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Freitag, 21. April 2006
Morgen früh, wenn Gott will
frau klugscheisser, 18:57h
In diesem Wetter, in diesem Braus,
Nie hätt' ich gesendet die Kinder hinaus!
Man hat sie getragen hinaus,
Ich durfte nichts dazu sagen!
In diesem Wetter, in diesem Saus,
Nie hätt' ich gelassen die Kinder hinaus,
Ich fürchtete sie erkranken;
Das sind nun eitle Gedanken,
In diesem Wetter, in diesem Graus,
Nie hätt' ich gelassen die Kinder hinaus,
Ich sorgte, sie stürben morgen;
Das ist nun nicht zu besorgen.
In diesem Wetter, in diesem Graus,
Nie hätt' ich gesendet die Kinder hinaus,
Man hat sie hinaus getragen,
Ich durfte nichts dazu sagen!
In diesem Wetter, in diesem Saus,
In diesem Braus,
Sie ruh'n als wie in der Mutter Haus,
Von keinem Sturm erschrecket,
Von Gottes Hand bedecket,
Sie ruh'n wie in der Mutter Haus.
aus "Kindertotenlieder" von F. Rückert/G. Mahler
Sie war fünf Jahre jünger als ich und wir hatten den Patenonkel gemeinsam. Wenn wir im Skiurlaub zur selben Zeit ins Bett mussten, las ihr Vater Geschichten vor. Damals fuhr ich aber lieber mit den wilden Jungs vom Patenonkel. Sie war ein wenig weinerlich und nervte uns damit gewaltig. Klar, sie war ja noch klein, während wir uns schon zu den Halbstarken zählten. Der Kontakt verlor sich mit den Jahren. Eines Tages hörte ich, sie habe Krebs und kämpfte dagegen erfolgreich. Damals war sie 21. Mein Patenonkel war in meinem Diplomkonzert anwesend, nicht aber ihre Eltern. Ihr Zustand hätte sich verschlechtert. Deswegen seien sie jetzt Tag und Nacht in der Klinik.
Am nächsten Tag beschloss ich, sie dort ebenfalls zu besuchen. Die entsprechende Abteilung in der Uniklinik zu finden, war das kleinste Problem. Auf meine Frage, in welchem Zimmer sie läge, fragte mich die Schwester, ob ich eine Angehörige sei. "Nein, nur eine Freundin" sagte ich und errötete ob dieser Lüge, denn sehr freundschaftlich hatte ich mich nicht verhalten. Immerhin hätte ich sie schon viel früher besuchen können. Die Schwester verkündete mit ernster Mine, dass sie in dieser Nacht gestorben sei. Ich ging wie ein geschlagener Hund zum Auto und fuhr nach Hause. Meine Gedanken kreisten um sie, ihre Eltern und ihre Freunde. Aus Furcht, nicht die richtigen Worte zu finden, rief ich ihre Eltern nicht an, doch am gleichen Abend erhielt ich einen Anruf von ihrem Vater. Ich versprach, in den nächsten Tagen vorbeizukommen.
Drei Tage wartete ich, bis ich mich zum Kondolenzbesuch aufmachte. Es war bereits Sommer. Man bat mich in den Garten hinter dem Haus. O., ihr Vater sprach mit leuchtenden Augen über sie, als ob sie noch am Leben wäre. Und dann geschah etwas, vor dem ich mich fürchtete. O. bat mich um einen Gefallen. Ich solle ihn begleiten, wenn er sie, wie jeden Tag, besuchen ginge. Es wäre nicht weit, denn man wohne gleich in der Nähe des Friedhofes. Nun ist es so, dass ich von Kindheit an unter wiederkehrenden Alpträumen litt, in denen Untote und Leichen eine Rolle spielten, obwohl ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Toten zu Gesicht bekommen hatte. Ich vermied es gar, Krimis im Fernsehen zu schauen und wenn dies absehbar war, verdeckte ich meine Augen im Kino, bei dem erwarteten Anblick einer Leiche. Wäre ich zu einer Zeit geboren, als der Tod noch zum Leben gehörte und die Toten im eigenen Hause verabschiedet wurden, hätte ich sicherlich kein Problem damit gehabt. So aber schien meine größte Angst Wirklichkeit zu werden. Gleichzeitig begriff ich jedoch, dass ich ihm diesen Wunsch nicht abschlagen konnte. Er wünschte sich einen Menschen, mit dem er gemeinsam trauern wollte. Zögerlich folgte ich ihm durch die Hecke und über das Feld in Richtung Friedhof. Er steuerte direkt ein kleines Häuschen mit nur zwei Fenstern und einer Holztüre an. Die öffnete er mit dem Schlüssel aus seiner Hosentasche, trat hinein und öffnete dann eine der beiden Türen im Inneren. Von der Sonne geblendet, sah ich erst nur Umrisse im Dunkel. O. schob mich vor sich in den kleinen Raum. Drinnen stand der geöffnete Sarg. Der Gang daneben war nicht größer als der Sargdeckel. Da lag sie vor mir, völlig ruhig, fast wie eine Puppe aus Wachs. Er beugte sich über sie, nahm ihre Hand, streichelte ihr Haar und begann mit ihr zu sprechen. Besuch habe er heute mitgebracht, sie kenne mich ja, hätte sich über meine Casettenaufnahmen doch so gefreut. Ja, draußen sei es sehr heiß geworden, da hätte sie doch immer dieses eine Sommerkleid so gerne getragen, nicht diesen langen Fummel, den sie jetzt anhatte. So kalt seien ihre Hände, ob sie friere. Dann nahm er meine Hand und zog mich näher an sie heran. Ob ich nicht auch meinte, sie sähe ein wenig blaß aus? Mir wurde schwarz vor Augen, nicht weil ich den Anblick, sondern seine Trauer nicht ertrug. Ich stürzte an ihm vorbei zur Türe. Meine Knie zitterten. Draußen wartete ich auf dem kleinen Bänkchen, bis er bereit war und die Türe wieder schloß. Noch nie zuvor kam ich mir hilfloser vor, als in diesem Augenblick, als sich O. neben mich setzte. Ich sollte ihn trösten, dabei fühlte ich mich unendlich schwach in diesem Moment. Wir sprachen noch eine kleine Weile, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten.
An diesem Abend hörte ich noch lange Schuberts Streichquartette und den langsamen Satz des -quintetts. Bevor ich zu Bett ging, schaltete ich die Stereoanlage - wie jeden Abend - sorgsam aus. Gegen Morgen träumte ich von ihr. Sie lag vor mir in ihrem Sarg, ich stand daneben. Plötzlich öffnete sie ihre Augen und hob langsam die Hand, streckte sie mir entgegen. Erst erschrak ich, doch sie sagte, ich müsse keine Angst haben, sie würde mir gerne etwas zeigen, ob ich mit ihr gehen wolle. Ganz langsam führte ich meine Hand zu der ihren, doch bevor sich beide Hände berührten, wachte ich auf. Mein Anrufbeantworter hatte sich in diesem Moment eingeschaltet, doch keine Stimme war darauf zu hören. Ich lag einige Zeit starr vor Schreck im Bett, als sich plötzlich meine Anlage einschaltete. Zu hören war der zweite Satz von Schuberts Streichquintett, das Stück, das ich gerne auf meiner eigenen Beerdigung gespielt hätte. Mein Hirn suchte krampfhaft nach einer Erklärung für diese merkwürdigen Vorgänge. Erst als ich die blinkende Uhr des Fernsehers sah, wusste ich, dass sich durch eine Stromunterbrechung die elektrischen Geräte eingeschaltet hatten. Was ich mir allerdings bis zum heutigen Tag nicht erklären kann, ist die Tatsache, dass sich Anrufbeantworter und Stereoanlage zu verschiedenen Zeitpunkten eingeschaltet haben. Zudem würde die CD bei Stromunterbrechung am Anfang beginnen und nicht beim zweiten Satz des Streichquintettes. Bei einer Überprüfung der Anrufzeit auf dem Anrufbeantworter, stellte ich des Weiteren fest, dass zu diesem Zeitpunkt der Strom bereits ausgefallen war. Ohne Strom läuft das Gerät jedoch nicht.
Noch einige Wochen war ich der festen Überzeugung, sie hätte mir eine Nachricht aus dem Zwischenreich senden wollen, bis ich eines Tages beschloß, die Vorfälle des damaligen Abends weder rational erklären, noch sie mystifizieren zu wollen. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die werde ich niemals verstehen. Und einige davon sind sogar physikalisch beweisbar.
Nie hätt' ich gesendet die Kinder hinaus!
Man hat sie getragen hinaus,
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In diesem Wetter, in diesem Saus,
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Ich fürchtete sie erkranken;
Das sind nun eitle Gedanken,
In diesem Wetter, in diesem Graus,
Nie hätt' ich gelassen die Kinder hinaus,
Ich sorgte, sie stürben morgen;
Das ist nun nicht zu besorgen.
In diesem Wetter, in diesem Graus,
Nie hätt' ich gesendet die Kinder hinaus,
Man hat sie hinaus getragen,
Ich durfte nichts dazu sagen!
In diesem Wetter, in diesem Saus,
In diesem Braus,
Sie ruh'n als wie in der Mutter Haus,
Von keinem Sturm erschrecket,
Von Gottes Hand bedecket,
Sie ruh'n wie in der Mutter Haus.
aus "Kindertotenlieder" von F. Rückert/G. Mahler
Sie war fünf Jahre jünger als ich und wir hatten den Patenonkel gemeinsam. Wenn wir im Skiurlaub zur selben Zeit ins Bett mussten, las ihr Vater Geschichten vor. Damals fuhr ich aber lieber mit den wilden Jungs vom Patenonkel. Sie war ein wenig weinerlich und nervte uns damit gewaltig. Klar, sie war ja noch klein, während wir uns schon zu den Halbstarken zählten. Der Kontakt verlor sich mit den Jahren. Eines Tages hörte ich, sie habe Krebs und kämpfte dagegen erfolgreich. Damals war sie 21. Mein Patenonkel war in meinem Diplomkonzert anwesend, nicht aber ihre Eltern. Ihr Zustand hätte sich verschlechtert. Deswegen seien sie jetzt Tag und Nacht in der Klinik.
Am nächsten Tag beschloss ich, sie dort ebenfalls zu besuchen. Die entsprechende Abteilung in der Uniklinik zu finden, war das kleinste Problem. Auf meine Frage, in welchem Zimmer sie läge, fragte mich die Schwester, ob ich eine Angehörige sei. "Nein, nur eine Freundin" sagte ich und errötete ob dieser Lüge, denn sehr freundschaftlich hatte ich mich nicht verhalten. Immerhin hätte ich sie schon viel früher besuchen können. Die Schwester verkündete mit ernster Mine, dass sie in dieser Nacht gestorben sei. Ich ging wie ein geschlagener Hund zum Auto und fuhr nach Hause. Meine Gedanken kreisten um sie, ihre Eltern und ihre Freunde. Aus Furcht, nicht die richtigen Worte zu finden, rief ich ihre Eltern nicht an, doch am gleichen Abend erhielt ich einen Anruf von ihrem Vater. Ich versprach, in den nächsten Tagen vorbeizukommen.
Drei Tage wartete ich, bis ich mich zum Kondolenzbesuch aufmachte. Es war bereits Sommer. Man bat mich in den Garten hinter dem Haus. O., ihr Vater sprach mit leuchtenden Augen über sie, als ob sie noch am Leben wäre. Und dann geschah etwas, vor dem ich mich fürchtete. O. bat mich um einen Gefallen. Ich solle ihn begleiten, wenn er sie, wie jeden Tag, besuchen ginge. Es wäre nicht weit, denn man wohne gleich in der Nähe des Friedhofes. Nun ist es so, dass ich von Kindheit an unter wiederkehrenden Alpträumen litt, in denen Untote und Leichen eine Rolle spielten, obwohl ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen Toten zu Gesicht bekommen hatte. Ich vermied es gar, Krimis im Fernsehen zu schauen und wenn dies absehbar war, verdeckte ich meine Augen im Kino, bei dem erwarteten Anblick einer Leiche. Wäre ich zu einer Zeit geboren, als der Tod noch zum Leben gehörte und die Toten im eigenen Hause verabschiedet wurden, hätte ich sicherlich kein Problem damit gehabt. So aber schien meine größte Angst Wirklichkeit zu werden. Gleichzeitig begriff ich jedoch, dass ich ihm diesen Wunsch nicht abschlagen konnte. Er wünschte sich einen Menschen, mit dem er gemeinsam trauern wollte. Zögerlich folgte ich ihm durch die Hecke und über das Feld in Richtung Friedhof. Er steuerte direkt ein kleines Häuschen mit nur zwei Fenstern und einer Holztüre an. Die öffnete er mit dem Schlüssel aus seiner Hosentasche, trat hinein und öffnete dann eine der beiden Türen im Inneren. Von der Sonne geblendet, sah ich erst nur Umrisse im Dunkel. O. schob mich vor sich in den kleinen Raum. Drinnen stand der geöffnete Sarg. Der Gang daneben war nicht größer als der Sargdeckel. Da lag sie vor mir, völlig ruhig, fast wie eine Puppe aus Wachs. Er beugte sich über sie, nahm ihre Hand, streichelte ihr Haar und begann mit ihr zu sprechen. Besuch habe er heute mitgebracht, sie kenne mich ja, hätte sich über meine Casettenaufnahmen doch so gefreut. Ja, draußen sei es sehr heiß geworden, da hätte sie doch immer dieses eine Sommerkleid so gerne getragen, nicht diesen langen Fummel, den sie jetzt anhatte. So kalt seien ihre Hände, ob sie friere. Dann nahm er meine Hand und zog mich näher an sie heran. Ob ich nicht auch meinte, sie sähe ein wenig blaß aus? Mir wurde schwarz vor Augen, nicht weil ich den Anblick, sondern seine Trauer nicht ertrug. Ich stürzte an ihm vorbei zur Türe. Meine Knie zitterten. Draußen wartete ich auf dem kleinen Bänkchen, bis er bereit war und die Türe wieder schloß. Noch nie zuvor kam ich mir hilfloser vor, als in diesem Augenblick, als sich O. neben mich setzte. Ich sollte ihn trösten, dabei fühlte ich mich unendlich schwach in diesem Moment. Wir sprachen noch eine kleine Weile, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machten.
An diesem Abend hörte ich noch lange Schuberts Streichquartette und den langsamen Satz des -quintetts. Bevor ich zu Bett ging, schaltete ich die Stereoanlage - wie jeden Abend - sorgsam aus. Gegen Morgen träumte ich von ihr. Sie lag vor mir in ihrem Sarg, ich stand daneben. Plötzlich öffnete sie ihre Augen und hob langsam die Hand, streckte sie mir entgegen. Erst erschrak ich, doch sie sagte, ich müsse keine Angst haben, sie würde mir gerne etwas zeigen, ob ich mit ihr gehen wolle. Ganz langsam führte ich meine Hand zu der ihren, doch bevor sich beide Hände berührten, wachte ich auf. Mein Anrufbeantworter hatte sich in diesem Moment eingeschaltet, doch keine Stimme war darauf zu hören. Ich lag einige Zeit starr vor Schreck im Bett, als sich plötzlich meine Anlage einschaltete. Zu hören war der zweite Satz von Schuberts Streichquintett, das Stück, das ich gerne auf meiner eigenen Beerdigung gespielt hätte. Mein Hirn suchte krampfhaft nach einer Erklärung für diese merkwürdigen Vorgänge. Erst als ich die blinkende Uhr des Fernsehers sah, wusste ich, dass sich durch eine Stromunterbrechung die elektrischen Geräte eingeschaltet hatten. Was ich mir allerdings bis zum heutigen Tag nicht erklären kann, ist die Tatsache, dass sich Anrufbeantworter und Stereoanlage zu verschiedenen Zeitpunkten eingeschaltet haben. Zudem würde die CD bei Stromunterbrechung am Anfang beginnen und nicht beim zweiten Satz des Streichquintettes. Bei einer Überprüfung der Anrufzeit auf dem Anrufbeantworter, stellte ich des Weiteren fest, dass zu diesem Zeitpunkt der Strom bereits ausgefallen war. Ohne Strom läuft das Gerät jedoch nicht.
Noch einige Wochen war ich der festen Überzeugung, sie hätte mir eine Nachricht aus dem Zwischenreich senden wollen, bis ich eines Tages beschloß, die Vorfälle des damaligen Abends weder rational erklären, noch sie mystifizieren zu wollen. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die werde ich niemals verstehen. Und einige davon sind sogar physikalisch beweisbar.
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WM-Werbung
frau klugscheisser, 13:18h
Mein Beitrag zur WM.
Kommt zwar zu früh aber das kann jedem mal passieren.
Kommt zwar zu früh aber das kann jedem mal passieren.
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Munich Bloglesung goes (not) e.V.
frau klugscheisser, 11:38h
Mittlerweile mausern sich die bayrischen Bloglesungen zu einer festen Institution. Will sagen, es macht mir Spaß zu organisieren und mir Besonderheiten auszudenken. Ideen habe ich noch sehr viele und Interessenten ebenso. Weil dies alles jedoch nicht ohne finanziellen Aufwand machbar ist (Strom, Fahrtkosten für weit angereiste Stargäste, DJane, etc.) gingen die Überlegungen von Eintrittsgeldern über Spenden bis zu weiteren Lösungen. Der Eintrittsobulus ist bei Veranstaltungen im Freien nicht durchzuführen, die Spendenaktion ging bei der letzten Lesung im Twisted Bavarian komplett daneben, da viele den Pott ohne böse Absicht am Ende vergessen haben. Mein nächster Gedanke war: "Wenn drei oder mehr Deutsche in meinem Namen versammelt sind, da wird ein Verein gegründet." Über die Nachteile, die eine Vereinsgründung mit sich brächte, bin ich mir noch nicht im Klaren.
Was haltet Ihr von der Idee?
Gefragt ist hierzu vor allem die Meinung des mittleren Managements.
Was haltet Ihr von der Idee?
Gefragt ist hierzu vor allem die Meinung des mittleren Managements.
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Donnerstag, 20. April 2006
Verschwindibus
frau klugscheisser, 22:39h
Der Treff hat seine Pforten geschlossen und Erasmus von Meppen gibt den Houdini. Dabei habe ich sein Fachwissen über alte Klassikaufnahmen immer sehr geschätzt. Als Kopfhörer (im Gegensatz zum Bauchhörer) konnte er seine Vorlieben stets belegen. Selten habe ich so gerne bei jemandem über klassische Musik gelesen und diskutiert. Falls er wieder auftaucht, hoffe ich sehr, ihn zu finden. Gibt mir jemand Bescheid? Oder sollte ich gar selbst wieder anfangen, Klassikfachkenntnisse wie Brotkrumen zu streuen und Fallen aufzustellen?
Einige Beispiele aus dem Cache:
Justus Frantz, Thomas Quasthoff u.a.
Bach und die Akademie
Im Fachgeschäft XI
Im Fachgeschäft X
Diverses
Einige Beispiele aus dem Cache:
Justus Frantz, Thomas Quasthoff u.a.
Bach und die Akademie
Im Fachgeschäft XI
Im Fachgeschäft X
Diverses
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Mitgliedsbeitrag
frau klugscheisser, 12:50h
Der fliegende Koch (flyingcook - zu Beginn habe ich immer cock gelesen, weswegen ich mich jetzt schämen gehe) hat mir eine sehr große Freude bereitet. Die ersten Zeilen des letzten Irving lesen sich angenehm mit gould´schem Beethoven im Hintergrund. Das Wochenende ist gerettet.
Überraschend kam das Geschenk allerdings nicht. Da ich mich immer noch mit Amazon über die Richtigkeit meines Namens streite, legte das Päckchen eine Rundreise zurück, bis es heute endlich bei mir eintraf. Im Anschluss an diesen Eintrag, werde ich dem nächsten freien Mitarbeiter dort erst mal einen verbalen Einlauf verpassen. Man muss schließlich irgendwie seine überschüssige Energie loswerden.
Herzlichen Dank an den edlen Spender!
Nachtrag: nicht nur der Postbote musste kichern, als er "Päckche füa Klugseise" sagte. Auch bei der Amazon Mitarbeiterin schien der Name ein Quell für ausgelassene Fröhlichkeit zu sein. Das Problem geht jetzt an die Technik. Als Klugscheisse® hat man´s nicht leicht.
Überraschend kam das Geschenk allerdings nicht. Da ich mich immer noch mit Amazon über die Richtigkeit meines Namens streite, legte das Päckchen eine Rundreise zurück, bis es heute endlich bei mir eintraf. Im Anschluss an diesen Eintrag, werde ich dem nächsten freien Mitarbeiter dort erst mal einen verbalen Einlauf verpassen. Man muss schließlich irgendwie seine überschüssige Energie loswerden.
Herzlichen Dank an den edlen Spender!
Nachtrag: nicht nur der Postbote musste kichern, als er "Päckche füa Klugseise" sagte. Auch bei der Amazon Mitarbeiterin schien der Name ein Quell für ausgelassene Fröhlichkeit zu sein. Das Problem geht jetzt an die Technik. Als Klugscheisse® hat man´s nicht leicht.
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Fuck the Firmenfilter
frau klugscheisser, 03:03h
Bei einem Pornofilm mit dem Titel "Das erste Mal" muss es sich um einen Kurzfilm handeln - vielleicht auch nur ein Teaser - während man Heimatfilme an Titeln wie "Wo der Wildbach durch das Höschen rauscht" erkennt.
Im Grunde kenne ich mich aber mit Pornos nicht aus. Ein freundlicher Zeitgenosse [möchte namentlich nicht genannt werden] erklärte mir, dass darin immer dasselbe Thema behandelt wird. Meine Gegenfrage, warum es dann mehr als einen Pornofilm gäbe, konnte er allerdings nicht beantworten. Weiter erklärte er mir, dass am Ende nicht geheiratet wird. Meine Schlussfolgerung lautet: Pornos sind keine Liebesfilme, wie mir das im zarten Alter von 9 Jahren erklärt wurde. Man hat mich vorsätzlich belogen. Ich bin empört. Ausserdem verstehe ich nicht, wieso manche Leute eine Menge Geld für etwas ausgeben, das man doch viel billiger selber machen kann. Elende Konsumgesellschaft. Dabei sind gerade selbstgemachte Geschenke sehr persönlich und bereiten viel Freude. Wer Selbstgemachtes verschenkt, sollte allerdings darauf achten, die Gesichter der Akteure unkenntlich zu machen. Nicht weil derlei Filme gerne unter Kollegen weitergereicht werden (habe ich mir sagen lassen). Beim nächsten Bewerbungsgespräch hätte sich der Personalchef bereits im Vorfeld von den Präferenzen überzeugt: Führungsqualitäten oder Integrationsvermögen (je nach Position), Teamgeist, Flexibilität und mehrere Jahre Erfahrung. Nein, es ist nur so, dass allein die Vorstellung von entsprechenden Aktivitäten unterschiedlicher Verwandtschaftsgruppen kontraproduktiv zum erhofften Ergebnis wirkt. Und jetzt fragen Sie mich bitte nicht, was denn das erhoffte Ergebnis sei. Ich bin katholisch erzogen. Damit dürfte die Antwort klar sein.
---Schnitt---
Das Badezimmer, ein Ort der Sünde. Entspricht elektrisch dann Cybersex?
Ausserdem:
Herr ltz berichtet aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Bill Clinton war einst der gleichen Meinung.
Im Grunde kenne ich mich aber mit Pornos nicht aus. Ein freundlicher Zeitgenosse [möchte namentlich nicht genannt werden] erklärte mir, dass darin immer dasselbe Thema behandelt wird. Meine Gegenfrage, warum es dann mehr als einen Pornofilm gäbe, konnte er allerdings nicht beantworten. Weiter erklärte er mir, dass am Ende nicht geheiratet wird. Meine Schlussfolgerung lautet: Pornos sind keine Liebesfilme, wie mir das im zarten Alter von 9 Jahren erklärt wurde. Man hat mich vorsätzlich belogen. Ich bin empört. Ausserdem verstehe ich nicht, wieso manche Leute eine Menge Geld für etwas ausgeben, das man doch viel billiger selber machen kann. Elende Konsumgesellschaft. Dabei sind gerade selbstgemachte Geschenke sehr persönlich und bereiten viel Freude. Wer Selbstgemachtes verschenkt, sollte allerdings darauf achten, die Gesichter der Akteure unkenntlich zu machen. Nicht weil derlei Filme gerne unter Kollegen weitergereicht werden (habe ich mir sagen lassen). Beim nächsten Bewerbungsgespräch hätte sich der Personalchef bereits im Vorfeld von den Präferenzen überzeugt: Führungsqualitäten oder Integrationsvermögen (je nach Position), Teamgeist, Flexibilität und mehrere Jahre Erfahrung. Nein, es ist nur so, dass allein die Vorstellung von entsprechenden Aktivitäten unterschiedlicher Verwandtschaftsgruppen kontraproduktiv zum erhofften Ergebnis wirkt. Und jetzt fragen Sie mich bitte nicht, was denn das erhoffte Ergebnis sei. Ich bin katholisch erzogen. Damit dürfte die Antwort klar sein.
---Schnitt---
Das Badezimmer, ein Ort der Sünde. Entspricht elektrisch dann Cybersex?
Ausserdem:
Herr ltz berichtet aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Bill Clinton war einst der gleichen Meinung.
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Mittwoch, 19. April 2006
Das Kirschblütensyndrom
frau klugscheisser, 17:18h
Mich beziehend auf Ingeborch und den dort verlinkten Zeitartikel fallen mir natürlich dazu nur Boshaftigkeiten ein. Selbstverständlich sind Frauen der Inbegriff alles Bösen, sozusagen der Teufel in Person. Die Eva hat angefangen, ehrlich, ich kann nichts dafür. Ich bin ein Opfer meiner DNA.
Das Kirschblütensyndrom ist nun die asiatische Variante der weiblichen Bosheit. Wie es den Japanern so eigen ist, wird dort sehr viel indirekt kommuniziert. So bleiben Boshaftigkeiten den begriffsstutzigen Europäern nicht nur verborgen, im Gegenteil, sie finden diese sanfte Art der japanischen Kirschblüten durchaus liebenswert. Es gab innerhalb meiner Firma eine Zeit, in der die männlichen Kollegen aus dem Cockpit ein besonderes Augenmerk auf diese Spezies richtete. Man wollte diese sanften Wesen unbedingt ehelichen und konnte sich nichts schöneres vorstellen, als eine Frau zu haben, die dem Gatten jeden Wunsch von den Augen abliest. Nicht gerechnet hatte man allerdings mit der Hartnäckigkeit, mit der die Kirschblüten ihre Interessen zwar auf sanfte Weise, jedoch mit großem Nachdruck durchzusetzen im Stande waren. Da wurden aus den sogenannten sanften Kirschblüten die geschiedenen Kirschblüten oder aber die Gatten mutierten zu Hirnmus. Hätten die Herren sich vorab in interkultureller Kommunikation geübt, wäre das zu vermeiden gewesen.
Viel wichtiger als dieser kleine Exkurs ist auf jeden Fall die Frisur vom Clooney Schorsch. Die könnte ich stundenlang gedanklich verwüsten, um anschließend jedes einzelne Haar wieder ordentlich nebeneinander zu legen. Allerdings weiß ich nicht, ob dies in seinem Sinne wäre. Schließlich bin ich eine Frau und er bevorzugt Hausschweine. Warum wohl?
Das Kirschblütensyndrom ist nun die asiatische Variante der weiblichen Bosheit. Wie es den Japanern so eigen ist, wird dort sehr viel indirekt kommuniziert. So bleiben Boshaftigkeiten den begriffsstutzigen Europäern nicht nur verborgen, im Gegenteil, sie finden diese sanfte Art der japanischen Kirschblüten durchaus liebenswert. Es gab innerhalb meiner Firma eine Zeit, in der die männlichen Kollegen aus dem Cockpit ein besonderes Augenmerk auf diese Spezies richtete. Man wollte diese sanften Wesen unbedingt ehelichen und konnte sich nichts schöneres vorstellen, als eine Frau zu haben, die dem Gatten jeden Wunsch von den Augen abliest. Nicht gerechnet hatte man allerdings mit der Hartnäckigkeit, mit der die Kirschblüten ihre Interessen zwar auf sanfte Weise, jedoch mit großem Nachdruck durchzusetzen im Stande waren. Da wurden aus den sogenannten sanften Kirschblüten die geschiedenen Kirschblüten oder aber die Gatten mutierten zu Hirnmus. Hätten die Herren sich vorab in interkultureller Kommunikation geübt, wäre das zu vermeiden gewesen.
Viel wichtiger als dieser kleine Exkurs ist auf jeden Fall die Frisur vom Clooney Schorsch. Die könnte ich stundenlang gedanklich verwüsten, um anschließend jedes einzelne Haar wieder ordentlich nebeneinander zu legen. Allerdings weiß ich nicht, ob dies in seinem Sinne wäre. Schließlich bin ich eine Frau und er bevorzugt Hausschweine. Warum wohl?
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Note to myself
frau klugscheisser, 11:38h
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Dafür gibt es extra Blogs. Aber ich heiße ja nicht Bukowski
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Dienstag, 18. April 2006
He's disabled
frau klugscheisser, 02:52h
Man mag es kaum glauben aber ich habe einen Job. Sicherlich könnte ich ohne den auskommen, nur nicht ohne Geld. Die geben mir nämlich Geld dafür, dass ich ab und zu in ein Flugzeug steige und die Leute von einem Ort zum anderen begleite. Manchmal bin ich so in meine Gedanken versunken, dass ich meine Verpflichtungen vergesse. Diese Verpflichtungen stören mich mehr und mehr bei dem, was ich lieber tun würde. Und dann gibt es Tage, an denen ich von einem Flug heimkomme und froh bin, dort gewesen zu sein. Dann will ich diese Erlebnisse teilen, mitteilen.
So war es auch vor einigen Tagen. Ein dreizehnjähriger Junge reiste ohne Begleitung. Das ist zunächst nicht ungewöhnlich, der Junge ist jedoch gehörlos. Immer wieder versuche ich, mich intensiv in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Als ich meine Tauchlehrertätigkeit begann, dachte ich zum Beispiel viel darüber nach, wie es wohl für einen Querschnittsgelähmten sei, sich unter Wasser nahezu frei zu bewegen. Dann beginne ich, alles in meinem Kopf aufzulisten, woran in so einem Fall zu denken sei. Ich plane innerlich einen Tauchgang mit dieser Person. Wer wird beim Umziehen helfen? Wie viele Hilfspersonen brauche ich, um den Gelähmten ins Wasser zu tragen? Was ist noch zu beachten?
Beim Fliegen habe ich schon manches Mal darüber nachgedacht, wie man einen Blinden überzeugen könne, im Falle einer Evakuierung in eine Rutsche zu springen, die er nicht sieht. Natürlich müsste er sich setzen dürfen. Ein Gehörloser ist unter Wasser eindeutig den Hörenden gegenüber im Vorteil, nicht aber in der Welt des Schalles. Er hört nicht die Durchsagen, nicht die Evakuierungskommandos. Er kann sich nicht einmal besonders gut unter den Hörenden verständlich machen, die die Gebärdensprache meist nicht beherrschen.
Der Junge freute sich wie ein Schnitzel über die Sportzeitschrift, die ich ihm gab. Später schnappte ich mir Zettel und Stift, um ihn zu fragen, was er trinken wolle. Er antwortete, doch ich verstand ihn nicht. Als ich ihm den Zettel gab, damit er seine Wünsche aufschreiben könne, war ich peinlich berührt. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, sprechen zu lernen und ich konnte ihn nicht verstehen. Schließlich deutete er an, er wolle mehr Zettel. Er begann zu zeichnen. Als er fertig war, überreichte er mir freudestrahlend die Papierserviette mit seiner Zeichnung. Darauf war ein Flugzeug zu sehen. Eine Treppe führte auf das Rollfeld. Unten standen einige Personen, die sich unterhielten. In den Sprechblasen stand „Wir fliegen nicht“, „Du spinnst, bist doch tot. Warum wohl? 24 Stunden=1 Tag. Dann sind wir tot“, "10.000 Km sind zu viel", „Hallo willkommen, ihr froh einmal zu fliegen. Wieviel Kilometer denkt ihr?“, „Du spinnst, wir fliegen nicht so schnell“, usw. Gemeinsam mit den Kollegen rätselte ich lange, was die Zeichnung und die Worte wohl bedeuten mögen. Ich traute mich nicht zu fragen. Ein Kollege vermutete, der Junge hätte einen Todesfall in der Familie erlebt, ein anderer meinte, der Junge sei sicherlich geistig verwirrt. Schließlich ging ich zu ihm. Er erklärte mir mit ruhiger Stimme, dass das ein Scherz gewesen sei. Er wolle lediglich wissen, wie viele Kilometer das Flugzeug in der Minute zurücklege. Dann lachte er herzlich. Er lachte mich aus. Wie konnte ich nur so dumm sein und seine Zeichnung nicht verstehen? Ja, ich fühlte mich wirklich dumm. Dieser Junge, über den wir uns so viele Gedanken machten und der uns so leid tat, weil er alleine fliegen musste, war einfach nur stolz darauf, alleine zu fliegen. Er war stolz, endlich erwachsen und nicht mehr auf die Hilfe der anderen angewiesen zu sein. Er war stolz, sich genau wie jeder andere mitteilen zu können. Er bewies uns sein Vertrauen, indem er mit uns scherzte.
Manches Mal hoffe ich, Behinderte sind nachsichtig mit uns Gesunden.
So war es auch vor einigen Tagen. Ein dreizehnjähriger Junge reiste ohne Begleitung. Das ist zunächst nicht ungewöhnlich, der Junge ist jedoch gehörlos. Immer wieder versuche ich, mich intensiv in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Als ich meine Tauchlehrertätigkeit begann, dachte ich zum Beispiel viel darüber nach, wie es wohl für einen Querschnittsgelähmten sei, sich unter Wasser nahezu frei zu bewegen. Dann beginne ich, alles in meinem Kopf aufzulisten, woran in so einem Fall zu denken sei. Ich plane innerlich einen Tauchgang mit dieser Person. Wer wird beim Umziehen helfen? Wie viele Hilfspersonen brauche ich, um den Gelähmten ins Wasser zu tragen? Was ist noch zu beachten?
Beim Fliegen habe ich schon manches Mal darüber nachgedacht, wie man einen Blinden überzeugen könne, im Falle einer Evakuierung in eine Rutsche zu springen, die er nicht sieht. Natürlich müsste er sich setzen dürfen. Ein Gehörloser ist unter Wasser eindeutig den Hörenden gegenüber im Vorteil, nicht aber in der Welt des Schalles. Er hört nicht die Durchsagen, nicht die Evakuierungskommandos. Er kann sich nicht einmal besonders gut unter den Hörenden verständlich machen, die die Gebärdensprache meist nicht beherrschen.
Der Junge freute sich wie ein Schnitzel über die Sportzeitschrift, die ich ihm gab. Später schnappte ich mir Zettel und Stift, um ihn zu fragen, was er trinken wolle. Er antwortete, doch ich verstand ihn nicht. Als ich ihm den Zettel gab, damit er seine Wünsche aufschreiben könne, war ich peinlich berührt. Er hatte sich so viel Mühe gegeben, sprechen zu lernen und ich konnte ihn nicht verstehen. Schließlich deutete er an, er wolle mehr Zettel. Er begann zu zeichnen. Als er fertig war, überreichte er mir freudestrahlend die Papierserviette mit seiner Zeichnung. Darauf war ein Flugzeug zu sehen. Eine Treppe führte auf das Rollfeld. Unten standen einige Personen, die sich unterhielten. In den Sprechblasen stand „Wir fliegen nicht“, „Du spinnst, bist doch tot. Warum wohl? 24 Stunden=1 Tag. Dann sind wir tot“, "10.000 Km sind zu viel", „Hallo willkommen, ihr froh einmal zu fliegen. Wieviel Kilometer denkt ihr?“, „Du spinnst, wir fliegen nicht so schnell“, usw. Gemeinsam mit den Kollegen rätselte ich lange, was die Zeichnung und die Worte wohl bedeuten mögen. Ich traute mich nicht zu fragen. Ein Kollege vermutete, der Junge hätte einen Todesfall in der Familie erlebt, ein anderer meinte, der Junge sei sicherlich geistig verwirrt. Schließlich ging ich zu ihm. Er erklärte mir mit ruhiger Stimme, dass das ein Scherz gewesen sei. Er wolle lediglich wissen, wie viele Kilometer das Flugzeug in der Minute zurücklege. Dann lachte er herzlich. Er lachte mich aus. Wie konnte ich nur so dumm sein und seine Zeichnung nicht verstehen? Ja, ich fühlte mich wirklich dumm. Dieser Junge, über den wir uns so viele Gedanken machten und der uns so leid tat, weil er alleine fliegen musste, war einfach nur stolz darauf, alleine zu fliegen. Er war stolz, endlich erwachsen und nicht mehr auf die Hilfe der anderen angewiesen zu sein. Er war stolz, sich genau wie jeder andere mitteilen zu können. Er bewies uns sein Vertrauen, indem er mit uns scherzte.
Manches Mal hoffe ich, Behinderte sind nachsichtig mit uns Gesunden.
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Montag, 17. April 2006
Aufklärung heute
frau klugscheisser, 16:22h
Search request: aids durch zungenschlag
Das ist nicht Ihr Ernst, oder?
Das ist nicht Ihr Ernst, oder?
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Sinnsucht
frau klugscheisser, 16:17h
Der Baum vor meinem Fenster ist über Nacht grün geworden. In wenigen Wochen wird er blühen, dann Früchte tragen, schließlich fallen die Blätter und der Herbst hält Einzug. Ewiger Kreislauf von Geburt und Tod.
Jedes Jahr mache ich meine Steuererklärung. Jedes Jahr wieder. Es ist kein Ende in Sicht. Ich sauge den Staub in meiner Wohnung, der nach zwei Wochen wieder genauso daliegt, als wäre er nie entfernt worden. Meine Fenster sehen unmittelbar nach dem Putzen beim nächsten Regenschauer aus, als wären sie nie gereinigt worden.
Und plötzlich taucht da die Frage nach dem Sinn des menschlichen Treibens auf. Manch einer bemüht in diesem Zusammenhang Begriffe wie göttlicher Plan oder Fügung, wenn nicht gar Schicksal. Nun ist es aber so, dass das menschliche Gehirn auf der Basis der Vergangenheit arbeitet. Wir glauben, etwas das in der Vergangenheit so war, wird sich in der Zukunft wiederholen. Selbst jene, die ihre Umwelt distanziert intellektuell zu erfassen in der Lage sind, neigen ab und an dazu, bestimmte Ereignisse ihres Lebens im Nachhinein zu verknüpfen und daraus einen Sinn abzuleiten. Wenn dies nicht gewesen wäre, hätte ich das nicht erlebt. Für die Zukunft wird der Satz wer weiß wofür das gut ist? herangezogen. Der lässt sich allerdings nur in kausalem Zusammenhang beantworten, wobei die Kausalität wiederum nur ein Abfallprodukt unseres Denkschemas ist. Wäre es denn so schlimm, wenn es keinen Sinn gäbe? Seit Generationen versucht die Menschheit, sich mit der Sinnlüge über vieles hinwegzutrösten. Doch genau betrachtet ist sie nicht viel mehr als eine Ersatzdroge, ähnlich der Religion. Im Grunde genommen ist das auch nicht das Schlechteste. Wenn es hilft, ist nahezu jedes Mittel legitim.
Jedes Jahr mache ich meine Steuererklärung. Jedes Jahr wieder. Es ist kein Ende in Sicht. Ich sauge den Staub in meiner Wohnung, der nach zwei Wochen wieder genauso daliegt, als wäre er nie entfernt worden. Meine Fenster sehen unmittelbar nach dem Putzen beim nächsten Regenschauer aus, als wären sie nie gereinigt worden.
Und plötzlich taucht da die Frage nach dem Sinn des menschlichen Treibens auf. Manch einer bemüht in diesem Zusammenhang Begriffe wie göttlicher Plan oder Fügung, wenn nicht gar Schicksal. Nun ist es aber so, dass das menschliche Gehirn auf der Basis der Vergangenheit arbeitet. Wir glauben, etwas das in der Vergangenheit so war, wird sich in der Zukunft wiederholen. Selbst jene, die ihre Umwelt distanziert intellektuell zu erfassen in der Lage sind, neigen ab und an dazu, bestimmte Ereignisse ihres Lebens im Nachhinein zu verknüpfen und daraus einen Sinn abzuleiten. Wenn dies nicht gewesen wäre, hätte ich das nicht erlebt. Für die Zukunft wird der Satz wer weiß wofür das gut ist? herangezogen. Der lässt sich allerdings nur in kausalem Zusammenhang beantworten, wobei die Kausalität wiederum nur ein Abfallprodukt unseres Denkschemas ist. Wäre es denn so schlimm, wenn es keinen Sinn gäbe? Seit Generationen versucht die Menschheit, sich mit der Sinnlüge über vieles hinwegzutrösten. Doch genau betrachtet ist sie nicht viel mehr als eine Ersatzdroge, ähnlich der Religion. Im Grunde genommen ist das auch nicht das Schlechteste. Wenn es hilft, ist nahezu jedes Mittel legitim.
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Sonntag, 16. April 2006
Psychedelic
frau klugscheisser, 13:54h
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Buenos Aires
frau klugscheisser, 13:00h
Gestern Jesus Christ unplugged (incl. Dornenpiercing, Tackering und SM), heute Jesus reloaded und morgen dann Christ Revolutions. Natürlich alles im Breitbildformat. So schnell waren nicht mal die Matrix Filmemacher.
Happy Eastern, Western and Southern!
Happy Eastern, Western and Southern!
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Alles Leben
frau klugscheisser, 05:37h
Wie lange mochte es her sein, dass sie ihn das letzte Mal gesehen hatte? Damals war alles noch anders. Gerade das Abitur hinter und das Leben noch vor sich. Sie waren unbeschwert, neugierig auf das, was da kommen würde. Voller Träume und Hoffnungen. Ein wenig verliebt waren sie auch. Ineinander, in die Gefühle, in die Romantik. Seitdem ist viel geschehen. Sie ist eine andere, er ein Fremder. Sie haben sich aus den Augen verloren. Vieles wurde unendlich wichtiger. Das Studium, die Karriere, andere Männer, andere Frauen. Er heiratete eine aus ihrem Jahrgang. Nicht die Schönste, nicht die Interessanteste, nicht die Beliebteste. Im Grunde genommen eine Unscheinbare. Aus einem Brief ihrer Mutter zog sie die Vermählungsanzeige, fein säuberlich aus dem Wochenblatt geschnitten. Einige Zeit später erneut eine Anzeige. Auch die war aus dem Wochenblatt geschnitten. Doch diesmal mit dicken schwarzen Rändern. Erst starrte sie eine Weile auf den Namen unter dem Kreuz. Ein Vor- und ein Nachname. Keine Assoziation. Diese beiden Namen passten nicht zusammen. Woher kannte sie ihn? Langsam dämmerte die Erkenntnis. Das Mädchen aus ihrer Klassenstufe trug seit der Hochzeit seinen Nachnamen.
Sie macht sich auf den Weg, weiß nicht, was sie erwarten wird. Natürlich Menschen in schwarz, Menschen in Trauer, mit Blumen und Tränen. Wie soll sie ihm gegenübertreten? Sie weiß nichts von ihm, was er beruflich macht, wer seine Freunde sind. Ein wenig mulmig ist ihr, als sie den Friedhof betritt. Auf dem Weg zur Aussegnungshalle denkt sie kurz darüber nach umzukehren. Doch etwas in ihr, lässt sie weitergehen. Ist es Neugier? Da ist eine merkwürdige Melancholie, eine Erinnerung an längst vergessene Tage, die ihren Schritt vorantreibt. Sie öffnet die Türe. Drinnen ist es kühl, viel zu kühl für dieses Jahreszeit. Das erste Grün sprießt bereits und die Sonne hat den Schnee schmelzen lassen. Im Grunde ist es eine Zeit des Neubeginns. Nicht so für ihn, doch das vermutet sie nur. Sie kennt das Gefühl der Trennung aber noch niemals hat sie einen Menschen durch Tod verloren. Sie weiß nicht einmal, woran seine Frau gestorben ist. Einige Gesichter kommen ihr bekannt vor. Alte Schulkameraden, alte Nachbarn, seine Eltern. Dann steht er vor ihr. Sie gibt ihm die Hand, weiß nicht so recht, was sie sagen soll. Schließlich flüstert sie etwas von Beileid, die rechten Worte mögen nicht kommen. Er hält ihre Hand ein wenig länger, als nötig, schaut ihr tief in die Augen. Die Umstehenden reden. Sie hört Wortfetzen. Arme Frau, so jung, nicht krank, warum hat sie das getan. Langsam dämmert in ihr die Erkenntnis, dass die Frau sich das Leben genommen haben muss. Er scheint gefasst, doch sicher ist sie sich nicht. Dann beginnt die Ansprache des Predigers. Auch der Vater der Verstorbenen spricht, Freunde des Paares, dazwischen Musik aus der Konserve. Immer wieder schielt sie von ihrem Platz zwischen den Köpfen hindurch zu ihm. Einmal dreht er sich um. Ihre Blicke treffen sich. Sie spürt eine Wärme in sich aufsteigen. Am liebsten würde sie gehen, doch sie bleibt sitzen.
Die Feierlichkeiten sind zu Ende, die Frau unter die Erde gebracht. Man treffe sich noch in einer Lokalität in der Nähe. Sie wird jetzt gehen, denn sie gehört nicht dazu. Plötzlich steht er vor ihr. Er packt ihre Hand und zerrt sie weg von der Menge, auf die Halle zu. Ich muss mit dir reden, sagt er, du gehst mir nicht aus dem Kopf. Sie folgt widerwillig. Er öffnet die Türe, sie folgt ihm ins Innere. Drinnen küsst er sie auf den Mund, ohne Vorwarnung, plötzlich, heftig. Wieder spürt sie diese innere Wärme. Auf einmal ist er ihr sehr vertraut. Es ist die Erinnerung an die Gefühle, die Leidenschaft. Sein Körper ist an den ihren gepresst, Worte klingen in ihrem Ohr. Ich habe dich nicht vergessen, immer nur an dich gedacht, dich vermisst. So lange ist es her, dass sie diese Worte das letzte Mal hörte. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Die Situation ist paradox, sie fühlt sich unwohl, überfordert. Seine Hand liegt auf ihrer Brust. Er öffnet ihre Bluse. Sie hält seine Hand fest. Warte, sagt sie, nicht so hastig. In seinen Augen spiegelt sich Verzweiflung und Lust. So nah ist beides beieinander. Er schiebt sie auf eine Bank, küsst sie auf den Mund, den Hals, den Ausschnitt. Ohne nachzudenken schiebt sie ihren Rock nach oben und den Slip beiseite. Er nestelt an seiner Hose. Dann dringt er in sie ein, kommt nach drei Stößen heftig in ihr, sackt zusammen. Sie hält ihn ein wenig. Draußen zwitschern die Vögel in der wärmenden Nachmittagssonne. So nah sie sich eben noch waren, so weit sind sie jetzt voneinander entfernt. Trauer und Lust, alles eines, alles Leben.
Sie macht sich auf den Weg, weiß nicht, was sie erwarten wird. Natürlich Menschen in schwarz, Menschen in Trauer, mit Blumen und Tränen. Wie soll sie ihm gegenübertreten? Sie weiß nichts von ihm, was er beruflich macht, wer seine Freunde sind. Ein wenig mulmig ist ihr, als sie den Friedhof betritt. Auf dem Weg zur Aussegnungshalle denkt sie kurz darüber nach umzukehren. Doch etwas in ihr, lässt sie weitergehen. Ist es Neugier? Da ist eine merkwürdige Melancholie, eine Erinnerung an längst vergessene Tage, die ihren Schritt vorantreibt. Sie öffnet die Türe. Drinnen ist es kühl, viel zu kühl für dieses Jahreszeit. Das erste Grün sprießt bereits und die Sonne hat den Schnee schmelzen lassen. Im Grunde ist es eine Zeit des Neubeginns. Nicht so für ihn, doch das vermutet sie nur. Sie kennt das Gefühl der Trennung aber noch niemals hat sie einen Menschen durch Tod verloren. Sie weiß nicht einmal, woran seine Frau gestorben ist. Einige Gesichter kommen ihr bekannt vor. Alte Schulkameraden, alte Nachbarn, seine Eltern. Dann steht er vor ihr. Sie gibt ihm die Hand, weiß nicht so recht, was sie sagen soll. Schließlich flüstert sie etwas von Beileid, die rechten Worte mögen nicht kommen. Er hält ihre Hand ein wenig länger, als nötig, schaut ihr tief in die Augen. Die Umstehenden reden. Sie hört Wortfetzen. Arme Frau, so jung, nicht krank, warum hat sie das getan. Langsam dämmert in ihr die Erkenntnis, dass die Frau sich das Leben genommen haben muss. Er scheint gefasst, doch sicher ist sie sich nicht. Dann beginnt die Ansprache des Predigers. Auch der Vater der Verstorbenen spricht, Freunde des Paares, dazwischen Musik aus der Konserve. Immer wieder schielt sie von ihrem Platz zwischen den Köpfen hindurch zu ihm. Einmal dreht er sich um. Ihre Blicke treffen sich. Sie spürt eine Wärme in sich aufsteigen. Am liebsten würde sie gehen, doch sie bleibt sitzen.
Die Feierlichkeiten sind zu Ende, die Frau unter die Erde gebracht. Man treffe sich noch in einer Lokalität in der Nähe. Sie wird jetzt gehen, denn sie gehört nicht dazu. Plötzlich steht er vor ihr. Er packt ihre Hand und zerrt sie weg von der Menge, auf die Halle zu. Ich muss mit dir reden, sagt er, du gehst mir nicht aus dem Kopf. Sie folgt widerwillig. Er öffnet die Türe, sie folgt ihm ins Innere. Drinnen küsst er sie auf den Mund, ohne Vorwarnung, plötzlich, heftig. Wieder spürt sie diese innere Wärme. Auf einmal ist er ihr sehr vertraut. Es ist die Erinnerung an die Gefühle, die Leidenschaft. Sein Körper ist an den ihren gepresst, Worte klingen in ihrem Ohr. Ich habe dich nicht vergessen, immer nur an dich gedacht, dich vermisst. So lange ist es her, dass sie diese Worte das letzte Mal hörte. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Die Situation ist paradox, sie fühlt sich unwohl, überfordert. Seine Hand liegt auf ihrer Brust. Er öffnet ihre Bluse. Sie hält seine Hand fest. Warte, sagt sie, nicht so hastig. In seinen Augen spiegelt sich Verzweiflung und Lust. So nah ist beides beieinander. Er schiebt sie auf eine Bank, küsst sie auf den Mund, den Hals, den Ausschnitt. Ohne nachzudenken schiebt sie ihren Rock nach oben und den Slip beiseite. Er nestelt an seiner Hose. Dann dringt er in sie ein, kommt nach drei Stößen heftig in ihr, sackt zusammen. Sie hält ihn ein wenig. Draußen zwitschern die Vögel in der wärmenden Nachmittagssonne. So nah sie sich eben noch waren, so weit sind sie jetzt voneinander entfernt. Trauer und Lust, alles eines, alles Leben.
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Donnerstag, 13. April 2006
Knapp daneben ist auch vorbei
frau klugscheisser, 01:29h
Diese Werbung wirft in meinem blonden Köpfchen Fragen auf.
"So lange wir ein Geschlecht haben, geht uns Aids etwas an"
Aha. Und wenn wir keines haben, dann nicht?
Ich meine, geht uns der Tsunami auch nix an, weil wir keinen Ozean vor der Haustüre haben?
Oder geht uns Guantanamo am Arsch vorbei, weil wir keine Kriegsgefangenen mehr halten?
Und was wäre dann auf solch ein Exemplar zutreffend?
Im Übrigen erinnert das weibliche Foto irgendwie an Infibulation.
Aber das interessiert ja die Werbefuzzies nicht. Auch wenn Sinn und Zweck nicht sofort ersichtlich werden, hofft so eine Kampagne auf die große Benettonwelle.
"So lange wir ein Geschlecht haben, geht uns Aids etwas an"
Aha. Und wenn wir keines haben, dann nicht?
Ich meine, geht uns der Tsunami auch nix an, weil wir keinen Ozean vor der Haustüre haben?
Oder geht uns Guantanamo am Arsch vorbei, weil wir keine Kriegsgefangenen mehr halten?
Und was wäre dann auf solch ein Exemplar zutreffend?
Im Übrigen erinnert das weibliche Foto irgendwie an Infibulation.
Aber das interessiert ja die Werbefuzzies nicht. Auch wenn Sinn und Zweck nicht sofort ersichtlich werden, hofft so eine Kampagne auf die große Benettonwelle.
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Rechtschreibreform der reformierten Rechtschreibung
frau klugscheisser, 23:11h
Es ist so, dass ich schon zu Schulzeiten nicht mit diesen ganzen Reformen zurecht kam. Da gab es die reformierte Oberstufe, die Reform der reformierten Oberstufe und letztlich dank Mayer-Vorfelder die reformierte Reform der Oberstufenreform. Hätte dieser Mann beizeiten seinen Faible für Fußball ausleben dürfen, hätten nicht unzählige Schüler Baden-Württembergs unter den Ausgeburten seiner Machtfantasien zu leiden gehabt. So aber mussten die künstlerisch Begabten in saure mathematisch-naturwissenschaftliche Äpfel beissen. Nix mit Reli mündlich, wer nicht mindestens Mathe schriftlich in der Abitursprüfung belegte. Nix Kunst LK und gleichzeitig was mit Deutsch. Nein, das musste schon handfest sein und beweisbar, wie z.B. Physik oder Chemie oder wenigstens was in einer fremden Sprache. Nun, wir haben uns durchgebissen und es hinter uns gebracht. Ob wir deswegen bessere Menschen sind, als jene, die in Bremen oder gar Rheinland-Pfalz die Allgemeine Hochschulreife erlangten, wage ich zu bezweifeln.
Und jetzt kommt der nächste Hammer. Man hat die Rechtschreibung reformiert, dann die Reform überarbeitet und schließlich sich auf ein gemischtes System aus alt und neu geeinigt. Halt, stimmt nicht, denn von Einigung ist weit und breit keine Spur. Man wolle anfechten, protestieren und schließlich eine reformierte Reform erzwingen. Merkwürdig, denn in den 80ern gingen Leute gegen Atomkraft und Volkszählungen auf die Straße. Das sind dieselben, die heute Punkte auf Bonuskarten sammeln und in schicken Lofts wohnen, die sie vorbehaltlos von den Münchner Stadtwerken mit Strom und Wärme beliefern lassen. Naja, die Zeiten ändern sich und die Leute müssen halt ihren überschüssigen Idealismmus irgendwo ausleben. Deswegen macht man jetzt an der Rechtschreibung rum. Wie der ein oder andere sicher schon bemerkte, ist mir die Reform ziemlich wurscht. Ich schreibe, wie ich es gelernt habe und halte das sogar für richtig. Dabei befinde ich mich in guter Gesellschaft, denn die Gruppe der Ignoranten wächst täglich. Einziges Novum, das ich angenommen habe, ist das scharfe s durch ss zu ersetzen. Aber selbst da bin ich ziemlich inkonsequent. Überhaupt hat dieses Ding einen Haufen Namen. "Scharfes s" kann ich mir nicht so recht erklären, denn scharf kann Essen sein oder eine auf bestimmte Art gekleidete Dame aber doch kein s. "Es-zet" geht gar nicht. Ich erinnere daran, dass es sich hierbei um einen eingetragenen Markennamen handelt. Die Eszett-Schnitten schmeckten lecker zwischen Brötchen. Wie ß schmeckt, weiß ich bis heute nicht. Im Schwäbischen gibt es den Begriff "dreierles s", was soviel bedeutet wie 3 s, also sss. Kann auch nicht sein, denn die wenigen Worte mit drei s in Folge sind künstlich zusammengefügt, während man jedoch oft schon zwei von der Sorte als solches bezeichnet. Egal, ich mag es nicht, das ß. Lese ich einen Text, in dem bestimmte Worte mit ß auftauchen, glaube ich automatisch, der Autor habe bestimmt einen Zungenschlag oder lisple mindestens. Zurecht meinen Sie nun, das sei eine haltlose Unterstellung. Es ist nur so, dass ich gelesene Texte gleichzeitig in meinem inneren Ohr höre, obwohl ich die Stimme des Autors möglicherweise nicht kenne. Manchmal lese ich sogar laut. Meistens dann, wenn ich die Zeilen mit dem Zeigefinger nachziehe. Nein, ich kann auch freihändig lesen und nein, ich muss ersatzweise nicht bestimmte Passagen mit dem Bleistift unterstreichen (nein, nicht mal mit Lineal). Diese Phase habe ich dank eines guten Therapeuten überwunden. Ersatzweise tourette ich auf anderem Gebiet. Kommen wir zurück zum ß. Wo liegt der Ursprung für das ß? Eltern B und F. Aufgrund eines genetischen Fehlers nach unten inkontinent, dafür oben geschlossen. Mag sein, dass die Öffnung eines Elternteils in der Evolution einfach nach unten verrutscht ist. Vielleicht ist das praktischer. Jedenfalls ist die Rechtschreibevolution grausam und beginnt nun, diesen Mutanten aussterben zu lassen. Das ß kämpft um seine Arterhaltung. Allein es ist zu schwach, um zu überleben.
Genau das sind die Gründe, warum es heute schon die Klugscheisse® gibt. Nachnamen entstehen ja aus Berufsgruppen, Ortsnamen o.ä., da liegt es nur nahe, auf dieses überzüchtete ß zu verzichten und daraus ein ss zu machen. Aber keine Angst, ich habe derzeit nicht vor, mich zu reproduzieren, selbst wenn bei blogger.de schon eine URL mit meinem Namen existierte, als ich hier aufschlug. Damit habe ich nichts zu tun, ehrlich. Ich schwör! Doppelschwör!
Und wer mir jetzt noch verrät, wie man seinen Mitgliedsnamen hier ändert, dem sei mein lebenslänglicher Dank gewiß.
Und jetzt kommt der nächste Hammer. Man hat die Rechtschreibung reformiert, dann die Reform überarbeitet und schließlich sich auf ein gemischtes System aus alt und neu geeinigt. Halt, stimmt nicht, denn von Einigung ist weit und breit keine Spur. Man wolle anfechten, protestieren und schließlich eine reformierte Reform erzwingen. Merkwürdig, denn in den 80ern gingen Leute gegen Atomkraft und Volkszählungen auf die Straße. Das sind dieselben, die heute Punkte auf Bonuskarten sammeln und in schicken Lofts wohnen, die sie vorbehaltlos von den Münchner Stadtwerken mit Strom und Wärme beliefern lassen. Naja, die Zeiten ändern sich und die Leute müssen halt ihren überschüssigen Idealismmus irgendwo ausleben. Deswegen macht man jetzt an der Rechtschreibung rum. Wie der ein oder andere sicher schon bemerkte, ist mir die Reform ziemlich wurscht. Ich schreibe, wie ich es gelernt habe und halte das sogar für richtig. Dabei befinde ich mich in guter Gesellschaft, denn die Gruppe der Ignoranten wächst täglich. Einziges Novum, das ich angenommen habe, ist das scharfe s durch ss zu ersetzen. Aber selbst da bin ich ziemlich inkonsequent. Überhaupt hat dieses Ding einen Haufen Namen. "Scharfes s" kann ich mir nicht so recht erklären, denn scharf kann Essen sein oder eine auf bestimmte Art gekleidete Dame aber doch kein s. "Es-zet" geht gar nicht. Ich erinnere daran, dass es sich hierbei um einen eingetragenen Markennamen handelt. Die Eszett-Schnitten schmeckten lecker zwischen Brötchen. Wie ß schmeckt, weiß ich bis heute nicht. Im Schwäbischen gibt es den Begriff "dreierles s", was soviel bedeutet wie 3 s, also sss. Kann auch nicht sein, denn die wenigen Worte mit drei s in Folge sind künstlich zusammengefügt, während man jedoch oft schon zwei von der Sorte als solches bezeichnet. Egal, ich mag es nicht, das ß. Lese ich einen Text, in dem bestimmte Worte mit ß auftauchen, glaube ich automatisch, der Autor habe bestimmt einen Zungenschlag oder lisple mindestens. Zurecht meinen Sie nun, das sei eine haltlose Unterstellung. Es ist nur so, dass ich gelesene Texte gleichzeitig in meinem inneren Ohr höre, obwohl ich die Stimme des Autors möglicherweise nicht kenne. Manchmal lese ich sogar laut. Meistens dann, wenn ich die Zeilen mit dem Zeigefinger nachziehe. Nein, ich kann auch freihändig lesen und nein, ich muss ersatzweise nicht bestimmte Passagen mit dem Bleistift unterstreichen (nein, nicht mal mit Lineal). Diese Phase habe ich dank eines guten Therapeuten überwunden. Ersatzweise tourette ich auf anderem Gebiet. Kommen wir zurück zum ß. Wo liegt der Ursprung für das ß? Eltern B und F. Aufgrund eines genetischen Fehlers nach unten inkontinent, dafür oben geschlossen. Mag sein, dass die Öffnung eines Elternteils in der Evolution einfach nach unten verrutscht ist. Vielleicht ist das praktischer. Jedenfalls ist die Rechtschreibevolution grausam und beginnt nun, diesen Mutanten aussterben zu lassen. Das ß kämpft um seine Arterhaltung. Allein es ist zu schwach, um zu überleben.
Genau das sind die Gründe, warum es heute schon die Klugscheisse® gibt. Nachnamen entstehen ja aus Berufsgruppen, Ortsnamen o.ä., da liegt es nur nahe, auf dieses überzüchtete ß zu verzichten und daraus ein ss zu machen. Aber keine Angst, ich habe derzeit nicht vor, mich zu reproduzieren, selbst wenn bei blogger.de schon eine URL mit meinem Namen existierte, als ich hier aufschlug. Damit habe ich nichts zu tun, ehrlich. Ich schwör! Doppelschwör!
Und wer mir jetzt noch verrät, wie man seinen Mitgliedsnamen hier ändert, dem sei mein lebenslänglicher Dank gewiß.
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Walpurgisnacht
frau klugscheisser, 02:53h

Ja, wir lesen schon wieder. Diesmal lesen wir den Winter zu Grabe. Die Hl. Walpurga möge uns beistehen, wenn am alten Nordfriedhof grauslige, ernste, traurige und ironische Texte zu Gehör gebracht werden. Vortragende Hexen und Hexenmeister sind:
Martina Kink, Don Alphonso, Banana und meine Wenigkeit. Als Überraschungsgast kommt der Boandlkramer. Getroffen wird sich bei gutem Wetter um 19.00 am Wegkreuz. Sollte es regnen, finden wir uns im Twisted Bavarian ein, wo wir auch nach der Lesung unseren Leichenschmaus veranstalten werden. Bei unbeständigem Wetter erfahren Sie Genaueres über den Veranstaltungsort zwei Stunden vor Lesungsbeginn in den betreffenden Blogs.
Wer des Winters überdrüssig ist, sollte kommen, um ihn gemeinsam mit uns zu begraben. Dann steht dem Frühling nichts mehr im Wege.
Bitte Decken oder sonstige Sitzgelegenheiten und Kerzen mitbringen.
Nachtrag: gerade erreicht mich die frohe Kunde, dass eine weitere Hexe zugesagt hat. Der Boandlkramer hat noch einiges zu tun, er möge jedoch seine Aktivitäten bitte ebenfalls auf unseren Heimatfriedhof verlegen.
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Dienstag, 11. April 2006
Vorankündigung
frau klugscheisser, 03:01h

So sah es noch vor wenigen Wochen auf dem alten Nordfriedhof aus. Die Wettergeister bemühen sich derzeit, diesen Stand erneut zu erreichen. Hoffen wir mal, dass es in der Freinacht (im nichtbayrischen Ausland auch als Walpurgisnacht bekannt) schön sein wird. Dann nämlich sind die Hexen unterwegs, um dem Winter den Garaus zu machen. Und wir werden sie mit einer Lesung auf dem alten Nordfriedhof unterstützen. Man darf gespannt sein. Bleiben Sie dran.
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Montag, 10. April 2006
Play it, Sam!
frau klugscheisser, 03:01h
Dass Musik Emotionen transportiert ist nicht neu. Dass mit bestimmten Titeln jeder Mensch ganz eigene Assoziationen verbindet, auch nicht. Nur sind wir selbst für derartige Assoziationen verantwortlich. Das darf nicht vergessen werden.
Ich hatte mal eine Lieblings CD, die Tag und Nacht lief. Das ist nicht ungewöhnlich. Meine temporären Lieblings CDs laufen so lange, bis ich mich entweder sattgehört habe oder aber sie von der nächsten abgelöst werden. Das ist sehr praktisch, denn wenn Besuch kommt, muss ich nicht lange nach passender Musik suchen, die steckt schon in der Anlage. So begab es sich einst, dass ich Übernachtungsbesuch hatte. Dieser One-night-stand entwickelte sich jedoch so unvorhergesehen zu einem ganzheitlichen Desaster, dass ich an dieser Stelle lieber nicht davon berichten möchte. An der Musik kann es nicht gelegen haben. Damals lief De Phazz auf Repeat. Der Besuch verließ meine Wohnung freiwillig nach angemessener Zeit und ich war dafür unendlich dankbar. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ich die besagte CD nicht mehr hören konnte, ohne an die traumatischen Ereignisse der vergangenen Nacht erinnert zu werden. An diesem Zustand hat sich auch nach Jahren nichts geändert. Jedesmal wenn ich Ausschnitte der CD höre, macht sich in mir ein Unwohlsein breit, das erst aufhört, nachdem ich andere Musik aufgelegt habe. Somit habe ich mich selbst unbewußt zum Opfer in Clockwork Orange Manier konditioniert. Dabei finde ich die Neunte von Beethoven so schlecht nicht.
Ich hatte mal eine Lieblings CD, die Tag und Nacht lief. Das ist nicht ungewöhnlich. Meine temporären Lieblings CDs laufen so lange, bis ich mich entweder sattgehört habe oder aber sie von der nächsten abgelöst werden. Das ist sehr praktisch, denn wenn Besuch kommt, muss ich nicht lange nach passender Musik suchen, die steckt schon in der Anlage. So begab es sich einst, dass ich Übernachtungsbesuch hatte. Dieser One-night-stand entwickelte sich jedoch so unvorhergesehen zu einem ganzheitlichen Desaster, dass ich an dieser Stelle lieber nicht davon berichten möchte. An der Musik kann es nicht gelegen haben. Damals lief De Phazz auf Repeat. Der Besuch verließ meine Wohnung freiwillig nach angemessener Zeit und ich war dafür unendlich dankbar. Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass ich die besagte CD nicht mehr hören konnte, ohne an die traumatischen Ereignisse der vergangenen Nacht erinnert zu werden. An diesem Zustand hat sich auch nach Jahren nichts geändert. Jedesmal wenn ich Ausschnitte der CD höre, macht sich in mir ein Unwohlsein breit, das erst aufhört, nachdem ich andere Musik aufgelegt habe. Somit habe ich mich selbst unbewußt zum Opfer in Clockwork Orange Manier konditioniert. Dabei finde ich die Neunte von Beethoven so schlecht nicht.
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Sonntag, 9. April 2006
Incidental solar radiation
frau klugscheisser, 15:52h
Gerade habe ich mir ein Strahlungsschild aus mit Alufolie bezogener Pappe für meine Fenster gebastelt. Wer jetzt an meinem mentalen Zustand zweifelt, dem sei erklärt, dass ich mich dadurch gegen die intensive Sommersonneneinstrahlung zur Wehr setze. Durch die Morgensonne wird sich mein Zimmer dermaßen aufheizen, dass nicht nur meine Schweißdrüsen, sondern auch meine CD Sammlung und die Pflanzen darunter zu leiden haben. Ausserdem wehrt das Schutzschild in Zukunft neugierige Blicke der Nachbarschaft ab. Vielleicht hätte ich die Pillen nicht absetzen sollen. Naja, wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
Der Sommer kann kommen, ich bin gewappnet.
Der Sommer kann kommen, ich bin gewappnet.
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Here comes the neighbourhood
frau klugscheisser, 13:31h
Seit Dezember bin ich im Genuss eines Fensters zur Straße. Während ich vorher im Hinterhof mit Blick auf ein Bürogebäude wenig vom Leben da draußen mitbekam, bin ich jetzt mittendrin. Morgens mit einer Tasse Tee und einer Zigarette beobachte ich, wie im Haus gegenüber Frühsport betrieben wird. Der mittelalterliche Herr ist stolzer Besitzer eines Steppergerätes, auf dem er – meist leicht bekleidet, wenn überhaupt – seinen hüpfenden Bierbauch in Wallung bringt. Im Stock drüber lüftet eine Mutter die Kinderdecken und im ersten Stock schnuppert ein Rentner auf dem Balkon vorsichtig Morgenluft. Richtig interessant wird die Szenerie erst nach Einbruch der Dunkelheit. Dann werden die Wohnungen von innen beleuchtet und somit vollständig einsehbar. Es passiert dort nicht viel beobachtenswertes aber immer wieder interessant zu sehen sind diverse Einrichtungen. Manchmal beneide ich Handwerker, deren Beruf eine Eintrittskarte zu fremden Wohnungen ist. Höchst wahrscheinlich haben die auch bemerkenswerte Dinge zu berichten. Für Eigeninspiration brauchen sie nicht einmal Möbelkataloge blättern und sind stets auf dem neuesten Stand was Möbeldesign angeht. Zumindest in München scheint mir das sehr wahrscheinlich zu sein.
Noch interessanter als das Leben hinter den Fenstern ist das Leben auf der Straße. Da ist der Mann, der – vermutlich durch einen Schlaganfall hinkend – morgens und mittags seine kleine Tochter zum Kindergarten bringt. Er trägt immer denselben Trainingsanzug oder sein Kleiderschrank beherbergt zig ähnliche Modelle. Da ist der Typ, der ab und zu Post aus dem überfüllten Briefkasten fischt, diese fein säuberlich in den Fahrradkorb staut und eigenhändig zum Postamt bringt. Vor der Bäckerei warten angeleinte Hunde, die ihre aus dem Laden kommenden Halter so freudig begrüßen, als wären sie wochenlang dort drin gewesen. Schön zu beöbachten sind die aufgeregten Schüler einer Fahrschule, die zitternd in das Auto steigen, um als erstes den Motor abzuwürgen. Da gibt es eine Mai Ling Zentrale und deren Kundschaft. Vermutlich werden in dem auf Asien spezialisierten Reisebüro aber weniger Reisen gebucht, als vielmehr die Räumlichkeiten durch die hiesige asiatische Bevölkerung für gesellschaftliche Zusammenkünfte genutzt. Vor dem Schönheitssalon stehen dickliche Zwanzigjährige in ihrer Zigarettenpause. Neben dem türkischen Feinkostladen treffen sich junge Türken in ihrer Mittagspause. Manchmal vermischen sich die letzten beiden ethnischen Gruppen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Ab und zu schlendert der an der Kasse arbeitende und mit einer Schürze bekleidete junge Türke auf die Straßenseite gegenüber des Schönheitssalons und raucht dort eine Zigarette. Dabei starrt er sehr angestrengt auf das Schaufenster gegenüber. Wenn er damit fertig ist, macht er einen kleinen Abstecher in die Apotheke.
Die Apotheke ist vor allem bei Notfalldienst nachts schön zu beobachten. In zehnminütigem Abstand halten dort Taxis und warten, bis der Fahrgast seine Medikamente abgeholt hat. Erst sucht der Leidende eine Klingel. Hat er die gefunden und betätigt, wartet er auf Antwort, indem er vor der Glastüre ins Innere des Ladens starrt. Der Apothekenangestellte kommt aber meist nicht für den Klingler einsehbar von links und meldet sich über eine Sprechanlage. Dann springt der Klingler hektisch zur Anlage, um dort konzentriert hineinzusprechen. Der Apotheker entfernt sich, um die gewünschten Medikamente zu holen, während der Sprecher immer noch wie gebannt an der Anlage hängt. Er lauscht in die Schlitze hinein, als würde jedes verpasste Geräusch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands bedeuten. Irgendwann steht der Apotheker dann auch wieder dahinter, um hineinzusprechen, was den Abholer erschrecken lässt. Dabei hat er doch die ganze Zeit auf diese Stimme gewartet. Nun, bei körperlichem Leid sind wir wohl alle ein wenig empfindlicher.
Schön zu beobachten sind auch modische Verfehlungen der Passanten. Während sich übergewichtige Frauen gerne in pink kleiden, tragen die großen Dürren eher schwarz oder gedeckte Farben. Ich versuche mich dem natürlich anzupassen. Leider fehlen meiner Kollektion noch Kleidungsstücke in pink. Dafür kenne ich mich seit meinem Umzug in Fragen der Hutmode aus. Baseballmützen sind nämlich out. Man trägt jetzt wieder traditionell, am liebsten den Lodenhut mit Gamsbart.
Leider geschieht nichts wirklich weltbewegendes hinter den Fenstern von gegenüber. So sehr ich darauf hoffe, es lassen sich dort keine Orgien und keine Nacktshows beobachten. Kürzlich sah ich zufällig einen Bewohner des gegenüberliegenden Gebäudes direkt in meine Wohnung starrend. Unverschämtheit so was! Das tut man nicht. Vielleicht gehe ich mal demnächst rüber und erzähle ihm was über Privatsphäre und gute Kinderstube. Wenn ihm langweilig ist, soll er halt seine Steuer machen oder stricken lernen aber bitte nicht in fremde Wohnungen spannen.
Noch interessanter als das Leben hinter den Fenstern ist das Leben auf der Straße. Da ist der Mann, der – vermutlich durch einen Schlaganfall hinkend – morgens und mittags seine kleine Tochter zum Kindergarten bringt. Er trägt immer denselben Trainingsanzug oder sein Kleiderschrank beherbergt zig ähnliche Modelle. Da ist der Typ, der ab und zu Post aus dem überfüllten Briefkasten fischt, diese fein säuberlich in den Fahrradkorb staut und eigenhändig zum Postamt bringt. Vor der Bäckerei warten angeleinte Hunde, die ihre aus dem Laden kommenden Halter so freudig begrüßen, als wären sie wochenlang dort drin gewesen. Schön zu beöbachten sind die aufgeregten Schüler einer Fahrschule, die zitternd in das Auto steigen, um als erstes den Motor abzuwürgen. Da gibt es eine Mai Ling Zentrale und deren Kundschaft. Vermutlich werden in dem auf Asien spezialisierten Reisebüro aber weniger Reisen gebucht, als vielmehr die Räumlichkeiten durch die hiesige asiatische Bevölkerung für gesellschaftliche Zusammenkünfte genutzt. Vor dem Schönheitssalon stehen dickliche Zwanzigjährige in ihrer Zigarettenpause. Neben dem türkischen Feinkostladen treffen sich junge Türken in ihrer Mittagspause. Manchmal vermischen sich die letzten beiden ethnischen Gruppen, um gemeinsam zu Mittag zu essen. Ab und zu schlendert der an der Kasse arbeitende und mit einer Schürze bekleidete junge Türke auf die Straßenseite gegenüber des Schönheitssalons und raucht dort eine Zigarette. Dabei starrt er sehr angestrengt auf das Schaufenster gegenüber. Wenn er damit fertig ist, macht er einen kleinen Abstecher in die Apotheke.
Die Apotheke ist vor allem bei Notfalldienst nachts schön zu beobachten. In zehnminütigem Abstand halten dort Taxis und warten, bis der Fahrgast seine Medikamente abgeholt hat. Erst sucht der Leidende eine Klingel. Hat er die gefunden und betätigt, wartet er auf Antwort, indem er vor der Glastüre ins Innere des Ladens starrt. Der Apothekenangestellte kommt aber meist nicht für den Klingler einsehbar von links und meldet sich über eine Sprechanlage. Dann springt der Klingler hektisch zur Anlage, um dort konzentriert hineinzusprechen. Der Apotheker entfernt sich, um die gewünschten Medikamente zu holen, während der Sprecher immer noch wie gebannt an der Anlage hängt. Er lauscht in die Schlitze hinein, als würde jedes verpasste Geräusch eine Verschlechterung seines Gesundheitszustands bedeuten. Irgendwann steht der Apotheker dann auch wieder dahinter, um hineinzusprechen, was den Abholer erschrecken lässt. Dabei hat er doch die ganze Zeit auf diese Stimme gewartet. Nun, bei körperlichem Leid sind wir wohl alle ein wenig empfindlicher.
Schön zu beobachten sind auch modische Verfehlungen der Passanten. Während sich übergewichtige Frauen gerne in pink kleiden, tragen die großen Dürren eher schwarz oder gedeckte Farben. Ich versuche mich dem natürlich anzupassen. Leider fehlen meiner Kollektion noch Kleidungsstücke in pink. Dafür kenne ich mich seit meinem Umzug in Fragen der Hutmode aus. Baseballmützen sind nämlich out. Man trägt jetzt wieder traditionell, am liebsten den Lodenhut mit Gamsbart.
Leider geschieht nichts wirklich weltbewegendes hinter den Fenstern von gegenüber. So sehr ich darauf hoffe, es lassen sich dort keine Orgien und keine Nacktshows beobachten. Kürzlich sah ich zufällig einen Bewohner des gegenüberliegenden Gebäudes direkt in meine Wohnung starrend. Unverschämtheit so was! Das tut man nicht. Vielleicht gehe ich mal demnächst rüber und erzähle ihm was über Privatsphäre und gute Kinderstube. Wenn ihm langweilig ist, soll er halt seine Steuer machen oder stricken lernen aber bitte nicht in fremde Wohnungen spannen.
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