Dienstag, 3. Oktober 2006
Blogger are beautiful - die große Herbstaktion
Wer kennt sie nicht, die große Unzufriedenheit mit dem eigenen körperlichen Erscheinungsbild? Ich bin davon überzeugt, es gibt niemanden, der nicht schon die ein oder andere Körperstelle mit überkritischem Blick beäugte oder gar verwünschte. Doch weder Widerspruch von Freunden, Komplimente von Bekannten, die Brigitte-Herbstdiät, noch der Gang zum Chirurgen können das ändern, was sich im Kopf festgebissen hat. Nur wir selbst sind dazu in der Lage. Schönheit liegt im Auge des Betrachters und ist nicht gleichzusetzen mit Perfektion. Was man zu verstecken versucht, wird man niemals annehmen können.

Frau Stella hat ein Beispiel gesetzt, das Nachahmer sucht. Ich möchte nun dazu aufrufen, diese Aktion zu unterstützen. Mit einer kleinen Modifizierung: gesucht werden nicht nur Bäuche. Zugelassen sind alle Körperpartien, mit denen gehadert wird. Ob Nasen, Füße, Haare oder Zähne, ob in Schrift oder Bild, ob Mann oder Frau, zeigen Sie der Welt ihre vermeintlichen Schwachstellen und stehen Sie zu sich. Verfassen Sie einen Text oder stellen Sie ein Bild in Ihr Blog (falls keines vorhanden, hier in den Kommentaren). Ich bin gespannt auf Ihre Beiträge.



Mein persönlicher (gefühlter) Makel

Fast fällt es mir schwer, mich auf nur einen zu beschränken. Da gibt es zu vieles an meinem Körper, was meinem überkritischen Blick nur schwer standhält. Im Gespräch mit einer großartigen Dame wurde ich jedoch kürzlich wieder an etwas erinnert, das ich bis dato erfolgreich verdrängt hatte. Ein Bild werde ich aus nachvollziehbaren Gründen nicht beifügen.

Seit ich denken kann, bleiben meine Augen beim Blick in den Spiegel an einer bestimmten Körperstelle hängen. Es ist die Innenseite meiner Oberschenkel. Wer Reiterhosen nur als Bezeichnung für ein Kleidungsstück kennt, kann sich glücklich schätzen. Mein Körper weist diese Ausbuchtungen sogar in unbekleidetem Zustand auf. Nicht außen, nur innen. Als ich in der Blüte der Pubertät steckte, begann ich, das Tragen von kurzen und engen Hosen zu vermeiden. Kleidung kann vieles kaschieren. Offensichtlich wurde meine sogenannte Problemzone in Bademode oder unbekleidetem Zustand. Diäten und spezielle Gymnastikübungen blieben erfolglos. So dünn ich war - die Rippen waren bereits sichtbar - und so sehr ich trainierte - die Muskulatur war ebenfalls sichtbar - blieben doch diese Dellen, die sich beim Laufen aneinander rieben. Lange Zeit schämte ich mich dafür. So sehr, dass ich gar einen chirurgischen Eingriff in Erwägung zog. Offensichtlich war das ein genetisches Geschenk von meiner Mutter. Vielleicht schämte ich mich deswegen so dafür. Nein, ich schämte mich nicht nur, ich hasste meine Oberschenkel. Sah ich eine andere Frau in enganliegender Kleidung oder im Bikini, wanderte mein Blick automatisch zwischen ihre Beine. Dumm nur, dass ich sehr selten Vergleichbares sah. Meist waren andere Beine wohlgeformter, straffer, schlanker. Irgendwann wurde dieser Makel in meinem Kopf von anderen überboten und geriet ins Hintertreffen. Ich vergaß einfach, mich darauf zu fixieren.

Lange hatte ich Zeit, mich daran zu gewöhnen und heute gehören sie einfach zu mir, die Beulen an meinen Oberschenkeln, wie meine Nase zu mir gehört. Ich glaube nicht, dass mich ein einziger Mensch wegen meiner Oberschenkel jemals verurteilt hätte, wohl aber für meine Einstellung. Meine neue Trainingshose ist enganliegend geschnitten. Inzwischen kann ich mich während des Tanztrainings im Spiegel betrachten, ohne mich an meinen deformierten Oberschenkeln abschätzig festzusaugen. Ist doch schon was, oder?



Wahlweise eine zweite Geschichte über einen Makel, der nie einer war:

Auf diesen Bildern ist er zu sehen, der braune Fleck auf dem Dekolleté. Die anderen Kinder in der Schule verspotteten mich deswegen. Ich habe das Muttermal meist unter T-Shirts versteckt. Im Alter von 12 Jahren schleppte mich meine Mutter zum Hautarzt, um es untersuchen zu lassen - so ihr Vorwand. Die Diagnose lautete "gutartig", dennoch bot der Arzt an, es zu entfernen. Eine Narbe würde bleiben und mitwachsen. Die Türklinke zum OP in der Hand fragte er mich, ob ich den Fleck loswerden wolle. Ich wollte nicht. Das Muttermal war etwas, das ich mit Stolz unter der Rubrik persönliche Merkmale auf jedem Formular beschrieb, genau wie die Narbe auf meiner rechten Pobacke (ein Überbleibsel aus Kindertagen). Immerhin musste ich nie künstliche Schönheitsflecken auftragen.