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Sonntag, 29. August 2021
Old Games
frau klugscheisser, 16:38h
Als der Disney-Zeichentrickfilm Bambi 1950 in die deutschen Kinos kam, gab es wohl auch schon Fanartikel. So erbte ich um die zwanzig Jahre später als Kind das Brettspiel meiner Mutter. Vor kurzem ist es wieder aufgetaucht und soll nun an meine Nichte weitergegeben werden, natürlich nicht ohne die Schachtel vorher zu reparieren. Das Spielbrett, die bemalten Zinnfiguren, einfach alles ein zeitloses Kleinod wie auch der Film selbst.
Natürlich hatte ich den Film damals gesehen, natürlich war er für mich erschreckend, denn in einer Kinderseele ist die Handlung eines Zeichentrickfilmes so real wie das Erlebte draussen. Und so hat mich die Geschichte um Bambi nicht mehr losgelassen. Inzwischen erinnere ich mich vor allem an den Spruch: "Wenn man nichts nettes zu sagen hat... einfach mal den Mund halten." Der ist auch nach vielen Jahren aktueller denn je.

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Freitag, 20. August 2021
Umbrella
frau klugscheisser, 22:15h
Natürlich war ich schlaflos in Seattle. Mal wieder. Das ist bei neun Stunden Zeitverschiebung auch kein Wunder. Man kommt im Hotel an und muss die Geschehnisse des Fluges verarbeiten, ist einerseits unglaublich erschöpft, andererseits bereits über den Einschlafzeitpunkt hinaus aufgedreht. Manchmal schrecke ich aus dem Schlaf hoch, weil mir was einfällt, was ich im Flug vergessen habe. Das Kissen für 23 Delta, und 41 Kilo wollte doch noch ein Glas Rotwein. Jetzt ist es zu spät. Liegt die Ankunftszeit mitten im örtlichen Tag, ist es ratsam, sich nicht sofort hinzulegen. Das würde nämlich eine lange Wachphase in der Nacht mit viel Lesen und wahllosem Fernsehprogramm bedeuten. Sightseeing ist erst mit aufgehender Sonne möglich.
Es ist sehr selten geworden, dass ich nach all den Jahren ein Ziel zum ersten Mal anfliege. Seattle war so eines. Doch statt die Zeit mit Erkunden der Stadt zu verbringen, blieb ich wegen Gehschmerz zunächst in meinem Bett. Ganz nebenbei lud auch das Wetter nicht zur Erkundung ein. Für den dauerhaften Regen ist Seattle berühmt. Seit diesem Sommer sind wir in Deutschland ebenfalls mit viel Regen vertraut. Der Regen in Seattle ist jedoch anders. Er kommt nicht nur von oben, sondern meist von überall. Ganztägig feiner Sprühregen macht einen Schirm obsolet, wie die Einwohnenden wissen. Auch ein Grund, im Zimmer zu bleiben.
Immerhin hatte ich von dort einen schönen Blick auf die Space Needle, der berühmte Aussichtsturm. Durch die Serie Grey's anatomy erlangte die Stadt einen gewissen Bekanntheitsgrad. Tatsächlich gibt es sogar Fantouren zu berühmten Meilensteinen wie etwa dem Haus von Meredith Grey und dem Hafen - Schauplatz des Fährenunglücks am Ende von Staffel 3. Der ein oder andere Ort war mir am nächsten Tag ebenfalls vertraut. Auf den Weg zum Public Market überlegte ich die ganze Zeit woher ich dieses Schild kannte, bis mir einfiel, dass es als Plakat gegenüber des Fahrstuhls im Eingangsbereich des Seattle Grace Memorial Hospital in der Serie hing. Und da dieser Fahrstuhl ein zentraler Ort der Kommunikation zwischen diversen Figuren ist, sah ich das Bild unbewusst jedes Mal, wenn die Kamera aus dem Blickwinkel der aufgehenden Türen nach draussen filmte. Das Krankenhausgebäude selbst ist übrigens, wie Sie sicherlich schon ahnten, in Wahrheit keines.

Meine einzige Aktion blieb der Spaziergang über den Markt, auf dem mir besonders die vielen Meerestiere und Blumen auffielen. Ansonsten ist er ziemlich unspektakulär, wie eigentlich alles Seattle.
Nachts erstrahlt die Stadt mit den vielen Lichtern besonders schön. Dann ist auch der Blick hinauf zum Turm spektakulär. Auch diese Perspektive gibt es - wenn ich mich recht erinnere - zum Ende der Staffel 5, wie überhaupt viele perspektivischen Aufnahmen in Szeneschnitten verarbeitet wurden. Das Bild unten hat mir der Kollege geliehen, denn ich selbst war zu dem Zeitpunkt bereits wieder im Bett. Den Blick (Bild ganz oben) nach Sonnenuntergang vom Kerrypark über die Stadt sieht man übrigens auch in weiteren Filmen. Ja, so habe ich auch gestaunt, dass amerikanische Spielfilme nicht nur in New York oder Los Angeles spielen. Für mich bleibt diese Stadt aber für immer eng verbunden mit der Saga rund um das SGM Hospital.

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Freitag, 20. August 2021
A room with a view (41)
frau klugscheisser, 01:02h

Seattle
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Donnerstag, 5. August 2021
Use your muscle, carve it out
frau klugscheisser, 00:14h
Neuerdings bin ich in einem Fitness-Studio angemeldet und das kam so: Die 20 Monate zurückliegende OP am Bewegungsapparat erzeugt immer noch Schmerzen. Lange war ich deswegen zwischen deprimiertem Aufgeben und blind aktivistischer Wut hin- und hergerissen. Ein paar Gutachten und viel Eigenrecherche sowie in mich Hineinhören später kenne ich wenigstens die Schmerzursache, die aber nur mit einer gewagten OP behoben werden könnte. Da der inzwischen fortgeschrittene Muskelschwund durch Passivität nicht besser wird, die entsprechenden Übungen aber nicht nur schädlich, sondern vor allem schmerzhaft sind, bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass ich bestimmte Geräte zur gezielten Stärkung benötige. Und die gibt's nur in einem Fitnessstudio (mit drei s).
Seit die Studios wieder geöffnet sind und der zahlenden Mitgliedschaft jetzt Kompensationsvoucher für die verlorenen Monate anbietet, bin ich über ein bekanntes Verkaufsportal günstig an einen ebensolchen gelangt. Nach knapp drei Wochen regelmäßigen Besuchs kann ich folgende Beobachtungen vermerken: erstens finde ich Fitties - wie sie in bestimmten Kreisen liebevoll abgekürzt werden - immer noch sehr langweilig. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Vertrag dort abzuschließen, weil mich nicht die Freude am dortigen Training, sondern ein gewisses Pflichtbewusstsein hintreibt.
Zweitens - und diese Erkenntnis kommt für mich überraschend, da ich eher das Gegenteil erwartet hätte - fühle ich mich unter den vielen attraktiven Trainierenden selbst viel attraktiver als vor dem heimischen Spiegel. Das ist insofern bemerkenswert als ich in meinen Augen früher in einem automatisch internen Abgleich immer schlechter abgeschnitten und somit schlechter gefühlt hätte. Jetzt scheint die pure Anwesenheit von jungen, attraktiven Menschen bei mir eine Art Zugehörigkeit und damit einhergehend gute Gefühle auszulösen. Das Vergleichen habe ich mir demnach erfolgreich abtrainiert.
Drittens bin ich erstaunlich schwach. Das merke ich dann, wenn ich den Stecker aus der Gewichtswahl der vor mir Trainierenden auf sehr viel weniger für mich umstecken muss. Es gibt nur eine einzige Maschine, bei der ich das Gewicht je erhöhte und das ist auf der Beinpressmaschine - also nicht der, wo man die Beine durchstreckt, sondern wo man die Knie unter Anstrengung zueinander drücken muss. Das kommt mir maximal zugute, wenn ich irgendwann mal ohne Sattel auf einem Pferd sitzend fliehen und mich mit den Beinen darauf festklammern muss. Oder bei einem Hochseilakt. Oder um eine Wassermelone mit den Knien zu öffnen. Jedenfalls gibt es sicher eine Menge Anwendungsbeispiele aus dem Alltag, die mir jetzt nur nicht einfallen mögen.
Viertens und letztens ist das Wetter auch beim Sport IN einer Einrichtung ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung, denn es gilt den Weg dorthin zu absolvieren. Wäre meine Ausrede für Draussensport zu regnerisch, gilt dies nun auch für alle Aktivitäten, die ein Verlassen des Hauses voraussetzen. Abgesehen von solchen, die Spaß machen natürlich. So jetzt wissen Sie, warum Fitness-Studios kein vollwertiger Sportersatz und nur punktuell zur Verbesserung der Gefühlswelt taugen.
Edit: weitere Erkenntnisse in den Kommentaren. Und falls Sie wissen, wieso mir auf dem Crosstrainer die Füße einschlafen, bitte ich um Aufklärung.
Seit die Studios wieder geöffnet sind und der zahlenden Mitgliedschaft jetzt Kompensationsvoucher für die verlorenen Monate anbietet, bin ich über ein bekanntes Verkaufsportal günstig an einen ebensolchen gelangt. Nach knapp drei Wochen regelmäßigen Besuchs kann ich folgende Beobachtungen vermerken: erstens finde ich Fitties - wie sie in bestimmten Kreisen liebevoll abgekürzt werden - immer noch sehr langweilig. Ich kann mir nicht vorstellen, einen Vertrag dort abzuschließen, weil mich nicht die Freude am dortigen Training, sondern ein gewisses Pflichtbewusstsein hintreibt.
Zweitens - und diese Erkenntnis kommt für mich überraschend, da ich eher das Gegenteil erwartet hätte - fühle ich mich unter den vielen attraktiven Trainierenden selbst viel attraktiver als vor dem heimischen Spiegel. Das ist insofern bemerkenswert als ich in meinen Augen früher in einem automatisch internen Abgleich immer schlechter abgeschnitten und somit schlechter gefühlt hätte. Jetzt scheint die pure Anwesenheit von jungen, attraktiven Menschen bei mir eine Art Zugehörigkeit und damit einhergehend gute Gefühle auszulösen. Das Vergleichen habe ich mir demnach erfolgreich abtrainiert.
Drittens bin ich erstaunlich schwach. Das merke ich dann, wenn ich den Stecker aus der Gewichtswahl der vor mir Trainierenden auf sehr viel weniger für mich umstecken muss. Es gibt nur eine einzige Maschine, bei der ich das Gewicht je erhöhte und das ist auf der Beinpressmaschine - also nicht der, wo man die Beine durchstreckt, sondern wo man die Knie unter Anstrengung zueinander drücken muss. Das kommt mir maximal zugute, wenn ich irgendwann mal ohne Sattel auf einem Pferd sitzend fliehen und mich mit den Beinen darauf festklammern muss. Oder bei einem Hochseilakt. Oder um eine Wassermelone mit den Knien zu öffnen. Jedenfalls gibt es sicher eine Menge Anwendungsbeispiele aus dem Alltag, die mir jetzt nur nicht einfallen mögen.
Viertens und letztens ist das Wetter auch beim Sport IN einer Einrichtung ein wichtiger Faktor bei der Entscheidungsfindung, denn es gilt den Weg dorthin zu absolvieren. Wäre meine Ausrede für Draussensport zu regnerisch, gilt dies nun auch für alle Aktivitäten, die ein Verlassen des Hauses voraussetzen. Abgesehen von solchen, die Spaß machen natürlich. So jetzt wissen Sie, warum Fitness-Studios kein vollwertiger Sportersatz und nur punktuell zur Verbesserung der Gefühlswelt taugen.
Edit: weitere Erkenntnisse in den Kommentaren. Und falls Sie wissen, wieso mir auf dem Crosstrainer die Füße einschlafen, bitte ich um Aufklärung.
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Freitag, 30. Juli 2021
Bite Size Pieces II
frau klugscheisser, 18:12h
Simone Biles litt unter Twisties, weshalb sie bei den olympischen Wettkämpfen ausstieg. Das klingt erst mal niedlich. Bei näherer Betrachtung ist das aber ein gefährliches Phänomen, das von der früheren Turnerin Catherine Burns erklärt wird.
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Vielleicht eine Idee für upcycling:
Espresso Martini aus extravaganten Tassern

Auroom
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Die Cellistin Fany Kammerlander hat lange für ihre Konzertreihe in der Bar Gabanyi eine coronataugliche Alternative gesucht. Erste Anlaufstelle waren Kirchen. Nach langer Suche ergab sich eine Kooperation mit der Auferstehungskirche im Westend. Letztens war ich dort auf einem Konzert mit Martin Kälberer. Eigenproduktionen mit Assoziation zu Ambient, Keith Jarrett oder Pat Metheney, auf jeden Fall ansprechend und unbedingt in den Rahmen passend.

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Während Bahnfahrten ist auf Nahrungsmittelkonsum zu verzichten.
Es sei denn:

Glück in der Flasche
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Vielleicht eine Idee für upcycling:
Espresso Martini aus extravaganten Tassern

Auroom
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Die Cellistin Fany Kammerlander hat lange für ihre Konzertreihe in der Bar Gabanyi eine coronataugliche Alternative gesucht. Erste Anlaufstelle waren Kirchen. Nach langer Suche ergab sich eine Kooperation mit der Auferstehungskirche im Westend. Letztens war ich dort auf einem Konzert mit Martin Kälberer. Eigenproduktionen mit Assoziation zu Ambient, Keith Jarrett oder Pat Metheney, auf jeden Fall ansprechend und unbedingt in den Rahmen passend.

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Während Bahnfahrten ist auf Nahrungsmittelkonsum zu verzichten.
Es sei denn:

Glück in der Flasche
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Donnerstag, 29. Juli 2021
Bite Size Pieces
frau klugscheisser, 15:49h
Alan Levinovitz forscht zum Zusammenhang zwischen Religion, Literatur und Wissenschaft. Er schreibt ein Buch über die Methoden moderner Ernährungsmythen (Gluten!) und ergänzt am Ende um eine erfundene Diät. In seinem Artikel How exposure to misinformation inoculation sometimes makes things worse geht er Phänomen nach, wieso die Lesenden dennoch darauf anspringen:
At the same time, knowing that some people believe in the healing power of my satirical diet immediately after reading almost 200 pages on why they shouldn?t has left me deeply shaken. Changing how we communicate science can help, but it?s a Band-Aid solution. A real solution means changing education so books like mine are obsolete.
****
Tanaka Tatsuya stellt seit vielen Jahren ganz reizende Miniaturszenen her. Passende Fotos zum olympischen Thema auf IG
****
Wissen Sie, was
Eunoia bedeutet? Oder wen man als Erinmek bezeichnet? Dann vielleicht Mātauranga? All diese Worte sind aus verschiedenen Sprachen und nicht übersetzbar. Mehr davon gibt's auf Eunoia.
****
The defining trait of the past couple of years has been the slow and terrible realisation that we are not in control of anything, really. Adam Curtis goes on about this a lot. The fundamental contradiction that we?re currently living through is that we venerate individual agency above all else, while the actual power that an individual can exert over their circumstances is rapidly diminishing.
Über das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Covid, Politik und allem anderen (What this feeling is - Ben Jenkins)
****
Während die deutsche Kanutin Ricarda Funk Gold holt, sähe das bei mir eher so aus.
(Miranda Hart hinter der Kamera)
At the same time, knowing that some people believe in the healing power of my satirical diet immediately after reading almost 200 pages on why they shouldn?t has left me deeply shaken. Changing how we communicate science can help, but it?s a Band-Aid solution. A real solution means changing education so books like mine are obsolete.
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Tanaka Tatsuya stellt seit vielen Jahren ganz reizende Miniaturszenen her. Passende Fotos zum olympischen Thema auf IG
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Wissen Sie, was
Eunoia bedeutet? Oder wen man als Erinmek bezeichnet? Dann vielleicht Mātauranga? All diese Worte sind aus verschiedenen Sprachen und nicht übersetzbar. Mehr davon gibt's auf Eunoia.
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The defining trait of the past couple of years has been the slow and terrible realisation that we are not in control of anything, really. Adam Curtis goes on about this a lot. The fundamental contradiction that we?re currently living through is that we venerate individual agency above all else, while the actual power that an individual can exert over their circumstances is rapidly diminishing.
Über das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber Covid, Politik und allem anderen (What this feeling is - Ben Jenkins)
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Während die deutsche Kanutin Ricarda Funk Gold holt, sähe das bei mir eher so aus.
(Miranda Hart hinter der Kamera)
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Freitag, 23. Juli 2021
Take me to the subway
frau klugscheisser, 18:09h

Das Zitat aus der 53. ist auch im 54. Jahr noch brandaktuell. So habe auch ich mich - und das nicht erst in Manhattan - oft gefragt: "Where am I going?" Vor allem aber: "How do I get there?"

Zunächst muss man wissen, dass das Konzept des öffentlichen Nahverkehrs in keiner Stadt einfacher funktioniert als in NYC. Ich sage das aus der Erfahrung mit Munich City, wo ich bereits einige Jahre lebte, für diverse Strecken aber unwissentlich zu viel bezahlte. Böse Zungen behaupten, die verwirrende Vielfalt der Tarife im städtischen Verkehrsverbund Münchens seien eine zusätzliche Einnahmequelle aus dem touristischen Segment.
Daheim bereits recherchiert, wusste ich um die Unterscheidung von PATH und METRO Zügen sowie deren eigenem Tarifsystem. Und das geht so: eine Fahrt kostet $2.75. Egal wie weit und wie oft falsch gefahren, bezahlt wird beim Betreten und Verlassen der Station durch ein Drehkreuz. Wer öfter zu fahren plant, kann eine Metrokarte für $1 erwerben und die mit einer beliebigen Summe aufladen. Dann gibt es noch sogenannte unlimited Karten für sieben oder dreissig Tage. Bei zehn Fahrten hat sich die kleine unbegrenzte Karte schon gelohnt. Die Fahrscheinautomaten von PATH und METRO sehen identisch aus, mit dem kleinen Unterschied, dass bei PATH keine unlimited Fahrscheine angezeigt werden.
Da ich zwischen Herberge und Manhattan mit dem PATH Zug pendelte und irgendwo fälschlicherweise gelesen hatte, die unlimited METRO Karte gelte auch für ausgewählte PATH Strecken, war meiner inneren Schwäbin klar, ich würde die erste Fahrt nicht von der nahen, sondern der nächsten, ferneren, dafür aber größeren Station antreten. An den Automaten der nahen Station gab es nämlich keine unlimited Karte. Als ich - bedingt durch Verkehr, Baustellenumgehung und Schwüle - eine Stunde später naßgeschwitzt an der größeren Station feststellte, dass es auch hier keine unbegrenzten Karten gab, da wusste ich, dass weder die Umgebung noch erhöhte Schrittzahlen die eingesparten zwei Euro fuffzig wert gewesen sind. Fast hätte man es vorher ahnen können.
Auf dem Rückweg ein neues Schwierigkeitslevel am PATH Automaten, der zwar meine Kreditkarte einzog, mir aber im Gegenzug kein Ticket ausließ. Ich wusste aus meiner Recherche, dass im Ausland Wohnhafte bei der Frage nach einer Postleitzahl 99999 eingeben mussten. Das funktionierte so bei der METRO, nicht aber im PATH. Immer wenn ich die Nummer eingab, fragte der Bildschirm, ob ich denn ab hier weitermachen oder lieber abbrechen wolle. Normalerweise breche ich Unterhaltungen ab, die aneinander vorbeilaufen. Die Maschine war wohl ähnlich eingestellt. Die komplette Interaktion spielten wir mit identischem Ergebnis etwa drei Mal durch. Soviel zu meinem geistigen Zustand, denn schon Einstein wusste, die Definition von Wahnsinn sei, dieselbe Handlung zu wiederholen und andere Ergebnisse zu erwarten. Immerhin vermutete ich bei jedem Vorgang eine Abbuchung von $2.75. Das entspräche dem Minutenpreis einer 45minütigen Gesprächstherapiesession und ist so gesehen für Manhattan reell.
Ein Angestellter hinter dem Drehkreuz verwies mich auf ein Kabeltelefon an einem Pfosten. Inzwischen war bereits der zweite Zug ein- und ohne mich abgefahren. Da bot mir eine junge Frau an, auf ihre Karte das Drehkreuz zu passieren. Nein, sie bot nicht nur an, sie insistierte. Und ich war so verwirrt, dass ich mich letztlich nicht einmal mehr gebührend bedanken konnte, denn als ich mich zum Ausgang umdrehte, war sie bereits über die Treppen nach oben verschwunden.

Am Ende des Tages war der Zug fast leer und ich sehr erschöpft aber um viele Eindrücke reicher. Manchmal sind zwei Euro fuffzig halt doch mehr als eine Zahl.
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Sonntag, 18. Juli 2021
Concrete jungle where dreams are made of...
frau klugscheisser, 19:21h

Blick vom One World Observatory
Zur Abwechslung war ich mal für drei Tage in der Stadt der hohen Gebäude. Das ist was ganz Besonderes, denn normalerweise wird hingeflogen, übernachtet und am nächsten Tag geht's husch, husch wieder zurück. Für den ausgedehnten Aufenthalt musste natürlich im Vorfeld recherchiert werden. Am Ende fraß die Recherche mehr Zeit als die jeweilige Anfahrt. Schlussendlich bin ich im spontanen Aktionsmodus zwischen den Sehenswürdigkeiten gependelt. Da in der großen Stadt alles - vor allem Eintrittspreise - recht hoch ist, erwarb ich einen New York Pass. Damit können zwar viele Gebäude, Museen und sonstige Attraktionen umsonst genutzt werden, er kostet aber auch ein bisschen was. Normalerweise bin ich ein Mensch, der neue Eindrücke gerne sacken lässt. Das bedeutet, ich betrachte lieber weniger, dafür umso intensiver, was sich vollkommen konträr zur Idee eines Besichtigungspasses verhält. Einmal erworben, zwingt der Pass sozusagen zu komprimierter Amortisierung. So habe ich drei Tage lang die höchsten Gebäude von oben, der Seite und unten, via Land und Wasser, in Vergangenheit und Gegenwart gesehen. Danach war ich platt.
Die eindrücklichste Aussichtsplattform - Edge - befindet sich übrigens im 100. Stockwerk des Hudson Yards. Sie ragt 24m waagrecht aus dem Gebäude und ist mit nach aussen gerichteten Glaswänden begrenzt. In der Mitte kann man durch ein Glasbodendreieck nach unten blicken. Alles nichts für Zartbesaitete, und auch ich, die früher vor nichts Angst hatte, spürte beim Stehen an der Kante unerwarteterweise zittrige Beine und stockenden Atem. Dementsprechend war ich nicht in der Lage, das Glasdreieck zu betreten, wunderte mich aber im Nachhinein ob meiner irrationalen Ängstlichkeit.
Sicht von der sog. Highline - eine renaturierte, einstige Hochschienenstrecke im Meatpackdistrict. Man sieht die Plattform des Edge rechts am spitzen Gebäude herausragen.
Ob es an Corona oder dem größtenteils wolkig regnerischen Wetter lag, die touristischen Orte waren weit weniger gefüllt als üblicherweise. So musste ich fast nirgends anstehen. Allerdings waren die Ausblicke dann auch nur so lala. Nichts für eine potentielle Influencerkarriere. In den letzten Jahren wurde unheimlich viel gebaut - viele Wolkenkratzer sind Luxusappartmentgebäude. So auch vor dem Central Park. Das Observationsdeck auf dem Rockefeller Center wirbt noch immer mit einem ungetrübten Blick über die grüne Oase, doch die Aussicht ist bereits jetzt nicht mehr ganz unverbaut. Selbst der Aufseher konnte mir nicht beantworten, was genau sich in den schlanken Türmen verbirgt.

Blick vom Top of the Rock nach Norden
Viel Beton macht Beine und Geist müde. Das haben Manhattans Bewohnende wohl bemerkt. Es existiert in Manhattan mehr grün als früher. Nicht nur die High Line, Little Island und die bekannten Parks, auch in Soho und Greenwich Village gibt es jetzt Straßen, die zu Fußgängerpassagen umfunktioniert und begrünt wurden. So ist jede begrünte Sitzgelegenheit eine willkommene Oase zum Auftanken.
Dienstags sind übrigens nicht nur die berühmten Museen, sondern auch das One World Observatory geschlossen. Dank meiner Recherche konnte ich die einzigen sonnigen Momente während meines dreitägigen Aufenthalts an einem Montag von dort oben genießen (s.o.)
Danach verbrachte ich einige Zeit um das Memorial und im Museum. Auch hier wieder ein für mich unerwartet emotionaler Moment, denn obwohl die Ereignisse so lange zurück liegen, wurde mir die Dimension vor Ort wieder so richtig bewusst.
Neben einer Bootsfahrt zur Freiheitsstatue besuchte ich zu guter Letzt das Wachsfigurenkabinett auf der 42nd Straße - beides Aktivitäten, die ich ohne Pass nicht gemacht hätte. Zu viele Menschen auf zu wenig Platz, schlechte Darbietungen, wenig Mehrwert. Für All Inclusive eigne ich mich nur sehr bedingt. Am Ende war mir schlecht, ich strebte vorbei an wächsernen Prominenten auf schnellstem Weg zum Ausgang. Nein ich habe mich nicht amüsiert und auch das obligatorische Foto in jedem verdammten Eingangsbereich jedes Mal umgangen. Jetzt bin ich eine der Deutschen, die den Ruf einer Nation als schlechtgelaunte Besucherin verantworten muss. Meine nächsten freien Tage verbringe ich wieder im Grünen.
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Dienstag, 6. Juli 2021
Eine Reise in den Süden
frau klugscheisser, 20:21h
... ist für andre schick und fein... C.Froboess
Weil wir alle so lange daheim saßen und unser Wissen über die Welt nur aus dem Internet bezogen, fühle ich mich gerade jetzt zum Beginn der Hauptreisezeit berufen, über die veränderten Abläufe bei Flugreisen aufzuklären.
Noch bevor sie ein Flugticket kaufen, haben Sie sich hoffentlich über aktuelle Einreisebeschränkungen in Ihrem Zielland nicht nur informiert, sondern erfüllen auch alle Bedingungen, um bis hinter die Passkontrolle gelassen zu werden. Nein, man macht auch für Omma Liesbeth keine Ausnahme, wenn sie sich nicht mit einem Stäbchen in der Nase rumrühren lassen möchte. Ja, das gilt auch für Kinder. Falls Sie keinen gültigen PCR Test vorweisen können, kommen Sie nicht mal bis in's Flugzeug, denn die Airline haftet für Sie und bezahlt nicht nur Ihren Rückflug, sondern auch eine saftige Strafe. Deshalb sind Kontrollierende bei Versäumnissen sehr, sehr unbarmherzig. Und die Kontrolle aller Unterlagen dauert. Planen Sie folglich großzügig Zeit ein und seien sie nicht nur rechtzeitig beim Checkin, sondern auch am Gate.
Dort angekommen werden Sie zum Einsteigen aufgefordert. Hören Sie bitte bei Ansagen gut zu. Ist Ihre Zone oder Reihe nämlich noch nicht aufgerufen worden, hilft es auch nix, wenn Sie ganz vorne stehen. Die Zonen finden Sie dort, wo auch die Nummer Ihres Sitzplatzes auf der Bordkarte steht. An der Flugzeugtüre interessiert uns im Übrigen nicht die Reihe, sondern der Buchstabe. Der zeigt uns an, in welchen Gang wir sie schicken, falls das Flugzeug über mehr als einen verfügt. Es gibt in heutigen Flugzeugen keine Quergänge mehr und im Restaurant würden Sie auch nicht durch die Küche gehen, wenn der Durchgang zu Ihrem Platz verstellt ist.
Die Gateangestellten weisen in den Ansagen auch auf einen Mindestabstand hin. Sollte in der Warteschlange vor dem Einsteigen zwischen zwei Passagieren ein Meter Abstand sein, bedeutet das nicht, dass Sie die Lücke füllen müssen. Ich weiß, dass Vieles, was bereits zum Coronaalltag gehört, gerne am Flughafen vergessen wird. Möglicherweise fallen wir in frühere Gewohnheiten zurück, wenn wir Situationen nicht regelmäßig erleben.
Das wichtigste Accessoire für Ihre Flugreise ist nicht das Nackenkissen, sondern - je nach Flugdauer - ein bis zwei FFP2 Masken. Sie kennen das sicher vom öffentlichen Nahverkehr. Im Gegensatz zu Bahnangestellten kontrollieren die Flugbegleitenden auch, ob die Nase drinsteckt. Falls man sie zweimal auffordern muss, Ihre Maske richtig aufzusetzen, haben Sie den Groll der Mitarbeitenden bereits auf sich gezogen. Um Sie herum sitzen nämlich - je nach Flugzeugtyp - zwischen 50 und 360 weitere Reisende, von denen ein Drittel ebenfalls ermahnt werden muss. Wir reden gerne - deshalb sind wir ausgewählt worden - nur nicht immer das Gleiche. Wer zu uns freundlich ist und kooperiert, kann fast alles bekommen. Im Gegenzug ernten Sie mit kindlichem Trotz nur müdes Lächeln oder in ganz harten Fällen möglicherweise einen Rauswurf. Das wissen allerdings nur sehr Wenige, sonst würden sie beispielsweise auf Flügen in die USA keinen Vermerk in den Homeland Security Akten riskieren. Ja, wir können Ihnen auch lächelnd wehtun. Sie können übrigens auch eine sogenannte chirurgische Einwegmaske tragen. Wenn Sie aber das obige Beispiel des Anteils Maskenmüder an der Gesamtpassagieranzahl rechnerisch nachvollzogen haben, möchten Sie Ihre FFP2 Maske womöglich nicht einmal mehr zum Essen abnehmen. Natürlich gibt es an Bord Hepafilter. Die vergleiche ich gerne mit der Sicherheit bestimmter Verhütungsmittel. Für Corona gibt es leider (noch) keine Pille danach. Zum besseren Verständnis des Luftfiltersystems empfehle ich diesen Artikel.
Übrigens müssen Sie auch als vollständig geimpfte Person eine Maske tragen. Ja, das ist so und nein, wir diskutieren nicht über die Sinnhaftigkeit von Vorschriften. Wir sind nämlich stark unterbesetzt und haben während des Fluges dafür keine Kapazität. Wenn Sie Ihre Einwände dennoch zu Gehör bringen wollen, schreiben Sie eine Nachricht an die Beschwerdestelle oder buchen Sie eine teurere Klasse. Dort wird man Ihnen zwar nicht die Maskenpflicht erlassen, wir kommen aber öfter an Ihrem Platz vorbei und schenken Ihnen zwangsläufig mehr Aufmerksamkeit.
Sie haben den Flug überstanden und sind am Zielort gelandet. Natürlich dürfen Sie jetzt klatschen, wenn Ihnen danach ist. Lassen Sie sich das nicht durch selbsternannte Experten und Angeber vermiesen. Ich weiß nicht, wann es uncool geworden ist, Freude wahrnehmbar zum Ausdruck zu bringen. Wir werden Sie jedenfalls nicht mitleidig, sondern ausgesprochen freundlich belächeln und warten, bis Sie fertig sind. Dann folgt erneut eine Ansage über das weitere Prozedere. Nein, Sie können jetzt nicht wie früher bei Flugzeugstillstand sofort aufspringen, Ihr Gepäck herauszerren und dem Vordermann in die Kniekehlen drücken. Nachdem die Türen offen und freigegeben sind, werden die Reihen durchgegeben, die zum Aussteigen aufgefordert sind. Sie stehen idealerweise also erst auf, wenn sich die Personen aus der Reihe vor Ihnen mitsamt Hab und Gut gen Ausgang bewegen. Das dauert übrigens nicht länger als früher. Im Gegenteil. Falls Sie im hinteren Drittel sitzen, nutzen Sie doch einfach die Zeit für eine kleine Nachricht an die Daheimgebliebenen, denn jetzt dürfen die Smartphones auch an sein.
Rechtzeitig vor Ihrem Heimflug sollten Sie noch einmal überprüfen, ob Sie für die Rückreise einen negativen PCR Test brauchen. Denn auch hier gilt wieder: es werden keine Ausnahmen gemacht. Gut vorbereitet steht dem Urlaubsvergnügen nun nichts mehr im Wege. Gute Reise und kommen Sie bitte gesund zurück, damit wir alle gesund bleiben.
Weil wir alle so lange daheim saßen und unser Wissen über die Welt nur aus dem Internet bezogen, fühle ich mich gerade jetzt zum Beginn der Hauptreisezeit berufen, über die veränderten Abläufe bei Flugreisen aufzuklären.
Noch bevor sie ein Flugticket kaufen, haben Sie sich hoffentlich über aktuelle Einreisebeschränkungen in Ihrem Zielland nicht nur informiert, sondern erfüllen auch alle Bedingungen, um bis hinter die Passkontrolle gelassen zu werden. Nein, man macht auch für Omma Liesbeth keine Ausnahme, wenn sie sich nicht mit einem Stäbchen in der Nase rumrühren lassen möchte. Ja, das gilt auch für Kinder. Falls Sie keinen gültigen PCR Test vorweisen können, kommen Sie nicht mal bis in's Flugzeug, denn die Airline haftet für Sie und bezahlt nicht nur Ihren Rückflug, sondern auch eine saftige Strafe. Deshalb sind Kontrollierende bei Versäumnissen sehr, sehr unbarmherzig. Und die Kontrolle aller Unterlagen dauert. Planen Sie folglich großzügig Zeit ein und seien sie nicht nur rechtzeitig beim Checkin, sondern auch am Gate.
Dort angekommen werden Sie zum Einsteigen aufgefordert. Hören Sie bitte bei Ansagen gut zu. Ist Ihre Zone oder Reihe nämlich noch nicht aufgerufen worden, hilft es auch nix, wenn Sie ganz vorne stehen. Die Zonen finden Sie dort, wo auch die Nummer Ihres Sitzplatzes auf der Bordkarte steht. An der Flugzeugtüre interessiert uns im Übrigen nicht die Reihe, sondern der Buchstabe. Der zeigt uns an, in welchen Gang wir sie schicken, falls das Flugzeug über mehr als einen verfügt. Es gibt in heutigen Flugzeugen keine Quergänge mehr und im Restaurant würden Sie auch nicht durch die Küche gehen, wenn der Durchgang zu Ihrem Platz verstellt ist.
Die Gateangestellten weisen in den Ansagen auch auf einen Mindestabstand hin. Sollte in der Warteschlange vor dem Einsteigen zwischen zwei Passagieren ein Meter Abstand sein, bedeutet das nicht, dass Sie die Lücke füllen müssen. Ich weiß, dass Vieles, was bereits zum Coronaalltag gehört, gerne am Flughafen vergessen wird. Möglicherweise fallen wir in frühere Gewohnheiten zurück, wenn wir Situationen nicht regelmäßig erleben.
Das wichtigste Accessoire für Ihre Flugreise ist nicht das Nackenkissen, sondern - je nach Flugdauer - ein bis zwei FFP2 Masken. Sie kennen das sicher vom öffentlichen Nahverkehr. Im Gegensatz zu Bahnangestellten kontrollieren die Flugbegleitenden auch, ob die Nase drinsteckt. Falls man sie zweimal auffordern muss, Ihre Maske richtig aufzusetzen, haben Sie den Groll der Mitarbeitenden bereits auf sich gezogen. Um Sie herum sitzen nämlich - je nach Flugzeugtyp - zwischen 50 und 360 weitere Reisende, von denen ein Drittel ebenfalls ermahnt werden muss. Wir reden gerne - deshalb sind wir ausgewählt worden - nur nicht immer das Gleiche. Wer zu uns freundlich ist und kooperiert, kann fast alles bekommen. Im Gegenzug ernten Sie mit kindlichem Trotz nur müdes Lächeln oder in ganz harten Fällen möglicherweise einen Rauswurf. Das wissen allerdings nur sehr Wenige, sonst würden sie beispielsweise auf Flügen in die USA keinen Vermerk in den Homeland Security Akten riskieren. Ja, wir können Ihnen auch lächelnd wehtun. Sie können übrigens auch eine sogenannte chirurgische Einwegmaske tragen. Wenn Sie aber das obige Beispiel des Anteils Maskenmüder an der Gesamtpassagieranzahl rechnerisch nachvollzogen haben, möchten Sie Ihre FFP2 Maske womöglich nicht einmal mehr zum Essen abnehmen. Natürlich gibt es an Bord Hepafilter. Die vergleiche ich gerne mit der Sicherheit bestimmter Verhütungsmittel. Für Corona gibt es leider (noch) keine Pille danach. Zum besseren Verständnis des Luftfiltersystems empfehle ich diesen Artikel.
Übrigens müssen Sie auch als vollständig geimpfte Person eine Maske tragen. Ja, das ist so und nein, wir diskutieren nicht über die Sinnhaftigkeit von Vorschriften. Wir sind nämlich stark unterbesetzt und haben während des Fluges dafür keine Kapazität. Wenn Sie Ihre Einwände dennoch zu Gehör bringen wollen, schreiben Sie eine Nachricht an die Beschwerdestelle oder buchen Sie eine teurere Klasse. Dort wird man Ihnen zwar nicht die Maskenpflicht erlassen, wir kommen aber öfter an Ihrem Platz vorbei und schenken Ihnen zwangsläufig mehr Aufmerksamkeit.
Sie haben den Flug überstanden und sind am Zielort gelandet. Natürlich dürfen Sie jetzt klatschen, wenn Ihnen danach ist. Lassen Sie sich das nicht durch selbsternannte Experten und Angeber vermiesen. Ich weiß nicht, wann es uncool geworden ist, Freude wahrnehmbar zum Ausdruck zu bringen. Wir werden Sie jedenfalls nicht mitleidig, sondern ausgesprochen freundlich belächeln und warten, bis Sie fertig sind. Dann folgt erneut eine Ansage über das weitere Prozedere. Nein, Sie können jetzt nicht wie früher bei Flugzeugstillstand sofort aufspringen, Ihr Gepäck herauszerren und dem Vordermann in die Kniekehlen drücken. Nachdem die Türen offen und freigegeben sind, werden die Reihen durchgegeben, die zum Aussteigen aufgefordert sind. Sie stehen idealerweise also erst auf, wenn sich die Personen aus der Reihe vor Ihnen mitsamt Hab und Gut gen Ausgang bewegen. Das dauert übrigens nicht länger als früher. Im Gegenteil. Falls Sie im hinteren Drittel sitzen, nutzen Sie doch einfach die Zeit für eine kleine Nachricht an die Daheimgebliebenen, denn jetzt dürfen die Smartphones auch an sein.
Rechtzeitig vor Ihrem Heimflug sollten Sie noch einmal überprüfen, ob Sie für die Rückreise einen negativen PCR Test brauchen. Denn auch hier gilt wieder: es werden keine Ausnahmen gemacht. Gut vorbereitet steht dem Urlaubsvergnügen nun nichts mehr im Wege. Gute Reise und kommen Sie bitte gesund zurück, damit wir alle gesund bleiben.
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Freitag, 25. Juni 2021
The Needle Man II
frau klugscheisser, 20:11h
Man meint ja gerne mal, man wüsste genau, wie was abläuft und schöpft dabei aus vergangenen Erfahrungen. So erlebe ich das mit Menschen, die zweimal pro Jahr in ein Flugzeug steigen und sich selbst dabei als Vielflieger bezeichnen. Diese Unverbesserlichen hören nie genau zu, weil sie ja eh schon alles wissen, was es über's Fliegen zu wissen gibt. Manche prahlen auch gerne gegenüber Mitreisenden mit ihrem Erfahrungsschatz. Blöd halt, wenn sich während ihrer Abwesenheit der ein oder andere Prozess verändert hat. Das macht sie gleich ein bisschen ungehalten, denn erstens hängt der durchschnittliche Mensch an seiner Routine und zweitens am vermeindlichen Wissensvorsprung. Ich hingegen verdrehe innerlich die Augen, wenn mir einer dieser selbsternannten Experten mal wieder meinen Job erklären möchte.
Heute bin ich dem Irrglauben selbst aufgesessen, denn nach meiner ersten Impfung entpuppte sich der Ablauf der Zweitimpfung als etwas anders. Ich ließ mir bei der Anreise viel Zeit, denn letztens ging doch alles sehr schnell. Während ich vor 6 Wochen quasi vom leeren Zubringerbus bis zur Nadel durchmarschierte, fing die Schlange heute schon an der Bushaltestelle an. Die Meisten kamen zur Zweitimpfung, und so begann die Schlange dann auch schon vor dem Haupteingang um's Gebäudeeck. Es vergingen ungefähr 40 Minuten, bis ich meinen Personalausweis vorlegen konnte. Zu diesem Zeitpunkt standen die Wartenden draußen schon im U entlang der verglasten Gebäudeseite. Als Vorteil erwies sich, Erstimpf- oder Astra- bzw Biontechempfangende zu sein, denn die konnten an auf Moderna Wartenden vorbeiziehen.
Als ich meine Kabine betrat, waren ungefähr zwei Stunden vergangen. Das ist weiter nicht schlimm, denn für ein besonderes Ereignis warte ich gerne. Mich an die Erlebnisse mit dem letzten Impfarzt erinnernd, nahm ich mir vor, heute die Unterhaltung selbst zu steuern. Also fragte ich den Arzt, ob die Tätigkeit denn anstrengend sei. Nein, meinte der, anstrengend seien nur die vielen Menschen, auf die man sich den ganzen Tag einstellen müsse. Als Personal wolle man primär herausfinden, ob die Leute Angst hätten, ob sie einen verstünden und ob es ihnen gut ginge. So begegnete man halt dem ganzen Querschnitt vom Schüchternen bis zum Angeber an nur einem Tag. Ja, das ginge mir in meinem Beruf ebenso, erwiderte ich, worauf ich sofort Fragen zur touristischen Einreise in die USA gestellt bekam. Nein, man dürfe im Juli voraussichtlich noch nicht einreisen. Mit dieser Antwort hinterließ ich einen enttäuschten Arzt, der nun am Ende des Tages seinen nahenden Flug wohl ein weiteres Mal umbuchen wird. Ich hingegen war erst mal froh, geimpft zu sein.
Heute bin ich dem Irrglauben selbst aufgesessen, denn nach meiner ersten Impfung entpuppte sich der Ablauf der Zweitimpfung als etwas anders. Ich ließ mir bei der Anreise viel Zeit, denn letztens ging doch alles sehr schnell. Während ich vor 6 Wochen quasi vom leeren Zubringerbus bis zur Nadel durchmarschierte, fing die Schlange heute schon an der Bushaltestelle an. Die Meisten kamen zur Zweitimpfung, und so begann die Schlange dann auch schon vor dem Haupteingang um's Gebäudeeck. Es vergingen ungefähr 40 Minuten, bis ich meinen Personalausweis vorlegen konnte. Zu diesem Zeitpunkt standen die Wartenden draußen schon im U entlang der verglasten Gebäudeseite. Als Vorteil erwies sich, Erstimpf- oder Astra- bzw Biontechempfangende zu sein, denn die konnten an auf Moderna Wartenden vorbeiziehen.
Als ich meine Kabine betrat, waren ungefähr zwei Stunden vergangen. Das ist weiter nicht schlimm, denn für ein besonderes Ereignis warte ich gerne. Mich an die Erlebnisse mit dem letzten Impfarzt erinnernd, nahm ich mir vor, heute die Unterhaltung selbst zu steuern. Also fragte ich den Arzt, ob die Tätigkeit denn anstrengend sei. Nein, meinte der, anstrengend seien nur die vielen Menschen, auf die man sich den ganzen Tag einstellen müsse. Als Personal wolle man primär herausfinden, ob die Leute Angst hätten, ob sie einen verstünden und ob es ihnen gut ginge. So begegnete man halt dem ganzen Querschnitt vom Schüchternen bis zum Angeber an nur einem Tag. Ja, das ginge mir in meinem Beruf ebenso, erwiderte ich, worauf ich sofort Fragen zur touristischen Einreise in die USA gestellt bekam. Nein, man dürfe im Juli voraussichtlich noch nicht einreisen. Mit dieser Antwort hinterließ ich einen enttäuschten Arzt, der nun am Ende des Tages seinen nahenden Flug wohl ein weiteres Mal umbuchen wird. Ich hingegen war erst mal froh, geimpft zu sein.
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