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Dienstag, 20. August 2019
Feelings
frau klugscheisser, 23:44h

Fragen Sie mal jemanden, was er fühlt, wenn das Gefühlspendel nicht in die ein oder andere Richtung ausschlägt. Die Person wird's nicht auf Anhieb wissen und nach ein wenig Bedenkzeit den Zustand als ruhig oder ausgeglichen beschreiben. Wenn die Gefühlsskala aber auf Maximum steht kann sie's sofort benennen. Im Grunde sind Gefühle also meist gesteigerte Erregungszustände. Angst, Wut, Trauer, Hass aber auch positive Gefühle wie Verliebtheit, Glück, Fröhlichkeit, alles zählt da drunter. Selbst Langeweile und Unzufriedenheit sind nichts anderes als Erregungszustände. Und die wollen wir gerne vermeiden, weil Erregungszustände anstrengend und auf Dauer sogar schädlich sein können. Das Vermeiden haben wir seit unserer Kindheit gelernt. Wir sind Meister in Vermeidungstaktiken wie die Ablenkungsindustrie und vor allem die Häufigkeit von Suchtverhalten zeigen. Wer sich davon ablenkt, hat aber die Gefühle deswegen nicht ausgeschalten, er hat sie nur in eine dunkle Ecke gedrückt. Da warten sie, bis sie uns in einem unaufmerksamen Moment hinterrücks überfallen. Manchmal erscheinen sie nicht als die ursprünglichen, sondern in abgewandelter Form. Wut ist so ein Beispiel. Meistens entsteht Wut aus Unterdrückung und war ursprünglich Verletztheit oder Angst.
Es gibt sehr viele wütende Menschen da draussen. Die projezieren diese Wut fast immer auf andere. Dabei sind sie im Grunde auf sich selbst wütend. Sie fragen sich sicher, wo dieser Beitrag hinführen soll. Wutbürger? Ausländerhass? Nein, dazu bin ich viel zu unpolitisch. Ich beobachte nur - fast immer erst mal mich selbst. Viele meiner Vermeidungsstrategien - rauchen, essen und noch paar andere, selbstzerstörerische - entstanden aus unterdrückter Traurigkeit oder Langeweile. Ich brauche ein Überdruckventil, wenn ich keinen Schaden nehmen will. Oder ich mache das, was eigentlich die ursprünglichste Strategie ist. Ich fühle. Gefühle haben nämlich nur einen Sinn: sie sind zum Fühlen da. Und noch viel erstaunlicher ist die Tatsache, dass sie relativ schnell vergehen, vorausgesetzt ich lade sie gedanklich nicht mit Bedeutung auf.
Klingt ein bisschen kompliziert, doch mit etwas Übung gelingt mir das ganz gut. Dann warte ich die paar Minuten ab anstatt zu essen, Nagelhaut zu kauen oder mich sonstwie abzulenken. Ein bisschen disziplinieren muss ich mich aber schon, weil mein Kopf natürlich immer was draus machen will. Ich kann aber bewußt entscheiden, die Frage nach dem Ursprung meiner Gefühle sein zu lassen. Viele Erregungszustände entstehen nämlich nur aus sehr trivialen Gründen: Schlafmangel, hormonelles Ungleichgewicht oder einfach ein kurzer Anstieg des Adrenalinspiegels. Da muss ich nicht drüber grübeln, das ist einfach so. Ich kann dem also Bedeutung beimessen oder es einfach wahrnehmen. Also meine Gefühle fühlen. Denn zu fühlen heisst gleichzeitig auch, lebendig zu sein.
Na schön, das war jetzt ein bisschen abgehoben. Ich fahre allerdings damit ganz gut. Und heute stieß ich auf das obige Motto. Das ist aus einer Sammlung von Kärtchen für jeden Tag, die spiritual AF heißt und die nicht so spirituell sind, wie der Name prophezeit. Gefunden in einem Scherzartikelladen in Vancouver auf der Suche nach einem Abschiedsgeschenk für eine Kollegin. Fand ich nach kurzer Überlegung dann doch nicht so passend. Also bekam sie eine Tasse mit Vancouver-Motiv, über die sie sich sehr gefreut hat. Und ich freue mich jetzt an den Kärtchen.
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Mittwoch, 14. August 2019
Sitting
frau klugscheisser, 12:19h
Es ist ein wenig befremdlich für mich, weil ich mich selbst ein bisschen besser kenne als die anderen mich, und gelegentlich bin ich erstaunt über meine autoritäre Ausstrahlung. So auch letztens, als ich mal wieder mit einem schlecht erzogenen Passagier zu tun hatte. Es gibt diese Menschen, die glauben, mit einem Flugticket nicht nur eine Sitzgelegenheit auf der Beförderung, sondern gleichzeitig das ganze Interieur mitsamt Personal gekauft zu haben. Die beschmutzen dann ungeniert diverse Flächen, legen die Füße auf alle möglichen Erhöhungen oder übergeben sich - nicht nur in Toiletten, sondern gerne mal inmitten des Ganges - und entfernen sich anschließend ohne ein Wort, in der Hoffnung, nicht dafür verantwortlich gemacht zu werden.
Gestern also wieder solch ein Exemplar in feinem Zwirn. Hatte die Füße oben auf die Rückenlehne des Vordersitzes bequem abgelegt. Nun gibt es Kollegen, die sich lange passende Sätze zurechtlegen, um Missbilligung auszudrücken und zur Verhaltenskorrektur zu bewegen. Man muss wissen, dass wir zur Freundlichkeit angehalten sind, sobald wir in Uniform auftreten. Nicht nur in unserem Arbeitsberech, sondern auch in der restlichen Öffentlichkeit. Bei mir funktioniert das nur begrenzt. Denn wenn ich sowas sehe, reagiere ich unvermittelt. Beim Vorbeigehen also ein kritischer Blick, gehobene Augenbrauen und die Beine mit einem hörbaren "m-mmm" kurz angetippt. Die flanellbekleideten Beine waren sowas von schnell unten, das hätte auch eine unbewusste Schutzreaktion sein können. Geht natürlich nicht immer so schnell und wortlos aber es erstaunt mich immer wieder, wenn es funktioniert. Ich vermute, die Personen wissen ihr schlechtes Benehmen genau einzuschätzen und warten nur, ob Mutti das auch toleriert.
Ganz anders in der anschließenden Heimfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Weil die S-Bahn durch Ausfälle sehr voll war, fand ich keinen Sitzplatz. Dabei hatten viele Fahrgäste ihre Koffer statt auf den Gepäckablagen oben der Einfachheit halber zwischen den Beinen oder vor freie Sitze geschoben. Ich finde das sehr rücksichtslos, zumal ich gerne nach 12 Stunden auf den Beinen die 50 Minuten Fahrtzeit sitzend verbracht hätte. Hier fiel mir wieder die Geschichte einer Kollegin ein, die von einem Vielflieger durch Zeigen seiner Clubkarte aufgefordert wurde, ihren Platz für ihn freizumachen. Ich weiß nicht mehr wie es ausging, jedoch bin ich sicher, er hat sie damit sehr in einen inneren Konflikt gebracht. Und ich wusste nicht, dass eine Vielflieger Clubkarte gleichzeitig auch Behindertenstatus impliziert, obwohl ich manches Mal am geistigen Allgemeinzustand solcher Personen zweifelte.
Werte Leserschaft, wenn Sie eine uniformierte Person im öffentlichen Nahverkehr sehen, dann starren Sie bitte nicht und sprechen sie schon gleich gar nicht an. Meistens wollen wir nämlich nur unsere Ruhe. Wir signalisieren dies auch sehr deutlich durch Kopfhörer o.ä. und Sonnenbrillen. Selbst wenn wir Uniform tragen, möchten wir nicht in ein Gespräch über unseren Berufsalltag verwickelt werden oder gar Auskunft über Bahnverbindungen geben müssen. Wir möchten nach diversen Stunden der öffentlichen Dienstleistung einfach nicht lächeln müssen oder freundliche Worte finden, können dies aber durch unseren Status nicht so deutlich zu verstehen geben. Und wir würden gerne sitzen, weil uns die Beine, die Füße und der Rücken weh tun. Bitte bieten Sie uns Plätze an, die möglicherweise durch Ihre Taschen oder Koffer unbenutzbar sind. Sie müssen ja nicht gleich aufstehen, es wäre aber hilfreich, wenn Sie wenigstens Ihre Beine ein wenig zur Seite nähmen, sollten diese besonders lang sein. Dann geben wir auch bei Ihrem nächsten Flug gerne wieder Auskunft und machen das Unmögliche möglich. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Gestern also wieder solch ein Exemplar in feinem Zwirn. Hatte die Füße oben auf die Rückenlehne des Vordersitzes bequem abgelegt. Nun gibt es Kollegen, die sich lange passende Sätze zurechtlegen, um Missbilligung auszudrücken und zur Verhaltenskorrektur zu bewegen. Man muss wissen, dass wir zur Freundlichkeit angehalten sind, sobald wir in Uniform auftreten. Nicht nur in unserem Arbeitsberech, sondern auch in der restlichen Öffentlichkeit. Bei mir funktioniert das nur begrenzt. Denn wenn ich sowas sehe, reagiere ich unvermittelt. Beim Vorbeigehen also ein kritischer Blick, gehobene Augenbrauen und die Beine mit einem hörbaren "m-mmm" kurz angetippt. Die flanellbekleideten Beine waren sowas von schnell unten, das hätte auch eine unbewusste Schutzreaktion sein können. Geht natürlich nicht immer so schnell und wortlos aber es erstaunt mich immer wieder, wenn es funktioniert. Ich vermute, die Personen wissen ihr schlechtes Benehmen genau einzuschätzen und warten nur, ob Mutti das auch toleriert.
Ganz anders in der anschließenden Heimfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Weil die S-Bahn durch Ausfälle sehr voll war, fand ich keinen Sitzplatz. Dabei hatten viele Fahrgäste ihre Koffer statt auf den Gepäckablagen oben der Einfachheit halber zwischen den Beinen oder vor freie Sitze geschoben. Ich finde das sehr rücksichtslos, zumal ich gerne nach 12 Stunden auf den Beinen die 50 Minuten Fahrtzeit sitzend verbracht hätte. Hier fiel mir wieder die Geschichte einer Kollegin ein, die von einem Vielflieger durch Zeigen seiner Clubkarte aufgefordert wurde, ihren Platz für ihn freizumachen. Ich weiß nicht mehr wie es ausging, jedoch bin ich sicher, er hat sie damit sehr in einen inneren Konflikt gebracht. Und ich wusste nicht, dass eine Vielflieger Clubkarte gleichzeitig auch Behindertenstatus impliziert, obwohl ich manches Mal am geistigen Allgemeinzustand solcher Personen zweifelte.
Werte Leserschaft, wenn Sie eine uniformierte Person im öffentlichen Nahverkehr sehen, dann starren Sie bitte nicht und sprechen sie schon gleich gar nicht an. Meistens wollen wir nämlich nur unsere Ruhe. Wir signalisieren dies auch sehr deutlich durch Kopfhörer o.ä. und Sonnenbrillen. Selbst wenn wir Uniform tragen, möchten wir nicht in ein Gespräch über unseren Berufsalltag verwickelt werden oder gar Auskunft über Bahnverbindungen geben müssen. Wir möchten nach diversen Stunden der öffentlichen Dienstleistung einfach nicht lächeln müssen oder freundliche Worte finden, können dies aber durch unseren Status nicht so deutlich zu verstehen geben. Und wir würden gerne sitzen, weil uns die Beine, die Füße und der Rücken weh tun. Bitte bieten Sie uns Plätze an, die möglicherweise durch Ihre Taschen oder Koffer unbenutzbar sind. Sie müssen ja nicht gleich aufstehen, es wäre aber hilfreich, wenn Sie wenigstens Ihre Beine ein wenig zur Seite nähmen, sollten diese besonders lang sein. Dann geben wir auch bei Ihrem nächsten Flug gerne wieder Auskunft und machen das Unmögliche möglich. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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Donnerstag, 8. August 2019
Trauma my ass!
frau klugscheisser, 16:36h
Kaputte Krieger via Augen geradeaus

Es war etwa um 2005 rum, da hatte ich plötzlich Flugangst. Bei Start oder Landung über Wasser bekam ich schwitzige Handflächen, erstarrte innerlich und konnte mich nicht mehr auf meine eigentliche Aufgabe - der mentalen Vorbereitung auf eine mögliche Evakuierung - konzentrieren. Ganz schön scheiße in meinem Job. Ich erinnere mich, dass ich als Passagier in einem kleinen Flugzeug fast ausgetickt bin, weil man mich nicht am Notausgang sitzen lassen wollte. Und ich weiß noch, wie mein Umfeld mit Unverständnis darauf reagierte und ich folglich alles daran setzte, meinen Zustand so weit wie möglich zu verheimlichen. Damals begriff ich nicht was mit mir los war, zumal ich bis dato ein Mensch war, der vor wenigen Dingen Angst hatte. Im Gegenteil, ich suchte das Risiko, liebte wilde Fahrgeschäfte auf dem Volksfest, war Höhlentaucherin und vermied auch sonst keine potentiell gefährlichen Situationen. Ich wusste nicht, dass mein Zustand einen Namen hatte, sonst hätte ich den googeln können. In diversen Fallbeschreibungen, deren Symptome meinen ähnelten, stand immer gleichzeitig was von "lebensbedrohlichen Ereignissen". Ein PTSD (post-traumatic stress disorder, deutsch: post-traumatisches Belastungssyndrom= PTBS) kannte ich nur in Zusammenhang mit Kriegsveteranen, Geiselnahmen oder sonstigen Gewaltopfern. Ich war sicher, das trifft auf mich nicht zu.
Irgendwann begriff ich, dass ich damit ebenfalls gemeint war. Ich litt unter sogenannten Flashbacks, Alpträumen, gesteigerten Erregungszuständen und Aussetzern. All das konnte ich jedoch geschickt überspielen. Meine Seele hat sich dann einen anderen, deutlicheren Weg gesucht, um sich Gehör zu verschaffen. Ich bekam Angst vor dem Fliegen. ICH! Nee, oder? Ich war doch die Unerschrockene, die Starke, die sich immer selbst hilft. Der Weg von der Einsicht zur Genesung war lang und steinig. Und beschissen. Was war geschehen? Abgesehen von Gewalterfahrungen in meiner Kindheit hatte ich in der Zeit einen Tauchunfall, der mich fast das Leben gekostet hätte. Das war der Auslöser. Es folgten Monate mir unerklärlichen Seelenleids. Ich verlor das Interesse an sozialen Kontakten, grub mich ein und wachte fast jede Nacht schweißgebadet auf, rauchte wie Schlot, fühlte mich aber sonst eher mau. Nicht richtig depressiv, eher so mittelschlecht. Ich brauchte starke Auslöser für Emotionalität und flüchtete in Affären und Sex. Damit konnte ich wenigstens die miese Allgemeinstimmung erklären. Die Erkenntnis, dass es am härtesten die Starken und Rationalen trifft, bringt mich heute dazu, es aufzuschreiben. Die können das Erlebte und die Folgen nämlich sehr lange leugnen, wegerklären oder sich schlichtweg davon ablenken. So auch ich. Bis es eben nicht mehr ging und ich mich krank melden musste.
Also suchte ich mir eine Therapeutin, mit der ich das Geschehene aufarbeitete. Nicht rational, sondern emotional. Mehrere Monate intensives Abtragen der Schutzschichten begleitet von lang anhaltenden Weinkrämpfen waren mein Alltag. Eine Folge von starkem Stresserleben ist der Schutzmechanismus der Seele, die damit verbundenen Emotionen abzuspalten. Erst wenn die Erinnerung abgerufen und dabei die zugehörigen Gefühle nochmals im geschützten Raum erlebt werden, kann der Mensch wieder ganz werden. Die unterdrückten Gefühle sind mächtig und auch nach vielen Jahren manchmal noch überwältigend. Sowas löst sich nicht mit einmal drüber weinen auf. Da muss man immer wieder dran, bis die emotionalen Wellen seichter werden. Manche behaupten, es wäre nie ganz heilbar. Meine Erfahrung ist, dass ich seichtere Wellen besser bewältigen kann als die Brecher, die mich schutzlos umhauen. Letztlich geht es genau darum, es in erlebbare Häppchen zu portionieren, damit ich bei einem Anflug nicht sofort in vegetative Starre verfalle oder mir mit Süchten drüber weg helfen muss. Nervosität in bestimmten Situationen, gelegentliche Alpträume oder leicht dysfunktionales Verhalten, inzwischen kann ich damit umgehen.
Vor ein paar Jahren absolvierte ich eine Ausbildung zur Krisenhelferin, die mich dazu befähigt, andere nach einem potentiell traumatisierenden Erlebnis zu unterstützen. Ich habe gelernt, dass sich traumatisierend nicht generalisieren lässt und Erleben sehr individuell abläuft. Was einer als Lappalie abtut, kann einen anderen umhauen. Dabei möchte ich nochmals betonen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sich ein Gefühl von Überwältigung einzugestehen. Es besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen PTSD und emotionaler Schwäche. Die vermeindlich Starken leiden nur länger. Zudem gibt es Studien, die besagen, dass soziale Unterstützung bei der Verarbeitung von Erlebtem förderlich sein kann. Vietnam Veteranen, die in ein intaktes soziales Umfeld zurückkehrten, litten weniger unter PTSD, Abhängigkeiten oder anderen Folgen und waren schneller rehabilitiert.
Ein starkes Interesse an diesem Thema kann bereits Indikator für etwas sein, was da im Innersten schmort. Suchen Sie sich jemanden zum Reden. Es muss nicht gleich die Fachkraft sein, sollte aber professionell behandelt werden, wenn die Symptome den Alltag bereits stark einschränken. Was ebenfalls für einen Therapeuten spricht, ist die Tatsache, dass man dem auch zum hundertsten Mal dieselbe Geschichte erzählen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Der kriegt dafür schließlich Geld. Ein Garant für Heilung ist Bezahlung nicht, wohl aber die Bereitschaft, sich mit seiner eigenen Vergangenheit, insbesondere den dunklen Ecken auseinanderzusetzen und dort hinzusehen, wo's richtig weh tut. Irgendwann tut's dann nicht mehr so weh. Das verspreche ich.
Anm.: Wenn Sie etwas tun möchten, dann verlinken Sie diesen Erfahrungsbericht für mehr Reichweite. Nicht weil ich eitel bin, sondern weil es viele gibt, denen damit möglicherweise geholfen werden kann.
Noch mehr Anm.: ich bin keine Expertin. Das ist nur ein Erfahrungsbericht. Es gibt aber Anlaufstellen, die helfen können:
PTSD Hilfe in München
Krisendienst München
Überregionaler Krisendienst

Es war etwa um 2005 rum, da hatte ich plötzlich Flugangst. Bei Start oder Landung über Wasser bekam ich schwitzige Handflächen, erstarrte innerlich und konnte mich nicht mehr auf meine eigentliche Aufgabe - der mentalen Vorbereitung auf eine mögliche Evakuierung - konzentrieren. Ganz schön scheiße in meinem Job. Ich erinnere mich, dass ich als Passagier in einem kleinen Flugzeug fast ausgetickt bin, weil man mich nicht am Notausgang sitzen lassen wollte. Und ich weiß noch, wie mein Umfeld mit Unverständnis darauf reagierte und ich folglich alles daran setzte, meinen Zustand so weit wie möglich zu verheimlichen. Damals begriff ich nicht was mit mir los war, zumal ich bis dato ein Mensch war, der vor wenigen Dingen Angst hatte. Im Gegenteil, ich suchte das Risiko, liebte wilde Fahrgeschäfte auf dem Volksfest, war Höhlentaucherin und vermied auch sonst keine potentiell gefährlichen Situationen. Ich wusste nicht, dass mein Zustand einen Namen hatte, sonst hätte ich den googeln können. In diversen Fallbeschreibungen, deren Symptome meinen ähnelten, stand immer gleichzeitig was von "lebensbedrohlichen Ereignissen". Ein PTSD (post-traumatic stress disorder, deutsch: post-traumatisches Belastungssyndrom= PTBS) kannte ich nur in Zusammenhang mit Kriegsveteranen, Geiselnahmen oder sonstigen Gewaltopfern. Ich war sicher, das trifft auf mich nicht zu.
Irgendwann begriff ich, dass ich damit ebenfalls gemeint war. Ich litt unter sogenannten Flashbacks, Alpträumen, gesteigerten Erregungszuständen und Aussetzern. All das konnte ich jedoch geschickt überspielen. Meine Seele hat sich dann einen anderen, deutlicheren Weg gesucht, um sich Gehör zu verschaffen. Ich bekam Angst vor dem Fliegen. ICH! Nee, oder? Ich war doch die Unerschrockene, die Starke, die sich immer selbst hilft. Der Weg von der Einsicht zur Genesung war lang und steinig. Und beschissen. Was war geschehen? Abgesehen von Gewalterfahrungen in meiner Kindheit hatte ich in der Zeit einen Tauchunfall, der mich fast das Leben gekostet hätte. Das war der Auslöser. Es folgten Monate mir unerklärlichen Seelenleids. Ich verlor das Interesse an sozialen Kontakten, grub mich ein und wachte fast jede Nacht schweißgebadet auf, rauchte wie Schlot, fühlte mich aber sonst eher mau. Nicht richtig depressiv, eher so mittelschlecht. Ich brauchte starke Auslöser für Emotionalität und flüchtete in Affären und Sex. Damit konnte ich wenigstens die miese Allgemeinstimmung erklären. Die Erkenntnis, dass es am härtesten die Starken und Rationalen trifft, bringt mich heute dazu, es aufzuschreiben. Die können das Erlebte und die Folgen nämlich sehr lange leugnen, wegerklären oder sich schlichtweg davon ablenken. So auch ich. Bis es eben nicht mehr ging und ich mich krank melden musste.
Also suchte ich mir eine Therapeutin, mit der ich das Geschehene aufarbeitete. Nicht rational, sondern emotional. Mehrere Monate intensives Abtragen der Schutzschichten begleitet von lang anhaltenden Weinkrämpfen waren mein Alltag. Eine Folge von starkem Stresserleben ist der Schutzmechanismus der Seele, die damit verbundenen Emotionen abzuspalten. Erst wenn die Erinnerung abgerufen und dabei die zugehörigen Gefühle nochmals im geschützten Raum erlebt werden, kann der Mensch wieder ganz werden. Die unterdrückten Gefühle sind mächtig und auch nach vielen Jahren manchmal noch überwältigend. Sowas löst sich nicht mit einmal drüber weinen auf. Da muss man immer wieder dran, bis die emotionalen Wellen seichter werden. Manche behaupten, es wäre nie ganz heilbar. Meine Erfahrung ist, dass ich seichtere Wellen besser bewältigen kann als die Brecher, die mich schutzlos umhauen. Letztlich geht es genau darum, es in erlebbare Häppchen zu portionieren, damit ich bei einem Anflug nicht sofort in vegetative Starre verfalle oder mir mit Süchten drüber weg helfen muss. Nervosität in bestimmten Situationen, gelegentliche Alpträume oder leicht dysfunktionales Verhalten, inzwischen kann ich damit umgehen.
Vor ein paar Jahren absolvierte ich eine Ausbildung zur Krisenhelferin, die mich dazu befähigt, andere nach einem potentiell traumatisierenden Erlebnis zu unterstützen. Ich habe gelernt, dass sich traumatisierend nicht generalisieren lässt und Erleben sehr individuell abläuft. Was einer als Lappalie abtut, kann einen anderen umhauen. Dabei möchte ich nochmals betonen, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sich ein Gefühl von Überwältigung einzugestehen. Es besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen PTSD und emotionaler Schwäche. Die vermeindlich Starken leiden nur länger. Zudem gibt es Studien, die besagen, dass soziale Unterstützung bei der Verarbeitung von Erlebtem förderlich sein kann. Vietnam Veteranen, die in ein intaktes soziales Umfeld zurückkehrten, litten weniger unter PTSD, Abhängigkeiten oder anderen Folgen und waren schneller rehabilitiert.
Ein starkes Interesse an diesem Thema kann bereits Indikator für etwas sein, was da im Innersten schmort. Suchen Sie sich jemanden zum Reden. Es muss nicht gleich die Fachkraft sein, sollte aber professionell behandelt werden, wenn die Symptome den Alltag bereits stark einschränken. Was ebenfalls für einen Therapeuten spricht, ist die Tatsache, dass man dem auch zum hundertsten Mal dieselbe Geschichte erzählen kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Der kriegt dafür schließlich Geld. Ein Garant für Heilung ist Bezahlung nicht, wohl aber die Bereitschaft, sich mit seiner eigenen Vergangenheit, insbesondere den dunklen Ecken auseinanderzusetzen und dort hinzusehen, wo's richtig weh tut. Irgendwann tut's dann nicht mehr so weh. Das verspreche ich.
Anm.: Wenn Sie etwas tun möchten, dann verlinken Sie diesen Erfahrungsbericht für mehr Reichweite. Nicht weil ich eitel bin, sondern weil es viele gibt, denen damit möglicherweise geholfen werden kann.
Noch mehr Anm.: ich bin keine Expertin. Das ist nur ein Erfahrungsbericht. Es gibt aber Anlaufstellen, die helfen können:
PTSD Hilfe in München
Krisendienst München
Überregionaler Krisendienst
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Mittwoch, 7. August 2019
When I met you (in the summer)
frau klugscheisser, 13:19h

Manchmal erlebst du magische Momente. Das Licht stimmt, die Kamera ist fokussiert, die Hintergrundmusik nicht zu laut und der eigene Bauch fühlt sich gut an. Da kommt ein Mensch um die Ecke. Mit einem Satz hat er deine ganze Aufmerksamkeit. Eigentlich reicht auch nur ein Wort. Etwas, das in dir schwingt, das Erinnerungen weckt, ein Bild zaubert. Als ob du einen Finger in die Spannung bohren könntest, so dicht wird die Atmosphäre. Plötzlich ist das Sehnen greifbar. Du fasst es an, bist elektrisiert. Und ganz unbemerkt hat es sich personifiziert.
Du wunderst dich. Deine Geschichte hat dich gelehrt, was du glaubst von dir zu wissen. Du kannst nicht aus deiner Haut. Mit dieser Situation bist du überfordert. Da ist etwas komplett neu. Etwas Unbekanntes bringt dich im vertrauten Raum zum Taumeln.Wenn du es zulässt, reißt es dich in unbekannte Gewässer. Und du bist dir nicht sicher, ob du das willst. Überhaupt brauchst du den Boden der Konventionen unter den Füßen, damit du nach außen sein kannst, was du einmal festgelegt hast. Unangenehm fühlt es sich an, weil du nicht weißt, wie du darauf reagieren sollst. Weil du es nicht einfach wegleugnen kannst, stolperst du weiter. Du hoffst auf Umstände, rationalisierst und träumst gleichzeitig ein bisschen von dem, was sein könnte.
Alles kommt anders, denn Leben passiert, während wir Pläne schmieden. Leben hat keine Ponyhöfe und Kindergeburtstage sowieso nur für Menschen mit Nachwuchs. Das gilt übrigens auch für Parkplätze. Die sind selten frei. Deswegen parkst du deinen Kopf noch lange nicht unter Verbotsschildern, sondern suchst brav die Lücke am Straßenrand. So lange rangieren, bis es passt. Dann ist der Lack ab. Du steigst aus und prüfst den Schaden, befühlst die Dellen. Unversehrt liegt lange zurück. Vielleicht warst du es nie wirklich, jedenfalls kannst du dich nicht daran erinnern. Aber du hast dich immer wieder ausgebeult und aufpoliert.
Entweder du akzeptierst die konventionelle Grenze oder lehnst dich ganz weit hinüber ins Neuland. Du hast die Illusion von Sicherheit längst entblößt, hältst Dich aber gerne daran fest. Fixe Ideen sind handlicher als Erkenntnisse. Geduld gehört nicht zu deinen besten Eigenschafen, Binsenweisheiten machen dich aggressiv. Handlung als Übersprung. Und so wartest du und rauchst. Bis alles vorbei ist oder von vorne beginnt.
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Dienstag, 6. August 2019
Cabin Fever
frau klugscheisser, 19:47h
Ivory Black
Du hast alles erledigt, hast geputzt, die Rechnungen bezahlt, hast die Bettwäsche gewechselt und Mails beantwortet. Du hast alle zehn Minuten deine Nachrichten gecheckt und ein paar Leute angerufen. Du könntest mal wieder malen oder Sport machen, was lesen oder einen Film schauen aber danach ist dir nicht. Dir ist nicht nach Abwechslung. In deinem Kopf schraubst du an einem Gedanken. Du denkst zu viel. Das behaupten die, die generell weniger denken. Den Zauberwürfel im Zentrum deines Kopfes kannst du nicht einfach zerbrechen und die Teile nach passenden Farben sortieren. Je länger du drehst, umso wirrer sehen die verschiedenen Seiten aus. Irgendwann, so hoffst du, wirst du eine Lösung finden. Vielleicht findest du sie zufällig, wenn du nur lange genug planlos herumschraubst. Irgendwann wird alles am richtigen Platz sein. To fall into place. Momentan fehlt dir einfach der richtige twist. Deswegen drehst du weiter am Gedanken. Die Zimmerdecke scheint sehr niedrig, der Raum enger. Cabin Fever denkst du. Ja, einfach raus schwitzen, ein bisschen husten. Rotz, Wasser, Müdigkeit. Die Knochen tun weh, die Haare kannst du einzeln spüren, hast sie aber nie gezählt. Das fällt dir jetzt erst auf. Jeden Tag gehen ein paar verloren, wachsen nach und fallen wieder aus. Circle of life In vierzehn Tagen ist alles vorbei, so zuverlässig wie das Amen in der Kirche. As night follows day Wer kann sich schon im Sommer an die Kälte des Schnees erinnern?
Du hast alles erledigt, hast geputzt, die Rechnungen bezahlt, hast die Bettwäsche gewechselt und Mails beantwortet. Du hast alle zehn Minuten deine Nachrichten gecheckt und ein paar Leute angerufen. Du könntest mal wieder malen oder Sport machen, was lesen oder einen Film schauen aber danach ist dir nicht. Dir ist nicht nach Abwechslung. In deinem Kopf schraubst du an einem Gedanken. Du denkst zu viel. Das behaupten die, die generell weniger denken. Den Zauberwürfel im Zentrum deines Kopfes kannst du nicht einfach zerbrechen und die Teile nach passenden Farben sortieren. Je länger du drehst, umso wirrer sehen die verschiedenen Seiten aus. Irgendwann, so hoffst du, wirst du eine Lösung finden. Vielleicht findest du sie zufällig, wenn du nur lange genug planlos herumschraubst. Irgendwann wird alles am richtigen Platz sein. To fall into place. Momentan fehlt dir einfach der richtige twist. Deswegen drehst du weiter am Gedanken. Die Zimmerdecke scheint sehr niedrig, der Raum enger. Cabin Fever denkst du. Ja, einfach raus schwitzen, ein bisschen husten. Rotz, Wasser, Müdigkeit. Die Knochen tun weh, die Haare kannst du einzeln spüren, hast sie aber nie gezählt. Das fällt dir jetzt erst auf. Jeden Tag gehen ein paar verloren, wachsen nach und fallen wieder aus. Circle of life In vierzehn Tagen ist alles vorbei, so zuverlässig wie das Amen in der Kirche. As night follows day Wer kann sich schon im Sommer an die Kälte des Schnees erinnern?
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Mittwoch, 31. Juli 2019
This too shall pass
frau klugscheisser, 02:13h
“It is said an Eastern monarch once charged his wise men to invent him a sentence, to be ever in view, and which should be true and appropriate in all times and situations. They presented him the words: “And this, too, shall pass away.” How much it expresses! How chastening in the hour of pride! How consoling in the depths of affliction!”A. Lincoln
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Montag, 29. Juli 2019
Past Lives
frau klugscheisser, 13:41h

Was Sie hier sehen, sind meine 15 meistgelesenen Blogbeiträge. Die Reihenfolge hat sich über die Jahre nicht großartig geändert. Und weil ich mich kaum noch erinnern kann, habe ich die mal alle nachgelesen.
Ich muss sagen, viele davon gefallen mir außerordentlich gut. Manches liest sich heute für mich befremdlich - vor allem meine Freischnautzeformuliererei - aber nie langweilig. Ganz kurz habe ich überlegt, ob ich das alles wirklich alleine geschrieben habe. Durch scheinbar fremde Augen gelesen. Um's kurz zu machen: ja habe ich. Jedoch bezweifle ich, jemals wieder so schreiben zu können, so unverblümt und doch wohlgesetzt. Deswegen habe ich gleich mal bei den folgenden 10 Beiträgen weitergelesen.

Ich weiß, die Lesezahlen setzen sich auch aus den jeweiligen Kommentaren zusammen, d.h. ein Text ist nicht so oft gelesen worden, sondern viele Kommentare haben die Zahl moderiert. Ach ja, die Kommentare! Die kleinen Diskurse vermisse ich schon ein bisschen. Andererseits, so hohe Zahlen sind es auch wieder nicht, jedenfalls nicht mit bekannteren Blogs zu vergleichen. Favoriten habe ich keine aber manches liest sich wie aus einem anderen Leben. Interessant wäre es, von richtigen Buchautoren oder professionell Schreibenden zu hören, wie die mit ihren weit zurückliegenden Texten umgehen. Sind die im Rückblick ein bisschen stolz darauf? Bedauern sie das ein oder andere Werk, den veröffentlichten Text? Oder sehen sie es als ein Zeitdokument?
Ich weiß, Sie wollen hier wieder was über Fliegen lesen. Suchen Sie sich einen Text aus den obigen 25 aus, da ist der ein oder andere aus dem Themenbereich dabei.
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Freitag, 26. Juli 2019
Cruel Summer
frau klugscheisser, 21:47h
Auf der Suche nach einem den Temperaturen angepassten Titel klassischen Verhörer entdeckt: Ich singe seit 36 Jahren It's a cool, cool summer ohne mich darüber zu wundern. Muss man auch erst mal hinkriegen.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass es damals kein Internet gab, in dem man mal schnell die Texte googelte.
Zu meiner Verteidigung sei gesagt, dass es damals kein Internet gab, in dem man mal schnell die Texte googelte.
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Mittwoch, 24. Juli 2019
Retreat
frau klugscheisser, 15:30h
by Trella

Manches Mal tut so ein Rückzug von der Welt ganz gut, manchmal ist er auch nötig. Es gibt immer erste Anzeichen dafür. Eine gesteigerte Nervosität, eine Habachtstellung, als ob sich hinter dem nächsten Satz ein Schwert verbärge. Falsche Worte durchsieben meine dünne Haut wie Schrotkugeln. Und ich muss dann wieder die Fetzen mühsam zusammenflicken. Ich erlaube mir Empfindlichkeit.
Meine großen Sehnen sind seit einiger Zeit entzündet, weil sie die Anspannung zum Schutz der verletzten Gelenke nicht mehr halten können. Vermutlich habe ich sie überspannt, so wie ich vieles zu überspannen gewohnt bin.
Komm' reiß Dich zusammen, das muss noch gehen.
Ich bin es gewohnt, meine Leistungsfähigkeit durch Disziplin zu strapazieren. Jedoch bin ich immer wieder erstaunt, wenn ich meine Grenze erreicht habe. Manchmal nehme ich die Grenze auch erst wahr, wenn die Konsequenzen bereits irreversible Schäden angerichet haben. Gesundheitliche Schäden, emotionale Schäden. Ja, ich bin leidensfähig. Sehr sogar. Leider. Dabei kann ich immer alles rechtfertigen, schön reden und entschuldigen, vor allem bei anderen, die mir so manches abverlangt haben, abverlangen. Verlange ich ja selbst von mir so vieles, da macht das von außen auch keinen Unterschied mehr. Ob die anderen das spüren?
Da ist eine, die geht bis zur Selbstaufgabe über sich hinweg, von der können wir noch was fordern. Die behandelt sich selber schlecht, die will das so.
Ob sich die Frage nach dem Huhn oder dem Ei irgendwann mal klären lässt?
Die Sehnen, das Sehnen. Was ist denn mein großes Sehnen? Ich glaube, ich sehne mich nach menschlicher Wärme. Aber bitte nicht zu viel davon und verzehrbar portioniert. Ich hätte gerne kleine Häppchen ohne Überraschungen, also nicht zu scharf und nicht zu bitter oder salzig. Ohne Sodbrennen und Aufstoßen, ohne andere Irritationen. Das bedeutet im Klartext, ich bewege mich auf der Oberfläche, denn sobald es an die Essenz geht, wird viel heruminterpretiert, erwartet und unterstellt. Da nehme ich mich überhaupt nicht aus.
Ich glaube ja, dass das Geheimnis des Lebens darin besteht, das zu geben, was ich für mich selbst wünsche. Hier schließt sich der Kreis mit der Frage, was denn passiert, wenn ich das mal nicht selber gebe. Wo bekomme ich neuen Sprit? In kleinen Portionen bietet er sich an. Die Sonne am Tag, die Ruhe in der Nacht, ein netter Anruf, das Lächeln eines anderen, eine kleine Aufmerksamkeit oder jemand, der mir einfach nur einen schönen Tag wünscht. Ohne Hintergedanken. Das alles kann ich in mich aufsaugen, wenn ich empfindsam bin. Solange ich noch empfindlich bin, brauche ich ein wenig mehr Schutz als nur meine mentale Burg. Dann brauche ich ein paar echte Wände, die mich abschirmen und eine Decke, die nicht herunterfällt und unter die ich kriechen kann.

Manches Mal tut so ein Rückzug von der Welt ganz gut, manchmal ist er auch nötig. Es gibt immer erste Anzeichen dafür. Eine gesteigerte Nervosität, eine Habachtstellung, als ob sich hinter dem nächsten Satz ein Schwert verbärge. Falsche Worte durchsieben meine dünne Haut wie Schrotkugeln. Und ich muss dann wieder die Fetzen mühsam zusammenflicken. Ich erlaube mir Empfindlichkeit.
Meine großen Sehnen sind seit einiger Zeit entzündet, weil sie die Anspannung zum Schutz der verletzten Gelenke nicht mehr halten können. Vermutlich habe ich sie überspannt, so wie ich vieles zu überspannen gewohnt bin.
Komm' reiß Dich zusammen, das muss noch gehen.
Ich bin es gewohnt, meine Leistungsfähigkeit durch Disziplin zu strapazieren. Jedoch bin ich immer wieder erstaunt, wenn ich meine Grenze erreicht habe. Manchmal nehme ich die Grenze auch erst wahr, wenn die Konsequenzen bereits irreversible Schäden angerichet haben. Gesundheitliche Schäden, emotionale Schäden. Ja, ich bin leidensfähig. Sehr sogar. Leider. Dabei kann ich immer alles rechtfertigen, schön reden und entschuldigen, vor allem bei anderen, die mir so manches abverlangt haben, abverlangen. Verlange ich ja selbst von mir so vieles, da macht das von außen auch keinen Unterschied mehr. Ob die anderen das spüren?
Da ist eine, die geht bis zur Selbstaufgabe über sich hinweg, von der können wir noch was fordern. Die behandelt sich selber schlecht, die will das so.
Ob sich die Frage nach dem Huhn oder dem Ei irgendwann mal klären lässt?
Die Sehnen, das Sehnen. Was ist denn mein großes Sehnen? Ich glaube, ich sehne mich nach menschlicher Wärme. Aber bitte nicht zu viel davon und verzehrbar portioniert. Ich hätte gerne kleine Häppchen ohne Überraschungen, also nicht zu scharf und nicht zu bitter oder salzig. Ohne Sodbrennen und Aufstoßen, ohne andere Irritationen. Das bedeutet im Klartext, ich bewege mich auf der Oberfläche, denn sobald es an die Essenz geht, wird viel heruminterpretiert, erwartet und unterstellt. Da nehme ich mich überhaupt nicht aus.
Ich glaube ja, dass das Geheimnis des Lebens darin besteht, das zu geben, was ich für mich selbst wünsche. Hier schließt sich der Kreis mit der Frage, was denn passiert, wenn ich das mal nicht selber gebe. Wo bekomme ich neuen Sprit? In kleinen Portionen bietet er sich an. Die Sonne am Tag, die Ruhe in der Nacht, ein netter Anruf, das Lächeln eines anderen, eine kleine Aufmerksamkeit oder jemand, der mir einfach nur einen schönen Tag wünscht. Ohne Hintergedanken. Das alles kann ich in mich aufsaugen, wenn ich empfindsam bin. Solange ich noch empfindlich bin, brauche ich ein wenig mehr Schutz als nur meine mentale Burg. Dann brauche ich ein paar echte Wände, die mich abschirmen und eine Decke, die nicht herunterfällt und unter die ich kriechen kann.
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Dienstag, 23. Juli 2019
Just like a circus
frau klugscheisser, 21:09h

Ich war im Variété. Das ist heutzutage so eine Mischung aus Zirkusakrobatik und Bühnenshow. Aus eigenem Antrieb wäre ich nicht gegangen, wenn ich nicht die Karte geschenkt bekommen hätte. Dann aber hat es mir sehr gut gefallen. Die Artisten stammen aus Vietnam und dementsprechend südostasiatisch war die Show geprägt. Einfache Mittel wie Bambusstäbe und Reishüte in Kombination mit Lichteffekten untermalten ihre Darbietung, lenkten aber niemals den Fokus weg von den Akteuren. Ich war sehr beeindruckt von der körperlichen Kraft, die bei den Haltefiguren nötig ist, kriege ich selbst ja nur mit Müh und Not ein paar Klimmzüge hin.
Da gibt es beispielsweise eine Figur, in der sich ein Artist hinterrücks waagrecht an einem Trapez hält. Es erinnerte mich an die Kraft der Turner an den Ringen, dort heißt das Element Hangwaage. Wenn sich dann noch jemand irgendwo dranhängt, kann ich mir nicht vorstellen, wie schwierig die Übung auszuführen ist. Die Turner haben oft einen breiten Oberkörper wegen der einseitigen Beanspruchung der Muskulatur, während die Vietnamesen drahtige kleine Kerlchen sind, die auch recht hoch springen und gedehnt sind. Einfach Alleskönner. Wie gesagt, ich war sehr beeindruckt, weswegen ich hier einen kleinen Ausschnitt präsentieren möchte:
(Ausschnitt aus einer BR Sendung)
Gehen Sie rein und sehen es sich an. Es lohnt sich.
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