Mittwoch, 5. Juni 2019
Treffen, Trinken, Tanzen
Rosentag
©Smilla Dankert

Smilla Dankert hat mit ihren wunderbaren Fotos den Abend des Rosenfestes wieder lebendig gemacht. Sie hat alle(!) Anwesenden nicht nur ins rechte Licht gesetzt, sondern sie durch Bildausschnitt und Arrangement so schön und lebendig festgehalten, dass mir jedesmal beim Betrachten ganz warm ums Herz wird.

Denn so ein Fest lebt von seinen Gästen. Natürlich haben die Kaltmamsell und Herr Rau für die schönste Location, das schmackhafteste Essen&Trinken, die beschwingteste Musik und die schmückendste Dekoration bei der besten Gelegenheit gesorgt. Und dann gefüllt mit so außergewöhnlich angenehmen und interessanten Menschen. Das muss man erst mal nachmachen. Ich habe noch selten so wehmütig die Zeit dahinfliegen sehen, denn jede Begegnung war zu kurz und jeder Song zu schnell vorüber.

Nach vielen Jahren hatte ich die Gelegenheit, mal wieder ein paar Worte mit Herrn Kid zu wechseln. Sie erinnern sich vielleicht, man traf sich vor einigen Jahren in Wien. Damals habe ich viel gelernt, nicht nur wer Matthew Barney ist, sondern auch wer ich selbst bin. Denn oft stellt man in Interaktionen ein anderes Bild zur Schau, als man gemeinhin von sich selbst hat. Damals hat's gemenschelt aber mit dem nötigen Abstand können wir heute darüber schmunzeln. Auch darüber, dass ich am Ende der Feier manches angeschickert wiederholte, was bereits Stunden zuvor ausführlich besprochen war. Wer hat sich eigentlich die Story mit der Apple ID Frau Klugscheisser auf dem Briefingmonitor zweimal anhören müssen, beim zweiten Mal aber mit versemmelter Pointe? Das muss Frau Brüllen gewesen sein, von der ich im Gegenzug eine ähnliche Story zwei Mal erzählt bekam.

Getroffen habe ich sie, nachdem ich ihren Mann an der Bar ganz beiläufig mit den Worten: "Ich kenne Dich"⎨Pause, in der er die Gesichtserkennungssoftware über alle bis dato gespeicherten Daten laufen lässt⎬ "Du mich aber nicht" verblüffte. Ja, Gesprächsaufhänger kann ich. Tatsächlich stieß ich auf seine Fotos - ehemals bei flickr - vor vielen Jahren, was ich ihm aber nicht verriet, weil man will ja nicht sofort als Stalker enttarnt werden. Mein Plan ging auf und ich durfte an den Tisch folgen, wo zwei reizende Damen bereits sehnsüchtig auf die bestellten Cocktails warteten.

Überhaupt ist das mit dem Stalken so eine Sache. Ich eigne mich dafür nur bedingt, denn ich bin immer noch mit der Zuordnung von (Inernet-)Namen und Gesichtern beschäftigt. Frau Novemberregen hat es mir leicht gemacht und ihren Blognamen sofort verraten. Es folgte ein Gespräch, nein nicht über ihre amüsanten Alltagsschilderungen oder ihre Person, sondern über eine gemeinsame Bekannte. Dabei hätte sie mit Sicherheit noch viel Interessantes über sich zu erzählen gehabt. Da war ich aber schon meiner Tischnachbarin zur Rechten zugewandt, von der ich nicht genau weiß, ob sie neben ihrer beruflichen Veröffentlichungen ein Blog schreibt. Hallo Frau Stedtenhopp, dass ich am Tisch mit Frau Ziefle saß, wurde mir erst durch die nachträgliche Erwähnung so richtig bewusst, obwohl ich mit selbiger ein kleines Tränchen verdrückte, während die Gastgeber ihre Kennenlerngeschichte erzählten.

Dass man sich mit Joel ganz hervorragend und nicht nur über seine Arbeit unterhalten kann, ist kein Geheimnis. Man kann übrigens auch ganz hervorragend mit ihm tanzen.

Foto ©Smilla Dankert

Beim Tanzen habe ich schließlich die Dame aus einem kurzen Buffettalk wiedergetroffen. Naja, eigentlich habe ich sie vor der Türe getroffen und sie dann zum Tanzen eingeladen aber das führt jetzt zu weit. Vor der Türe unterhielten wir uns nämlich über einige Gemeinsamkeiten und Parallelen, die mein spontanes Bauchgefühl bestätigten. Sie kennen das? Man trifft jemanden und ist sofort fasziniert von dieser Person. Ist mir so bisher nur mit Männern passiert und in diesem Zusammenhang gesehen ein bisschen peinlich. Natürlich habe ich das auch schon mit Frauen erlebt, die dann zu Freundinnen wurden aber das war nie so deutlich wie an dem Abend. Vielleicht haben Alkohol und Atmosphäre dazu beigetragen.
Als ihre Begleitung zum Gehen anmahnte, fand ich noch zwei oder drei Gründe - sprich Songs - zum Bleiben, danach entschwand sie in die Nacht. Ich tat es ihr alsbald gleich und klaute Frau Leinen das erwartete Taxi, wofür ich mich am nächsten Tag bei ihr entschuldigte. Denn eigentlich war ich so ehrlich, mich auf Nachfrage nicht als Frau Leinen auszugeben aber gleichzeitig so beschwipst und dankbar über die Aussicht auf schnellstmögliche Bettposition.

Es fällt mir schwer, alle anderen unerwähnt zu lassen, denn unterhalten habe ich mich mit vielen. Papa Kaltmamsell, die Freundin Gundi, Frau Modeste mit dem reizenden F., Frau Croco nebst Gatten (der mich bei der Geschenkeübergabe mit den Worten "alle die hier sind, gehören dazu" aufmunterte), Caro mit Partner, Frau Cucina, die beiden Lehrerinnen ohne Blog, Smilla, und so Viele mögen es mir verzeihen, an dieser Stelle nur kurz erwähnt zu werden. Ach, ach, sollen wir nun 25 Jahre warten oder für ein Nachtreffen zusammenlegen? Nein, eine Wiederholung kann es bei so einem einzigartigen Fest nicht geben. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, denn solche Momente klingen lange nach und hinterlassen ein Gefühl von erfüllt sein. Auf dass es die glücklichen Momente des Jubelpaares noch lange nachfüllen möge.

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Mittwoch, 30. Dezember 2015
In The Year 2015
Zugenommen oder abgenommen?

Beides. Je nach Stimmungslage.

Haare länger oder kürzer?

Kürzer - nach langem mal die Frisur gewechselt.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gefühlsmäßig blind wie ein Fisch aber der Optiker meinte, das hätte sich nur unwesentlich in den vergangenen 10 Jahren verschlechtert.

Mehr Kohle oder weniger?

Keine Ahnung.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Mehr. Fahrrad, Waschmaschine, Autopanne und paar nette Kleidungsstücke. Dafür war der Urlaub recht günstig.

Mehr bewegt oder weniger?

Weniger. Seit der Gesundheitssache vor 3 Jahren gefühlsmäßig viel zu wenig.

Der hirnrissigste Plan?

s.u.

Die gefährlichste Unternehmung?

Da warte ich einfach bis der Kühler nicht mehr brodelt und dann kann ich ja ganz vorsichtig...

Der beste Sex?

Ja. Ever.

Die teuerste Anschaffung?

Das Auto abschleppen, reparieren und TÜV zertifizieren lassen.

Das leckerste Essen?

Zu Weihnachten in Tel Aviv. Nicht nur lecker, sondern auch übersichtlich.

Das beeindruckendste Buch?

Lange nicht mehr Belletristik gelesen. Zur Zeit die Biographie von Martha Argerich.

Der ergreifendste Film?

Wenn mir spontan keiner einfällt, war ich offensichtlich von keinem wirklich ergriffen. Allerdings vor paar Tagen den von Argerichs Tochter "Bloody daughter" gesehen. Beeindruckt aber nicht wirklich ergriffen.

Das beste Lied?

Klassik: Argerich mit dem Rachmaninoff Klavierkonzert, Horowitz mit der Gesamtaufnahme von Scarlattis Sonaten und Paco de Lucia mit "Entre dos aguas" (nicht wirklich klassisch aber hey!)

Pop: "Earned it" - weil man dazu tanzen kann...

Das schönste Konzert?

Meine Freundin Anna Lauvergnac hat ein Abschiedskonzert gegeben, bevor sie - wie jedes Jahr - in Indien überwintert. Fand ich sehr schön. Auch wegen der Umstände.

Die meiste Zeit verbracht mit…?

Mir

Die schönste Zeit verbracht mit…?

Einem heißen, jüngeren Mann

Vorherrschendes Gefühl 2015?

"Gähn"

2015 zum ersten Mal getan?

Jemanden vorsätzlich geküsst, ohne ihn zu kennen.

2015 nach langer Zeit wieder getan?

verliebt

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Autopanne, eine Bekanntschaft und drei Wochen Migräne.

Die wichtigste Sache, von der ich jemand überzeugen wollte?

Das ist alles nicht so kompliziert...

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Du bist toll, überraschend und schön.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Wenn Du Deinen Körper nicht magst, übernehme ich den Job.

2015 war mit einem Wort…?

ansteigend

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Mittwoch, 23. Januar 2013
What a Difference a Day Made
Schon wieder ein Jahr vorbei. Das merkwürdige am Älterwerden - wir haben es bereits diskutiert - ist ja die Tatsache, dass es unmerklich geschieht. Eines Tages wachst Du dann auf und BAM! da sind die grauen Haare und die Falten und Dellen und die Hüft- und Knieschmerzen, die nicht mehr von alleine weggehen. Da ist nichts wegzudiskutieren.
Leute machen dir vielleicht noch Komplimente, dass du doch viel jünger aussiehst - würde auch keiner aussprechen, wenn das Gegenteil der Fall wäre. Aber irgendwann zieht das auch nicht mehr, denn was macht es aus, ob du wie 70 aussiehst, wenn du in Wirklichkeit 80 bist.
Also die schöne Zeit nutzen oder sie einfach schön machen. Das ist der Vorteil am Älterwerden, ich (er-)warte nicht mehr, ich richt's mir stattdessen selber ein.

Schöner Tag war das gestern, gefüllt mit vielen guten Wünschen und Umarmungen. Und mit ein wenig Muskelkater, selbstgewählter. Ausserdem etwas getan, was ich vorher noch nie getan habe (Memo: das ist doch der Punkt auf dieser Jahresrückblicksliste) und etwas gefragt worden, was ich immer schon gefragt werden wollte, jedoch nie zu träumen wagte. Alles in allem kann's jetzt so weitergehen.

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Donnerstag, 3. Januar 2013
Backwards
1. Zugenommen oder abgenommen?

erst zu, dann wieder abgenommen.

2. Haare länger oder kürzer?

länger

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Gefühlt weitsichtiger. Die Frage muss ja nicht zwingend mit Augen zu tun haben

4. Mehr Kohle oder weniger?

Gleich. Glaub ich. Aber ich weiß ja nicht mal genau, was ich verdiene.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?

Keine Ahnung - ich glaube weniger. Sollte ich allerdings dieses Jahr mehr verdient haben, hätte ich auch mehr ausgegeben und vice versa.

6. Der hirnrissigste Plan?

Meinen Urlaub in der Psychiatrie (Praktikum) zu verbringen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

7. Die gefährlichste Unternehmung?

Fällt mir nicht mehr ein.

8. Mehr Sport oder weniger?

Gleich. Nach wie vor regelmäßiges Laufen und Tanztraining.

9. Die teuerste Anschaffung?

Erst ein Auto, dann ein Strafzettel.

10. Das leckerste Essen?

Kann mich nicht erinnern.

11. Das beeindruckenste Buch?

Nur Fachliteratur. Die war nicht sonderlich beeindruckend.

12. Das enttäuschendste Buch?

Das gekaufte Herz von Arlie Hochschild. Arbeitspsychologische Studie mit amerikanischen FlugbegleiterInnen und sog. emotional work. Was in den Achzigern revolutionär gewesen sein mag, ist heute Alltag in fast jeder Dienstleistungsbranche.

13. Der ergreifendste Film?

Ziemlich beste Freunde (les intouchables). Gelacht, geweint, genossen.

14. Die beste Musik?

Immer die, die ich grade höre.

15. Die meiste Zeit verbracht mit…?

Studium

16. Die schönste Zeit verbracht mit… ?

Lernerei

17. Vorherrschendes Gefühl 2012?

Erschöpfung. Bald isses geschafft.

18. 2012 zum ersten Mal getan?

Eine amerikanische Serie auf französisch angesehen
Kleiderspenden für Obdachlose nach St. Petersburg gebracht.

19. 2012 nach langer Zeit wieder getan?

Gebacken. Einmal pro Woche während meines Praktikums. Jetzt kann ich Rührkuchen.

20. 3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Die Anstrengung, die das Praktikum mit sich brachte.
Die

21. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

22. Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?

Meine Mutter öfter besucht, Geduld mitgebracht.

23. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ein Blumenstrauss, völlig unverhofft.
Und eine Einladung an Silvester.

24. Die schönste neue Bekanntschaft, die ich gemacht habe?

Ein paar alte Freunde innerlich verabschiedet, ein paar neue Bekannte gewonnen.

25. Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?

Es ist nicht einfach aber Du schaffst das.

26. Der folgenreichste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?

Ich habe Dich lieb.

27. 2012 war mit 1 Wort…?

anstrengend

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Sonntag, 1. Januar 2012
Zerreisset, zerprenget, zertruemmert die Gruft
Mein alter Professor - meine väterliche Leitfigur - ist kurz nach Weihnachten gestorben. Trotz seiner 90 Jahre war er körperlich und geistig immer noch unvergleichlich fit. Und obwohl man aufgrund seines Lebensalters mit seinem Ableben rechnete, hat mich die Nachricht heute mit ziemlicher Wucht getroffen. Ich bin froh, dass ich ihm noch sagen konnte, wie dankbar ich für alles bin, was er für mich getan hat. Ohne ihn hätte ich niemals Musik studiert.

Verehrter Herr Professor, wo auch immer Sie gerade sein mögen, Sie bleiben in meinem Herzen.



Nachtrag

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Samstag, 17. September 2011
All My Folks
Wir waren drei. Alle im gleichen Alter. C.s Vater und O.s Mutter waren Geschwister, mein Vater zwar nur Cousin, wuchs aber mit ihnen in geschwisterähnlichen Verhältnissen auf. Überhaupt Kinder, die waren dort immer zahlreich. Die eigenen und fremde. Es gab Söhne, Töchter, Nichten und Neffen, Nachbars- und Pflegekinder. Alles was unter Einszwanzig war, tobte dort herum, wurde beaufsichtigt, gefüttert und geliebt. Dabei war weder Herkunft noch Bekanntschaftsverhältnis von Belang. Alle waren willkommen. Wir gruben im Garten Karotten aus und bauten Zelte, in denen wir übernachteten. Wir ärgerten die Jüngeren und bewunderten die Älteren. Manchmal trennte uns nur ein Jahr, doch für ein Kind sind schon Monate wie Lichtjahre.

In diesem einen Sommer waren wir auf der Schwelle zum Erwachsensein. C. hatte die Einszwanziggrenze bereits geknackt. Es war das Jahr, in dem die Spider Murphy Gang ihren größten Hit spielte. Rauf und runter. Wir grölten ununterbrochen mit. Der Text schien uns wunderbar verrucht. Überhaupt diese Rosi, von der die da sangen, die hätte auch eine von uns sein können. Immerhin war C.s Mutter sowas ähnliches - das glaubte ich zumindest. O.s Vater hat die Ferne seinen väterlichen Pflichten vorgezogen. Bei mir? Nun, ich war eines dieser Kinder, die man notgedrungen akzeptiert und dann heiratet. Immerhin war ich die Einzige, die beide Elternteile kannte. Auf den ersten Blick machte mich das besonders. Auf den zweiten wollte dann aber doch keiner mit mir tauschen.

Ein anderer Cousin war schon zwei Jahre älter als wir. Der kam abends vorbei, um uns Gruselgeschichten zu erzählen. Ich war von klein auf ein ausgesprochenes Weichei. Eines mit zu viel Fantasie. Filmleichen lösten bei mir schreckliche Alpträume aus und eine Geisterbahnfahrt auf dem Oktoberfest war undenkbar. Ich war schon froh, wenn ich seelisch unbeschadet an den furchteinflößenden Fassaden vorbeikam. In den Cousin war ich aber verliebt, weswegen ich gebannt an seinen Lippen hing. Für ihn war ich jedoch nur das kleine Mädchen, das mit den anderen im Garten tobte. Er interessierte sich schon für richtige Mädchen. Mit richtigen Titten, nicht mit Orangen oder zerknülltem Papier unter dem Pullover. Damals wusste ich nichts von Pushups. Ich war sehr unbedarft und sehr verliebt.

Die folgende Nacht überstand ich mit gutem Zureden meiner Großmutter. Das Wetter war mir zur Hilfe gekommen. Wir flüchteten ins Haus. Am nächsten Tag war alles vergessen. Wie jeden Tag alles vergessen war, das zuvor geschah. So war das damals. Alle Ungerechtigkeiten, alle Bevorzugungen leiblicher Kinder oder Schläge daheim waren am nächsten Tag einfach vergessen. Denn das hier war unser wirkliches Zuhause. Wir waren unser zuhause. Wir wußten von unseren Wunden ohne darüber zu sprechen und fühlten den Schmerz des anderen, weil er unser eigener war. Und dann taten wir das Einzige, was man in so einer Situation tun kann. Wir zogen gemeinsam los, neuen Abenteuern entgegen, die Vergangenes vergessen machen. Neue, gute Erinnerungen schaffen.

Es war der letzte Sommer, den wir miteinander verbrachten. C. mutierte zum widerspenstigen Teenager. Sie zog schwarze, zerrissene Klamotten an, färbte sich die Haare und machte sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Ihre Mutter hat sie gefunden, nicht aber die Zuneigung, die sie eigentlich suchte. O.s Augen waren schlecht, weshalb er die Schule nur mit großer Mühe absolvierte. Sein Herz war aber immer gut. Sein Bruder war in allem besser. Weil er die richtigen Gene besaß. O. akzeptierte das. Die Liebe holte er sich bei der Großmutter. Von dort ging er beharrlich weiter.

C. brach den Kontakt zur Familie ab, hielt aber immer einen Kanal zur Großtante offen, von der wir erfuhren, wie es C. ging. O. zog nicht in die Ferne, sondern in sein Innerstes. Er blieb im Dorf und zog stattdessen sein Ding durch. Mit der Großtante starb schließlich auch der Kontakt. Wir sahen uns noch ein paar mal auf Beerdigungen, dann verloren wir uns aus den Augen. Vor ein paar Tagen habe ich sie auf einem Portraitportal wiedergefunden. Als wir uns am Wochenende trafen war ich überwältigt von der Herzlichkeit, mit der sie mich empfingen. Als läge kein einziger Tag zwischen dem Sommer damals und dem jetzigen. Jeder ist dort willkommen, auch die weit über Einszwanzig.

Wir müssen nicht reden. Wir spüren den Schmerz, der uns verbindet. Aber wir wollen reden. Das ist der Unterschied zu damals. Wir reden über die Ungerechtigkeiten und die Tränen und das Verlassensein, weil wir es heute können. Heute sind wir genauso ausgelassen und lustig. Aber heute sind wir auch stark, lebensfroh und angekommen. Wir sind endlich groß. Ich bin stolz auf uns.

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Dienstag, 6. September 2011
2000 - Congratulations
and celebrations of 2000 days of blog.

Keine Retrospektiven, keine Wiederholungen mehr.

Das ist ein Versprechen, keine Drohung.


Auf vielfachen Wunsch hier nun die letzte Etappe meiner kleinen persönlichen Retrospektive:

Millenium - auch mein privates. Während die Welt gespannt den Atem anhält (werden beim Datumswechsel die Flugzeuge vom Himmel fallen und die Bildschirme schwarz werden?), kanalisiere ich meinen in ein Saxophon und eine neue Musikrichtung: Jazz. Das alte Instrument liegt derweil in einem dunklen Kasten, wo es noch etwa zehn weitere Jahre unbeachtet liegen bleibt.

Die neu gefundene Freiheit.Doch jede Freiheit existiert nur im Rahmen ihres Opponenten Zwang. So auch meine Existenz. Während ich bislang in die eigene Tasche wirtschaftete, tue ich es jetzt in die eines Luftfahrtunternehmen. Meine Bankauszüge sehen augenblicklich besser aus, was man von meinem Selbstwertgefühl nicht behaupten kann. All die Mühe umsonst? Die Menschen in meinem Dunstkreis reagieren mit Erschrecken auf meine Entscheidung. Von generalisierter Leistungseinschätzung (aber du bist doch technisch so gut) bis spezifizierter Personenwertschätzung (finde ich mutig) ist alles dabei. Die Frage und du spielst auch nicht mehr zum Spaß? will ich bald nicht mehr beantworten. Das Unverständnis unter den Laien ist groß. Zu groß für umfangreiche Erklärungen.

Die Welt hat sich verkleinert, persönliche Entfaltungsmöglichkeiten wie mir scheint auch. Distanzen - vor allem die mit Wasser dazwischen - rechnen sich jetzt in Flugstunden. Hamburg eine Stunde, London anderthalb, New York sieben. Das Shoppingwochenende in Shanghai und aber Sushi esse ich - wenn überhaupt - nur in Tokio. Man beneidet mich. Ich möchte lieber nicht mit mir tauschen. Denn nachdem die erste Euphorie abgeflacht ist, verfalle ich in tiefe Depressionen. Das will keiner hören. Mit der Uniform ziehe ich das Lächeln an. Spätestens jetzt erfahre ich am eigenen Leib, wie sehr sich die Ratgeberautoren täuschen und die äussere Haltung von der Inneren divergieren kann. Da fällt mir immer dieser Spruch ein, wo einer im Aufzug eine Stimme hört: "Lächle und freue Dich, es könnte schlimmer kommen." Und er lächelte und freute sich und es kam schlimmer.

Die dunklen Momente dauern noch eine Weile bevor ich wieder lächeln kann. Dann aber fett.

Ende.

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Sonntag, 4. September 2011
1998
Was bisher geschah:

Kurze, heftige Liaisons mit allen möglichen und unmöglichen Herren. Meine erste richtige Stelle in einem richtigen Orchester. Leider an einem falschen Ort mit falschen Kollegen. Flucht in eine noch falschere Beziehung mit irrwitzigen Heiratsplänen. Manche Pläne werden zum Glück nie umgesetzt.

Langsam und stetig setzt die sog. Torschlusspanik ein. Nicht die in Bezug auf biologische, sondern mehr auf berufliche Fortpflanzung. Kein Ei auf dem Stellenmarkt und ich immer das Spermium, das zu langsam ist, wenn doch eines springt. Mein persönliches Dunkel hat seinen Höhepunkt erreicht. Jede vergeigte Gelegenheit, jedes Versagen ist gleichzeitig ein weiterer Stein im Sack, den ich gefühlt auf allen Wegen hinter mir herziehe. Gleichzeitig ist er das Material für ein Kopfsteinpflaster zum neuen Ziel. Aber wer will das schon hören, wenn er zielstrebig gegen immer die gleiche Mauern rennt.

Großes Erstaunen über die Tatsache, dass jede Mauer auch einen Durchgang hat. DIE Entdeckung der nächsten Jahre.

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Freitag, 2. September 2011
1996
Noch vier Tage bis zum 2000 Tage Jubiläum meines Blogs und vier Jahre bis zur beruflichen Wende. Die wirft aber schon ihre Schatten voraus. Eine neue Gedankendimension. Coaching zur inneren Freiheit. Zwei Seminare und ein Segeltörn. Manche behaupten, er wäre ein Guru. Andere halten das ganze Ding für eine gefährliche Sekte. Für mich ist er einer, der die Dinge beim Namen nennt, klar ausspricht, was sie sind, damit sie dort bleiben und nicht unnötig vom Kopf oder dem Bauch aufgebläht werden. Die Saat ist in mir gesetzt. In späteren Jahren werde ich ernten. Zum ersten Mal seit Jahren lüftet sich der graue Schleier, der über allem Erleben hängt. Doch noch bin ich zu unbarmherzig, um mich selbst annehmen zu können. Noch liegen sehr viele schmerzlichen Erfahrungen, Abschiede und Repetitionen vor mir.

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Mittwoch, 31. August 2011
1994
Das Reisejahr. Internationale Wettbewerbe in Barcelona, Budapest und Rom gespielt. Hier liegen die Wurzeln für meine musikalische Reise. Eine schöne Zeit und doch ständig überschattet vom Gefühl der inneren Erstarrung. Meine Flucht war noch die nach aussen. Feste, Alkohol, Sex, nächtelanges philosophieren und larmentieren. Ausprobieren aller Möglichkeiten - Meditation und Psychoanalyse. Die Wahrheit lag wie immer dazwischen, ich war dafür jedoch noch viel zu extrem.

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