehungen begünstigt benevolenten Sexismus."
Thomas Ecke: Geschlechterstereotype: von Rollen, Identitäten und Vorurteilen (2008)
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Mittwoch, 29. Mai 2013
Don't Know Nothing
frau klugscheisser, 23:25h
Die vergangenen Tage waren gelinde gesagt nervlich angespannt. Dazu muss der geneigte Leser wissen, dass ich mich in der letzten Phase meines Studiums befinde, genauer gesagt beim Verfassen meiner Abschlussarbeit. Vor einiger Zeit wurde aufgrund horrend hoher Studentenzahlen das Vergabeverfahren an meiner Uni geändert. Die Studenten werden per Losverfahren Betreuern zugeordnet, die dann wiederum Thema und Art der Arbeit festlegen. Anmeldeschluss war Ende April, Bearbeitungsbeginn der 1. Juni. Irgendwann bekam ich mit, dass ich eine der wenigen ohne Thema Verbliebenen war, sprich, ich hatte keine Mail von meinem zukünftigen Betreuer erhalten, während alle anderen bereits seit Wochen recherchierten.
Der Vorteil meines vergleichsweise hohen Alters liegt in Geduld. Ich muss mich nicht sofort verzweifelt betrinken und alle Hochschulangehörigen wüst beschimpfen, sondern schreibe freundliche Mails oder telefoniere mit diversen Zuständigen. Nach dem dritten Telefonat hatte ich sowohl die Aussage, man könne mir zwar versichern, dass eine Anmeldung fristgerecht eingegangen sei, nicht jedoch, wem ich zugeteilt wurde. Übrig blieb die Mailadresse einer mit dem Verfahren betrauten Person des Studienbetriebes. Wenn allerdings jede Mail von Frau Dr. der Naturwissenschaften mit den Worten "Ich drücke Ihnen weiterhin die Daumen" endet, dann wirft selbst mich das aus der Bahn. Ich möchte nicht, dass mir Frau Dr. der Naturwissenschaft die Daumen drückt, ich möchte eine verbindliche Aussage.
Nach der vierten Mail eines Tages - wohlgemerkt immer noch in distanziert freundlichem Ton meinerseits - war das Eis zwischen mir und Frau Dr. der Naturwissenschaften dann endlich gebrochen und sie verriet mir, was sie in den anderen Mails vehement zu wissen bestritt und was ich so dringend wissen wollte (O-Ton: ich habe eine wunderbare Nachricht zu verkünden). Möglicherweise wurde ihr die Lösung auf diese Weise eingegeben. Überhaupt zweifle ich inzwischen sehr am Wissenschaftsbetrieb im Allgemeinen seit ich die Berichte von Frau Herzbruch lese. Zumindest gleicht meine Einstellung diesbezüglich der eines Kindes, das plötzlich feststellen muss, dass die eigenen Eltern nicht perfekt sind. Der Glaube an die Institution Wissenschaft ist am Boden zerstört.
Und dann noch was zur allgemeinen Erheiterung. Die kleine Parodie auf ein derzeit bekanntes Hitparadenlied:
Some study that I used to know
Der Vorteil meines vergleichsweise hohen Alters liegt in Geduld. Ich muss mich nicht sofort verzweifelt betrinken und alle Hochschulangehörigen wüst beschimpfen, sondern schreibe freundliche Mails oder telefoniere mit diversen Zuständigen. Nach dem dritten Telefonat hatte ich sowohl die Aussage, man könne mir zwar versichern, dass eine Anmeldung fristgerecht eingegangen sei, nicht jedoch, wem ich zugeteilt wurde. Übrig blieb die Mailadresse einer mit dem Verfahren betrauten Person des Studienbetriebes. Wenn allerdings jede Mail von Frau Dr. der Naturwissenschaften mit den Worten "Ich drücke Ihnen weiterhin die Daumen" endet, dann wirft selbst mich das aus der Bahn. Ich möchte nicht, dass mir Frau Dr. der Naturwissenschaft die Daumen drückt, ich möchte eine verbindliche Aussage.
Nach der vierten Mail eines Tages - wohlgemerkt immer noch in distanziert freundlichem Ton meinerseits - war das Eis zwischen mir und Frau Dr. der Naturwissenschaften dann endlich gebrochen und sie verriet mir, was sie in den anderen Mails vehement zu wissen bestritt und was ich so dringend wissen wollte (O-Ton: ich habe eine wunderbare Nachricht zu verkünden). Möglicherweise wurde ihr die Lösung auf diese Weise eingegeben. Überhaupt zweifle ich inzwischen sehr am Wissenschaftsbetrieb im Allgemeinen seit ich die Berichte von Frau Herzbruch lese. Zumindest gleicht meine Einstellung diesbezüglich der eines Kindes, das plötzlich feststellen muss, dass die eigenen Eltern nicht perfekt sind. Der Glaube an die Institution Wissenschaft ist am Boden zerstört.
Und dann noch was zur allgemeinen Erheiterung. Die kleine Parodie auf ein derzeit bekanntes Hitparadenlied:
Some study that I used to know
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Sonntag, 26. Mai 2013
Never Too Late
frau klugscheisser, 20:37h
Natürlich bin ich viel älter als die meisten Ballettanfänger und natürlich werde ich nie so aussehen wie die jungen Mädchen, wenn sie in ihren Trikots und den Röckchen leicht über den Boden gleiten. Trotzdem gibt es viele Gründe, warum ich Ballett mag und es trainiere. Und ich bin nicht alleine. Es gibt inzwischen viele Kurse für erwachsene Anfänger. Sie beginnen in jedem Alter, mit jeder Figur und unterschiedlichsten Voraussetzungen. Ob mit oder ohne Vorkenntnisse aus jungen Jahren, gibt es für sie viele Gründe, sich in eng anliegende Kleidung zu zwängen und dem Diktat eines Tanzlehrers unterzuordnen. Hier habe ich mal eine persönliche Liste von 10 Gründen aufgestellt.
1. Die kleine Prinzessin in mir möchte tanzen
Als kleines Mädchen wollte ich natürlich gerne tanzen. Aus Geldknappheit waren teure Ballettstunden aber nicht drin. Somit habe ich mir einen Kinderwunsch erfüllt.
2. Man kann in jedem Alter etwas Neues beginnen
Wenn Ballett nur für die Jugend da ist, wieso tanzen dann so viele Ältere? Auch noch mit 50.
3. Fortschritt ist sichtbar
Ballett ist der Grundstein für jede andere Tanzart (ja, auch für Hip Hop und Paartanz, was glauben Sie denn, was die Profis insgeheim trainieren?) Allerdings ist Ballett technisch auch sehr stark determiniert. Jede Geste, jede Arm- oder Beinhaltung ist in jede Richtung genauestens festgelegt. Bei regelmäßigem Training kann ich erkennen, ob das Bein ein wenig höher kommt, die Arme profilierter und der Kopf schneller drehen oder bestimmte Übungen leichter fallen. In keiner anderen Sportart kann ich meinen Fortschritt als Ergebnis harter Arbeit besser beobachten wie im Ballett. Die Spiegel im Saal sind schließlich nicht nur zum Schminken da.
4. Meine innere Stimme spricht zu mir
Zugegeben kann der Spiegel an manchen Tagen auch mein Feind sein. Nämlich dann, wenn er die Schokolade vom Vortag und die Pizza am Mittag zeigt. Meistens wirft der Spiegel aber nur meine innere Haltung zurück. Wenn ich mich mag, ist auch der Spiegel mein Freund. So habe ich über die Jahre nicht nur gelernt, mit mir wohlwollender zu sprechen, sondern vor allem, mich zu mögen. Trotz dickem Hintern.
5. Das veränderte Körpergefühl
Beim Laufen spüre ich meine Beine, beim Radeln zusätzlich den Rücken, beim Tanzen spüre ich sogar den kleinen Finger. Jedes Körperteil, jeder Muskel kommt im Training in's Bewußtsein. Nicht nur wenn's weh tut, sondern ganz allgemein. Meine Haltung ist aufrechter, ich laufe graziöser, ich bewege mich insgesamt bewußter. Und nicht nur das Körpergefühl verändert sich, auch das Bewußtsein für den Raum. Ich kann die Mittänzer spüren selbst wenn sie mich nicht berühren. Manchmal im Supermarkt oder am Bahnsteig wünschte ich mir, es würden viel mehr Menschen tanzen.
6. Musik und Bewegung in einem
Die schönste Art sich zu bewegen ist die auf Musik. Nicht umsonst tragen so viele Läufer ihre Kopfhörer. Wenn die Bewegung dann noch zur Musik passt, entsteht eine neue Form von Ausdruck und Freiheit.
7. Der Tag wird strukturiert
Das tägliche Training kann Belohnung sein oder Pflichtprogramm. Auf jeden Fall führt die feste Einheit dazu, dass ich lästige Einkäufe, Fensterputz oder Bügeln nicht endlos vor mir herschiebe, sondern alles bis zu einer bestimmten Zeit erledigt habe.
8. Disziplin und Konzentration
Manchmal habe ich keine Lust auf Ballett. Dann gehe ich trotzdem in's Training. Meistens fühle ich mich hinterher besser. Oder auch nicht. Dann war's gut für die Disziplin. Ausserdem habe ich im Laufe der Zeit gelernt, mich besser auf das zu konzentrieren, was ich gerade mache. Bei neuen Schrittkombinationen bleibt nicht viel Raum für Gedanken, wie das wohl aussieht und ob ich es schaffe. Just do it lautet dann die Devise.
9. Gemeinsam statt einsam
Ich mag keine Mannschaftssportarten. Im Schulsport war maximal volleyball in Ordnung, weil da nicht so viel geboxt wurde. Im Ballett arbeitet zwar jeder für sich aber gleichzeitig mit vielen anderen. Das tun sie im Fitnessstudio auch, nur ganz anders. Wenn ich da jemand beim Hanteltraining oder auf der Beinpresse auf seine Leistung anspreche, haut der mir maximal eine rein. Im Ballett sitzen alle im gleichen Boot. Jeder kämpft mit körperlichen Unzulänglichkeiten, freut sich über gelungene Schrittkombinationen oder die dritte gestandene Pirouette und weiß, dass er damit nicht alleine ist. Ich lerne viel von den anderen, schaue mir bei den Besseren die Tricks ab und die schlechteren erinnern mich an meinen eigenen Weg. Oder ich sehe Fehler bei anderen, die ich bei mir nicht bemerkt habe, obwohl ich sie auch mache. Trotzdem fällt mir nach drei sauberen Pirouetten zwangsläufig der Spruch von Wachter ein
"Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein"
10. Body and Life balance
Ballett baut nicht nur Muskeln auf, es streckt sie auch. Das ist aber nicht primäres Ziel von Ballett. Die Muskeln sollen den Körper halten, damit in jeder Position balanciert werden kann. Auf zwei oder einem Bein, auf dem Fuss oder Zehenspitzen. Wenn ich die Sicherheitskontrolle am Flughafen passiere und ein Bein heben soll, damit die Dame mit dem Metalldetektor meine Füsse kontrolliert, hält sie mit der freien Hand meinen Körper. Offenbar schwanken viele schon bei dieser leichten Übung. So langsam verstehe ich, warum so viele Menschen nach innerer Balance suchen, wenn sie schon ihren Körper nicht balancieren können. Übrigens kann ich meine Schuhe mit durchgestreckten Knien binden und den Reissverschluss jedes Cocktailkleides alleine bedienen. Ein wichtiges Argument, das aber nur am Rande.
1. Die kleine Prinzessin in mir möchte tanzen
Als kleines Mädchen wollte ich natürlich gerne tanzen. Aus Geldknappheit waren teure Ballettstunden aber nicht drin. Somit habe ich mir einen Kinderwunsch erfüllt.
2. Man kann in jedem Alter etwas Neues beginnen
Wenn Ballett nur für die Jugend da ist, wieso tanzen dann so viele Ältere? Auch noch mit 50.
3. Fortschritt ist sichtbar
Ballett ist der Grundstein für jede andere Tanzart (ja, auch für Hip Hop und Paartanz, was glauben Sie denn, was die Profis insgeheim trainieren?) Allerdings ist Ballett technisch auch sehr stark determiniert. Jede Geste, jede Arm- oder Beinhaltung ist in jede Richtung genauestens festgelegt. Bei regelmäßigem Training kann ich erkennen, ob das Bein ein wenig höher kommt, die Arme profilierter und der Kopf schneller drehen oder bestimmte Übungen leichter fallen. In keiner anderen Sportart kann ich meinen Fortschritt als Ergebnis harter Arbeit besser beobachten wie im Ballett. Die Spiegel im Saal sind schließlich nicht nur zum Schminken da.
4. Meine innere Stimme spricht zu mir
Zugegeben kann der Spiegel an manchen Tagen auch mein Feind sein. Nämlich dann, wenn er die Schokolade vom Vortag und die Pizza am Mittag zeigt. Meistens wirft der Spiegel aber nur meine innere Haltung zurück. Wenn ich mich mag, ist auch der Spiegel mein Freund. So habe ich über die Jahre nicht nur gelernt, mit mir wohlwollender zu sprechen, sondern vor allem, mich zu mögen. Trotz dickem Hintern.
5. Das veränderte Körpergefühl
Beim Laufen spüre ich meine Beine, beim Radeln zusätzlich den Rücken, beim Tanzen spüre ich sogar den kleinen Finger. Jedes Körperteil, jeder Muskel kommt im Training in's Bewußtsein. Nicht nur wenn's weh tut, sondern ganz allgemein. Meine Haltung ist aufrechter, ich laufe graziöser, ich bewege mich insgesamt bewußter. Und nicht nur das Körpergefühl verändert sich, auch das Bewußtsein für den Raum. Ich kann die Mittänzer spüren selbst wenn sie mich nicht berühren. Manchmal im Supermarkt oder am Bahnsteig wünschte ich mir, es würden viel mehr Menschen tanzen.
6. Musik und Bewegung in einem
Die schönste Art sich zu bewegen ist die auf Musik. Nicht umsonst tragen so viele Läufer ihre Kopfhörer. Wenn die Bewegung dann noch zur Musik passt, entsteht eine neue Form von Ausdruck und Freiheit.
7. Der Tag wird strukturiert
Das tägliche Training kann Belohnung sein oder Pflichtprogramm. Auf jeden Fall führt die feste Einheit dazu, dass ich lästige Einkäufe, Fensterputz oder Bügeln nicht endlos vor mir herschiebe, sondern alles bis zu einer bestimmten Zeit erledigt habe.
8. Disziplin und Konzentration
Manchmal habe ich keine Lust auf Ballett. Dann gehe ich trotzdem in's Training. Meistens fühle ich mich hinterher besser. Oder auch nicht. Dann war's gut für die Disziplin. Ausserdem habe ich im Laufe der Zeit gelernt, mich besser auf das zu konzentrieren, was ich gerade mache. Bei neuen Schrittkombinationen bleibt nicht viel Raum für Gedanken, wie das wohl aussieht und ob ich es schaffe. Just do it lautet dann die Devise.
9. Gemeinsam statt einsam
Ich mag keine Mannschaftssportarten. Im Schulsport war maximal volleyball in Ordnung, weil da nicht so viel geboxt wurde. Im Ballett arbeitet zwar jeder für sich aber gleichzeitig mit vielen anderen. Das tun sie im Fitnessstudio auch, nur ganz anders. Wenn ich da jemand beim Hanteltraining oder auf der Beinpresse auf seine Leistung anspreche, haut der mir maximal eine rein. Im Ballett sitzen alle im gleichen Boot. Jeder kämpft mit körperlichen Unzulänglichkeiten, freut sich über gelungene Schrittkombinationen oder die dritte gestandene Pirouette und weiß, dass er damit nicht alleine ist. Ich lerne viel von den anderen, schaue mir bei den Besseren die Tricks ab und die schlechteren erinnern mich an meinen eigenen Weg. Oder ich sehe Fehler bei anderen, die ich bei mir nicht bemerkt habe, obwohl ich sie auch mache. Trotzdem fällt mir nach drei sauberen Pirouetten zwangsläufig der Spruch von Wachter ein
"Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein"
10. Body and Life balance
Ballett baut nicht nur Muskeln auf, es streckt sie auch. Das ist aber nicht primäres Ziel von Ballett. Die Muskeln sollen den Körper halten, damit in jeder Position balanciert werden kann. Auf zwei oder einem Bein, auf dem Fuss oder Zehenspitzen. Wenn ich die Sicherheitskontrolle am Flughafen passiere und ein Bein heben soll, damit die Dame mit dem Metalldetektor meine Füsse kontrolliert, hält sie mit der freien Hand meinen Körper. Offenbar schwanken viele schon bei dieser leichten Übung. So langsam verstehe ich, warum so viele Menschen nach innerer Balance suchen, wenn sie schon ihren Körper nicht balancieren können. Übrigens kann ich meine Schuhe mit durchgestreckten Knien binden und den Reissverschluss jedes Cocktailkleides alleine bedienen. Ein wichtiges Argument, das aber nur am Rande.
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Dienstag, 21. Mai 2013
Can't Buy Me Love
frau klugscheisser, 15:37h
I wish I looked like Cindy Crawford.
Cindy Crawford
Ein Vortrag von Jean Kilbourne über Frauen in der Werbung und wie sie unsere Sicht verändert:
Gefunden bei ballerina in my head in ihrem wunderbaren Artikel über Selbstsicht und Feminismus, der absolut lesenswert ist:
The woman in my head.
Cindy Crawford
Ein Vortrag von Jean Kilbourne über Frauen in der Werbung und wie sie unsere Sicht verändert:
Gefunden bei ballerina in my head in ihrem wunderbaren Artikel über Selbstsicht und Feminismus, der absolut lesenswert ist:
The woman in my head.
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Dienstag, 14. Mai 2013
Tip Toes IV
frau klugscheisser, 02:03h
Heute zum ersten Mal auf Spitze Center work komplett mitgemacht. Dazu muss der Laie wissen, dass jede Ballettstunde an der Stange beginnt. Alles, was später sozusagen freihändig balanciert wird, macht man erst einmal mit einer Hand an der Stange gehalten. Nicht dass die Stange dabei Halt gäbe, denn die ist nicht wirklich zum halten da, sondern eher psychologische Unterstützung. Die Konzentration ist dabei gerichtet auf das richtig Plazieren der einzelnen Körperteile und muss nicht komplett der Balance gewidmet werden.
Auch die Spitzenstunde beginnt - obwohl einer kompletten Ballettstunde folgend - an der Stange. Die Füße gewöhnen sich dabei an die völlig andere Art der Streckung, der Schwerpunkt liegt dabei genau über der Spitze der Schuhe. Und dann geht's ohne Stange weiter. Kleine Sprünge, kleine Schritte. Sie glauben gar nicht, wie schwierig das ist, obwohl man viel schwierigere Übungen eben noch in weichen Schuhen absolvierte. Jedes Mal wenn der Fuß auf die Spitze soll, muss er noch intensiver gestreckt, noch stärker durch die Körperspannung unterstützt werden. Meistens sehe ich ein wenig wie eine alte Frau dabei aus. Rechter Fuß nach vorne, dann buckle ich mich hoch, wieder runter, linker Fuß nach vorne, hochbuckeln und wieder runter.
Eine Mittänzerin meinte, man müsse sich einfach trauen, das Gewicht so schnell wie möglich auf die Spitze zu verlagern und nicht zu viel denken. Wenn Frau Iwanowitsch (Name v.d.R. geändert) erklärt und ich konzentriert zuhöre, kann es passieren, dass ich einfach richtig imitiere. Später dann kreuzt der Kopf durch das Körpergefühl und ich krieg's nicht mehr ordentlich hin. Das gilt übrigens auch für viele andere Übungen. Bei zu viel Denken, kann der Körper nicht mehr das machen, was er zunächst richtigerweise spürte.
In jeder Stunde bin ich die Schülerin, die sich nichts merken kann. Entweder sind die Füße richtig, dann habe ich aber garantiert den falschen Arm oben oder die Arme sind perfekt und die Füße falsch oder beides. Ich bin schlicht eine Katastrophe, die persönliche Via Dolorosa des Lehrkörpers, der Elchtest der Pädagogik. Frau Iwanowitsch erwies sich in der Vergangenheit als sehr geduldig. Die anderen sind bereits wesentlich fortgeschrittener auf Spitze, weswegen sie für mich die Schritte immer ein klein wenig abwandelt. Aber selbst die vereinfachten Schritte schaffe ich nicht. Stattdessen gebe ich die Clownshow der Nichtwissenden, mache wesentlich schwierigere Sachen als von mir oder den anderen verlangt, nur um dann bei Wiederholung ganz groß zu scheitern.
Während Frau Iwanowitsch also minütlich in Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, habe ich einen Heidenspaß. Heute habe ich sogar ein Lob eingeheimst, weil ich trotz Zehenkrampf die komplette Stunde durchhielt. Somit mache ich Nichtkönnen einfach mit Ausdauer wett. Frau Iwanowitsch wird sich vermutlich ihren Berufswunsch im nächsten Leben gut überlegen. Könnte ja sein, dass wir da nochmal aufeinandertreffen.
Auch die Spitzenstunde beginnt - obwohl einer kompletten Ballettstunde folgend - an der Stange. Die Füße gewöhnen sich dabei an die völlig andere Art der Streckung, der Schwerpunkt liegt dabei genau über der Spitze der Schuhe. Und dann geht's ohne Stange weiter. Kleine Sprünge, kleine Schritte. Sie glauben gar nicht, wie schwierig das ist, obwohl man viel schwierigere Übungen eben noch in weichen Schuhen absolvierte. Jedes Mal wenn der Fuß auf die Spitze soll, muss er noch intensiver gestreckt, noch stärker durch die Körperspannung unterstützt werden. Meistens sehe ich ein wenig wie eine alte Frau dabei aus. Rechter Fuß nach vorne, dann buckle ich mich hoch, wieder runter, linker Fuß nach vorne, hochbuckeln und wieder runter.
Eine Mittänzerin meinte, man müsse sich einfach trauen, das Gewicht so schnell wie möglich auf die Spitze zu verlagern und nicht zu viel denken. Wenn Frau Iwanowitsch (Name v.d.R. geändert) erklärt und ich konzentriert zuhöre, kann es passieren, dass ich einfach richtig imitiere. Später dann kreuzt der Kopf durch das Körpergefühl und ich krieg's nicht mehr ordentlich hin. Das gilt übrigens auch für viele andere Übungen. Bei zu viel Denken, kann der Körper nicht mehr das machen, was er zunächst richtigerweise spürte.
In jeder Stunde bin ich die Schülerin, die sich nichts merken kann. Entweder sind die Füße richtig, dann habe ich aber garantiert den falschen Arm oben oder die Arme sind perfekt und die Füße falsch oder beides. Ich bin schlicht eine Katastrophe, die persönliche Via Dolorosa des Lehrkörpers, der Elchtest der Pädagogik. Frau Iwanowitsch erwies sich in der Vergangenheit als sehr geduldig. Die anderen sind bereits wesentlich fortgeschrittener auf Spitze, weswegen sie für mich die Schritte immer ein klein wenig abwandelt. Aber selbst die vereinfachten Schritte schaffe ich nicht. Stattdessen gebe ich die Clownshow der Nichtwissenden, mache wesentlich schwierigere Sachen als von mir oder den anderen verlangt, nur um dann bei Wiederholung ganz groß zu scheitern.
Während Frau Iwanowitsch also minütlich in Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, habe ich einen Heidenspaß. Heute habe ich sogar ein Lob eingeheimst, weil ich trotz Zehenkrampf die komplette Stunde durchhielt. Somit mache ich Nichtkönnen einfach mit Ausdauer wett. Frau Iwanowitsch wird sich vermutlich ihren Berufswunsch im nächsten Leben gut überlegen. Könnte ja sein, dass wir da nochmal aufeinandertreffen.
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Samstag, 11. Mai 2013
Love Letters II
frau klugscheisser, 16:54h
Brief an mein 17 jähriges Selbst:
Liebe A.,
Du bist toll! Das wirst Du gleich vehement bestreiten, vor allem weil Du nichts lieber möchtest als aus Deiner Haut zu fahren. Eine andere sein, besser sein, schlanker und perfekter. Sei wohlwollender zu Dir. Keiner liebt Dich deswegen mehr, nur weil Du etwas besser kannst, schlanker bist oder gar perfekt. Im Übrigen wirst Du nie wieder so schlank und jung aussehen wie jetzt. Genieße es. Lerne Dich selbst zu mögen und sei nachsichtiger mit Deinen Unzulänglichkeiten und denen Deiner Mitmenschen.
Das Abitur ist zwar nervig aber eine ganz gute Sache. Mach's aber nimm's nicht allzu wichtig. Überhaupt nimm Dich nicht zu wichtig. Du hast Recht, wenn Du behauptest, das Leben sei nicht fair. Das ist es nicht nur zu Dir, sondern zu keinem. Jeder kämpft mit eigenen Probleme und Geschichten. Die sind den Deinen gar nicht mal so unähnlich. Wenn Du genau hinschaust, wirst Du eine Menge Gemeinsamkeiten entdecken. Du bist gar nicht so allein, wie Du Dich immer fühlst.
Je eher Du lernst loszulassen, umso leichter wird alles weitere für Dich. Loslassen von Menschen, Gedanken, vorstellungen, vor allem Wertungen. Sei nicht zu hart in Deinem Urteil über Dich und andere. Nichts ist absolut, alles relativ und am persönlichen Maßstab gemessen. Wenn Du es schaffst, Dich nur an Dir selbst zu messen, wirst Du Deine Ergebnisse auch wertschätzen können.
Lass' das mit den Jungs sein. Verwechsle Sex nicht mit Nähe und Hormone nicht mit Liebe. Du weißt es nicht besser. Wenn Du unbedingt Jungfrau bleiben willst, dann bleibe es und lass Dir nicht das Gegenteil einreden. Wenn Du es nicht mehr willst, dann gib die Einstellung auf. Das braucht keine prinzipiellen oder religiösen Hintergründe. Vor allem braucht es aber niemand, der Dich überredet. Das entscheidest ganz alleine Du. Später wirst Du nämlich genau deswegen an Dir zweifeln. Du kannst jeden Mann kriegen, musst aber nicht jeden nehmen. Vor allem lass' die Finger von denen, die liiert sind. Das ist geborgte Illusion, nicht Deine. Geborgenheit wirst Du erst finden, wenn Du nicht mehr draussen danach suchst.
Im Übrigen sieht Dein Leben in zwanzig Jahren zwar vollkommen anders aus als Du es Dir jetzt vorstellst, ist aber gar nicht so übel wie Du meinst. Im Gegenteil, es wird sich herausstellen, dass Dein Berufswunsch Dich nicht glücklich macht und Du nicht stirbst, wenn Du ihn aufgibst. An gebrochenem Herzen ist noch keiner gestorben. Überhaupt ist sterben keine Alternative, das bringt Dir mal so richtig gar nichts. Also hör' auf mit dem Drama und beginne das zu schätzen, was da ist.
Für Dein Alter bist Du schon ganz schön weise. Du hast unglaublich viel gelesen und gehört, hast eine gute Allgemeinbildung, bist neugierig und offen für alles Unbekannte. Mach' Dir keine Sorgen, weil Du statt der gängigen Popgruppen lieber die alten Tonbänder Deiner Mutter hörst oder Deine Lieblingsschauspieler in schwarz-weiß agieren. Die anderen bleiben meistens bei einem Stil stecken. Dein Kopf ist dem Bauch meilenweit voraus. Allein an der Umsetzung hapert's noch. Das kommt später, nur Geduld.
Dass sich die Aufgaben und Herausforderungen im Leben wiederholen bedeutet nicht, dass das Leben langweillig ist. Wiederholung ist nichts als die Gelegenheit zum Üben. Letztendlich bringt Dich jede Übung ein Stück weiter. Aber das weißt Du doch von Deinen täglichen Etüden. Genauso verhält es sich auch mit Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Gelegentliches Scheitern bedeutet nicht, dass Du es nicht schon ein wenig besser kannst oder es nicht begriffen hättest. Alles wiederholt sich und wird mit jedem Mal ein wenig anders. Dafür ist es ja da, das Leben. Falls Du mal wieder nach dem Sinn fragst, hier ist er.
Am Ende wirst Du nichts von dem befolgen, was ich hier geschrieben habe. Das ist richtig so. Mach' Deine eigene Erfahrung und lerne daraus. Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Weg. Nur eines solltest Du dabei nie vergessen:
Du bist toll!
Liebe A.,
Du bist toll! Das wirst Du gleich vehement bestreiten, vor allem weil Du nichts lieber möchtest als aus Deiner Haut zu fahren. Eine andere sein, besser sein, schlanker und perfekter. Sei wohlwollender zu Dir. Keiner liebt Dich deswegen mehr, nur weil Du etwas besser kannst, schlanker bist oder gar perfekt. Im Übrigen wirst Du nie wieder so schlank und jung aussehen wie jetzt. Genieße es. Lerne Dich selbst zu mögen und sei nachsichtiger mit Deinen Unzulänglichkeiten und denen Deiner Mitmenschen.
Das Abitur ist zwar nervig aber eine ganz gute Sache. Mach's aber nimm's nicht allzu wichtig. Überhaupt nimm Dich nicht zu wichtig. Du hast Recht, wenn Du behauptest, das Leben sei nicht fair. Das ist es nicht nur zu Dir, sondern zu keinem. Jeder kämpft mit eigenen Probleme und Geschichten. Die sind den Deinen gar nicht mal so unähnlich. Wenn Du genau hinschaust, wirst Du eine Menge Gemeinsamkeiten entdecken. Du bist gar nicht so allein, wie Du Dich immer fühlst.
Je eher Du lernst loszulassen, umso leichter wird alles weitere für Dich. Loslassen von Menschen, Gedanken, vorstellungen, vor allem Wertungen. Sei nicht zu hart in Deinem Urteil über Dich und andere. Nichts ist absolut, alles relativ und am persönlichen Maßstab gemessen. Wenn Du es schaffst, Dich nur an Dir selbst zu messen, wirst Du Deine Ergebnisse auch wertschätzen können.
Lass' das mit den Jungs sein. Verwechsle Sex nicht mit Nähe und Hormone nicht mit Liebe. Du weißt es nicht besser. Wenn Du unbedingt Jungfrau bleiben willst, dann bleibe es und lass Dir nicht das Gegenteil einreden. Wenn Du es nicht mehr willst, dann gib die Einstellung auf. Das braucht keine prinzipiellen oder religiösen Hintergründe. Vor allem braucht es aber niemand, der Dich überredet. Das entscheidest ganz alleine Du. Später wirst Du nämlich genau deswegen an Dir zweifeln. Du kannst jeden Mann kriegen, musst aber nicht jeden nehmen. Vor allem lass' die Finger von denen, die liiert sind. Das ist geborgte Illusion, nicht Deine. Geborgenheit wirst Du erst finden, wenn Du nicht mehr draussen danach suchst.
Im Übrigen sieht Dein Leben in zwanzig Jahren zwar vollkommen anders aus als Du es Dir jetzt vorstellst, ist aber gar nicht so übel wie Du meinst. Im Gegenteil, es wird sich herausstellen, dass Dein Berufswunsch Dich nicht glücklich macht und Du nicht stirbst, wenn Du ihn aufgibst. An gebrochenem Herzen ist noch keiner gestorben. Überhaupt ist sterben keine Alternative, das bringt Dir mal so richtig gar nichts. Also hör' auf mit dem Drama und beginne das zu schätzen, was da ist.
Für Dein Alter bist Du schon ganz schön weise. Du hast unglaublich viel gelesen und gehört, hast eine gute Allgemeinbildung, bist neugierig und offen für alles Unbekannte. Mach' Dir keine Sorgen, weil Du statt der gängigen Popgruppen lieber die alten Tonbänder Deiner Mutter hörst oder Deine Lieblingsschauspieler in schwarz-weiß agieren. Die anderen bleiben meistens bei einem Stil stecken. Dein Kopf ist dem Bauch meilenweit voraus. Allein an der Umsetzung hapert's noch. Das kommt später, nur Geduld.
Dass sich die Aufgaben und Herausforderungen im Leben wiederholen bedeutet nicht, dass das Leben langweillig ist. Wiederholung ist nichts als die Gelegenheit zum Üben. Letztendlich bringt Dich jede Übung ein Stück weiter. Aber das weißt Du doch von Deinen täglichen Etüden. Genauso verhält es sich auch mit Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Gelegentliches Scheitern bedeutet nicht, dass Du es nicht schon ein wenig besser kannst oder es nicht begriffen hättest. Alles wiederholt sich und wird mit jedem Mal ein wenig anders. Dafür ist es ja da, das Leben. Falls Du mal wieder nach dem Sinn fragst, hier ist er.
Am Ende wirst Du nichts von dem befolgen, was ich hier geschrieben habe. Das ist richtig so. Mach' Deine eigene Erfahrung und lerne daraus. Jeder hat das Recht auf seinen eigenen Weg. Nur eines solltest Du dabei nie vergessen:
Du bist toll!
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